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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg"

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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

// 

ZUR GESCHICHTK 

DES 

KURFÜESTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



AUF VERANLASSUNG SEINER KONIÜLICIIEN HOHEIT DES 
KRONPRINZEN VON I'REUSSEX. 



SECHSTER BAND. 



BERLIN. 
DRUCK UND VERLAG VO.N GEORG REIMER. 

1872. 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUU GESCHICHTE DES 

KLIKFÜUSTKN FKIEDRK^H WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



POLITLSCHE VERHANDLUNGEN. 



DRITTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



I)«- B. ERDMANNSDORFFER. 

rR0FES>80R AS DER UNIVERSITÄT 0REIF8WALD. 



BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1872. 



V o r w o r t. 



i'er vorliegende dritte Band der ^Pulitischen Verhandlungen^, 
dessen Erscheinen durch verschiedene äussere Umstände län- 
ger als erwünscht verzögert worden ist, fUhrt bis zum Ende 
der ersten Hanptepoche in der Regierungs- Geschichte des 
K urfürsten F r i e d r i ch W i 1 h e 1 m. Während seine beiden 
Vorgänger die Autgabe hatten, den Gang der brundenburgi- 
sehen Politik in den letzten Jahren des dreissigjährigen Krie- 
ges darzulegen, und mit den äussersten Ausläufen und Nach- 
spielen der westfälischen Friedensverhandlungen abschlössen, 
so uinfasst der gegenwärtige Band die Periode von da an 
bis zum Beginn des nordischen Krieges und schliesst mit 
den Vorbereitungen und Vorspielen zu dieser neuen grossen 
Krisis, die in ihrem füufjährigen Verlauf zu so entschei- 

f dungsvollen Wendungen für die Geschichte des preussischen 
thaates fahren sollte. 
I Es ist im wesentlichen eine Epoche der Sannnlung, der 
Vorbereitung, der ersten tastenden Veröuche selbständiger 
Politik, welche durch die in diesem Bande enthaltenen Ac- 
tenstücke erläutert wird. Ein Versuch dieser Art war der 
Krieg gegen den Ffalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neu- 
burgt den TheilinhaLer der jUlich-clevischen Erbschaftslande, 

■ im Jahre 1651, mit welchem der erste Abschnitt sich be- 
schäftigt. Die hier mitgeth^ilten Acten über denselben, zu- 
sammen mit den in Band IIL und namentlich mit den in 



I 
I 




yj Vorwort. 

Band V. dieser rublication (durch den mittlerweile der Wis- 
senschaft und unserem Unternehmen durch einen frühen Tod 
entrissenen August von Haeften ) veröffentlichten , werden 
nahezu vollständig die Summe der erhaltenen imd zugäng- 
lichen Materialien über diese in mannichfacher Beziehung 
wichtige Episode darstellen. — Der zweite Abschnitt ist 
dem Reichstag zu Regensburg liebst dem damit zusammen- 
hängenden Königswahltag zu Augsburg gewidmet, 1653 bis 
1654. Bei der hohen Wichtigkeit, welche den Verhandlun- 
gen dieses Reichstags für die Gestallung der gesammten 
deutschen Angelegenheiten auf der Basis des westfälischen 
Friedens zukommt, wird man ein ausführlicheres Eingehen 
auf dieselben um so mehr gerechtfertigt finden, als es nur 
so möglich war, die merkwürdige Rolle zur vollen Anschau- 
ung zu bringen , welche die brandenburgische Politik auf 
dieser Reichsversammlung spielte. — Der dritte Abschnitt 
führt uns über die Grenzen des Reichstags und zum Theil 
des Reiches selbst hinaus. Er erläutert die zahlreichen Ein- 
zelverhandlungen, welche in den Jahren 1652 — 1655 theih 
mit verschiedenen deutschen Reichsständen, theils mit meh- 
reren auswäi-tigen Mächten geführt wurden. Wir erblickei 
die brandenburgische Politik hier in Mitten einer Fülle man 
nigfachster Anregungen und Anknüpfungen; das Bild eine: 
überaus bewegten diplomatischen Action bietet sich dar; ein( 
Menge neuer Persönlichkeiten treten auf die Bühne ; di 
Wirksamkeit eines talentvollen energischen Ministers , de 
hier neben den Kurfürsten tritt, macht sich bei jedem Schritt 
bemerkbar; durch das Ganze geht als verbindender Fade 
hindurch ein Zug rührigen, entschlossenen Vorwärtsstreben 
nach dem Ziele selbständiger, machtvoller politischer Ge: 
tung innerhalb der jetzt gegebenen Möglichkeiten, ein Zug 
der sich steigert bis zu den weitreichenden Entwürfen eine 



Vurwört 



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Politik, welche eine wesentliclie Umgestaltung der ßeichs- 
pülitik und für den brandenburf^^iscliea Staat die höchsten 
Aufgaben 7an ferne blicken lasst — Aber bald zeij^t es sich 
unmöglich, für jetzt diese Wege weiter zu verfolgen. Neben 
anderen Schwierigkeiten tritt vor allen hemmend dazwischen 
die seit der Thronbesteigung des Königs Karl üiistav von 
Schweden immer unverkennbarer heraufziehende Gefahr ei- 
nes neuen nordischen Krieges, dem gegenüber alle Kräfte 
des Staates notwendig auf das eine Ziel sich richten müssen» 
diesen grossen Sturm unversehrt und vielleicht mit Vortheil 
zu bestehen. Im vierten Abschnitt dieses Bandes sind, in 
Hinblick auf diese sich vorbereitenden Ereignisse, die Acten 
der politischüH Beziehungen des Knrftirsten zu den drei ver- 
engt namentlich in lietracht konnnendeTi nordischen Milchten^ 
zu Schweden, Pulen und Russland, bis zu dem Zeitpunkt 

ausbrechenden Kriesres zusammenfrestellt, 

Die drei jetzt vorliegenden Bande dtr -,Pulitisehen Ver- 
handlungen^ umfassen sonach, mit den ersten fünfzehn Ke- 
gierungsjahren des Kurfürsten Friedrich Willielm , die sie 
behandeln , eirjen in sich geschlossenen Abschnitt unserer 
Aufgabe: es ist die Zeit des ersten Wieileraufraffens aus tie- 
fem Verfall, der Grundsteinlegung für einen neuen Bau, der 
ersten Vorbereitungen tur ein neues Leben. Dieser Epoche 
stehen die nächsten fünf Jahre bis zu dem Frieden von Oliva, 
mit ihi'cn su betnichtlich erweiterten Autgaben und Leistun- 
gen, verhältnissraassig schon wie eine Zeit der Erfüllung und 
erfolgreicher Bewährung gegenüber ; ihnen werden die zwei 
folgenden Bände dieser Publication gewidmet sein. Als Ab- 
gchluss jenes ersten Hauptabschnittes ist dem vorliegenden 
Dande ein alle drei umfassendes Personen verzeiehniss beige- 
geben und dadurch die Benutzung, wie wir hoffen, wesent- 
lich erleichtert. 




vm 



Vorwort 



Der gi*ö8Ste Theil der Materialien auch dieses Bandes 
ist dem gelieimen Staatsarchiv zu Berlin entnommen ; jede 
Provenienz von anderer Stelle ist bei den betretFenden Ac- 
tenstücken vermerkt ; namentlich stammt eine beträchtliche 
Anzalü derselben aus dem flirstlicli Waldeck*schen Archiv zu 
Arolscn, welches der Herausgeber zum Zweck dieser Publi- 
cation durchforschte; einiges wenige ist ihm aus dem Archiv 
zu Hannover, ein grösseres Stück aus dem Waldeck'schen 
Archiv zu Cuyleuburg zugekoniinen. 

Die ersten Bogen dieses Bandes sind noch vor Beginn 
des grossen deutsehen Krieges von 1870 gedruckt worden — 
nun er abgeschlossen, tritt er hinaus in eine verwandelte 
Welt. In wie riesenhafter Grösse steht heute vor unseren 
Augen, was dieser von Kurfürst Friedrich Wilhelm erst 
wirklich begründete Staat in der Zeit eines zvvcihundertjäh- 
rigen Bestehens geworden ist; wie klein erscheinen neben 
den Thaten unserer Tage die mühsamen Anfange eines in 
engen Schranken befangenen Zeitalters , von denen dieses 
Buch Bericht ^i-ibt. Aber auf diesen Anfrmrren ruht doch in 
Wahrheit alles, was wir seitdem in staatlicher und nationa- 
ler Beziehung geworden sind. Es ist der Mühe werth, von 
den Höhen einer glorreichen Gegenwart einen dankenden 
Blick rückwärts zu richten auf die Arbeit und auf die Ar- 
beiter des siebzehnten Jahrliunderts. ^ 

Greifswald, Februar 1872. 



B, Krdinaiitisdörircr. 



I n li a 1 t. 



hVorwort » ▼ 

I. Der Krieg mit Pfalz- Neubarg lööl, 

EinleitUDg 3 

Acten , , 10 

Anhang, t. Ana den Rriegsacten von 1651 123 

2. Aufzeicbnong des Grafen G. Fr, v. VValdcck . . 129 

II. Der Reichstag äq Regensbarg, 

Einleitung 139 

Acten 148 

Anhang. 1. Waldeck, Maximen nach denen die geh. Rätbe sich 
za richten 452. 2. Schwartikopf , (iedunken wie in 
denen Reichaduliberationen 7.u verfuhren 453. 3. Wal- 
deck, Gedanken wie denen . . . Empörungen der Unter* 
thanen gegen ihre Obrigkeit ein jeder Herr an sei- 
nem Orte begegnen soll 454. 4. Waldeck, Gedanken 

wie in Reich Bdeliberntiünen zu verfahren 455 

II L VerUandlurigen in iiiul aitsst^ dum Reiilie lt>*VJ — 1055. 

Einleitung ........ 4G1 

Acten 4G3 

1, Die Hildeaheinier AHiance 46.H. 2. Verhandlungen 
mit den brau nach weiglschen Herzögen lö52. 406. 3. Me- 
moire Waldeck's über Verbiudniig mit Frunkreich 468. 

4. Niederaäcbdischer Kreistag 2u Lüneburg 1652. 470. 

5. Verhandlungen mit Hentug Karl von Lothringen 
1G52/3. 471. 6. Zum weatfulischen Kreistag in Essen 
1653. 474. 7. Sendungen Wesenbeck'sj Gel. Ins Dec, 
16.'j3. 476. 8. Gutachten Waldeck' s über die Alliance- 
fru^^e 4S6. 9. Der lothringische Einfalt m daä Bisthnm 
Lattich und die Mtndener Couferenz 5ÖL 10. Die Ge- 
fangennahme des Herzoge von Lothringen und der 
Vertrag von Tirlemout 509 IL Die Werbungen in 
Mecklenburg und die Conferenz von Tnngurnjiinde 5L5. 
12. Die Ceufereuz in Hiimburg 525. 13, üuberbUck 
aber die Lage beim Schluss des ReichBtaga (sieben 
div. AnTzeichnungen von Waldeck) 528. 14. Ver- 
handlungen mit Spanien und Frankreich; a) die Spi- 
Dtda'sche Affaire 548. b) Beziehungen zn Frankreich 
572. 15. Die Confereneen zu Goslar und Wetzlar 575* 
16. J^ie Conferenz in Arnsberg 602. 17. Vermittetung 
Kwiächen Bremen und Schweden 618. 18. Die Confe- 
renz zu Hannover 625. 19. Der niedersächsische Kreis- 
tag und das brauoscbweigischo ßüudniss 632 



Inhalt. 



lY. Brandenburg und die nordischen Mächte 1649 — 1655. 

EioleitQDg 6 

Acten 6 

1. Berichte Schlezer's ans Schweden 651. 2. Berichte. 
Dobrczenski's ans Schweden 663. 3. Die polnisch- 
schwedischen Friedenstractaten zn Lübeck 673. 4. Be- 
richte von Hoverbeck und Adersbach ans Polen 679. 

5. Beziehungen za Russland 7 

Personenverzeichniss T 



Der Krieg mit Pfalz -Neubm^ 

1651. 



Mat«r. lor Getcli. d. Gr. Kurr&nten. VI. 



Einleitung. 



i/ie BeziehoDgen zwischen dem Karfiirsten Friedrich Wilhelm und 
dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neubörg sind in dem vierten 
Bande dieser Sammlung bis zum Abschlnss des Düsseldorfer Provisional- 
Tergleichs vom S.April 1647 erläutert worden*). Ein neues Abkommen in 
Betreff des Theilbesitzes der streitigen Lande war getroffen, die schweben- 
den Schuldverhältnisse neu geordnet, in Bezug auf die kirchlichen Ange- 
legenheiten der Grundsatz festgesetzt worden, dass das Jahr 1612 als Nor- 
maljahr für die Gebietsabgräuzung zwischen den beiden streitenden Confes- 
sionen gelten sollte. 

So wenig indess wie alle früheren Verträge brachte dieser diplomatische 
Versuch Conrad's von Burgsdorf eine wirkliche Lösung der obwal- 
tenden Schwierigkeiten. Binnen kurzem waren fast alle einzelnen Haupt- 
punkte des Vergleichs schon wieder in Frage gestellt. 

In einem besonderen Nebenrecess vom 10. April 1647 hatte der Kur- 
fürst sich mit dem Sohne seines Rivalen, dem Pfalzgrafen Philipp 
Wilhelm, unter Zustimmung des Vaters, dahin geeinigt, dass er dem- 
selben die Herrschaft Ravenstein unter gewissen Bedingungen auf Lebzeiten 
des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm überliess, wogegen ihm die beiden 
Aemter Ravensberg und Limburg in der Grafschaft Ravensberg übergeben 
wurden*). Die Vollziehung dieses Tausches war unmittelbar nach Abschluss 
des Vergleiches erfolgt. Aber in kürzester Frist schon erhoben sich neue 
Differenzen. Von brandenburgischer Seite wurde geklagt, dass der Pfalz- 
graf Philipp Wilhelm Anstalten treffe, um Ravenstein zu seinem dauern- 
den Besitz zu machen, auch über den Tod seines Vaters hinaus; er hatte 
das Land seiner Gemalin als Witthum verschriebeiT; er hatte bei der bra- 
bantischen Lehnskammer in Brüssel, von der diese kleine Herrschaft de- 
pendirte, einen Spruch zu erwirken sich bemüht, wonach diese nach bra- 



«) ürk. u. Actenst IV. p.335ff.; vgl. v. Mörner Staats vertrage p. 136ff. 
^ 8. ebenda«, p.337 and 140. 



4 I* Der Krieg mit Pfalz-Neoborg. 

bantischem Recht, abgesehen von der reichsrechtlichen Entscheidang übei 
die anderen Erbschaftslande, ihm allein zuständig sei n. s. f.'). Nach vielen 
Weiternngen schritt man zu einem neuen Vergleich über diesen Punkt 
dessen Hauptinhalt dahin ging, dass der Kurfürst gegen eine ihm binnes 
zwei Monaten zu zahlende Summe von 40,000 Thalern auf den bisher ge- 
machten Vorbehalt verzichtete und dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm 
die Herrschaft Ravenstein frei überliess, bis die als competent anerkannte 
Lehnskammer in Brüssel ihr rechtliches Erkenntuiss abgegeben habec 
würde; der Process bei derselben sollte binnen drei Monaten eingeleitel 
werden*). 

Natürlich unterlag die Ausführung auch dieses Vergleichs wiederua 
den vielfältigsten Weiterungen. Der Pfalzgraf zögerte mit der Auszahlung 
der stipulirten Geldsumme; der Kurfürst drohte, den Vergleich zu cassiren 
noch einmal wurde Burgsdorf abgesandt, die Sache in Düsseldorf zu be 
treiben (September 1649); endlich folgte die Zahlung der Hälfte; über di< 
andere Hälfte neues monatelanges Hin- und Herzerren; schliesslich ist di< 
ganze Summe doch richtig ausgezahlt worden'). 

Nicht minder kam es mit dem Pfalzgrafen Wolf gang Wilheln: 
selbst zu ärgerlichen Auseinandersetzungen über die in dem Vertrag be* 
stimmten Geldzahlungen; gegenüber den von dem Kurfürsten zu forderndei 
160,000 resp. 100,000 Rth.«) brachte der Pfalzgraf jetzt nachträglich ein« 
Gegeurechnung vor für Baukosten an der Festung Sparenberg, die er bis zua 
Jahr 1647 besessen hatte, im Betrag von 60,000 Rth., deren Vergütung ei 
beanspruchte. Es trat deutlich zu Tage, dass an eine wirkliche Erfüllung 
der in dem letzten Vergleich übernommenen Verpflichtungen nach diesei 
Seite hin in Düsseldorf niemals ernstlich gedacht wurde. 

Aber ebenso wenig nach anderen Seiten hin. Inzwischen war dei 
westfälische Frieden geschlossen worden. Die J ülich-Clevische Streitsach« 
gehörte zu den Angelegenheiten, die derselbe ungeschlichtet und nur mil 
einer wenig sagenden Anweisung zu friedlichem Ausgleich der Zukunf) 
überliess^). Eben aus dieser Unbestimmtheit aber entsprangen neue Zer- 
würfnisse. Das Friedensinstrument hatte als Normaltermin für die Resti- 
tution des Besitzstandes zwischen den beiden Bekenntnissen im R«ich des 
1. Januar 1624 festgestellt. Sollte diese Bestimmung auch für die im Besiti 
des Pfalzgrafen befindlichen Laude Jülich und Berg Geltung haben, odei 
blieb für dieselben die Vereinbarung von 1647 in Kraft, vermöge deren 
das Jahr 1612 als entscheidendes Normaljahr stipulirt worden war? Dae 



') Pfalz-Neoburgische Acten ad a. 1648/9. 

*) S. den Vergleich bei v. Mörner a. a. 0. p. 150 f. 

') Quittung über die ganze Summe von 40,000 Rth. dat. Färstenwalde 
24. Juli 1650. Worauf dann von brandenburgischer Seite wieder neue Klagen 
erhoben werden über die durch den Verzug erlittenen Verluste, über die ra 
zahlenden VersäumnisszinBen u. s. f. 

•) 8. V. Mörner p. 188 u. 139. ürk. u. Acten st IV. p. 386. 

') Inst Pac. Osn. IV. §.57. — conventum est, ut ea quoque [causa Julia- 
censis successionis] pace confecta ordinario processn coram Caesarea Migestate 
vel amicabili compositione vel alio legitimo modo sine mora dirimatur. 



EtnleÜQDg. 



Fnedensitistrument ^cbwiep^ über iücpc Frage ^ auf welche für jene Lande 
alles aokaiu* Deou genidc zwischen den beidca TermiiieD voa 1612 nod 
1624 lag der üebertritt des Pfalzgrüfen Wolfgaug WH beim vom luthe- 
rit-cben zum katholiijcheu Bekcnntnis^s (IG 13); mit der Geltung des frtihrrcü 
TermiDs war die Aoerkeouuug von Jülich-Berg als protestantischem Terri- 
torium »QsgeFprochen; galt das Jahr 1624 , so kam dem inzwiseben ka- 
tholisch gewordenen Pfalzgrafeu das Beueficimü des landesherrlichen Jus 
rcformaodi zu Statte u. 

Für die Frage, in wie weit Bestimmungen des ProFisionalferglelchs 
Ton 1647 durch BcÄtimroungen des allgemeinen Friedens von 1648 abrogirt 
worden^ oder welches Recht jene gegen diese hatten, gab es eigentlich in 
der That keinen Richter, da der ganitc Be.sitzstiuid der beiden possidiren- 
den Fürsten in den Jülich-Clevischen Landen reicbsrechtlich überhaupt nur 
ein tbatsächlicher, von Kaiser und Reich officiell noch nicht anerkannter 
aud sanctiouirter war. Naifiriicb verfehlte der Pfnlzgraf VVolfgang Wil* 
beim ojehty sich für die Bet^tinmmug des Friodensinstrumentes und für das 
Normaljahr 1624 zu entscheiden und begann alsbald, den Vortheil dieser 
Auffassung für sich und für die an seinem Hufe herrschende streng katho* 
tische Richtung dienstbar zu machen. Kaum ein Monat war seit der Un- 
terzeichnung der Friedensinstrumente vergangen, so begannen die Gewalt* 
samkeiten der Düsseldorfer Kegteruug gegen die Evangelischen iu Jülich 
und Berg, die schon seit langem einen Gegenstand des Zerwürfnisses ge- 
bildet hatten, wieder in verstärktem Maassstabe hervorzutreten. Der Kur- 
Hirst entgegnete mit Repressalien gegen die Katholischen in Cleve-Mark. 
Seine Beschwerden bei den noch in Münster versammelten Gesandtschaften 
zum Friedenscougret^s blieben erfolglos*); man fuhr auf beiden Seiten fort, 
in dieser Angelegenheit thatsächlieh zu verfahren, wie Interessen und Lei- 

easchaften e» geboten; der hiissHche Streit zieht sich, die gegenseitige 

{rbitterung immer nährend und steigernd, ungeschlichtet durch alle folgen- 
. Jahre hindurch. 

Ein oflicietler Vcrftueh zur Beilegung desselben wurde von kaiserlicher 
Seite gemacht. Einige Wochen nach Ratification des Friedens ernannte 
Kaiser^ auf speciellen Antrag des Pfalzgrafen, eine Commission, be- 

thtnd ans dem Kurfürsten Ferdinand von Köln und dem Herzog 
Augast von Brauuschweig -Wolfenbüttel, ^zur Ordnung des Kirchen- und 
eligionswesens iu den Jülich - Clevischen Landen'^; ihre Aufgabe sollte 

iiüf die Angelegenheiten dort nach Maassgabe des Friedensiustrumentcs, 
h also nach dem Normaljahr 1624 zu ordnen und einen Vergleich der 
beiden Interessenten herbeizulühreu*). Dieser Versuch wurde iudess von 
Brandenbnrg von vorn herein mit Entschiedenheit abgelehnt Als die er- 
nannten kaiserlichen Commissare den Kurfürsten zur Beschickung eines in 
Cöln abzuhaltenden Termins aufforderten, antwortete er ihnen mit einem 



*) TtelfalUge Verhandlungen darüber ia den Acten der Gesandtichaft in 
Miintter nach AbscUIuäs des Friedens bis zur vollzogenen Ratification dedselbeo, 
Ton Anfang Decifuiber 1048 nn. 

*) Die Krueoüung der Commisaion erfolgte s, d, 16, April 1649. 



g L Der Krieg mit Pfalz-Neubnrg. 

Protest gegen ihren ganzen Auftrag (2. Oet. 1649); in einem Schreibet 
an den Kaiser legte er eingehend die Gründe dar, weshalb er die Anei 
kennung der Commission yerweigern müsse: der Vergleich von 164Y ml 
dem Normaljahr 1612 sei zwischen den beiden Contrahenten völlig rechts 
giltig und werde durch das Friedensinstrument nicht alterirt; ein Anlas 
zur Einsetzung einer Commission sei also nicht vorhanden; der Pfalzgrs 
sei einfach verpflichtet, seinen Zusagen von 1647 für die Daner des Provi 
sionalvergleichs nachzukommen. Uebcrdies wurde auch gegen die Perso 
des Kurfürsten Ferdinand von Köln Einsprache erhoben, der als bairi 
scher Prinz dem Pfalzgrafen zu nahe verwandt 8ei| um unparteiisch sei 
zu können, und der als Erzbischof von Köln auch direct an der Frage ii 
teressirt sei, ^sonderlich wegen des prätendirten und ihm nicht gestäi 
digten iuris episcopalis, so von etlichen hundert Jahren bei den vorige 
Herren Herzogen zu Cleve und Jülich gewesen* "•). 

Natürlich erfolgte hierauf nichts weniger als etwa die Zurücknahm 
des kaiserlichen Commissoriums; vielmehr wies der Kaiser den Protest d( 
Kurfürsten in scharfer Weise zurück und erklärte, dass auf abermaligf 
Anrufen des Pfalzgrafen die Commissare von neuem aufgefordert worde 
seien, das aufgetragene Geschäft in die Hand zu nehmen")- Als einig 
Zeit darauf Kurfürst Ferdinand von Köln starb (13. Sept. 1650), wurd 
auf Antrag des Pfalzgrafen der neuerwählte Bischof von Münster, Chri 
stoph Bernard von Galen, an seiner Stelle zum kaiserlichen Commissi 
ernannt. 

Freilich kam man mit diesem Mittel nicht weiter. Jeder neuen Ladon 
der Commission setzte der Kurfürst von neuem seinen Protest entgege: 
und so zieht sich dieser Versuch, die Angelegenheit unter dem Deckmaat 
der kaiserlichen Autorität im Sinne des Pfalzgrafen zu regeln, noch durc 
lange Monate hindurch, ohne jeden Erfolg, bis er endlich in dem Krieg 
lärm von 1651 unterging. 

Die Erläuterung dieses letztgenannten Ereignisses ist der Hauptgegei 
stand des nachfolgenden Abschnittes. Der Verlauf desselbed ist neuerdini 
mehrfältig dargestellt und in seinen Zusammenhängen erörtert worden** 
die in dem fünften Bande dieser Sammlung enthaltenen Acten der stänc 
sehen Verhandlungen in Cleve-Mark gewähren ein neues reichhaltiges Mal 
rial, um die Verknüpfung der inneren Verhältnisse dieser Lande mit jen 
auswärtigen Verwickelung zu beurtheilen. Dennoch bleibt auch jetzt no< 
vieles bei dem Ereigniss unaufgeklärt; die Motive, welche den Kurfürst! 
Friedrich Wilhelm zu diesem plötzlichen Angriflfskrieg im Sommer 16^ 
führten, die Ziele, ^le er damit zu erreichen hoffte, die ferner liegendi 

'«) Der Kurfürst an den Kaiser dat Wesel 29. Dec. 1649. 

^') Der Kaiser an den Kurfürsten dat. Laxenburg 16. Mai 1650. 

»«) Am eingehendsten Droysen Gesch. d. preuss. Politik III. I. 349 ff. E 
2. 10 ff. V. Mörner Märkische Kriegsobersten p. 182 ff. 269 ff. Ueber die holIä 
dische Vermittelung dabei Urk. u. Actenst HL p.66ff. Ueber den Anth< 
Waldeck's Erdmannsdörffer Graf Georg Friedrich von Waldeck p. 14 
Ueber die gleichzeitigen standischen Verwickelungen in Cleve -Mark Urk. 
Actenst. V. p.40dff. 



EtoteitaDg. 



CoiDbioattoQen, die sich etwra daran knüpfteDi köuneD zum grossen Thell 

nur mit grösserer oder geringerer Wahrsobeinüchkeit erschlossen und ge- 
tnuthmaasfit werden; «gerade diese wichtigsten Fragen entziehen sich der 
acteumässigen Belegung, Eine gewisse Erläuterung erhält das Unternehmen 
von 1651 durch das Praeedens eines ähnifcben Versuches, der schon mehrere 
Jabre früher gemacht worden war, und auf welchen in diesen Publicationen 
zuerst hiugewiesen worden ist^*). ludegs ist aus allem ersichtlich, dass der 
jetzt begonnene Krieg nicht allein durch die grösser angelegten militäri- 
schen Vorbereitungen, sondern auch in den daran sieh knüpfenden politi- 
schen Entwürfen von beträchtlich weiterer Perspective war, als jener frühere 
Ver&uch vom Jahr 1646. 

Wir unterlassen es^ an dieser Stelle die anderwärts von Anderen ge* 
machten Aufstellungen und Vennuthün:;en in Betreff der. weiteren politi- 
schen Zusammenhänge des Kriegen von 1651 zu wiederholen, um so mehr 
ftls aaeh die von ons hier beizubringenden Materialien gerade hierüber 
keine weiteren Aufschlüsse bieten. Als gewiss wird man annehmen dürfen, 
dass da« Unternehmen nicht einem einzigen, sondern einer mebrnLltigen 
Reihe von Motiven entsprang und ebenso die vorgesetzten Zwecke nach 
verschiedenen Seiten hin lagen. Dasa es ernstlich auf eine Züchtigung des 
Ffalzgrafen für seine kirchtieheu Gewaltsamkeiten und unter günstigen Um- 
landen auf die mögliche Erwerbung eines neuen Gebietstheils abgesehen 
rar, ist nicht zu bezweifeln. Nicht minder aber ist augenscheinlich, dass 
es dem Kurfürsten dabei zugleich auch galt, mit dieser miltiäriscbeu Macht- 
Itfaltung einen Streich zu führen gegen die seit dem Landtagsabschied 
In 1649 immer anspruchsvoller und zuversichtlicher ihm entgegentreten- 
den ständischen Hestrebuugen iu Cleve - Mark. Endlieh aber ist, von 
Drovseu zuerst, auch hingewiesen worden auf den sehr wahrscheinlichen 
Zusammenhang^ in welchem diese braudiübnrgische Kriegsrüstung mit den 
;ieichzeitigen politi.-tchen Vorgängen iu den Kiederlanden stand, wo nach 
"Siem Tode Wilhelm's II. von Oranien die Aristokratenpartei von Holland 
im Begriff stand, durch eine in ihrem Sinne geleitete Revision der Uuioug- 
Verfassung das jetzt hiinose orauische Haus ein für allemal aus seiner bis- 
iierigeu Stellung hinauszudrängen, und wa der Kurfürst, mit einer freilich 
tmltch gewagten Berechnung, vielleicht hofl'en zu dürfen glaubte, durch 
tint^n Krieg eine Diversion zu Gunsten der oranischen Sache heibeizu- 
fübren und vielleicht die Niederlande selb^t in den Kampf hineinziehen zu 
können''). Alle diese Gesichtspunkte griOcu dann ergänzend iu einander; 
der letzte freilich war der eütstheideniie: glückte es, den Zweck in den 
^'icderianden zn erreichen, so fügte sich voraussichtlich auch alles übrige 
leicht; miisslaDg jeuer, so mi^skug alles. 

Leider sind nur gerade nach dieser Seite der niederländischen ßezie- 

bongen bin «die bis jetzt aufi^efundeuen Materialien sehr dürftig und ge- 

^fitoUeii nicht mehr als Vermuthungeu über das Einzelne dieser Pläne, 



*•> I>er Binfall in das Herzogtbum Berg im November 1646. 
Aci«fiit IV. p. löOff, 220i!, V. p, 113. 

*') Vgl. dazu nucU Urk u. Acteufit. V. p. ilQ; 



S. Urk. u. 



g I. Der Krieg mit Pf&lz-Neuburg. 

Dieser ganze wichtigste Theil der Yorgeschiebte des Krieges von 1651 
die Beziehungen des Kurfürsten Friedrieh Wilhelm erst zu seinen 
Schwager Wilhelm IL, dann nach dessen Tode zn seiner Schwieger 
mntter und den Häuptern der oranischen Partei in den Niederlanden, dv 
Verhandlungen, die hier geführt, die Verabredungen, die hier getroffei 
worden sein mögen, liegen noch ziemlich im Dunkeln. Gerade die Wochei 
und Tage, in denen der entscheidende Entschluss gefasst worden seil 
muss, und der Act dieses Entschlusses selbst sind für uns fast gänzlid 
leer von erläuternden archivalischen Materialien. Auch wird das Wieli 
tigstc hier wahrscheinlich in mündlichen Verhandlungen vor sich gegange 
sein, die nicht aufgezeichnet wurden und an denen nur sehr wenige Th« 
' nahmen; die Berichte BlumenthaTs ans Wien, die wir unten mittheilei 
lassen erkennei, in welcher Ungewissheit über die eigentlichen Absichte 
des Kurfürsten sich selbst ein im Rathe desselben so hochgestellter Man 
wie dieser befand; freilich kann man, wenn man dieselben liest, fast ai 
die Vermuthung kommen, Blumenthal sei (abgesehen von der WichUf 
keit der Dienste, die er in Wien bei dieser Gelegenheit leisten konnte) g< 
flissentlich von dem Schauplatz der Ereignisse entfernt worden, denen < 
nach seiner politischen Richtung nicht sehr zugethan sein konnte. Wi 
indess hier nur als Vermuthung ausgesprochen werden kann. 

Die Unzulänglichkeit des eigentlichen Actenmaterials bei Fragen, w 
den hier vorliegenden, tritt dabei recht zu Tage. Privatcorrespondenzi 
zwischen Personen, die den Ereignissen nahe standen, daneben Tornehmli« 
auch historische Aufzeichnungen der betbeiligten Zeitgenossen selbst wii 
den hier allein aushelfen können. Es ist oflfenbar nur weniges von dies 
Art vorhanden, auch das etwa Vorhandene bis jetzt zum Theil noch uns 
gänglich '^). Man wird es aus diesem Grunde nicht uuangemessen finde 
wenn wir in einem Anhang zu diesem Abschnitt eine derartige historisc! 
Aufzeichnung von der Hand des Grafen Georg Friedrich vonWa 
deck, der während dieser Verwickelungen in die Dienste des Kurfürst 
trat, mittheilen, welche zwar erst bei einer späteren Periode derselben li 
ginnt, aber zur Charakteristik der Ereignisse und Personen manche lel 
reiche Züge enthält. 

Sowie die diplomatische, so ist auch die militärische Geschichte d 
Krieges von 1651 nur sehr mangelhaft herzustellen. Die eigentlichen Fei 
acten, die Berichte des obersten Commandanten Otto Christoph v* 
Sparr namentlich und anderer Officiere über die militärischen Vorgän 
im Einzelnen, sind nur äusserst lückenhaft erhalten, und ist ein anschi 
liebes Bild über die Gesammtheit der kriegerischen Ereignisse aus ihn 
kaum zu gewinnen. Wir theilen dennoch unten mit, was von Acten dies 
Art sich noch auffinden Hess. 

Mit der Pfalz-Neuburgischen Verwickelung verschlingen sieh aufs eng 
die Beziehungen zu dem Herzog Karl von Lothringen**). Seines Li 

») Vgl eben da 8. p.411. n. 12. 

'*) ^S\' üher ihn besonders d'Haussonville hist de la r^anion de 
Lorraine ä la France Vol. II.; nebst den Notizen aber ihn, die ich in G 
G, Fr. von Waldeck p. 157 ff. gegeben habe. 



EmleituDg, 



des von den Franzosen beraubt j von dem westfälischen Frieden aoBge- 
sehlossen, aber im Besitz einer zahlmclien Armee und anselmlicher Geld- 
mittel befand sich dieser Fürst von zieralieh abenteuerlichem Charakter in 
einer ganx ungewöhnlichen Lage. Parteiganger Spaniens gegen Frankreich 
und IQ den spanischen Niederlanden halb als Flüchtling, halb als selb- 
ständiger Kriegsherr zngehisfsen, stand er fortwährend nach allen Seiten 
hin in Verhandinngen auf eigene Rechnung und eigene Gefahrj in allen 
Welthändeln, nahen und fernen, bemühte er sich eine Rolle zu spielen; au 
vielen Orten nach einander hat er seine Dicn&^te angetragen; seine kriegsbe- 
reite Armee, seine verwegene Rührigkeit gaben ihra ein gewisses Ansehen; 
loch traute ihm niemand; Spanien i^elbst musste ihn schlii-t^slieh durch einen 

^Ge waltstreich bich unschädlich machen. Aber für die deutschen Reichs- 
lande am Rhein war er jetzt noch eine Macht, uro so gefährlicher» je mehr 
er Hch durch seine Ausschliessung vom westfälischen Frieden allor Rück- 
sichten ledig erachtete. Vom Kriege her hatte er noch eine Anzahl fester 
Platze auf deutschem Hoden in seiner Hand; von da ans brandschatzte er 
die kleineren Reichslande rinnsumj aber aucb die grösseren verschonte er 
nicht, militärische Einlagerung druhend oder Loskauf fordernd; auch die 
clevisch-brandeuburgischen Lande wurden in dieser Weise von ihm heim- 
ge&uchL Ihm war die kriegerische Verwickelung zwischen dem Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm und dem Pfalzgrafen besonders willkommen; ein 
directes Partcünteresse daran hatte er nicht; er würde, wie die Acten sehen 
lassen, vielleicht gleich gern dem einen wie dem anderen der beiden Gegner 
seine Dienste geliehen haben, sowie er sie in der That beiden anbot. Dass 
der Kurfürst ihn in gerechtem Misstrauen zurückwies , der junge Pfalzgraf 
Philipp Wilhelm ihn eifrigst suchte, entschied seine Parteinahme. Man 
wird den Spuren derselben in den unten folgenden Acten vielfältig begegnen. 
Wir begleiten in diesen den Verlauf der Verwickelung von 1651 bis 
SU ihrem Abschluss durch den Vertrag vom 11. October Auch den Nach- 

^hMt dtn das Ereigniss trotz seiner ganzlichen äusseren Resnltatlofilgkeit 
bis nach dem fernen Polen hin hervorrief, wird mau nicht ohne Interesse 
ÜB einigen charakteristischen Actenstücken kennen lernen. 



I. Der Krieg mit Pfalz -Neuburg. 

1651. 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. Dai 
Düsseldorf 5. Juli 1648. — 
1648. Creditiy für den Rath Dr. Heinrich Schnelle zu einer geheime 
5. Juli. Audienz. 

Werbung des Neuburgischen Raths Heinrich Schnelle bei 

dem Kurfürsten, o. D. 

^Derselben ist ohne Zweifel vorher bewu8st> wie widrig sich die Gtilicl 
und Bergische Landstände eine Zeit hero gegen I. f. D., als wol auch di 
Clevische, Märkische und Ravensbergische gegen E. Ch. D. unter dem V« 
wand, als wann denselben in ihren Privilegiis Abbruch geschehen wärt 
erzeiget haben. ^ Trotz der besten Absichten des Pfalzgrafen haben di 
Stände sich, mit Umgehung des Kaisers, an die Generalstaaten um Bei 
stand gewendet; der Kaiser hat ihnen dies zwar schon zur Zeit der wesi 
frischen Friedenstractaten untersagt und eine Commission (bestehend au 
dem Herzog Franz v. Lothringen, Bischof von Yerdün, nebst dei 
Domdechant zu Speier, von der Florst) dafür ernannt; diese haben auc 
die Stände für den 8. Juni nach Cöln geladen und dort mit ihnen verhau 
delt; aber ohne den Abschluss abzuwarten, sind sie dann abgezogen un 
berufen sich nun auf die von den General Staaten 1614 bei Gelegenheit de 
Xantener Vertrags übernommene angebliche Garantie. Diesem allen g€ 
genüber ersucht der Pfalzgraf den Kurfürsten: ^dieselbe unbeschwert sei 
wollen, in hac communi causa Ihro getreulich beizustehen, auch Ihre hocli 
vernünftige Gedanken und Gutfinden, wie Sie vermeinen, dass diesem weil 
aussehenden und sehr nachdenklichen Vornehmen beiderseits Landstände b< 
Zeiten und cum effectu zu begegnen sei, in Vertrauen gnäd. zu eröffnen.* 

Resolution des Kurfürsten. Dat. Cleve 11. Juli 1648. 

11. Jali. ^S. Ch. D. vernehmen diese Sr. f D. zugestossene Widerwärtigkeit un 
gerne und ist nicht ohne, dass auch S. Ch. Dt eipe ^eit bero einige widrig 



Gesandtschafl des Dr* Schoelle, 



11 



ßezeigungen von dieser Ihrer Lande ^ in specie des Herzogthams CleTe, 
Ständea verspüret hjibcn. Wann aber S. Ch. D- die jetzige gefUbrlicbe 
Laufte, so aucb, was für Inconvetiientieo daraus, wann es die Obrigkeit uff 
Extremitäten ankoaimeu lässt, beriliesseü und einspringen, consideriren oder 
erwägen: so können dieselben kein erspriesslicher und möglicher Mittel zu 
innerlicher Ruhe und Einigkeit . . , ersinnen oder finden , als dass den ün- 
terthanen ihre beweisliche und wol hergebrachte Privilegia coufirmiret, be- 
stätiget, unverbrücblich gehalten und dieselbe dawider nicht grayiret oder 
beschweret ... werden;"^ so bengt man dem vor, dass die Unterthanen sich 
an Fremde um Hilfe wenden. Aber auch wenn dies geschehen ist — ^er- 
achten S. Ch. D. weit rathsamer und besser, dawider mit dienlichen Re- 
präseotatiooen etc. einzukommen, als zu thätlichen Mitteln zu schreiten und 
die Gemüther dadurch nur mehr und mehr zu exacerbiren oder zu erbit- 
tern, zumalü nicht zu zweifeln, es werden hernächst, wann das Rom. Reich 
dorch Gottes Gnade wiederum beruhiget hl, sich wol Mittel und Wege 
finden^ wodurch, da ja bei einigen Refract<triis und beharrlich ungehorsa- 
men Unterthanen durch die Gelindigkeit nichts auszurichten, selbige zu ge- 
bührendem Gehorsam gebrachtt imgleichea Fremde von unbillgera und ihnen 
nicht geziemendem Patrocinio oder selbstanmaasslichen Sehutzhaltung ab- 
gehalten werden können. 

S. Ch. D. zweifeln im geringsten nicht, es werde des Herrn Pfalzgrafen 
Dchl. dero hocherleuchtetem Verstände nach dieses alles wol begreifen und 
Sr. Ch. D. nicht verdenken, dass dieselbe keine andere Mittel als diejenige, 
deren Sie gich selbst bishero gebrauchet, also noch gebrauchen ^ an die 
Hand zu geben vermögen.'* 



Dietrich Carl v. Wilieh, Herr zu Winneothal»), an den Kur- 
fürsten. Dat 0, O. 20. Jati. 1650. 

Bericht über eine im Auftrag des Kurfürsten auternommene Mission 1650. 
toach Brüssel an den Erzherzog. Der Kurfürst lässt sieh beklagen über die 20* Jan. 
den cle vischen Landen durch die Truppen des Herzogs v. Lothringen 
drohenden Ungelegcnhciten und Gefahren. Audienz am IL Januar Der 
Erzherzog gibt die Versicherung, thisa der Herzog von Lothringmi durch- 
aus nichts dem Kurfürsten Feindliches oder Unbequemes unternehmen wird. 



Instruction für Joh. Friedr. v. Loben an Kurcöln und 

Pfah-Neiiburg. Dat. Hamm 11. Ja?».* 1G50'). 

Y. Loben soll geuiemsehaftlieh mit dem knrcc»Inischen geh, Rath iLJaoT 
r. Lutzeratb sich so schnell wie möglich zu dem Kurfürsten vou Cöln be* 
geben und zwar unter dem Yorwand von Privatgeschäften in Bonn und 

■) Ygb aber diese für die innere Geschicbto der cleviachcn Lande wichtige 
Persönlichkeit Ürk. o. Actenat V. p. 92. 

*) Die nachfolgenden, in einem erst jüngst aufgefundenen eigenhändigen Dia* 
rinin Y. Loben' 9 enthaltenen Verhandltingen mögen hier als Ergänzung zu dem 
IV. p, 91 f. und V. p, 46*3 f. Gesagten eine Ötello finden. 



12 I* ^OP Krieg mit Pfalz-Neabarg. 

CöIq. Er soll ihm referiren, was zwischen dem KarTürsten nndLützeratl 
and zuvor schon mit dem nenburgischen Marschall Weschp fennig ver 
bandelt worden ist. 

Der Kurfürst ist allerdings auch der Meinung, dass bei jetziger Occa 
sion so schnell als möglich ^eiue Alliance oder Defensions-Alliance zuera 
zwischen Sr. Ld. und Uns, so auch weiter mit des Herrn Pfalzgrafeu z\ 
Neuburg Ld. und folgig dann andern fürnehmen Ständen dieses Kreise 
und denen Herren General- Staaten der Vereinigten Niederlande ^ mit Coa 
dition, dass man künftig auch die übrige Stände in diesem und andern Krd 
sen uff gewisse Maass dazu disponiren möchte, uffgerichtet würde^. 

Loben ist bevollmächtigt, mit Cöln und Neuburg das Nähere übe 
diese Alliance zu verhandeln und zu schliessen. Cölnische Gesandte solle 
dann zusammen mit Loben zu Pfalz -Neuburg gehen und mit diesem di 
Sache betreiben und ins reine bringen. Gelingt es hier, so begiebt mal 
sich dann gemeinsam zu den Generalstaaten, um auch da zu schliessei 
Gewinnt man Pfalz- Neuburg nicht, so soll Loben es mit Cöln und de 
Generalstaaten allein abmachen. 

Bei den Generalstaaten ist namentlich darauf zu sehen, wie es in Bc 
zug auf den Kriegsrath und die Vertheilung der Stimmen dabei einznricl 
ten ist und namentlich zu verhüten, ^dass sie, die Herren Staaten und de 
Herrn Prinzen zu Uranien Ld., sich des Kriegs Directorii bei dieser Vei 
fassung nicht anmaassen^. Die Verhandlung muss einstweilen sehr geheil 
bleiben. 

Will der Pfalzgraf auf die Sache nicht anders eingehen, als so, das 
sein Sohn die General-Majors- oder Generalsstelle bekommt, so hat Lobe 
zu sehen, was Cöln dazu sagt, und event. darein zu willigen, wenn ^S. L( 
nicht gar zu grosse Gage (als welche Wir Unsers Theils nicht prätendirei 
begehren würden •*. 

Ingredientia, so in die Alliance inseriret werden müssten. 

1) Nur defensiv; gegen alle Kriegsbeschwer des Kreises durch Foi 
derungen etc., wozu der Kreis nicht auf Reichs- oder Kreistagen seine Eil 
willignng gegeben hat. 

2) Gegenseitige Garantie der Alliirten. 

3) Bestellung eines Consilium bellicum, welches alle betreffende 
Maassregeln per majora zu beschliessen und anzuordnen hat. 

4) Dieser Kriegsrath verhandelt mit dem Geueralissimus und erthei 
demselben nach vorher mit ihm oder den dazu bestallten Generalen gepfl< 
genem Rath seine Ordres. 

5) Mit seinem Gutachten werden die Generale bestallt. 

6) Die Bestallung der anderen Officiere verbleibt den einzelne 
Alliirten. 

7) Es wird ein gemeiner Pfennigmeister oder Receptor bestellt, d< 
die Bundeskasse verwaltet und dem Kriegsrath Rechnung abzulegen hat. 

8) Das Directorinm des Kriegsraths führt der Kurfürst vc 
Cöln, ^sowol in Consideration dero vielen ansehnlichen Lande und Stifte 



Plan eioer DefendiviUliaiice mit Köln, Neuborg und deo NiederUndeQ, J^ 



als dM6 S. Ch. D, ein alter hochverstäodiger Churrürst UDd Regent sein 
und eine grosse Espertenz oder Erfahreobeit erlanget; diese Verfaseong 
^auch nor eine AUiance, nicht aber KreisverfiissuDg ist, und also sich dar- 
Iber das rürstliche Haus Jolteh mid Cleve nicht beschweren kann**. 

9) Die Stimmen beim Kriegsrath bangen ab von dem Maass dessen^ 
ras jeder ALliirte contribnirt. 

10) Der Kriegsrath ist auch bevoHmiichtigti andere Stände und auch 
die Gencralstaaten in die AUiance nufzuuehmen; so namentlich Brannsehweig 
ond Hessen. Die aber, die nicht zq dem Kreis gehören, sollen keine Bei- 
sitzer beim Krieiicsrath bestallen dürfen , mit Ausnahme der General^^taaten. 

11) Als Dauer der AUiance wird 25 Jahre vorgeschlagen. 

12) Das Oberkriegsgeneral II t gebührt dem Kurfürsten von ßran- 
deubnrg, ^als einem weltHchcn, au Landen und Leuten machtigen, auch 

, TOü allem, so zu Kriegsexpeditionen desiderirt wird und gehöret, gute Fun- 
iameutal Wissenschaft habendem Churfiirsten**. Neben ihm steht ein auf 
Gutachten der andern AlUirten ernannter ^wol erfahrener Kriegs-Qencral'', 

^der in Abwesenheit des Kuri'ürsten das Kriegsdirectorium hat und ausführt, 
was der Kriegsrath per majora beschlossen bat. 

13) ,Weun ein Feldzng oder Belagerung für die Uand zu nehmen die 
Nothdnrft erheischte, müssten einige aus dem Consilio belUco, so den Krieg 
wöl verstünden, bei dem Oeneraliäsimo oder Generain und den Armeen sieb 

Ijftfflialten, damit sie was nöthig und dienlieh mit anschaffen und einrathen 
konnten'^. 

14) jtDw Kriegsräthe müsüten ihre Residenz beständiglich zu Cöln 
r-iMier au einem andern bequemen .Ort, dessen man sich zu vergleichen, 

ben**. 

15) ^Sr. Ch. D. zu Cöln Coadjutoren und Capitula müssten diese AUiance 
^Jiitifieiren'^. 

16) Gegenseitiger Beist^ind der Alliirten gegen die Unterthaneo, welche 
aufgelegten Quoten zu contribuiren sieh weigern, 

WUl Pfalz- Neuburg nicht sofort beitreten, so ist zwischen Cöln 

ood Brandenburg aUein zu schliessen, ^aueb alle Bemühung anzuwenden, 

rdfliuii die Jülich- und ßergische Stände, gegen der AUiirten Znsage, dass 

iie dieselbe, gleich wie ihre eigenen ünterthanen beschützen wollten, ihr 

Contingent an Contributionen mit zutrügen'*. 

18) Um für den Anfang Geld zur Truppenwerbnng zu haben , werden 
sich Brandenburg und Cölo um eine Anleihe ^bei der Stadt Amsterdam, 
Herrn Grafen von Oldenburg und an andern Orten** bemühen. 

19) Dein Kaiser und den noch in Rü^tung stehenden fremden Mächten 
vird die Intention dieser AUiance, sobald sie gescblosseu, notifieirt, 

20) ^Den Herren Schweden auch ahdann, und wenn man eine gute 
Anzahl Völker auf den Beinen* und sich mit. den Herren Staaten confcide- 
riret hätte, ihrer Lande Contingent zu den 5 Millionen offeriret und uGT Eva- 

^cuation der AUiirten Lande gedrungen'*, 

21) Ebenso mnss man Geld aufbringen, um die Abdankung der kais. 
TT r» and die Räumung dieses Kreises aufs schleunigste zu bewerk- 



14 !• ^^^ Krieg mit Pfals-Neubnrg. 

22) Zwei oder drei MoDat nach Äbschlass der Alliance soll Jedei 
seine za stellenden Truppen zusammen haben und dann der Krlegsrath b» 
stellt werden. 



T.Jan. Proposition v. Löben's, an den Kurfürsten Ferdinand toi 
Co In. Dat. Bonn 17. Jan. 1650. 

I.Jan. DefensiT • Alliance zwischen Brandenburg und Karcöln 
Dat. Bonn 21. Jan. 1650'). 



Von Bonn ans begab sich v. Loben nach Düsseldorf zu dem Pfal» 
grafen. Das Resultat seiner dortigen Verhandlung ergibt sich aas den 
nachfolgenden Schreiben. 

Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. 

Dat. Düsseldorf 31. Jan. 1650. 

(Eigenhändig.) 

1. Jan. Seine Absichten seien durchaus einer solchen Verbindung geneigt; 

V. Loben aber habe sich defectu maudati entschuldigt, als er, der Pfalz- 
graf, einige Abänderungen habe vornehmen wollen — ^unangesehen ich 
gewiss dafür halte, dass, wenn in der Handlung, die zwischen gedachtem 
Freiherrn y. Loben und den Cölniscbcn priyatim und ohne Beiwesen def 
meinigeu fürgangen, die meinigen dabei mit gewesen, und also conjuncüm 
gehandelt worden wäre, dass albereit alles, so ich diesmal erinnert habe, 
angenommen und richtig wäre^. Er werde nächstens Käthe an den Kar*» 
fürsten schicken, darüber zu verhandeln. Er hoflFe, der Kurfürst werde 
auf seine PMnnerungen eingehen, ^daroit es nit das Ansehen, dass man 
dahin zu trachten gemeinet sei, bei diesem Wesen eine personam mutam 
aus mir zu machen**. — 

Die Aendcrungsvorschläge, die der Pfalzgraf bei dem brandenburgischen 
Allianzentwurf macht, sind besonders: ^dass Sie mit Chur Cöln und Chor 
Brandenburg eine Woche um die andere und dritte des Directorii wegeu 
alterniren; und dann, wenn S. Ch. D. Generalissimus sein würde, dass S. f. D, 
das General-Lieutenants-Amt vertreten wollten, und weil der Generalissimus 
reformirt, so müsstc der General - Lieutenant katholisch sein u. s. f ^ (Aus 
v. Löben's Tagebuch.) 



>) Im Auszug bei V. Mörner Kurbrand. Staatsvertrage p. 153 ff. Zur eigent- 
lichen Perfection kam die Alliance nicht; über die eintretenden Hindemisse s: 
ürk. u. Actenst. IV. p. 91. 



Plan einer Defensivalliance mit Coto, Neuborg titid den NiederUadeD. {5 

Instruction für Conrad v, Burgsdorf an den Kurfürsten von 
Sachsen. Dat Colin a. Spr. 17. Febr. 1651'), 

[AobaliDang freundschaftlichen Vernehme na. Vorschlag gütlicher Emigtiag In 

der Jülich-Cleviacheo Sache. Erbietang des Korfurstea zur Abtretung der Bres- 

lauer SchuM und einiger Magdeburgischen Aemter au Karsachsen.] 

Neben Instruction, wonach sich Unser Ober-Cainmerer 165I. 
der von Borgstorff ahn Chur Sackischen Hoffe zu achten 2T.Febr, 
haben wirdt 

Erstlich soll Er S. Ld. dem Churfärsten Unsere freundt vetter 
und schwegerlichen Dienste vernriciden, undt da es S. Ld. und den 
Ihrigen nach dero couteiito glücklichen erg:inge, wllrde solches Uns 
zum höchsten erfreuen, und wllnsehten von Gott, dass die Gelegen- 
heitt sich also fügen mochte, damit sie beiderseits sich milt einander 
freundtlich besprechen konten, zumahllcn stetat zwissen beiden Churf, 
Häussern von dero Vorfahren in Gott ruhendt guttes Vertrauen undt 
Vernehmen geweasen und geflogen worden, dadurch dan beide Hitus- 
8cr ia grosser Consideraüon bey' anderen benaclitliahrlten gestanden. 
Nun wcren Wir ahn Unserem Ordt von Heitren begirig, wollten auch 
wünschen Anleitung zu haben, damit alle JlißverstaiKle undt Irrungen 
volkoranientlich durch guttliche Mittel undt Wege beigelegt werden 
mögen und rechte bestendige Freuudtscljaft zu ewigen Zeitten ^wissen 
beiden Ilflussern aufgericlit werden mochte. 

Weill nun Menuiglich bekandt undt bewust, in was für weitleuf- 
5n Streidt beide Häusser Saxen undt Bratidcnburg wegen der Jü- 
ichcn Succcssions Sache gerahttcn undt solches nuhmer über 
die 30 Jahre geweret nndt diesses die Ursache des Mistrauens wegen 
des dabei infallenden Interesse gewessen: so batt sich Unser Ober- 
Cammcrer durch die dritte oder viertte Uandt zu erkundigen, ob des 
Churfürsten zu Saxen Ld. sicli mitt Uns wogen diesses Streits in der 
Gütte einlassen wolteu. Da er nun »>olches erfahren mochte, batt er 
erstlich die Vorscblege von Seittcn Chur Saxen Ld. zu vernehmen; 
daferne aber S. Ld* sich hiermit erstlich nicht herauszlassen wollen, 
kan Unser Ober- Cammerer gegen S, Ld, gedenken, das ihme der 
Churf\lr«t selbst gefragt (da er von Uns ausz den Clevischen Landen 



') Gan« eigenhändig von dem Kurfürsten geschrieben, vermuthlich nach 
^mem Ihm vorlit?genden Concept; vieneicht halte Bnrgadorf diese Form ver- 
taugt, um tich bei dieser Mission für ane Fülle ganz sicher zu stellen* — Wir 
g«l»eii dieses, wie andere eigenhändige Stücke des Rurfursten, mit Beibehaltung 
«tfin4»r eigenen Schreibweise, 



15 ^ ^^i* ^rie? ii^it Pfals-Neabnrg. 

ZU S. Ld. geschickt worden)'), ob er wegen Jülischen Successioi 
Sache nicht einige Gommission und Vorschlege hette, dabero er Mm 
massung hette, das bei Chur Saxen Ld. zu Beilegung des Streittf 
Begir seie; dieses hette ihm nun Anlass gegeben, solches als ein ve 
pflichteter Diener Uns in Underthenigkeitt zu hinterbringen, auch fi 
viel bey den damahlligen anwesenden Rähtten penetriret, das Si 
gerne den Vergleich solches lanckwirigen Streitts zu rahtten begiri 
weren; er auch für seine Persohn hette Uns dazu zu disponiren zui 
höchsten sich bearbeittet, hoffte auch, das ahn Chur Saxen Durch 
Seitten man noch dahin incliniren tette; das gantze Werck beruht 
nur darauff, das einige Vorschlege von Chur Saxen Ld. dem Ob< 
Camroerer gethan würden, wodurch solcher Streidt gttttlichen compi 
niret werden mochte, ihme in gnedigsten Vertrauen zu encken [le| 
entdecken]: da hofte er durch Hülffe der anderen Räbtte mich dahi 
zu bringen, das Wir Uns zu solcher Handlung willig finden wttrdei 
S. Ghurf. Durchl. mochten ettwa in die Gedancken gerahtten, das d« 
Ober Gammerer Sie zu sundiren geschickt weren, so bezeugte er fi 
der gantzen Weldt, das er hierinnen nichts anders suchte, als m 
das bestendige Einigkeit undt Vertrauen zwissen so nahen Blutsve 
wantten und Ghurf. Häussern möge gepflantzet werden. 

Wan der Ober Gammerer S. Ld. hirzu inclinirt funden undt ma 
sich gegen ihme herausz lassen würde, hatt er solche Vorschlege zai 
Nachdencken an sich zu nehmen; daferne aber S. Ld. einige Stuck 
der streittigen Landen begeren solten, selbiges mit allem GUmpf, da 
Wir solches schwerlich ingehen würden, abzulegen undt anzudeuttei 
er hofte, man konte einen mitteleren Weck finden, damitt S. Ghur 
Durchl. beiderseits contentirt werden mochten. Undt hette zum Voi 
schlage erstlich zu bringen, das Ihre Keyserliche Maj. Uns 180,000 Rtl 
Gapitall undt über 300,000 Rth. Zinssen schuldig weren, dafür zur 
Theill die Lausenitze Stende, das meiste aber bey der Breslauische: 
Gammer stunde; für solche Posten aber betten sich die Hertzogen voi 
Liegenitz und Brige nehbenst den fürnehmbsten in der Schlessie und 
Lausenitz, einer für alle undt alle für ein obligirt undt verschriebei 
betten (sie)'). 

Wan aber Ghur Saxens Ld. sich hierzu nicht verstehen wollen 
hette er erstlich ein Ambt vom zukunftigen Fürstenthumb Magdenburj 



«) Im December 1647; 8. ürk. u. Actenst. IV. p. 762 flf. 

*) Za verstehen ist, was nicht ausgedrückt wird, dass der Kurfürst diesei 
Guthaben bei dem Kaiser (vgl. Urk. u. Actenst. IV. p.609. 919. Koch Fer 
dinand III. L p. 457) an Kursachsen abzutreten sich erbietet. 



Seadong Bargadorfs oacli Earsachseti. 



17 



zuzulegen; zum underen FOrschla^e kontte er erst bringen noch eins 
undt also bisz viere Ambtter zu vorigen allen zuzulegen gemecbtiget 
«ein. Jedoch soll er sich aaff die erste drej Vorschlege zum licrtzten 
halten, dabei auch die Keyaerliche lüittifieation Über obgemelten Con- 
tract zu erlangen S, Ld, den Churflirsten dahin zu verpflichten höch- 
stes Fleisses angelegen sein lassen; den in Entstehung dessen Wir 
Uns keines Weges hiczu inlassen wollen* 

Diesses ist nun Unsser gnedigster Will undt Befehll etc. 



Instruction für Conrad v. Burgsdorf an den Kurfürst Johann 
Georg von Sachsen. Dat Colin a* Spr. 3. März 165L 

[Curialieo, Hioweis auf die vielfältigen ßüatuDgen im Reich; die Lothringer; 
AafTorderaog tu gemeiDsamer SicUerdtellutig der Evau^elischen; gefährliche Lage 

der Dinge in Polen.] 

Bnrgsdorf soll nach Yerrichtang der ihm iu Halbcrstadt au fgetra- 13. Mari- 
onen Geschäfte sich zu dem Kiirliiri>ten von Sachsen begeben und bei ihm 
um eine geheime Andienz anhalteu. In derselben soll er zunächst das ße- 
dauern des Kurfiirsten aasdrückeo, dass es ihm noch nicht möglich gewe- 
sen, gelbst nach Dresden zu kommen, namentlich auch nicht zu dem jüngst 
liort gefeierten Beilogcr*). — 

Wir würden aber für ein sonderbares Glück halten, wann S. Ld. 
etwa in die Nähe an der Grenze kämen, dass mit dero Belieben Wir 
üna mit einem geringen Coniitat zu derselben begeben und ans allen 
KotUwendigkeiten Uns mit fc^r. Ld. in Freundschaft und Vertraulicbkeit 
£U besprechen Occasiou haben könnten* — 

Hierbenebens zweifelten Wir nicht, dass Sn, des Herrn Churfür- 
9ien zu .Sachsen, Ld, ohne das genu^^^sam wissend sein würde, wie 
dass sieh die mehrere Chnr-, Fürsten und Stände im h. Rom. Reiche, 
js fast in ganz Europa in Verfassung setzten und nicht allein ihre 
Laodvülker in Bereitschaft hielten, sondern auch die noch uf den Bei- 
nen habende geworbene Völker stärkten; ingestalt dann in dem ober- 
rheinischen Kreise albereit Werbungen vorgingen, und wäre der wcst- 
fUisehe Kreis dergleichen zu thun auch im Werke begriflfen; mit dem 
Vorwenden, dass solches dahin gar nicht angesehen, wiederum einen 
Krieg anzufangen, sondern dasjenige, was nach Besage des Frieden- 
«cfalnssea bis noch zur wiiklichen Execution nicht gebracht, durch 
•olebe Verfassung dazu möchte befördert werden; wie dann auch nicht 
wenige Stande ihre sonderbare Reflexion uf die lothringischen Völker, 
die hin und wieder schwebeten, halten müssten und nicht geringer 

*j Nämlich der beiden jüngeren Söhne des Kurfürsten, Herzog Christi an*a 
uud HerEog Moritz' van Snchseu im No7. lt>50> 

mmm. tat 6«*ch. J. Gr. Kurmrslco. VL 2 



18 I. Der Krieg mit Pfale-Neabnrg. 

Gefahr unterworfen. . . . Und Hessen Wir S. Ld. freundlich ersuchen, 
Uns Dero hochverntlnftiges Gutachten und Bedenken in diesem hoch- 
wichtigen Werke in sonderbarem Vertrauen durch ihn, Unsem Ober- 
cammerherrn, zu eröffnen, ob S. Ld. bei sothanem Verlaufe nicht 
rathsam und nöthig erachteten, dass man uf evangelischer Seiten 
gleicbergestalt (doch cum protestatione, dass es zu keinem Krieg an- 
gesehen) sich in Acht habe und gefasst halte, und da ja etwas an- 
deres, sonderlich uf der geistlichen katholischen Seiten, als die sich 
den Friedeuschluss allerdings nicht gefallen lassen sollen, hierunter 
steckte, dass man doch an evangelischer Seiten uf allen begebenden 
Fall nicht also leer, wie vorhin geschehen, gefunden werden möchte, 
sondern mit Zutretung des nicdorsächsischcn Kreises in solcher Postur 
stünde, dass nicht ein jeder über dieselbe zu herrschen sich einbilde. 
Und würde, da etwas widriges vorgehen sollte, die Rom. Kais. Maj. 
gleichfalls an diesen beiden Kreisen einen Rücken haben und sich auf 
dieselbe verlassen können. 

Burgsdorf soll ferner mit dem Kurfürsten auch über die Lage von 
Polen conferiren, uud welche Gefahr auch für das Reich darin liege, wenn 
dasselbe „von den barbarischen Völkern unter die Füsse geworfen würde*. 

Der Kurfürst an Biirgsdorf. Dat. Colin a. Spr. 27. März 1651 '). 

[VcrhandluDg über die Abtretung von Zinna uud Jüterbock. Das Amt Jericho 
kann nicht abgetreten werden. Neues Edict des Pfalzgrafen von Nouburg. Fa- 
milienkleinodion. Beabsichtigte Reise nach Spaa. Tod der Pfalegräfin yod 

Neubarg.] 

«.Apr. Meinen gnedigen Gruss zuvor, lieber Ober Cammerer. Euere un- 

terschidliche Schreiben hab ich woU empfangen und wünsche, das Ihr 

in bewusster Hauptsachen zu Dressen ettwas fruchtbahrliches auss- 

richten mochtet. Was Ihr sonsten wegen des Anibttes Zinnes undt 

Outterbückssen Kreisses meldet, hab ich woU ingenommen undt könnet 

Ihr solchen Bott guugsahm thun. Wegen Jericho trage ich gross Be- 

dencken, indeme solches Ambt mir sehr tieff ins Landt kumbt, su 

denie auch die Elbe allernegst daran undt mitt dem Ambt TangermUnde 

grensct, ich auch nach Tangermüudc nicht kommen kann, als durch 

den obgemelten Creiss. Für dieses were ein ander Ordt, welcher 

nicht weitt von Zinne were, zu setzen, undt wirdt Euch Euere In- 

Strudion gnugKam an die Ilandt gehen (sie), wie weitt Ihr gehen 

sollet; daboy es den sein Verbleiben haben wird. 

Der Pfaltzgraff von Neuburg hatt ein Edict ausgehen lassen, in 

■) Eigenhändig. Von den in dem Sehreibeo erwähnten Berichten Borgs* 
dorf's ans Dresden findet lioh nichts mehr vor. 



Seadaog' Bargsdorfs nach Karsaohßen. 



10 



welchem er meldet, dags er alle Tranftactionen oder provIsioDall Ver- 
^eiehe in den Standt von A*' 24 gesetz haben will, beruft eich auff 
das lustrumciitum pacis undt will also alle Evangelische Kirchen auch 
in den Standt stellen. 

Wegen der Kleinodt Kaste meiner Fraw Muhmen weiss ich schir 
nicht, wie man ohne olTence selbige auss Uandeu briug:en wirdt undt 
habt Ihr hirin sehr belmtsahni zu gehen *). Inmittels werdet Ihr au 
Kan steinen schreiben müssen, damit er fleissige Acht habe so viel 
muglich dahin zu sehen, damitt nichts veraussert werde. 

Eilet Euch ehist widerzukommen; dan ich rcsolvirt bin gegen den 
May alhie auf zu sein und nach >Spahe zu ziehen, Hienütt Gott befüllen. 

P. ä. Die alte Hertzogin von Neuburg') ist gestcTrben undt haben 
also die Evangelische viell hiran verloren undt besorgen sieh auch, 
das ihre Kirchen uuhmer werden ingezogen werden. 



Resolatioo des Kurfürsten von Sachsen auf die Werbung 12. Äpr 
[orgsdorfe, Dat Dresden 2. April 1651* 

In Betreff der gewünschten persuulidicn Zusannnenkuoft werde er 
oacbi^tens einen Tag und Ort dazn vorhchlagcu*). 

Die Krirgsrü>tungen im lU-ich werden wul mit der bevorsteht' nden 
Raiimunn^ von Fraukcnthal ilirc EndschafL finden. -- 



Zweite RosoUtion. Dat. Dresden 3, April 165L 

Der Kurfürst Johann Georg würde gern bereit gewesen sein, ge- 13. Apr. 
^in^ani mit feinen Vettern von Alteiiburg und Weimar die gebotene Un- 
~tf^ •■'<^ anzntrcteu. Aber erstens findet äicii, düss die bei dem Kaiser 

Iv ^ Lite (ieldschnid von diesem iiiclit aneikannt wird; das Amt Zinna 

kt durch das Instr Pac. dem Markgrafen Christian Wilhelm^) auf Le- 

*) Es tinodelt sich um den Nachlass der kürzlich verstorbeneti Üereogio 
Anna 8opbie voq ßrauoschweigt einer Schwester dee KurfursteD Georg 
WilUelro. V^L Urk. u. Actenat. IV. p. 778. Raban von Cansteiti war 
llofraUi nnd Obermarschall an iUrum Hofe iu Scboningen gewesen. 

^t Die X weile ftemttliu dee rfulzy:raren Wolfganjf Wilhelm, Katharioo 
Cltarlotte vuu Zwoihrückeu; übur ihre Stellung ala Refv>rmirte an dem katho* 
IttchoQ Hofe 7A\ I*u»oitld9rf 8. eben das. IV. p. 262. 

■) Die*© 51uaaramenkuüft faad bald «Iftrauf (24- April a« 8t,) iu Lichtenberg Statt; 
ygl*DraTsen Gesch. d, preuss. Pol. IIT 2. p, 23, nach deo im Dresdener Archiv 
NiiadlicheQ FrotokolieQ ; Teutscl sachs. albertiiu Geschichtskalcnder p. 70. Zu 
eit -lag über die obig-en Fragen kam es dabei nicht: daäs bei diesen Ver- 

h^ i von brandenburgischer Seite noch mehr als die oben beReichuelen 

Stocke, und namentlich auch Dalberstadt als Tauächobject für die BÜchsischea 
An^pff^cfae aaf Jülich -Cleve tu Hede gekommoa lat^ scheint eich ans dem Etn- 
gao^ des w. unL (p. 45) rersel ebnetet! kurfiachB lachen Schreibens dat Dresden 
,(12.) Juli ICol KU ergeben. 

<) VgU Urk. a. Acteuat. IV. p. 883. 921 ff, 

2* 



20 I- ^01* ^ri^g mit PfaU-Neoborg. 

benszeit and nach seinem Tode seinen Erben noch für fünf Jahre ange- 
wiesen; und endlich entspricht das brandeuburgische Angebot überhaupt 
entfernt nicht ^der Jülichschen und angehörigen Lande und Herrschaften 
FürtrefiFlichkeit**. 

Wolle der Kurfürst ^andere Media mit Land und Leuten, wie in sol- 
chen Fällen zwischen Chur- und fürstliehen Hänsern bränchlich^ vorbria- 
gen, so sei man gern erbötig, weiterhin auf die Verhandlung zurückzu- 
kommen. 

Vom Beginn des Jahres 1651 ab mehren sich die Anzeichen von den 
drohenden Absichten des Herzogs von Lothringen, einen Theil seiner Trup- 
pen im Clevischen einzuquartieren; im Februar stehen bereits mehrere Ab- 
iheilungeu an der Grenze. Ueber das Verhalten der clevischen Regierung 
und der Stände dazu vgl. Urk. u. Actenst. V. p. 464 ff. 



Der Resident A. de Staveren in Brüssel an den Kurfürsten. 
Dat. Bruxelles 9 de Mars 1651. 

[Der Herzog von Lothringen nimmt seine Ordres gegen Cleve zarück, verlangt 
aber Gold. Gerücht von einem Schutzbündniss der rheinischen Fürsten; Miss- 
vorgüügeu des Lothringers darüber. Verhandlungen desselben mit Mazarin und 
mit den frauzösischco Prinzen. Der Marschall Turcnno. Spanische Eriegsrü- 
stuogeo. Ein weiblicher Diplomat des Pfalzgrafen in Brüssel.] 

9. März. Celle, qu*il a pleu k Vre Alt. Smo El. me faire Thonneur de m'en- 
voycr pour Ic Seigneur Ducq de Lorraine, iii'est delivr6e icy juste- 
luent Ic luesnie jour, lorsquc j'ay gaignö ä la fin autant sur Thumeur 
dudit Seigneur et Ducq apres roille coutestations, protestations et 
toute Sorte des practicques, qu'icelluy a changä ses ordres donnis ä 
deux rögiinents, pour commencer ä prötendre les contributions de 
quelques villaiges de pays de Cleves, soubs pr6text, comme . . .*) 
libres de Vre Alt, ordonnant auxdits röginients de se retirer de lä tout 
incontinent, sans toucher audit pays. Sur quoy ayant faiet präsenter 
ladite lettre par quelqung de ses confidents, qui peut beaucoup sur 
son esprit, et rendre les gräces proportiouuies ä cette favorable re- 
solution, le Seigneur Ducq m'a faict dire par ce mesme .ministre, qu'il 
avoit des raisons d estat, plus importantes ä Vre Alt. qu'i luy, et dont 
il fcroit Ouvertüre peut-estre cn peu de temps, qui luy avoient obligö 
ä ce changcment, pr<itendant nöanmoins une recognoissance des Messrs 
lesEstats du pays de Cleves, une fois pour tout; ce qu'on m'a dict 
en termc expr<i8, affin quo par lä seroit ostö le scrupule, que les dits 
Seigneurs Estats pourroient avoir, comme de raison, d'une mauvaise 
consequence. 

'; Ein Wort unleserlich. 



Die lothriogische Gefahr. 



21 



Le» deax lettres originelles y q'ung des ministres du Seigneur le 
Ducq m'a escrit sur cette matierc par son ordre, et que j'ay envoy^ 
au Seigneur le Conseiller Hoorn, feront assez paroistre ä Vre Alt. ce qu*eii 
est d^une tacite pretention de ladite recognoissance. Je me rapporte, 
MaDdeigueur, en toutc hainilit^ et soubmission ä tout ce qae Vre AIL 
aTeoq les Seigneurs .Ses Estats y trouvera le mieulx convenir. 

Le bruict court icy, que Leurs AA. EE. respectiveoient de Mayence, 
Coulogne, Vre Alt. et le Seigneur Ducq de Nieubourg auroient 
k fciire une ligue enscinble pour s'opposer contre toutes les forces 
estrangeres, pour tout cas qu'il y pourroit arri?er respectiveroeut au 
lerritoire des dits Seigneurs et Priaces *). Le Seigoeur Ducq de Lor- 
raine y tesnioigoe ung desplaisir extreme, paree qu'on luy asseure, 
que Vre Alt y seroit autaut qu'engaigee; ear il dict, que ce qu'il luy 
at k demesler aveq les susdits autres Prioces, ne touehe, ny peut 
toacher k Vre Alt. Ele; outre qu*il a des raisons politiques, qui lui 
obligeot de vi vre aveq Vre Alt en toute bonue amttie et correspon- 
deoee. Cependant le Seigneur Cardinal llazariu faict oflfre ä ce 
Seigneur le Ducq de la restitution de toute la Lorraine, ap- et d^peu- 
denced en cas qu'icelluy veut joindre ses trouppes aux siennes (qu on 
tient icy celles du Marquis Fertc Seneterre)^ k quoy le Ducq a nion- 
8tr£ une si froide miDe^ niais accompagnt^e d'une methode si ambigue, 

I mais agr^able et complaysante, que les deputi^s, geos rus^s, nout 
Bceu coiuprendre, ny s^'aveut encores, k quoy que le susdit Seigneur 
et Ducq se resouldra tinalement 

Dautre coste, les deputes des Princes ne manquent pas k faire 
des offii'es si goustables^ que les plus grands de cette cour commen- 
cent k doubter desiä de nulle campague, ou s*il y aura, quVlle sein 
teile, que devant la fin d'ieelle on verra, peut estre, aussy celle de 
guerre« k laquelle neantmoins on sappresse tellement du cost^ des 
Espagnots, qu'on tient pour asseur(ä tous les armees en campagne, ä 
g^voir Celles de Pays-bas, Naples, Milan et Catalonge, sur la fia du 
mois prochain* — Le Sr Marechal de Turrenea se trouve de retour 

I de Namur k Stenay^ k desceu (k ce qu'on tient) des Espagnols, ce 

|qull ne donne pas peu d'onibraige, principalement au Sr le Comte 
de Fuencaldaigne, gouverneur general des Armes, qui sa pr^sent^ 
qnelques fois cautiounaire pour ledit Sr MareschaL taut aux S« l'Ar^ 

^diiducq que le Ducq de Lorraine, lequel luy a osd dire, que ny luy, 
ny tous ceux de sa race estoient capables k satisfaire a Tinterest» en 
caa que le Marescfaal viendroit ung jour k manquer de parole. 

•) Vßi ürk. o. Acte D 8t V. p. 476. 



22 I- I>or Krieg mit Pfalss -Neuburg. 

Lo Seigneur Ducq de Nieubourg seinble k se ne pas fier ta 
au present ä ses ambassadeurs comme il a faict autrefois; car 2 
Heu d'envoyer icy quelq'ung de qualit6 de sa noblesse, comuie il fai 
ordinairement tous les ans, il a envoy^ au present icy une femn 
de nulle condition, mais pourveue tant de lettres de eredence qi 
d'instruction escrite et signöe de main propre dudit Seigneur et Duc< 
q*ang formel ambassadeur ne sgauroit estre plus instruit que ladi 
femme. Ses propositions tient- on secretes, mais je suis asseurö qu'ellt 
Bont de peu dlmportance. 

Trotz der Stavercn ertheiltcn Zusicherungen beginnen indess d 
lothringischen Bedrohungeu unmittelbar darauf von neuem (t. Mörnc 
p. 306), besonders unter dem Vorwand der von den clevischen Stände 
verlangten ^Verehrung*' einer Loskaufsumme, die im Weigerungsfalle g< 
droht wird ^mit 3000 Pferden selbst zu holen**. — Die Verhandlungen da 
über mit den clevischen Ständen s. ürk. u. Acten st. V. p. 482 flf. 



Herzog Karl von Lothringen an den Kurfürsten. 
Dat. Bruxelles 2. Juni 1651. 

[Versicherung seiner freundschaftlichen Gesiunungon gegen den Kurfürsten.] 
2. Juni. Monsieur mon Cousin. Quoy que de moy mesme je sois extw 
mement enclin k faire ce qui est de mon possible pour le bien c 
soulagement de tous les sujets de V. A. et nomm^ment au pays d 
Cleves, qui k cause des terres franches et neutres, ses voisines, auroien 
pu Vhyver demier recevoir de grandes incommoditez par le logemen 
de mes trouppes: sy est-il que les lettres reqnisitoires de V. Alt « 
les diverses remonstrances que le S. de Staveren, Son resident ei 
cette Tille, m'a fait de Sa part, jointes k mon inclination particuliöre 
m*ont induit k faire souffrir la faim et Textröme necessitö k mesditei 
trouppes, avant que d'entrer audit pays de Cleves ou terres neutrei 
enclavöes en iceluy; ainsy que j'ay requis Vostre resident de dire plui 
singulierement k V. Alt., que je prie de me croire tousjours tres zeW 
pour le maintien des Ses interests, offrant dy mesler et engagcr les 
miens en toutes rencontres; dont je remets les particularitez au rap-> 
port dudit Seigneur resident tant au sujet dudit logement qu'autres 
affaires dont il lui parlera en mon nom. — 



Für die nächsten Wochen, gerade unmittelbar vor Ausbruch der Feind- 
seligkeiten gegen Pfalz - Neubnrg , fliessen die urkundlichen Quellen sehr 
spärlich; das wichtigste davon ist in Vol. V. dieser Publication mitgetheilt. 



Die lothringischo Gt^ftilir. Knegapltia gegou Pfalz-Neubarg. 23 

Die eutscbeideuden Beratbungen und Entäcbliessuiigca fanden Statte als 
der Karfürst iregen Ende Mai per^öolich in deu niederTheioiscbea Landen 
eintraf (ebenda?, p. 49T); es scheint, dass in müudlichcu Besprecbungeu, 
die vielleicht nicht einmal protokollariseb fei^tgebalten wurden, die Hanpt- 
Sachen zum Abscblu^s kamen; wenigi^tens liegt nur ganz vereinzeltes vor, 
wie das nacbfotgende Gotacbten von Seidel und Portmann. 

Instruction für Joachim Friedrieh v. Blumentbai an den ^Juni, 
Kaiäer. Dat Sparenberg 24. Mai a. St. 1G5L (Cooc. v, Schwerin«) 
In forma abgedruckt bei v. Mörner p. 269 — 274. 



Gutachten von Erasmiis Seidel und Job, Portmann über den 

Streit mit Pfalz-Neuburg, Dat. Wesel 29, Mai 1651'). 

Es komme ihnen nicht zu, das vom Kurfürsten einmal Beschlossene in 8«JuüI» 
Zweifel zu ziehen; indess müssen 8ie ducb anf das Teiiangen des Kurfür* 
feien ihre aufrichtige Meinung in der Sache abgeben. Sie betonen die for- 
malen Rechtseinwände; der Pfalzgraf wird über den Bruch der Provisional- 
verfcrägc klagen können, das Instr Pac. spncht gegen die beabsichtigte via 
facti; die Sache schwebt als Process beim Reich ^hofratb; der Kaiser und 
duA i^nze Reich werden gegen den Friedens bruch sich erbeben; es werden 

feich leicht Stande finden , welche die Kxeeution gegen Brandenburg über* 
nehmen. Die Schweden werden in ihrer Gewaltsamkeit in der pommer- 
^fcen Sache um so hartnäckiger werden, wenn der Kurfürst hier sich ins 
Rrecbt setzt. Wie der Pfalzgraf, so versucht vielleicht auch Knrsacbsen 
diesen Fall anszubeuten^ um den Kuifür^ten seines Erbrechts verlustig er- 
ki&ren 2U lastjeu. Sodann ist auch die Rücksicht auf die polnische Ver- 
WAiidtscbaft des jungen NeuburgersH und anf PreDSi^en nicht ausser Augen 
SU lassen. 

P.S. Dat. Cleve 2. Juni. Auch, gniid. Cburfiirst und IJerr, P2. J«ni. 
kaben wir uns bei unserer hiesigen Ankunft aus den Reversalen de 
Ib 1609 ergeben und u. a. darin dieae clausulani befunden: ^da Wir 

Ibeede (possidireudc Fürsten) vor haupt8äcblicher Entacheidung dieser 
Süceessionssach wider einander ichtwas de facto fUrnehnien würden, 
welches doch die Stände nicht vermutben noch hoffen wollen, sollen 
sie bis zu Unserer ReconciHatinn sammt und sonders ihrer getbauen 
Handgelübde auch erlassen sein." 
Hieraus möchten vielleicbt besagte Stande diese E. Ch. D. ihnen 
„ ttawissend gefiisste Resolution für eine Contravention wider die Re- 
H Tersalen halten und sich ihres schuldigen Gehorsams entscblagen 
^ wollen etc. — 



'> Vgl. v. Morner Mark. Kriegaoberffteo p, 310. Die Datirnog ist hier, ge- 
4e9 »oftsi im Cieviichen äbUcbea Gebrauch, nach dem alten Std« 



24 ^ ^^^ Krieg mit Pfals-Nenbarg. 

3. Juni. Krieg^manifest des Kurfürsten. Dat. Cleve 13. Juni 1651. 
Gedrückt bei Londorp Acta publica VI. 621 flf. 

L3.JuDi. Patent des Kurfürsten an die Stände von Jülich und Berg 
Dat. Cleve 13. Juni 1651. 

Gedruckt bei Londorp VI. 623 ff. v. Mörner p. 295 ff., wo auch eim 
Analyse der das Patent begleitenden officiellen Flugschrift. 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 15. Juni 1651. 

[Besetzong yod ADgermund durch brandenbargische Trappen; Protest dagegen 
AafforderoDg, die Truppen schleuDigst zurückzuziehen.] 

16.JiinL £. Ld. können Wir frl. unangefligt nicht lassen, wasmaassei 
Uns der ganz unvermuthete Bericht geschehen, dass unterschiedlich« 
Truppen E. Ld. Kriegsvolks zu Ross und zu Fuss gestern Abend ii 
Unserm Flecken Angermund mit Gewalt, darüber sie auch etliche 
Unser Unterthanen daselbsten erschossen, gedrungen und sich aldi 
eingelegt, auch albereits die Schlossgraben, damit sie dadurch an dai 
Schloss approchiren mächten, einzugleichen angefangen haben. 

Wann Wir Uns aber zu E. Ld. (nach dem zwischen Uns im Jah 
1647 aufgerichteten Vergleich, den Wir auch Unsers Theils, so vie 
an Uns, vollzogen) vielmehr, wie der Inhalt obgem. Vertrags mit sid 
bringt, einer beständigen freundvetterlichen Affection ... als eines m 
unversehenen An- und UeberfallS; auch Thathandlung versehen, um 
Wir Uns dahero nit wol einbilden können, dass die vorgangene At 
tenta mit E. Ld. Vorwissen und aus dero Verordnung erfolgt seiei 
und continuiret werden: so thun E. Ld. Wir ganz freundvetterlich um 
inständig ersuchen, dieweiln Wir deroselben zu einer Feindseligkei 
nit Ursach gegeben. Wir auch nit glauben können, dass dieselbe den 
Friedenschluss, auch den heilsamen Reichssatzungen und der Völkei 
Recht zuwider dergestalt wider Uns und die Unserigen thätlich ver 
fahren zu lassen sollten gemeinet sein, dass Sie dero Eriegsvölker . . 
alsbalden mit guter Ordre avociren, auch durch dieselbe Uns und Un 
sere Unterthanen femer nicht beschweren lassen, also auch den 
Kriegsofficirem ernstlich befehlen wollen, zu Verhütung aller Inconve 
nientien sich der ferneren Thätlichkeit und Attentaten gegen Uns unc 
den Unserigen in Unseren Landen gänzlich zu enthalten. Dadurol 
wird zwischen Uns und Unser beiderseits Posterität das nöthige guti 
Vertrauen und Einigkeit erhalten und weiter fortgepflanzt werden, di 
es sonsten im Gegenfall inner und ausser dem Römischen Reich einei 



Beginn des Etie^s« 



25 



Naebklang (welchen dergleichen friedbrHchfge Attentata iind 
Vcrfahrungen nach sich ziehen) würde verursachen, 

Seind demnach bei gegenwärtigem Unsern Currier E. Ld. will- 
fthriger chister Erklär-, Verordnung nnd freundlichen Bezeigung ge- 
wärtig. 



Der Karfürst an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm. Dat. Cleve 

17, Jui)i 1651, 

[BeclitfertigQDg des geecheheDeo Einfalls: Bmcb der Yertrage durch den 

Pfabgrafen etc] 

Aus E. Ld, Schreiben vom 15- dieses Monats, so Wir gestriges 17* JanLj 
Tages wol empfangen, haben Wir vernommen etc. Nun werden aber 
£. M,, wenn Sie nur io Etwas zurUckgedenken, sich unschwer aus 
'denen bereit in a. 1648 und 4P und seithero gewechselten Schreiben 
erinnern, dass Wir mehr dann höchstgenüthigt gewesen, solche Volker 
hoher auzuschicken, weil E. Ld. den Provisionalvergleich vom Jahr 
IG47, sonderlich in puncto religionis, nicht volnzogen, noch auf Un- 
Bre Tielföltige Erinnerung^schreiben volnzichen wollen, sondern sich 
Inf das Instrumeutum Pacis immerbin bezogen und behaupten wollen, 
der Provisionalvergleich dadurch insoweit cassiret und aufgeho- 
ben wäre* 

Demnach Wir aber E. Ld. unterschiedliche Reden und Motiven 

Schrift-^ so mUndlioh vortragen lassen, dass Wir beiderseits die 

hochbetheuerte Reversalcn und den darauf fundirten ProNnsiooal- 

rgleich zu halten schuldig und derselbe weder in einem noch kei- 

^'üem Theil durch das lustr* Pac. aufgehoben werden können, E. Ld* 

auch nicht bevorgestanden, die Reversalen, welche mit Ritterschaft 

und Städten Unserer F^Urstenthumen Gülicli und Berge von Uns und 

Jofieru respective Vorfahren insgesammt placitiret und dagegen Wir 

'^▼on den Standen zu Landesherren angenommen, einseitig zu dcclari- 

ren nnd im widerwärtigen Verstand, Ihrer selbsteigenen Synceralion 

in dem de a. 1614 gedruckten Patent zuwider, zu ziehen und einen 

^'l^'heil mehrgedachten Provisionalvertrags anzunehmen, den andern aber 

ror ungtiltig zu achten — sondern, da E* Ld. den Vertrag in einem 

und andern von Unwürden und ungültig halten wollen, derselbe Uns 

auch nicht binden noch obligiren könne, sondern Wir gleichfalls auf 

reiein Fuss st<L'hen mtlssen . . . worau.s Sie vor sich selbst zu schlicssen 

iben, dass die geklagte Verfahrungen dem Friedenschlus^, auch den 

heUsamen Reicbssatzungen und der Volker Recht nicht zuwider sei, 



26 ^ I^ör Krieg mit Pfali-Neuburg. 

weil Sie selbst durch Niehthaltung des Vertrags darzu Ursach gegeben^ 
und keine zwischen Chur- und Fürsten aufgerichtete Verträge bö* 
ständig wären, wann sie dergestalt von einem oder andern Theil ein* 
seitig infringiret werden sollten. Und werden Uns demnach E. Ld^ 
nicht verdenken, dass Wir zu Conscrvation Unsers Rechten und damit 
die Landstände beider Unser Ftirstenthumen Gülich und Berg bei 
ihren Privilegien, Freiheiten, Rechten und Gerechtigkeiten nach InhaU 
der Reversalen manutenirt und wiederum in ihren vorigen Stand und 
Ruhe gesetzt werden, Uns eines und andern Platzes bemächtigen 
müssen. Wir bleiben E. Ld. sonst etc. 



Der Kurfürst an Job. Copes im Haag. Dat. Cleve 16. Juni 1651, 

[Er soll bei den Generalstaaten den Gruud des begonneneD Krieges erläutern ; 

Bitte um Unterstützang; um eine Leibwache für den Kurfürsten und seine Ge* 

malin in Cleve. Hinweis auf das gemeinsame protestantische Interesse. Sped 

ficirung der Bitte um Unterstützung.] 

L6. Juni. Nachricht von den gegen Pfalz -Ncaburg begonnenen Feindseligkeitei 
Copes soll den Generalstaaten ^beweglichst vorstellen^, welchergestal 
diese wider Pfalz - Neuburg ergriffene und Uns abgenöthigte Waffei 
zu keinem andern Zweck von Uns dirigiret und zur Hand genommei 
worden, als dadurch Sr. Ld. wider Unsere getreue Unterthanen evao 
geliscber Religion den aufgerichteten Verträgen, pactis und Reversalei 
schnurstracks zu entgegen intentirten grausamen Verfolgungen, Pres 
suren und Drangsalen zu steuren und zu wehren und zu Haltung de 
Reversalen zu constringiren und also zur Raison zu bringen; gestal 
Wir Uns dann auch dannenhero zu mehrgemelten Herren Staaten fe 
stiglich versehen wollten, dass sie Uns desfalls hierunter nicht vei 
denken, sondern vielmehr diese Unsere gerechte Sache mit allem bc 
dürfenden Zuschub secundiren werden. 

Und weil Wir in so geschwinder Eil zu denen behörigen un* 
benöthigten Kriegesmaterialien und anderen Nothdürften nicht gelao 
gen können, so tragen Wir gleichfalls das sonderbare Vertrauen z 
ihnen, dass sie Uns damit in etwas assistiren und zur Hand gehe 
werden; gestalt Ihr denn dieselbe hierum gebührend anzulangen habe 

Ihr könnet auch wol zugleich bei ihnen vernehmen, weil Wir vo 
itzo alhier zu Cleve nicht mit genügsamer Guamison versehen, ob si 
Uns zu Unserer und Unserer herzvielgeliebten Gemalinn so viel bei 
serer Versicherung auf eine Zeitlang damit gratificiren wollten. 

P. S. Auch . . . wollen Wir hoffen, es werden die Herren Stat 
ten diese Unsere zu Rettung Unserer evangelischen bedrängten Unte] 



Beginn des Krieges. 27 

thanen [sie] um so viel besser Beifall geben, weil sie diese wider die- 
selbe vorgenoinroene Verfolgungen selbst nimmer approbiret, sondern 
sieh vielmehr der armen Leute mit Wegnelimung und Fangung der ka- 
tholisehen Geistliehen jederzeit rUhmlieh angenommen *). 

Was Wir Eueh sonst in diesem Unsem Schreiben an die Herren 
Staaten zu bringen [befohlen], dass sie Uns nämlich in dieser Unserer 
gerechten Sache assistiren und mit allem bedürfenden Zuschub secun- 
diren wollten, das habt Ihr wol zu mesnagiren und ehe nicht damit 
herauszubrechen, bis Ihr zuvor ihre Inclination zu diesem Werk wol 
sondiret, damit es nicht das Ansehen gewinnen möge, als wollten 
Wir, dass sie sich dabei itzo alsofort thätlich engagiren sollten. So 
viel aber die begehrte Kriegsmaterialien und andere Nothdurfk anrei- 
chet, begehren Wir dieselbe von ihnen anders nicht, denn um gebüh- 
rende Bezahlung. Wegen der Garnison alhier zu Unserer Versiche- 
rung vermeinen Wir, dass wol ein 150 Mann z. F. und 50 Pferde 
genug sein werden. Diesem nach habt Ihr die Herren Staaten zu er- 
suchen, dass sie Uns damit gratificiren und so viel Volker als obge- 
dacht aus ihren nUchstangelegenen Garnisonen Emmerich, Bees, Wesel, 
Schenkenschantz und Nimwegen förderlichst anhero commandiren 
wollten. 



Dieselbe Mittheilong ähnlich an den Residenten in Brüssel, v. Sta- 
veren, nebst Auftrag, die geeigneten Vorstellungen an den Erzherzog 
Leopold Wilhelm zu machen und denselben zu Einhaltung der Neutra-* 
lität zu bewegen. (Dat. Cleve 15. Juni 1651.) 



Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Oleve 8/18. Juni 1651. 

(Concept mit Correcturen von Schwerin.) 
[Äendemofr der , Hauptintention*. Anjrriff auf Berg. Bei dem Kaiser zu recht- 
fertigen. Ueboler Stand der pommerschen Sache. Aufforderung su baldiger 

Rückkehr.] 

Nachdem Wir Unsere Hauptintention mit der Entreprise auf den i8. Juni. 
Euch bekannten Ort aus gewissen Erheblichkeiten geändert, doch 
gleichwol Unsere bei einander habende Völker in das FUrstenthum 
Berge gehen lassen und Uns des Orts Angerort bemächtiget, auch 
sobald Unsere aus der Mark Brandenburg in der Marche begriffene 
Völker angelangt sein, ftlrter gehen werden, um hierdurch den Pfalz- 
grafen von Neuburg zur Raison zu bringen, Wir auch keines Weges 



>) Vgl Aitsema IlL 486. Urk. u. Actenst V. p. 410 f. 



28 I. Der Krieg mit Pfals-Neubnrg. 

zweifeln, dass er nicht auch hierüber bei I. Kais. Maj. heftig doliren 
und die Sache sehr exaggeriren werde: als haben Wir Euch dieses 
in Gnaden eröffnen lassen wollen, damit Ihr Euere Negociation nu- 
mehro nach itziger Beschaffenheit, weil das andere [Hauptwerk]*) 
nicht vorgenommen worden, zu reguliren haben möget. Wir setzen 
in Euch das gnäd. Vertrauen, Ihr werdet bei der Böm. Kais. Maj. 
die Euch mitgegebene rationes dergestalt anzuf&hren wissen, dass Sie 
dadurch veranlasst und bewogen werden mögen, Uns Unseres billigen 
Vornehmens nicht zu verdenken, sondern dasselbe vielmehr zu ap- 
probiren. 

P. S. (CoDcept ganz von Schwerin.) Die schwedischen Gommissare 
in Stettin lassen immer weniger Hofifnnng auf Restitution von Hinterpom- 
mern'). Blumenthal nnd Crockow sollen auf Einsetzung einer kaiser- 
lichen Commission dringen. 

Sobald Ihr nun die Euch aufgetragene Hauptsache in solchen 
Stand alda gesetzet, dass Ihr urtheilen könnet, dass Wir Uns nichts 
widriges von dannen zu befahren, so wollet Ihr Euch aufs schleu- 
nigste wieder zu Uns verfügen, aldieweil Wir Eures unterth. Einra- 
thens benöthiget sein werden. 



Der Kurfürst an Herzog Karl von Lothringen. Dat. Oleve 

18. Juni 1651. 

[ErinneruDg an frühere dem Herzog geleistete Dienste. Bitte um NichtciDmisohuDg 
in den Krieg gegen den Pfalzgrafen.] 

8.Jani. Monsieur mon Cousin. Vostre bienveillance envers moy ayant 
acquis un entier pouvoir sur moy, j'ay taschi tousiours de Vous ren- 
dre tesmoignage de ma bonne volonte Doncques quand j'ay entendu 
que Vous n'estiez pas comprins au traictö de la paix d'AUemaigne'), 
je n'ay pas laissö y fort contredire^ encores que ce fust en vain, dont 
je suis bien marris. Je ne doubte pas pourtant, que continuerez en 
la dicte Vostre bienveillance envers mon endroict 



*) Im Concept ansgestrichen. 

») Vgl. Urk. ü. Actenst. IV. p. 927. 

*) Der Herzog von Lothringen war insofern vom westfälischen Frieden ans* 
geschlossen worden, als nach Inst. Pac. Mon. IL §.3 Frankreich sich die Re- 
gelung seines Verhältnisses zu ihm auf dem Wege der Separatverhandlung vor- 
bchiclt; wogegen dann die Nennung des Herzogs im Inst. Pac. Osn. XVU. 
§.10 praktisch von keiner Wirkung war. Vgl. auch d'Haussonville hisL de 
la r^union de la Lorraine ä la France IL 273. Ueber die Beziehungen Bran- 
denburgs zu dem Herzog von Lothringen während der westfälischen Tractaten 
8. ürk. u. Actenst IV. p.443f. 452. 457. 462. 



Beg^iDD des Krieges. Der Hertog von LoibnofeD. 



39 



Ce^i pourquoj, estant maintenant survenus quelques differens 
entre moy et le Duc de Neubourg, je Vous prie, quil Vous [ilaise ne 
VcHts en mesler pas, n\ faire aucune assistance auditDac, encore que 
goa fils, le jeune Duc {k cfe qu on ra'a drct) Vous doit soUiciter et eu 
requerir; mais faire plustost en sortc que les susdictd differents soyent 
ruiddd entre nous deux en parüculier. Je recheixlicray tousiours las 
oecagions de Vous faire serviee en pareilles ou plus importantes oe- 
currences. 

Das weitereo schickt der Herzog von Lotbriogen seinen Rath Iloüs* 
■elot d'Hedival an den Kurfürj>teo ; am l. JuU küadigt der Kurfürst 
dem Herzog die bevorstehende Abscudang von ^un de mes premierf ministres'* 
aa ihn and den Erzherzog an, am sie über seine Absichten anfzukläreti. 



N. an N. Dat. 21. Juni 1651, 
(Ohne Unterschrift; am Schluss mit der Anweisung: „au feu'',) 

[TJeber die Stimmungen ia Feindesland; Ho0QQugeu auf Spanien aud Lothringen | 

BeflorgnUse der lleforinirten; allgemeine Erbitterung gegen ate, VVeiterverbrei* 

tang des brandenburgiscben Mauifestä*] 

Hochwolgcborner Graf, gnädiger Herr. E. Hoehgr. Exe. gn. Schrei- 2L JmiA 
ben hab untcrth. empfangen; daraus gern vernommen, dass 8. Ch. D- 
die Untertbanen schlitzen und alle Gewalt abkehren wollen. Zu Dlis- 
seidarf ist Anfangs grosser Schreck gewesen; dieweil sie aber nu nit 
zweifeln, I, Kais. Maj. und der Konig von Hispanien sich ihrer an- 
nehmen werden, und dass schon der Herzog in Lothringen ihnen zu 
HlUf komme, haben sie wieder guten MiUh. So sind auch die Reli- 
gionsverwandten sehr bestürtzet, machen sich Getlanken, der Kaiser 
würde Sr. Ch, D. Thun nicht billigen, und dass dahero ihnen viel 
Elends und Widerwärtigkeiten, auch Keligionsverfolguugen wiirdcn 
zawaehseo* Wäre ein Mittel zu finden, die gute Leut eines bessern 
EU berichten und ihnen diese schwermüthige Gedanken zu benehmen, 
iollte der Sachen gut sein. Die Verbitterung wider die Religions- 
Terwandten ist jetzt so gross, dass, da das Werk sollte Übel aus- 
fichlagen, ein grausam Blutbad daraus entstehen sollte. Daher sind 
die Leut in grosser Furcht und Angst, und da man ihnen schon bei 
ihrem Auf- und Abreisen einen Muth macht, können sie es doch nit 
glauben, sagen, der Kaiser wUrde es nit gut heisscn und darum eine 
Armäe wider S. Ch. D. ins Feld bringen. 



*) Wer der Schreiber des Briefs ist, ist nicht ersichtlich; Adressat ist Ter- 
blich der clevische Statthalter Graf Jobann Morits von Nassau. 



30 I- I^er Krieg mit Pfali.Neuburjr. 

E. Exc. gelieben zu bedenken, ob nit rathsam, etliche Manifesten 
ins Land von der Mark zu senden. Zu dem Ende kommen noefa 30 
und 20 Placaten hiebci. Sonst werden sie droben aueh algemaek 
bekannt Könnten auch wol zu Elberfeld, ^Solingen und andern Ortei 
getragen und hingelegt werden. Desgleichen könnte auch im 
von Gülich geschehen. 



Graf Jobann V.Wittgenstein an den Kurfürsten. Dat. Peters« 
hagen 21. Jnni 1651. 
II. Juni. Die befohleneu Regimenter sind in der Bildung begriffen, die Ofücien 
fast alle schon vorhanden; jetzt werden die Reiter und die Knechte ge- 
worben; die Werbung hat aber ihre Schwierigkeiten, weil überall iu dei 
benachbarten Landen scharfe Verbote dagegen erlassen sind; dringende 
Bitte um Geld für die Werbung. Vorgestern sind die unter ObersI 
V. Trotha stehenden Truppen ans der Mark im Mindenschen angelangt 
und sollen nächstens ihren Marsch fortsetzen*). — 

S. d. 30. Jnni erhält Trotha Ordre, seine Truppen nach Angerorl 
zu führen. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 21. Juni 1651*), 

[Ankunft in Wien. Grosse Aofregong über des Karförsten Unternehmen. Gral 

Fürstenberg. Gerüchte über des Karfürsten Pläne. Karsachsen. Bitte um g» 

nügeudü Einweihung in die Absichten des Kurfürsten. Belchaungsgeschafte.J 

II. Juni. Als ich gestern frühe mit Gottes Gnade alhier angclanget bia 
habe ich yernoramen, dass I. Kais. Maj. sich in etwas zu belustigen 
nacher Neustadt vor wenig Tagen gezogen und erst heute gar späte 
alhier anlangen werde; also dass ich wol meine Audienz schwerlidi 
vor morgen oder längst übermorgen erhalten werde. 

Sonsten ist die Stadt und der ganze Hof voller Allarm, inden 
I. f. D. vou Neuburg durch einen eigenen Courrier und weitläufige] 
Relation, so Sie des Nachts um 1 Uhr abgefertiget, anhero berichte 
und sich sehr hoch beschweret haben, wie nämlich E. Ch. D. ohne 
einige Denunciation Sie ganz unversehener Weise überfallen un( 
von Land und Leuten verjagen wollten; mit Bitte, L Kais. Maj. wollü 
derselben mit Volk und Geld allerforderlichst beispriugen und gegei 
£. Ch. D. secundum constitutionem fractae pacis verfahren. 

Es soll auch L f. D. Schwager, der Herr Graf von Fürsten 



') Ueber die muthinaassUcho Stärke dieser aus den östlichen Provinzen kom 
inenden Truppen s. v. Mörner p. 301. 

') Von den Depeschen Blume nthal's aug Wien gibt v. Mörner p. 275fl 
ausführliche Auszüge. 



I 
I 



heTg^\ 80 vor diesem zu Münster, Osnabrück und Nörnber^ gewesen, 
diesen Einfall sehr hoch exaggerirt und zureichende Kemedirung ge» 
sucht haben, 

P Es ist alhier ein solch wunderliches Gesprech von solchem Werk, 

dass nicht möglich in gegenwärtiger Eile alles wie sonst wol nothig 
gehorsamst zu berichten. Ich aber habe von E. Ch. D, bis auf dieie 
Stunde nicht die geringste Nachricht, ob ich wol der Hoffnung gelebet, 
einige Briefe bei dem hiesigen Residenten zu finden* 

Ueber eins aber rauss ich mich verwundern, dass ein vornehmer 
geheimer Rath alschon vor drei Wochen eine gewisse Person gefraget 
hat, warum E. Ch. D* des Herzogen von Neuburg f. D* in dero 
Residenz überrumpeln wollten, und hier gibt man vor, dass es wenig 
daran gemangelt habe. 

L Ch. D. zu Sachsen haben L Kais. Maj. alles, was zu Lichten- 
berg vorgangen» allergehorsamst berichtet und zu verstehen gegeben, 
dass wegen der Jtlliehschen und dazu gehöriger Lande Vergleich ung 
wol etwas wäre auf das Bret gebracht, aber von derselben nichts re- 

_ Bolvirt worden. 

P Weiln ich der Meinung gehorsamst bin, E. Ch. D, werden wol 

Düthig erachten, dass Sie mir Ihre gänzliche Meinung bei diesem 
Ihrem jetzigen Vorhaben, und wie weit Sie offensive zu gehen ge- 
denken t ob, wie bald und auf was Maassen Sie Ihre gütliche Hand- 
lung verstehen und durch wen solche incaminiret werden solle, guäd. 
EU erkennen geben, damit ich auf eins und anders, so vorkommen 
wird^ Bescheid und Antwort geben kann etc.: so will ich solches in 
Ualerth. erwarten etc. 

Für die Belehßung mit Halbcrstadt nod Minden bedarf es ei per be- 
ioodereo Vollmacht, Ausser der Tnxe pflegt Jeder Reichshofrath 100 Uth, 
«|>ro laademio'^ zu bekommen; es siud dereo jetzt, ausser dem PräsidcDteuj 
iwfriaudzwanzig. 

P. & Es sollen sehr scharfe kais. Edicte an alle Reichsstände gegen 
^ Uttteruehujeo des Korfürsteo gerichtet werden* Blumenthal setzt 
web, da&s man bis uach seiner Audienz damit^ warten will. 

Der hessische Gesandte Gros eck') ist vorgestern zum Herrn 
Qrafen Kurtz kommen, seines Herrn, des Landgrafen, f. Gn. zu ent- 



*) PfdzgraF Wolf gang Wilhelm halte eich kursE nach dem Tode aeioer 
^v^Heti Gemalia (ob. p. Id) znm dritten Mal mit der Gräßn Maria Francisco 
*Oft Pärsteuberg vermalt, 

*) Ueber die politische Stellung dieses hesden^kasaelschen Uathes 8, Bommel 
^«•cL »Ott HifBseii IX. p. 100 D. 



32 ^ ^®f Krieg mit Pfalz-Neabarg. 

schuldigen, dass Sie, des Herrn Grafen von Fflrstenberg AMeiim 
nach, kein Volk bei E. Gh. D. Gorps hätten. 

Das Nöihigste wird nun sein, weil ich ein 4 Woohen in ore 
omniam et fabula cujusvis werde sein müssen, dass, was za bestSiir 
digster, möglichster Behauptung eines und des andern in meiner In- 
struction enthaltenen Punkts dienlich sein kann, mir aufs eiligste zo^ 
gesandt werde. 

P. S. 2. So eben erfahre er noch, dass der Kaiser vor einer halben Stands 
angekommen. Besuch bei dem Reichsvicekanzler Graf Kurts, der die 
Sache auch, wie alle andern, als sehr bedenklich ansieht und dem Kurfür- 
sten räth, sich so rasch als möglich mit dem Pfalzgrafen abzufinden. 

Blumenthal erwartet sehnsüchtig Briefe, um endlich zu erfahreOj 
wie die Sachen stehen. 

Wann ich nur eigentlich wttsste, was E. Gh. D. final scopus wSrt 
und ob, auch wie weit, die Staaten General in dieser Sache interes- 
siret sein, so würde E. Gh. D. mit meinem unmaassgeblichen Gutaob 
ten so viel fruchtbarlicher gehorsamst assistiren können; dann daferiH 
E. Gh. D. die Sache ganz allein auszuführen vermeinen und kein« 
annehmliche Partei zur Unterhandlung bald dazwischen kommen sollte 
so dürfte ein und anders nicht geringe Beisorge verursachen. — 

I. Gh. D. zu Göln haben an Ghur Mainz geschrieben, dass in diesen 
Handel die Schweden, Frankreich und die meiste Evangelische inter 
essiret wären, und gebeten, sich zu erklären, was zu thun. Dies« 
hat sich erkläret, an die übrige uninteressirte GhurfÜrsten es zu schrei 
ben; jener, man müsste werben. 

Heute ist im Reichshofrath wieder geschlossen worden, mandat 
avocatoria abgehen zu lassen, aber nicht, dass I. Kais. Maj., bis mal 
weiter etwas vernehme, sich selbsten drein mischen sollte; unterdes 
sollte ein jeder nach der Executionsordnung verfahren. 

Meine Instruction ist etwas sehr general und gehet ganz alldi 
auf excusationem facti primi, nicht aber dass alle Fälle, so vorkom 
men möchten . . . darin enthalten wären. Inmittelst will ich suchei 
nach aller Möglichkeit es dahin zu bringen, dass andere sich in de 
Sache nicht mischen, sondern daraus gehalten werden. 



Instruction für Otto von Schwerin an den Erzherzog Leopoh 

Wilhelm zu Brüssel. Dat. Haag 24. Juni 1651'). 

24. Juni. Schwerin soll dem Erzherzog vorstellen, wie der Pfalzgraf den 164 
geschlosseneD ProvisioDalvergleich in Bezog auf Religionssaohen seithe 

') Der Karfürst war am 21. Juni von Cieve nach dem Haag gereist, wo c 



InstructioD nach Brüssel. 33 

unablässig gebrochen. Er hat auch geradezu sich vernehmen lassen, dass 
er diesen Vergleich von 1647 nicht halten wolle; 

auch vors dritte Wir glaublichen berichtet worden, wie dass des 
Herrn Pfalzgrafen Ld. Vorhabens und entschlossen gewesen (im Fall 
Wir Uns aus Unser Chur und Mark Brandenburg nach Unserm Her- 
zogthum Preussen erhoben hätten) um vorberührter Ursach willen in 
angeregtem Unsem Lande mit Thätlichkeit zu verfahren und Ihre 
unbegründete Intention zur Execution zu stellen'). 

Ferner habe der Pfalzgraf ^gar verkleinerliche und schimpfliche Hand- 
schreiben*^ an den Kurfürsten zu richten sich erlaubt, für die dieser zur 
Erhaltung des kurf. Respects sich hätte „rescntireu^ ^müssen. 

Aus all dem gehe hervor, dass der gegenwärtige Streit ganz „eine 
particulare Sache'' sei, die mit dem westfal. Frieden, sowie mit dem spa- 
nisch-niederländischen Frieden gar nichts zu thun habe. 

Der Erzherzog werde daher „diese Unsere wolgemeinte Defensivexpe- 
dition und Rettung in Unguten nicht vermerken, noch behindern, sondern 
vielmehr sich gefallen lassen, alle Beförderung zu thun und dahin rathen 
za helfen, dass Uns in allem gebührende Satisfaction geschehen möge^. 

In gleicher Weise soll Schw^erin auch den Herzog von Lothringen 
angehen. 

Dabei auch ein Credenzbrief an den Grafen Johann Adolf von 
Schwartzenberg'), kais. Reichshofrath und Oberhofmeister des Erzher- 
zogs Leopold Wilhelm; mit der Bitte, Schwerin's Auftrag zu be- 
fördern. 

Blumertthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 27. Juni 1651. 

[DriDgeode Bitte am gcuaaere loformation. Die Reise des Kurfürsten nach dem 
Haag. Bitte am höfliche Beaotwortang dos kaiserlichen Abmahoangsschreibens. 
Viaiten and TischanterhaUangen. Geldmangel aud Friedensliebe am kaiserlichen 

Hof.] 
Seit seiner Instruction habe er noch nichts andres erhalten, als das 27. Juni. 
Daplicat der kurf. Resolution vom 9/19. Juni (d.h. die obige, deren Con- 
cept 8/18. Juni datirt ist); das Original sei ihm nicht zugekommen. Er be- 
darfdringend ausfuhrlicher Nachricht über die dortigen Vorgänge, beson- 
ders um den vier hier anwesenden Brüdern v. Fürstenberg entgegen- 
zuarbeiten, die ^alles viel anders ausdeuten als ich weiss, dass es von 
E- Cb. D. mag gemeiuet sein**. 

bis Zorn 28. Juni blieb (Aitzema IIL 671). Die Sendung Schwerin's unter- 
blieb nachmals; statt dessen kam ein Gesandter des Erzherzogs nach Cleve 
8- ont. 30. Juni. 

*) Materialien zur Begründung dieses Verdachtes liegen nicht vor; es ist, 
wenigstens für den Pfalzgrafen Wolf gang AVilhelm, nicht sehr wahrschiMulich, 
^wg er sich mit solchen Absichten getragen habe. 

*) Den Sohn des bekannten 1641 gestorbenen brandenburgischen Ministers, 
trafen Adam von Schwartzenberg. 

Mater, xur Gesch. d. Gr. Kurfürsien. VL 3 



34 ^' ' ^^r Krieg mit Pfalz-Neaburg. 

Als erstlich habe ich nicht gewusst, dass E. Ch. D. naehm Haag 
gezogen sein; hier aber ists also von fibel Informirten oder Affeetio- 
nirten geurtheilet worden, dass erstlich E. Ch.D. den von Schwerio 
hätten hingeschickt ^ Succurs sollicitiren zu lassen; als der aber mit- 
gebracht, dass die Staaten sich directe in der Sache nicht engagiren 
wollten, so wären E. Ch. D. nun selbsten hingezogen, um sie in dai 
Spiel mitzuziehen. Ich antwortete, dass ich gar wol wtlsate, wamn 
E. Ch. D. nachm Haag gereiset wären, nämlich wegen der Caratela« 
bonorum des jungen Prinzen von Uranien. 

Zum andern zielet man hier dahin, dass zwo geheime Räthe zu 
E. Ch. D. sollen geschickt werden, um Sie ab ulteriore hostilitate ab 
zumahnen und die Sache zum Vergleich zu befördern. 

Blamenthal weiss, bei seiner mangelhaften Instruction, nicht was ei 
dazu sagen und thuu soll. 

Eben jetzt geht ein Schreiben des Kaisers an den Kurfürsten ab, ibi 
zum Vergleich mit dem Pfalzgrafen zu mahnen. 

Je hoflicher nun E. Ch. D. I. Kais. Maj., und insonderheit wem 
es eigenhändig gcschiehet, beantworten und je williger Sie sich zun 
billigen und schleunigen Vergleiche ofFeriren werden, je leichter uni 
besser werden alhier derjenigen GemUther, die es vor eine gemeini 
Religionssache halten und zum Schwert zu greifen rathen, abgekOhlei 
und ihre Argumenta vernichtet werden. 

Vorgestern und gestern habe ich mit Visitiren und Banquetirei 
zugebracht*). I. Exe. der Herr Graf von Hatzfeld haben «lich vor- 
gestern laden lassen und also tractiret, dass er Ehre gehabt hätte 
wenn I. Kais. Maj. selbsten zugegen gewest wäre. Gestern hat dei 
Kcichshofrath Sinzendorf dergleichen gethan, da denn die Grosse- 
sten meist gegenwärtig gewesen. Heute thut es der Herr Landmar- 
schall von Traun; da ich denn stündlich Gelegenheit kriege, prc 
gradu zu disputiren. Ein jeder will, ich solle doch mein Judicium ii 
der Sachen als ein Heichshofrath geben'), und meinen, dann wfirdc 
ich gewiss anders als jetzo statuiren, so würde ich der andern Herrn 
opiniones und Aussagungen so viel besser vernehmen und sie E. Ch. D. 
berichten können. Ich habe lachend wieder zur Antwort gegeben, 
dass, weiln E. Ch. D. ich ganz Recht und I. f. D. von Neuburg gana 
Unrecht geben mUsste, so diente meine, als eines Interessirten, 6e- 



1) Ueber die wichtigsten Persönlichkeiten am Hofe Ferdinand 's III. in 
dieser Zeit s. besonders den Bericht des Venezianers Giastiniani aas dem 
Jahr 1654 bei Fiedler Relazionen I. 385 ff. 

*) Vgl. V. Mörner p. 281. n. 



Blameotlial in Wien. Der ßiacbof ron Münster. 



35 



grenwart daselbst nicbt, und deshalb wÄre auch unrecht, dass man 
den Reiebshofmth Grafen roxi Fürstenherg dabei sitzen Hesse, 
welcher L f. D. von Neuburg den gunzen Extraetuni Protocolli selbst 
abschriebe und a^uschickte; wenn aber meine Negoeiation zu Ende 
wäre, dann wollte ich so viel fleissiger vor meinem Abreisen ein 2 
oder 3 Tage hineinziehen; eutzwischen wollten sie den Herrn Grafen 
von FUrstenberg super noetro negotio traetirend aufzustehen be- 
fehlen. — 

Hier will itzo niemand mehr von Krieg hören, sondern ein jeder 
trachtet dabin, dass, weilt» L Kais. Maj. währenden Krieges alle Ihre 
KammergUterj Zölle und Renten versetzen mllssen, dieselbe mögen 
wieder eingelöset und ein guter Vorrath^ um die übrige Creditores von 
Zeiten zu Zeiten zu befriedigen, zur Hand geschaffet werden. Der 
Herr von Traun Landmarschall hat erst 2C)0i0fK) fl» und dann neu- 
lich wieder zu obigem Ende 170,()0()fl. vorgestreckt; dem der Zoll an 
der Wiener Brücken davor verpfilndet worden. Mit dem meinet man 
ein grosses wieder einzulösen. 



BUchof Christoph Bernard von Münster an den Karfür* 27* jJni^ 
gtcQ. Dat* Miiiihtcr 27. Juni 1651. — Er bietet sich in Folge des kai.ser- 
Hcheu Commissoriums als Vermittler an unJ Bchiekt xa diesetn Behuf seine 
Iläthe^ den Grafen A. von Veblen und Niclas Drachter 

Der Kurfürst lehnt diese Cummissioa, sowie die des Herzogs von 
Brnuiischweig ab (dat. Wesel 7. JuH 1651); zugleich erkUrt er, der Bischof 
habe ihm die Truppenvverbuug in aeinem Laude abgeschlagen , dem Pfalz- 
gri*fen von Neubarg gestatte er sie sfOgar ju seiner Uebidenz MunstiT; wo- 
fern dies nicht abgestellt werde, müijse er es als directe Feindseligkeit be- 
trachten (dat. We&cl 9. JuU 1651). 



Oberst Wolf Ernst v. EUer ') an den Kurfürsten* Dat. Angerort 

28. Juni 1G5L 

[Rapport über Hüdtungen der Feinde. Streifzug vor Dusseldorf. Maaesregelii 
des VhihgTufeiu Geheime Meldung.] 

E* Ch, D. berichte hiebei unterth* wasgestalt der Herr Pfalzgraf f>8 Jaoi, 
za Neuburg an vier Obristen, so mir bekannt, nämlich zween zu Ross 
und xween zu Fuss, zu werben Patenten austheilen lassen, und dass 
B, f. D. für wenig Tagen den Seiuigen anbefohlen, mit Partheien auf 
die Unsrigen zu gehen, welches ich dann ebeumässig also durch die 



*) firandeDburglscher OberBt) auch CommandaDt von Sparemberg; vgl Urk. 
ActeDfiL T. p.500 n* 

3* 



36 I. Der Krieg mit Pfalz-Neaburg. 

Meioigen verrichten lasse; maassen noch heute einige Seiter für dei 
Stadt Düsseldorf gewesen und etliche DUsseldorfische Beiter bis im 
Thor gejaget, auch darselbst zwei Pferde bekommen und darauf län 
ger als eine Stunde dafür stehen bleiben, aber keine herauskommen 

Sonstcn habe auch einen Leutnant hieselbst gefänglich sitzen 
und weiln noch keine Ordre, wie es mit den Gefangenen gehaltei 
werden solle, von E. Ch. D. überkommen, habe denselben bis darai 
nicht losgeben können. 

Auch haben höchstged. S. f. D. zu Neuburg den Unterthanen hi: 
und wieder nicht allein befehlen lassen, bei Leib- und Lebensstn 
uns das geringste nicht anhero zu liefern, sondern noch darzu Steue 
ausgeschrieben, deswegen die hohe Nothdurft erfordern thut, das 
E. Gh. D. je ehe je besser Comniissarien anhero abordnen, um dei 
gleichen ins Werk zu richten. 

E. Gh. D. hätte ich noch wol unterth. etwas zu berichten^ dara 
Deroselben zum höchsten gelegen, habe aber solches der Feder nicli 
trauen dürfen; dahero unterth. bitte, daferu E. Gh. D. nicht bald diese 
Oerter zu kommen entschlossen, mir gnäd. zu erlauben, dass ich pe 
posta zu deroselben kommen möge. 



29. Juni. Resolution des Kurfürsten. Dat. Gleve 29. Juni 1651. Sobal* 
der Major Volckersen, „welcher bei den Völkern mit Aufsicht habe: 
soll", angelangt ifc>t, soll Eller schleunigst nach Cleve kommen. 



28. Juni. Patent über die Ernennung des Käthes und Commlssarins J oh. Pan 
Ludwig*) zum Eriegscommissar „bei dieser Unser Kriegsdessein" 
allen Behörden, Officianten etc. wird dies znr Nachachtung mitgetheill 
Dat. Cleve 28. Juni 1651. 

Memoire de ce qiie le Sr de Ribeaucourt*) a represent^ j 

S. A. El. de la part de Sa Mte et S. Alt. TArchiduc. Dat 

Cleves 30 Juni 1651. 

[Angebotene Yermittelung des Erzherzogs. VerweisiiDg anf die Entscbeidang 
des Kaisers. AuffordeniDg, die Feindseligkeiten inzwischen einznstellen.] 

JO.Juni. Der Erzherzog lässt dem Kurfürsten seine Mediation anbieten unc 

von dem Kriege abmahnen. 

Et estant S. Mte Imp., fröre de S. Alt. TArchiduc, le juge souve- 



') lieber Ludwig vgl Urk. u. Actenst. IV. p. 751 ff., und speciell übei 
seine Thätigkeit in den clevischen Landen Yol. V. passim. 
') Baron Bibeaucourt, Statthalter in spanisch Geldern. 



Verb and langen mit dem Eralierzog and dem Lothringer. 37 

rain ootrc V. Ah. El. et S. Alt de Neuhourg, il semlilc qu 11 ne peut estre 
que Iften d'attendre la decision en les points de caDtrurersCf aupar- 
SLYStnt de passer si avant k rextremit^» de faire guexre ouverte au 
Sr Duc de Neuboursr, ayant S. Alt» rArchiduc deeia fe»erit] ä Sa M<** Imp, 
8oD Mre, que sans aulcune dilacioo il procurc donuer satisfaction -X 
V. AU, El; et il in*a dooni ebarge d asseurer V. Alt* qu'il n^obioetterat 
auleune diligenee p<mr reDcheminer ä cette fio, 

Eolre tetiii»8 que narrive la dittc decision de Sa Mt^^ Imp., ou 
par (juelque auUre moyen ])ropürtioiine que V. Alt. EL gera aenis 
d eslire^ je requiera k V. Alt. EL au uom de Sa Mtt* et celuy de S. AU. 
TArcbiduc, qulcelle soit serrie dordotiner et faire retourncr en Ses 
propre» csitats Ses gents de guerre, les faisant retirer des estats et 
pays du Sr Duc de Neubourg, niandant expressement a Öes dittes 
genta de guerre de s absteoir des toutes bostilitez et ofTensea, ne pro- 
eedant d'avantage par voje de fait en les pretensiims que V, Alt. EL 
a coutre ledit Sr Due de Neubourg. 

Avec quoy V. Alt. EL obligera summement Sa Mte^ et Sa ditte Alt 
FArchiduc eu deraeurera avec fort jiarticuli^re Obligation^ et ce d'au- 
taut plus, que Sa ditte M*«* tient la maison et estats dudit S^ Due de 
Neubourg cu la Koyale prutection, 

Die Antwort des Knrfür£tcn hierauf hält sich ganz allgemein ohne be- 
8ttmtiit4* Zusngen; als eigcutlichc Antwort erfolgt diiun die Sendung des 
Stattbaltcrs Graf Job. Moritz r. Xassau nach Brüssel. S. not 



Resolution des Kurfüristen auf die Werbung der lothnngischeu 

Gesandten Herrn lilieiügraf und Kousselot d'HedivaL Dat. 

Cleve 1. Jdi 1651^). 

[Wonfcb des Karfürsten den Streit zu looalistren* Bitte das Erbieten dea Her- 
zogs eiüst weilen geheim zu halten bis ttuf weitere loformatioD.] 

CompÜmente. Erwähnung der brande Dburgi.^eben Bcmühnngea für l.Jnli. 
Lothringen bei den westfälischen Tractaten. 

Sonaten wllrden S. hoebf* D, vielleicht albereit erfahren haben, 
J. Ch. D. bei Ihrem Dessein mit des Herrn Pfalzgrafen D. dieses 
perose zu verhüten suchten, dass niemand» mehr in diesen Streit 
eiogeBocbten und also weitere Unruhe verhütet werden möchte, gestalt 
Se dann desfalls sowol der Kais. Maj. als auch allen Chur- und 



*? Der Inhalt der lothringtachen Werbung (die nicht Bchriftlich vorliegt): 
Krbiettiug seur Vennittelung ood eventuell bewaffhetetp Bei^tand^ ergibt aich aus 
diesem Bescheid. 



3g I. Der Krieg mit Pfalz-Neuburg: 

Fürsten gebürend Versicherung gethan hätten. Wann dann S. Ch. D- 
befürchten müssten, dass, wann dieselbe diese so wolmeinentiich an: 
gebotene Assistenz sofort offentlieh acceptirten, des Herrn Pfalzgrafei 
D. sich solches zur Ädvantage gebrauchen und S. Ch. D. beschuldigei 
möchten, als wann Sie Ursache einiger Weiterung wären: so woUtei 
dieselbe S. hochf. D. ganz fleissig und freundöhmlich ersuchet haben 
diese Sache so lange zu Sr. Gh. D. Bestem in grossem geheim onc 
suspenso zu halten, bis S. Ch. D. jemands der Ihrigen zu S. hochf. D 
abgeschicket und dieselbe sowol wegen der ganzen Sache ToUkoram 
lieh informiret, als auch wegen mehrerwähnter angebotener Mediatioi 
und Assistenz mit deroselben vertraulich communiciret haben werden 
Inmittelst aber wollen S. Ch. D. diese gethane Oblation nochmaln m 
hoch nehmen, als wann Sie dieselbe schon wirklich ^[enossen, sid 
auch hinfüro, yomehralich aber in dieser Sache, auf Sr. hochf. D 
beständige Affection und Freundschaft und getreues Einrathen festig 
lieh verlassen etc. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 3. Juli st. n. 1651 *^ 

[Briefe voo und an Blumenlhal wahrscheinlich in Wien erbrochen. Gebalteni 
Kriegerath; Conrrier an Erzherzog Leopold AVilhelm. Die Schweden argwöhnisel 
Klage über mangelhafte Instruction. Besorguiss vor spanischer und holläodiscbe 
Einmischung. Vermittelungsvorschläge. Warnung des Herzogs von Sachsen 

Lauenburg.] 

3. Juli. Ich habe bei der Post von E. Ch. D. Schreiben, wie auch dai 

Creditiv an I. Kön. Maj. zu Ungarn mit Verlangen erwartet, abe 

keine bekommen, werde doch gleichwol aus Cleve sonsten in parti 

culier berichtet, dass gewiss einige an mich sollen expediret sein wor 

den, welche dann meiner Sorge nach hier müssen erbrochen seil 

worden. 

Dass meine Schreiben müssen hier eröffnet worden sein und daa 

etwa E. Gh. D. Intention weitaussehend müsse geurtheilet sein wor 

den, conjecturire ich unter andern dahero, dass, nachdem die Pos 

nur angelanget, alsbald Kriegsrath gehalten und darauf geschlossei 

worden, einen expressen Currier an des Herrn Erzherzogen hochf. D 

zu schicken; vielleicht dass man besser halten möchte, dass der Suo 

curs I. f. D. von dort aus geschickt werde, als dass I. Kais. Msj 

gleich anfangs sich in dieser Sache interessiren sollten. 



*) Duplicat von Kanzleihand; das eigenhändige Original Blamentbmri 
findet sich nicht. 



Blumcnthal ia Wien. 



)er schwedische Resident hat gestern zu uusei-em Residenten go- 
sie wllren in Schweden entschlossen gewesen, etliche hiusond 
Mann abzudanken, nun aber wUrden sie damit einhalten. — 

Und will ich hoffen, E. Ch. D. werden mir den rechten Haupt- 
grund Ihres Vorhabens, und welcher gestalt Sie solches ohne grosse 
Weitläufigkeit auszuführen verboffen, zu dem Ende gnädigst eröffnen, 
damit ich hier meine Negociation nicht allein mit mehrem E* Ch. D. 
Dienst incaminiren, sondern auch, wann die Sache mir etwa gar zu 
getahrlieh und E. Ch, D. mehr schäd- als nützlich vorkommen würde, 
ich meinen schweren Pflichten nach E. Cb. D. mit meinem unmanss- 
geblicben Gutachten geliorsamet zur Hand gehen kilnne. Dann weiln 
ich in dem Hauptwerke nicht informiret hin, ausser was meine In- 
struction und, was ich sonsten von E. Cb- D. selbsten verstanden, 
betrifft, so will ich hoffen, E. Ch. D. werden mir es nicht yerdenken, 
wann ich in grosserer Sorgfältigkeit stehe, als diejenige, welchen serics 
rerum besser als mir bekannt ist. Wann wir mit den Schwedischen 
vorhero hätten können zum Ende kommeD^ als an dessen Richtigkeit 
praecipua remm hangen, so hätte ich so viel mehr zu hoffen, diese 
Sache würde sich balden componiren lassen. Nun aber sollen diese 
Herren sagen, mau sehe itzo wol, was vor grosse Lust E. Ch. D. zum 
J^rieden hätten, da ich doch weiss, dass hierin E. Ch, D. zu viel ge- 
liebt und mir Ihre Begierde zu förderlichster Hinleguug der Grenz- 
Trfreitigkeit gnugsam bekannt. 

Die grosseste Furcht, die einige haben, so E. Ch. D, hier wol- 

wiallteii^ ist diese, dass sie sorgen, Spanien werde sich so stark bei 

der einen und Holland bei der andern Parteien interessiren, dass die 

U Tractaten nicht so leicht anfangen, viel weniger sich endigen ^ und 

m entz wischen noch ein Dritter drein kommen und beide jetzo litigirende 

Theile die Haare dazu werden geben müssen. 

fP. S. Wie er höre, habe der Kurfürst von Cölu bei dem Kurfürsten 
ft' " inittelung angeboten. Blameuthal räth dem Kurftirsteii, bald 
|r Vermittler vor^usclilagen, 

m Ob E. Ch« D. Holland, nämlich die Staaten Generain, nützlich 
und dergestalt darzu gebrauchen können, dass Sie gesichert sein, sie 
werden E. Ch. D. bald aus der Sachen helfen, das werden iSie am 
besten wissen. Braunschweig-Wolfenbüttcl mfjchte wol nicht 
uadienlieh sein, weiln er uninteressirt und E. Ch. D. affectio- 
nirt ist. 

Der hesstsehe Gesandte, Herr vonCrosegck ... [meint], dass 
E. Ch,D* ja dahin zu sehen hätten, dass Sie bald, ehe andere fremde 



40 ^« ^^^ Krieg mit Pfalz-Neuburg. 

sich in den Handel mischeten, mit Ihrer Beputation daraus kommen 
möchten. 

Hier hat man gemeinet, es wäre Hessen, Braunschweig, Pfal« 
und die Franzosen selbst mit den Holländern in diesem Werk einig 
und mUssten die Katholische alle werben und sich in Postur' setzen. 

Der Kaiser hat die meisten Truppen jetzt abgcdaukt und will nichts 
andres als Friedeu. 
# 

P. S. 2. Unterredung mit dem Herzog Franz Karl zn Sachsen 

[Lauenburg]*). Der Herzog eröffnet Bluinenthal: 

Es wäre dieser Hof und die ganze Stadt so voller Unwillens we* 
gen E. Ch. D. Vorhaben, dass Sie ... nicht umhin könnten, mir es 
zu sagen, damit E. Gh. D. ich in Zeiten davon gehorsamst avisiren 
und dieselbe soviel besser alles zu bedenken Ursach nehmen könnten. 
Erstlich sagte man, E. Ch. D. hätten den Landfrieden öffentlich ge« 
brochen und wäre die Sache zwar wol angefangen, werde aber be- 
sorglich langsam zum Ende kommen; es wäre im Beichshofrath ge» 
schlössen, dass die benachbarte Ghur- und Fürsten I. f. D. von Neu- 
burg beistehen und sie vermöge der Executionsordnung im Reich sich 
opponiren sollten. Jedermann, der hier in der pommerischen Sache 
E. Ch. D. Recht und den Schweden Unrecht gegeben hätte, änderte 
sich jetzo und redeten übel von E. Ch. D., dass Sie nun Deutschland, 
so kaum den Friedeu zu geniessen angefangen, missgönneten und in« 
Sonderheit, dass in den Ländern daselbst von E. Ch. D. Soldaten der« 
gestalt gehauset würde, als wann Türken und Heiden drein wären, 
indem sie die Klöster spoliirten, Vieh und alles wegnehmen, reformirtc 
Priester und Magistraten in den Städten einsetzten und es schon so 
weit gebracht hätten, dass E. Ch. D. der Stände Affection verloren, — 



Kaiser Ferdinand III. an den Kurfürsten. Dat. Wien 

3. Juli 1651. 
(Präsent. Cleve 14. Juli.) 
[Auffordcrang von der begoDDoncn Gewaitthätigkeit abzustehen uud dea Rechts- 
weg einzuschlageo.] 

3. Juli. Bei Uns hat ünsers lieben Vettern des Pfalzgrafen Wolf gang 
Wilhelm zu Neuburg Ld. in Unterthänigkeit klagend augebracht, 
wasmaassen E. Ld. ohne einige gegebene Ursach und ganz unvermu- 
theter Dingen am 15. des nächstverwichenen Monats Juni das Haus 



*) Vgl. über ihn and seine Beziehungen zu Brandenburg v.Mörner p. 275. n. 



Abmahntin^ dea Kaisers. 



41 



^Angrcrtnund im Fdrstenthiim Ber^ mit etlichen starken Trupiicn zu 
lioss uud Fuss mit Gewalt angreifen und folgenden Tags das Hchloss 

Belbst durch Einwerfun^ unterschiedlicher Feuerkugeln und Be- 
"iehieasung der Mauern sieh zu bemUehtij^en unterstanden, auch den 
Flecken neben selbiger und andere Kirchen auf dem Land, Banimt 
dem Dorf Penipelfort auspl lindern lassen, und das» diese Völker nit 
allein noch mehr Oesehütz und Krieg-smunition zu Fortsetzung ihrer 
Feiudthätlichkeiten in dem Ffirstenthuni Berg an sich zu ziehen, son- 
dern auch, wie verlaute, auf das Filrstenthuni Gulich und t?tadt Hina- 
berg und etliche andere in demselben gelegenen Städte und Platz 

amarschirt sein, nicht weniger auch E. Ld. in gemelten beiden Flir- 

entbumen an alle deren Stand und Unterthanen, unter dem Prätext 
and Vorwand, als sollte besagten Pfalzgrafen Ld, dem in a. 1609 
anfgeriehteten Vertrag zuwider gemelte Stund und Untertbanen 
wider ihre Privilegien und Freiheiten beschwert, und E. Ld, hinge- 

en dieselbe dabei zu manuteniren obliegen thue, ein offenes Patent 
publiciren und ansehlagen lassen mit dem ernstlichen Befehl, dass 
sie binfüro keine Contribufion und Steuern * . . des Herrn Pfalzgrafen 
Ld. fcinwilligen, geben oder bezahlen, auch deroselben einigen 
Beistand und Hilf nicht leisten, sondern sieh einzig und allein 
stn E. Ld. und Ihren Erben und Nachkommen halten, widrigen- 
fklls »ie von E, Ld. fUr Ihre Widerwärtige angesehen und traetiret 
werden sollen; derowegen Uns des Pfalzgrafen Ld. gehorsamst ange- 
rufen und gebeten, weiln diese Atteutata sowol dem jüngsten Reichs* 
frieden als auch andern Beicbsconstitutionen schnurstracks zuwider 
laufen, auch daraus leichtlich . . . neue gefährliche motus im h. Reich 

Btstehen durften, dass Wir also dieselbe nach Ausweisung gemelter 

»natitütionen ernstlich abstellen wollten. 

Nun wissen sich E. Ld, sowol aus des h. Reichs Satzungen und 
den geschriebenen gemeinen Rechten, als auch ans dem Friedens- 
ecbluss Selbsten, art, ult. §. 6 Ventm tarnen etc. und §* 7 Vi etiam 
pax publica etc. von Selbsten zu bescheiden, wasmaassen darin sta- 
iuiret, da«» kein S^tand sein Recht mit Gewalt oder gewaffneter Hand 
i oder prosequiren, sondern ein jeder sich des ordentlichen 
^~ begnügen solle, insonderheit aber in jetztbesagtem Friedens- 
^ Art. 4 mit hellen klaren Worten versehen, dass die Gleichsehe 

Saceemonseaeh zu Vorkomniung etwan im h. Reich derentwegen ent- 

»hender motuum ordinario processu vor Uns entweder in der Güte 
in andere rechtliche Weg entschieden werden solle. 
[So erinnern sich E. Ld. gleichfalls guter Maassen, was Wir zwi- 



42 I* ^^^ Krieg mit Pfalz-Neubnrg. 

sehen Ihro und gemeltes Pfalz - Neubarg Ld. noch im verwicheneo 
16498ten Jahr vor eine kais. Commission wegen Restitation des Reli- 
gion- und Kirchenwesens in diesen Gttlich- und Bergischen Lianden an* 
geordnet, auch solche sowol von E., als des Pfalzgrafen Ld. acoeptirt 
und angenommen worden. 

Solchem nach nun hätten Wir Uns keines andern versehen, als 
dass E. Ld. demselben also Statt gethan und des Ausgangs erwartet 
hilttcn . . . Ermahnen und befehlen derowegen E. Ld. hiemit frennd- 
oheimlich und gnädiglich, dieselbe wollen von diesen geklagten €re- 
waltthätigkeiten abstehen, Ihre Völker aus ermelten Landen alsobalden 
abfuhren und die Gtllich- und Bergischen Stände mit dergleichen Pres- 
suren und gewaltsamen Ueberziehungen verschonen, sondern sich des 
h. Reichs Constitutionen und insonderheit dem Inst. Pac. bequemen 
und nach Inhalt desselben art 4ti der Sachen gUt- und rechtlichen 
Austrag gewärtig sein. — 



Bliimenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 5. Juli st. n. 1651. 

(Ganz in Chiffre.) 

[Militarisclie Interveution von hier ans nicht zu beforchten; nur für den Fall 
einer Belagerang von Düsseldorf. Geldnoth.] 

5.Jali. |:Ich vermeine es nun so weit gebracht zu haben, dass tob 
I. Kais. Maj. noch einigen andern Catholischen dieses Orts E. Gh. D. 
wegen dero Vorhaben aldort sich nichts zu befahren haben, dasf 
nämlich einig Volk gegen E. Ch. D. oder dem Pfalzgrafen zum besten 
sollte geschickt werden. Die Ftlrstenberger haben gar hoch gebe* 
ten, dass dem Neuburger möchten die 4000 Mann, so nach Nieder 
land gehen sollten, Überlassen werden, es ist aber von dem spanischei 
Gesandten auf fleissige beschehene meine Vermittelung pure abgo 
schlagen worden; also dass, wenn man damit E. Gh. D. aldor 
schrecken wollte, Sie sich daran nicht zu kehren haben; ausser wai 
der Kaiser mit Befehlichen und wörtlichen Bedrohungen und Abmab 
neu als summus judex juxta stylum consuetum thun muss. Abei 
jederman, gross und klein, insonderheit der Kaiser, sehen gerne and 
verlangen, dass E. Ch. D. sich bald vergleichen und entzwischei 
stille liegen und nichts weiter tentiren mögen, in Meinung, der Pfalz 
graf werde sich accommodiren. Wann aber E. Ch. D. die Stad 
Düsseldorf, wie dem Kaiser alhie ist vorgebracht worden, rech 
belägern wollten, so sorge ich, der Kaiser möchte, von den GathoU 
sehen genöthiget, was thun müssen. 



BlumenthaJ in Wien. 



43 



Wo nicht der Christoph Melchior') aus Preussen das GeUl 
schickt^ 80 kann ich olme E. Cb. I>. höchste Üiareputation nicht von 
hier kommen; dann es sein drei Herren Ratlie alhier, die meinen, ich 
werde wenigst das mitbringen, was der von Kleist vor drei Jahren 
Tcrsprochen hnt, ausser denen, so jetzt das Feuer gestillet haben* :| 



Zweites Schreiben Blumen thaPs von deui.^elben Datum. 

fAufr^gung über die Gtfivaltsamkeil des Karfuräten. Grat Fürstcuber^; mati 

glvibt oa grosse auswärtige Verbincmogen d^a KarfQr&ttvü. Audienz buiiu Kaiser* 

Kaiäerliche VeruiittelungsplaneJ 

Uüterredang mit dem hesjjischeii Ges?audtt'ii von Crosegck; er räth 5. Jaü* 
wiederholt euid Vergleich mit dem Pfalzgrafen; zweierlei besonders habe 
Aufregung gegen dtu Kurliirsten hervorgerufen: ^dnss Sie Augerort mit 
Stücken angegriffen, und ein solches Patent hätten an^geheu lassen, darin 
der Anfang wol süss genug fchiene, aber hinter am Ende wäre es zu 

^oros, indem befohlen würde, den Herzogen hiufüro gar vor keinen Be- 
St^er des Landes mt-hr zu achten, welches die Catholitehc g;inzlich, als 
ob es auf die Religion gemeiaet wäre, missdeuteten'^. 

Bald darauf kam der Graf Ego von Fürstenberg, welcher vor 
diesem bei E. Ch. D, gewesen, und empfing mich mit solcher Civilitat 
and Freundlichkeit, als wann er von L f, D. von Neuburg Commission 
gehabt hätte, mir eine grosse Gnade zu offeriren; dem ich dann auch 
silso begegnete. Es währte aber nicht lang; denn als er versucht 
hatte, ob ich nicht Uelegenheit geben würde, von dieser Sache zu 
redes^ so fing er zuletzt lachend an zu fragen, was wir dann darun- 
teo ftir einen Kuhkrieg bei Düsseldorf anfingen. Ich sagte, das» mir 
To« dergleichen nichts wissend wäre, sondern wösste, dass E, Cb. D. 
Äich i^rsacbet funden, etwas mehres von I. f, D. als Kühe zu prä- 
tendiren. Worauf er weiter fragte, warum man den Anfang von sei- 
ner Frauen Schwester, der Herzogin, gemacht, und sonderlich dass 
E. Cb. D. es selbst befohlen hUtten, Ich fragte, was es denn wilre. 
Da sagte er» es wäre ein Bergisch Landkind kommen und hätte der 
Herzogin all ihr Vieh von dem Vorwerk, so nächst bei Düsseldorf, 
weggenommen; als es zu Red gesetzt wurde, hätte es geantwortet, 
E. Ch. D, hätten ihm absonderlich solches zu thun befohlen'). Ich 
replicirte, der Herr Graf sollte doch dergleichen nicht glauben; er 
te ja so vielmal E. Ch. D. gesehen und dero rühmliche Beschei- 

üiiheit gegen mir zum öftern selbst gerühmet; ich wollte E* Ch, D, 
es berichten und wüsste wol, dass Sie sich zu hoch hielten» derglei- 
chen zu befehlen. 



•} Verwalter der preuBBischen SeezoUkasse; 8. Urk n« Acteast. L p. 7. 
*} Der Vorfdl wird auch erwähnt bei Aitzcma HL p. 670. 



44 ^* ^^^ Krieg mit Ffalz-Neuburg. 

Fürstenberg ist im weitem Verlauf des Gesprächs überzeugt, dass 
der Kurfürst uicbt allein stehe, sondern dass Hessen, Braunschweigi Pfals 
und die Holländer mit ihm im Eiuverständniss seien. 

Als ich nun sagete, dass. dieses alles nichts wäre, so wollte er 
dieses nicht glauben, sondern gab vor, dass, wann diesem also wäre, 
E. Ch. D. wol übel gerathcn sein, eine solche gefährliche Sache an- 
zufangen; in Betrachtung, dass man hier ja genugsam wüsste, dass 
E. Ch. D. keine haare Geldmittel, solche Sache auszuführen, hätten; 
Ihre Aemter wären ja alle verkauft, versetzt und Ihre Mesnage in 
schlechtem Stande, also dass, ob schon E. Ch. D. grosse Lande hätten, 
so könnten Sie doch wenig daraus bekommen; dann im Clevischen 
hätten sich die Stände rotunde erkläret, in diesen unnöthigen Krieg 
sich nicht zu mischen, die Bergische bei I. f. D. zu leben und zu 
sterben, die Gülichsche empfingen von der brandeuburgischen Solda- 
tesca bei Bruggen so viel Übels Tractaments, dass, wenn es in ihren 
Mächten bestünde, sie E. Ch. D. bald von dannen bringen würden. — 

Audienz beim Kaiser; sie verläuft förmlich, ohne bemerkenswerthe 
Aensserungen. 

Es ist im geheimen Rath vorgeschlagen worden, dass der Hen 
Graf von Hatzfeld und Herr Volmar möchten zu E. Ch. D. nnd 
Pfalz-Neuburg geschicket werden, um beide Theile zum Vergleich so 
disponiren. E. Ch. D. werden gnäd. zu bedenken haben, ob dieses 
gut oder nicht besser sei, sich in der Güte ohne grosse Weitläufigkeil 
zu vergleichen. Den Handel wegen der Keligion meinen sie wiedei 
zur Commission zu weisen und dieselbe Churmainz, Münster, Wolfen- 
bUttel-Braunschweig und Hessen-Darmstadt zu committiren. Ich finde 
aber dieses nicht gut, und meine es wäre besser, dass dieser Punkl 
mlisste mit der ganzen Sache verglichen werden. Ich beklage, dasi 
ich nichts von E. Ch. D. Hauptintention weiss, so könnte ich eines 
befördern, was Sie befehlen und, was schädlich, suchen zu divertiren. 



Der Kurfürst an den schwedischen Gouverneur in Pommern, 

Carl Gustav von Wrangel. Dat. Wesel 7. Juli 1651. 

7. Juli. Anzeige des begonneoen Kriegs, nebst Ueberseudung des Maaifests 

Der Kurfürst habe bisher das Unglück gehabt, mit seinen Handlungei 
immer in Schweden ungerechtfertigtes Misstrauen zu erregen*). Er ver 
sichere daher ausdrücklich, dass es durchaus nicht auf eine Umstossnng 



') Dass dies in der That anch jetzt der Fall war bei dem Krieg gegen dei 
Pfalzgrafen, ergiebt sich aus den Berichten des brandenburgischen Residenten ii 
Stockholm, Adolph Friedrich Schlezer. 



Schweden. CootnbuttoDserliebungeD im JüUcbscheD. KursacbseD. 4g 

pder Darchlöeherong deg so thcuer erkaofteo westfälischen Friedens abge- 
chen sei, >ondern allein auf die BchRuptung seiner wolbegründeten Rechte 
und die Yertheidignng der durch den Pfalzgrafen bedrängten Evangeli- 
schen. Der Gouverneur möge überzeugt sein, dass nicht das mindeste gc* 
fabrliehr fiir Schweden dabei sei. 

In gleicher Weise an die Königin Christine. Id. dat. 

Hnfliehe nichtssagende Antwort WrangeTs dat, 12. Aug. 1651. 



Der Kurfürst an Herrn v. Ribeaucourt, {jouvernetjr von spa- 
nisch Geldern. Dat Wesel 9, Juli 1651, 
(Conc. von Schwerin.) 

fAozeigü von bevorstehender Contribuiionaerhebung und Occopation im Herzog- 
thuiu Jülich, Atlö ColliäioQ dabei mit dt^n Spaniern soll vertnieden werden.] 

Wir haben dem Herrn hierdurch nicht verhalten wollen» dass n.Juli. 

Wir bei gegenwärtigem Unsern Disegno gegen Pfalz - Neuburgs Ld. 

KU besserer und bequemerer Unterhaltung Unserer Soldatesca veran- 

Rflget werden, auch in dem Herzogthuni Gülich Contributionen aus- 

tilagen and in dem Behuf^ wie auch Fortstellung Unserer Action 

"Sinige Unserer Truppen in besagtes Herzogthum rücken zu lassen* 

Gleichwie Wir nun sorgfaltig dahin zu scheu gemeinet, dass alles 
dergestalt disponiret werde, damit sowol der Konigl. Wrd. und Ld. 
zu Uispanien, als anderen hierunter nicht zu nahe getreten werden 
möge: also haben Wir aus diesem Fundament demselben hiervon Er- 
öSunng zu thun vor n»"}thig ermessen; der Zuversicht und Hoffnung, 
dass Uns hierunter von Seiten 1. Königl Wrd. und Ld. keine Hinde- 
rungen werden erreget werden; in vernünftiger Erwägung, dass bei 
jüngsten langwierigen deutschen Kriegen auch dergleichen den Hessi- 
schen und andern Kriegsvolkern nie verweigert und gewehret worden. 
— Wir wollen auch Unsern Vcdkcrn hart anbefehlen, dass sie sich der- 
gestalt coniportiren, damit den kOnigl. spanischen Garnisonen und Sol- 
dateaqite die geringste Verlegenheit nicht zugefüget werde. 



Kurfürst Johanu Georg von Sachsen au den Kurfürsteo. 
Dat Dresden 2. Juli 165L 

Terwahrnng gegen umlaufende Gerüchte von einem Einverständniss 12. Juli, 
Rdrsachseus mit dem Unternehmen gegen Pfalz -Neubnrg. ^Mahnung, von 
dem fernerea Kriege abzustehen. 

Oednickt bei Londorp VI. 627. 



46 I* ^^^ Krieg mit Pfalz-Nenbnrg. 

Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 2/12. Juli 1651. 

12. Juli. üeberscndet eine Resolution des Kaisers, deren Fassang auf Bitte da 
Pfulzgrafen so gehalten ist 

Von hier wird wol kein Volk gegen E. Ch. D. Truppen so baU 
gehen, es wäre denn, dass die sänumtliche ChurAirsten, wie ich niehl 
hoffen will, mit ihrem Gutachten dahin gingen. 

Resolution des Kaisers an Blnmenthal. Dat. Wien 9. Juli 1651 
Er habe die von Blnmenthal dargelegten Motive des Karfuraten toi 
nommen; habe aber dieselben „nicht der Erheblichkeit befinden könnei 
dass I. Ch. D. eine solche Thathandlung wider obged. Herrn Pfalzgrafen 
f. D. . . . vornehmen sollten*'. — .tjAIso könnten Sie auch diesem unverant 
wortlichen Beginnen keinen Beifall geben*^ und ermahnen den KurfSrstei 
seine Truppen unverzüglich zurückzuführen und sich zu friedlichen Vei 
handlungcn mit dem Pfalzgrafen, wozu auch dieser bereit sei, hcrbd 
zulassen. 

Blumenthal an den Kurfüi'sten. Dat. Wien 2/12. Juli 165] 

[Wachsende Aufregung über den Krieg des Karfürston. Man sucht Schwedi 
gegen ihn anzureizen. Der Residuut Bärenklaw. Furstenberg'sche Machination^ 
Nachrichten über die grossen Werbungen des Kurfürsten und über das ▼« 
muthlicbe Eiuvcrständniss mit den Holländern. Der Kaiser zum Frieden geneii 
Rath zu baldigster friedlicher Abfindung, auch mit den Schweden.] 

12. Juli. E. Gh. D. muss ich unterth. berichten, dass, nachdem des He 
zogen zu Neuburg f. D. an vielen Leuten geschicktes Manifest commoa 
ciret, der bisherige Alarm nicht sowol geringer als viel grösser wo 
den, und weil dasjenige Manifest, so E. Ch. D. haben ausgehen lasse 
von deroselben mir nicht, sondern dem Bergischen Syndico Ostmai 
zukommen, so habe ich dasselbe an so viel Orten als möglich g 
wesen communicirct, befinde aber so viel, dass der meiste Theil, Q 
geachtet dessen, was ich dagegen sage und rede, die Sache viel weit 
aussehender und gefähriicher urtheilt, als wie ich weiss, dass E. Ch. 1 
vorzunehmen gemeint sein. 

Und weilen viele in der Beisorge stehen, dass dieses Werk i? 
sehen den Evangelischen also complodiret sei, und sich aufs aussen 
befleissigen, I. Kais. Maj. solches beizubringen, so seind etliche 
dem schwedischen Residenten Bärenklaw kommen, um solches 
vernehmen. Als nun derselbe sie hoch asserirct, dass ihme dan 
nichts wissend, sondern er versichert wäre, dass I. Kais. Haj. Q 
die Catliolische ihrenthalber sich im geringsten nicht befärcht 
dörften, so seind sie weiter gangen und haben gesagt, dass auf s 
chen Fall die Königin und Krön Schweden sich wol vorzusehen h 



Betracht^ dasa dieser Streit zwischen E. Ch. D. und Pfalz 
^JiMbsTg l»ald niöclUe zu ver^^leichen sein, und nachdem solches gre- 
■«ebehen, £. Ch, D. entweder mit HDtfe der Hullunder oder, welches 
I sie noch leichter zu glauben vermeinen, mit der Krön Polen, wider 
"die Schweden, sobald sie mit dem Chmielnicki ') ixrglichen sein 

I werden, etwas vornehmen mochteo. 
Sobald er dieses vernommen, ist er zu dem hessischen Gesandten 
Croscck gegangen und hat diese Besorgniss ihm eröffnet, mit Be- 
gehren, er sollte doch bei mir sondiren, ob das allergerin^te der- 
gleichen zu befahren sei. Dem ich aber zu verstehen gegeben, dass 
die K«Inigin und Krön Schweden sich dessen im geringsten nicht zu 
beidrehten etc. 
K Sonsten geht jetzgemelter Bärenklaw an allen Orten herum 

" utid exaggerirl E. Ch, D, Vorhaben aufss allerhöchste, dass es nämlich 
dem Friedenschluss e diametro zuwider liefe, und dass I. Kais. Mnj. 
als Obrist - Richter das Instr. Pac. auf diese und dergleichen Weise 
darcbzulüchern nicht nachzugeben hätte. 

Zugliicb Bärenklaw's Verliandluügen über die pomrocriscbe Griioz- 
regnlirung und Blameuthars Operationea gegen Ihn'). 

k Sonsten kann ich nicht anders urtheilen, als dass dieser scfawedi- 
Hscbe Resident sehr angenehme Bachen zu Facilitirung seiner Sache 
B müsse bieher gebracht haben; dann ich befinde, dass er bei allen, 
gross und klein, sonderlichen Access hat und grosse Caresseu daliero 
empfängt, weil er einen jedwedercn versichert, dass dieser Friede be- 
stjlndig, woruach allen alhier verlanget und vom Krieg nichts hören 
wolle&t verbleiben werde. 

Der Graf von Fßrstenberg hat sehr instslndig angehalten, dasa 
mit so gteicheins Resolution mochte gegeben werden, darinnen I. Kais, 
Maj, wenigst Ihr Displicenz E. Ch. D. Vorhabens halber zu erkennen 
geben^ damit S. f. D. zu Neuburg und andere catholisehe Chur- und 
Fllwten dennoch sehen müchten, dass E. Ch. D. nicht so nach eigenem 
»lieben zu procediren verstattet werde. Sobald mir solches vorkom- 
511, hab ich mich beflissen es zu divcrtlrenj aber die Antwort be- 
komiDen^ dass I. Kais. Maj. weniger nicht thun könnten als das Reich 
iö Buhe za erhalten. 

titameothal wird aufgefordert, dem Karförstcn seine TerantwortHch- 
*^t vorzQÄt€llcD ; es würden notbwendig andere benachbarte sich einmiseheo 
■■^ auf ihn falle dann die ganze Schuld ^als Anfänger*'. — 

'j 8. Vt\l u. Actenst L p.26&. n. 
')Ebend. IV. p. 890 ff. 



48 ^* ^^^ Krieg mit Pfals-Nouborg. 

Daher um so viel mehr urtheilen, dass E. Gh. D. etwas anderes 
als den Herzog von Neuburg zur Raison zu bringen vorhaben mCiatten, 
in Anmerkung, dass derselbe ganz incrmis wäre, £. Ch. D. aber et- 
lieh 1000 Mann aus der Mark Brandenburg mitgebraeht und über 
dem allen noch eine vollstUndige Armada im Fürstentimm Cleve wei^ 
ben Hessen. 

Blumonthal kann alles nur im Allgemeinen ablehnen, weil er über 
die Werbungen des Kurfürsten ganz ohne Kunde ist. 

Als ich nun gefragt, was vor Werbung wäre, so hat man mir 
diese Specitication gegeben, dass nämlich zu Fuss E. Ch. D. werben 
Hessen folgende Uegimenter, die auf den 1. hujus alle complet sein 
sollten, als: 

der Graf von Wittgenstein . 1 
Herr von Bilandt .... 1 
Herr Spaen von Uingelberg . 1 

Herr Cloet 1 

Herr von EHcr 1 

Summa f) Regimenter, 
zu Pferd Herr Graf von Wittgenstein . 1 
der älteste Graf von Styrum 1 
der jüngste Graf von Styrum 1 
Herr Obrister Ohr .... 1 
Herr von Lottum .... 1 

Herr von Eller 1 

Herr Oberstlieutenant v. Spaen 1 

Summa 7 Uegimenter 4^. 

Es käme ihnen auch dieses Werk darum so viel verdächtiger 
vor, weiln aus BerHn vom 18. Juli [leg. Juni] geschrieben worden, 
dass Briefe aus Cleve wären ankommen, die grosse Versicherung thä- 
ten, dass theils E. Ch. D. vornehmste Käthe hiervon nicht allein das 
geringste wUssten, viel weniger [sich| der Sachen theilhaftig machen 
wollten; müssten also E. Ch. D. von den Holländern in dieses Spiel 
sein gebracht worden. 

Der Kaiser h:it an alle Kurfürsten geschrieben und ihren Rath in 
dieser Angelegenheit verlangt, (icbcu diese ihren Ilath dahin ab, dass der 
Kaiser verpflichtet sei, sieh dem Unternehmen Brandenburgs zu widersetzen, 
Ru wird der Kaiser schwer umhin können, etwas vorzunehmen; obgleich 
man jetzt in NVien kein grösseres Verlangen hat als nach Ruhe und Frieden. 

•) Vgl. V. Morncr p.301. 



Bluraenth«! iQ Wien. Die Lothringer. 



49 



P. S. (m. pr.) Je cUender E, Ch. D. dieses Werk zu einem sol- 
eheö Eüde, welclics olme E. Ch, D. Schaden und Disreputation ab- 
gebet, bringen können, je beager wird es sein. Denn hier die Sache 
von Post zu Post übeler und also gedeutet wird, dasa ungleich sei, 
dass nicht andere in das Spiel herein müssten. Der schwedische Ge- 
sandte, der Regierungsrath Bären kl aw, der versichert alle Leute 
hier, dass, wenn nur E. Ch, D. Deputirte noch ein einziges Mal wer- 
den nach Stettin kommen und die Tractaten continuiren, so werde 
man bald daraus kommen und E. Ch. D. dann der Rest der Lande 
restituirt werde. — Hier glauben die Hc^hesten, E. Ch. D, werden am 
besten thuu, auf ein Paar Edehnannsgdter so sehr vor itzo nicht zu 
sehen, sondern erst das Land ihnen aus den Händen zu bringen. 



Der Kurfürst an den Herzog von Lothringen, Dat, Cleve 

14. Juli 1651. 

[Erstauoea des Kurfürsten üer die plotzliclie SinDesändening des Herzogs und 
»eioe pÄHejüahme für deo Pralsr.grafeQ. AafforderuDg, davon abzustehen.] 

Monsieur mon Cousin. I^es offres que le Sr de Rousselot, con- llJulL 

»ciller de V* AU,, mc fist dernicrement de Vostre pari, me donnerent 

ieUes asscurances de Vostre bonne affection au bien de mes afiaires *), 

que je n*en ay jamais peu concevoir aucun subject de mefiance ou 

dune action coutraire. Mais estant avcrti, que Vous avez euvoye quel- 

»luci regiments au secours de Mr. le Priuce Palatiu de Neubourg, je 

ne nie peux assez estonner de ce changement si subitement arrivi§ et 

«i«i est justement eontraire i\ Vespcrance que j attendois sur les in- 

tiUnces et Vouveiture que Je Vous tis par ledit S^* de Rousselot de 

nia honne et juste intention. Et parceque Vos protestations inont 

ifmni assex de temoignage de vouloir plustost favoriser nies desseins 

que de les detouriier par quelquc assistance faite au party eontraire: 

j'espere que Vous aurez eucore queb|uc reflexion et n admetterez ja- 

malii des choses qui puissent tendre au prejudice et au desavantage 

<le cettc mienne entreprise si justement fondee, mais que Vous don- 

tierez plustost ordre que lesdits regiments soyent rappelez et <iue 

doresaDavant aucun secours ne soit point envoyc audit Priuce Palatin 

4e Ktiübourg. 

Der Karfürst verspricht dagegen^ ^ich bei jeder Gelegenheit für die 
fe^litütion des Herzogs in »ein Ilerzostbum Lothriogea verwendeu zu 

•} Vgl oh€D p.37. 



**>«r, uir GvKb. «J. Gr. Sürrürilen. ¥L 



m 



L Der Krieg mit Pfalz-Neuburg. 



Es folgen danu weiterbm Corregpondenzen mit dem Führor der loth- 
niigiäcben Truppen , der sich einfach auf seine Ordre beruft, die ihn an 
de« Pfalxgrafeu weise. Desgleichen mit dem lothringisclien Rath, Rhein- 
grafen Friedrich Magnus von Salm, der ün Namen seines Herzogs 
noeli ijumer die fretnidiclinitliclisten Gesimiutigeii kund gibt, was der Kur- 
lürst als einen unter diesen Umstanden unziemlicheu Hohn znrüekwe 
(3. Aug. 1661). 



Blumeiithal an deii Kurfürsten. Dat. Wien 15. Juli 1651, 

[Auf den Kaiser ist gegen Schweden nicht zw rechnen; allea auf Friede gestellt; 

gute Beziehungen zu Schweden. Ausäichtsloalgkeit des Jülichschen Kriegs. 

Roth za Frieden und Oecouümie für die nachriteu Jahre.] 

15. Juli. 1:0b ich wol weiss, dass L Kais, Maj. E, Ch. D. eine sonderbare 
Affeclion zutragen, so bitte doch, dieselbe wollen sich in keinerlei 
Weise darauf so weit verlassen, üls wann 8ic E. Ch. D. gegen die 
Schweden in der pommerischeo Sache mit Kriegsgewalt :| (wicwol ich 
weiss, dass E, Ch, D. solches auch nicht verlangen, sondern ich 
schreibe es nur zur blossen Nachncht) |:oder noch znr Zeit mit einer 
rechten Coniinination, daraus der Kaiser sich einiger Gefahr von den 
Schweden zu besorgen hätte, beistehen sollten. Denn erstlich hasset 
nnd filrchtet man alhier den Krieg :| als wie ein Feuer, nnd ist, wie 
E. Ch* D, ich oftmals versichert, die färnehmste Sorge jetziger Zeit 
diese, wie man den genüichteu Frieden recht befestigen |:und so lang 
dieser Kaiser lebet, halten und dadurch sein Haus stabiliren möge, 
hemacli wie der Kaiser ;[ einen ansehnüelien Vorrath an Clelde ver- 
mittelst guter Oeconomie und Einlösung der Aemter zusammenbringen 
|:und dadurch reich [sie] und seinen Sohn in Considcration setzen 
möge. Mao fürchtet die Schweden aufs höchste und hilft nichts, ob 
man schon dagegen sagen wollte, dass sie so liocb nicht zu cunside- 
riren sein:]. 

Man wird ehestes einen €tesandten (wenn man nur höret, dass 
die andere aufm Wege anhero sein) dorthin schicken und sie dea 
Friedens, wann Fraukenthal vorhero rcstitnirt sein wird, versichern 
und begehren, dass sie dergleichen thnn und praestanda praestiren 
sollen, auch fiussorstes bemühen |:ob man sie von Frankreich abzie- 
hen könne :|. Darum werden E. Ch. D. mit sonderbarem Nachsinnen 
zu überlegen haben, was Ihro wegen der ponmierselien Gninztractaten 
zu thun sei, damit man aufs eheste zu des Landes Posscssion komme 
j;und sie ihnen mit E. Cli, D. eigenen Mitteln nicht hier und anderswo 
Freunde nuicheu und dieselbe E. CL D. weiter entziehen können:]. 



I 



Was den GUlicbsclieo Krieg belanget, da kann ich Gewia- 
sens halber E. Cb. D. nicht anders, weil der Kaiser und die Katho- 
lische diese beide Herren in die Llinge nicht verlassen können noch 
werdeo, wie ich solches täglich genugsam hören niuss, rathen, als auf 
alle Wege dahin zu gedenken, wie er aufs eheste geendiget und bei- 
geleget werde. Wenn ich auch den jetzigen Statum des liöui. Reichs 
und E. Cb, D, Länder, derer siimmtliehcr Stünde BeschafTenheit, der- 
selbea jetzige Affeetion und Verlangen des Friedens zu geniessen, wie 
auch E, Ch. D. gegenwärtige Oeconomiam betrachte, so muss dieselbe 
meinen Pflichten nach ich um so viel incbr bitten, dass Sie vor allen 
Dingen ausser allen Krieg und in völligen Frieden suchen zu kom- 
mco. ob es schon etwas liebes kosten sollte; nach diesem Ihre con- 
»ilia und actiones also anzustellen, dass Sie dadurch bei Freunden in 
Liebe und bei Feinden in Furcht und Keputalion gerathen mögen. 
Wann bei der Direction gnugsamer Respect ist und derselbe wrd ge- 
brauchet wird, so werden alle Ministri einig sein und bleiben niüssen 
und E* Cb. D. hoffentlich lieünden, dass die Stände auch, wo nicht 
in allen, doch in den meisten dero Landen, wann sie solches sptiren 
und sehen, dass die Ministri allein auf £« Ch. D. und des Landes 
Interesse selien und aus einem Munde reden ;|, sich besser erzei- 
gen und deroselben jährlich nicht allein zu der SoldatCBCa, sondern 
zuvorderst zu E. Ch, D, eigenem besten unter die Anne greifen, da- 
mit Ihre Aemter wieder besetzt werden und das ihrige thun können. 
Ich hofle zu dem allerhöchsten Gott, dass auf solchen Fall nicht 
*^hs Jahre werden vurbcigelien, E. Cb. D. werden einen schönen 
Vurrath an Gelde bekommen, und da wider Verboffen Sie jemand 
attiicquiren oder sonsten im Iteiche einige Unruhe wollte anlangen, 
die meiste Evangelische E. Cb, D. beistehen und ihre Reflexion auf 
Sie werfen werden. 

Ich habe das unterth. Vertrauen zu E. Ch. D. gänzlicb gesetzet, 
tt werden diese meine wolmeinende Gedanken . . . nicht Übel genora* 
öieö werden. [:Dann ich mit Gott bezeuge, dass ich keine grössere 
Glorie in der Welt verlange, als E. Ch. D. in Bolchem Stande zu 
flehen, darinnen Sie mit Ursache und Fundament sich für den am 
Wfistcu geliebten und considerabelsteo evangelischen Churfürsten im 
Rcieh halten und in solcher Vergewisserung ihr völliges Contentement 
sehen und bis an Ihr Ende geniessen mögen. Welches aber bei 
jelnger des Reichs Conjunctur durch Krieg nimmer geschehen kann, 
ttöch wird, insonderheit wann er sine sufficienti nervo cum omnium 

4* 



52 L ^^^ Krieg mit Pfalz-Neoborg. 

Imperii Statuum et propriorum contradictione sabditoromque suspiciis 
geffthret werden miis8:|. 

Bhirnenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 5/15. Juli 1651. 

[Warum die kaiserliche Resolution so sclmell erfolgt ist. Die kaiserliche Com- 
mission. Wachsende Zuversicht am Hofe wegen der Isolirtheit des Kurfürsten. 
Braunschweig und Hessen. Zeitungsgerücht. Unterredung mit Graf Furstenberg. 
Unsicherheit Blumenthars wegen mangelnder Kenntniss von des Kurfürsten 

Intentionen.] 

15. Juli. Ich habe nun erfahren, aus was vermeinten Ursachen man mir 
meinen Bescheid so bald und gleichsam wider die hiesige Gewohnheit 
gegeben. Erstlieh, so ist aus Cleve nach Düsseldorf geschrieben wor- 
den, dass man E. Ch. D. aus dem Haag wiederkommend in wenig 
Tagen gewärtig wäre, und dass dieselbe, nachdem meine Relation 
lauten und Sie verstehen werden, wie I. Kais. Maj. dies Werk em- 
pfinden möchten, Ihre weitere Actiones einrichten und ferner progre- 
diren wollten. 

Zum andern, dass der Obrist Ohr ') mit 5000 M. z. R. und F., auch 
vielen metallenen und eisernen Stücken zu den andern Churf. Völkern 
marschirete und Düsseldorf oder Hinsberg belägern würde; dahero 
I. f. D. von Neuburg aufs wehmüthigste gebeten und remonstriret, 
dass nun höchst nöthig wäre, dass I. Kais. Maj. dero Displicenz auft 
allereheste ... zu erkennen geben Hessen; insonderheit weilen die 
Generalstaaton sich in diesen Handel ganz nicht zu mischen gedäch- 
ten, auch nicht* einmal 200 Mann zu Besetzung des Hauses Cleve her- 
geben wollten. — 

Eine Sache gehet mir etwas zu Gemüthe, so diese ist, dass, als 
ich weitläufig remonstrirt, dass E. Ch. D. sich zu der Commission 
niemalen verstehen werden, mir zur Antwort worden, dass solches 
alschon wirklich unter E. Ch. D. eigner Hand geschehen, dieselbe 
acceptirt und nur allein begehret hätten, dass Sie mit Chur Cölns 
Person möchten verschonet werden. Als mir nun hiervon nichts wis- 
send gewesen, so habe ich nach diesem mich erkundiget und endlich 
befunden, dass diese Acceptatio nicht pure gesetzet, sondern die Wort 
lauten allein, dass, wann schon E. Ch. D. darein consentiren sollten, 
Sie wider Chur Cöln, aus denen darinnen angezogenen Ursachen, den- 
noch excipiren müssten*). 



1) Oberst Oebr von Pfalstorkamp s. v. Mörner p. 301. Aitzema 
III. 670. 

«) Vgl. oben Einleitung p.öf. 



BlameDtbal in Wien. 



53 



Blnmentha) hat frxJlier gewarnt, nicht zu sebr berrorzuheben, 6ms 
[der Kurfüri^t bei diesem Uaterochmen ganz ohne Eüiver?tä«tloisiv niit an- 
[dem Maehteri ?!ei; .seittU'm omii hier gewiss i^t, dass Schweden, Holland, 
leisen, Braanschwclg bei der Sache nicht intereii&irt siud, ist man viel 
Tlehroffer und spricht ?on nichts als von kaiserl. rönalmaudatcn. — 

Torgebend, dass auf diese Weise und wenn nicht mit rigore hier- 

innen sollte verfahren werden, kein kleiner Stand vor dem grosseren 

würde sicher sein können, sondern gich des Ueherfallens stOndlicb be- 

iorgen müsste; wie denn der Herr Graf von FUrstenbcrg in allen 

Kelag^n (dem ich doch, wenn ich» erfahre, der Gebühr nach begegne) 

■iget, dasa ein Adler schlechte Ehre habe, wann er einen alten Hiihn 

Tberwünde. Ich hoffe aber, es werde dieser Leute hitzige und eifrige 

Intention geringen oder keinen Efiect haben, wann nur die Sache bald 

Coniposition kommen möchte. 

Das fllrstliche Haus Braunsehweig und Lüneburg hat ihren 

riegsrath Otto Ottenscn nach Kassel geschickt und vernehmen 

sn, ob selbiges Haus mit E. Ch. D. in dieser Sache einig wäre 

[öder etwas gemeines bätte^ vorgebend, dass sie nicht glauben könn- 

class E. Ch. D. so ein weitausschendes Werk würden allein au- 

[lefangen haben; und vermeinet man alhier bei Hufe die gewisse 

Zeitung zu haben, dass der Landgraf negative sie beantworten 

i')- - 

Es ist ein loser Schelm kommen und hat sich unterstanden, 
E, Ch. D, und meine Negoeiation in dem merklich zu denigrireu und 
aasger Credit zu bringen, dass. er in den olTeutlichen Zeitungen setzen 
öod drucken lassen dilrfen, dass dieselbe jetzo einen Expressen zu 
Paria hätten, der dem König in Krankreich die Vertröstung geben 
thite, dass E. Ch. D., wann es dermalen eines zur Wahl eines KOmi- 
scbea Königs kommen sollte, Sie Ihr des Königs Person alstets woll- 
ten lassen recommandiret sein. Worauf der Reichsvieccanzler Graf 
T<Jo Kurtz mich gefraget, ob ich solches wol glaubete; derae ich zur 
Auivrort gegeben, es möchte dieses wol ein Düsscldorfisches Avtificium 
wifl, ttnd daae er es vor keine Wahrheit halten, sondern E. Ch. D, 



^ ÜmU Cleve 2d.Jani 1651 hatte derKarfürst seioen Schwager den Land* 
gnftia Wilhelm tod Heäseu-Xaaael eraacbt, diQ ätadt Nöuas und eine gewisse 
8th4aze um lüicin, die noch von dem letiteu Krieg sjahr her mit hessischen 
TnpptiQ besctX't war, ihm 2U übergebea oder von dort aus ^oine ITuteraebmun- 
^iwgen daa gegetiüberliegeade Düsseldorf?) au uaterstützen oder zu be- 
tigta. Es ward«? aber von hessischer Seite nicht daraaf eiagegaagen. 



54 I> ^^^ Krieg mit Pfalz-Neuburg. 

vor verständiger ansehen wollte. Wie er dann auch sagete, dass 
I. Kais. Maj. noch er nichts darauf geachtet *). 

Untorreduiig mit dum .^chwedisdion Gosnndteu Bärcnklaw, der die 
poinmcrschcn Gronztractatrn als ganz leicht und dem Abschluss nahe 
hinstellt. 

Als ich gestern mit dem Grafen von FUrstenberg etwas hart 
redete, dass E. Ch. I). etwas mehr iSicherheit als bishcro beschehen 
bei Ihren Tractaten haben mttsstcn; wo nichts so wUrde man in kur- 
zem hören, dass dieselbe solche sclbsten suchen werden: so antwortete 
er mir, dass ihre Städte, als Düsseldorf, Hinsborg und Dttren also be- 
setzet wären, dass sie nichts zu besorgen hätten; sollten aber E. Cb. D. 
eine derselben attacquircn, so würden bald andere Verordnungen her 
auskommen und alle Stände Befeblich kriegen, I. f. D. bei der im 
Landfrieden enthaltenen Strafe der 2000 Mark löthiges Goldes beisa- 
springen; was vor Strafen aber die zu besorgen hätten, welche andere 
attacquiren wollen, die wären auch im Landfrieden gnugsam be- 
schrieben; er wollte aber verhoffen, E. Ch. D. als ein löblicher Herr 
würden es dazu nimmer kommen lassen, zu dem so wäre deroselben 
zu der Zeit, dn sie es am wenigsten gesorget hätten, ein Anschlag 
misslungen; das könnte um viel chender gcscheheu, da die Oerter be- 
setzet wären. Mcinete . • . weiln beide Theile so stark werben, es 
werden die Soldaten und deren künftige Befriedigung eine hauptsftch- 
liehe Verhinderung sein, dass man so bald nicht würde zum Ende 
gelangen können; es wäre denn, dass mau auf beiden Seiten alles fer- 
neres Werben einstellte und den öchluss maturirete. 

Weil nun von diesen Werbungen, ob sie gross oder klein sein. 



*) Das hier bezeichnete Schriftätück befindet sich bei den Acten nicht. Dio 
gedruckte und geschriebene Zeitungscorrespondenz beschäftigte sich sehr vielfaltig 
mit dur Kriegsungelegenheit nni Hliein. Als ]k>ispicl fügen wir eine italiäniscfae 
Zeitung bei, die d.d. Viennu KH^ugliu nach Wurschnu geschickt wurde and von 
du wieder nach Wien an den llof gelangte. Kb wird darin ausgeführt, wie der Kur- 
fiirst der allgemeinen Ansicht nach der Strafe für Ueichsfriedensbruch verfallen sei: 
.Ma sendo arrivato (pia il Sig<^ Blumenthal ((.'Omniissario generale di quell' Elct- 
tore, persona molto crudita e ben contisciuta in questa curto) fu subito amcsao 
air audienza di »S. M'^, nella quäle soglionu dire che rappresentasse la stima cd 
osservanza, ehe professa il suo S''" alla M^** 8ua; con assicurare che questa mossa non 
sia statu cagionnta da altro che dalT ultimo matrimonio che ha fatto il Sig** Daca 
vecchio di N (Mi bürg; poicho havendo puccessione, come sperano, et trovandosi 
il Sig*" Elettore scnza il possesso di (pialchcduna di quelle citta, temeva di qual- 
cho 8ini.<«tra sentonza*. Mit all dem und anderem aber räumt Blumenthal doch 
den Verdacht nicht hinweg: «che sotto questa mossa ci sia roachine maggiori 
con intelligense di altri potentati*. 




nmeutiiAr 



von E. Ch. Ü. mir keine Naclmclit ziikonimen ist, ich aoch Ton dem 
Haoph'orhabcn, oder wie weit dieselbe zu gehen geraeinet seind, 
uiehtd weiters weiss, als dass Sie K f, 1). von Neuburg zu mchrer 
Raison zu bringen verhofTen, so kann ich hierauf mit Bestände nichts 
antworten, viel weniger gehorsamst einrathen- — 

Wie mir mein Bescheid zukommen, so war ich wol gemeinet ge- 
wesen, nach Ablauf 3 oder 4 Tagen mich von hinnen zu begeben. 
Weiln ich mir aber leicht einbilden können, dass E. Ch, D, bei so grossen 
Werbungen etwas wichtiges vorzunehmen sich entschliespen mochten, 
und dass solches bei meiner Abwesenheit sehr gefährliche Resolutiones 
hier hsltte verursachen können, so habe ich dienlicher befunden, hier 
bis zu E. Ch. D. gnäd. Antwort auf meine erste und zweite Relation 
zu verbleiben und allen Unwillen nach Möglichkeit zu divertiren. 

Blumenthal an den Kurfiirston. Dat. Wien 9/19. Juli 1G5L 

(GutAChteo der Kurfärsteo, Wortwechsel mit eiDem MilDsterscheD Geeandten. 
Nassau nod Wittgeoateia j^olten alä die Anstifler. Reichahofrath^didcurse.] 

Die drei KiirfUrsteii von Mainz, Köln aad liaiern haben ihr Üutaehten 19. Juli. 
abgegeben, welche^i den Kaiser auf die Reichscoustitutiunen gegen den 
hrftudi'nborgi^cbeti Friedenhbruch hitmeitt. Von Trier in nicht* bikaiint 
Kursnehgcn hat, aU mitintercssirter Theil, keiix Gutachten gehen wuUcn, 
Ton Kurpfalz hat man, weil man es auch filr interessirt hält, auch der Kur- 
först die Lehen noch nicht empfangen, gar keines verlangt. 

Alle Welt steht in Wien auf Seiten des Pfalzgrafen : Olumenthal hat 
alle Mühe, den Eiüzeluen den Kurfürstcu als den eigentlich angegrilTenen 
Tbeil zu zeigen. 

Welches ich dann insonderheit dem MUnsterischen Gesandten, 
in Domherrn von Ftlrstenberg, der hieher gescbicket worden, 
$6 Münsterischen Lehen zu erapfahen, und mir vor andern so hart 
begegnete, vorhielt. Er aber aatwurtete, E, Ch. D. wltiden des Kriegs 
üud der daraus entstehenden Ungelegenheit und Difticultalen wo! bald 
überdrüssig werden; es mOchte vielleicht Bein, dasB £. Ch. D. grosse 
Victorien wären vorgestellet, dabei aber nicht angezeiget worden, 
wetm dieselbe nicht reussireten, das» grosse Uil'ticultäten und Veilust 
Und und Leute daraus erfolgen könnten. 

Weil ich nun sehe, dass es undienlieh sein würde, einen jeden 
M beantworten , so habe ich allein sein friedfertiges Genillth belobet 
und lieklaget, das* er nicht gcheiuier Rath zu Cleve wäre und solche 
tmbedachte Difiicult^ten in Zeiten hätte können zur Hand geben, — 
Die meiste Schuld dieses Krieges wird hier den beiden Grafen 
^Oü Kassau und Wittgenstein, doch jenem mehr als diesem zu- 




55 I* ^^f Erleg mit Pfalz-Neuburg. 

geschrieben*) und von demselben sehr ttbel geredet, dass er Siegen 
mit StQcken beschiessen lasse. 

Wie vor drei Tagen der geheime Rath geendiget worden, und 
die Räthe bei einander stunden und von dieser Sache redeten, so 
sagte einer der vornehmsten: Der Herr fanget an, der Diener folget 
nach, auf die Weise wird ein jeder thun, tcas er .fcill und der Kaiser 
nichts mehr zu sagen haben; diesem Dinge muss man abhelfen. Ich 
antwortete, dass ich davon nichts wUsste, mein gnäd. Herr hätte seine 
Ursachen und I. £xc. von Nassau würde die ihrige auch wol wissen 
vorzustellen; wenn ein jeder hielte, was er zu halten schuldig, so-- 
dörftc es dergleichen nicht. Dieses wollte Einer sogleich ttbel neh — 
men und sagete: so hörete er wol, man sollte das Faustrecht wieder* 
einführen und der Kaiser sollte nichts sein. — 



Blumenthal an den Kurfürsten id. dat. 

[Die Differenz mit den Schweden. Gespräch mit Graf Eurtz darüber; Rath mi^ 
den Schweden schleunigst abzuschliessen , nud ebenso mit dem Pfalzgrafen. 
Schuldige Römermonate.] 

19. Juli. Vorgestern Gastmahl bei Graf Kurtz; Blumen tbal kommt beson- 

ders auf die pommeriscbc Gränzstrcitigkeit mit den Schweden zu sprechen, 
er verlangt besonders ein Inhibitorialmandat an die ?orpommerischen Stände. 
Darauf Graf Kurtz: 

\:Mein Gott, wie kann das itzo sein, da wir sehen, dass der Chur^ 
fürst von Brandenburg neue Unruhe gegen einen katholischen Fürsten 
anfängt und die Waffen noch nicht deponirt hat, dass [wir] uns die 
Schweden so zuwider machen sollen? Was werden wir auch vor Ae- 
spect davon haben, wenn sie sagen : der Churpirst von Brandenburg will 
des Kaisers Commission, so Münster und Wolfenbüttel aufgetragen, nickt 
respectiren — was haben wir dann des Kaisers Commission in solchen 
Sachen j da das Instr. Pac. klar ist, dass wir nicht ehenden restituiren 
sollen, als finita amicabili compositione, zu respecHren?:\ Ich sagte, 
dass dies ganz divorsa negotia wären und wann die Schweden eines 
haben und geniessen, auch das -andere restituiren müssten. |:Da 
sagete er: man hätte die Sachen nicht in Schweden, sondern zu Mon- 
ster und Nürnberg anders abhandeln, Ihr am letzten! Ort nicht so gut 
schwedisch sich zeigen sollen; sie würden zwar unsere Erklärung sehen 
und den Schweden auch zusprechen und endlich -zusehen, ob man 



') Vgl. hierzu die Stelle aus Wortmann 's handschriftlicher ^histoHscber 
Beschreibung** bei Droysen IIL 2. 26., in Betreff des Grafen Johann Moritz 
von Nassau. • 



Blometithal in Wioti. 



57 



io weit von einander, tlass der Untcrscbeid auf su viel Tonnen 
Goldes anliefe; das letzte aber war, wir sollten d<»ch auf alle We^e 
ieheOf bald in die PossessioD, woran alles haftete, nnd aus dem JU- 

Kichen Wesen zu kommen; dann die Scinvodcn bedienten sich dieses 
dels meisterlich und wir hätten alle Chur- und Fürsten wider uns, 
die sonsten auf E. Ch. D. Seiten sehr gut gewesen wären; sonsten 
iDüsste er gesteben, dass die Stadt Cammin billig höher als auf ein 
10 oder 20 Dörfer zu halten wäre — aber endlich, was halt thtiN?t\ 

Womit er besohl os8, und ich kann aus allen Sachen niclits anders 
ßis dieses mit Bestände sebliessen, als |;dass man hier sich von Her- 
sen erfreuen würde, wenn man lj»>rete, dass E. Ch* D. sich quovis 
modo verglichen hätten, damit sie hier den Herren Schweden nur 
3iichts unangenehmes zusprechen, viel weniger sie bedräucn dürfen;], 
es aber öffentlichen zu sagen und zu ratben, will ihnen nicht an- 
stehen. 

Wann der bewusste Anschlag angangen wäre und E. Ch. D. dero 
;«rwartende Volker bei sich gehabt hätten, und sogleich nach dem 
«Anschlug Hinsberg oder Dltren attacquiren können, so wäre es weit 
besser gewesen und mit einem hingangen, als waÄn man nach so 
laBgem Stillliegen etwas de novo belägern wollte. Das vornehuiste, wo ich 
isneine, darauf E. Ch, D. beim Vergleich werden zu sehen haben, wird 
Lieia, wie Sie Ihr Keputation keinen, auch den geringsten Abbruch 
picht thnn lassen und womiiglicb einen beständigen Vertrag macheu, 
Idea Sie beide contra ([UoscmKiue, so aufm Reichstag auch etwas von 
dea Landen haben wollen, zu manuteuiren sich verbinden, 

F, 8. dat 11/21. Juli. Graf Kurtz kommt zu Blumenthal woj?e« 2LJii 
^n noch schuldigen Römermonate, die der Knrfiirst zu bezahlen Schwie- 
rigkeit mache ^ ^nnt Bitte, E, Ch. D, uuterth, £U ersuchen, dass Sic doch 
*o ganz dem Reich und dessen Satzungen sieh uieht entziehen wollten**. 



i 



Kaiser Ferdinand III. an den Kurfürsten. Dat. Wien 
24. Jnli 16A1. 

["Odiinjirige kaiaerliche Verwarn ong von dem eing^eschlageiieo Weg abzuatebcüj 
Verweisang an die eiujfesetÄt« kaiserliche Commission.] 

R^cnpitölation der von Rlnmenthal vorjGjehracheen Reebtfertrj^iingfi- 24. Jnli 
ide des Kurfürsten und Verweis auf das kaiserliehe Schreiben vom 
^ Jtili (s. oben p. 40 ff.). 

Nun können Wir in Erwägung alles dessen, was an Seiten E, Ld, 
^kommen, einmal nieht betiudeu, dass Sie einige befugte UrRach 
pbhbt oder noch haben aollteE oder könnten, dergeatalt mit gewaff- 



98 



L Der Krieg: mit Pfalz-Nenbui'g, 



neter Hand und uu^^cwarneter Ding:e in die Jülich- und Bergische 
Lande einzufellcn, ein und andern Platz feindlieh anzugreifen, die 
Landstflnde und Unterthnnen von dem bisherigen Kespeet und Gehor- 
sam gegen Pfalz-Neuburg ubzunrnhucn und des recht- oder gütlichen 
Ausspruchs unerwartet zu erblicher Succession an sich zu ziehen; 
dann es seie mit denen wider ermeltes Pfahgrafen Ld. geführten Klagen 
und Contraventionibus beschaffen wie da wolle, so sind doch dieselben 
alle, wann sie gleich in facto sieh von E, Ld. angebrachter Manssen 
verhalten sollten (welches gleicbwol an Seiten Pfalz -Neuburg nit ge- 
standen wird) der Iniportanz und Wichtigkeit nit, dass E. Ld* darum 
zu den Waffen greifen und ermeltes Pfalzgrafen Ld. dergestalt feind- 
lich anfallen sollen, in sonderbarer Erwilgung, dass die in E. Ld. 
Manifest im Namen der Jülich- und Bergischen Landstilnde und L^n- 
terthanen angezogene Beschwernisse quoad ecclesiastica et politica 
keineswegcs solche actus seind, so an 8citee Pfalz-Neuburg mit offe- 
ner Kriegsgewalt aufgedrungen und verfochten worden, noch auch 
E. Ld., sondern allein der Landstande Interesse directe berühren 
thucn, einfolgentlich E. Ld. dieselbe als causam propriam auf sich zu 
nehmen und zu Beschönung so gestalter Gewaltthatigkeit anzuziehen 
um so viel weniger befugt sein, sintemal bemelte Landstände, wann 
sie ja bierinnen von Pfalz- Neuburg Ld. wider den in a. 1G09 erhal- 
tenen Revers graviret worden, den Weg zu Unserm Kaiser!. Hof wol 
gewusst^ und wie in andern ibre privilegia betreffenden Sachen, also 
auch hieriuuen wider S. Ld. gut Recht gefunden haben würden; und 
dieweileu Wir bereit zuvor schon eine ansehnliche Commission, denen 
Reichs Conatitutionibus und dem erblichen Herkommen gemäss, eb^| 
in dieser Materie, die anjetzo pro causa Jnstitieante vis armatae voW 
gewendet wird, ernannt haben. Also mag auch E. Ld. nit vorstündig 
sein, was obbemelter von Blumentbai in seinem Anbringen wider 
ofternanntes Pfalzgrafen Ld. summariter et generaliter angebracht, als 
ob dieselbe die a. 1G29 und 47 aufgerichte provisional Vergleich nic- 
mnln hätte vollziebco wollen, sondern ein und andern in unnothiges 
Disputat gezogen, dieselbe gar nicht zu halten sich erklilret, die der 
Augsburgischen Confession zngethane und reformirto Prediger ganz 
aus dem Land zu vertreiben augefnngcn, sich noch niehrer Thätlich- 
keiten, sobald nur E. Ld. sich wiederum in Prcussen begeben würden, 
verlauten lassen, mit Unsers Vetters des Herzogen von Lotbringen lA. 
sonderbare heimliche dirrcspondenz um dieselbe in die Cleviache und 
Märkische Landen zu locken, ge])flogcn, und was dessen mehr gewe- 
sen; welches alles solche Für Wendungen sein, die tbeils, wie gemelt. 



ntM 



ii«{i9infthft!nig. 



sich bei Unser angeordneten Kaigerl. Commission ausfindig gemacht 
haben würden, theils auf noch zur Zeit imervviesenca Muthninassmigen 
bestehen und zu keiner wirkliehen Handlun^^ im geringsten nit aus- 
gebroehen, theils aber Pfalz- Neuburga Ld. politische Administration 
betreffen, ohne dass derenthalben einiger Kriegsgewalt oder vis arniata 
widcT Jemanden wäre vorgenommen worden; wie dann die von einem 
und andern Tlieil be^cheliene P^inftihrungen und Abschaffungen der 
Oeistliehen und Kirchenlehrer mehrentheils auf deme bishero zwischen 
E. und Sn LLd, bestrittenen Verstand obberUhrter Reverse beruhen 
und E. Ld. ebenso wenig bevorstehet, den» Meinung mit den Wnficn 
zu verfechten und derentwegen die Staaten von Holland als expro- 
missares guarantigiae an sich zu ziehen, so wenig E* Ld. solches 
Pfalz-Neuburgs Ld. gut heissen würden. 

Wann sich dann in allewege gebührt hätte, wie noch, dafern 
E. Ld. Ihro in der [laupt^aeh wegen des Religionswerks und wie es 
mit dessen Restitution oder Veränderung und künftiger üebung zu 
halten, getrauet fortzukommen, dass Sie solches vor Unseren Kiüserl. 
Commissariis vorgebracht und erinnert hätten, die dann leicbtlich ge- 
sehen und erkennet haben würden und noch erkennen werden, ob es 
diedfalla bei den vorigen Verträgen und bei welchem es verbleihen 
sollte oder nicht, und ob Euer oder Pfalz - Ne?»barg8 LLd. in culpa 
seien, dass dieselbe nicht gehalten wurden, und ob die reguhi des 
Priedensschlusses de a. 1G24 einzuführen, oder was sonst nach Inhalt 
jetzt gedachten Friedensschlusses fdrzuuehmon, imd wo sie etwa in 
einem oder andern angentanden, sie solches an Uns, als Connnitten- 
ten, mit Gutachten hätten berichten und sieh neuer Instruction und 
Befehliehs erholen können; allermaassen Wir denselben unter heuti- 
gem dato anderweitig gnädigs anbefohlen, ohhertibrte Commissioii nn- 
verlangt fortzusetzen: llber dieses im Friedensschluss ausdrücklieh 
vemehen, dass, so viel den Jüliclischen Suecessionsstreit seihst betrifft, 
derselbe vor Uns entweder gütlich oder rechtlich ausgetragen und ent- 
schieden, auch sonst von keinem Stand des Reichs wider den andern 
um einzi^^'cn vermeinten Zuspruchs oder Rechtens willen, einiger Ge- 
walt gebraucht und fUrgenonuncn werden solle: so können E. Ld. 
leicht erachten, dass Uns als dem Oberhaupt und supremo executori 
paeis nm so viel weniger zugelassen ist, Uns ausser dieser Sachen 
tmd gleichsam nur passive zu halten. 

Haben also E. Ld- dessen allen hiermit anderweit zu erinnern 
ttöd benebens freund-oheim- und gnädiglich zu ermahnen der Notli- 
durft erachtet, sintemal Wir für gewiss berichtet werden, dass Sie 



60 I* ^P Krieg mit Pfals-Nenbnrg. 

wider mehrbesagtes Pfalzgrafen Ld. mit deneu bisherigen Gewaltthi- 
tigkeiten, Erzwingung der Contributionen, Verbietung der Zufuhr an 
Yictualien, Fortsetzung der Kriegsverfassung und Herbeibringung meh- 
rern Geschtltz, Munition und Volks, noch immerzu verfahren: dieselbe 
wollen von denen geklagten Hostilitäten alsobald abstehen, Ifaro Völ- 
ker von den Jtllich- und Bergischen Landen abführen, alles in den 
Stand setzen, wie es vor E. Ld. jetziger Ankunft in die Clevische 
Lande gewesen und diesfalls Unserer auf die Reichs Constitutiones 
und den Münster- und Osnabrückischen Friedensschluss fundirt* und an- 
geordneter Commission Statt geben. Sollten aber E. Ld. dieser Unserer 
wiederholten freund- und gnädiglichen Ermahnung ungeachtet in sol- 
chen weitaussehend- und unverantwortlichem Beginnen immerzu ver- 
fahren und die Nachred auf sich kommen lassen wollen, dass durch dero 
ergriffene Waffen das heil. Reich Unser geliebtes Vaterland in neue 
Unruhe und Unsicherheit gesetzt zu werden sich besorgen mttsste, so 
werden E. Ld. unschwer erachten können, dass Wir neben allen Chur-, 
Fürsten und Ständen des Reichs dasjenige beobachten und für die 
Hand werden nehmen müssen, was zu Erhaltung des Friedens und 
Abwendung neuer motuum das Instrumentum Pacis dictirt und ver- 
ordnet. Seiud hierüber E. Ld. verlässlicher Antwort gewärtig und 
verbleiben etc. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Cleve 25. Juli 1651'). 

[Nochmalige ausführliche Rechtfertigung des Verfahrens gegen den Pfalsgrafen. 
Ablehnung der kaiserlichen Commission.] 

. Juli. Antwort auf das kaiserliche Schreiben vom 3. Juli. 

Nun ist zwarn nicht ohne, dass ich in dato 13. nächstabgewiche- 
nen Monats Juni in den Ftlrstenthüniem Jtllich und Berg ein offen 
Patent publiciren und anschlagen lassen; lebe aber der Zuversicht, es 
werden E. Kais. Maj. bereit mit mehrem von meinem Gesandten, 
deme von Blumenthal, mtlnd- und ferners aus Communication ge- 
dachten Patents und einer fernem Änzeig anstatt Manifests schriftlich 
vernommen halien, dass mich darzu und zu Occupation einiger Platzen 
im Fürstenthum Berg die vielfältige Klagen meiner Jülich- und Ber- 
gischen Unterthanen, welche auch vorhin zu mehrmalen E. Kais. Maj. 
beigebracht sein, dazu höchst genöthiget haben, bevorab des Herren 



*) Dieses Schreiben wurde von Blumenthal nicht an seine Adresse abge- 

311. Juli 



geben, s. unt das Schreiben desselben dat g; j^^'„^ 



Pfalzgrafen Ld. nicht allein vor sioh selbst in starker Armatur be- 
gri6feu. sondern auch aller Orts in und ausserhalb Reichs bei fremden 
Potentaten um Htilf und Assistent soUicitireu lassen, so weit auch« 
daas Sie ein gross Volk von der Lotbriu^isehen Arm6e an sich genü- 
gen und bereit in das Ftirstenthum Jülich geführt haben; wie dann 
auch des Herrn Pfalzgrafen Ld, Procedur und Thathandkmg (indeme 
dieselbe zu. denen meinen Landen und Unterthanen ertheilten Rever- 
salen, Pacten und Concordaten nicht obligirt sein, noch den provisional 
Vergleich, im Jahr 1647 den 8. Ajjrllis aufgerichtet, halten wollen, 
sondern meine Stände und Unterthanen in Jülich uud Berg zum höch- 
sten beschweren uud veriolgen) zu neueu gefährlichen motibus im 
heiL Rom. Reich Ursach geben, und dem jüngsten Reichsfrieden, auch 
allen andern Reichsconstitutiouen e diametro widerstreben und ich 
hierunter nur mein Recht und Gerechtigkeit vertheidige, und damit 
das Köm. Reich in Fried und Wohlstand conserviret werden möge, zu 
Observanz alles dessen, so bei Antritt meiner^ Herren Vorfahren Re- 
gierung in diesen Landen den Ständen und Unterthanen mit höchst- 
betheuerter Zusage versprochen, und was folgends in dem Dortmun- 
dischen, Xantischen und anderen Verträgen zwischeu mir und des 
Herren Pfalzgrafen Ld. tractirt uud beschloäsen, mich schuldig afier- 
kenne. 

Da des Herren Pfalzgrafen Ld. sieh billig vielmehr erinneren 

sollten, dass mein Gross Herr Vater, Christseligen Andenkens, vacuani 

possessionem der Landen, und zwarn zum allerersten und ehe dann 

einiger der andern Praetendenten sich hervorgethan, wirklich ergriffen, 

hernacher aber von des Herren Pfalzgrafcu Ld. dergleichen durcli 

Allerhand turbationes auch attentirt werden wollen, und endlich dieser 

Possessionsstreit durch den Dortmund'schen Vertrag dahin vermittelt, 

dass S. Ld. in die communeni possessionem, doch anderer Gestalt 

'licht, dann salva possessiooe Brandenburgica, precario und iure fami- 

Jwiritatis mit angenommen worden. Dieweil aber dieselbe gedachtem 

Vergleich auch in viele Wege zuwider gehandelt, indeme sie meinen 

^rc>8s Hen- Vater und Vatem im Jahr 1lU4 mit Zuziehung fremder 

Spanischer Kriegsmacht aus den Landen gewaltsamlich verdrungen, 

**'^ Kanzelei zu Düsseldorf und die ganze Regierung der Landen, wie 

^ch die fürstliche Begräbuiss einseitig bestellet uud gefiihret und die 

rol extraordinari als ordinari AufkUnfteu der Landen den meistea 

"Tlieil alleinig genossen und den darauf zu Xanten erfolgten Vertrag, 

^'^Ichen sie doch selbsten bewilliget, angenommen und ratiticiret, und 

'mdureh meine Herren Vorfahren wiederum in pristinum statum und 



08 



L Der Krieg' mit Pfiilz-Neobur?. 



in ihre vorige Possessioü rostituirt werden sollen, nicht halten, soH' 
dern fast alles an sich ziehen und den jüngsten provisional Vergleich 
nicht «hserviren wollen: habe ich zu Vertheidigung meiner Pü88es8i< 
nnd Oerechtigkeit mich des natürlichen and allen Völkern gemein* 
Hechtens (in dem auch einem jeden privata das Seinige zu dcfendin 
zu schützen und zu handhaben zugelassen) gebrauchen ratissen, wel- 
ches dann den van E, Kais. Maj. ange/.ogenen paragraphis aus dem 
Instrnniento Pacis verli öffentlich nicht zuwider, weil ich mich nach 
Inhalt derselben des ordentlichen Weg Rechtens gern bequemen und 
die Entscheidung der Jülicher Successionssache entweder in der Güte 
oder in andere rechtliche Wege abwarten wolle, wann nur des Herra 
Pf;Uzgrafen Ld. mich vermög des Dortmundischen nud Xantisehen 
Vertrags bei der Halbheit der Landen unbeeinträchtigt lassen. 

Ich erinnere mich zwarn auch, dassi E. Kais. Maj. im verwichenen 
]M9, Jahre eine kaiscrli(»he Conimis^sion wegen Restitution des Reli- 
gion- und Kirchenwesens in den Jülich- und Bcrgischen Landen 
geordnet; dagegen aber hab ich zu mehrnialen in aller Uuterlliänij 
keit mit Einführung unterschiedlicher ßationum und Motiven rem* 
Birirt, dass ich solche Commission nicht annehmen, noch dieselbe 
die Observanz des Jahrs 1Ij:?4 gegründet werden könne, inmaasse^ 
etliche Rationcs auch in dem Manifest, so ich in ottenem Druck vef| 
fertigen und E. Kais, Maj, gleichfalls allcrunterthänigst habe commu- 
niciren lassen, eutbalten und des Herren Pfalzgrafen Ld. bei mehr* 
malfger fcSchickung so schrift* so mündlich repräsentiret sein. ^ 

Und weil gleichwol E. Kais. Maj. in Ibrem Schreiben allergnädigi|| 
melden, dass ich jetzt angeregte Commiasion acceptirt und angenom- 
men habe, so nmss ich nicht unzeitig in der Vorsorge stehen, dass 
meine Schreiben, so ich dessfalls an E. Kais. Maj, in datis 30. De- 
cember des Jahres 1048, 17. Februsir und 29. Dccember des Jahres 
1G4L» allerunterthanigst hab abgehen lassen, deroselben nicht zu Keol^K 
vorkommen, noch gebührend refcrirt seien. ^^ 

Ich suche auch mein Recht in causa successionis durch unzu- 
lässige Mittel nicht zu erlangen, noch zu behaupten, sondern wie hier- 
unter des Uen-en Pfalzgral'en zu Neuburg Ld. zu mild geklagt habei^^ 
als erkläre ich mich hingegen, dass ich dasjenige, so in Instrumen^^ 
Pacis wegen der i^uccessionssache verordnet, alleiilings zu halten ge- 
meinet, und nur dasjenige, so mir vennög der fundamental Vertr 
angewiesen und mir vor allen Dingen extra processum competiret^ 
dcfcudiren und zu eonserviren Vorhabens bin. 

Welch mein Intent, als in iure naturali fundirt, bei den Benaeh- 




Kechti<3ftrIegiiQg vor dem EaiBer. gg 



harten Terhoffeutlich keine Diffidenz, Jalousie und Uiiwilleu, auch 
keine Dcue Jlotus erwecken, sondern vielmehr sowol bei E. Kaie* Maj. 
ab anderen hohen Potentaten, Chur-, Fürsten und Ständen des Reichs, 
iprann sie lecht davon iufonnirt sein (wie ich meinem Gesandten, dem 
voa Blumenthaly zu thuen anbefohlen), apjiUiusum finden uud 
IL Kais. Maj. als dem höchsten Oberhaupt im Reich und suprcmo 
exccutori pacis Aolass geben wird, des Herren Pfalzgrafen zu Ncu- 
liurg Ld* zur Raison und aller Billigkeit anzuweisen. 

Wie dann £. Kais. Maj. ich hiemit allerunterthäDigst ersuche und 

bitte^ Sie wollen allergnädigst geruhen, von meinem Gesandteo, dem 

ron Blumenthal, alle Information einzunehmen, und des Herren 

Ffiilxgrafen zu Neuburg Ld. schriftliche Klage zu meiner Veranlwor- 

timg, 00 ich alsdann mit mehrern einzuwenden bereit bin, zu com- 

municiren, und bis daran nichts schliessliches wider mich verhäugcü 

XU lassen, sondern vielmehr S. Ld. ad observantiam pactoruui und die 

fremde KriegsvCdker und in specic die Lothringischen Troupeu bin- 

Vinwiederum aus dem Lande abzuführen, anzuweiseu, und mich bei 

meinem Besitz uod Rechten, davon der Herr Pfakgraf n)ich lite peu- 

Jcale et de facto zu verdringeo sich unterstanden und noch unter- 

t, zu manuteniren und zu bandhaben. 

Daran erzeigen £. Kais. Maj. was an sich selbst recht und billig, 
uod ich bleibe es um dieselbe allerunterthänigst gehorsamst hinwie- 
derum zu verschulden gctlissen. 



Üer Kuriurbt an Bhimenthal. Dat. Cleve 15. Juli 1651'). 

[^vT Kurfürst verlaugt Jas llerzogthum Berg, ßlüleroe und goldene Rüge tu. 
l^iOt neue Streitschrift. l)a» Scbiciben an deo RaiBer» lu AuäsicLi geäti-llte 

WecbseL] 

Euere unterscheidliche Kelationes samnit einem Dui»Hcat habeu 2.VJuH. 
Vinifal bekommen, verspüren daraus Euern guten angewandten Fleiss, 
uad wollet Ihr damit continuireu und L Kais, Maj, Faveur in dieser 
^he quuTis modo zu gewnnneü suchen. 

') Die Datiruiig hier ausiiahmsweiee nach altem Slil; das Schreiben muss 
^OJ 25. Juti sein, da es BegleitHchreibeu zu dem vorausgeliendeo ati den Kaiser 
^ Vgl nuten dat» Schreibe» Blumenlbafs dat. ^{; ^*;J.*; — Dies ist du« 
'wte Schnoben, welcliea Bhimuuthül wiibreud seiner Aüwesenheit iu Wien 
'•JO dem KiirfurateQ erhielt (7. Aug.i; es macht sehr eDtsohiedcn den Eindruck, 
^* «8 dormuf berechnet war, von den kaiserlichea DBhordeo vor der Abgabe 
l^ötToÄlÄtt werden (sowie auch wahrscheinlich das frühere kurfürstiiche ^Schreiben 
'•^»18. Joni, oben p. 27, unterschlagen worden war; daranf deutet naraeotlich 
■*"^ der letzte Fassuä über die Wechsel hin, von denen eouet nicht die Rede 
i»l Vorgl. Drujrion p. 3ö. v. Mörner p. 290 t 




64 L ^^^ Krieg mit Pfalz-Neubarg. 

Wir wollen Uns mit dem FUrstenthum Berge contentiren huh 
sen. Ihr wollet es dahin za bringen suchen, dass man alda dazu 
connivire. Wir wollen alhie bleierne Kugeln gebrauchen und Ihr alda 
gttidene. 

Es soll mit ehistem eine weitlUuftige Resolution des Neuburgi- 
schen Antimanifesti (in tertia persona, wie der Pfalzgraf thut) heraus^ 
kommen. 

Jetzt habet Ihr das Schreiben an die Kais. Maj. nebest der Copei 
zu empfahen und wollet Ihr Euer Bedenken über alles, was vor- 
kommt, überschicken. Die bewusste Post wird bald erfolgen; big 
daher hatte es nur gemangelt, dass Wir die Wechsel, so nun über 
Amsterdam gehen, nicht haben mächtig sein können. Verbleiben ete. 

Der Kurfürst an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm. Dat. Cleve 

25. Juli 1651. 
(Concept von Schwerin.) *) 
[Vorschlag einer pcrsönlicheu Zusammenkauft zwischen beiden Fürsten.] 
25. Juli. Es wird ohne Zweifel £. Ld. fremd vorkommen, dass ich dieselbe 
hei diesem Zustande mit einem Schreiben besuche. Wenn Sie aber 
künftig meine Intention vernehmen werden, so werden £. Ld. sehen, 
dass dieselbe sowol zu E. Ld. eigenem Besten und Sicherheit, als 
auch der allgemeinen Ruhe angesehen ist. Wann 's derohalben E. Ld. 
gefällig, sich allein mit mir zu besprechen, so bin ich geneigen, zu 
derselben unfern von Düsseldorf zu kommen, und ungeachtet meiner 
Advantage, so ich durch göttliche Verleihung und meine Waffen über 
E. Ld. erlanget und in kurzem weiter erlangen könnte, zu obgedach- 
tem Zweck auch persönlich zu unterreden und zu versuchen, ob nicht 
auf solche Art etwas bessers und beständigers gestiftet werden könnte, 
als bisher | eigennützige J') die Diener gethan. Erwarte demnach 
E. Ld. Erklärung, wann und an welchem Ort und auf was Weise 
wir zusammenkonmien wollen. Vor meine Person versichere ich 

I) Dünn wahrscheinlich eigenhändig vom Kurfürsten ubgcschrioben. liier ist 
ein Versohun zu berichtigen; dus Concept dieses Schreibens ist, wie mir noch- 
malige Heriichtigung zeigt, nicht von Waldeck geschrieben, wie ich Graf Wal- 
deck p. 35 angegeben habe, sondern von Schwerin. Das Schreiben selbst ist 
schon mohrfältig gedruckt, im Theat. Kurop., Aitzema III. G7G (holländisch), 
liondorp VI. 82G. v. Moruor p. 313. 

') Ad marg. von Schwerin*s Iland: „stehet zu Sr. Ch. D. gnäd. Belieben, 
ob Sic dieses Wort gebrauchen wollen oder Dicht". Ist durchstrichen und «die* 
corrigirt 



Versach directcr friedlicher Aokoiipfuug, 



65 



iE. Ld. auf Churflirstliche Parole, dass ich Lierunter nichts gefähr- 
liches, Bouderu nur obgcdaehten Zweck und aUo Ihr Bestes zugleich 
iinit suche. — 

^ Pfalzgraf Wolfgang Willielra an den Kurfürsten, 

^m Dat. Düsseldorf 27. JuH 1051. 

^™ (Eigenhändig.) ^) 

nDer Ffalsgraf ?erlaiig;t vorherige ZnrückKiehuog der 7>uppeu aus dem Her- 
r giÄchen,] 

I Gestern Abend ist mir E» Ld. freundliches SchreibcD, welches 27.Julfi 
Sie aus Cleve den 25. dieses an mich haben abgehen lassen und 
durch einen dero Trompeter hergebracht, geliefert worden; daraus ich 
gern vernommen etc. 

Nun lasse ich an seinen Ort gestellt sein, wer über den andern 
das Avantage haben werde; es liabeo aber E, Ld. anfangs wider mich 
leichtlich ein Avantage erhalten können, weil ich mich zu Ihr keines 
Bösen versehen gehabt, sondern venuög der Verträge, so zwischen 
'weiland E. Ld. gelioblen Herrn Vaternj auch Ihro selbsten und mir 
aufgerichtet (denen ich auch getreulich naehgesetÄCt) alle Differcntien 
hiügeleget und abgeredt und ich solches alles für verglichen gehalten; 
hii'^^egen aber E. Ld. einige Ort, Stadt und Schlüsser, so in meinem 
Flirstenthum Berg gelegen, mit Kriegsgcwalt ganx unversehencr Din- 
gen durch die Ihrige haben Überfallen lassen und oocupiren, auch 
soDsten zu meinem Präjudiz so gefährliche Patenta, Berieht und Öchrei- 
^jß haben ausfertigen und publiciren lassen, welche mir zu künftiger 
^W<ir Freundschaft und Vertraulichkeit zwischen Uns fast alle Holf- 
uimg entzogen gehabt. 

Nachdem aber E. Ld. anjetzo durch obgedachtes Ihr Schreiben 
Itre Intention anders und bessergestellt zu sein erklärt und deswegen 
lüit mir persönlich sich zu unterreden begehreu, auch auf Ihr Churf. 
iWle mich versichern, dass hierunter nichts gefährliches gesuchet 
werde: so will ich dafür halten, E. Ld. werden auch zugleich resol- 
Tiret sein und selbst fUr billig achten, dass zu Beförderung der von 
Ikro von neuem vorgeschlagenen guten Freundschaft und Vertraulich- 
Wit zwischen Uns (weil von Rechts wegen vor aller Handlung der 
Beleidigte und alles anderes in vorigen Stand zu reötituiren) vor allen 
Diugen Ihr Kriegsvolk, welches Sie in mein Fiirstenthum Berg ein- 

'j Ebc'ufiills schon gedruckt bei Aiizema III. 679. Londorp VI. 029. 
V. Möravr p, ai3. 

Miier. tur G«iclt. 4. Gr. Kurnjrü«». V[. g 



gß L Der Krieg mit Pfalz-Neuborg. 

gelegt, alsobald aus den Orten meines Lands, die sie occupirt nnd 
sich darein gelegt, und aus meinen Landen völlig wieder abgefilhret; 
also auch, welchergestalt wegen der mir und meinen Unterthanen zu- 
gefügten Schäden und verursachter grosser Kosten mir und den mei- 
nigen gebührende Erstattung zu geschehen, bei künftiger Zusammen- 
kunft tractiret und also alles in vorigen Stand gesetzt werde; wie 
solches nit allein aller Billigkeit gemäss, sondern auch der Kais. Maj. 
Resolution, welche Sie E. Ld. Gesandten den 9. dieses haben zustellen 
lassen, mit mehrerm mit sich bringet; und dass ich auch wegen Un- 
terlassung künftiger dergleichen feindlicher Einfäll und Thätlichkeiten 
gnugsam versichert werde. 

Auf welchem Fall und wann E. Ld. dero Kriegsvolk aus meinem 
Land völlig abgeführt. Wir beiderseits an der Clevischen und Bergi- 
schen Gränz in freiem Feld zusammenkommen können, da sich dann 
verhoflFentlich E. Ld. gegen mir Ihrer freundlichen Intention femer 
vernehmen lassen. 

Bin hierüber E. Ld. freundlichen Erklärung bei Zeigern, diesem 
meinem Trompeter, gewärtig etc. 



Der Kurfürst an die geheimen Räthe in Berlin. Dat. Cleve 

11/21. Juni 1651. 

21. Juni. Auzeigc von dem in Folge der Bedrückung gegen die Evangelischen 
in Jülich und Berg durch den Pfalzgrafen gegen diesen begonnenen Krieg; 
er ist allein unternommen zur Erhaltung der Evangelischen in den beiden 
Landen, ^deren über 62,000 Seelen, mehr Lutherisch, als Reformirt, da- 
selbst sein sollen^. Beifolgend das Kriegsmanifest des Kurfürsten. 

Ein Schreiben gleichen Inhalts ergeht zugleich an die Stände der 
Mark. 



Prälaten, Herren, Ritterschaft und Stände der Chur und 

Mark Brandenburg dies- und jenseits der Oder und Elbe an 

den Kurfürsten. Dat. Berlin 16. Juli 1651. 

[Erklärang der kurmärkischen Stände gegen das Unternehmen wider den Pfals- 

grafen.] 

2G. Juli. Dank für geschehene Communication — ^wenn wir aber die conse- 

qucntias, die aus diesen neuen motibus entstehen können, ein wenig reif- 
lich erwägen, so seind wir darüber heftig bestürzet nnd alteriret worden^. 
Beginn eines neuen Krieges nach dem erst geschlossenen allgemeiuen 
Frieden; hätte man die Landstände vor dem Unternehmen gefragt, „wie 
solches die Landreverse in alle Wege reqniriren^, so würden sie sehr ab- 



Die kurmärkidcheii Stande gegen deo Erleg. 



67 



en haben. Nun es geschehen ohne ihr Torwissen und doch ihr In- 
ge sehr dabei ins Spiel kommt, so möge ihnen gegtattet sein, sich 
aus getreuem Herzen gegen deroiüelben zo cxpectorircn'*. 

Die in dem Manifest entbnltenen Ursachen zum Krieg mögen i^l 
Richtigkeit haben; aber die katholischen Fürsten, so wie der Kaiser 
rerdeu die Sache doch einfach als einen Friedens brach gegen das Instr, 
^ac, ansehen; nnd ebensowenig wird der Kurfürst bei den evangelischeu 
Fürsten „grossen Beifall finden'*. 

Zudem ist der Rechtsweg zur Entscheidang des Streites noch nicht 

genügend betreten worden. Auch soll man um der KeligioQ willen kei- 

llkeo Krieg anfangen, ^und wird man wenig Exempel finden , dass die 

I Kriege f so wegen der Religion augefangen, den vorgesetzten Zweck er- 

(Teicht hätten**: 

Woher die Mittel nehmen? Die Domainen des Kurfürsten sind fa^t 

I überall eri^ehöpft, man fällt aUo doch lianptsächlich auswärtiger, besonders 

I niederländischer Hilfe auheim. Der PfaUgraf hat durch seine katholi- 

*cben Verbindungen viel bessere Aassichten. — Was soll auch der zu er- 

känapfende V ort heil sein^ In der Religioussache wird man doch nicht« 

iüdero. — .Im übrigen mochten E. Ch. D. dein Neoburgico etzUche Aemter 

Düd etwas an Lande abnehmen; dasselbe wird Ihr aber zum schlechten 

Kutien gedeihen; denn es hat der Allerhöchste Gott E. Ch. D. mit Land 

Ofld Leuten albereit so gesegnet, dass Sie etwas mehr zu begehren keine 

Iwch haben; zudem würde dicüe geringe Accessio etzUcher wenig Plätze 

bnm die Unkosten, so Sie auf die auxiliares copias der Hen*en Staaten 

ODii Ihre eigene Völker wenden müssen, wieder einbringen*', Aufforderung 

ui den Kurfürsten, die Sache baldigst zu Ende zu bringen. 



Blumenthal au den Kurfürsten. Dat Wien 16/^6, Jtini 1651. 

(Präsenürt 9. Aug.) 

[MAhniitig ao den Karfürsten um Bas^abluug der Romermonate; Ansicht Blumen- 
tfcils darüber. BcbarFe kaiserllcho Citutiou gegen die beiden Grafen von Nassau; 
** pli eigeutlich dvm Kurfürsten. Drohünde Reden am kaiserlichen Hof: den- 
(loeli ia den maassgebeudeu Kreisen rriedlicbe Stimmung ^ nur die militärischen 
Kreifü aodtjrs; Jena de Werth. Stellung Kureachsens, Aeuäsemng des Kai* 
^n, Gefahr von Polen her. — Feioliche Sitnalioo Blumenthars. Der Kaiser 
*^itpricht seme Dienste in der pommeriscben Sache, wenn der Kurfürst &tch 
*öMi?m Neubarger gütlich, vergleicht. Aoschlag auf Graf Friedrich von Nassau.] 

AI« vor etlichen Tagen L Ch. D. zu Sachsen als kreisauaschrei* 26. Juni. 
()Cttdep Churfiirst und Obrister de» obersächsisehen Kreises anhero be- 
achtet, dass E. Ch* D, allerhand Difficultäten machetea, die verwilUgie 
ÄUmermonat zu bezahlen'), und die Sache im Rath vorkommen, so 



') E» handelt sich um die 100 (resp. 160) Romermonat©^ welche g**gea Ende 
d<r f t^ft/EHscben Friedensverhaadlungen ala Satidfactlon für die kaiserliche Ar- 
"^^ gefordert , aber noch nicht furmell bewilligt worden waren (\r. Meiern VI. 



6g I. Der Krieg mit Pfalz-Neuburg. 

seind darüber sehr unangenehme Reden von theils übel Informirten 
beim Votiren gefallen, als nämlich: E. Ch. D. Hessen I. Kais. Maj. 
durch mich so viel Respects und Liebe versichern, -wann es aber za 
etwas Wirkliches käme, dass es auch nur in blosser Schuldigkeit be- 
stünde, so würden allerhand Beschwernisse dagegen angezogen. Das- 
jenige, was E. Ch. D. jctzo in den Gülichschen Landen angefangCD, 
wäre eine solche weitausseheude Sache, dadurch nebst L Kais. Maj. 
und dero Lande das ganze Rum. Reich in einen unwiederbringlichen 
Schaden und Gefahr könnte gestürtzet werden, und dörften E. Ch. D. 
deshalb begehren, L Kais. Maj. sollten solches nit approbiren; L Kais. 
Maj. wären ja befugt genug, es per modum executionis, wie Herkom- 
mens, cxecutiren zu lassen. 

Es haben aber L Kais. Maj. dieses alles ungeachtet allein resol- 
\iret, dass ein anderweitiges Vermahnungsschreiben an E. Ch. D. ab- 
gehen sollte, auch bald darauf durch zween geheime Räthe mich erin- 
nern lassen, dass, gleichwie Sie nicht gerne mit unangenehmea 
Verordnungen E. Ch. D. behelligen wollten, also hätten Sie auch das 
gnäd. Vertrauen, E. Ch. D. werden sich demjenigen, was alle andere 
Stände willig thäten, nicht entziehen, in Betrachtung, dass Chur Sach- 
sen das Ihrige theils schon gegeben, theils zu geben sich erboten^ 
Chur Baiern, ganz Schwaben und Franken hätten das Ihrige gan^ 
abgestattet; ich wollte also E. Ch. D. auch dessen unterth. erinnern. 

Worauf ich geantwortet, dass mir zwar noch zur Zeit von der- 
gleichen nichts wissend wäre, wollte e^ auch gehorsamst berichteix^ 
und möchte es wol sein, dass E. Ch. D. zu solcher Verweigerung sictB 
dahero genöthiget hielten, weil ein jeder des Friedens ausser Si^t 
welcher Pommern vorenthalten würde, genösse. 

Blumcuthal räth das an den Kurfürsten ergangene Schreiben des 
Kaisers in Betreff der Rümermouate in dem Sinne zu beantworten: 

Dass, ob Sie wol gehorsamsten Vertrauens wären, I. Kais. Maj- 
würden . . . unschwer ermessen können, dass auf diese Weise E. Ch. P- 
vor andern ungütlich geschehe, wann Sie . . . des Friedens wegen 

90. 639 ff. 648 ff.); nur ein allgemeines Versprechen war dem Kaiser ertheilt wor- 
den, dass die Stände auf dem nächsten Reichstag dem Kaiser „pro hacteDoi 
tüleratis belli sumtibus subsidium e collectis Imperii pracstandum decrctorofl' 
(In Str. Pac. Osn. XVI. §. 11). Brandenburg hatte schon damals Einsprocli 
gegen die ganze Forderung gethan (Urk. u. Actenst. IV. p. 696). Die kaiser- 
liche Politik suchte die Fährlichkeiten der Heichstagsverhandlung darüber da- 
durch zu umgehen, dass sie die Sache an die Kreise gebracht hatte. 8. den 
weiteren Verlauf der Angelegenheit bei den unten folgenden Reichstags- 
acten von 1653/54. 



Bhnjenthal in Wien. 



69 



Poiumeni nicht geniessen und gleich wol dasjenige, so um des Frie- 
deos willen eingewilli^et worden, abstatten sollten, dieselbe dennoch 
tich dem gemeinen Wesen nicht entziehen wollten/ Weil Sie aber 
(wie in Westfalen geschehen) aus theüs Ihren Landen alschon ein 
grosses gegeben, auch noch etwas auf I. Kais. Maj. aliergn. Ässigna- 
tion (als die 16,000 Rth. wegen des Graf Kurtzen's, so doch wegen 
der andern hier nicht genannt werden dörften) zu bezahlen auf sieh 
genommen, und dann zuvordenst eine sehr grosse Forderung an L Kais. 
Maj. scfalesisehe Kammer luittcn, so wollten E. Ch. D. in kurzem sol- 
ches alles L Kais. Maj. absonderlich lassen vortragen und damit ge- 
boten haben, solches in Defalcation kommen zu lassen, auch bis dahin 
in Buhe zu stehen. 

Auf diese Weise könnten verhoffentlich E. Ch. D., wo nicht zur 
Bezahlung der ganzen Schuld^ dennoch eines grossen Theils derselben 
geratben, und wann Sie hernach Ihren Ständen, welchen Sie es am 
raeiRten gonneten, etwas davon nachlassen wollten, so würden Sie mit 
so riel mehrer Possihiiität den Rest abtragen und E, Clh D. gnäd, 
Affection daraus wirklich versptlren können. Sollten aber E, Cb. D, 
l*ei Ihrer Verweigernni^: so pure verbleiben wollen, so werden Sie sieh 
bei allen hiesigen MJnistris über die Maass odios machen luid es doch 
in die Länge bezahlen müssen, weiln L Kais. Maj. vermeinen , dass 
^e an der Schweden Unbilligkeit ganz keine Schuld haben und sich 
^ilig erklären, E. Ch. D* nach Möglichkeit zu helfen. 

Die grossen Werbungen des Kurfürsten veranlassen hier manche^ eifrig 
*rf»lreoge Maassregeln zu dringen; doeh ist noch üiebts dergleichen be- 
^i'Wos^en, der Kaiser will sehr ungern daran. 

Wie es I. Exe. Herrn Graf Moritz von Nassau und dero Herrn 
liniJeru hier ergehet und wie gar übel geuomnjeu worden, dass die- 
8^ibe ab einer von den Kleinsten, wie sie sagen, propria autoritate, 
ßiit Vorbeigehen I. Kais, Maj. das Schloss zu Siegen mit Stücken be- 
«fhosaen, solches werden E. Ch. 1>. ohne allen Zweifel schon wist?en, 
iftdm dieselbe sdmi aUiero eitiret worden ad audiendum deelarari, 
4<>ioeidiÄ8e in poenani Fractae Pacis. Ich habe «war gebeten, mau 
Mle in dergleichen Sachen so geschwind nicht procediren, man hat 
•öir aber xur Antwort gegeben, L Kais. Maj. als oberster Handhaber 
4m Friedens könnten weniger nicht tlmn, doch würde verhoflenttich 
*llf^* gut sein» wann sie nur aufhöreten und ihre Entschuldigung ein- 
iickcten. 

Und ist mir darbei in Vertrauen gesaget worden^ dass darum das 
üaodfttWD so scharf wäre eingerichtet worden, damit E. Ch. D. so 



70 ^' ^®' Krieg mit Pfalz-Neuburg. 

viel chender auch dadurch, wann Sie solches höreten und sich infor- 
miren Hessen, dass man auf solche Weise uro Land und Leute, Wür- 
den und Dignität kommen könnte, zu Niederlcgung der Waffen und 
Vergleichunp: der Sachen möchten disponiret und bewogen werden. 

Es werden auch zuweilen sehr gciUhrliche Discursus in meiner 
Gegenwart geführt und nur alles zu dem Ende, damit ich sie wieder 
überschreiben möge. Als: neulich hielt ein vornehmer Herr einen 
langen Discurs, dnss, wann ein grosser Herr das Rom. lleich in Un- 
ruhe setzte oder darzu Ursache gebe und man ihn in die Acht er- 
klärte, so thate der Kaiser besser, dass er sein Land und Leute dem 
nilchsten Vetter und insonderheit einem Evangelischen gebe; denn 
dass dahero, dass man die Churpfalz dem ChurfÜrsten von Baiem 
conferiret, so grosser Unwille entstanden, wäre allein die Ursache, 
dass man sie einem Katholischen und dabei nicht dem proximiori ge- 
geben; wenn solches geschehen, und der Herzog von Simmem die 
Chur und das Land bekommen hätte, so würde die Saeh wol sein 
begraben gel)lieben. 

In summa können E. Ch. D. einmal vor allemal glauben, dass 
hier nichts unangenehmeres kann geredet werden, als wann Einer sagen 
wollte, man müsste wieder einen neuen Krieg anfangen, ausser di^e- 
nige, so bishero im Kriege grösser gewesen sein, als wie sie sich 
nunmehr geachtet und gehalten befinden. Jean de Werth soll an- 
hero geschrieben haben, dass er ohne grosse Kosten in 4 Wochen 
Zeit 4(K)(J Keiter wollte fertig haben; wozu man aber ohne weitere 
Besorgniss ganz nicht resolviren wird, es wäre denn, dass auf der 
meisten katholischen Stände Anhalten L Kais. Maj. wider dero Willen 
sich dazu bringen lassen mUssten. 

Der Kurfürst von Sachsen lääst durch seinen geh. Rath Dr. Oppel 
brieflich hier ^ehr eifrig unihertrugeu, dass er mit diesem „uuuöthigen Kriege^ 
nichts zu thua hübe. 

Als vergangenen Freitag der churpfälzische Gesandte bei 
Kais. Maj. wegen Frankenthal Audienz gehabt und dieselbe ihn ge- 
fragt, was sein Herr von dem Gülichschen Krieg hielte und warum 
die Sache so weitaussehend angefangen worden, so hat er zur Ant- 
wort gegeben, E. Ch. 1). hätten seinem Herrn versichert, dass es zu 
keines Standes Nachtheil im Ueich angesehen wäre, sondern allein 
Pfalz Neuburg zur Raison zu bringen. Worauf L Kais. Maj. also 
geantwortet haben: Ey, behüi esGoU, tcaun ein jedweder auf die Weise 
mit dem Schwert will darein schlagen und propria autoritate Einen zur 
raggion bringen, so werden wir einen schlechten Frieden gemachet haben. 



BlumeDthal id Wieo, 



71 



p-ftnii wird derselbe nicht lanQ danern könven; Wir hoffen doch, es werde, 
welches das beste ist, bald vergHchen werden. 

H !klir ist YOD guter Hand zukommen, dass E. Cb. D* wol auf das 

polnische Werk und Wn Herzogthum Preussen Acbtung geben soll- 
ten; dann ganz gewiss wäre, dass L f. D, der junge Herzog von Neu* 
l)ttrg sehr grosse Instanz gethan hätte^ man sollte E. Ch, D, von dort 
SQS zwingen, dass Sie Ihr Abtrag thun milssten. 

»Die Sendung von Christoph Mülcliior aus I'reussen [oben p, 43] 
ist trotz dreimaliger Mahnung nicht eiDgetrofl'eQ; sie ii;^t uöthig, damit 
Blnmentbal bald abreisen katiu. 
Der bisher In kaiserL Diensten gewesene Secretär Lazarus Kitfeel- 
mann wünscht in die des Kurfiirstea einzutreten und wird von Blume u- 
thal dazu empfohlen *)' 

P. S. Noch immer habe er keine weitere Information von Seiten des 
Kurfürsten erhalten, als das einzige Reseript vom 18, Juni, und sich inzwi- 
sehen nur so viel als möglich bemühet, die friedfertige Gesinnung des Kur- 
ftr^ten zu betheoern. 

Nachdem ich aber befunden, dass der Handel I. Kai«* Maj. von 

Tage zu Tage gefährlicher und also vorgeniachet wird, dass, weiln 

im Bergischeu Laude, dann in der Stadt Höxter und zu Siegen die 

Hostilitäten zugleich anfingen und es ein abgeredetes Werk sein 

mftsstc, und ich ans einem Schreiben ^ so aus dem Haag vom 4. Juli 

kommen^ ersehen, dass selbigen Tages 4 Deputirte zu beiden Theileu 

aehea'und eine Vermittelung treffen werden')» so bin ich, um den 

iwucn Allarni in etwas zu stillen, gestern und vorgestern beschäftiget 

gewesen , einen jeden zu bitten, dass sie doch aus aller Sorge und 

versichert sein wollten, der Vergleich würde j meiner von E. Ch. D. 

Bflangten Versicherung nach, in ganz kurzem, wann nur derselben 

geböhrende Satisfaction würde gegeben werden, erfolgen. 

Welches dann auch so viel gefruchtet hat, dass mir heute von 
Tomehmer Hand die Anzeig worden, [:E, Ch. D. sollten versichert 
^% dass, sobald der Vergleich nur getroffen, L Kais. Maj, E* Ch, D, 
in der pommerischen Sache wieder treulich helfen, ihnen, den Schwe- 
ä^ü» ihren Unfug remonstriren, dieselbe auch zu keiner Belelmung 
^rtiero kommen lassen wollten, bis sie E. Ch. D. Satisfaction ^^^^- 
btu; nur hätten E. Ch* D. sich daran nicht zu kehren, ob sie schon 



*) VimjB Erhieten wurde aDgeDommeti; Lazaras Kittelmaan erscheiat 
^ftige Zeit Bpäter io brao de ab arg! sehen Diensten und begegnet in manntchfacber 
Vuitadimg* 

^ Utber dteee ntederlüDdische Vermittelung b, Url(, a. Acten st. HL p. 66 ff, 



72 !• I^^r Krieg mit Pfali-Neuburg. 

hier so directe es nicht recusiren könnten, so sollte doch per indi* 
rectum alles geschehen, und sie nicht beliehen werden, bevor sie in 
gewisser Zeit £. Ch. D. vicissim Satisfaction gegeben hätten :|. LKais. 
Maj. hätten sonders grossen Kespect auf E. Ch. D. und dero Affection 
und Assistenz, aber dieses Bergische Werk hätte alles in StQcken 
bringen müssen wegen der grossen Gefahr, so I. Kais. Maj. wäre ge- 
macht worden, als wenn hierdurch das Koich in einen neuen Krieg 
gerathen würde. 

Vor wenig Tagen ist geschlossen und |:Chur Mainz aufgegeben 
worden, zu sehen, ob man Graf Friedrich von Nassau mit allem 
seinem Volk aufschlagen und seine Person hiehcr liefern möge:|. Wel- 
ches zur Nachrieht dienet. 

IJlumenthal an den Kurfürsten, o. D. [Wien 27. Juli 1651]'). 

(Präsentirt 3/13. Aug.) 
[Neue aufregenile Nachrichten; man beschliusst Avocatorien und Pönalmandate. 
Der Pfalzj^raf auf hohem Pferd. Einnahme von Horst. Blumeuthal gans ohne 

Orieutirung.] 

27. Juli. Vor wenig Stunden habe ich von ganz gewisser Hand vernom- 
men, dass I. Kais. Miij. von unten herauf bei gestriger Post der Be- 
richt geschehen, dass E. Ch. I). dero Abmahnungsschreiben ganz nichts 
geachtet, sondern nachdem b^ie solches erlanget, schlüssig worden 
wären, etwas sonderliches vorzunehmen; Hessen auch mit Ihm Wer- 
bungen alstcts continuiren und stelleten sich nicht anders an, als ob 
kein Haupt im Ucich wäre, dem !Sie, sonderlich in so höchst gefllhr- 
liehen Sachen, zu obediren hätten. 

Ich hab es aufs möglichste widerleget und gebeten, demselben 
keinen Gh\uben beizumessen. Weil aber der Churfllrsten Gutachten 
dahin gehet, dass ja 1. Kais. Maj. mit luterponirung Ihrer Autorität 
durchaus nicht langer zurückhalten, sondern avocatoria mandata ad 
militcm und dann poenalia ergehen lassen wollten, so soind dieselbe 
aufgesetzt und dabei befohlen worden, solche durch einen eigenen 
('urrier hinunter zu schicken. Und will ich itzo noch an zwo vor- 
nehme Orte gehen, ob ichs verhindern köimc; sorge aber, weil Gross 
und Klein, Jicich und Arm dergestalt wider diesen Handel sein . . . 
es werde nicht zu verhüten sein. Hotle aber zu (5ott, che sie kom- 
men, werden K. Ch. 1). durch dessen Gnade zum Vergleich kom- 
n)en sein. 

1) Vgl. das folgende Schreiben. 



Blutneathal ia Wien. 



73 



Der Pfalzgraf soll nicht allein begehren, dass ihm die Expensa 
mögen Ton E, Ch. D. refundiret, sondern auch dieselbe Ihres Rechtens 
an diese Lande, weil Sie pro[iria auturitate et vi arniorum dieselbe 
ihm entziehen >vonenj uach Inhalt der beschriebenen liechten pnviret 
mügen werden, — 

Gleich jetzo komme ich von beiden Orten wieder und höre, dass, 
sobald I. Kais, Maj, von der J:igd aufn Abend wieder hier sein, der 
Currier mit den Avocatoriiö abgehen solle« 

Der HenEog hat ge&tern wieder anhero geschickt und begehrt 
Volk und Geld und entzwischen, dass poenalia mandata, auch darauf 
die Execution ergehen solle. Schreibt iogleichcui, E» Ch. Ü. hätten 
das Haus Horst eingenoniracu, daraus Sie den meisten Thcil des 
Landes in Contribution setzten, und wollen, dass er Ihr das halbe 
Land abtreten sollte, welches er nimmermehr thue, sondern lieber 
alles wagen wollte. 

Nur glaube ich, es würde sehr notbig oder wenigst dienlich ge- 
wesen sein, wann E. Ch, D, mich von dero Vornehmen und sonder- 
lich %'on den Vorsclilägen zur Composition das geringste bei Zeiten 
hätten wiesen lassen, damit ich mich danach reguliren können; so 
halte ich zu prärenircn und zu divertireu vermocht, welche beide 
t*acheu iu politicis sehr nützlich seiud. Nun aber präoccupiren die 
voü Fürstenberg aller Herren (iemüther und erfahre ich erst von 
L (.'h. D, Gegentheil, was ich lange zuvor von derselben selbsten 
hJltte wissen s»»lleQ. 

Der R^st des Brief» cia grosses Stück in Chiffern, woza aber der 
Schlüssel sich nicht lindeL 



Wumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 17/27. Juli 1651. 
tPräsentirt 3/13. Aug.) 

IV^on ttlleu :^eiteii Hetzereien gegen Braiideuburg* Am beeteo , sich mit guter 
Mauier aus der Affuire zicheu.] 

G, Cfa. U. musj» ich uDtertfa. berichten, |:dass au» Holland selbsten 27.tfaU. 
^^i von yielen evangelischen Fürsten I. Kais. Maj, gperathen wird, 
arctiuri modo uach Inhalt der Kreisorduun^ gc^'cu E. Ch, D. zu ver- 
fahren und dieses das einzige Mittel sein würde, die sonst vor Augen 
«chwchende allgemeine Unruhe und ganz neuen Krieg zu verhindern. 
E« ist gestern darüber deliberiret worden und gehet heute ein Currier 
kinoirter. Im Fall dergleichen nur nicht mitgehet, wie ich nicht hoffe, 
wd es heut wrol erfahren will, so werde ich mein üus^serstes thun. 



74 



1 Der Krieg mit FfaIz-Neol)arg. 



68 auf andere Wege zu bringen, Entzwischen wird wol das best* 
sein, aufs eheste mit Reputation aus dem Werke zu kommeQ:|. 



Der Kurfiü'st an KiH'fürj^t Johann Georg von Sachsen 

Dat, Cleve 18/28. Juli 1651. 

[Neue V^ersiclieruDg, dasä vt nur gözwuQgeQ gegeo den rfalzgrufcQ tiuf^etret^i^ 2 
BetoDUDg des evaogeliscLeu Interesse. Meldet die AcDahme der niederländm — J 
sehen VermJtteluDg, und bittet um freuodscbaftliclie Einwirkang am kaiserliche e 

Hofe.J 

28. Juli. Er habe das Scbreibcn des Kurfürsten ?om 2. Juli (oben p*45} er- 

halten. 

Gleichwie Uns nun E, Ld, aufrichtigfcs redliches deutsches Ge- 
rn ttth bekannt^ also haben Wir auch obgedachte dero Uns geschehene 
und eröffnete Meinung nicht anders alj* aus E. Ld. treuherzigem Ge- 
rn üth und beständiger zu Uns und Unserm Chiirfürstliehcn Hause tra- 
gender Wolgewogenheit hergeflossen auf- und angenommen, gestalt 
Wir Uns davor hiemit freund vetterlich thun bedanken. Es wollen 
aber E. Ld. davor gewiss halten, wann Wir noch einiges Mittel hatten 
übrig gesehen» dadurch hochcrwähntcr Herr Pfaizgraf wäre zur Raison 
und Billigkeit zu bringen gewesen, dass Wir dasselbige zur Hand 
nehmen und nimmermehr zu den Waffen schreiten wollen. Dieweil 
Uns aber 8r. Ld. Hunieur nicht unverhorgen, sondern wol wissend, dass 
Sie keine Commissiones oder Tractaten und gütliche Handlungen bei 
Ihr lassen gelten und inmittelst so viel tätigend evangelische Seelen 
jämmerlich seiud tyrannisiret worden, so seind Wir gedrungen wor- 
den, einen andern Weg zu ergreifen und derselben die Schärfe zu 
bieten. Unsere Intention aber ist im geringsten nicht gewesen, hier- 
durch einige neue Motus im Rom. Reich zu erwecken oder die be- 
nachbarten Fürsten und Lande zu inquietiren, allermaassen Wir auch 
solches in der That erwiesen, indem Wir die Uns bei diesem Werk 
anerbotene Assistenz gän/Jich ausgeschlagen, sondern haben Unser 
Absehen einzig und allein dahin gerichtet» dass die von Sr. Ld. in 
Unseren Herzogthunien Jülich und Berge von so vielen Jahren hero ge- 
drückte arme Kvangelisclic von ihren Drangsalen errettet und die zu 
anfangs aufgerichtete Landesreversalen beibehalten und consen^ret. 
Uns gebührende Satisfaction geschehe und die Sachen zwischen Uns 
beiderseits allein ausgeführt werden möchten, dannenhero Wir Uns 
um so viel mehr wollen versehen, es werde Unser obgesatztes Vor- 
nehmen weder von E. lA. noch von keinem andern Fürsten und Stande 
iniprobirt und Uns übel ausgedeutet werden. 



Verhandlang mit KarsachBeo and dem Err.herzog in Brüssel 75 

AI« Uns nun die Herren Generalstaatcn der vereinigten Nieder- 
lande eben bei Einlangung E. Ld. freund vetterlichen Schreibens ihre 
Mediation hiebei offeriret, so haben Wir dieselbige zu Bezeigung Un- 
ecrs friedliebenden Gemttths und dass Wir E» Ld. wolmeinenden Ratli 
nicht ausser Augen setzen, gern acceptiren wollen, werden auch niclit 
unterlassen, alle billige Mittel und Wege, welche Uns zum gütUehen 
Vergleich und Uuser Satisfaetion werden vorgezeiget werden (sofern 
sich nur mehrvorgedaehter Herr Pfalzgraf dabei der Gebühr nach 
wird bequemen und anschicken wollen) zu erabrassiren und anzunehmen; 
tragen immittelst zu E. Ld. das freund vetterliche und sieherlichc Ver- 
trauen, Sie werden nicht allein vor sich selbst wol von dieser Sache 
ttrtheilen, besondern auch bei der Rom. Kais. Maj, wie auch allen an- 
deren Chur- und Fürsten alles zum besten auszudeuten sich belieben 
lassen; welches Wir E. Ld. hinwiederum in freundvetterlieher Antwort 
melden wollen. 

Instruction für Johann Moritz von Nassau nach BriisseL 
Dat. Wesel . . Juli 1651. 

Dank für die Sendung Ribeaacourts und die ao gebotene Mediation. 
DD dieselbea Punkte, wie in der Instruction Tür Schwerin [oben p. 32]. 

Der Erzherzog werde also in Erwägung dessen dem Pfalzgrafen nicht 
beUteheüi ^sondern dieses Werk unter ods beiden allein abmachen lassen**. 

üeber die angebotene Mediation kann man sich nicht eher erklären, 
bi« bekannt wird, was der Plalzgraf für Miene machte mid zu welcher Sa- 
üefaction er bereit ist. 

Kebenmemorial dat. Cle^e 29. Juli 165L Es ist jetzt bekannt gewor- 29.JiüL_ 
<ien, dass der Pfalzgraf die Staatische Interposition annimmt; es ist also 
^^m Erzherzog anzuzeigen^ dass der Kurfürst nun aueh nicht umhin kann, 
«iiese zu acceptiren, und er bedauert, daes es nicht anders sein kaniL 

Klage zu führen über des Herzogs von Lothringen Hilfleistung an 
Seuburg; womöglich dies auch dem Herzog selbst vorzustellen. 

S^o rai$ch als möglich zurückzukehren. 



Der Kurfürst an den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm. 
Dat, Cleve 20/30. Juli 1651. 

[Abbrucb der Verhandlangeo mit dem Pfalzgrafen.] 
Wir haben E. Ld. eigeuhändliches Antwortschreibeo vom 27* dieses 30.. 
durch dero Troiupeterii wol empfangen und daraus ersehen, dass Sie 
IWre wcdineinendc Intention ausser Au^ea au setzen und an Statt 



7 g I. Der Krieg mit Pfalz-Neubnrg. 

dessen vielmehr ganz fremde Vorschlüge zu thun Belieben tragen. 
Wir mltssen es dahin gestellt sein lassen, dass E. Ld. nicht allein den 
ProAisional vergleich gebrochen und tiberdem noch andere Ursachen 
mehr zu diesem Vornehmen gegeben, besondern auch anjetzo solche 
wolgemeinte Mittel zu gutem Vergleich verwerfen. Wir wollen Gott 
vertrauen, dass er Uns in diesem gerechten abgenöthigten Kriege nicht 
verlassen, sondern kräftig beistehen werde. Welches Wir deroselben 
hinwieder melden etc.') 

Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Cleve 3. Aug. 1651. 

(Conc. mit Correct. v. Schwerin.) 

[Rückberufaog. Sendang nach FraDkreich in Sachen des Fürstentbums Orange; 
Argwohn deshalb zu zerstreuen.] 

3. Aug. Wir zweifeln nicht, es werde Euch zum zweiten Male aus ün- 

sem ... Rescriptis bekannt worden sein, welchergestalt Wir, sobald 
Ihr Euere Negociation zu Wien einigermaasseu in guten Stand ge- 
setzt, Euch gerne alhier bei Uns wissen möchten. Wann Wir es dann 
nochmals hierbei bewenden lassen und Ihr sonderlich anjetzo, da Wir 
die Tractaten beliebet, alhie bei Uns nöthiger als zu Wien seid, als 
werdet Ihr ... Euere Anherokunft aufs baldeste es immer möglich 
ist beschleunigen. 

Hierbei ein neues Handschreiben an den Kaiser nebst Copie für Blu- 
menthal. 

Nachdem Wir auch vernehmen, dass die Königin in England 
in das Fürstenthum Uranien einnesteln will, so haben Wir deshalb 
jemands nach Frankreich geschickt, um solches bei der Königin zu 
divertiren. Weil Wir aber bishero in Unsem Actionen insoweit un- 
glücklich gewesen, dass sie jederzeit anders und mehr ungleich inter- 
pretiret werden, als Wir sie gemeinet haben, so wollet Ihr I. Kais. 
Maj. gleichfalls allergehors. vergewissern, dass diese Abschickung zu 
keinem andern Ende angesehen, als zu dem, so Wir jetzo angefllhret; 
gestaltsam Wir Unserm Abgefertigten auch nicht einmal in Befehl ge- 
geben, dass er Unserer hiesigen Action mit Pfalz Neuburg geden- 
ken soll. 

Dat. Cleve 8. Aug. 1651 überschickt der Kurfürst an Bluiueothal 
10 Exemplare der gegen das Neuburgische „Antimanifestum** gerichteten 
Refutation zur Vertheilung an geeigneten Orten in Wien. 



*) Vgl. hierzu v. Mörner p. 315. 



Blumeilthal an den Kurfürsten, Dat. Wien 2, Aug. st. n. 1651. 

(Prüficiitirt 8/18. Aug.) 

[Vorgänge im Kriegs- uod geheimen Ruth; Graf Hatjsfeld's Sendong an den 
Rhein. Unterredung mit dera Grafen. Wartiuag ao den Kurfürsten vor «nvor- 
flehiigen AensseruDgeo ; eine solche , die nach AVien b<?nchtet worden ist. ße- 

vorstehende Abreise.] 

VergangcD habe E. Ch. D. ich unterth, benehtet, dass ein general 2.A^ 
Kriegsrath und darauf also bald der geheiaie Rath in aller Geheime 
gehalten worden. Ich werde in Vertrauen berichtet, dass es allein 
E. Ch. I>. grosser Werbung und schweren Cunditionen halber, so Sie 
1. f. D. von Neubarg Bollen vorgeschlagen haben, uud vornehmlich, 
dass man aus allen E, Ch. D. Discursen vernehmen könne, dass dieser 
idel weiter gehen und daraus ein allgemeines Ineendium entstehen 
ise, geschehen, und darinoen sowol auf Anhalten etlicher westfälischer 
Stände, als fleissiges Einrathen theils militärischer Personen dieses 
Orts solle geschlossen sein worden, dass L Kais. Maj. doch nicht 
fönger in dieser Sache stille sitzen, sondern zu Dämpfung eines sol- 
chen gefährlichen Krieges, dessen Anfang und Ursach, ungeachtet 
alles 80 man dawider sagtj E, Ch, D. dahero, dass Sie Ihre eigene 
Sache propria autoritate et per viam artnorum gegen den Frieden uud 
de$ Reichs Constitutiones ausfuhren wollen, [man] beimessen Ihut, das 
äu^scrste thun und E. C\u D. zu Hinlegung der Waffen anhalten 
sollte. 

Darauf dann geschlossen worden, dass, weiln ich gleich wol die 
gewisse Versicherung fürgebc, es wilre die Sache schon tum guten 
Vergleich incamitiiret, njan behutsam gehen und nicht sogleich andere 
fa*rode mit in das Werk ziehen, sondern es sollte |:der Graf von 
Hallfeld alsobald mit Vollmacht hinuntergehen und unter dem Schein, 
als wollte er die Sauerbrunns curam brauchen, aufm Nothfall Volk 
2tt werben und mit den vornehmsten daruutigen Standen zu commu- 
wciren» wie die Sache nach Inhalt der Kreisordnungen zu endi- 

Sobald ich solches vernommen, habe S. Exe, ich zu Baden vier 
Mrilen von binnen besuchet und vorgegeben» dass ich in 6 oder 7 
l'*pa fort wollte und gehört hätte, Sie würden auch nachr WUrzburg, 
lüf Ihre Guter zu bleiben; also wUrde mir lieb sein, wenn ich die 
Ehre haben könnte, in derselben Gesellschaft zu reisen, Sie ant- 
wortete, dass Sie in 2 Tagen gewiss reisen uud zu Engers, 10 Meilen 
«•on Cöln, auf Ihren Gütern bleiben wollten. Als wir nun auf die 
GlUidische Sache per discursum und nnt Fleiss kamen, und ich sagte^ 



78 



I. Der Krieg mit Pfftk-Neubarg. 



ich lioffete, die Sache würde vielleidit sclion ver^^lichcn sein, |:go 
wortete er: ja^ einen schönen Vergleich würde es geben, erst hat man 
fjow der Religion gesaget , nun will man mehr Land und Leute haben, 
und man sehe wol, dass man den Catholisehen den Frieden üieht 
gönnen wollte:]. 

80 ich aber aufs beste entschuldiget habe und noch besser thun 
könnte, waun mir nur das geringste von E. Ch. D. wegen dero wei- 
teren Vorhabens und wie weit Sie sich gegen des Herzogen von Neu- 
burg f. D. zu erklären entschlossen haben, in Zeiten hatte wissen 
mögen. 

Blume 11 thal räth, sieh womögticb ¥or Hatzfeld's Ankunft zu ver- 
gleichen — lässt man es wirklich bis zu kaigerlicheu Werbuugeu kommen, 
so ist das Ende nicht abzusehen. 

Insonderheit habe E. Ch. D. ich geborsauist bitten wollen, diese 
meine wolgemeinte Erinnening, sich nämlich bei der Tafel und in 
Ihrer Kammer in Discursen auf das beste in Acht zu nehmen, nicht 
ungnädig zu vermerken, weiln der Verräther nicht schläft und alles 
ärger, als es gemeinet ist, ausleget. Es ist nämlich anhero geschrie- 
ben, ob soliten E. Ch, D, zu dem General Gold stein gesaget haben; 
^da will mich der Kaiser in die Acht erklären^ aber es hat nichts ^u 
bedeuten, wir wollen, mein lieber Goldslein, doch wol lustig sein; vier-- 
mal acht ist 32"* > Dieses, als es L Kais. Maj. augezeiget worden^ haben 
Sie also geantwortet: ..wann es geschehen wäre, so würde es Uns billig 
schmer^ien, Wir wollen es aber nicht glauben ^ und versichert Uns der 
Blumenthal einer mehrern Affection und Respecls Sr, Ld. gegen Uns^. 

Indem ich dieses geschrieben, so kommt die Post aus Niederland 
wieder an, mir aber bringt dieselbe von E, CIl D. das geringste nicht 
mit; andere haben Solireiben, Sie wären wiedemm in den Haag ge- 
zogen, um die Holländer so viel mehr zu bewegen, sich in diese Sache 
zu interessiren. Ich hofle künftigen Sonnabend von L Kais. Maj. Ab- 
schied zu nehmen und am Montag von hinnen zu reisen. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien 



1651, 



26. Ji.i; 

[Keine NacbricliteD vom Kurfüraten. Bevorstelietide Abreise des Grafen Hai^_ 
feld. Schweden soll eich erboten hüben, die Execotioa gegeu KurbraDdenbo^B 

zu überuehmcrnJ 



5. Aug. Noch immer keine Nachrichten vom Kurfürsten, obgleich er seit seioj 

Ankunft wöchentlich zweimal und manchmal 2 oder 3 Relationen bei ei 
Post gesehriebeu habe* Der zum kaiserlichcu Commissar ernannte G 
H atz feld will heute oder morgen abreiäeu; wenn die Sache nicht bi 



Irar 




BliuDeothal iq Wien, Schwediache Executlon. 



79 



füülcb beigelegt wird, hat er Auftrag, ^die ihm vorgescbriebeDco Mittel 
;ur Hand za nehmen". Das bei?te wäre, der Vergleich wäre bei seiner 
AnJcuüft schon gej^chlossenj aber (reilich wird der Pfalzgraf jetzt lieber es 
is zn Hatzfeld*s Anwesenheit hinziehen, die ihm günstiger sein wird. 
Xach diesem muss E. Ch, D. ich uuterth, berichten, |:das8 mir 
höcbstem Vertraueo uod aus lauter Affection, E. Ch, D. ÜDglück 
u verhüten, von einer gewissen Person gesaget worden, daüs der 
cbwediscbe Besident Bärenklaw, um I. Kais. Maj* wirklieb zu ver- 
dcbera, dass sie mit dieser Sache nichts gemeiücs haben, diesen Vor- 
ihlag tbun lassen: man sollte ihnen, wann sie, dem Vor^ben nach, 
io grossen Eifer hätten, den Frieden zu mainteniren und Churbran- 
denburg zur Raison zu bringen, die Execution gegen E. Ch. D. nur 
cominittiren, so wollten sie bald alles cuinponiren. Es ist aber nichts 
darauf zur Antwort worden, als dass man Hoflnung hättet E. Ch. D. 
Mrden den Schluss bald selbsten eingeben. Was nun hieraus [add. 
folgen würde], und dass auf diese Weise die Schweden justo titulo 
et cum coDsensn der Stande des Reichs Pommern ganz oder wenigst 
ad restitutionem espensarum behalten würdeni|, solches werden E. Ch. 
D. gQäd. wol zu überlegen . . . wissen. 

Ich werde diesen Nachmittag wieder Audienz bei L Kais, Maj. 
Iiabeüj um deroselben die ganz wunderliche Sentimenti, so ein jed- 
weder wider E. Ch. D. Vorhalren füliret, auszureden und zu verhüten, 
dw» der von Hatzfeld nichts anfangen oder werben wolle, bis die- 
wlbe ihn auf sein Anbringen vorhero werden beantwortet und er die 
Antwort anhero berichtet haben. 



« 



Der Kui'fürst an Kaiser Ferdinand IIL Dat. Cleve 

5. Aug. 1651. 

(Conc. v. Schwerin.) 

[Erkllrt, sich den Wünschen des Eaiaera fugen zu wollen und bittet noi seine 

Gunat.] 

Anerdttrchlanchtigster Rom. Kaiser, Allergnädigster Herr. Gleich 
^ie E. Kais. Maj. allergnädigste Intention ich allezeit in unterthänig- 
«to Observanz gebalten und mich dahin äusserst beflissen, dass E. Kais. 
JJaj. ein vollkommene Vergnügung an meinen Actionen haben und 
•fcro allergnädigstes Vertrauen nimmer von mir wenden möchten, also 
fcake ich aach, so bald ich nur erfahren, dass E. Kais. Maj. wider 
oieio Verboffen einige Displicenz Über mein Vorhaben gegen des 
P&bgrafeo 2U Xeuburg Ld. erzeiget, meine Gedanken alsofort dahin 
gcricluetj dass E, Kais. Maj. zu unlerthänigsten Ehren und zu Erwei- 



X Ang, 



gO I* ^^1* Krieg mit Pfalz-Neubarg. 

sung meines gegen dieselbe tragenden Respects ich diese Sache güt- 
lich hinlegen lassen möchte. 

Im Fall nun des Herrn Pfalzgrafcn Ld. sich einigermaassen der 
Billigkeit accommodiren wird, so versichere E. Kais. Maj. ich hiemit 
gehorsamst, dass es an mir nicht ermangeln soll, sondern mein fried- 
liebendes Gemtith dabei erweisen will. Trage aber dabeneben za 
E. Kais. Maj. das unterthänigste Vertrauen, dass, wenn des Herrn 
Pfalzgrafen Ld. alle billige Wege ausschlagen sollten, Sie gegen die- 
selbe dero kaiserl. Autorität erweisen und mir dagegen allergnädigst 
fayorisiren und bei meiner gerechten Sache mächtigst manuteniren 
werden. Solches werde ich nicht allein durch dasjenige, was E. Kais. 
Maj. durch den von Blumenthal versichern lassen, besondem auch 
in allen vorfallenden Occasionen um E. Kais. Maj. gehorsamst und 
treulich zu verschulden wissen und mich von deren zu E. Kais. Maj. 
hochlöblichem Hause tragenden sonderbaren AflFection und Devotion 
von niemand, wer der auch sei, abwendig machen lassen, sondern ich 
werde, so lang ich lebe, erweisen, dass ich beständig bin etc. 

S.Aug. Der Kurfürst an den Resideotcn de Staveren in Brüssel. 

Dat. Cleve 8. Aug. 1651. 

Der Pfalzgraf voo Neuburg hat iü der Grafschaft Mark Contribution 
ausschreiben lassen und mit militärischer Execution gedroht. Demnach 
rauss von unserer Seite im Jülichschen dasselbe vorgenommen werden. 
Staveren soll bei dem Erzherzog Leopold Wilhelm dies so vorstellen 
und entschuldigen. — 

Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Wien ^Üu^. 1651. 

[Neae Aadienz beim Kaiser. Stand der pommcrischen Angelegenheit. Der 
Kaiser und der Vorschlag der schwedischen Execution. Das Schreiben dei 
Kurfürsten an den Kaiser wird zurückgehalten. Mangelnde Information Blumeo* 
thal's. Eine in Cleve geschehene Aeusseruog. Aufschub der Abreise. Blumea» 
thal räth, die clevischen Staude zu schonen.] 

9. Aug. Indem von E. Ch. D. mir bis auf diese Stunde der geringste Be- 

fehl, ausser was dieselbe von den bleiernen und güldenen Ku- 
geln vom 15/25. Juli sehreiben, noch nicht zukommen ist, so hab€ 
ich mit dem v. Crockow mich beredet und endlich geschlossen, daas 
die höchste Nothdurft erfordern wollte, I. Kais. Maj. vermittels einer 
absonderliehen Audienz und schriftlichen Memorials dreier Dinge wol 
zu versichern, als: 

1) Dass es kein allgemeines oder so ein weitaussehendes Werk 
wäre, woraus eine ganz neue Unruhe und Krieg entstehen könnte. 



BlameDthül ia Wieti. 



81 



Dass E. Ch. D. weder mit einem noch dem andem Potentaten 
lieninter etwas geraeiDes, sondera alleio mit Pfalz - Neuburg es zu 
tbun bätten* 

3) Dass E, Oh. D. zu Bezeigung Ihres unteilh. Kespects gegen 
L Kais. Maj- und derselben allergnfid. an Sie abgelasseue Vermah- 
BOoggseUreiben zu gütlicher Hinlegung dieses Werks sich zu beque- 
men ganz kein Bedenken trägen» sondern dazu willig wären, wenn 
Sie nur vorhero gewiss wiisstcn, dass des Herzogen von Neuburg f. D* 
sich der Billigkeit nach gegen dieselbe auch anschicken w^ürde; in 
der Hoffnung, dass hierdurch die bisherige nichtige Suspieion, den 
Pfaffen den Rock vollends auszuziehen und einen allgemeiueu Krieg 
wieder einzuführen, aus den Sinnen würde gebracht, als auch die ob- 
handene Resolution wegen der Werbung verhütet werden könne. 

Audienz beim Kaiser am 6. Aug. Nichts besonders bemerkenswertbes; 
beiderseits die oft wiederholteo Dinge. 

Darauf kamen wir auf die px^mmerische Sache; da I. Kais. 
Maj- sagten, ich sollte E» Ch. D. versichern, dass Sie dem Bärenklaw 
Bchon in etwas hätten zusprechen lassen, wollten es auch noch weiter 
tbttn, wann nur diese Sache möchte beigelegt sein. Ich remonstrirte, 
wie gar überaus hart die Schweden E. Ch. D. tractireteu, ja auch 
dergestalt, dass sie sich dürfen vernelimen lassen, man hätte dersel- 
ben itzige Proceduren nicht zu leiden, und dass sie, wenn es begehret 
und ihnen aufgetragen würde, E. Ch. D. bald zur Raison bringen und 
die Execution tlmn wollten. Darauf antworteten K Kais. Maj.: behüU 
GüU, diese Execution wäre Uns sowol als dem Herrn Churfürstcn viel 
5w gefährlich l 

Das ¥orge Stern eingetroffene Schreiben des Kurfürsten (an den Kaiser) 
^utn 25» Juli b«t B l u m e u t ü al iu Uebereiiistimmuüg mit K r o ck u w , weil 
»oa einer Accommoiiation darin gar nicht die Rede ist^ beschlossen lieber 
nicht abtugebeUj sundern den Inhalt in eitier neuen Audienz vorzubriugen. 

Ich gehe aus E. Ch. D, gniid. Schreiben vom \h/2^, Juli, aber 
Dur mit wenig Worten, wohin Ihre Gedanken zielen. Wollte Gott, 
mir wire xu Anfangs die Sache eröffnet worden. Man hat an den 
voQ Crosegk aus Cöln geschrieben, dass noch ein huchreconioian- 
Jirtes Schreiben von E. Ch* D* an mich hieher konjmen wtlrde; sol- 
che« hat sollen einem Dominieanermönch abgegeben werden. Ich 
hoffe ea noch zu kriegen, wäre aber besser gewesen, an den 
voo Crosegk es zu schicken. 

Vor jet£o ist höchst nöthig, an alle Orte aus gewissen Ursachen 
tM gehreiben oder schreiben zu lassen, dass an dem Vergleich ganz 

MilCff. iiir l^eicli. «1. Gr. Kurfursien. Vi. ^ 



82 I. Der Krieg mit Pfalz-Nenburg. 

Dicht zu zweifeln sei, so viel E. Gh. D. angehet, wann nur Nenbnrg 
Satisfaction geben wollte. 

An I. Kais. Maj. ist referiret worden, dass man zu Cleve solle 
gesagt haben: was gehet den Kaiser diese Streitigkeit an, soCkurbran- 
denburg mit Pfalz- Neubiirg hat; was hat der sich darein zu mischen? 
Welches von den Neuburgischen ausgedeutet wird, als wann es nur 
geschehe, I. Kais. Maj. Autorität zu despectiren. 

P. S. Der Kaiser hat Blomenthal sagen lassen, er möge ans ge- 
wissen Ursachen noch etwa 10 Tage sich in Wien aufhalten. Wahrschein- 
lich reist U atz fei d auch nicht vorher ab. 

£. Gh. D. werden sich wol gar vorzusehen haben, dass Sie den 
Standen nicht zu hart fallen; dann hier wird gar sehr geftlrcbtet, sie 
möchten aus Desperation sich gar an Holland geben. Sollte solches 
geschehen, so werden beide interessirende Theil am tlbelsten daran 
sein und wenigen Schutz von hinnen zu gewarten haben. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Cleve 11. Aug. 1651. 

[Darstellaiig der jetzigen Sachlage. Neues Erbieten zu friedlichem Ausgleich, 
wofern auch der Pfalzgraf entgegenkommt.] 

1. Aug. Antwort auf das gestern eingetroffene kaiserl. Schreiben vom 24. Juli. 

Verweis auf das frühere Schreiben des Kurfürsten vom 25. Juli und anf die 
durch Blumenthai gemachten Vorstellungen. Er, der Kurfürst, habe die 
Vermittelung der Generalstaaten nicht provocirt, sondern nur erklärt, sie 
annehmen zu wollen, nachdem der Pfalzgraf sie schon acceptirt hatte. Er 
habe an diesen ein versöhnliches Schreiben gerichtet (was in Abschriil bei- 
gelegt wird; s. oben p. 64), worauf aber nur eine ablehnende Antwort er- 
folgte und die Werbungen und Feindseligkeiten um so entschiedener fort- 
gesetzt worden sind. 

Nun werden E. Kais. Maj. unschwer allergnädigst ermessen, dass 
es zumal zu hohem meinem Beschwer gereichen würde, wann mir bei 
so gestalten Sachen ichts ferner zugemuthet, des Herrn Pfalzgrafen 
Ld. aber in Ihrer Armatur und Hostilität gestärket und deroselben za 
Abstand Ihrer Werbung und Hostilität, Abführung der fremden und 
anderer Völker nicht zugleich zugeschrieben werden sollte, daraus ja 
anders nicht folgen würde, als dass ich an meiner Person, Landen 
und ganzem Estat in höchste Gefahr gesetzet werden mttsste. 

Wann aber E. Kais. Maj. dergleichen des Herren Pfalzgrafen Ld. 
allergnädigst befehlen und dieselbe von der Armatur und Hostilittt 
ab- und hingegen zu aller Billigkeit durch Ihre kaiserl. Autorität an- 
mahnen, will ich mein friedliebendes Gemüth in Respect E. Kais. Haj. 



Slamenthftl in Wien. Sendtiog v, Hatzfeld u. Anetbanus. Die clev. Stöode. gg 

nd deroselben hohen Hauses darunter noch weiter erweisen, da auf 
en widrigen Fall, wann nämlich au Seiten des Herren Pfalzg^rafen 
Ue billige Wege zu gütlicher Aeeomtnodation ausgeschlagen werden 
eollten, ich der alleruDterthfmi^rsten Zuversicht lebe, es werden E. Kais. 
^Uj. meiner gerechten Sachen allerdings Beifall geben und mich dabei 
"kräftigst schlitzen und bandhaben, welches um E, Kais, Maj, hinwie- 
derum gehorsamst und treulich zu verschulden ich mir bei allen und 
jeden Occasionen zum emsigsten werde angelegen sein lassen. Als 
der ich etc. 



BlumentJml au den Kurfüi^sten, Dat. Wien 6/16. Äug, 1651, 

[B«ad9chreibeD des Kurfürsten. Abreis«} oDd Instraction des Grafen Hatzfeld. 
Ob cle?idCbeQ StÄode, Bevorstuheade Abreiae. Ruth zum Frieden. Abfiicbteo 
des Herzogs toq Lothnugen auf die Grarscbaft Mark.] 

Das an doeD hiesigen Dominicaaermönch mit eingescblosscnc Haod* 16. Aug< 
abreiben des Korfürsien an Blameuthal ist, da der Mönch ebt*n verreist 
war^ nar mit Schwierigkeiten in »eine Hände gekommen *). 

Gestern Abend ist Hatzfeld abgereist; in 3— 4 Tagen gedenkt Bln- 
ojfütbal seine Abfertigung zu erli«!tcn. 

Des von Hatzfeld's Commismon gehet vornehmlich dahin, zu 
Beben, ob beide Theil sich ohne WeiHünfigkeit forderlich wUrden verglei- 
thea oder nicht, und solches anhero zu berichten, auch entzwiscUen 
w vernehmen, wohin Cbur Mainz, Cölu, Münster, Osnabrück, Pader- 
^ni und Anderer Gedanken in diesen Sachen gehen, damit auf allen 
Fall das Feuer bald gedärapfet werden möchte. 

Blnoienthal rätli, ein Handschreibon aa den Kaiser za richten, worin 
asflieritUch fiervorgeUuben wird, wie der Ku^für^t sich dem Befehl des Kai- 
**w aläb&ld gefügt nud eine persönliche Conferenz veranttaUet habe; die 
^riedbjUsigkeit des Pfalzgrafen aber habe sich durch dessen Benehmen da- 

Ich vernehme, dass denselben Tag, als die Post von Cleve ab- 
JS^h^n sollen 7 die Stände ihrer Abfertigung seind vertröstet worden. 
Wie onn solche lautet, kann ich nicht wissen, aus der Anzeig aber, 
welche der Graf Kurtz mir gestern Namens L Kais, Maj, that, kann 
icJi anders nicht schliessen, als dass sie einen Übeln Bericht müssen 
;etban haben. Die Andeutung war diese: E. Ch, D. wollten 
Eais. Maj. zum Respect erst alle weitere Thätlichkeiten ein- 
^Ben, die Waffen deponiren und die Stände so hart nicht tractiren; 
denü wenn dieselbe ihrer Bedräuung nach sich unter andere Protection 

^ Diüses Sehreiben ist bei den Acten uicht mehr vorbanden« 

6* 



g4 ^* ^^^ Krieg mit Pfals-Neubarg. 

geben sollten, so wflrde alle Schuld desselben auf künftigem Reicbstag 
£. Cb. D. zugeschrieben und deshalb Satisfaction von Ihr begehret 
werden; dann die Stände meineten, dass durch diesen Handel und 
so lange der wfthrcte, sie ihrer Dependenz vermöge der Reversalien 
ganz frei und los wUrcn. 

Ich antwortete auf das erste, dass man ja nunmehr klar genug 
E. Ch. L). Willfährigkeit, indem Sie selber den Schluss hätten machen 
wollen, abnehmen künnto, und dem Pfalzgrafen, als welcher den Ver- 
gleich recusirct, die Schuld geben müsstc; man wollte doch suvor 
die Lothringer avociron; dann so lange die alda wären, sähe ich nicht, 
wie es E. Ch. 1). zuzumuthen wäre. 

Darauf fiel er mir in die Rede und sagte in Vertrauen , man 
würde deswegen dem Pfalzgrafen zuschreiben, wenn man nnr zuvor 
wüsste, dass I. Ch. D. alsdann dergleichen thun wollten. 

Die Stände betreffend, da wäre ich gewiss, dass £. Ch. D. denen- 
selben zu solcher Resolution keine Ursach würden geben, und daas 
I. Kais. Maj. sie auch davon abzumahnen hätten; I. Exe. wollten doch 
bedenken, wie schimpfliche Edicta sie haben anschlagen lassen*). 

Als ich dieses sagte ^ so merkte ich so viel wol, dass ihnen hier 
bei Hofe solche gar nicht gefallen, sondern dass sie meinen, sie wären 
darinnen viel zu weit gegangen'). 

Dios soll lUuincnthars letzte Relation aus Wien sein. Wiederholte 
Ritte, sobald wie möglich einen Vergleich mit dem Pfalzgrafeo herbeizo- 
führen, um schlimmeres zu verhüten. 

Wie E. Ch. I). dero Statum hinfüro mit mehrcr Sicherheit su for- 
miren, dass Sic bei Feind und Freund, bei Ihrem höchsten Haupt 
und lindern Ihren Mitständen im Reich Reputation, Liebe, Furcht und 
Rcspcct haben und behalten mögen, darüber werden deroselben dero 
geheime RUthe ihrer Pflicht und Schuldigkeit nach die Nothdurft wol 
unterth. an die Hand geben, und ich werde bei meiner Ankunft in 
Clevc . . . unterth. gerne concurriren und deroselben verhofTentlich so 
viel vorstellen, dass dieser heilsame Zweck besser und sicherer durch 
andere Mittel als durch Krieg möchte können erhalten und assequiret 
werden. 



*) Das sogenannte Contradictionspatent vom 14. Juli 1651. S. Urk. n. 
A ctonat. V. p. fiOO. 

*) Dagegen war schun 8. d. 24. Juli von Seiten dos Kaisers ein den Wfln- 
sclien der ötändo ganz cntaprecbcndes Inhibitorialmandat erlassen worden; t. 
ebendas. p. 534. 



Blomentbal in Wien. Sendung Walde ck's nach Düsseldort 



85 



In einem betliegeudeo Briefe ohne Adresse (wahrseheiultch an Schwerin) 
id. dat. fügt Blumentha], um xnra Frieden zn erniaboeti, noch hinzu: 
^denn der Herzog \ron Lothringen will eine faule Trütenbioü (welches 
ich in meiner Rehuron zn setzen vergessen habe) auf die Grafschaft Mark, 
so er von dem Grafen von der Mark za erkaufen gedenket, durch diese 
OecasioD durchtreiben. In fenrnma, Krieg ist durchaus nicht das 
3CitteIy uDsern Statum und \in& in Consideration za bringen'^. 



Graf Georg Friedrich vod Wakleck an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 16. Aug. 1651 (m. pr. *). 

fla Ddsfieldorf angekommen; Verhinderang des Pfabgrafen. Schon befohlener 
AngriiT der pfalzgrafticheo Truppen surückgenomtnea. Gute Wätiaohe.j 

Gestert ist mein Convoy so spät kommeo, dass erst diesen Mor- 16. Aag7 
^n alhier angelangt^ und weil eben ein Procession und darzu des 
Herzog» böser Tag*), bab ich L D, noch uieht gesprochen*, in einer 
[Stund aber werd ich hören, wie alles stehet, und so es mir immer 
möglich, will ich diesen Abend noch Überkommen, wenn E. D. ge- 
lieble befehlen zu lassen an der Wacht, wenn ein Schiff in der Nacht 
da ankäme und die Wacht anrief, kein Allarm zu machen und mich 
ankommen zu lassen. — 

Sonsten hat man bei meiner Ankunft alhier gesagt, däss die Ar- 
m6e schon in der ^Marsche in das Land von E, D. zu gehen gewesen, 
aber auf Ankunft des Trompels wieder zurückgerufen worden, und 
«ollen in ihren alten Quartieren liegen. 

Ich hoff, wills Gott, mit guter Verrichtung wieder zurückzukom- 
men. Gott geh ferner Genad, das» alles zu Gottes Ehre, E. D. Lob 
«nd Nutzen, Beruhigung dieser bedräugten Landen, Vorkommung des 
olinausbleiblichen Verderbens des ganzen Rom. Reichs und Freud 
E.CL D. aufrichtigen treuen Diener ausschlagen möge, und dass ich 
iü dieser and mehrdcren Sachen ins künftig niuge ein klein Zeuguiss 
g^ben der ohnaussprechlichcn Begierd, mich würdig zu machen des 
neas, so ich will führen bis in nicin Grab von E. Ch. D. unter- 
ntgstem, treustem, gehoisamsten Diener G. Fritz Graf zu 
WaldccL 



') VgL ober den am diese Zeit erfolgten Eintritt Waldeck'a in die Dienste 
^** Korfüralen Rauchbar Leben und Thaten des Fürsten Georg Friedrich von 
Wildeck» ed. Cartze p. IT ff. Krdin annsdörffer a. u, 0. p.31ff.; and über 
^0 Zojammeoh&tig dieser Sendung nach Düsseldorf die unten im Anbang fol- 
fKA^e Aoixeicbüang Waldeck'a. 

*7 [te Dqc] «ajaut une roaladie, qu'on joar ü estoit qaa^^ le kodtmalQ 
jo7««i*, (Bbeadas.) 



gg I. Der Erleg mit Pfalz -Neabarg. 

16.Ang. Erklärung des Pfalzgrafen Wolf gang Wilhelm. Dat Düssel- 
dorf 16. Ang. 1651. (Mit eigenhändiger Unterschrift nnd kleinem Hand- 
siegel.) 

Der Pfalzgraf erklärt sich bereit, auf die von dem Kurfürsten ge- 
wünschte persönliche Zusammenkunft einzugehen und stellt die Versiche- 
rung aus, dass dabei ^wider Sein des Herrn Churfürstcn Ld., auch derselben 
Käthe und Bedienten im geringsten nichts gefährliches gesucht, noch Tor- 
genommen werden solle". 



Resolution des Pfalzgrafen an Graf Waldeck, Dat. [Düssel- 
dorf] 16. Aug. 1651. 
(Mit eigenhändiger Unterschrift.) 

[BedinguDgen fär die persöDÜcbe Zusammeukauft der beiden Fürsten bei 

Angerort.] 

16. Aug. 1) Wird der Herr Graf von Waldeck diesen Versicherungsbriefi 

so ich auf heut gestellt, dem Herrn Churfürsten zustellen und bei 
Sr. Ld. ansuchen, dass Sie auf solche Weiss auch durch einen neuen 
Brief mich yersichern und solchen eilend mir zuschicken, damit ich 
solchen den Freitag, als den 18. Aug., haben könne. 

2) Gleichwie ich, geliebts Gott, morgen frühe dem Feldmarschal- 
ken Rauschenberg und dem Baron de Fauge zuschreiben will, 
dass alle Hostilitäteu zwischen den Ghurbrandenburgischen und meiner 
Soldatcsca auf nUchstkttnftigcn Samstag zwischen dem Rhein und der 
Oster-Ruhr beiderseits Kriegsofficirern und Soldaten ernstlich verboten, 
und solches fttrter so lang, bis ein jeder Theil Kriegscommandant 
andere Ordonanz von seinem Chur- oder Fürsten bekommen wird, 
continuiret werden möge; 

3) Und ist femer abgeredt, dass der Chur- oder Fürsten keiner 
eher als in 24 Stunden, nachdem die Handlung zerschlagen, so Gott 
gnädig verhüten wolle, die Arma zu rcassumiren befehlen solle: 

4) Also hat der Herr Graf von Waldeck mich versichert, dass, 
sobald er morgen bei dem Herrn Churfürstcn werde ankommen, S. Ld. 
ein gleiches Ihren Generalen zu verordnen befehlen werden, und dass 
solches tlirter bei<lerseits Kriegshäupter einander zu wissen tbun und 
sich zu Observanz dieser Verordnung erbieten sollen. 

f)) Die Anzahl der Personen an Cavallieri, Soldaten zu Ross und 
Fuss, auch Bedienten, so ein jeder Chur- und Fürst bei sich zu ha- 
ben, möchte auf hundert gestellt werden, weiln der Anzahl möglich 
einzuziehen. 



VerhandloDg WäUccVs in Düsseldorf. 



87 



6) ÜDgefthr etwa dreihundert Schritt oberhalb des Haus Angor- 
ordt mochte der Herr Churfürst dcro Zelt unfern von dem Rhein auf- 
richten lassen, und wollte I. f. D. achtzig Schritt noch höher herauf 
einen grossen und noch achtzig Schritt noch ein andern Zelt auf- 
richten lassen. 

7) Den Samstag, als den 19* Augusti, ungefähr zwischen acht und 
neun ühr möchte man bei den Zelten zusammen kommen. 

^L^ Die ferlangte Sieh erb eitsgarantie von Seiten des Kurfürsten wird aus- 
^Hlitellt dat. Duisburg 17. Aug. 1»35L Ebenso die Antwort auf obige sieben 
l^'^olrte, welche gatjrehei.ssen werden; nur wird, auf Eriunern Waldeck*s, 
^«Haugl, diiss auch der junge Pfalxgraf Philipp Wilhelm für weine 
**^r«oo eine Assecuration ansstelleu solle; welches auch erfolgt 8. d. Herpedc 
'Ö. Aug, 1651; worauf dann wieder eine gleiche Assecuration für ihn von 
dem Kurfürsten erfolgt (dat. Duisburg 22. Aug, 1651)* Dass iuzwiüchen 
Wuldeek ?or der Zuj^ammenkunft noch ein zweites Mal nach Düssfldorf 
■^ele, ergibt e^ich aus sciDcr w. u, fulgeoden erzählenden Aufzeichnung; 
^gl. Rauchbar p,2*if. 



Graf Georg Friedrich von Waldeck, olinvorgreif liehe Gedan- 

fien über die Zusammenkunft I. Vlu D. und I. f* 1). des 

Herzogs von Neuburg, o* D< 

(Eigenhändig, Arols. Archiv.) 

1) Weil L Ch. D, Angermund zu [räumen]') sich geweigert, so 
^ de« Herzogs von Neoburg Land gelegen, wird mit Fug dem- 
[^Ihen] nicht zugemutLet werden können, so besagte I. D. einigen 
Ort vor der Zeit, da der Stillstand befohlen, im Land von der Mark 
W«etzt, selbigen zu räumen; denn was in diesem Fall L Ch. D. nicht 
^^ thun geroeinet^ kann vom Herzog nicht begehret werden, 

2) Sollte aber die Armee fortgegangen sein, urtheil ieh nach 
taeitier geringen Vernunft, dass aus Slaxiineu des Kriegs L Ch. D. 
^twedcr in das Land von dem Berg dicken oder den Feind (wenn 
Sie darsu in Postur stehen) aufs Leib gehen sollten; aber weil in 
"fieicr Sach Staatsursach bei L Ch. D., als deren Zweck dahin gehet, 



*) Ü19I6 SO wie diu nachfolgeodea punktirten Stelleu in der Händachrift 



gg I. Der Krieg mit Pfalz-Nenbarg. 

alles mit Frucht vorzunehmen und zu enden, vornehmlich and suent 
Platz greifen mttssen, so seind meine Gedanken vor ... • diese wie 
folgt: 

8) Es ist I. Ch. D. gnäd. bewusst, dass dieser Krieg allen Catho- 
lischen nicht wenig Gedanken verursacht und deswegen, so lang 
einiger Schein Rechtens gegen I. Ch. D. vorgebracht werden kann, 
nicht allein durch zulässige Rechtsmittel, sondern auch unter der Hand 
dem Herzogen alle Hülf und Assistenz von Volk, Geld und anderen 
Zufuhren darbieten werden. 

4) Deswegen I. Ch. D. Sache auf guten Fuss im Rechten nach 
meinem Urtheil zu setzen, ich die nach Kriegsmaximen ohngogrttndte 
stille ohn Trommon rllhronde Zurückziehung dero Armäe dahin ge- 
deutet, als seie solche, wie auch die Quittirung Rattingen (so an den 
anderen Orten gleichmässig hätte geschehen sollen, wann die Lothrin- 
gische als fremde Völker nicht fortgegangen und also zu des Reichs 
besten von selbigen die einhabende Ort besetzt hätten lassen mflssen) 
aus Parition der kaiserlichen Mandaten, Erinnerung vieler Stände des 
Reichs und Abmahnung der Herren Staaten geschehen. 

f)) Welches dann desto fester zu stellen meines Ermessens erfor- 
dert wird, dass obschon E. Ch. D. gewisse Nachricht erlangt, dass 
die Lotliringische im Land von der Mark stUndeu, dennoch hoehge- 
daclito 1. Ch. D., ehe und bevor Sie etwas gegen besagte Lothringi- 
sche oder des Herzogs Lande zu tentiren gedächten, der Antwort auf 
das in copia hier beigohonde Schreiben an I. D. den Herzog erwarten 
wollen. 

G) Darauf nach dero gnäd. Gutbefinden mit dero Staatsbedienten 
und nach Befindung der ration .... den Herzog aus vorbe- 
sagtem Fundament abmahneten, an L Kais. Maj., die sämmtliche be- 
nachbarte Chur- und FUrstou, wie auch an die Staaten schrieben, die 
Lothringischen und Neuburgischen Attentata gegen dero Landen zu 
verstehen geben, selbst die Lothringer einigen Ort attacquiren Hessen, 
demnächst aber die vorige Schreiben mit dieser ferneren Anzeig er- 
neuerten, dass Sie zu Dienst des Reichs und nicht aus particular In- 
teresse (welche Sie den mediatoribus unter Händen gelassen hätten) 
ihnen WidcTHtand zu thun genothigt wären. 

7) Alsdann auch aus einem guten Fundament und nach dero 
tapferem (icmUth dem Feind auf den Hals gingen und die Mediation 
zu mehrderem Ihrem Nutzen ausschlagen möchten, da dann die evan- 
gelische Fürsten, ersucht seiende, kein Difiicultät zur Assistenz machen 
werden, auch ein jedweder frei dienen können. 



VerhaodluDg WaJdeck'a in Dusseldorf. WaflTeoBtillsUQd. g9 

Jetzuud aber werden I. D» den Stillstand anzukündigen zn An- 
pennont und anderen Orten von der Mark, me auch solches durch 
einen Trompett den Neubur^ischen Generalen zu notificiren sich gnfi- 
di^t belieben lassen, damit diesseits nicht einige desordre vorgehe und 
andererseits Soup^on verursachet werden möge. — 



Otto Christoph V. Sparr an den Feldrnarschall Freilierrn 
V. Eatischenberg, Dat. Feldlager vor Dui^^burg 18. Aug. 1651. 

[NotificalioD dts VVaflrt?i]8tillätaudes.] 
Mein insonders hochgeehrter Herr Generalfeldmarschalk. Nach- 18. Aug. 
dem an die Ch, D, zu Brandenburg, meinen gu, Herrn, des Herrn 
Pfalzgrafen und Herzogen zu Neuburg f, D. durch den Herrn Grafen 
T. Waldeck gebührend bringen lassen, welchergcstalt S* f* D. bei 
dero unter meinem hochgeehrten Herrn Generalfekl marschallen ste- 
henden Völkern einen Stillstand der WaflFen dergestalt anbefehlen 
lassen, dass von morgen frühe an zu rechnen alle Hostiütflten an 
Ihrer Seiten cessiren und so laog innen gehalten werden sollten, dass 
andere Ordre von den Principalen erfolgen würde, und höchstbes. S. 
Ch. D. an Ihrer Seiten Ihro ein solches gleichmässig gefiillcn lassen, 
auch mir diesfalls gn. Ordre ertheilt haben: so habe meinem hoch- 
geehrten Herrn Generalfeklmarschalk ich es hierdurch dienstfreuudlich 
notificiren wollen etc. — 

(Mit Anlkündigungsfrlst von 24 Standen,) 



ßlumentha] an den Kurfürsten. Dat. Wien 9/19. Aug 1651.. 

[Guk Wirkung des kurfürstlicheD Handfichrelbens ati dfn Katsor. Bli^menthal 
h Misscredit; Hofklatech aber ihn und über den Kurfürsteu. VV^an:tiiig iu Be- 
treff dur Qiedi^rlandi sehen Mediation.] 

Keine Sache in der Welt hatte jetzo zu Stillung des dieses Orts 19. Aug. 
wider £• Ch, D. Vorhaben führenden Urtheils . . . mehr und besser 
Ä propos kommen köonen, als von E* Ch* D. an L Kais. Maj. abge- 
liaaenes Handschreiben^). Dann ob ich wol zweimal Namens der- 
selben solche Versicherung auch schriftlich unter meiner Hand memo- 
rialsweise gethan und angezeigt habe, dass die Intention neue Unruhe 
im Reich zu stiften bei E. Ch. D. ganz nicht, sondern dieses nur ein 
particular Streit wäre, so seind doch böse Leut gewesen, die mich in 



') Das oben p. 79 mit^etheUte vom 5. Aug. 



90 L ^^^ Krieg mit Pfalz-Neuborg. 

dieser Sache ausser allen Credit bei I. Kais. Maj. zu setsen sich 
äusserst bemUheten und darzu allerhand LUgen von meiner Person 
erdacht haben, davon ich bei meiner persönlich unterih. Aufwartung 
weitläufigen Bericht thun werde. 

Damit aber PI Gh. D. in etwas davon den Vorschmack haben 
mögen, so berichte ich dieses gehorsamst, dass Lieute sich gefunden 
haben, die theils geheimen Käthen diesen Bericht gethan, dass man 
sieh äusserst vor mir vorzusehen und mir nicht zu trauen hätte. Denn 
erstlich, so wäre es nur ein blind und mit Fleiss erdachtes Werk ge- 
wesen, dass E. Ch. D. mich vor 10 Jahren Ihres Dienstes erlassen 
haben; ich wäre alstets darin geblieben und hätte allein mich dieses 
Hofes Zustand und eigentliche Beschaffenheit, auch desselben Inclina- 
tion gegen ein oder andern und dessen Stärke und Schwäche zu 
E. Ch. D. alleinigem Besten erkundigen wollen. Nun wären E. Gh. D. 
von Landen und Leuten der grosseste und considerabelste Herr nach 
dem Kaiser im Rom. Reich, hätten eine überaus grosse Ambition, sich 
noch weit grösser zu machen, und würden dazu von allerhand Astro- 
legis gestärket, deren einer in Preussen, als Lindemann genannt, 
derselben ein Prognosticon gestellet hätte, dass Sie noch Rom. Kaiser 
werden sollten '). Deshalb fingen Sie itzo an, dort unten eine Armada 
zu werben, würden es mit andern Ständen wol einig sein oder leicht 
und bald einig werden; und ich nogirtc dahero solches so hoch und 
machte die Sache so gering . . ., damit nur die Werbung erst völlig 
verrichtet wäre, da ich doch das contrarium viel besser wttsste; man 
hätte mich in Westfalen disgustiret, und deshalb suchte ich mich zu 
rächen; redete viel von E. Ch. 1). Vermögen und dass Sie in wenig 
Jahren Geld genug haben würden, und was dergleichen ungereimte 
Dinge mehr seind. 

In wenigen Tagen hoffe er seine Abschiedsaudienz beim Kaiser zu ha- 
ben und gedenke dann abzureisen. 

Inmittels ist mir von guter Hand angezeigt worden, aufs fleissigste 
Acht zu geben, dass ja die Stände nicht Resolution fassen möchten, 
gegen beide Herren etwas gefährliches vorzunehmen, und sich vor 
den Mediatoribus wol vorzusehen, damit dieselbe das Negotium, anstatt 
es bald zum Ende zu befördern, zu sehr tardireten und die Stände zu 
solchem Widerwillen selbst anreizen möchten. 

*) Dieser Künigaberger Hofastrolog wird als solcher aach mehrfach in den 
Gedichten tou SimoaDach erwähnt. 



BlnmeoÜiAl in Wien. ConfereDZ zu Angerortc 



91 



Protokoll über die Verhandlungen zu Angerort mit dem 

Pfalzgrafen'). 

Actam 9/19, Aug. 165L Am Sononbendi war der 19. Aag, st n. 19. Aug. 

1651 y nach binc inde gegrebeoen schriftlichen Assecurationen ist 8- Ch. D. 

iser gu. Herr mit des Herrn Pfalzgriifen zu Neuburg D. zwischen dem 

Ibein nnd der Ruhr nnterm freien Himmel iu Person zosammeu kommen 

lund sich anfangs persönlich unterredet- Darauf sind uff Befehl beiderseits 

f RÄtbe zusammengetreten und Terschiedene Conferenzieo gehalten worden, 

^a sich dann alles ziemlich wol angelassen. 

Und weil S< Ch. D, dem Herrn Pfalzgrafen die Option gelassen, ob 
öaan einen pcrpetuellen oder provisionalen Yergleieh tnictiren wollte » Sr. 
^* D, aber sich in einen ewigen Vergleich &;onder Yorbewu&st und Conseus 
Ihrer Herren Gevettem, aach anderer Priitendenten einzulassen bedenklich 
^^fallen: so hat maus auch an ChurbrandenbnrgiFcher Seiten dabei bewen- 
"*^ts lassen nnd endlich einen Provi.sionalFertrag anderweit zu tractiren an- 
ß^fangen, auch von verschiedenen Punkten, insonderheit wegen der Religion 
^^ü derselben Exercitii, Unterredung gepflogen'). 

Nachdem man sich aber hiernuter Tn so enger Zeit allerdings uicht 
''^rgleicheo können, hat das Hauptwerk bis künftigen Montag, war der 
*Ä.. Ang. St. n., ausgestellet werden müssen. 

Inmittel>t i^t ein universale armistitiura abgeredet, dergestalt, daäs 
S. Ch- D. ans dem Fürstenthum Berge Ihre Soldatesca gänzlich abführen, 
*Uch Angermund, so Sie noch besetzt halten, evacuiren sollten; gestalt 
•^Äon S. Ch. D. schon vorhifi Ihre Völker ingesammt {dein knij>erl. Dehor- 
^tions^cbreiben zufolge) gänzlich abgefCihret, Rattin gen und Ang er ort 
•jQittiret, auch das Haus Angermund gleichfalls zu evacuiren sieh er- 
boten. 

Dagegen der Herr Pfalzgraf die lothringische Völker, so fn der Graf* 
^cbaft Mark eingefallen und mit Rauben, Plündern, Brennen und Morden 
grosse Insolenz verübet, gleichergestalt innerhalb 3 Tagen sonder der ün- 
^tthanen Beschwer wieder zurückzufordern sieh erbötig mnehte. 

Als dieses also abgehandelt, kam Zeitung aus der Grafschaft Mark, 
*i»S5 die Lothringer daselbst übel hauseten, das Haus Hlankenstein ein- 
genommen, des von der Witten Haus eingeäschert und sonsten grossen 



*) üeber diese pcrfiönliche ZusammenkuDfl zu Angerort vgl. auch v. Morner 
P- 186 t 315 ff. Baochbar p. 23 f. Wicquefort hist des Prov, ün. 11. 97. 
^iUema III. 677; und die unten folgende Aufzeichutiug Wal deck* f. 

*) Bctliegeud die hierauf bezüglichen Erklärungen des Pfalzgriifen: alle Kir- 
I ete. nebst dazu geharigeo Eioiialimen etc. sollen dem Theil reslituirt wer- 
•, ,ir«*Icher dieselbe lu A. 1609 zu Zeit der aargerichteteu Reveräalen zuge- 
Adeo and gehabt habe''. Katbolisehe Präbeudeii oad Beueficien« die au den 
^gshurg. Confessionsverwandten zufaliendeu Kircheu haften, fioUeu auch den 
^iÜiohken gelassen werden. Für das exercitium religlonis extra ec- 
tl*8iis wird 1612 als Normaljahr angenommeo. Die beiden Confessio* 
Mö loUen sich gegenseitig nicht irremachen und angreifen etc. 



92 



L Der Krieg mit Pfalz-Npuburg; 



MuthwUl Terübten. Darfiber S. Cb. D. sich beftig alterirteo; es liess gicb 
nucb ansehen y als ob daf; ganze Werk gänzltcb zerschlagen wurden wurde 
aber durch den Herrn Grafen von Wal deck und endlich durch die 
Herren Staatisclieii Deputirteit {^o i^ich auch daselbst proprio motu ein ge- 
stellet) dennoch d?ibin vermittelt, da^s es bei Foriger Abrede und gewillig- 
tem armiijtitio ?erbliebe. 



f 

sicri 



.Aug. Am 21. Augu?tij war der Montag, hora antemerid, 8 stelleteo sicE 

S. Ch. D. mit Ihrem Comitat an obbeuainitera Ort wieder ein, warteteo 
anch dapelbst bis am 4 Uhr nach Mittage. Aber der Herr Pfakgraf blieb, 
[gegen] seine an S. Ch. D. und die Staatischen Herren Deputirteti vermit- 
telst HandFchlngs gpp:ebene fürstliclie Parole ohne einijre Notification gar 
ans und zurück; welches S. Ch. D. bilHs; hoch empfanden und für eine ße- 
j^cliimpfung ausdeuteten. Sobald auch der Staatische Depctirte, Herr 
von Geoth, von Düsfeldorf bei Sr. Ch. D, anlangete und von des Herrn 
Pfftlzprrafen Ausbleiben Gewip?hcit einbrachte, bcjjabcn sich S. Ch. D, mit 
den Ihrigen sofort wieder n^ich Düsseldorf [leg. Dnislnrgl 

Etzlicbe wollen dies Ausbleiben durch des Herrn Pfahgrafen ünpäsF- 
lichkeit, so ihm unverhofft ztigestossen sein soll, entschuldigen, gehen anch 
aus, dass der Herr Pfalzgraf Gesandte schicken und durch dieselbe sein 
Au;^bleibeu excu^iren lassen würde. Andere haltens für eine fürsetzlrcbe 
Auf/.ögeruiig der Tractaten, damit inmittcist seine Völker in der Grafschaft 
Mark unverhindert fortgehen, das Land verderben und ausplündern oder 
auch einen festen Fuss darin setzen möchten. Man will auch sagen, der 
Junge Herr Pfalzgraf und die IJt>thringi^cllen waren mit dem alten Herrn 
Pfalzgrafen wegen gemachten armistitii male content; vermeinten, es wäre 
itzo, da die Neuburgischc solche Avantage hätten, gar nicht Zelt einen 
Stillstand der Wijffea zu macheu. 



Am 2L Aug. st. n. gegen Abend kamen des Herrn Pfalzgrafens Ge- 
sandte, der Kauzler Nesselrod und der von Hagenpott, zu Duisburg 
an, hatten am 22. ejusd. Audienz, entschuldigten des Herrn Pfalzgrafen 
vorgemeltes Ausbleiben mit desselbeu übeleui Zustand, so Sie desselben 
Tages gehabt; übergaben zugleich einen Assecuratiousschein von dem jun- 
gen Herru Pfakgrafen, erboten i?ieh zu Coutinuiruug des abgeredeten Stiü- 
stAudc'i, auch Coutinuiruug der Tractnteu. Und weil uufüglicli und beiden 
HH. rriuei[mlGU uubeqaeui, dieselbjge an vorigem Ort unterm blossen Him- 
mel zu coutiuuirca, schlugen sie pro loco tractatuum (da beiderseits Räthe 
zusammenkommen und dm Werk ausarbeiten und wol präpariren könnten) 
K a i s e r s w e r t b oder Ö r d i n g e n vor. S , C h. Ü . benau u ten d i e Stadt Essen, 
so auch die Abgesandte endlich beliebte u, wie auch der Herr Pfulzgraf. 



Die Cooferenss «u Aügrerort. 



Br Kurfiirst an Kaiser Ferdinand IIL Dat. Duisburg, 
21. Aug. 165L 

JTheilt dem Kaiser den Verlaor der pereöolichen ZnaammeDkunn mit dein 

Pfiilzgruren mit,] 

Er habe deu AnmahDuiigcn des Kaisers Folge gegeben, habe seine 2LAag. 
"uppen aus dem Herzogüjuoi zunickgeführt, Rattiugen nnd Aiigerort ge- 
rÄi^mt, dasselbe auch für Augeraiuud angeboten; eine persöoliche Zusam- 
'ckanft in der Nähe von Angerort mit dem Pfalzgrafen wurde verabredet 
Und wiewol flieh dieselbe anfänglich dergestalt wol angelasaen, 
dsi.£8 ich mich nicht wenig darflber zu erfreuen gehabt, indem auaser 
dreien Punkten (zu deren gewünschten Abthuung doch auch gute 
Hoffnung sich ereignet) alles richtig gemachet und abgehandelt wor- 
A^m: so mögen sich doch vermuthlieh einige friedhässige Leute her- 
tiachmals gefiiuden haben, die hochged, S. Ld, von der erst gefassten 
gutea Intention wieder abwendig gemachet und zu anderen . . * Ge- 
danken etwa angereizet. Denn ob zwar S. Ld. anfänglich bei der 
gehakeuen Conferenz beliebet, dass ein universal Armistitium aufge- 
gerichtet und kraft dessen sowol alle Hostilitfiten sofort eingestellet, 
^la auch beiderseits Kriegsvölker aus einen und des anderen Landeu, 
^^0 sie sich itzo befinden niöchten, abgefilhret, wie nicht weniger alle 
«iinLabende Platze hinc inde restituiret werden sollten . . , so haben 
(toth solches alles S. I^d. hernachmals, nicht weiss ich, wie gedacht, 
i^us wessen Antrieb, ganz unverhofft fast weit von sich geworfen, ohn- 
goachtet ich alle Platze hinwiederum deslogirt und von der deswegen 
Biir gonst wol gebührenden Satisfaction kern Wort gesprochen, son- 
deni vielmehr ofthochged, S. Ld, durch den Grafen von Wal deck, 
rtasa ich nicht einen F\iss breit von 8r. Ld. itzo*provisionaliter ein- 
habenden Landen ausser der rechtlichen Adjudication begehre, ver- 
sichern lassen. Allermaassen Sie dann deshalb allerhand Diftieultäten 
berfiirgesucbet und bald dieses, bald jenes, sonderlich aber (welches 
jedoch fast fremd zu vernehmen) eingewandt, dass Sie n^lmlicb die 
Ihrige Truppen in meinen Landen, obgleich ich die meinigen aus 
Ilireü Landen revociren thäte, dann och wegen Mangel der Fourage 
%en lassen mflssten; Uberdas Sie auch den Lothrin^chen Völkern 
iiicht« zu commandiren hätten; da mir doch gar wol wissend, dass 
solche« pur blosse Ausflüchte sein, weil Mr. de la Fange, unter 
deagen Conduicte die Lothringische stehen, eingelangte und hierbei 
in Abschrift befindliche Antwort das contrarium sattsam erhellet. Da- 
kero mir solches anders nicht dann ungleiche Suspicion und lliuter- 
deoken verursachen kann. 



94 I* I)er Krieg mit Pfalz-Neuburg. 

Zwar haben sich S. Ld. endlich selbigen Abend gar spftt beim 
Abzüge auf der Herrn Staaten Deputirten beschehene Vermittelang 
gleichfalls zu Abführung Ihrer Truppen und Evacuation der in meinen 
Landen occupirten Plätze, auch Continuirung der Tractaten yermittelst 
gegebenen Handschlags erkläret; ich mich auch heute frühe der be- 
schehenen Abrede gemäss an dem bestimmten Platz bei Angerort im 
Felde um 8 Uhr früh Morgens wieder eingefunden ... so seind Sie 
doch nicht allein ganz nicht erschienen, sondern haben mich auch 
ohne einzige Notification der Ursache Ihres Aussenbleibens bis nach 
2 Uhr nach Mittag schimpflich im Felde warten lassen. Welches mir 
dann nicht unbillig fast tief zu Gemüth gegangen, auch noch gehet 

Nachdem dann nun aus sothanem Sr. Ld. Comportement anders 
nicht zu spüren, als dass Sie mich nur je länger je mehr zu be- 
schimpfen, das Werk zu Ihrem Nutzen zu trainiren, mir aber einen 
Vorthcil nach dem andern abzujagen und dadurch die lothringisehe 
Völker (welche in meiner Grafschaft Mark mit Brennen, Morden und 
Plündern sehr übel hausen, des Hauses Blankenstein und anderer mit 
Gewalt sich bemächtigen, auch uff das Haus VIote im Ravensbergi- 
sehen einen Anschlag, so aber abgewendet, gehabt) aus seinem Lande 
zu halten suchen thut: so stelle ich zuvörderst E. Kais. M^j. nnd der 
ganzen unpassionirten Welt zu bedenken anheim, was vor schädliche 
und höchstgefährliche Inconvenientien . . . daraus erwachsen könnten. 
Diesem nach trage zu E. Kais. Maj. ich das beste unterth. Vertrauen, 
Sic werden, als ein gerechtester Kaiser, ofthochged. Herrn Pfalzgrafen 
Ld. solches keinesweg^s gutheissen, noch mich, dero und des Reichs 
getreuen Churfürsten, dergestalt beschimpfen lassen, sondern vielmehr 
solche ungebührende . . . Proceduren Sr. Ld. alles Ernstes verweisen, 
dieselbe auch nachdrücklich anweisen, dass Sic in sich gehen nnd 
zur Billigkeit anschicken mögen. — Dann ich sonst öffentlich zu pro- 
testiren genöthiget werde, dass ich au allem Unheil, so auf den wi- 
drigen unverhofften Fall nothdringlich erfolgen muss, vor Gott, E. 
Kais. Maj. etc. etc. entschuldiget sein will. Gestalt mir auch alsdann 
verhoffentlich mit Fug nicht wird verdacht werden köimen, da ich 
mich zu meiner l^ande abgcnöthigten und in allen Rechten zugelasse- 
nen Defension gleichfalls endlich um fremde Assistenz (dazu ich je- 
doch meines Theils sehr ungern komme) zu bewerben veranlasset 
werden sollte. 



Die CoDferenz zu Aogerort 



«5 



Kaiser Ferdinand IIL ao den K orfiirsten. Dat. Wien 
2- Sept. 1651. 

Den Ffalzgrafen plötzliches Aßbbleiben niid Znrücktrcten sei ihm ^un- 2. Sept 
"7'erbofri'' gekommen; der Kaiser vermisst die Aogube der 3 Punkte, wor- 
ib^r man noch nicht sich geeinigt, und hofft bestimmt, dass der PfaUgraf 
tier Tennittlung der abgeschickten kaiserl. und ReichRCommi^i^ion sich fUgen 
^Uti ebenso der Kuiiürst es au sieh niebt fehlen lassen wird. 



I>er Kurfürst an BlumenthaL Bat, Duisburg 12/22, Aug. 1651, 

I [MitthetlQDg an Blomenthal über die Ang«rorter ZaBammeokiiDft] 

Wir haben Euch heut M Tage in Guaden zuschreiben lassen, dass Wir 22. Aug, 
**iit des Herrn Ffalzgrafen zu Neuburg Ld. zusarnmenkomuien würden. 
^Un ist solches auch am verwichenen Sonnabend im Felde bei An- 
i&erort z\x Werke gerichtet worden, und haben sich die Sachen an- 
fänglich dergestalt angelassen, dass auf Unserer Seiten gute Uofinung 
^u bequemer Hinlegung unter Lins entstandener Üifferentien und einen 
liiUigen Vergleich gewesen. Nachdcni aber eben wie L Ld» bei Uns 
Tafel gehalten und dieselbige schier geendiget gewesen, der lothringi* 
«che Obrister Butzlar ankommen und derselben, nicht wissen Wir 
'Wm CS gewesen, beigebracht, so haben Sie sich sofort geändert und 
sind 80 unbeständig geworden, dass Sie bald et>va8 beliebt, bald sel- 
i*»gc« wieder übern Haufen geworfen* Gleichwol ist noch selbigen 
Abend der Abschied gewesen, dass Wir als gestern wieder an vorigen 
Orten zusammenkommen und sehen wollten, wie die Tractaten aufs 
baldmö^lichste geendiget werden möchten; indessen wollten Wir bei- 
derseits mit Zurückziehung Unserer Völker je einer des auderd Land 
quittircn und die innen habenden Platze evaeuiren. 

Als Wir nun gestriges Tages genommener Abrede nach Uns wie- 
der eingestellet und von frühem Morgen an bis Nachmittages 3 Uhr 
^erharret, so ist doch weder der Herr Pfalzgraf selbst, noch irgend 
Jemand von den Seinigeu, ja nicht einmal einer von den geringsten 
Dieoeni kommen, der seines Ausbleibens Entschuldigung gebracht 

teile* 

Wann Wir aber solches nicht anders als ftlr eine sonderbare 
Affront aufzunehmen und zu halten haben, so haben Wir des Inhalts, 
^k die Beilage ausweiset, an L Kais. Maj. schreiben lassen; und 
eiltet Ihr noch in Wien sein, so wollet L Kais. Maj. Ihr solches alles 
fppwentiren; und nachdem Wir einig aus Reflexion auf Ihren Befehl 
üüi zur Pariliou so viel williger erkläret, selbige numehro so viel 
fldir auf Unsere Seite zu gewinnen suchen« Wir Unscrs ürts incli- 



95 I. Der Krieg mit Pfals-Neuburg. 

niren sonst nochmals zum Vergleich, soweit derselbe ohne Verletsung 
Unserer Reputation geschehen kann. 



Hlumenthal erhält diesen Brief auf dem Rückwege in Frankfurt a. M. 
um 10. Sept., durch den Kchon von Wien zurückkehrenden Currier; er habe, 
schreibt er von dort, mit Schrecken vernommen, dass der Kurfürst schon 
vor dem völligen Abschluss mit dem Pfulzgrafen die besetzten Plätze ge- 
räumt habe, das sei höchst gotährlich: ,,wunn man schon im Krieg ist, iät 
media via ulsu^td mehr schädlich als nützlich, und muss man daher mehr 
diffidiren als zu viel trauen*^; nun werde der Pfalzgraf um so Hchwieriger 
werden; derselbe soll auch eine sehr ehrcurührige Druckschrift wider Blu- 
me nthal haben ausgehen lassen. 

Bluinenthal an den Kurfiirsten. Dat. Wien 13/23. Aug. 1661. 

[Diu Rundung vou Ilatzfulü und Auethanus; wiu denselbon zu begegnen. Be- 
,8chwerde bvi dum spuuidchou (iesandton wogen der Begünstigung des Lothrin- 
gers von Seiten der Spanier. Bufürchtung in Betreff des Lothringers.] 

23. Aug. Die Abschiedsaudienzen sind vorüber; heut<; soll er seine Endresoln- 

tion erhalten und will dann noch denselben Tag abreisen. 

Sonnten sorgo ich Kchr, der Herr Pfalzgraf werde alle Tractaten 
Buchen in die lange Hank zu bringen bis |:der Graf vou Hatzfeld 
und der Dr. Anethanus allda ankommen werden. Ich habe dessel- 
ben ConiniisHion, wicwol sie doch nur auf seinen weiteren Bericht 
und Relation bcbtehet, darum nicht hindern können, weil, wie ich 
verniuthe, sie denselben lieber von hinnen als bei Hofe gegenwärtig 
wissen mögen. Meine unmaassgebliche Meinung ist, E. Gh. D. hätten 
ihm nur die besten Wort zu geben und sich, gleichwie hier gegen 
L Kais. Maj. geschehen, zu erklären, dass Sie an Ihrer Seiten zum 
Vergleich nicht ungeneigt wUren, wann der Pfalzgraf sich zur Billig- 
keit anschicken wollte, und dass derselbe E. Ch. D. erst versichern 
niUsste, dass, wann dieselbe zu Aufhebung aller Hostilitüten I. Kais. 
Maj. zu Uespcct sich erkhlreu würden, der Herzog von Lothringen erst 
wieder über den Kbein gehen würde :|. — 

Ich habe dem spanischen Gesandten hier vor drei Tagen ziemlich 
hart zugeredet, dass E. Ch. I). um seinen König nicht verdient hätten, 
dass sie drei spanische Uegiuionter mit den Lothringern. gehen lassen. 
Welches er zwar hoch negirte, aber doch dabei sugete, dass, wenn 
es laug währen solltC; sie den Herzog, als welchen sie vermöge Trac- 
tats protcgircn niUssten, nicht lassen könnten. — 

Wenn der Lothringer, welches, wanu er insonderheit mit Neuburg 
einig bleibt, ihm niemand wehren kann, noch 1500 Reiter schickti ao 



Die kaiserliche Commisaion. Üeberfall vou Bockunt 97 

können dieselben, weil sie £. Ch. D. auf solchen Fall an Reiterei 
überlegen sein, bis an die Weser gehen, alsdann noth wendig andere 
Stände wider ihren Willen sich des Kriegs halber in Postur setzen 
mttssten und £. Ch. D. die Schuld aller ihrer Spesen und Unkosten 
aufbürden und hier deshalb viel Elagens fbhren werden. 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. 

Dat. Düsseldorf 24. Aug. 1651. 

Trots der yerabredeten Einstellang der Feindseligkeiten läuft yom 24. Aag. 
Feldmarschall von Rauschenberg Bericht ein, ^dass dannoch dessen 
ungeachtet durch E. Ld. Völker am 22. dieses die vou denen Uns über- 
lassenen lothringischen Truppen in Bochum auf Salvagnardie und zu der 
Unterthanen daselbsten Yersicberung . . . gelegene Völker feindlich ange- 
fallen, theils niedergeschossen, theils gefänglich mit hinweggeführt; zudem 
auch noch neun Unser Soldaten auf einer Mühlen, alwo sie zu ihrem blossen 
Unterhalt mahlen lassen, angegriffen und niedergemacht worden seien^. 
Der Pfalzgraf verlangt Satisfaction und exemplarische Bestrafung der 
Thäter. 

Die Acten über diesen ganzen militärischen Zwischenfall und die daran 
sich knüpfenden Verhandlungen sind in ausreichender Weise zusammenge- 
stellt bei y. Mörner p. 31d ff. 



Joh. V. Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 
26. Aug. 1651*). 

[VeniDglimpfangen von Neaburgischer Seite. Wühlereien gegen den Kurfürsten. 

Grotkowski.] 

Wann ich nicht Copeien der ttbergebenen Schriften zur Hand be- 26. Aag. 
kommen, hätt ich nimmer glauben können, dass von wegen eines 
Fürsten deutscher Nation zu E. Ch. D. Verunglimpfung solche schand- 
bare und ungereimte Ding wären vorgebracht worden, als die sein, 
welche die Neuburgische Bediente an diesem und Zweifels ohn auch 
an dem kaiserl. Hof eingereichet — 

Indessen aber haben sie dannoch so viel erhalten, dass der Rom. 
Kaiser ein sehr scharf und nachdenkliches Schreiben (davon durch 
|: ?:| ich die Abschrift zu erlangen hoffe) an den König ab- 
gehen lassen, und des Erzherzogen Leopoldi f.D. die hiesige Stände 
wider E. Ch. D. aufzuwiegeln dem spanischen Abgesandten Dom Juan 



■) Hoverbeck, der bekumto brandenborgische Gesandte am poluitchen 
Bofe; vgl. Urk. o. Actenit L p.6t 

MaMT. lur G«»cli. d. Gr. EurnntM. VL 7 



gg I. Der Krieg mit Pfali-Neoburg. 

d'Arragon Borgia, Gubernatorn von Antwerpen, wie ich lolehea 
aus gewissen Umständen abzunehmen hab, mit eingebunden. 

Indoss ist mao hier doch zu weit anderwärts verwickelt, als dais nuui 
sich tiefer darauf eiolassen könnte. 

Hoff auch, dass, zumal nach des spanischen Abgesandten Abrei- 
seu . . . alles zu E. Ch. D. Ehren und Vergnügung gerichtet werden 
soll. Maasscn dann auch der königl. Abgeordnete Herr Orotkowski, 
ein zwar in etwas hitziger, aber dabei dannoch capabeler und discreter 
Cavallier, durch E. Ch. D. Affectionirte sich so weit bedeuten lassen, 
dass er ohne meine Information sich von hinnen nicht erheben will '). 



lloverbeck an den Kurfürsten. Dat. Hohenstein 12. Sept. 1G51. 

[Am Hofe in Warschau verbreitete Anklagen gegen den Kurfürsten; die angeb- 
liche fintlossuug der Brüder Burgsdorf. Verantwortung Hoverbeok't,] 

12. Sept. Audienz bei dem König. Lange Darlegung Hoverbeck's über das 
Vcrhältniss des Kurfürsten zn l'falz- Neuburg; er sucht eine Reihe Vor* 
würfe zu entkräften, die dabei dem Kurfürsten gemacht worden. IT. a.: 

E. Ch. I). hätteu alle dcro alte Kilthe und unter denen den Herrn 
Oberkammerherrn und dessen Herrn Bruder den Herrn Oberstallmei- 
ster*) abgeschafft und an dero Statt junge Leut, die sich durch neue 
hitzige Consilia bei Ihr angenehm zu machen suchen, angenommen. 

Uespoud. Ich wUsst vou keinem einigen Alten, den Sie abge- 
schafft; vielmehr hätten Sie den Herrn Thomas v. d. Knesebeek'), 
welcher bereits a. 1()34, da ich unwUrdig in den Rath erfordert wor- 
den, von denen ältesten geheimen Käthen einer gewesen, zur stetigen 
wirkliehen Aufwartung nach Hofe gcnonmien. Dass Sie die beide 
Herren Brüder die von Burgsdorfe mit Ungnaden sollten wegge- 
schafft haben, davon war mir auch nichts wissend. Vielmehr hätt 
ich Nachricht, dass Sie unlängst dem Herrn Oberkammerherrn die 
Donii)r()bstei zu Halberstadt, welches ein sehr vornehmes und nnti- 
bares Benefieium i»t, aus Gnaden zu Wege bracht und ihn zum Direo- 
torn der statthaltcuden Käthe in der Churmark Brandenburg machen 

*) Vgl. die weiter unten folgenden Acten der Gesandtschaft Grotkowakfa 
an dun Kurfürsten im Januar 1G52. 

'; Conrad und Georg Khrentreich v. Burgsdorf. Die Entlassung 
Cunrad's v. Burgsdorf aus den kurfürstlichen Diensten erfolgte erst im Ja- 
nuar 1652; sein Bruder Georg Ubrentreicli wurde von derselben nicht mit 
betroffen. 

') Cos mar und Klaproth der geh. Staatsrath p.S51, su dessen Erg&aiiuig 
diese Stelle dient. 



EinmiseliQng^ Foleos. Die VerhaDdluDgen iq Esäen. 



99 



-trollen. Diesem aber war mir gar wol wisseüd, dass der Herr Ober- 
"kammerherr bei der letzten Handlung sich nelfältig über des alten 
Eerzogen Unbeständigkeit nod widerwärtigen Humor im Tractiren be- 
schwert. Wann E. Ch. D. geheime Eätbe Parlatnentsräthe wäi-en, 
-Ä)hne welcher Consens dieselbe Krieg oder Frieden nicht schliessen 
könnte, so hätten Sie noch wol dahin xu trachten, wie Sie an der 
^derrathenden Stell andere nach dem Munde redeode setzen könn- 
ten; was thät Ihr aber das von Nuthen, da Sie ohne nnd wider Aller 
Kath, so nur pro informatione gegeben wird, den Schloss zu machen 
Hacht haben? Ja es sollte Ihr billig leid sein, wann sie alle zusam- 
neu aus einem Munde reden wollten; dann solchergestalt würde eine 
in Deliberation gezogene Sach nicht recht Überlegt, Sollte aber auch 
etwas vorgangen sein, so thäte der Herzog dem Herrn Oberkammer- 
berra gewiss kein Gefallen, dass er sich bei Sr. Maj. zu seinem Pa- 
tTono angegeben. 

Instruction für Graf Job. Moritx von Nassau und die geh. 

Käthe Erasnius Seidel, Joh. Portmanii und Adam Isiiick zu 

den Tractaten in Essen mit den Depotirten des Pfabgrafen. 

Dat. Duisburg 26. Aug. 1651*). 

Als Gegenstände der Verhandluag werden genanot zoerst der Reit- 26. Aag. 
(noo^puokt nud dauii der Ptuikt der Satisfaetton für die aufge wandten 

Zuuächst sollen sie die Farderang voUkomtnener Freiheit des evauge* 
ÜKbeD GottesdicD^tes in Jülich mid Berg erheben; den Katholischen in 
^ftve üod Mark soll dann das Gleiche gewährt werden. 

In zweiter Reihe sollen sie auf Herstellnug oder Erhaltnng dej?jemgen 
Ztutandes dringen, der in dem Duisburger Vergleich von 1(H8 von Brau- 
«Itnbarg gefordert worden i^t. 

In dritter Reihe soll der gegenwärtige kirchliche Besitzstand beihe- 
linilcn Werden; Ansprüche auf einzelne Kirchen herüber und hinüber sollen 
™ «itjer Präclusivfrist von 6—8 Wochen eingebracht werden. 

Für die ncrsteilong der katholischen Kirchen zu Rees und Emmerich 
*ill der Kurfürst bei den GeneruUtaateu sich verwenden. 

Die Emtholischeo in Cleve und Mark sollen an den Orten, wo sie kei- 
nen Anspruch auf öffentliche Religionsübuug besitzen, in der privaten Aus- 
übuDg geschützt und angestört sein; ßie sollen in aller Beziehung ^mifc 



•) Üeber die Verhandlungen in Essen s, Aitzema UL 681 ff. Urk. u. 
i^tt«OAt IXI. p. 75 ff. und die cingebeuden Actenauszii^e bei v. Morner 
f-^IT; über des Kuktzt ^enanotcn Rutbea Adam lainck gleichseitige Sen- 
^*if ^ die eUviscben ^tdcde 9. Urk» u. Acte na t V. {i, 5^ ff* 

1* 



100 ^ ^^^ Krieg mit Pfals-Neubarg. 

andern ihren Mitbürgern einerlei Recht, Schntz und Gleichheit geniessen*^; 
anch von Aemtern sollen 8ie (unter Vorbehalt der Oegensdtigkeit) nicb^ 
ausgeschlossen werden. 

Es soll so eingerichtet werden, dass die geistlichen Beneficien In dex^ 
beiderseitigen Landen von dem betr. Landesherrn ohne Confirmadon des 
audern ertheilt werden. 

In Betreff des Directoriums des westfälischen Kreises soll es (wofero. 
die Altcrnirung nicht durchzusetzen) bei dem Provisioualvergleich bleiben- 
jedoch mit eigener Vertretung des Kurfürsten für seine dem Kreis zöge — 
hörigen Lande *). 

Erstattung des während des Waffenstillstands angerichteten Schaden ^^ 
in der Grafschaft Mark. 

Freilassung der Gefangenen und Amnestie. Entlassung der Truppen^a. 

Zur Verhütung neuer Streitigkeiten über den Religionspunkt werde :^ 
die Generalstaaten als Garanten des zu ordnenden Verhältnisses vorg^^s- 
schlagen. 

Der Kurfürst an die Deputirten zu Essen. Dat. Duisburg 

29. Aug. 1651, 

(Citissime I) 

[Anfrage an die uiederländischcn Deputirten zu stellen wegen des eventa«»]] 
von ihnen zu gewährenden Rückhaltes gegen den Pfalzgrafen.] 

29. Aug. Sie sollen den niederläudischeu Deputirteu'), oder, wenn sie es für 

besser halten, dem Herrn von Gent allein, vorstellen : 

welchergestalt Wir in regard auf der Herren Staaten Genemi 
Mediation Uns aus Unserem Vortheil und merklieb gehabtem Adrao- 
tage begeben, in der Hoffnung, dass Wir vermittelst solcher Mediation 
gleichwol zu einem billigen und reputirlichen Vergleich, dessen sieb 
die Evangelischen zu erfreuen und dadurch sie in eine etwas festere 
Postur gesetzet werden möchten, gelangen wollten. 

Nachdem Uns aber anitzo die beständige und sichere Nachricht 
zukommen wäre, dass ungeachtet der vor die Hand genommenen Trac- 
taten, wie auch Unserer mit des Herrn Pfalzgrafen Ld. jUngsthin ge- 
haltenen Zusammenkunft er, der Herr Pfalzgraf, in Frankfurt, Main^ 
Strassburg und andern Orten unter der Hand stark werben und aucb 
die Rosen'schen Völker an sich ziehen thäte, und Wir dahero W'ol 



*) Vergl.'den Düsseldorfer Provisionalvergleich von 1647 bei v. MÖrn^^ 
Staatsverträge p. 138. 

*) Die Diederländiscben Deputirten in Essen waren Job. v. Gent, JacO^ 
Wassenaer von Opdam, Anton Karl Parmentier und Joh. van d«^ 
Beek. Eine kürzere Analyse obigen Schreibens Urk. o. Actenit. HL p. 7&* 



r^fhandlaDgeD in Essen. 




Ilbet dran, Bein würden, wann Wir Uns aus ünserra Vortliell begehen 
hätten und hingegen jener Partei einen nach dem anderen gestatteten 
(wie ^\Tr dann aus bisherigem des Pfalzgrafen Tergiversiren und Trai- 
niren selbst solches leicht urtheilen kdnnen, dass er nichts als Zeit 
und Vortheil zu gewinnen gesuchet): so wolltea Wir gleichwol wissen, 
Wir eudlieb vor Nacbdrnek und Effect von solcher Mediation , . , 
offen. Dann sollte der Herr Pfalzgraf durch Continuatiou seines 
Irmirens sich je mehr und mehr considerabel machen, W^ir aber, die 
K^ir auf Frieden gedächten, indessen still sitzen und nicht wissen, wie 
icher Wir mit den Staaten General auf einen oder andern Fall gehen 
ind wie weit Wir Uns auf sie zu verlassen haben möchten: so wtir- 
len Wir auch auf andere Guarautiers, im widrigen Fall, - ♦ . bedacht 
iein mttssea. — 



Die Deputiiteii zu Essen an den Kurfürsten. Dat. Essen 

30. Aug. 1651. 

(^BeeprcchnageD mit den niederläadischea Gesandteo. Die too den Gc&eral- 
fitaAteQ tu leistende Garatitie,] 

Am 28. August augekommt^n; die neubargfschen Depiitirte waren ooch 30. An?c, 
nicht eiiigetraffen. In Betreff des itjzwij^cheü iThalteucn kurfiir&tl. Ke- 
scripts vom 21>. Aag. setsseu sie sich sogleich mit den oiederläudiscben De- 
potiiten in Vcrbiudung. 

Sie haben es allerseits dafür gehalten, dass die angegebene starke 
Werbungen des Herrn Pfalzgrafen, im Fall die«elbige in facto ge- 
grUödet, in guter Zeit und noch vor dem getroffenen Arniistitio aogc- 
stellet sein mllssteu. 8o wären auch numehr die Pfalz-Neuburgischc 
Gesandte gestern alliier angelanget*), liessen sich anders nicht ver- 
ö«bmen, als dass ihrem gnäd. Herren die Reschlennigung der gütli- 
chen Vergleichung ein rechter Ernst, und hätte überdcm der Herr 
Walzgraf selbst den Puükt, wie und welchergesfalt Sie der geworbenen 
Völker bald los werden und xu deren Abdaukung förderlichst zu ge- 
lÄiigen, inter traetanda vornehmlich mit gcstellet. 

Die Frage voo der Garantie, die der Korfürst von dea Geocral Staaten 
**iöÄclie, sei nicht so rasch zu erledigen; dafür hätten sie keine Iii.*tructioü 
~^ sHüd miisÄten dergleichen Sachen, aiä welche ihren ganzen Staat cou- 



') FreUierr Heinrich v. Walpot za Köntj^feld, der BergiBche MarBcKall 
jihtir V, Weßchpfeonig, der Bergiöche Kaozler Joli. Heior. v. Winkel- 
Itian, der Vicekaozler Dietrich v. Allhoff^ die Licentiaten Dr Voet« 

^ä Dr. Heinrich Schnelle. Zugleich mit ihnen kam der Abbe v. ÖtMartiu 

iiiOe«uidt«r dea Herzogs von Lathriogeo. 



^ 



102 ^' ^^' Krieg mit Pfals-Neaburg. 

cerairte, ao die Generalität, ja alle Provinzen gebracht und also eine all- 
gemeine Resolution darüber gofasst werden;*^ und es sei doch sehr die 
Frage, ob die Generals taaten eine solche Garantie übernehmen würden. 

Das könnten sie aber £. Ch. D. wol vergewissern, daaSi gleich- 
wie die Herren Staaten General ob E. Ch. D. fttrgenomniener Armatur 
bald anfangs grosse Ombrage gehabt, sie also viel weniger gestatten 
und zugeben würden, dass der Pfalzgraf eine Advantage wider E. Ch. 
D. und dero Lande erlangen sollte. Ja wegen ihres eigenen Interesse 
und uff dem Lande habender Hypothek würden sie, dass einige fremde 
Völker ins Herzogthum Cleve kommen sollten, nimmer zuseheni noch 
gestatten. 

Die niederländischen Deputirten bitten um einen Auszug aus dem Re« 
Script des Kurfürsten, der ihnen gegeben wird. 

SO. Aag. Der Kurfürst an die Deputirten zu Essen. Dat Daisburg 

30. Aug. 1651. 

Der Feldzeugmeister v. Sparr kommt eben von Kaiserswerth zurück, 
wo er mit dem Neuburgischon Feldmarschall Rauschenberg eine Gonfe* 
renz gehalten; er bringt die Nachricht, dass der Pfalzgraf den WaffenstiO- 
stand nur auf G Tage halten will. Es ist also doch von Neuburgischer 
Seite auf einen neuen Bruch abgesehen. 

Der Kurfürst au Kaiser Ferdinand 111. Dat. Duisburg 
20/30. Aug. 1G51. 

[Anzeige von dür erfolgloBou Conferenz in Kuiscrswürth; Bitte um Begüoatigaiig 

von Seite des Kaisers.] 

30. Aug. E. Kais. Maj. muss ich hiemit uuterth. hiDterbringeQ, dass diesen 
Morgen mein Generalfeldzeugmcistcr der von Sparr von Kaiserswertb, 
all wo er mit dem Ncuburgiochcn Feldmarschall, dem Freiherm von 
Kauschenberg gestriges Tages, um das zwischen mir und dem 
Herrn Pfalzgraf beliebte Armistitium vollends in Kichtigkeit zu setien, 
sich besprochen, wieder zurückkommt und berichtet, dass besagter der 
von Rauschenberg sich veruehmen lassen, dass das Armistitium 
von ihrer Seiten lunger nicht als sechs Tage währen und alsdann wie- 
der cassiret und aufgehoben werden sollte. 

Wann dann E. Kais. Maj. nach dero hohem Verstände allergnäd. 
leicht dijudiciren können, dass auf solche Weise des Herrn Pfalzgra- 
fens l^d. es kein Ernst sein müsse, unsere Differentien zum Vergleich 
kommen zu lassen, sondern dass Sie nur Zeit und Vorthcil, sich je 
mehr und mehr in Postur zu setzen, zu gewinnen suchen; und ich 
aber, wie vorhin öfters angelUhret, nicht allein G. Kais. Miy. gnid. 



Coofereoz von Kaiserswerth, Der Lothrin^r. 

Befehl zu untertli. Ehren mich zu gütlicher Hinleguu^ besagter Difte- 
renzien offeriret, sondern auch noch darzu meine Völker aus Sr. Ld. 
Liod mit Quittir* und üintausetzung meines merklich gehabten Ad* 
vantage in mein eigenea gezogen: so habe zu E. Kais, Maj. ich die 
gehorsamste Zuversicht geschopfet, will Sie auch desfalls unterth* cr- 
iMicbet und gebeten haben, dass, im Fall ofterwähuten Herrn Pfalz- 
grafen Ld. alle gütliche und billige Hinlegung bei Seit stellen und 
nnd zur Continuation der Waffen handlang necessitiren würden, E. 
Eiis. Maj, mir alsdann alle kaiserh Assistenz, um des Herrn Pfalz- 
pafeu Ld. zur Raison und Billigkeit zu bringen, in Gnaden wider- 
fahren lassen wollen. 

Gegen dieselbe contestire ich unterth. nochmals, dass ich in mei- 
nen Torgenommenen Actionen niemaln etwas weitläufiges oder unbilli- 
ges gesuchet, auch mich deshalb alles fremden, theils mir angebotenen 
und präsentirten, Beistandes gäozlich geäussert habe, nur damit von 
E^Kais. Maj., als des h. Köm. Reichs höchstgerespectirtem Oberhaupte, 
i«h dessen auf einen oder andern Fall um so viel mehr möchte ge- 
sidierl sein. Erwarte dannenhero eine guäd. gewierige Resolution etc. 



Die Conferenz zu Essen währte vom L bis 15, September (v. Mör- 
tf p. S24 — 331) uud endigte uliiie jegliflietj Resultat; zwei Tage vor dem 
Seblusa der A'erbaudluug hatte der Plalzgriif ileu WaÖenstillstaml atifge- 
kündigt; vgl. auch das unten folgende Schreiben an den Kaiser dut. Cleve 
1;** 8opt. 

Der Kesiclent Stavereu an den Kurfiirsten. Dat. Brüssel 
4, Sept. 1651, 

[Dm Neuburger fordert weitere Hilf© von dem Lothringer; anaicliere Antwort, 
Die wakreu Absiebten des PfaUgrufen.] 

11 y a trois jours qull arriva icy le vicaire gcneral des trouppea 4. Scpl* 
äa Setgneur le Ducq de Lorraine, logex h present au Duche de Bergk, 
toniadant par commission secr^te du Seigneur le Ducq de Nieu- 
b<mrgh g^os et argent de son maistre, de peur quo le traicte moderne 
i Eflien 8 esyanouira sans aucuu fruict tout soudaincmcnt. Ce Ducq 
J<'y, fort offense de ce que le 8r de Nieubourgh a commence ledit 
liiict^ a son desceu, a respondu en tcrmes si ambigues, que ledit 
ifaire a eu peine k se resoudre, pour alter faire rapport h celuy qui 
% eo avait donue la commissiou, 

Je B^ay par une personne ecclesiaätique de grandissime rcputation 
att|»re9 ledit Seigneur Ducq de Lorraine ^ que le secr^t desseiug de 



104 ^' ^®^ Krieg mit Pfalz-Nenbnrg; 

Mona, de Nieaboargh est, qae lors qalcellny anrät faiet son aecord 
avecq V. Alt El. (etiam conditionibus quibuscanqne), qn'alore Mona, 
le Prinee de Nieubourgh le taschera k roinpre ä toute fafon. Ce que 
je apprebens tant plus, d'autant que je sgay de bonne part, qae le 
Seigneur Ducq de Nieubourg a aecordä desia le qaaitier d'hyver k 
toutes les trouppes Lorrainoises au pajs de Juliers pour Illyrer pro- 
ehaine. — 



Graf G. Fr. v. Waldeck an Graf Joh. Moritz v. Nassau. 
Dat. Duisburg 5. Sept. 1651. (m. pr.) 
5. Sept. Klage über die Winkelztige des Pfalzgrafen bei den Yerbandlnngen. 
Gott gebe, dass mit solchen wissentlichen Contradictionen das dem 
ganzen Rom. Reich so hoch importirende Friedenswerk nicht länger 
aufgehalten werde. — Täglich kommen Briefe, so wol Blasbälge ge- 
nannt werden können; aber I. Ch. D. bleiben also beständig zu Re- 
spect I. Kais. Maj. und Nutz des Rom. Reichs zu erwarten, dass man 
ein Streich gegen Sie thue; welches Gott verhüten wolle, dieweil als- 
dann ein solcher Gegenstreich von L Ch. D. geschehen wird (darzu 
Sie nunmehr solchen Anstalt gemacht, dass mich darüber verwundere), 
dass I. D. der Pfalzgraf sich gewiss erinnern werden, was deroselben 
gesagt. — 

Der Resident Staveren an den Kurfürsten. Dat. Brüssel 

11.' Sept. 1651. 

[Geheime Nachrichten aus der Correspoodenz St. Martin's, des lothringifchen 

Gesandten in Essen.] 

1. Sept. Sitost que Mons. de St. Martin, envoy6 du Sr le Ducq de Lor- 
raine, fut arrivö ä Essen, il a d^peschö tout incontinent ang exprez k 
son maistre, par lequel il a faict scavoir les particularitez suivantes: 
Premierement que ledit Sr de St. Martin a estä voir Mona, le 
comte de Nassau k Essen, et qu'il en a eu du contentement 

2) qu'il y a peu d*apparence pour une paix honorable k Mens, 
le Ducq de Nieubourgh. 

3) que cettuy-cy auroit faict faute d'avoir rappelig les trouppes 
Lorrainoises hors le pays de Marck, plustost quil en estoit asseurö 
des couditioDS meilleures. 

4) que le Sr de St. Martin a conseillö au Sr Ducq de Nieaboargh 
^ se tenir coustamment au traict^ de la paix generale. 



Der Herzog von Lothringen, 



105 



I 



5) quil plairoit au Sr Ducq de Lorraine d'envoyer uu nouvoau 
uirs dhommes et dargent, pour lequel preseuta le S^ Ducq de 

Kieubourgb en hypothecque quelques pierreries et la Seigoeiirie de 
Raveußteiu eu fond et dependaiices. 

6) que la paix ne pouvoit estre de durdc. 

7) que »i cautinueroit la guerre, quil n y avoit de» autres nioyeuB 
k lirer de» meilleiird conditions de S. Alt de Brandenbourg que de 
Imcommoder dans ses pays de Marck, de Clevcs par des trouppes 
Lonrainoised* 

8) qae le Sr Duc de Nieubourgh a faict venir en poste le Sr de 
St. Martin d'Esseu k ÜHsseldorp, se declarant a kiy en secretissime 
twafideuce, quil ne se fioit :i persoune de tous ses ministres et que 
lliainsi il vuuloit la paix ä tout prix. 

ßittt um tiefes GeheimDiss über seine Mittfaeilaagca. 



Der Kurfürst an Jen Residenten Staveren in Brüssel, 
Dat. Cleve 14. Sept. 165L 

[Vertucb den Herzog 7on Lothringen von der Gegeuparlei ubzuztuhen.) 

Wir lassen Eucb biemit wissen, das» Uns des Pfalzgrafeu von 14 Si'pt. 
Neuburg Ld. das Armistitium au%ektindiget^ und weil Wir g«»rne wia- 
m wollten, ob es noch dabin zu bringen^ das» des Herzogs von Lotb- 
ringfn Ld. von jener Seite abgezogen und in Unsere Alliance ge- 
bracht werden möcbte, so befehlen Wir Euch hiermit gnäd,, Ihr wollet 
aaf» eheste und behutsamste wie nur nitjglicb bei des Herzogen von 
Lothringen Ld. Euer Bestes thun, und im Fall Ihr einige Apparenz 
d«g Successes hierbei vernehmet, Uns solches auf^ schleunigste zu 
iMen niacheu. Wir sind geneigt, des Heniogs Ld. irH),(HiO Rth. t\x 
willigen, dafern Sie Ihre Völker von Pfalz Keuburg abziehen; und 
wenn Sie uns mit Ihrem Volk assi-stiren wollen, so soll derselben 
alle hillige Satisfaction geschehen; und könnet lljr unter der Hand 
?0f Euch sondiren, womit Wir bei derselben /.ureiclien könoten. 



Der Resiilent Staveren an den Kurfürsten, Dat. Brüssel 
14. Sept, 1651. 

{€^«rtii TOD Spiinünag xwi sehen dem PfalsEgraren «tid dem Humog von Loth- 



inatances. 



ringen.] 
grneur Ducq de Nieubourgh continue in- 14,: 
[^orraine, luv fönt eäbraaler dans sa 



tOfi 



I. Der Krieg mit Pfalz-Neuburg. 



premii^re resolution, laquelle a pris quelque changement depnis ma 
deroidre. Ledit Sr Ducq de Lorraine a comniandö k Mens. Fange 
en la forme suivante: Monsieur! Vous dire^ de ma pari ä Mans, le 
Ducq de Nieubourgh quif !fit/ piaira faire apprcster du pain ä IHunster- 
eyffet poitr mes trouppes (sans specitier combien) que fay faict dticen- 
dre de In Lorraine; sans luy asseurer de toutes ou d'uue partie d'icellea. 

Cet ordre, Monseig-neur, a este d<§spo8ch^ aujourd*huy par la main 
propre du Sr Ducq; dont j'ai eu Imspectioii oculaire par faveur de 
celuy qui est porte ä V. Alt EL trds - passioanenient; et si icellny 
(qui est Sr de Kousselot) peut obtenir la fonction moderne de Mona. 
de St Martin ä Essen (comme il csptire), joserois proraettre k 
V. Alt, Et Wen plus graude satisfaction de ladite Conference. 

P. S. Es ist durchgeseUt, dass die 3000 Mann z F., die der Pfalt* 
graf zu wiederholteu Maleu verlangt hat, ihm jetzt schliesslich abgeschlageu 
worden gind. 



Dat. 



[15. S 







Der Kurfürst an Ilerni v. Ribeaucoiirt/). 
1651], Coric, o. D, 

[Benacliriclittgt ihn von dem Scheitern der Friücieus versuche; hittet zu wirken, ' 
du8S der Pfalzgraf kt^intj spanische UuterstuUuug erhält, und verspricht 
ihm dankbar zu erweisen.] 

16. Sepr. D'autant que g^avez fort bjeo par les remonstrations qui VoiSl 

sont faites, lorMpie Vous estiez a Cleves pour parier d'uu aecommode- 
ment eutre moy et Mr. le Palatin de Neubuurg, iiion cousin, que mon 
but n'a jamais estö autre que d'establir »ur Tobservation ioTioIable 
de no8 traiüez nostre auiitie et In tranquillile de ces pays: je juge 
necessaire Vouö donncr advis, qu'en coutinuation de cette mienne ioi- 
tiative je nay seuleuieut quitt6 les armes^ que la pure necessite et kj 
juate ressentiment nie fit preiidre, k la preniiere reqmsltion de^ 

M*^ Imp , uiaid aussi ay eonsenti k uo traitt6 de paix avec 

teile |iromtityde de me portcr k tont ce cjue raisonnablement la 

roit nioyeuner, que je n'ay refua^ aucune condition, que les median, 

teure out advancez pour un subite acconimodement 

Mais oon obstant tont cela Mr. le Palatin de Neubourg, raon 
sin, a voulu preferer la reiteration de la guerre :i une paix hooestc 
et raisonnable^ coinme Voub voyez par la jointe copie, dana laquelle 
il allegue des raisons sans raison, comme lo tesmoignage des media- 
teurs mesmes luy oiit suject de reprocher. — 



! et kj 

pojP 
ediai. 



•) Vgl oben p. 36. 




VerhatidluDg mit Bibeaacourt. 



107 



De tout cecy j'ay fait part a Mr. TArchiduc > . . et Voua prie 
'emi)loyer Vostre credit pour enipescher, que Ics arm^es de S. Alt 
^oient point envoyez au secours de mon eousiii, mais plustast que 
l^uisae estre asseure de la contiDuatioti de la bonne amiti^, doot 
A.1L rArchiduc m'a tousjours fait Fhoüneur de iirasseurer, 
^ «Je oe seray point Ingrat cuvors Vous et demeureray etc. 



de iÜbeaucourt an den Knrfih'sten. Dat. Rurmonde 
16, SepL 1651. 

iBedavert da« Bcheitem der FriedeaBverhaDdlnDgen; verspriclit die NeuiraUtat 
SpanUaB aad seine eigene; AblehouDg der versprocheaea Erkeuntticlikeit des 

Kurförsteo] 

Tay receu celle que V. Alt, ra'at faict rhonneur de m'escrire le 15 lö- Sept. 
de ce moie avec les copies y joinctes et suis tres niairy de voir par 
iceUes, que la eessation darmes et les traiteg enconunenc^s ä Essea 
pw le» deput<^s de V. Alt et de l!>. Alt de Neubourg n out sorty ii 
line bonne fin de la g:uerre et k une bonne paix pour le bien com- 
Biun de »es rasdaux^ tranqnillit^ dWUemngiie et de la Chrestientö, 

J*as8€ure k V. Alt, que je le ressents graudement en mon ame, 
P«>ur l>8poir «lue j'avois conceu, que oes traittes ne öe fussent termi- 
D^ qua l enti(?re satisfaction des parties et nomraenient de V, Alt, k 
cause du bon commenceraent que j'avois oy que lesdita traitt^e 
a^oyent prins. 

Je m asseure que S. Alt rArchiducq le sentira ausBy gjandement, 
^ V.Alt peut bien sasseurer, que Sa ditte Alt ne panclierat k autre 
bftt, qa'ä procurcr la paix, et qu'il ne 8*entreniettrat aucunement k 
daimer du seeour» au Ducq de Neubourgj, pour le moins autant de 
tt^gBotäsance que j'en ay 4 present; joinct que les armes de Sa Mie 
nt maintenant assez d'exercice contre la France, qu'elles n'ont loisir 
de |)c»8er ji »e mesler d'autre guerre; outre que je s^ay la bonne in- 
cliaation, que Sa ditte Alt. TArchidueq at pour V. Alt 

De ma part je me doibs tenir entierement neutral entre les deux 
et V. Alt. cognoit mon inelination pour Son »ervice et se peut 

ifer, que je ne me njesleray en rien qui pourroit tendre au prÄ- 
jttdice dicelluy. — 

Je sotthaite k V. Alt de tont mon coeur tonte satisfaction et teile 
U* qu'EUe desire et que Ses subjeets ont de besoing. De nia part 
•erviray k W Alt* sans aucune mire dinierest et no pense avoir 
jtmaii» donne k V. AU. aucune marque d'icelluy en toutes les nego- 



\QQ I. Der Krieg mit Pfals-Neabarg. 

cintione que j'ay traittt avecq V. Alt, cncoresque que V. AU. par ce 
mot k la fin de Sa lettre — qu*EIle ne serat ingrato en mon 
endroit — in'en [add.: semble?] vouloir insinuer; dont serois tres- 
marry, que V. Alt. mauroit en teile estime, laqaelle je la sapplie 
tres-humblement de perdre, si Elle en at aueune; d*autant en ee qae 
je pourroig seryir k V. Alt. par inclination et affection, auenn interest 
du monde ne niy porteroit. — 

Der Kurfürst an Kaiser Ferdinand III. Dat. Oleve 
19. Sept. 1651. 

[Darstellung des Verlaufs der Essener Tractatcn und Bitte an den Kaiser, ihn 
gegen den Pfalzgrafcn in Schutz zu nehmen.] 

19. Sept. Der Kurfürst fährt fort, dem Kaiser yon dem Verlauf seiner Di fTercnxcn 
mit dem Pfalzgrafcn Nachricht zu geben. Er schildert den Verlauf de( 
Conferenz zu Essen, welche nach mehreren Weiterungen am I.September 
ihren wirklichen Anfang nahm. 

Bei solehen sohrift- und femer erfolgten mündlichen Conferentien 
haben die Pfalzneuburgische uff die Kegul und Observanz des Jahrs 
1624 gedrungen, gestalt darnach das Kirchen- und Religion weaen in 
den Oülich- und Clevischen Landen einzurichten, davon sie auch 
nicht abstehen wollen, ungeachtet dass zu Angerort bereit ein anders 
von des Herren Pfalzgrafen Ld. resolviret'), und solches den Pials- 
neuburgischen Käthen thcils wol bekannt gewesen, und sonst mit 
des Herren Pfalzgrafen eigener Hand sowol den Pfalzneuburgischen 
Rftthen, als den Herren Mediatoren renionstriret worden. 

Als nun einige Tage damit zugebracht, hat man auf Mittel ge- 
denken müssen y damit die Pfalzneuburgische zu näherer Resolution 
gebracht werden mochten, und ist in Vorschlag kommen, dass das 
Religion- und Kirchenwesen in dem Stande, wie es de praesenti ge- 
funden, verbleiben, und die Waffen beiderseits niedergelegt, und die 
Soldaten abgedankt und abgeführt werden sollten, und dass dem- 
niiclist beiderseits Räthe zusammentreten und sich des Kirchen- und 
Religionwesens halber in den Gülich- und Clevischen Landen verglei- 
chen sollten. Sollte aber dadurch der Zweck nicht erreicht werden 
können, so sollte alsdann eine fernere Zusammenkunft der RAthe ge- 
halten und Mediatores zu ebenmüssigem Intent gebraucht werden. . 

Diese Media sein anfangs von beidersciten beliebet, nur dass es 
sich daran gestossen, dass die Pfalzneuburgische, auf den Fall, wann 

>) Vgl. oben p. 91. n. 2. 



Bericht ao deo Kaiser ober die Coofereoz zu EaeeD. 



i09 



Ktgedachte beide Mitteln nicht zulang:co werden, alsdann die quae- 
aneu» — ob das Religionwesen in Gdlirb und Berg zu der Kcgul 
und Observanz des Jahre 1624 gehörig — zu der Commission oder 
axl Comitia Imperii biüi^^ewiesen haben wollen; oieinc lläthe aber 
»ustinirt, dass in dem provis^ional Vergleich vom Jahr 1G2Ü und 1G47 
das Mittel eines Compromissi bei vurtallenden Streitigkeiten beliebet, 
und auf den Fall die Arbitri sich nicht vereinigen könnten, dabei 
gleichfalls, wie C8 ratio iic sui>cnirbitrii zu halten, verabscheidet wor- 
den; darzu sich meine Käthe berufen und davor gehalten, dass der 
Herr Pfalzgraf von solchen Mitteln und Wegen, die von uns bei vori- 
gen Verträgen festge&tellet, nicht abtreten könute. 

IUnd ob gleich die Pfal/Jieulmrgische endlich das Arbitrium an- 
genommen, habeü sie doch wegen der Superarbitrorum, wie in dem 
vorigen enthalten, sich nicht rcsidvireu Wfillen. 
Meine liäthe haben darauf vorgeschlagen, dass der Superarbitri 
u k«Iber, dafern man sieh darüber nicht vergleichen kannte, die Sache 
ÄiiBgestellet werden könnte, bis man sehe, ob die Mittel der Zusam- 
iftenschicknng beiderseits lüithe, allein oder mit Adbibition der Me- 
diatoren, zulangen, oder doch die Arbitri sich vereinigen möchten; 
Wann aber solches allerseits entsf linde, dass man sich alsdann ferner 
pAeaiD statu vereinbaren könnte, auf w^as Weis und Weg die Einrich- 
Uing zu verfugen; nur dass de praesenti dahin gesehen würde, daas 
die Wehr und Waffen niedergelegt und alle Hostili täten aufgehoben 
Würden. 

Es ist auch desfalls von den Churcolnischen Eätheu ein Project 

gemacht, wie weit man hierunter einig; welches beiderseits Käthen 

communicirt, von meinen Kilthen angenommen und nur einige Erinne- 

Hang dabei getban wurden. Als aber an Seilen Ffalzneuburgs Ld. 

folgends wiederum von dem Arbitrio ein Abstand genommen, und nur 

Torige beide Mittel, die Zusanimenschickung der Käthe und Modia- 

tttren, beliebet, und dass alsdann der Commission, auf die Regul und 

Observanz des Jahrs 1024 gegründet, eingefulgt würde, und solches 

^aditia sine qua non sein sollte, wie dann auch foigends so viel in 

Krfabrung gebracht, dass der Herr Pfalzgraf zu Neuburg mit dem 

froject nicht einig gewesen: haben die Herren Mediatores coniuuctim 

«in ander Mittel vorgeschlageu, dass alles in den )Stand gebracht wer» 

ifefi solltet wie es ante armaturam gewesen, und dass darauf die 

Wehr nnd Waffen niedergelegt und die Soldaten abgedankt und ab- 

jeführt werden sollten. 

Diesen Vorschlag hab ich auch acceptirt; drei aber von den 



\\Q I. Der Krieg mit Pfals-Neaburg. 

Pfaltzneuburgischen sein mit dem von Fflrstenberg, Chnr-Gölni- 
sehen Gesandten, am 12. hnius naeh Düsseldorf verreiset; und anstatt 
dass darüber eine Erklärung eingebracht werden sollte, hat der Herr 
Pfalzgraf am folgenden Tag das Armistitium aufgekflndiget and seind 
Sr. Ld. Räthe nicht, sonder nur der Ghur-Cölnische am 14. erst 
wieder zurückkommen, do dann meine Räthe verstanden, dass der Herr 
Pfalzgraf auf keine Weis sich resolviret hätte. 

Wie nun darüber am 15. dieses eine Conferenz gehalten, haben 
die Pfalzneuburgische Räthe, so zu Essen verblieben, sehr darüber 
dolirt, dass sie keine Reden und Ursache, warum es also resolvirt 
seie, weder von ihren Herren, noch von ihren CoUegen vernommen, 
nur dass ihnen simpliciter solche Resolution überschicket seie, dabei 
sie gleichwol vorgeschlagen, dass man dannoch, durante hello et sab 
clypeo, mit den Friedenstractaten continuireu, und zwam an einen 
Ort, welcher dem Herren Pfalzgrafen etwas näher gelegen, als etwa 
za Kaiserswerth oder Neuss, damit sie Gelegenheit hätten, nach and 
nach ihrem Herren zuzusprechen: hab ich auch dies Mittel angenom- 
men, dabei aber durch meine Räthe, in Gegenwart der Herren Me- 
diatoren und Pfalzncuburgischcn Räthe, nochmalen öffentlich bezeuget, 
dass £. Kais. Maj. ausgelassenen mandatis avocatoriis ich nnterthä- 
nigst parirct und bei den Tractaten alle billige Wege und Mittel, 
so von den Herren Mediatoren vorgeschlagen, acceptirt, desfalls meine 
Räthe sich zur Wissenschaft derselben bezogen, auch uneraohtet der 
von Pfalzneuburgs Ld. Seiten beschehencn Aufkündigung des Armi- 
stitii, den Kais. Mandatis ferner parircn wollte, und meinem Generalen 
keine Hostilität wider die Pfalzneuburgische vorzunehmen, und bis 
daran der Herr Pfalzgraf etwas Feindliches attentiren würde, zu er- 
warten befohlen hätte; wann aber von des Herrn Pfalzgrafen Ld. 
Hostilität dagegen wiederum angefangen würde, wollte ich von allem 
Unheil, Schaden und Ungelegenheit, so darob entstehen möchte, vor 
Gott, E. Kais. Maj., dem Römischen Reich und der ganzen ehrbaren 
Welt frei sein und die Verantwortung dem Herren Pfalzgrafen an- 
heim geschoben haben, desfalls meine Räthe solemnissime protestiret 
haben. 

Bei solcher ganzen Handlung haben meine Räthe das Instrumen- 
tam Pacis nicht angefochten, noch E. Kais. Maj. Erkenntniss declinirt, 
wie an Seiten Pfalzneuburgs Ld. vorgerückt werden wollen, sondern 
vielmehr sich darauf bezogen und nur dieses angezeigt, dass die Ob- 
servanz des Jahrs 1()24, darauf die Gommission gegründet, und da- 
gegen E. Kais. Miy. mir alle Exeeptiones einsawenden vorbehalten 



Bericht an den Kaiser über die CQut^renz zu Essen. 



111 



ba^ben, in dem Kirchen- und Religionwesen der GUlich- und Clerischen 

Uii^iiden nicht zu attendiren, sondern auf die Reversalen und provi- 

oonal Vergleich, als welche beiderseits in den Jahren 1601^ 1629 und 

1&41 gewiUiget, beliebet und eiogangen, bezogen, und also auf ein 

MAdere extraordinaire Commission zu kommen nicht nöthig, und dags 

aimch solche Rerersalen, welche von evangelischen Fürsten ihren 

Be^vmBgelischen Unterthanen ertheilet, in dem Ingtruniento Pacis § f/n- 

HMsir/if quoqne') bekräftiget, zu halten und von der Observanz des 

B^mhrs 1624 allerdings eximirt sein. 

■ und dieweil nun aus dem allem erhellet, dass der Verzug bei 

ietn Herrn Pfalzgrafen jedesmal bestanden, und derselbe keine Ba- 
tiones, Mittel noch Vorschlag bei sich gelten lassen wollen, dannoch 
*ber mit aller Hostilität ferner zu verfahren und dem eingekommenen 
Bericht nach einen und anderen Post in meinen Landen mit Gewalt 
anzugreifen im Werk begriffen sein solle, woraus eine unwiederbriog- 
Hebe Ruin der Landen ohn mein Verschulden entstehen kann, so wer- 
<leii £, Kais. Maj. mich hierunter unschuldig halten und den Herrn 
PCilsgrafen zu Neu bürg den Kaiserlichen avocatori Mandaten allent- 
tulbco gehorsamst zu gclebcn und vou aller HustilitiU abzustehen, 
^iil^icb anmahnen und durch scliarfe Uefehlch dazu zu vermögen 



K^aiser Ferdinand II L an den Kurfürsten. Dat. Ebersdorf 

22. Sept. 1651. 

^ut^er Kaiser besteht auf sutortiger Nlcdt^rlegQug der Waßen uud rerweist auf die 
^E|^A«ii ihm ftbgesaudte kaiaerliche CoDimlssion, mit ADdrobuiig anderer Mittel im 
^^^^ KenlteüzralL] 

^^^ Antwort auf die tlrei letzten Sehreiben des Kurfürsten vom 28. und 22- Sept, 
^O. Auga*t uud Tom 6, iJieses Mouats. 

Nun befinden Wir zwar, dass E. Ld, in diesen Ihren Schreiben 
•icl alles schuldigen Gehorsams und Respects mit mehrerm anerbietig 
^■UMJhcn, welches Uns auch zu freund- und gnädigiichem Gefallen ge- 
weht; Wir können aber nicht sehen, wie dieses alles für eine genug- 
»ame Parition auf die an E. Ld. ergangene so wohlgemeinten väter- 
^ithc Defaortatoria auf- und anzunehmen, sintemalen sich die anbe- 
Wilene depositio armorum mit dem angezogenen puncto rcligiouis 
bineswega conditioniren lasset, als welcher zu Unserer hierin an- 
geordneten Reichs-Commission (alda jeder Theil sein Nothdurft so gut 



*i lüii. Pftc OiD. Art- Va i 1. 



\12 ^' Der Krieg mit Pfals-t^eabarg. 

er kann, vorbringen mag) gehörig ist, und sofern dieselbe von den 
verordneten Commissariis nicht entschieden werden könnten, wollten 
Wir alsdann auf genugsam erlangte Information Uns dergestalt resol- 
viren, wie es zu Erhaltung Fried und Rechtens, auch der Länder 
nöthigen Beruhigung und Wohlstand wtlrde für gut befunden werden, 
also dass deswegen weiter Krieg zu flihreii, oder insolang in Waffen 
zu verbleiben unvoniiöthcn, auch £. Ld. selbst zumal besehwerlich 
fallen wUrde. Und obwolcn Wir nicht zweifeln, £. Ld. werden sich 
Selbsten erinnern, was in [mncto satisfactionis et oautionis die Keichs- 
constitutiones diesfalls mit sich bringen, so wollen Wir dennoch durch 
Unsere Commissarios, die Hoch- und Wohlgeborcn, auch Ehrsamen 
Gelehrten, Unsere und des licichs liebe getreue Melchiorn Grafen 
EU Gleichen und Ilatzfeldt, Herrn zu Wildenberg, und Johann 
Anethanum der Rechten Doetom, Unsere respective Geheimen und 
Reichshofrath, Feldnmrschalken und bestellten Obristen, bei Pfals- 
Neuburg Ld. die Sachen dahin einzurichten und zu schlichten suchen, 
damit 8. Ld. dies alles zu Unserer friedliebenden ehistkUnftigen 
Decision und Unterhandlung submittiren mögen. Dahero es numehr 
allein auf dem bestehen würde, dass E. Ld. sich Unserer friedlieben- 
den Intention ohne einige weitläufige Condition bequemen, die ergrif- 
fene Waffen ohne lungern Aufzug gänzlichen abthuen und in puncto 
religionis der angeordneten Kais. Reichs-Commission gebührlich statt- 
thuen; auf welchen Fall Wir des schuldigen Gehorsams bei Pfalz- 
Neuburgs Ld. genugsam versichert sein, im widrigen aber gegen £. Ld. 
dasjenige verhiingen und fUrnehmen mUssten, wie ungern Wir auch 
sonst darzu konmicn thucn, welches die Reichs- Constitutiones sammt 
dem Friedonsehluss erfordern. So Wir E. Ld. in Widerantwort nicht 
borgen wollen, und verbleiben deroselben sonst mit Freundschaft, 
kaiserlichen llulden und allem Outen forderist wol beigethau« 



Die zur i^'ilrping der Streitigkeit von Wien, abgesandten kaiserlichen 
(youinilssarc, Graf Melchior v. llutzfeld und Dr. Joli. Aucthanus, 
erschienen zu Clevc am 11). Sept. Ebuiidusclbät wurde zunächst mit dem 
KurfürNten der Vergleich fostgestellt, den die^^er am 11. Oct. 1651, der 
Pfulzgraf am IG. Oct. (Urk. u. Acten 8t. V. p.5Gl) unterzeichnete; der 
ausgefertigte VergUicli trugt das Datum der kurfürstlichen Unterschrift 
Ueher die Verhandlungen der kaiserliehen Commlssarc in Cleve s. die ein> 
gehenden Actcnausziige bei v. Mörner a.a.O. p. 833 ff.; vgl. auch Pufen- 
dorf IV. $.35 und Aitzema III. p. G84 ff. 

Der Vergleich vom 11. Oct. 1G51 it»t mehrfach gedruckt; so Londorp 



Die kaiaerliche YermitteluDg and der Friede. 



113 



TL 632. Dnmnnt VI. 2. 22, Lütng Rdchsarchi? p, spec. IV. 138 uud 
milctzt aossügliüh bct v. Möroer Kurbr. Staatsrertr. p. 164. 



Der Kurfürst an König Joliaiin Casimir v^on Polen. 

Dat. Cleve 11. Oct 1651. 

(Eigenh. Concept des Kurfürsten.) 

(VerwahmDg gegen vorgekoinmeue Verlaumtlungen am polnischen Hofe.] 

Durchlauchtigster Köni^. E. Kön, Maj, seiodt meine bereitwil- 11, Oct 
[15g«te und geflissene Dienste jederzeit zuvor. Gnadiger vielgeliebter 
Herr Oheirab, Schwager und Bruder. 

Ob wol E. Kün. Maj. bei dero itzigen vielfältigen hohen Geseh&f* 
tea zu behelligen ich anstehen sollte^ so hab dennoch zur Bettung 
meiner Ehre und zu Verantwortung derselben raieh mit diesem bei 
E. Kön. Maj. angeben wollen. Und kfunnit mir schmerzlich fllr, zu 
Tcmehmea. dass man mich beschuldigen will, als wann ich mit E. 
Kön. Maj. und des Reichs Feinden im heimlichen Vernehmen stünde; 
auch dass ich gegen meinen Eid und Pflicht, so ich E, Kön. Maj. und 
der Krön geleistet, gehandelt hatte ^). ^ 

Nun hab ich mich von Jugend auf beflissen, nach Ehr und Ked- 
liclikeit zu trachten, bin auch in solcher Ambition mit göttlicher Hülfe 
M sterben Willens^ und wird man mir in Ewigkeit solches nicht dar- 
ftun kennen, dass ich mit E. Kön. Maj, und der Krön Feinde einig 
Yerständniss gepflogen oder mit ihnen colluiliret hätte*, sondern viel- 
mehr, dass ich auf geschehenes Ansehreiben der [Herrn] Senatoren in 
ftoeh währendem InteiTCgno mich alaofoit willig nnt einiger Hülfe der 
Krön in ihrer Necessittlt beizustehen anerboten; auch desshalbcn et- 
liche Völker, welche annoch in E. Kön, Maj. und der Krön Diensten 
8«in, werben lassen, welches vielleicht der ehrlose falsche Angeber 
^icht wird gewusst haben')* 

DaS!» ich auch gegen Eiil uud Pflicht sollte gehandelt und selbi* 
IWJ nicht beobachtet haben, wird mir in Ewigkeit gleichfalls nicht 
^wiesen werden können, wie zwar unverschämt von meinem Calum- 
iiianten ftlrgegeben worden. Bitte derwegcu, E. Kön. Maj. wollen mir 
(^hbenannten falschen Anklager namktindig machen, damit er mir 



') iHv VenmlassQiig zu dieat^m Schreiben ergibt steh ans der uadifnl^ifcnden 
AHtort de« Königa Joh. iJaftimir vom 7, Nov. VeriautlilicU lag dem Kurfur- 
>tM ein aof die Sache bezüglrclxes Schreiben Hoverbeck'a vor, das aber nicht 
^tlir Torhanden ist 

») Vgl. ürk, a. Actenat. L p. 251 ff. 
IkUf, fur G<9clt. d. Gr. Kurrürfien. \L 8 



114 I* I^er Krieg mit Pfals-Neaburg. 

Bolche unbegründete und unerfindliche Auflage darthue. Dann ich 
denjenigen inuiittels vor solchen ehrlosen Calumnianten halten >yill, 
bis er mir solches wird erwiesen haben. Hieran werden E. Kön. Maj. 
dasjenige thun, so Ihr zu hohem Ruhm gereichen wird, und ich werde 
mich bcfleissen, hinwiederum solches um E. Kön. Maj. mit schuldigen 
Diensten jederzeit zu verschulden. 



König Johann Casimir von Polen an den Kurfürsten. 
Dat. Warschau 7. Nov. 1651. 

[Andeutung einer angeblichen llakoczy-pfulziachen Intriguo gegen Polen, worein 
der Kurfürst verwickelt gewesen; der Neuburgiscüo Krieg im Zusammenhang 

damit.] 

7. Nov. Aus E. Ld. de dato Clevc den 1 1 . Oct. an Uns ahgelassenen 

Schreiben haben Wir mit mehreni venichuicn können, welchcrgestalt 
sich E. Ld. einiger Reden halben, so wider dero Person jiind guten 
Leuiuuth hiobevor ausgesprcngct sein sollten, höchstermnassen ent- 
schuldigen, auch dabei dero getreue (JewUrtigkeit und Pflicht gegen 
Uns und Unserm Ueiehe Polen contestiren thun. Nun wäre Uns nichts 
liebers gewesen, als dass das sichere Vertrauen, so Wir allewege zu 
E. I^. beständiger Treu gesetzet, auch annoch setzen thun, durch 
einige Uns beikomniende schriftlicKe und mit allen Umstünden be- 
schriebene Nachricht nicht in etwas nachdenklich gemachet worden. 
Denn die auf gewissen und Uns, auch Unserm Reiche Polen hoch- 
schädlichen und durch einen Praediciinten betriebenen Conditioneu ge- 
troffene Ileirath zwischen dem jüngsten Fürsten Rakoczy (welcher 
zuvor seine über Siebenbürgen habende Investitur, und dass sein Bru- 
der hinwiederum König in Polen sein sollte, durch dessen Mutter vor- 
zeigen und remonstriren müssen), und des Churfürsten von Heidelberg 
seiner Schwester*), wie auch dabei mit unterschiedlich specificirten 
Interessenten, auch der Krön Polen Eingesessenen, wider Uns und 
das Reich Polen gemachte Verbündnuss haben Uns aufmerkend ge- 
mocht; welche Yerbundniss dann ihren Effect, in casum Unser und 
der Krön Niederlage bei diesen mit Unsern Cosackischen Rebellen 
und den Tartern gehaltenem Treffen, auch wider Unser Haupt und 
Person schleunig erreichen, wozu dann E. Ld. als Mitstifter solcher 



■) Sigismond Rakoczy, der jüngere Bruder des regierenden Fürston 
Georg II. Rakoccy Ton Siebenbürgen, hatte sich vor kurzem mit der pfalztscheu 
PriDZCssin Henriette Marie, einer Tochter des weiland BühmoDkonigt Fried - 
rioh y. TOB der Pfalz, vermählt Er starb übrigens schon im folgenden Jahre. 



AnseiDandersetzungczi mit Poleu. 



115 



Heirath auch eingezogen und von dero der Anfangs desswegea in den 
Joliclischon Landen wider Unscrn Herrn Selnva^ern geinachet sein sollte» 

Wir zwar Utiscrs Tücil», wie Wir keinem derjenigen Interessenten 
einige Aiilass zu solelier Cnefudcration gegeben, also haben Wir 
öott dem Höchsten zu danken, der Uns bei solclicm Hinterhalt und 
bösem Naehtrachteii Unser Feinde und Missgönncr dennoch den Sieg 
datnalen väterlichen verliehen. Uns bei der von ihm aufgesetzten Krön 
consen^iret, das Reich Polen vor intendirte Veränderung behlitet und 
liiedurch diese MacLinaliones gestürzet hat; und nehmen nochnialcn 
E. Ld. deswegen wol entschuldiget, bevorab da dieselbe Ihre beharr- 
licfac Treue und liestiindigkeit so hoch nicht allein eontestiren thun, 
sondern auch auf Unser Ansinnen die wider wolgedachtem Uuserm 
Herrn Schwager angefangene Kriegsverfassung, wie Wir berichtet sein, 
Uaheu eingestellet und den Frieden ^etrotieu, dahero Wir Uns so viel 
mehr versichert lialton, E. Ld., so ^lel als an dero sein wird, allem 
besorgliehen Unwesen ferner vor/ubauen, und da dessen was weiter 
Vorgehen möchte. Uns getrculieli davon zu avisireu keinen Flciss er- 
spairea werden- 

Woran Uns dann zu angenehmen fJefallen gereichen, aucli F. Ud. 
*lero Unschuld je mehr und mehr bewahren und lieliaujiteu werden, 
^nd tbun F* i-d. göttlicher Bewahrung empfehlen. 



Der Kurfürst an Künijif J<diuiiti Casimir. Dat. Cleve 

I^Vj^jt'rk'guijg drr vi>rv;i'l'Tucli(ri» ViTdaflitiLninj^L^iu Vcrsich^^rniij^' imwnniieiburer 

Durchlauchligster Konig etc. Cleich wie ich hiebevorn, da ich 6. Dec. 

^^t gewisse Nachricht crludten, duss sich Jeuiands boshaftig untcr- 

yt^iiulen, mich bei E. Kim. Maj. wegen unterschiedener hoher und 

inz emiifindlichen Auflagen verdächtig zu machen, die Freiheit gc- 

*t»mmcn, K. KOn. Maj, ganz dienstlieh zu ersuchen, einen solchen un- 

ebäniten Cainmnianten ui^mkundig zu machen, damit dieselbe zu Ihrer 

^sesten Vergnügung erfahren mögen , wie ich denselben vor E. Köu. 

Maj* und der ganzen Welt in unauslöschliche Schande und Confusion 

^etien wollte: also hat mich die von E, Kun. Maj, beliebte Ilcaut- 

wortung vom 7- November und meines geheimen Kaths, des von II o- 

Jcrb ecken, dabei gcthane unterthunigste Kelation noch weiter ver- 

el, E. Kön. Maj. solcher Sache halber ferner zu behelligen. 

ob zwar E. Kön. Maj* in crwahnetem dero Schreiben gedenken, 

^e mich von solchen Äuflagcü entschuldiget halten, so kranket 

8* 



115 I. Der Krieg mit Pfals-Neuburg. 



f 



mich doch zumalcn gar sehr, das» Sie daneben wünschen , dasB Ihr 
gegen mich gefasstes Vertrauen durch eingekommenc Nachricht von 
einer gegen Sie und der Krön Polen gemachten Conföderation nicht 
in etwas zweifelhaftig geniachet worden wilrc, wie auch, dass E. Kön. 
Maj. gegen den von Hoverbeckon erwähnet, es mUsste wol etwas 
daran sein, weil ich, nach Art der Schuldigen, mit der Vorklage 
kilme. 

E. Kon. Maj. kann ich wol mit Wahrheit versichern, dass, so 
lange ich in meiner Regierung, ja auf der Welt gewesen, mir keine 
Sache, so vielen Widerwärtigkeiten mich nucli der Allerhöchste unter- 
worfen gehabt, so tief zu GemUthe gegangen, als eben diese. Ich will 
anitzo nicht wiederholen, was vor bcstfindigeu getreuen und unausge- 
setzten Eifer ich bei E. Kön. Maj. Konigswahl erwiesen, welches 
gleichwol genugsam bezeuget, wem ich die königliche Krön am lieb- 
sten gegönnt, weil eben damalen dorselbige soIcIjc ambiret *), mit dem 
ich itzo in so unverdienten Verdacht gezogen werden wollen, und 
dessen Abgeschickten icii diese rotunde Erklürung alsofort gegeben, 
dass ich bei E. Kön. Maj. uuaussetzlich feste halten würde; besoudern 
dieses muss E. Krm. Mnj. ich vorstellen, wie dass ich bisher in allen 
meinen (-onsiliis auch ho sehr auf E. Kön. Mnj. und die Wohlfahrt 
der Krön Polen gesehen, dass ich lieber das Interesse meines eigenen 
Stimts und dessen Inerenicnt zurückstellen, dann das allergeringste 
belieben wollen, so E. Kön. M.ij. oder der Krön Polen zuwider laufen 
möchte. Glaube auch noch diese Stunde nichts gewissers, dann 
dass E. Kön. Maj. und die Krön kein Unglück haben könnte, so nicht 
das meinige zugleich mit nach sich zöge; daher dann, wie leicht zu 
ermessen, mir desto schmerzlicher gewesen, dass solches alles, unge- 
achtet ich von E. Kön. Maj. mit der allcrschiindlichsten und einem 
geringen Menschen, geschweige einem Churfürsten, ganz unwürdigen 
Sache in Verdacht gehalten, und dessfalls meine (lesiindteu von deu 
Lübeckischen Traetaten excludiiet werden sollen, und zwar um so 
viel mehr, weil eben diejenige heilig darüber gloriiret, welchen die 
gute Intelligencc zwischen E. Kön. Maj. und mir nicht wenig ent- 
gegen ist. 

Das grosseste Fundament dieser C'alumnie soll auf deren zwi- 
schen meiner Basen der Pfalzgrafinnen und dem jungem Fürsten 
Knkoczy getroffenen lleirath bestehen. Wie leicht und bald nun solches 
zerfallen muss, werd(*n E. Kön. Maj. hieraus genugsam abnehmen, 
dass, wie diese lleirath gesuehet worden, die Abschickung nicht an 

') Fürst SigismuDd Rtkocxy; vgl. Urk. q. Actenst I. p. 256. 288 f. 



AudduAnderdctsstingoti tntt PoTeo. 



117 



bI», sondern an meiner Irocli^echrten Frau Mitltcrii On. gerichtet 
gewesen und ich darbei nur bluss mit einem Coniiiliment begrUsset 
Lworden, auch gewisslich davor halte, wann nicht eben zu der Zeit 
Litzthüchgcdaebtcr meiner Frau Muttern Gn. bei mir zu ttillu an der 
^prec, sondern zu Crossen in deren Wittwenthuni gewesen, der Ka- 
katzische Abgesandter viellcieht gar nicht zu njir gekommen wäre» 
wie ich dann den andern Abgescbiekten, so zu Crossen bei meiner 
Frau Muttern 6n, gewesen, nicht gesehen, noch von demselben im 
greriüj^gten nicht belanget worden bin; gcetalt ich auch de«i Herren 
Churfllrsten zu Heidelberg Ld. uml meiner Frau Mutteni Gn. mit der 
g:aa7.6n Heirathssarhe, deru Belieben nach, gewähren lassen, und mich, 
|Ä«Wwcr denen officiis, m ieb in meinem Lande, auch in Kespect der 
talien Verwauilniss, nicht versagen können, der Sachen ganz und gar 
lüchts angenoniuien und mich vielmehr kuns vor dem Beilager auf die 
80186 10 diese meine Lande begeben* 

Vau einigem I'raedicanten aber, vielweniger von einzigem Men- 
schen, der dergleiclien mit mir negt^tiiren sollte, ist mirj wie E. Kon. 
Üaj, ich solches bei der höchsten Wahrheit und meinem ChurfUrstliehen 
Wurfe versichern kann, nie das allergeringste zur Wissenschaft ge- 
kommen. Es mtl&ste dann vorerwähnter Abgeschickter, der der erste 
«nd einzige ist, den ich gesehcLi, ein Praedicant und, mir unwissend, 
i« weltlichen Habit verkleidet gewesen sein. 

Was schwacher Behelf auch dieser sei, dass ich zu dem Ende, um 

'die wider E. Kf3n. Maj. intendirtc Konföderation ins Werk zu richten, 

^ willer des Herren Ptalzgrafen zu Neuburg Ld. einen Krieg in diesen 

l-anden angefangen, solches bedarf ytm E, Kou, Maj, durch dero hoeh- 

^rieuchtetfu Verstände nicht gciirtbcilet werden, sondern der aller- 

Ä^lechteste Mensch siehet alsofort, dass solches zu vorerwähuetem 

^^cck weniger dann nichts hcHen können. Es ist mir vielmehr hiebe- 

[^Ofu die^e bestündige Nachricht zugekommen, dass des jungen Herren 

l*tyzgTaifen Ld. bei wälnentlem Interregno unter den Competitoru der 

Krone« mit gewesen, auch dessfalls eine ziemliche starke Partei da- 

*dM gehabt; wann ich nun diesen Zweck gehabt, E. Kön. Maj. um 

die Krön tu bringen (vor welche Gedanken mich Gott wud behüten 

^^ird), 80 hätte ich mich ja viehnchr mit denen conjungiren müssen, 

^ ihoen einige HoOnung zu der Krou gemacht, dann dieselbe mit 

mnzQgrcifen. So werden auch E. Kön, Maj. Zweifels ohne seit- 

geaug&Skm berichtet sein, dass, gleichwie mich die hoohnöthige 

Mng deren so heftig hednlcktcn Evangelischen zu solchem Krieg 

bl rerursachet, also auch denselben, sobald mir von der Rom. 



WQ I. Der Krieg mit Pfals-Neaburf;. 

Kais. Maj. die Vertröstung geschehen, dass dieselbe von fernerer Ver- 
folgung befreiet sein sollten, niedergeleget, ohne dnss ich einiges an- 
dern Evontus erwartet, noch mit jeraands, wer der auch sein möchte, 
aus dieser Sache communiciret hUtte; war vielmehr bereit, wann £. 
Kön. Maj. nicht schon durch dcro victorieuse Waffen die Cosacken zu 
dero unsterblichem Kulim zum Gehorsam gebracht, deroselben meine 
Vollmer zur Hülfe zu schicken. So viel fehlet daran, dass ich auf der 
Cosacken Victori solle gohoffet haben, dass ich den wider sie erhal- 
tenen Sieg viel mehr vor eine sonderbare Glückseligkeit ftstimire, und 
sowol dem allerhöchsten Gott, als auch E. Kön. Maj. vor die bei sol- 
cher Expedition erwiesene Tapferkeit und unverdrossene MUhe noch- 
malcn inniglichen danke. Ich habe auch nicht die allergeringste 
Ursache, warum ich eine solche Veränderung in der Krön, die ich 
vielmehr meinem Staat höchstgeföhrlich achten und daher nach allem 
Vermögen verhindern würde, wünschen sollte; sondern, wie ich mich 
festiglich versehe, dass E. Kön. Maj. demselbigcn, was Sie bei der 
Wahl mir schriftlich versprochen, königlich nachleben und mich bei 
meiner Gerechtsamkeit mainteniren worden: also wünsche ich von 
Grund meines Herzens, dass E. Kön. Maj. bis zu dero höchstem Alter 
dero Krön erhalten, Hiren Feinden ferner obsiegen und alle Ihre Vor- 
fahren mit Glückseligkeit übertreffen mögen. 

Aber grosse Ursach habe ich gehabt, dieser Sache halber bei E. Kön. 
Maj. mich zu beklagen und um Benennung des Calumnianten anzuhal- 
ten, und mag durchaus vor keine Vorklage gehalten werden, dieweil 
mir dieses alles, wie E. Kön. Maj. aus der mitkommenden Abschrift zu 
ersehen, communiciret, und ich zu solcher Verantwortung gleichsam 
gcnöthiget war. Gleich wie aber E. Kön. Maj. aus vorgehendem zur 
Gnügc ersehen, mit was abscheulicher Falschheit und Unwahrheit ich 
bei deroselben hintergangen, E. Kön. Maj. sich auch zurückerinnern 
werden, wie das sonderbare feste Vertrauen zwischen E. Kön. Mnj. 
und meinen hochlöblichen Vorfahren beiden Königl. und ChurfUrstl. 
Hslusern viel Gutes und Er^priessliches geschaffet, so ersuche E. Kön. 
Maj. ich hiermit ganz dienstlich, Sie wollten solches auch gegen mich 
continniren, allen vorgehabten Argwohn fahren lassen und zu mehrer 
Bezeugung dessen mir diese sonderbare Gnade erweisen (warum ich 
Sic nochnmien zum allerhöchsten gebeten haben will) und den An- 
geber solcher ungereimten Dinge mir namkundig zu machen. 

Sollten aber E. Kön. Maj. hierbei, wie ich doch nicht hoffen will, 
sondern dessfalls ein besser« Vertrauen zu E. Kön. Maj. gesetzet habe, 
Bedenken tragen, so bitte ich, Sie wollton auf solchen Fall demselbigen 



Anseioandersetzangen mit Polen. j||9 

dero Displicenz, seiner vorgebrachten groben Calumnicn halber, wis- 
sen lassen und ihn unwürdig erkennen, hinfttro E. Kön. Maj. etwas 
anzubringen; welches dann E. Kön. Maj. um so viel leichter thun kön- 
nen, weil es ohne allen Zweifel eine Person von nichtswürdigem Her- 
kommen gethan haben inuss; dann von einem gebornen Fürsten oder 
andern vornehmen Stande es nicht präsumirct werden kann, als welche 
von ihresgleichen viel besser Urtheil und Opinion haben und nimmer 
glauben werden, dass dergleichen verräthcrische Gedanken, geschweige 
Vorhaben, in ein fürstliches Herz kommen können. 

Dieses wird mich so viel nieiir verbinden, in unverbrechlicher 
Treue und Devotion gegen E. Kön. Maj. zu verharren und alle Gele- 
genheit zu suchen, E. Kün. Maj. in der That zu erweisen, dass ich, 
mit Empfehlung göttlicher Obacht, bis an mein Ende bin und verblei- 
ben werde etc. 

Proposition des polnischen Gesandten Grotkowski, gehal- 1652. 
ten „coram Ser'"" Electore Brand, in privato ejus consilio**. Cliviae d. 18. Jan. 
18 Jan. 1652 >). 

Lange schwülstige lateinische Rede in ziemlich anmaassendem Ton. 
Den Anlass der Gesandtschaft gab, dass der König „nuper a Russico pul- 
vere cum ingenti victoriac gloria redux** Nachricht erhielt von dem Aus- 
brach des Neuburgischeu Kriegs. Der Gesandte erklärt im Namen des 
Königs feierlich, dass sei» Herr den Pfalzgrafeu als nächsten Verwandten 
und Freund betrachtet, gegen den er keine Vergewaltigung duldet. 

Dazu eine Anzahl Incriminatiouen gegen den Kurfürsten, deren Inhalt 
auch auf folgendem bei den Acten liegenden italiänischcu Zettel sich 
findet: 

Clie per le mani di S. Alt. dell' Elettore ö stato maneggiato il matri- 
monio dclia Palatina di Ileidelberga col Ragozzi, strettamentc con- 
giunto col Chniielnicki, i cui progressi 6 da eredcre, che desidera TB- 
lettore, per giungerc a suoi cattivi tini, fra quali per la sua perfidia ö 
Terisimiic ehe fus^e anco ii disegno di avanzar se stesso nelle rulne di 
qucsta Corona. 

Ondc .vi mctte in consideratione, qnauto sia noecssario a questa Repu- 
blica d'iurigilare, per assieurarsi delle niachino, che da nn simiie potente 
vasallo si possono maneggiare contra la publica pacc et le raggioni dclla 
Corona. 

<Jhc fra niediatori per la pacc, che si trutta in Lubeca, sono anchc 
i deputati dcl Hrandenburgo^), di cui non e raggione di fidiirsi, mentre 

• Sein Creditiv dat. Warschau 10. Dec. 1651. Vgl. auch Droysen III. 2. 
GO und dio dort angeführte Broschüre. 

*) lieber diese Lübecker Tractaten, betreffend dea Frieden swiscben Polen 
and Schweden, s. w. a. 



]^20 ^ ^®' Krieg mit Pfalz-Noubarg. 

cosl hostilmentc contra ogiii fidc huroana et divina tratta con qoesta regia 
casa nella persona della Ser">« principcssa *) iutcressata in quelli trattati per 
le ragioni sopra la Corona dl Suecia. 



20.Jan. Antwort de^ Karfürsten an Orotkowski dat. Clevc 20. Jan. 
1652 (Conc. von Erasmus Seidel); sie weist in energischer Fassung die 
Anmaassung des polnischen Gesandten zurück. 

Zugleich erhält Ilovorbeck Auftrag, sich bei dem König nachdrück- 
lich über das Auftreten Grotkowski's zu beschweren. — 

Ueber das obige italiäuischc ^Fainos- scriptum^, das schon vorher in 
Umlauf war, entspinnt sich noch ein längerer Briefwechsel; von einer lan- 
gen Reihe polnischer Grossen erhält der Kurfürst Schreiben, worin diese 
ihr Bedauern über die Schmähschrift aussprechen, und dass sie dem Inhalt 
derselben keinen Glauben beimessen. 



Andi'eas Neumann') an den geh. Kath Erasmus Seidel. 
Dat. Wien 7/17. Jan. 1652. 

[Die Frage der Truppencutlassung in den Jülich -clovischen Landen am kaiser- 
lichen Ilofü. Muchiuutlouüu des rfulzgrufeu beim Kuisur.] 

17. Jan. Es haben I. Kais. Maj. an des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg 
f. D. wegen Abfuhrung der Völker und Abstellung der Beschwerden 
der Unterthanen rescribirt gehabt. Darauf haben S. D. sub dato (ni 
fallor) den 23. Dec. nachsthin I. Kais. Maj. beantwortet und Anfangs 
die IJrsach des Kriegs erzllhlet, auch wie, naehdcm Sie Ihr, dero 
Herrn Sohnes und dessen Gemahlin Silbergeschnieid und Clenodien 
hingegeben und nichts mehr Übrig gehabt, Sic gezwungen worden, 
bei den Unterthanen und Standen subsidia zu suchen; und weiln es 
die Zeiten nicht leiden wollen, Landtüge zu halten, auch die Stände 
öffentlich nichts bewilligen dürfen, so habe man den ordentlichen Weg 
nicht gehen können etc. Es wilren aber I. D. bedacht gewesen durch 
Abführung der Völker den Beschwerden abzuhelfen und hatten etliche 
Itegimenter dem Herzog von Lothringen Überlassen; Sie wilren aber 
derentwegen von der Krön Frankreich hart bedrohet und dahero ver- 
ursachet, grösser Unheil zu verhüten, solche Völker wieder zurückzu- 
ziehen. Worbei zu erinnern, dass der Cardinal Mazarin vonl. Ch. D. 
Völkern viel an sich gezogen und sonder Zweifel dieselbe Ihr Inter- 



■) Anna Katharina Constuntia, Schwester des Königs Job. Casimir, 
vennAhlt mit dem rfslxffrafeu Philipp Wilhelm von Neuburg. 
*) Braodeoburgischvr Uesideut in Wien. 



Machinationen des Pfalzgrafen am kaiserlichen Hofe. |21 

hierunter auch hätten ') (NB. Hier hat der alte Herzog von Neu- 
barg mit eigenen Händen in margine diese ungefährliche Wort bei- 
gezeichnet: „deme E. Kais. Maj. allergnädigst zu invigiliren wol 
wissen werden^). 

Ingleichen hat der Pfalzneuburgische Abgeordnete D. Silber- 
mann ein Memorial fast gleichen Schlags eingegeben und ob wären 
neue Conjuncturen bei Hin- und Hermarschiren der abgedankten Völ- 
ker vorhanden, angedeutet, mit Bitte, I. Kais. Maj. wollten seinem 
gnftd. Herrn an die Hand geben^ was hierbei zu thun. 



Der Kurfürst aii Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm. Dat. Cleve 

9. Febr. 1652. 

[Beschwerde über des Pfulzgrafen Verläumduugen aoi kuiserlicheo Hof; Bitte 

um Aiifklärnng darüber.] 

Wir können nicht vorbei E. Ld. vermittelst dieses freundvetterlich 9. Febr. 
zu berichten, wasmaassen AVir von guter Hand in Erfahrung bringen, 
ob sollte E. Ld. nicht aufhören, um bei der Köm. Kais. Maj. Uns zu 
denigriren und dieselbe mit allerhand unbefugten Auflagen und Be- 
schuldigungen in ein ungleiches Concept zu setzen, indem Sie Uns 
zur höchsten Ungebühr beimessen wollen, als wenn der Cardinal Ma- 
zarin viel von Unsern Völkern an sich gezogen, uml Wir also sonder 
Zweifel Unser Interesse hierunter auch bei dem Werke hätten, also 
dass allerhöchstgedachte I. Kais. Maj. sich wol fUrzusehen und zu 
invigiliren wissen würden. 

Nun mUssen Wir Uns über solche ungereimte Dinge billig zum 
höchsten verwundern, können auch mit Grund der Wahrheit wol sa- 
geUy dass Uns dergleichen nimmer zu Geilanken gestiegen, weniger 
dass Wir ichtwas Gefährliches Uuscrs Interesse halber sollten moliren 
wollen; dahero Wir es dann nochmals eigentlich dafür halten mUssen, 
dass E. Ld. nur mit allem Flei^s sich gleichsam dahin bearbeiten 
wollen, wie Sie etwan neue Suspiciones oder Diftidenz wider Uns er- 
wecken und dadurch zu unverdientem Hass und Unglimpf Ursach ge- 
ben mögen. 

') Dasö Vorhaodhingcn so'cber Art mit Mazarin damals wirklich gepflogen 
worden, ergibt sich aus der unten fulgenden Aufzeichnung Waldeck's; indess 
wmren dieselben wol mehr eine persönliche Angelegenheit des letzteren; vgl. 
auch dessen ticbreibcn un Sommelsdyck bei Erdmanusdörffer Graf Wal- 
deck p. 4&L Za einem Hesnltat führten die Verbandlungen nicht. Uebrigens 
▼gl. IQ Betreff der jetzigen Truppe nentlassnngen die ausführlichen ständischen 
Terluuidlangen in Urk. n Actenst Y. p.ö64ff. 



J22 ^ ^^^ ^'i<)S ^^^ Pfalz-Nenbiiri^. 

Gleich wie Wir aber hierunter Unsers aufrichtigen guten Gewis- 
sens genugsam versichert sein, also zweifeln Wir nicht, es werde mebr- 
allerhöchstgedachte Kais. Maj. solchen angedichteten unerweisliehen 
Auflagen keinen Glauben beiniessrn, wenigeir sich Unser ungeh^ret 
zu einigen Ungnaden bewegen lassen. £. Ld. aber haben ohnsehwer 
zu begreifen, dass Uns solches sehr nahe gehen müsse, und dabero 
nicht zu verdenken, da Wir mit gründlicher Ablehnung dessen Uns 
etwas hart zu verantworten necessitiret werden müohten. Es ist auch 
dieses das Mittel gar nicht, das zwischen Unsern beiden Chur- und 
Fürstlichen Ililuscrn hergebrachte alte gute Vertrauen wieder zu sta- 
biliren und aufzurichten. 

Wir haben jedoch solches vorerst erheischender der Sachen Noth- 
durft nach vernnttelst dieses an K. Ld. zu bringen und Sie darüber 
zu vernehmen nicht unterlassen wollen, mit freundvetterlicher Bitte, 
Sie belieben Uns hierauf Ihre eigentliche Meinung, und ob solche Auf- 
lagen mit Ihrem Vorwissen oder Befehl geschehen , mit wenigem zu 
eröffnen. 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 16. Febr. 1651. 

[Kriäuterungon in Hutreff der über den Kurfürsten verbreiteten Gerüchte.] 
16. Febr. E. Ld. Schreiben vom 1). dieses hat deroselbcn Trompeter mir 
zurecht eingehUndigt, dnss ich aber solches nit eher beantwortet, daran 
haben mich unterschiedliche wichtige Geschüft, deren Expedition nit 
füglich hat verschoben werden können, gehindert; wie sich dann noch 
heutiges Tages zween kaiserliche Gesandten alhie bei mir auflialten, 
welche inständig um ihre Abfertigung anhalten. Und ist zwar sonst, 
so viel die hauptsächliche Beantwortung gedachten E. Ld. Schreibens 
betrifft, nit ohne, dass als in gemeinem Geschrei erschollen, dass 
E. Ld. abgedankte Volker guten Theils in dem Fürstcnthum und 
Grafschaft Cleve und Mark, sodann in den benachbarten Landen wie- 
der geworben und gesammelt, und ich von unterschiedlichen mir wol 
AfToctionirten gewarnet w«)rden, und auch diejenige, die ich, um den 
eigentlichen Grund zu erkundigen, ausgeschickt habe, mir referirt, 
dass ich der Nothdurft nach mir wol vorzusehen, damit unter dieser 
unversehenen neuen Werbung nichts verborgen sei, so mir, auch mei- 
nen Landen und Leuten, zu Gefahr oder Nachtheil gereichen möchte, 
und ich darauf mit dem völligen Abdanken meines Kriegsvolkes etwas 
lurBckgehaiten, und dagegen wegen Beförderung dessen yon L Kais. 



AuseinandersetzuDgen mit dem Pfalzgrafen. |23 

Miy. erinnert worden; ich darauf wegen gedachter Werbungen Mel- 
dung gethan und dabei I. Maj. gehorsamst gebeten, dass, weil ich auf 
derselben allergnfidigste Erinnerung meine Volker abgedankt, Sie hin- 
gegen allergnädigst vigiliren wollten, damit, zum Fall mit dieser Wer- 
bung etwas Gefährliches niachinirt werden wollte, von derselben ich 
ausser Gefahr gesetzt und dagegen allergnädigst und wirklich manu- 
tenirt werde, welches E. Ld. mir mit Fugen nit zu missdeuten, wann 
Sie bei dieser Werbung sich nit mit interessirt gemacht Wiewol auch 
in dem Münstcrischen Friedensschluss den Keichs-Churfürsten nit ver- 
boten, dass sie einem oder anderen benachbarten König Kriegsvolk 
zoschicken oder auch bei denselben in Dienst sich einlassen mögen, 
wann es nur ohne Gefahr und Nachtheil der Reichs- ChurfUrsten und 
Stand geschehe. Und weil gleichwol nit widersprochen werden kann, 
dass viel Kriegsvolk, so in E. Ld. Dienst gewesen, hernacher in 
der Herren Staaten Gebiet wieder getrennet geworden, so kann 
ich wegen dessen, was ich geschrieben (so nit zur Verkleinerung 
E. Ld. geschehen) mit Fugen nit verdacht werden; und habe solches 
EL Ld. ich in freundlicher Antwort nit wollen verhalten, dero ich etc. 



A n h a n g. 

1. Aus den Kriegsacten von 1G51. 

Was von militärischen Acten über die Vorgänge des Jahres 1651 sich 
erhalten hat, findet sich in zwei Convolnten des geli. Staatsarchivs gesam- 
melt, ist aber von äusserst fragmentarischer Art; ein genügendes Bild von 
Beschaffenheit und Verlnuf dieses kriegerischen Unternehmens ist daraus 
kaum zu gewinnen. Wir steilen den Hauptinhalt dieser Papiere hier in 
kurzer Ucbersicht zusammen. 

Voran stehen eine Anzahl zerstreuter Ordrcs, Berichte etc. .von April 
1651 ab über Werbungen, Sauvegarden, Transporte von Artillerie, Pro- 
viant etc.; alles durchaus zufällig und ganz unvollständig erhalten. 
12. April. Die Stadt Duisburg wird angewiesen, ihre Feldstücke an den 

Obersten Eller zu übergeben; sie weigert sich dessen, da sie die 

Geschütze zu ihrer eigenen Vertheidigung brauche; der Befehl wird 

mit Strenge wiederholt (Clcve 17. Juni). 
21. Juni. General Job. Arnold v. Ooldstein sehiesst 10,000 Rth. für 

WerbuDgeo und andere Unkosten vor. 



124 ^* ^^^ K"<^S "11^ Pfalz-Noubarg. 

30. Jani. Das Regiment des Obr. Alex. y. Spaen wird für karzc Zeit 
iu die Städte uud Aeinter Lüucu, Uuiia, Oameii einquartiert und die- 
sen die Verpflegung dos Regimentes anbefohlen. 

Ebenso Capituin Jahrsbacii mit seiner Compagnie, vom Regi- 
ment des Obr. Hylandt, in Goch einquartiert. 

Desgleichen andere (unbenanntc) Truppen in Calcar, nach an- 
fänglicher Weigerung der Stadt mit wiederholtem Befehl ^bei schwerer 
Ungnade^. 

Das Amthuus Blanken.^tein soll mit lÜO nLandschützen^ besetzt 
werden. 
I.Juli. Ordre nn (iraf Wittgenstein: Hau und Reparatur der Fe- 
stungswerke von Minden ist mr»glichst zu beschleunigen. 

2. Juli. I^ericht von Oberst Franz v. Hodelschwing aus Hamm. Die 

Completirung des Regiments geht vorwärts. 

I)em Orafen Otto zu Ijimburg und Jironkhorst, Herrn zu 
Stvrum sind für sein zu bildendes Regiment die Städte Soest und 
Hattingen angewiesen. 

Für (traf Adolf zu Limburg etc. und sein Regiment die Städte 
und Aemter Hockum, Altena, Iserlohn und Hlankenstein. 

3. Juli. Für Obr. Adrian v. Bylandt die Städte Cranenburg, Oennep, 

Goch, Uden. 

Fs kommt Korn von Am.>terdain herauf und wird nach Duisburg 
beordert. 

Lirutrnant Frit/e hat Ordre erhalten, mit seinen Knechten als 
Besatzung nach der Lands berger Schanze zu gehen; sollte das 
nicht ausreichen, so wird der C-ommandant von Cüstrin Balth. 
v. d. Marwitz angewiesen, nocli einige Rotten Musketiere aus Cü- 
strin <lahin zu schicken. 

Ordre an den .\mtmann zu Bockuin, das Hans Clyif mit einer 
Anzahl liandschützen zu besetzen. 
8. Juli. Ordre an die Obersten Bylandt, Fller, v. Ohr, sich künftigen 
Dienstag in Tleve einzufinden, wo sie ferneren Bescheid erhalten 
sollen. 

Ordre an die Regierung zu Halberstudt. Von der Fscadron 
des Oberstlieutenant v. Arnim s<»ll ein Theil, soweit bisher fertig, 
auf dem liunde im Halberstädtischen einquartiert werden, für etwa 
3 Wochen, bis die übrigen Reiter kommen und sie dann weiter mar- 
sehiren. 
O.Juli. Obr. Wolf Frust v. FUer soll schleunig eine neue Compagnic 
Dragoner aufbringen. 

11. Juli. Onire an die Ravensbergische Regierung, schleunigst iu der 

(■rafschnft «einen Feuerschatz auszuschlagen"^ un<l den Frtrag bal- 
digst dem Obr. v. FUer zu übergeben. 

12. Juli. Ordre an den Oberreceptur Kgbcrs in Minden: da die Theue- 

rung im Mindenschen so gross ist und die dortige GarnisoD doch auf 
jedeo Fall erhalten worden mnss, so soll er alle nicht ganz nötbigen 
Ausgaben, namentlich auch die Uczahluag «aller Laadesbedienten 



Militaria ICKil. 



125 



no(J derer von Haus nus, wie sie immer Namen haben niogea** fürs 
erste eiustellüD und die BetrefTciiden auf den Termin Michaelis ver- 
weisen. 

Ordre au den Factor iu Hamburg, Dietrich v. Eitzeu, die 
dort noch liegenden 400 Ctr, Pulver aUbald nach Bremen zu diri- 
giren, v^ou wo sie der Cuminandaut von Mindeu, PotthauüODi weiter 
abholeu wird. 

14. JulL Eller soll nach Sparcnbcrg zurück und dort das Anbefohlene 

ausrieliten. 

15. Juli. Cleve. Der Kurfürst na Wilh, Heinr, Elwcrfeldc zu 

bHcrbede. Der Feind habe einen Anschlag auf das Haus Herbede 
vor; ob er im Stande sei, dies abzuwehren, widrigen Falb müäse der 
Kurfürst das Haus besetzen kssen. 
Juli. Ein Wiih. llichars in Ruhrort erbietet sich zu Lieferung von 
IBrückentnatcrial (über den Rhein), 
Ordre an O. E. v. Burgädorf und den geh. Kammersecr. Joach. 
Friedr, Möller, morgen in Dinslakeu dii.s Regiment des Obr. Ja- 
Cüb S|>aeu zu mu.stcrn und schworen zu lassen. 
(Cleve.) Es ist Kunde da, dnss der Neiibnrg. Obor^^t rietten» 
berg mit 200 Röhren und 100 Reitern über die Ruhr gegangen ist 
Ordre an den Obr. Alex. Spnen, Kncliricht i'inzu/Jehen und eveu- 
lücll i^ich ^ unter Hiiuim* zu retirirou. 
Ordrcs an die Cüuimandautcn von Hamm, v^Rodelschwingf und 
roo Li^ipstadt, Jan de Groeude, Vorsieht zu gebrauchen gegen 
nvvaige feindliche Aiiseldäge auf die beiden Festungen. 
*-*i^Jiili. Georg v. bieberg, Hau[>tmunu des Amts Bliinkeustein, Be- 
rieht: ein Capitaiu * Lieutenant des Neuburgisehen Regiments Plet* 
K'nberg, nur etwa li Stunden von hier ab liegend ^ hat unter An- 
I drohuug der Executiuu eine grosse Ijieieruug von Brod, Ochsen, 

^^ Hafer etc. von dem Amt Blankcuburg ftusgeschriebeu. Was er thun 
" aolle r 

-iiJoli, Kesolntion: es soll ihnen gar nichts gegeben werden; die be- 
d ruhten Orte werden ISchutz erhellten, 

M. van Jüchen, holländischer Commandaut von Wesel, meldet 
lietn Kurfürsten, dass die lothringischen Truppen bei Neuss vorbei 
iiftch dem Rhein gezogt^u sind, also oirenbur um ins Bergische zu 
gl heu; 45 Compagnien Reiter t,ä 15^25 M.) und U Regimenter z. F. 
(4ÖÜÜM.)* Des Kurfürsten Truppen sollen das Haus Beienburg|?] 
angegrilTen haben, dagegen ruft der l'lalzgraf die Lolhringer zu 
Hilfe. 
Jüb\ Cleve. Ordre an Witgensteiu; es hillt niehts^ er muss die Mittel 
für eeinc geworbenen Trupj»eu aus Minden und Ruvensberg auiT>riu- 
geo. Der Kurfürst hofl't bald einige von diesen Truppen zu bekom- 
men ,zn mehrer Fortstellung Unser Aetion*. Folgenden Ta^s wer- 
den ihm noch die ^.Mimient'Cheu Rchtuuten^ zugewiesen. 

I^scfawerdc der Stadt Soest über massenhafte Eintjuartierung 
oad übermässige Forderungen derselben. Am folgenden Tage wieder- 



^26 ^* ^^^ Krieg mit Pfmlx-Nouborg. 

holt, besonders gegen die Herren Officierc. Dabei eine Reihe von 
ZeogenausREgen von Soester Bürgern über geschehene Bmtalitäten. 
— Sehr scharfer Verweis des Kurfürsten an die betreffenden OfYiciere 
dat. Cleve 1. Aug. 

26. Juli. Obr. Peter Kluyt zum Conimandanten in Duisburg ernannt; 

zugleich ihm mehrere benachbarte Aemter zur Verpflegung seines 
Regiments angewiesen. 

27. Juli. 0-L. Hundebeck wird beordert, die Reduiten an der Land- 

wehr mit 100 M. zu besetzen. 

29. Juli. Die Kscadron des O-L. Bernd Friedrich v. Arnim wird 
dem Feldzengmeister v. Sparr verliehen und Arnim angewiesen, 
sich dessen Commaiido zu unterstellen. 

31. Juli. Der Kurfürst an Obr. Franz v. Bodelschwing, Gomman- 
danten in Hamm. Kr soll die Festung wol in Acht nehmen. Es sei 
allerdings auffallend, dass der Oberst de Mauger, ^so in spanischen 
Diensten zu sein vorgiebet*^, sich so lange in Hamm aufhalte, und er 
habe Recht gethan, ihn beobachten zu lassen, zumal es gar nicht 
gewiss, ob er in spanischen Diensten ist; er hat auch wol gar kei- 
nen Pass. 

Oberst (lörtzke soll sein Regiment huldigst complet machen. 

7. Aug. Cleve. Um aller feindlichen Invasion vorzubeugen, muss in der 
Urafschaft Mark ^ein allgemeines Auflmt^ geschehen, alle Behörden 
werden angewiesen, dies ins Werk zu setzen. 

An Oberst Franz v. Bodelscliwing in Hamm. Von jedem 
Sattelgut in der Grafschaft soll je 1 Mann beritten gemacht werden. 
I*. S. 8o soll er zuerst fordern, dann aber nachlassen, dass sie den 
Mann nicht zu stellen brauchen, sondern nur das Pferd. Der Kur- 
fürst will diese allein haben und für die Artillerie verwenden. 

Hamm. Bodelschwing an den Kurfürsten. Kr erfährt durch 
Sparr und den (ieneralkommissar Paul Ludwig, ^wio dass der 
Feind sich nunmehr ad 8000 Mann mit Cöllnischen, Trierischen und 
anderem Anschluss verstärket und dannen herosich zu moviren und in 
diese (irafschaft Mark zu gehen gänzlich intentioniret sei^. — ^So 
liab eine unumgängliche Nothdurft zu sein erachtet, K. Ch. D. unter- 
thänigst zu remonstriren, dass, wenn ich alhier un.:;egriffen werden 
sollte, zwar als ein ehrliebender und treuer Diener bei E. Ch. D. 
Gut, Leib, Ehr und Blut aufzusetzen so schuldig als willigst; es will 
mir aber an Mitteln manquiren; sintemaln an Pulver, Lunten und 
Blei ein grosser Defect. Zmlem ist bei diesen theueren Zeiten ganz 
kein Vivres alhie vorhanden, wie denn auch die Früchte noch nicht 
zeitig und also ganz kein Vorrath^. Er hat die Krrichtun«; eines 
Magazins für die (Grafschaft Marck angeordnet und bittet um Befiir- 
derung der Sache. Ein guter Ligenieur wäre hier auch nöthig. Vor 
allen Dingen aber Pulver, Lunten und Blei, und besonders Geld. 
8. Aug. Ordre an Obr. Caspar v. Potthauseu, Commandaut von Min- 
den: der Feiod soll einea Anschlag gegen Minden vorhaben; er soll 
Acht haben. 



Militaria 1651. 



127 



Clevc. Der Kurfürst an Joh. Adam v. Kar[ifeii, Könrgl engl. 
GeoerallieotenaDt d. Cavallerie. Der Kürfiirst wünscht die ^Rosische«** 
Truppen in Dienst zu nehmen; Karpfen soll dafiir wirken, und dass 
sie nicht etwa dem I'fiil/^i^rafen zufallen; der Kurfürst wird ihm dank- 
) bar dafür sich erzeigen'). 

^H Diese Truppen haben unter General Rosen bifiber in franxö.^. 
^B Diensten gestanden. Oberstlieuteuaut Alex. Andr. v. d, Osten 
f wird beordert y sieh sofort zn ihnen zu begeben und sie womög- 
lich in kurfürstliche Dienste zu ziehen; er soll ihnen vorstellen, dass 
aie hier viel besser fahren würden, als etwa bei dem PfalEgrnfcn. 
^Älso hat er ihnen auch Namens Sr Ch. D. stu versprechen, dnss sie 
Holort bei der Annehmung einen Monat Sold und bei der Abdankung 
zwecn Monat Sold t\i gewarten haben sollen, wie dann S. Ch. D. 
ünterofficirer bei selbigen Truppen, so zu bleiben Belieben haben, 
leich versichern lassen, nach geendigtem Krieg in dero C'hurfiir- 
ttenthnm ihnen gewiiJse Ländereie« einzugeben und auf 7 Jahr lang 
Ton allen und jeden Beschwerungen zu befreien'*. 
(Cleve.) Graf Joh, Sigmund zu Lynar hat sich erboten (dat. 
Qtienieke 25. Juni 1051 ) G Comp. z. R, in der Mark za werben. Der 
f Knrfürst nimmt das Erbieten an; es follen ihm dafür Quartiere in der 
I Mark angewiesen werden. ^Uud da ihr auch sonst einen oder an- 
^B drrn Obristen in l)esagter Unserer Chur Brandenburg, als etwa den 
^H Durffling, Pfuhlen, Görtzkeii oder einigcu andern von guter 
^^Jienommce dahin di:^poniren werdet können^ das? sie aus nnterih. 
^H Devütion und Liebe gegen Uns sich etwas angreifen und nebenst 
^H Kach dergleichen thun wollen, ^o werden Wir solches sonderlich mit 
^^ftGnailcn vernehmen^. 

^H Der gleiche Befehl, womöglich einige ^renommirte** Ober>ten für 
^^die Dientite des Kurfürsten zu di.^poniren, an den llofmarschall 
^^ X Putlitz dat. Cle\re iK Aug. 

ug. Soest Bericht von Otto Graf v. Limburg-Styrum (s, ob. 
dat, 2. Juli). £r ii^t in Soest angekommen^ findet aber seine Truppen 
io grosser Unordnung; in üattingen hat man in keiner Wei.se die 
»torthin angewies^enen 3 Compaguien Heiler aufnehmen wollen; sie 
haben da und dort auf dem I^andc untergebracht werden müssen und 
befinden sich in sehr übelem Zustnnd. Bittet um Anweisung, was 
er tkun soll. 
^'•Aüg, Ordre an Bürgermei.ster und Katb von Lünen, den Wacht- 
dicu&t in der Siadt bei Tag und Tsacht uuf^ strengste in Acht zu 
Debmeu, Nachts kein Thor zu öffneu , sich gut mit Gewehr und Mu- 
nition zu versehen. 

^*Aag. Cleve. Ordre an die Beamten der Herrfichaft Raveustein, dem 
Obersten Jacob Spacn 4000 Ilth., die ihm auf die Herrschaft Ra- 
Tcnstein a&signirt sind, binnen 4 Tagen zu verabreichen, widrigen Kulis 
wird Llxccution erfolgen. 



V^, oben p. 100. 



128 ^- ^®' 'ISineg mit Pfalz-Neuburg. 

13. ADg. Cicvc. An den Gouverneur und Drost der Grafschaft Mors, 

N. Kloet. Der Kurfürst sei, zur Sicherheit gegen die streifenden 
Parteien genöthigt, eine Schanze am Rhein anlegen zu lassen; der 
Gouverneur möge ihn darin nicht hindern und ^ihm solches nicht 
lassen zuwider sein^; die Einwohner der Grafschaft sollen dadurch 
nicht im geringsten belästigt werden; die Schanze soll, sobald der 
Kurfürst sie nicht mehr braucht, alsbald von ihm demolirt werden. 

Anweisung an die Stadt Unna, den Oberstwachmeister Spaen 
von dem Regiment des Grafen Otto v. Limburg, mit 3 Gompagnien 
für 8 Tage bei sich in Quartier zu nehmen ; die Stadt soll nichts ge- 
ben als das Quartier; in 8 Tagen sollen sie Ordre zum Weitermarsch 
erhalten. 

Ordres an Graf Otto v. Limburg, Graf Adolf v. Limburg, 
Oberst Görtzke, sich binnen 8 Tagen marschfertig zu halten. 

14. Aug. Petershagen. Graf Joh. v. Wittgenstein zeigt an, dass ge- 

btcrn sein Sohn Georg Wilhelm, als er einen Andern aus Wassers- 
noth erretten wollte, selbst dabei ertrunken ist. Er bittet um das 
Mitleiden des Kurfürsten und um Verfügung über die seinem Sohne 
bisher anvertraute Compagnie. 

*J0. Aug. Ordre an sämmtliche Beamte der Grafschaft Mark. Während 
der Tractateu hat man sich über gegenseitige Räumung der occupir- 
ten Lande und Aufhebung der Contribution geeinigt. Darnach sollen 
sie sich richten und den Neuburgern und Lothringeni nichts mehr 
gewähren; streifender Parteien, die etwa später kämen, soll man sich 
bemächtigen. 

8. Sept. Duisburg. Ordre an Gr:if Otto v. Limburg, sieh mit seinem 
Regiment in das Fürstenthum Ilulberstadt zu begeben, wo ihm die 
dortige Regierung (Quartiere anweisen wird. Desgleichen 9. Sept. die- 
selbe Ordre au Graf Adolf v. Limburg. 

Duisburg. Ordre an Oberst Georg Friedrich v. T rot ha, 
sich mit seinem Regiment nach Soest zu begeben und daselbst das 
Commando zu übernehmen. 

Ebenso wird Oberst Peter v. Sielen mit seinem Regiment nach 
Hamm, Copitainlieutenant v. Götze nach Unna, Oberst Adrian 
V. Hylandt nach Calear, Oberst Adolf v. Götze nach Lippstadt, 
ein Regiment z. F. des Ob. Wolf Ernst v. Eller unter dem Oberst 
Kluyt nach Duisburg beordert (id. dat.) und andere dergleichen 
Dislocntionsordres. 



Gnf Georg Friedricli v. WAldeek. 



129 



I 
f 



Aufzeichnung des Grafen Georg Friedrich von Waldeck über 

seine Anfange in brandenbui^gischen Diensten'), 

L'aQ 1^1 je fus; appell^ par une lettre de la propre tnain de 8. Alt. 

Kl de Brnödenbourg ponr estre sergent de bataille de sa Cafallerie dans 

'• guerre cootre le Duc de Xeubourg. Je partb de Wildoungue, oii j'arais 

pHs ]e8 eaux, pour trouTer Sa ditte Altesse. £a pasE;ant par ArobeQ je 

demandoi» advis a ceux de nion coDseil, qui ne manqui^reöt pas ä me re- 

pr^&eater les accidaüts, qui poorroit arriver*), S. Alt, Kl. u'estant pas re- 

dolo de cootinuer raffaire, ny pcarveu d'amis ou d'argent pour le pouroir faire; 

Jolligatioo fjD» m'attaschoit aux Jnterests du Duc de Neabourg fust touch^e; 

Ä*oij rt^marqiia fort bieij^aussy la perte^ qiie rna raaison pouvoit faire au 

pais de Juliers a Wittern, fief du Roy d'Espaigne, datis les Prorincea 

Ünies, qui avoit ombrage de cet armeujeut, dans les proc^f, qu'ftvous a la 

ehamtre loiperialle et d'oü la rexeeution de la paix od la seuret^ d'une 

comt^ et de plusieurs villages se debToit trouver; Je danger que je courre- 

ftjifi datis la Thunuge*), si cette guerre estoit commeucee coutre le gr6 de 

l'i^lecteur de Saxe; fiuallemeiit que je me mettrois en estat de Toir execut^ 

le bann de TEmpire contre inoy et donuerois aiusy mon honneur, vle et 

liieu a la fortuoe et ma femme a?ec toutte ma famillie a la plus hornble 

tni^ere, et lues peu de su^jeets a la proye de mes ennemis. 

D'aaltfes y oppos^rent la grandeur de ce Frinee, soustenu d'un sage 
eoo^eil et sans doubte uay avee VEIecteur de Saxe, lequel il avoit veu a 
Lichteubourg *) , et jugöreut uue affuire de tel poids si bieo concertee, que 
le Kuoc^s pourroit estre apparaut pour 8, AU, El. Aiusy lessßrent a nioy 
In ehoix, ce que je Toudrois faire. 

Moy port«^ a des emplois d'bonneur ain^sy que pour des grandes actinns, 
il frault des grands hasiards, et nie voyant d'/ige ti*agir je jogeois ne 
fcbrolr refuser « on Prioce d'uQ teil rang uoe demaude fnitte aveeque 
ttni de eivilitef et pris la resolutiou d'aller me presanter et prandre aul- 
Uöt d'asßeurauce que je pourrois pour ma mai^on, pour me «auver du 
Mwnae d'etourdie aupres les successeurs; et bi je voyois la disposttiou, 
»Holotion ferme pour conduuer la guerre, et des moyeus pour cela, aveeque 
quelques amis, qu'il y Tut apparence d'une issue, je me donueroii* ä \m 
l^rioce qui me tesmoignoit quelque confiance; surtout puisque j'esperois 
par 14 moostrer, que j^observois mieux la proraesse de (idelite faitte ä la 
mimn d^Orange, qu'elte n'avoit estant reeoguue, n'y celle des mieos. 

Je nie mets en ebemiu tout iueomniod^i d'uue vielle blessure. Arriv^ 
a flatu je sceu^ que S. Alt. EL CBtoit a la Hay; ee qui me üst arrester a 



*) Aus dem Waldeck'echen Archiv ia Cayleabarg. 

^ VergL Rauchbar Leben und Thateo des Fürsten O, Pr. v. Waldcck 
pull. 

') Wo das Haus Wald eck die Herrschaft Toaua als a&chsisebes Lehea 
MSt; ebenda«« p. Iti. 
*) VergL oben p. ly, 
ÜMiar. tat «««»cli. 4. Ür. kurfuriiea. VL U 



130 ^* ^^^ Krieg mit Pfalz-Neabarg. 

Werth. Quelques joars passö, S. Alt. El. arriva, oü jo me trouvay au 
mcsme soir i Glcves; mais fort mal a pied, jo tis s9avoir mon arrivöe au 
Maröchal Stocke au et luy domander un caros, qui rcspoudit, kI je n'avois 
pas de cheveauz pour la bienvenne , que je fus obli^ö de montrr boittaiit. 
Apres soupp^e 8. Alt. El. mc ditt ce qu'clle desiroit de moy, et cela avec 
des termes si obligantes, que neu obstant le peu d'apparence que je voyoiH, 
je mo dcclarois de Touloir accepter la cbargo saus des couditious suivautes 
a odjouster, et avois resolu d'escrire au Duc de Neubourg et luy notlGer, 
que je luy quittois mes fiefs et me deguageois aiusy de robligation daus 
laquclle je me voyois. 

Tout lo monde me conseilla de m'eagager point, me representant la 
disette d'argent, le peu d'ordre daus lo commatidement, la haine de Sparr 
coutre ceux qui avoit servy en Ilollaude, qu'ou me promettroit beaucoup, 
et puls je u'aurois que disgrace a esperer eu demaudant l'execution. Mais 
la civilite et mesmes Testat oü je voyois S. Alt. El., qui cstoit presque 
abandonn^ de tous los sieiis, me (ist passer par dessus touttes ces conside- 
rations et ne me chocquer aux mines rüdes des premiers de la court; et 
sur Tordre de S. Alt. EI. que le comte Maurice me porta de mettre par 
escrit les conditions, je les mis cntre scs malus, dans lesquels elies de- 
mcurOrent taut que je devieiis malade taut il cause du mal a la jambe qu'a 
cause de la puanteur et cbaleur du vilain logis oi\ je mo voyois, ou la so- 
litude, ue me voyaut visiitc d'ami vivaut que deux fois du G. Ilolstalu, 
et uue fois de Brillardt, qui me soUicita de luy procurcr la chargo de 
Ser^eut de Bataille; ä la fin Mons. Span et Pol me tieudrait aussy com- 
pagnie, n'ammoindrit pas mon Indisposition. 

Apres avoir attendn avec impatience la resolution, le comte Maurice, 
tout prcst pour aller a Brusselles, me l'apporta, que j'eus uue haine contro 
moy mesme, do m'estre mis en teil hazard, oü daus la naissanco de Tuf- 
faire je voyois le peu de cas qu'ou faisoit de mon zt^Ie et qu'ou uo desiroit 
poiut me douner un jota, qui peut faire esperer le guarant de ma ruine to- 
tale. Mais plus gcuereux qu'babille je rendis grace a S. Alt. El. et rc- 
roerciois au comte Maurice de la resolutiou. Tout prost a partir il me 
souvient, si jo ne voulois souger a moy, quo je ne debvois pas negliger 
les intcrests de mon pupil ; et me mits a soUiciter la continuation du üef de 
Werderbroucb, Icquel Mons. do Sucrin me procura commc je le desirois; 
et sur les remoutrances du comte Maurice je fus dcfraye dans Tho- 
stellerie. 

Sur lo point de prandrc cong6 de S. Alt. Kl. Mons. de Snerin me 
vicnt accoster dans lantichambre de S. Alt. Madame TElectrice, di.<ant que 
MoQseigneur rElecteur de Brandenbourg desiroit, que j'allasse a Cassol, 
pour y assister au baptesme*) de sa part, me demandant a UH^snie tenips, 
quel chemin je prandrois. Je luy dis, que la necessitc m'obligeroit draller 
par Dusscldorp, pour rcparer ce qu*asseurcment j*avois quobte [gUte?] la. 



■) Des am 21. Juni 1G51 goboronen Erbprinzen Wilhelm von lleMeu-Kasiol, 
dee Neffen des Kurfürsten. 



Geor^f Friedrich v. Waldeck, 



131 



n me dit^ qne je randrois on grand service st S. Alt £1.^ bi je pouvois pro- 
curcr un Al>bouscheaient eritre ces deux Priüces et consequftmetit une paix. 
Considcrant que le dangor ou je ine fourois, et les difficolt^s qui sc 
|vresenterolt taut a lubteiiir que dans la conferance qu1l fist, et dans Tespe- 
ratiee qae Diea favoriseroit an ei boa desseto, je me traDsportaj a Dusseldorp 
tTecqae quelqae d&iiger a cause des Lorrainois^ qui avoit joiot lea tronp- 
pes du Duc de Neabourg» 

A moii arriree on gentilhooime me vieot qo^rir arec uq caros, qui 
estoit le jo«r quay du Duc (ayaiit une maladie^ qn'un jour il estott quaj, 
Ic landemain joyeux). Venant dans son auticbambre, le geoeral des Lorrai- 
iioi« ftvec un Due de Deuxponts sortireut avec luy et all^rent a la prome- 
nade, oü je viens aussy. Le soir üd alla a la vespre. Le jeuue Duc me 
dciuiia aossi aadiance arant soupp^^ qui me demanda apres les dessains de 
rEIccteur et me dit, qo^il u'aroie jamais pea s'imaginer teile action de S. 
Alt. El.j qooy qu'il en aye an advis* La noulct le jeune Duc partit, poor 
sttaqtaer le Chateau de tcr Horst, accoropagn^ du General Lorrainois et 
le Mareschal de camp Rautfchenberg» Ce jour 1ä je vieos a parier i 
quelques uns du conseil, auxquelß je ßs connoistre, que je regrettois tant 
e*tee animoMt^ des deux Pnnces hi progehe s de sang, et qae je croyois, 
«Jtt'fliie enireftie accomtaoderoit Taffaire. Je fis coguoistre a mcsme temps, 
qfle je me promettois de l*obtenir aopres rElecteor, si je voyois incliuatinn 
tO|tri^s du Duc, et s'il mc cbargeoit de quelque commission. Ce non ob- 
stallt ic Duc ue fu aaqu^uü seiiiblaitt d*eü rieu ^yaToir, et je fis mc pre- 
ptmis («ic] poor la depart; la iiouvelle de la prise de Horst rejouit telle- 
»fiil le Duc, qu'il iie fitt que parier de cette exploit 

L'api^sdiner il me ßst venir dnus le jardiu, comme anssy gon con- 
*eil, ft me demauda, si j'avois commissioa. Je ne dis [add, que?] comme 
iej dessQSf et me donna mon couge apres souppe; oü en m'allant Mous, 
HngQ^pot*) vieut aupres de moy et mc dil, que je ne debvois pas partir 
^ tiatia, qu'oö parleroit le landemain de cette affaire et qu'il esperoit 
«prfqtte sneees, mais qu'il apprebeodoit, que ces deux Priuces s'uuiroit et 
poJi le jeHeroit sur lee Etats. 

Le landemain le Duc me fit apeller et me dit, qu'il me chari*eoit de 
'fe i S. Alt. EL, si une conferance luy aggr^oit, qull y consentiroit, et 
•D* donna une lettre a S. Alt. EL Luy ayaat dit le discours de Hugucpot 
Pt Jwltres ehoses necrettes, je le vis passiou^ ponr raecommodement. 

Rebroossant chemin vers C'leves je trouvay 8. Alt. EL sur le depart 
r^ur «Her iL Düiisbourg, et croyant cette resolution hors de saison, estant 
pf^^i i is'aecommodcr d aller joindre prcmii>rcment les trouppes, surtout 
^ on eile« reculoit et a*estoit point bastauts a tenir boD devant les eane- 
je priay S. Alt, EL de dulayer cc voyage, mais en vain* Pour coulorer 
leqoes Laffaire (qnoyqucüeores peu seur), j'asserois qu'a mon arnVt^e ou 
Afoit resola de se rendre plus pres de Dussetdorp. Estaut arriv^ a Dnis- 
Itövtrg les geus da Duc Uattolt le Cbastcau de Blanckenstaiii et coorroit 



lU(k 



*) Jabann Wilhelm von Finge upott, pfda - ueubargiacher gvlieioier 



9* 



132 ^' ^^^ ^neg mit PfaU-Neubarg. 

tous le pais de Marck et les trooppes de S. Alt. £i. campdreat Rnhrort le 
Rhin et Duisboarg. 

En atteiidaiit le Duo m'escrivit pour me parier encores. Kn ayant 
fait part & S. Alt. El. je partis et voyageant toutte la oouict j'arrivay avec 
beaiicoup d'hazardt et de painc le lendemaiii a Da«seldorp, oil le Duo con- 
ccrta avcc moy toutte ralTiüre. Surtout ine dit-il, qu'il n'y voaloit poitit 
sravoir les deput6s des Est^its, qui y cstoit comrae niediatcurs. 

Oll tomba d'accord de se voir pres d'Agnesort chacqu'un 100 cheveaux 
a sa soitte, oü il y aoroic 3 tentes, Tuue pour S. Alt. El., Taultre poor le 
Duo, et eclle du iDilieu pour l'entrevue. 

Les E^tats en ayant reste m'en viendrent parier dans mou logis, oü je 
leur dis, quc j'avois este prest a les aller voir pour leur en faire part, 
eomoie 8.« Alt El. m'avoit cominande de leur faire ouverture de ce qu» le 
Duo diroit; lesquels, un peu alteri^s de se voir traittt^s de la fa90D da Doc, 
et eu doubte s'ils pouvoit estrc satisfaits de 8. Alt. El., me dirent les !n- 
conveuiauts qui en pourroit resulter, et conclurcnt, qn'ils en seroit, de quelle 
fa9on que ralTairo so fit. 

Ayant rapporte la resolution du Duc par escrit a S. Alt. EL et ren- 
voy6 eclle du dit Electeur au Duc, l'eutrevue se fit, oü deux des Estats 

van der Bec et *) viendrent avec 8. Alt. El. et le S. de Weerdt') 

avec le Duc sur le Heu. 

Du commencemant les Priuces vouloit vuider le differant ente eux; mais 
la matiöre estant trop crue ne so pouvoit adjustcr de la fa9on, qu'ainsy 
je fu.s einploy^ pour estre mcdiateur; oü a pcu pr^s le differant estoit com- 
])os6, lur^que, presque hors de doubte d'uu succes conforme aa dcssaiu 
pour la paix, une trouppe de Lorrainois, qui cscortoit 2 coUonels, qui 
debvoit estre a la suite du Duc (qui n'avoit pas le uouibre complet de hc» 
100 cheveaux et 8. Alt. El. une suite , qui passoit les 100 cheveaux), vieut 
8US Ic8 seutinelles, qui advertissants rOfßcier par le chaud rapport du col- 
lonel [contrait]') Bourgsdorf, nous donna un teil allarme, que S.Alt. El. 
se leva nrappellant, et me disaiit, qu'il uc scavoit ce qu'il debvoit juger de 
cola, quc cela bentoit une trahiifou. Je luy remontrois, que le Duc Ä la 
table de S. Alt. El. ue voudroit estre le coiumenccmcnt de la tragedie, et 
que je donnerois preu?e de mon iunoceuce, eu mourraut aupres de luy. 

Ce desordre et le vin dans la grandc chaleur^) cau8<}reut une teile 
coufusion, que je ne pouvois attandre que la rouiue de ma reputatiou, 
voyauts les aultres innoccnts et foibles, et ce ({u'il y avoit en tres me- 
diocre ostat pour une action heroique; 8. Alt. nccompaigno d'un nombre 
qui excedoit les 100, tous officiers, et venu avec eux; ce qui me fit mau- 
dire ä l'heure, que je m'estois laibsö porter & ce message. Eufin, par la 



>) Wuhrscheiulich Parmeatier. 

*) WulirachüiDlich verschrieben statt «lo S. de Gout*. 

*) Sic. Es steckt darin wul der Name Conrad; in diesem Fall wurde es 
aber eine Verwechselung Conrad'» von Hurgsdorf mit seinem Bruder Georg 
Khrontreich sein, der hier diese Meldung machte; s. Aitsema 111. G78. 

*) zgude euu sccr heeten Bon schijneude dugh (Aitsema III. 677). 



Oral Georgr Friedrich v, Waldeck. 



133 



gricc du l»t>ii Dieu et rentrcmfse de Mons. de Gacnt, noos fimes taut, 
qoe In cession d'armes fust accord^c, ä commencier trois joars apr^s Ja 
resolttiion pri>e. 

Estant .'irrivec a Duisbourg, oii j'allois »vec rEleeteur, pour se revoir 
de Lnndjr pmir filier Taffalre, S. Alt. Kl, commenda le CoUonel Alex. 
Sf»fto, poar tner toas ee (juil rencoutreroit daiis la Comte du Marc €q de^a 
k Roer 

Le Laiidy S. Alt El. alla au lieu desltuei mais le Duc, g^estant reu 
Oll mm^ le samedy pass«^, ct^ a cc qu'on dit, dkerty de son fils, n'y 
ptrnst point, ny envoy.i personne. A la fiu Moos, de GuendC arriva, i\m 
dit, qoe qaelquoä envoy6s vieudroit, et que rindisposition du Duc, qui avoit 
iMi«jottrs voula venir^ en estoit canse. Ce qui eschaufla tellcmcDt 8. Alt. 
tLj qne retournaot dans le basteau des Estats ne ?olat pa$ voir les eu- 
TOfds do Doe, naais enüu les vit, et par mediation de$ Estats one assem* 
bl^e des minUtres fust accordee pour Essen ^ ou le Comte Maurice, Seidel 
«Portmaö fusreot envoy6ß. 

Les euvoy^'S du Dac, et les deputös des Estata y eomparnreot aussy. 
Pendrint celrt le CoUonel Span tua quelques ans des LorrainoiÄ*), ce qui 
fttsl pris ponr nne contra veution de rarmistice, et fit brasler quelques Vil- 
^es et nne Tille, qo'a la iiii Sparr et Ranseheuberg s^entrevisrent et 
idgtatereDt la cessioo d'arnies. 

Je coDseillois alors, si la paix ne se pourroit point faire et qoe le Doc 
KToolDst point sui?re la raison, que S, Alt. El. dcbvoit escrire a VEm- 
pcreur» qne snr son ordre it avoit obei, et qn'a presenti si le Dac oe ?ou* 
loit point ^ qui avoit attire des armes estrang^res, qu1l seroit oblig^ de se 
ilefiudre; et qn'en attaudaut , ü envoyast Bes trouppes si et lä dans les 
Vllea et Villages esloigu^e« du Roer» pour sous main les renforcer» et 
«jt'ili^re en cas de necessite Ton puisse aller avecque vigneur, et en ce cas 
jt n obligeois de nj'y engager. Et pour facilitcr Texecution je conseilloiä 
^fttfoyer aux Estats voisins, les Ünc de Braunswic et aultres, pour leur 
to pari de l'affaire et lear remouBtrer le danger, que le progres du Duo 
^ Lorraine leur caoseroit» 

Rien s'eo fist; raais la eesfiou d'armes estant adjustöe, Ton envoya la 
Ciraillerie »i et la, dnus les Villages sous le counneudement du Sergent 
^ bataille Ranuenberg et rinfaiiterie dans les Villes. Et S. Alt. El. 
»'*B tttöunia Ä Clevei?, oti je fü^ nssez dedaigneusement traitt^S du M.; 
'* je r^iteniy la deniande si souvent faitte ponr raou coug^ j mais la re- 
•p^tK-c (mt, qu'oü ne se pouvoit encore past^er de moy. 

[*m des joun» apres» one lettre du Duc de Neubourg arriva, dans la- 
Vdle il denon9a la guerre ä S. Alt, El. de nouveau'); ce qui öst, qne Sa 

Altesse e&crivit au K^ingrave, ponr traitter avcc le Duc de Lorraiue 

fifirc retirer ses truuppetj; le Reingrave ue le ?oulant faire sua uu 
[»fe ü generale rescrivit. 



*f Vgt r, Mörner Mark. Kriegsobersten p, 319. 
Hiacii dem Scheitern der VerhaudluDgeu in Es^en, am 13. Sept. S. oben 



134 ^ ^^^ Krieg mit Pfa1s*Neabnrg. 

En attendant let oommissaires de Sa Majcstö Imp. Hatzfeld atChaa- 
cellier de Treves Anethanus arrriTdrcnt, qd par aactoritö ImperiaUe 
fisrent continoer la trcve et commanct^renC s'entrcmcllcr poar faire Faeeord. 

S. Alt. £1. sar la demaade quo je fis faire par Mona. KleiBt, ce que 
CO seroit eufiQ de moy, me fit dirc avcc beaucoup de oiyilitö, qu'elie deai- 
roit que j'acceptasae ud acte de cooBeiller privö. Oa je fis reaponce, qae 
n'cstant pas capabic a teile ebosc je nc Icsrois pas d'oböir 4 8. Alt. KL, 
cn esperancc que, m'estaut engagö et la guerre contiauant, qa'on ae mc 
doimeroit point le doruier rang. S. Alt. Kl. me fist assenrer, qu'en ee cas 
eile me feroit liieutenant General de la Gavaillerie. 

Mais avant que m'estre eogagö et de tonte temps piain de desir de 
m'acquerir de la renommde, je mandois a mon fr(^re que, lu paix se faisant, 
nou8 pourrions meiner ces trouppcs quelque part, si K9avionäy oü estre rc- 
9eu8. Et ayaut seu la dcsordre cn Danncmarck| j'y fis aller mon fröre pour 
en parier au Roy, s'il avoit d faire des gens de guerre; leqnel nons en re- 
mcrcia. 

Cecy manquö, je le dis d S. Alt. £1. et conseillois, de faire aroir des 
gcus-la a quelqu'un souä des certaiues conditions; mais ?oyois qn'on avoit 
de la paiuc a conteuter Ics soldats et n'ayaut point de cognoissance des 
finances de S. Alt. Kl. ny de 8on credit, j'cstois obligö a cesser 4 poasser la 
rcsülution. Selon mon cont:eiI, et avcc permission de 8. Alt. El. je fis traittcr 
avec Ic GardinaP), pour faire 2000 chcvcaux et 4000 bommes de pied, et 
cs|>erois y vouloir faire un corps hous tclles couditions, qu*a toutte temps 
S. Alt. El. peut cstrc asAcuree de moy. Mais feaulte d'argeut cela' ne 
succcda pas, et je fus obligö de laisser cscbappcr uno si belle occasion, 
feaulte de cognoissance de rei»tat de S.Alt. £1. et a cause de la chioquane 
des gens du Cardinal. Leqnel voulust apres faire . . . bommes a pied sons 
le commandement de mon frcre, du Col. Zel, et uu esquadron sous le 
command. de Span; cduicy par boultade et cbiquane quitta rafiTaire, mon 
frt^re voyanc co peu de soliditö dans Texecution du traitU^ en sortit, et il*), 
passant sans le vcu des Kstats jnsqu'a Rotterdam et s'y arrestunt trop, 
fust mis cn prison et Ics trouppcs dcbandocs. 

Avant ce dcruicr rccit, Mons. de ßlumentbal arriva de la court de 
rEmpercur, qui, en est^it pas trop contant de me voir, la fist ce qu'il put 
pour traverser mon establisscment; mais en vain. 

Les commissaires de l'Empcrcur vcnus, Mons. de Blumenthal oc- 
cupo avec eux pour conclurc l'accomodcmcnt cntrc S. Alt. Kl. et le Duc 
et les dcputes des KsUits fort cbagrin de ccttc entrcmise, apn^s s'y estre 
tant paine, je me tis pas scullemcnt inutille d'aupres une affaire oi\ uon la 
raison, mais rnutorite Imperialle et le »cutimcnt des plus experimcnt^is quo 
je u'estois avoit lieu — et oü je ue pouvois estre sans cboquer pLusieurs, 
et S. Alt. Kl. et ses Ministres et les Commissaires, avec les deput^s des 

1) Cardinal Mazarin, damals, von der rartoi der Prinzen vertrieben, in 
Deutschland in der Verbannong lebend; vgl oben p.l21. 

*) Sic Es lat wol der Nane dei ob«a geaanntea Zel so aabttitiiinn oder 
in corrigiren. 



Qni Georg Friedrich y. Waldeck. i$Q 

I je demandols permissioD d'aller dans la oomt6 de Wal deck, d'oü 
je Rfietts qninze jonrs pass6s et arrivay le mesme soir ä Cleye qae S. Alt 
B. Madame j arrira de son voyage d'Aix, oü Moos, de Saerin dit le 
usme Joar, qae S. ^It. £1. avoit tort de prendre en serrice une persoone, 
qii kf eoBSteroit tant Ä entreteoir. 

Je fift ia reveraDce a Icars Altesses, fis coonoistre a Madame ce qui 
s'estoit passä et implorois sa protection; dont eile me donna helles asseu- 
^^aaces, qae je me jageois des plus heoreux de ce sidcle, me yojant dans 
tes boones graces d'un si genereux et brave Seigneur d'un rang si relevee 
et possessenr d'ane si grande estiodue des terres, et ayec cela dans Tap- 
probation et protection d'ane Princesse de la maison, ä laqnelle je m'estois 
▼00^ dds ma jeanesse, et dont la probit^ et franchise oaltre les aaltres 
▼ertns, dont eile se voyoit douee, paroissoit tellement, qae je ne crojois 
pooToir estre mal dans cette coart; m'assearant que les doax qaalit6s sas- 
dittes me feroit tousjoars S9avoir, en qaoy je poarrois fjiillir, et par Tex- 
tense oa correction des feaultes me conservat, tant qae cette divine Prin- 
cesse et r&me me resteroit. 

Et poar mieax reassir dans ce dessain de la servir, je la sappliois de 
me dire, a qai des conseillers je me dcbvois adresser, anqael je paisse me 
fier. £lle me donna poar tel Mons. de Saerin. Saivant doncques son 
ordre je fis mon possible poar gaigner son affection; la qaelle me promet- 
tant, je m'y fiois entiörement. 

Et voyant les mesn^es de Mons. de ßlamenthal tant contre les 
▼rayes maximes de cette maison et de ma patrie a mon sens, je ne laissois 
pas de chercher son amiti6, et en paroles je l'acqnis. Le reste des con- 
seflliers et officiers, je les chercbois, mais ne les poavant toas trouver estoit 
la cause, qae, ne vonlant n'y poavant estre dans la societ6 des actions, 
d'aoqaans je fas apprehend^ et hay des plnsieurs, et tellement depaindt a 
<^ax, qni ne me hantoit point, qa'a moins de rien toatte estoit contre moy, 
qooj qae je ne paisse qae me louer de la coustante amiti6 de Mons. Kleist, 
^ je ne me trompe fort. 

Mons. de ßlamenthal, je ne S9ay ponrqaoy, demandant ä aller a 
Walberstat sons pre texte d'y assister aa Landtag, partit; oü Mons. de 
^^erin, decoavrant ä moy les sentimens de Mons. de ßlamenthal, jagea 
*^ec moy, qa'avant la diette sa presence ne seroit point bonne ä la coart, 
et m'asseara qa'il feroit son possible pour le faire employer aillears, jas- 
9i^'i ce que la diette sieroit passöe. 

Depais plasiears Conferences se sont pass^es entre noas, toaschant le 
^dres de TEstat de S. Alt. El, quand D. Tornow arriva, qui conjoiucte- 
^«nt avec noas s'employa poar porter S. Alt. El. a conceder, qa'on pro- 
j^ctait an ordre qaant an conseil priv^ et l'administration des finances; ce 
<loi se fist, qaoy qa'avec beaacoap de poine. 

Le Reglement fait, je m'employoiz avec tont le soin immaginable, poar 
feire sentir Feffect de ce qu'avec poisne il avoit pea resoaldre, et Ö. Alt. 
£1. goata Taffaire lay mesme; lors qae de gens envieax oa craintifs des 
criines, dont lear consciance les accnse, misrent mille choses dans Tesprit 
de S. Alt El., qn'il desaffectionoit tont ce qai estoit fait; et poisqae je 



136 ^ ^®' ^"®S^ ^^^ Pfftls-Neabnrg. 

parlois poor rinnocence et contre les calpables, Ton faisoit passer auf 
de ce benigne Seigneor justice poor passion et partialit6 visible et palbi 
poar reelle ^) ponr Son Alt. El. et dqaitable res^ect poor la noblesse. ] 
soins, qoe je prennois de mettre bien S. Alt. £1. avec ses Estats de Ch 
estoit ambition et interest; le reglement & la conrt estoit an menage c 
honneste; ma cinlitöy qoi me faisoit conseiller le mesme aax aoltres, es 
prophaner le respeet de TElecteor'). 



^) Wol tu corrigiren: s61e. 

') Hier bricht die Aufzeichoang^V aide ck's ab ohoe eigentlichen AbscUi 
sie war jedenfalls bestimmt fortgesetzt za werden. 



II. 
Der Reichstag zu Regensburg. 



Einleitung. 



Leber die Stollöng, welche tu liem Organismus der deutschen Reiclis- 

tfasgUDg dfts luiititut der ReieUstage Ibrfau t^iunehoieu solle, halte das 

^^^tfttlische FriedeDsiustrument eine Keibe wiehtiger BestimmuDgea ge- 

'hoffen. Zu dem Beschluss eiucr reriodicität dieser Versammlnageu war 

. ^^n allerdiügs nicht gekoinmeu; aber datiir, dass die kaiserliche Reichs- 

m '"«rwaliUDg sich iu Zukunft uicht wieder dcö ganzen Institutes in solcher 

P »Veiise entschlagen konote, wie sie es iu den Jahren von ItilS bis 1640 ge* 

^an hatte, waren ausreichende Garanticü aufgestellt wordea. Trotz aller 

tiegenbeuiühnngeu des kaiserlichca Uofcs hatte das FriedeuBinstrument, 

*^it Tilgung der vorgeschlagenen einengenden Clauselu» iu der unumwuu* 

*^^t»steo Weise amägezsprochea , dass biufort aüe weseutlichen Futicttonea 

H ^er Reich sregieruug au die Mitwirkung und Zustimmung der im Reichstag 

H ^erjsauiuielten 8täude gebunden seien ; es hatte die alte Streitfrage über 

^*« Scuuiureeht der Reichsstädte zu Guustca derselben eutschiedeu und 

_ iliii^a da« lang augestrebte dccisive Votum, wie es die übrigen Staude be* 

B «asgen, bei den Reichsverhaudluugeu zuorkanut: in Gemeiuschaft »lleiu mit 

^^tte^^en Orgaueu dürfe biufort der Kaiser iu ^Saeheu der GeBCt^gebung und 

WWcgetzesiuterpretatioD , über Krieg, Frieden uud Vertrage, über Keiehs- 

F steuern und Reichskriegsweseu Verfügungeu treJfou»). 

In demselben Artikel des Fricdeutiinstrumeotcs war nun zugleich ferucr 
**^timmt, daijs Reichstage im Ällgeuieiueu künftig immer gehalten werden 

■ ^^Iten^ ^qaoties id publica u tili tas aut necessitas postularcrit'^; zuuächgt aber 

■ *olle jedeufalls eine solche Versammlung innerhalb der nächsteu sechs Mo- 
B ^He uach erfolgCer Ratilicatlon det^ Friedens zusammen treten. Eine Reihe 
r ^er wichtigsten Aufgaben für die innere Organisation des Reichs » welche 
^ ^ciU Ausser der Competenz der westfälischen Verhaudluagen gelegen hat- 

■ kn^ theüs dort uicht zu einem Abschluss hatten gebracht werden köaneDi 
H ^u ihr ZQgewiesen^. 

r 



*> In«L Pac Osa. JLii. VIIL §§,2, 4. Managt. §§.63. «5, 
^ In«l, Fac. Oso. Art. VIII. §,3. Moaast. p. 64. G. D. Hofmann con* 
mtio fä§ft,'jnri6. eoruin, quac iu paciücatioae Westplial» expediri aequiverant, 
Mi proxima comitia remissoram, (Tüb, 17M.) 



140 



IL Der Reicbatag zu Regcußbur^. 



Zunächst die Reform der Reichstage &ell:>8t und ihres in vielen 
StiiekeQ mangelhafteu Gcschäft-sgaiiit^es ( ^emeiidentür imprimis antcrioruni 
eoüvcnhium defectuK"')^). Als einer der wichtigsten Gegenstände der für 
den Keichstag aurgestellten Tagesordining aber vor allem die Angelegen- 
heit der römischen Königswahleu und einer beständigeä kaiser- 
lichen Wähle apitulaiioa (^ac tum f|Uo((nc de eleetione Romauorüin Rc- 
guni, certa eonstautirjue Caesarea capttuhitione coneipiciida . . * ex communi 
Statuum eouscnsu agatur et statuatur**). 

Schon bei den Verhandlungen in Osnabrück und Münster waren die 
hiermit zusammenhängeoden Fragen lehhaft dt-battirt worden. In Betreff 
der eigentlichen Kai^erwahl allerdings waren *die Bestimmungen der Gol- 
denen Bulle völlig klar und unbetitreitbar; die verfassungsmiissigen aos- 
schliessHcheu Rechte des Kurfiirstencollegs bei diesem Acte waren durch 
jenes Keiehsgrundgesetz unzweifelhaft festgestellt. Dagegen enthielt das- 
selbe keine besouderen Vorschriften über die röraisehe Königs wähl bei Leb- 
zeiten des Kaisers, und die aiitiösterreichische Opposition bei den Friedens- 
verhandlungen, die französi>ehe und schwedische Diplomatie an der Spitxe, 
hatte diesen Umstand als eine walgeeignete Handhalie benutzt, um damit 
jenem kurfürstlichen Vorrechte wenige-tciiti eine Schranke zu Fetzen, und 
der seit nun zwei Jahrhunderten unnnterbroehenen Reihe österreichischer 
Süccessionen im Reich eine dauernde Schwierigkeit zu bereiten. Schritt 
für Schritt freilich war sie im Laufe der Verhaiidhingen genöthigt worden, 
ihre darauf gerichteten Forderungen zu nn>derireu: dem anfänglichen Ver- 
langen der Franzosen and Schweden, dass hinfort überhaupt kein römischer 
Köuig mehr bei I^ebzeiten des Kaisers gewählt werden solle, war als 
zweites Stadium die Forderung gefolgt, döss wenigstens in jedem einzelnen 
solchen Falle die Frage der Noth wendigkeit einer Königs wähl nicht von 
den Kurfürsten .dlein, sondern unter Mitwirkung der übrigen ReicbsKtünde 
entijchieden werden solle; zuletzt hatten sie es doch nicht weiter gebracht, 
als dass die ganze Angeiegenheit dem bevorstehenden Reichstage als offene 
Frage zur Entscheidung zugewiesen worden war*). 

Ein betnichtlicher Sieg allerdiugs auch schon dieser, sowol im Sinne 
der beiden ausw^iirtigen Machte, nis iiueh namentlich für die Fürstenpartei 
im Reich gegenüber der traditjouellen Kuriürsteupolitik, dass jene bisher 
go unbedingt liesessene Frärogntive des kurlürstlicheu Collegs in Bezug 
auf die Wahl des Reichsoberhauptes jetzt überhaupt, in welcher Einsehrän* 
kuug auch immer, zum Gegenstand einer Discussion gemacht werden ßollte. 
£8 war damit eine Itaudhab« gegeben, woran man vielleicht überhaupt die 
bisherige '\'orzugsstellung der kurfürstliehen Oligarchie im Reich fassen und 
erschütteru konnte, und die Förstenpartei hatte durch den Eintritt Schwe- 



*) Die in dieser Beziehung obwaltenden Beachwerdeu sind zueamniengestelU ] 
in den *U n m aasgeb li c he n E riuue rangen, welche circa malerium de defecii- 
bua cumitionim filgUeli aazubringen," welche bei Hennigea Meditationen ad 
Inst. Fac, p. WJ ff. mitgetUeiJt sind. | 

*) VergL auäser den Acton bei v. Meiern auch die Zusainmenstellnng bei 
Moser Staatgrecht YIL 25Öfl'. 



Einleitung. 141 

dens in ihre Beihen einen Zuwachs erhalten, welcher sie wol zn nenen Be- 
möhnagen in dieser Richtung errouthigen konnte. 

Die Angelegenheit der Wähle apitulation trat hinzu, welche gleich- 
falU der Tagesordnung des Reichstags zugewiesen war*). Seit jeuer er- 
Rtea Capitulation vom Jahr 1519, welche als Grundlage für alle folgenden 
diente, hatte das Vorrecht der Kurfürsten, dem zu wählenden Kaiser die 
BediogODgen seiner Wahl vorzuschreiben, unangetastet bestanden; in vielen 
Pankten, wie die Erfahrung zur Genüge gezeigt hatte, eine wirkungslose 
Formalität, insofern sie darauf berechnet war, die Willkür des Kaisers ein- 
zaschränken; für diejenigen aber, welchen es ausschliesslich zustand, diese 
Bestimmongen aufzustellen, ein nicht allein ehrenvolles, sondern auch viel- 
fiiltig praktisch zu verwerthcndes Rocht, dcs^icn Besitz und Ausnutzung 
seiuen Tnhaberu in jedem einzelnen Falle mannigfache Yorthcile zu brin- 
gen pflegte. Aber auch gegen diesen Thcil der kurfürstlichen Prärogative 
hatte sich die Opposition bei den Friedenstractaten gewandt; die Forde- 
rung einer ein für alle Male geltenden ^beständigen Wahlcapitulation^ war 
erhoben worden; das Friedensinstrumeut verwies die Ausführung gleichfalls 
an den bevorstehenden Reichstag, freilich hier, wie in vielen Stücken, mit 
so unklarem Ausdruck, dass der Competenzcouflict zwischen Kurfürston- 
coUeg and Reichstag unmittelbar gegeben war über das Maass von Mit- 
wirkung, welches dem letzteren bei der Herstellung der neuen Capitulation 
zustehen sollte. 

Ein wichtiger dem Reichstag aufgegebener Gegenstand der Borathung 
war ferner die Frage über das Rocht der Achtserklärung. Die eigen- 
mächtige Weise, wie dieses namentlich von Ferdinand II. geübt worden 
war, hatte schon bei der Wahlcapitulation Fcrdinand's III. einen Zusatz 
veranlasst, vermöge dessen künftig keine Reichsacht mehr verhängt werden 
solle ^ohue Vorwissen, Rath uud Verwilligung des h. Reichs Chnrfürsten^ '^). 
Das Friedensinstrument wies auch hierin dem Reichstag die Aufgabe zu, 
neue Bestimmungen zu treffen und neue Garantien gegen den Missbrauch 
dieser Waffe von Seiten des Kaisers aufzustellen; es galt auch hier, an 
Stelle des von den Kurfürsten beanspruchten ausschliessliclien Contrule- 
rechtes womöglich eine umfassendere Betheiligung der Reiehsstände zu er- 
wirken^). 



*) S. hierzu die Schrift: «Oniinosa rerum series in praescntibus Tmperii 
Comitiis gestaruui, süu vcra Anonymi Uelatio de Caesaruae Capittila- 
iionis negotio a tempore inntauratao Westphalicae Pacis deprompta et ad 
septeonia usque Comitia coutiuuata (o. 0. 1G71 1673); sowie diu weiter unten 
in der brandenburgischen Ueicbstagsinstruction enthaltenen Bemerkungen. 

') Capitulation Ferdinand'a III. Art. 30. (Capitulationes cd. Limnaeus 
p. 674 718.) 

^ Es wird dies- in dum Artikel des Friedensinstruments nicht direct ausge- 
drückt, doch scheinen die Worte desselben: «de modo et ordine in declarando 
... in bannnm Imperii, praetor eum, qui alias in constitutionibus Im- 
perii descriptus est. tencnd^) agatur" wol mit besonderer Kiick:<icht auf 
den erwähnten Zusotz in üur ('apitulation Fcrdinand's III. gesagt zu sein; 
daas in der oben angegobeniMi Uiclitung sich schon vor dem Ueiclistng die Ab- 



142 



II, Dur Reichstag zu Regetisbnrg:. 



Unter den anderen dem Reichstag überwiesenen Geschäften ft^mden 
godaun die auf die Rcichästeaerverfassung bezüglichen in erster 
Reihe. Die Yerbesserurjg der Reichsnmtnkcl, wozu m viele Ansfitre im 
Lnnfe des späteren sechzehnten Jahrhunderts gemacht worden waren, sollte 
endlich hier Torgeuomraen werden; von vielen 8t&nden wurde Klage ge- 
führt über nnverhältni.^sniässig hoho Ansätze, während andere sich nnge- 
rechtfertio:tcr Exemtionen erfreuten; es war von dringender Nothwendigkeit, 
in dieses Wirrs^al von zum grossen Theil bestrittenen und geweigertea Ma- 
triculttrauschlägen endh'ch einmal eine anerkannte Ordnung eu bringen. 

Praktisch noch unmittelbarer wichtig aber war eiue andere Frage: die 
über den Bewilligongsmodus bei Reich 51^ teuern. Wie bei so vielen anderen 
Grundfragen des öOentlicheu Rechtes befand man 8ich auch hier in völlig 
nndefniirteu und undefinirbaren Zuständen. Feste gesetzliehe Bestimmungen 
hatte man, trotz mancher Ansätze friihert^r Zeiten, in keinem wesentlichen 
Punkte. Die Reformation und ihre Folgen, die Trennung der kirchlieben 
Parteien, die Stellung der meii^ten Kniser an der Spitze der katholischen 
Partei — all dies hatte es während des sechzehnten und siebzehnten Jahr- 
hunderts immöglich und s^elbet nicht wünschenswerth gemacht, dass in der 
Hand des Kaisers und der katholischeu Rciclistagsmajorität eine zwingend« 
Maschinerie lag, wodurch die Gesanimtheit der Reichsstände znr Entricli- 
tung einer Steuer genötliigt werden konnte, deren Ertrag dann vielleicht 
stur liekämpfiing eines Tlieils eben dieser Reiehsstände verwandt wurde. 
80 war das gesummte l?eichs,stcuerwej;eu ein wildgewachsenes^ Institut ge- 
blieben. Der einzelne auf einem Reichstag nicht erschienene oder niebt ver- 
tr(*tene Retcli^fürst pflegte in der Regel sich durch die dort geschehenen 
Bewilligungen lür nicht gebunden zu achten, sofern er irgend die äussere 
Mr>glichkeit liatte, diesen Standpunkt zu behaupten. Aber auch für die auf 
dem Reichstag anwesenden Stände gab es keine feste anerkannte Regel. 
Die laxen Formen des reicltstäglichen Geschäftsganges gaben bisher keine 
sichere Antwort auf die Frage, oh in Stenerbewilligungsachen die Minorität 
nn die Besehlu.sse der Majorität gebunden sei, und die vorwnlteade Ten- 
denz ßchien vielmehr dahin zu streben, dies zu verneinen und überhaupt 
jeden Einzelnen nur zur Zahlung derjenigen Steuer zu verpflichten, zu wel- 
cher er selbst seine Zustimranag gegeben. 

OnVnbar lag in diesem Punkte die entscheidende staatsrecIitHche Frage. 
Wir erörtern hier nicht die politische Seite der Bache: wie sehr oder wie 
wenig CÄ im Interesse der deutschen Politik nach unserer Auffassung dor- 
selbeu gelegen habe, dass eine Regelung dieser Angelegenheit in dem einen 
oder anderen Sinne erfolgte, wie sehr namentlich das Uebergewicbt der 
territorialen Entwickeluag des Reiches die Möglichkeit einer geordneten 
Strnerverfassung für das Ganze er^schwerte, und wie wenig wünschenswerth 
es im Grunde war, das 3 aiit einer ciolchen anerkannten und durchgeführten 
Ordnung das habäburgi^^che Kaiserthum eine neue Handhabe zur Beherr* 
Bchung ond Ausbeutung des Reiches erlaugte, Jedenfalls aber^ $0 lange 



Blühten namentlich der proteslaDtiacheii Faralenpartci bewegten, sieht man p. a. 
aus Moser von dcaen teulschcn IteiclistagsGescliiirtea p. 132 ff. 




Eioleitang, 



143 




in der Torstellang der geschlossenen Keichsetoheit festhielt, wie es 
Fowol in lier Nator der Dinge als in den Ueberzcaguugen nnd Stimmungc» 
H ilrr Mcn^ehfTi doch noch fest begründet lag: so war die Forderung, fiir 
' diese» Ganze eine legale Ordnung des Steuerwesens za gründen und ans 
d^ Uuklarheit der bisherigen formlosen Zustände herauszukommen, eine 
folHcoaimen formal berechtigte und natürliche. Man konnte sagen, dass 
äffjeitt im Reich begründete Frieden zwischen Haupt und Gliedern, rwi- 
lehen ult^m nnd neuem ßekenntni^s die Bedenken hinwegräntnte, die sicti 
frdktr gtgeo eine solche Regulirong anführen liessen. In der Frage über 
I difGeHmig von Majoritiiti5beschlüs^en bei der Verhandlung über geforderte 
Hdebseteoern lag aber der Kern der Sache, und das Friedensinstroment 
)attt dieselbe in bestimiuter Weise dem Programm des nächsten Reichstags 
EOgiwSeseu: ^qnod vero ad pluniütateni votorutn in nmteria eolleetarum at* 
tinet, com res haee in praesenti congressu decidi non potuerit, ad proxima 
[tia remhsa esto*^*). Sie sollte eine der Capital fragen bei den Verhand- 
diescs Reichstags werden. 
ie Streitigkeiten, welche sich an das Institut der ordinären Reichs- 
dtpalatioQ knüpften, waren ^eit dem Frankfurter Deputationstag von 
1043 1 wieder lebhafter aufgenommen worden"). Das Friedensinstrument 
biu für den einen der dort obwaltenden Missstünde in bestimmter Weise 
Abhilfe Tcrfiigt; es bestimmte, dass in diesem Reichscollegium die Parität 
NJioli(»cher nnd evangelischer llieilnehmer herzustellen sei. Dem Reichstag 
MM bier nur das Geschäft übrig, diesen iiepchluss durch die Wahl einer 
Auiahl Ton evangelischen Ständen, als neuen Mitgliedern des Fürstenrathrs 
«irr r> I II, xur Ausführung zu bringen'*). Ein anderer brennender Strrit- 

piiiitvi iibei freilich unerledigt; die Herstellung der Parität der Zahl iier 

I>irptitationsmitglieder nach wurde zu einer Concession ohne allen prakti^ 
iekaWertli fiir die Evangeliscben, wenn man bei der bisherigen Geschafts- 
ofdnaug blieb, wonach, ebenso wie auf den Reicbstagen, Kurfürstenculleg 
oad Fiiretencolleg in der Deputation als gesonderte Curieu beriethcn und 
l^schlossen: dann stand das Kiirfürstencolleg mit seiner kathulischen Ma- 
jorität als ftequivalente Stimme der des paritätische n Fürstearathes gegen- 
ölitr» die Ent-eheidung des Kaisers zwischen beiden fiel voraussichtlich 
»ifiAten« zu Gunsten der katholischen Partei, und so blieb die scheinbare 
doch ohne alle wirklichen Folgen. Man konnte auf zweierlei Weise 
Uebelscand abhelfen, entweder indem man das Gesetz der l*a- 
ftoch in den Kurfürsten rath trug durch Uinzufiigung einer neuen evan- 
en Stimme in demselben, oder iiidera man die beiden Curien der 
deputation zu einer einzigen zusamraenfügtej so dass in diesem pari- 
leo Gesammtcollcgium dann viritini abgestimmt wurde. Das letztere 
lUch war schon seit langem die Forderung der protestantischen Für- 
Btcnpartet gcwegen; jetzt war auch diese Angelegenheit auf die Tagesord- 
saa^ des bevorstehe nden Reichstags gesetzt worden« 



■> In ei Pac. 0§n. Art V. §. 52. 

•) Verigl WenBU Urk. u. Acteuat L p. 804; und Graf Wuldeck p. 106 £ 

■^ ¥«fft fieiohMbschied von 1654 §. ]f>4. 




'Der Rei 



Eine andere eUentliümlicht und neue Aufgabe trat ferner hluzü. Die 
zerrütteten ökonombchen Verhältüisse, welche der Krieg in dein grössten 
Theil von Deutf^cbland hinterlassen hatte, schienen eine allgemeine dnrcli- 
greifende Maassregel znr Abhilfe zu forden. Neben allen übrigen Miss- 
hliintJen machte besonders die durch die Xothe des Krieges in weitesten 
Kreii^cn des Privatlebens eiugerissene Verarmung und Verschuldung 
^ich als ein sehr bedenkliches Symptom bemerklieh; au vielen ötelleu war 
diesselbe zu solcher Breite und Höhe angewachsen^ dass augesichtü der 
zabllosen 8chuIdprocesse durch kein anderes Mittel als eine allgemeina 
8cbuldenreductton dem Ucbel gesteuert werden zu können schien, öeit 
einiger Zeit schon war die Angelegenheit Gegeu!<tand mannichtacher Dh- 
cUisi^ion gewesen"); in Osnabrück nnd Münster war dt gleichfalls zur 
8pracho gekommen und von vielen Seiten her die Forderung erhoben wor* 
den, dass durch ein Reichsedict vorläutig alle schwebenden Scbuldprocesiie 
huspendirt und von lleichs wegen auf Mittel gegen die allgemeine Schuld* 
notli gedacht werden nlüs^^e'^). Das Friedensins^trument hatte sodann dem 
Kaiser die Verpflichtting aufgelegt, über diese schwierige Sache Gutachten 
von Seiten des Reichshofraths und des Reichskammergerichts ausarbeiten 
jtn lasiien^ welche dann dem lleich{<tag ab Material vorgelegt werden soll- 
ten; es war diesem die Aufgabe gestelltj Mittel und Wege aui&hndig zu 
machen r wie sich der Noth steuern und die Masse der schwebenden Vro- 
cesge zu einem Anstrag bringen Hesse; bis dahin war bowoI den Ueich&- 
gr-ncbten als denen der Territ«}rien auferlegt, mit möglichster Mässigung 
und Schonung zu verfahren '^). 

[Nimmt man zu allen diesen bisher aufgeführten dem Reichstag aufge- 
tragenen Geschäften noch hinzu, dass derselbe auch noch eine Reform den 
11 L' i c h s g e r i c h ts w e s c u i> ( wolür allerdings der lleichsdeputatioußtag eu 
Frankfurt 1643 ff. bereits gute Vorarbeiten geliefert hatte), desgleichen de^ 



••) So begegnen hüafige Verhairdlungen darüber acbou in den kurmärkischeo 
Landtagsacten aus dem Au fang der vierziger Jahre. 

»«) V. Meiern Acta Pac. Wegfpb. 1. 749. 776, 805, VI- 608. 761 öl 
") Inst, Pac. Obu. Art. VIII. §.5. — Ea iat der In jener Zeit viülbespro- 
clietie §. lii' iminij>tthin. In Hezttg auf deuaeibeu vergL beBouders y. Meiern 
UegenBb. ReiclistugsUuodl passim; Ffanuer bist, comit. p. 436 IT* Besonders 
wlebtig zur Keimtuigd der hier eioschlageirduii Verhülluisiäe und der dartib«? 
herracbeudtjn Stlinniuugea mud einige wenig bekannte Flugächriften , die hier 
ver^teichnet werden Bollen: 1) Ein Nen* Nutzlich- und Lnstigä Colloqaittm 
von etlichen Heichi^tugs Puocten. lusonderheit die Reformation der Zültea, 
Zinszahlung uud Verbeseserung der Matncul anirelfend, (Coll^queuteu aejrn 
iJuctor, Kdelmüii, Bürger» Baur). o. O. u, J. 120 pp. 2) Fostcolloquinm 
desz Doctora Edelumna Bürgere Banreu über IX Caspar Mantzen Neuen New- 
pfält zischen Cautzlers Epistolam ad fictitiara Amicum- übi Aainus larvatus de- 
Iraeta larva spectandas. o. 0. u. J. 48 pp» 3) Ein new- nützlich- und lustigf, 
widerhültea, verbessertes uud mit zweyeu Personen vermehrtea Anti-CoUo- 
qiuiim, von etliclieu ReichstagÄ Puncleii» inaonderheit die Bezahlung der Zin- 
»en tind anderer Sclmldeii belreETeud, A. ü. MDCLIII. (GegeDöchrift gegeu Ij 
Vergb auch Sprenger luccma lugderui «tatuä S. Uum. [mperii p. 4^, 



Eiotoitnug. 



145 



Poliseiwesens, die Verbesserung der Sporteltaxe beimReichskammer- 
gerichtr die AbstelluDg der ßescbwerdeu über die Führung des Dlrecto- 
rinrns bei den Reichscollegien'*) und andere nicht specificirte Aufgaben 
voUbriDgeu sullte: so war, wie man erkennt, die&ier Versammlung eine so om- 
fftssende, TieUeitige und in die wiehtigsteu GrandTorhältuisse der Keichford- 
naogen eingreifende Thätigkeit zugewiesen, wie sie nur selten einem deut- 
K4?ben Reichetage obgelegen hatte *^). Freilich lässt sich nach der Natur und 
Praxis dieser Institution auch das Schicksal jener Vorlagen Ton vorn her- 
ein mit ziemlicher Sicherheit voraussehen: nur der atlerkleingte TheÜ der- 
lolbea hat damals in Regensburg seine Erledigung gefunden; bei weitem 
Mehrzahl gingen als Erbstücke auf den dann folgenden Deputationstag 
TOü diesem auf den weiterhin folgenden Reichstag über, der im 
Jahr 1663 eröffnet wurde und von da ab bekanntlich permanent zusammen- 
blieb. Hiermit itt bereits gesagt, dass die meisten überhaupt niemals über 
das Stadium der Verhandlung hinaus und zu einem formellen Abschluss 
gelangt sind. 

Aber jetzt, im Anfang der fünfziger Jnhre, sah man mit Spannung 
ikm be rarstehenden Reichstag entgegen, der das Werk der westfälischen 
ficaüon für Deutschland zu Ende führen sollte. • 

Die Eröffnung zog sich bei weitem länger hin als das Fridensinstru- 
MUt e8 vorgesehen hatte. Zunächst erfolgte die Ratification des Friedens 
crti am 18. Febr. 1G49. Dann traten die langwierigen Verhandlungen zu 
Plag und Nürnberg über die Fricdensexecution in den Weg; vor ihrem 
AhMihlQSS war au die Berufung des Rt^ichstags nicht wol zu denken. Erst 
io d*»r Alitte des folgenden Jahres kam man mit dem Executions-Recess 
sa Ende; die Ausführung seiner Bestimmungen, die nicht ohne vielfältige 
Weiterungen von fcjtatten ging, war Aulass zu neuen Zögerungen**). Ne- 
Wn ftoderem waren es besonders die schwierigen Auseinandersetzungen 
iwiimhen Brandenburg und Schweden, welche, wie früher gezeigt worden 
iit, wesentlichen Antheil an der Hinausschiehuug des Eröffnnngstermines 
buuen; die letzten Stadien der hierauf gerichteten Verhandlungen, soweit 
tie aoeh in Regeusburg selbst sich abspielten, stellen sich in dem ersten 
TlwfO der nnten mitzutheilendcn Acten dar. 

Indtrss würde es der brandenburgis^chen Politik wol schwerlich gelnn* 



**^ Gemeint waren beaandera die Beschwerden, die man gegen Kormiiina in 
mmtr Führung d«8 Üirectoriums bei den Keichstagen lintte; s, darüber den 
Atfuit: ^VerzelchoiBs der Gravaoiiaa vieler Reichs • SUlnde wider Chur 
Itaiaz «ad das Directorium" bul lle uu t ge 8 raedltutioues ad losu Pac. p. VJBi fH 
AuaenieiD io ähnlictier Weise gegen uns Directorium ^ das im Furstenratb des 
Bvidiitag« O Österreich [abwechäelud mit Salzburg) fahrte; und ebenso viele 
Coiitroversiea, die sich in den eiazelneu Kreisen in Betreff der Fübrnog des 
Krttitdtraetaninna he raosge stellt hatten» 

^ TgL ia Betreff des Einzelneu auch die unten folgende brandenborgische 
JMdlftagttiurtructio n. 

") Yergi aber diese Zwischenatadien das Nähere Urk. n* Actenst. IV. 



, 4, Gr. KurmrsUD. Vi. 



10 



146 ^^* ^®^ Reichstag in Regensbarg. 

gen sein, das Zageständoiss dieses Aufschubs zu erlangen, wenn nicht die 
eigenen Interessen des Kaisers denselben ihm gleichfalls erwünscht ge- 
wacht hätten. Man erkennt aus der obigen Aufzählun«; der diesem Reichs- 
tag überwiesenen Geschäfte, dass der kaiserliche Hof den Verhandlungen 
nicht ohne manuichfache Besorgnisse entgegensehen konnte. Zu umgehen 
war der Tag nicht; es galt vorher womöglich wenigstens der einen und 
andern der dort drohenden Gefahren die Spitze abzubrechen. 

Nichts aber lag Kaiser Ferdinand III. mehr am Herzen, als die 
Wahl seines ältesten Sohnes zum römischen König noch bei seinen Leb- 
zeiten zu erreichen. Jene Clausel des Friedensinstrumentes (oben p. 140), 
welche dem lleichstag aufgab, unter Mitwirkung der gesammten Stände 
feste Bestimmungen über den Modus der Köuigswahlen überhaupt zu tref- 
fen, verhiess, bei der wolbekannten Stimmung der nicht - kurfürstlichen 
Stände, für die Zukunft vielerlei neue Schwierigkeiten; es war daher von 
der grössten Wichtigkeit, eine solche Wahl jetzt noch vor Eröffnung des 
Reichstags durchzusetzen; dann war die österreichische Succession wieder 
für ein Menschenalter gesichert. Die diplomatischen Vorbereitungen dazu 
erforderten Zeit, und es war dem kaiserlichen Hofe um so willkommener, 
wenn man die Verzöfferuup^ vornehmen und die Verantwortung dafür auf 
andere Personen und Verhältnisse wälzen konnte. 

Der Congress des Kaisers mit den Kurfürsten in Prag, über welchen 
früher das Erforderliche beigebracht worden ist'*), hatte diese Angelegen- 
heit wesentlich gefördert; Ferdinand III. hatte über die geneigten Ab- 
sichten der meisten Kurfürsten genügende Zusicherungen durch mancherlei 
geleistete oder versprochene Gegendienste erhalten; auch der Brandenburger 
hatte unter dem Vorbehalt der mit kaiserlicher Hilfe vorher zu erledigen- 
den Differenz mit Schweden seine vorläufige Zustimmung gegeben. Inzwi- 
schen war das formelle Ausschreiben zum Reichstag für den 31. Oct. 1652 
bereits erfolgt ") ; unmittelbar nach jenem Congress in Prag brach der Kai- 
ser nach Regensburg auf; er Hess sein erstes Geschäft sein, von dort aus 
die Angelegenheit der Wahl in Gang zu bringen, die in Augsburg vorge- 
nommen werden sollte '*). Wir theilen unten die wichtigsten auf dieses der 
eigentlichen Eröffnung des Reichstags vorangehende Geschäft bezüglichen 
brandenburgischen Acten mit. 

Auf eine Reihe anderer den Verlauf des Reichstags begleitender Ne- 
benverhandlungen und Incidenzfälle gehen wir hier nicht ein; sie finden 
theils in den Acten selbst, theils in den beigefügten Noten und Verweisen 
ihre genügende Erläuterung; wie die lothringische Invasion an den west- 
liehen Reichsgränzcn, wie die Admi.Ksion der neucreirten Fürsten in den 
Fürsteurath des Reichstags, wie die Angelegenheit der Evangelischen in 
den österreichischen Erblanden u. a. m. Dasselbe gilt von den speciellen 
Beziehungen Brandenburgs zu dem Kaiser, welche, wie bei vielen anderen, 
auch bei dieser Gelegenheit wieder zur Verhandlung gebracht wurden, und 

<*) Ebenda!. IV. p. 839. 911 ff. 

>•) Dat. Wi«n 22. April 1652. Londorp AoU Pabl. VL 65& 

*") Vergl. anten dat. 29. Jan. 1653. 



EinleituDg. 1 47 

^velche unten in dem letzten Abschnitt der umfassenden Reichstagsinstrnction 
safgezählt sind. Ueber eine dieser brandenbargiseben Particularangelegen- 
lieiten, über das Yerhältniss der clevischen Stände zu Kaiser und Reichs- 
^agy darf auf die eingehenden Mittheilungen in einem früheren Bande dieser 
Pnbllcation hingewiesen werden'*). 

Den Hauptinhalt des vorliegenden Abschnittes bilden die Berichte der 

Xrandenbnrgiseben Gesandtschaft ans Regensburg; neben den Gesammt- 

xelationen sind besonders die Schreiben von mehr persönlichem Charakter* 

nichtig, welche daneben Blume nthal als Haupt der Gesandtschaft an 

den Kurfürsten richtete. Ausserdem liegt ein Theil des Privatbriefwechsels 

Ton Blumen thal während dieser Reichstagsmission vor, aus welchem 

sich zahlreiche Erläuterungen zur Geschichte des Reichstags ergeben. Was 

daraus mitgetheilt wird, ist theils der Berliner Sammlung der Reichstags- 

acten selbst, theils dem Waldeck'schen Briefwechsel im Archiv zu Arolsen, 

theils auch drei Bänden Copialbüchern entnommen, welche die Correspon- 

denzBlnmenthars aus dieser Zeit enthalten und welche ans seinem Nach- 

lass in den Besitz des Staatsarchivs gelangt sind*'). 



*')'Urk. u. Actenst. V. p. 593 ff. 

**) In Betreff der gedrackten Hüfemittel ist aaf die schon erwähnten Werke 
von V. Meiern aod Pfanner hinzuweisen; das Werk des letzteren beruht 
dorehaos auf urkandiicher Grandlage; dem Verfasser standen die herzoglich 
sichsischen Beichstagsberichte zur Verfügung. Auffallend ist, dass Pufendorf 
i& seinem Werk über den Kurfürsten Friedrich Wilhelm den Regensburger 
Beichstag nur sehr beiläufig behandelt. Die Schrift: Comitiologia Ratia- 
honensis de Anno 1654, durch G. v. H. vom Adel aus M. Bremen 1657. (Got- 
^ed v. Hageq) ist sachlich von nicht sehr grossem Belang. Von neueren Bear- 
beitern hat zuerst Droysen Gesch. d. preuss. Politik III. 2. p. 87 ff. diesem 
Reichstag eine seiner Wichtigkeil entsprechende Behandlung gewidmet. Daneben 
▼ergUErdmannsdörffer Graf Georg Friedrich v. Waldeck p. 82ff. 



10* 



II. Der Reichstag zu Regensburg. 

1652 — 1654 



Instruction für Joh. Friedrich Freiherr v. Loben, Matthias 
V. Krockow, Claus Ernst v. Platen, Joh. Fromhold und Joh. 
Portniann auf den Reichstag zu Regensburg. Dat. CöUn a. d.Sp. 

6. Dec. 1652. 

[CeremoDialieD ; SessioDsaDgelcgenheiten ; Revision der Wahlcapitalation ; die 
Differenz über die Augustana. — Die drei Hauptpunkte des kaiserlichen Aas- 
schreibens. I. Maassregeln zur Befestigung des allgemeinen Friedens. II. Die 
bei den westfälischen Tractaten für den Reichstag reservirten Angelegenheiten. 
Restitutio in integrum des Reiches. Verbesserung des Reichsversammlungswe- 
sens. Moderation der Reichsmatrikel, mit speciellem Bezug auf die jälicb-cle- 
yischen Lande und auf die brandenburgischen Stifter, sowie andere incorporirte 
Landestheile. Reduction der Matrikel für Magdeburg. — Wie es mit Achtserklämn- 
gen zu halten; desgleichen mit der Translation verwirkter Reichslehen. Die Direc- 
tion bei den Reichsversammlungen. Die Wahlcapitalation für den künftigen Kaiser. 
Monita zu einzelnen Artikeln derselben. Die Frage der Betheiligang der nicht- 
kurfürstlichen Stände an der Abfassung der Capitulation. — Die Lage der Evan- 
gelischen in Schlesien. Die Reichssteuerfrage. Der Termin 1624 für Kirchen- 
sachen. Reichsmünzwesen ; die brandenburgische geringhaltige Usualmünze. Das 
Credit- und Schuldenwesen im Reich ; Vorbehalt für die Landesgesetzgebungen. 
Zollsachen. IIL Neue vorher nicht specificirte Fragen. Die Erbverbrüderang 
mit Sachsen und Hessen. Jägerndorf. Die Jülich -Clevische Succession. Die 
Magdeburger Weigerung der Erbhuldigung. Die Breslauer Schuld. Religions- 
sache in den jülich-clevischen Landen. Der Pfalz-Neuburgische Kriegsentschä- 
digungsanspruch. Die clevischen Wasserlicenten. Der Streit mit der Stadt Her- 
vord, und verwandtes. Die pommerische Differenz mit Schweden. Das Sessions- 
recht von Hamburg und Bremen. Geschäftsvertheilung. Der Cardinal v. Harrach 
und die Probstei Halberstadt. Das Postregal und der Streit mit dem Grafen 
von Taxis. Die niederländische Gesandtschaft in Regensburg; Anregung einer 
Universalalliance der Reichsstäude mit den Generalstaaten.] 

1652. V. Loben, Krockow und Fromhold sind für den Kurflirstenrath 

6. Dec. bestimmt; die pommerischen Lande im Fürstenrath vertritt Fromhold 
oder PortmanU; Halberstadt und Minden Portmann. 



XnstmctioQ zam Ueiobgtag« 



149 



Folgca znnäclist die Curialien; in Betreif der Yi.sitett ist eß Herkom- 
3iieii, dass köüigiiciie uud kurfürstliche Gesandte, die zuerst am Orte sind, 
^ea nach ihnen ankommenden gleichen Rangs die erste Visite machen, 
nachdem ihnen die Ankunft angezeigt worden i&t; nur den kaiserlichen Ge- 
sandten (falls nicht der Kaiser selbst anwesend ist) wird die erste Visite 
jremaehi. 

Weil auch von Alters hero nicht brüuchlich ^wesen, dass, wann 
Fürsten, ßo in Person bei der Kaiserl. Tafel aufgewartet und eich ge- 
deckt, die Churf, Gesandte mit entblössten Iläuptcrn stehen müssen, 
L^ündero wann die Fürsten gedceket, die Churf. Gesandte dergleichen 
Lggethan; ein andres aber a. 1G42, wie der junge Pfalzgraf von Neu- 
burg gedecket uud die Churf. Gesandte entblösset stehen blieben, eiu- 
gefUbret werden wollen: so haben Unsere Gesandten sich dieöfulls 
mit den anderen Churf* Legatis zu conjungiren, damit es bei der alten 
Observanz verbleibe, das», wann ein Fürst aufgesetzet, sie alle der- 
gleichen thun, I, Kais. Maj. winken, wie gebräuchlich, oder thuen 
ea nicht. 

Im Karfürstenrath hat Kurpfalz die letzte Stelle nach dem Instr. Pac, 
eiüiUDehmen. Besonders ist aueb darauf zu sehen, dass die Aneprüche der 
Venezianer anf eine Präcedcuz vor den Kurfürsten nicht zur Perfcction 
kommen. 

Im Fürsienrath hat der Gesandte den früher von Meckclnhurg, Hessen, 
Hulstein, Würteuberg und liaden bestrittenen Vorrang einzunehmen; höch- 
$l€ui Süll er sich darauf einlassen, den Streit (wie auch sonst geschehen) 
för diesmal ohne Präjudiz durch da^ Lous entÄcheiden zu lassen, Mit 
tScliwedeu sind die ^esj^iünsverhältuisBe im lu&tr, Pac. geregelt. 

Gegen eine etwaige Ergreifung der Session für die Jülichächeu Laude 
durch Kursachseu haben die Gesandten Protest einzulegen, 

lü allen Stücken sollen die Gesandten darauf halten, dass die Reichs- 
«Atiuagcn und das Ilerkommeu bis auf das Instr. Pac. und die Capitulation 
»I«?* jetzigen Kaisers streng beobachtet werde* 

Könnte aber die Capitulation in etlichen Punkten noch ver- 
bessert werden, sollen Unsere Abgesandten daran keine Mühe noch 
öorgf&lti^keit sparen, auch deshalb mit Unscrn Herrn Mitchurfürsten 
und Äonderlich Chnr Mainz Ld. fleissige Communication halten und 
weh denselben conformiren und von allen Uns ausführlichen Bericht 
JH liMcrer fernem Resolution berichten. Dann der Beschwerungen 
wilder Zweifel viel vorkonmien werden, wie den Keichsständen, in* 
«<mderheit aber den Chnrfür^tcn, da tsieder in viel passibus grosser 
Eintrag gescheheiL Weswegen sie dann mit den anderen Churf. Ge- 
sandten, und wann in Religions- und dahin laufenden Sachen etwas 
^'urkäme, mit Chur Sachsen und Pfalz gute Correspondenz und so viel 
nögticli Coufgnnität halten sollen. 



150 ^ ^®' ReicbBtag zn Begensburg. 

Da aber die Chursächsische bei den gemeinen expeditionibus das 
Wort „ungeänderte Augsburgiscbe Gonfession^ gebrauchet 
haben wollten, werden Unsere Gesandten glimpflich zu suchen haben, 
solch Epitheton auszulassen, sintemal Uns gnugsam bekannt, was hier- 
unter gefährliches zu eines und des andern Ausschluss gesuchet wird. 
Dann ob Wir wol wegen der Augsburgischen Confession nichts neues 
oder einige Aenderung zu machen gemeinet, so lassen Wir es doch 
bei dem, wessen sich die gesammte Stände der Augsbyrgischen Con- 
fession diesfalls albereit a. 1561 zu Naumburg auf ihrer Zusammen- 
kunft deutlich genug erkläret, ohne alle Neuerung bewenden*). 

Wann sie auch vermerken, dass Unserer Mitchurfbrsten Gesandte 
in anderen Gedanken als sie sein, daher der Schluss per majori 
widerwärtig zu besorgen, sollen sie sich zwar in kein unnöthigei 
Disputat einlassen, als welches nur zu Unser invidia gereichen und 
keinen nachdrücklichen Effect haben möchte*, dennoch sollen sie mit 
ihren Erinnerungen ungeachtet, sammt wären die majora gleichsam 
schon gemachet und also Unser Votum undienlich und ohne Kraft, 
nicht zurUcke halten, sondern dasjenige, was sie der Nothdurft m 
sein befinden, anzeigen und zwar mit solcher Manier, dass Ghur Mainz 
nicht bald zu schliessen Anlass und Ursach bekomme, sondern dat 
Werk auf eine anderweitliche Umfrage zu stellen genöthiget werde. — - 

So yiel das Hauptwerk betrifft, befinden Wir, dass das Kaiser! 
Ausschreiben gleichsam auf drei puncta gerichtet: 

Einmal wie nicht alleine der aufgerichtete Friede zwischen Haupt 
und Gliedern unter ihnen selbst und dann auch mit den ausländischen 
Potentaten desto mehr befestiget, sondern was nach Inhalts desselbi- 
gen etwa noch zu exequiren hintersteilig, dass solches dermaleina 
wirklich exequiret werde; und 

Pro secundo, dass alles was in dem Instrumento Pacis zu wei- 
terer Deliberation und Vergleichung ausgesatzt und auf allgemeinen 
Beichstag remittiret, bester Maassen bedacht, berathschlagt und erör- 
tert werden möge. 

Tertio: dass die Instructio also eingerichtet sei, damit die Ge- 
sandte auf alle und jede Punkten, auch diejenige, so die Rom. Kais. 



') Evangelischer Fürstentag zu Naumburg im Januar und Februar 1561, 
auf welchem die Aug^stana von 1530 mit einer neuen erläuternden Vorrede und 
unter Vorbehalt der Gültigkeit auch der Ausgabe von 1540, von den anwesen- 
den protestantlechen Standen von neuem unterseichnet wurde. 



InitmctioD tnm Reiehstag. 



151 



förfallciider Noth imd Gclr^enheit nach möchte fllrtragen lassen, 
ohn Hinterbringen zu schliessen AfacLt haben ßollten, 

1. Bei dem ersten Punkt wird das beste Mittel zu Bestätigung 
eines allgemeiuen Friedens sein, dass Ober den Reichs Cnnstitutioni- 
bii8, insonderheit über dem HeligionstVieden de a. 1555 und numehr 
ober dem Instr. Pac. und darin klar deeidirten i^achen steif, fest und 
unverbdlchi^ gehalten, diejenigen Reicbsstäude, so den etfecluni des 
allgemeinen Friedens noch nicht empfunden, plenarie, und z\?ar nc»ch 
bei währendem Reichstage bei Verlust ihres aus dem Instr Pac. ihnen 
«0D8t competirenden Rechtens M, restituiret, auch im Reichshof rath und 
Kai«. Kammergericht einem jeden schleunig und unparteiisch justitia 
administriret und mit den Ausländischen gute Correspondenz und 
Freundschaft gehalten, und keinem absquc iusta et urgenti causa bel- 
lum üffensivum infcriret, zuvor auch mit den Statibus, imprimia Electo- 
ribu8 Imperii, daraus coinmuniciret und ohne ihren Vorbewusst und 
Einwilligung kein Krieg decerniret werde. Und werden hierin Unsere 
Gesandte mit der andern Reichsstiinde Botschaften und etzlichen con- 
Meaten Reichshofräthen Üeissig communiciren und dahin sehen, dass 
ioioDderheit das Justizwesen wol eingerichtet und allen bishero für- 
gMgenen Mängeln remediret w^erden möge* 

IL So viel nun ferner den andern Punkt betrifft, ist aus dem 
loitr. Pac, Art. 8^^ zu beünden, dass bei der zu Münster und Osna- 
brück gehaltenen Friedcnshandlung etliche puncta ausgesatzt und zur 
all^meinen Reichsversani mlung verschoben worden. Und wird dem- 
flieh unter solchen capitibus zufordcrst zu urgiren und zu sollicitiren 
sein, damit alle Circuli Imperii zur Vollkommenheit befordert, die 
Matricula des Reichs ert\lllct und alle eximirte und ausgezogene Stände 
Unwieder darzu gebracht werden mögen. Es ist dies fast auf allen 
Imperii Conventibus mit sonderbarem Fleiss gesuchet worden und 
deoDoch niemals zu einigem Schluss gekonjmen. Indessen werden 
ricl Status des Reichs durch der ausgezogenen Stände Ausfall gra- 
rirel und gerathen darüber ohne ihre Schuld und Verursachen in ein 
trecken. 



^) Sic. Der Auedruck ist etwas unklar; die Aadrohuiig des RocbUverlosteB 
ütÄI omtürlicK die, welche die PlenarreßtitaUau nBdercr Stiiüde verhindeni, uod 
i»t dabei besooders an Schweden uud deine uocü andauernde Uccupatiou tqq 
I fiiltteTpolomtra gedacht. 



153 ^* ^®' Reiohstag zn Reg^nebarg. 

So ist auch in dem Instr. Pac. dicto Art. B^o mit gedacht und 
erwähnet, dass bei künftiger Reichsversammlung alle Mängel der vori- 
gen Conventen verbessert werden sollten. Haben demnach Unsere 
Räthe und Gesandten zu vernehmen, was solcher Mängel halber von 
einem und dem andern moviret und erinnert werden möchte; darauf 
sie sich derjenigen, so mit gutem Fug und Recht Beschwerungen zu 
flihren haben, mit gebührendem Ernst und Eifer werden anzunehmen 
vnssen. 

In specie werden viel Fürsten und Stände des Reichs Klage führen^ 
dass sie in den Keichsanlagen zu hoch beschweret und über ihr recht- 
mässiges Contingent prägraviret sein, und dieses Werk thut Uns auch 
insonderheit concerDiren. Dann einmal ist es an dem, dass sieder 
tOdtlichen Abgang Herzog JohannWilhelms zu Gülich und Cleve etc. 
unter den Landen Cleve und Mark an einem und Gülich, Berge und 
Ravensperg am andern Theil wegen ungleicher Matricul nicht geringe 
Differentien gewesen, do Unseren Landen Cleve und Mark, intuitu der 
Herzogthümer Gülich und Berg, auch Bavensperg gar eine ungleiche 
CoUecta aufgebürdet worden, von welcher Ungleichheit in Unserer 
Clevischen Registratur sich gute Nachricht findet. Dieweil nun bei 
itzigem Reichstag die Redressirung der Matricul insgemein befordert 
werden soll, sollen sie nicht allein auf das totum und generale ihre 
Reflexion haben, sondern auch vornehmlich und in specie sich dahin 
bemühen, dass darunter auch die Kedressirung der Matricul zwischen 
bemelten Herzogthümern und Grafschaften förderlich an Hand genom- 
men und Unsere Clev- und Märkische Lande Erleichterung empfinden 
mögen. — 

So viel das Contingent der Ghur und Mark Brandenburg zu den 
Reichssteuern antrifft, seind Wir zwar dasselbige zuzutragen ganz 
willig und geneigt; man unterstehet sich aber doch, ratione der Stifter 
und Bisthümer Brandenburg, Havelberg und Lebus, wie auch we^en 
der respectiven Graf- und Herrschaften Ruppin, Schwedt und Vierra- 
den Uns absonderliche coUectas anzumutheu, da doch Wir und Unsere 
Ghurf. Vorfahren zu allen Reichs-, Kreis-, Türken- und andern Steuern 
ab immemoriali tempore nicht mehr dann zum einfachen Römerzug 
1828 fl. Rheinisch zugetragen*). Und obwol a. 1603 der angegebene 
Procurator Fisci zu Speyer sich unterfangen, Uusemi hochgeehrten 
Herren Eltern Vätern, Herrn Joachim Friederichen, hochlöbl. Ge- 
dächtniss, wegen ermelter Stifter etwas zuzuschreiben, so ist doch 



*) Vgl. Urk. u. ActeoBt. L p. 771, 



InatnictioQ zum ReiehEtag. 



153 



dazumal gründlich beantwortet und Unsere Exemtion derg-e- 

üt deduciret worden, dass es von dcrselbigen Zeit dabei geblieben 

«ind weder Unsern Vorfahren noch auch Uns ferner lis moviret wor- 

<3en. Hat also diese pracßcriptio vim privilcgii^ tituli et concessionig; 

mmd dabei ist ea auch bei den Anlagen, so zu Münster und Osnabrück 

^machet worden, gelagsen. Und haben die Scbwedeu respectn ilirer 

Satisfactiongelder, so doch nach des Reichs Anlagen und V'erfassuu- 

^B eingetheiletj von Unser Chur und Mark Brandenburg ein mehrera 

dann die 1828 H. Klieinisch nach Anlage eines jeden Rümcrzugea 

nicht bekommen. Sollte aber dieses Punkts halber von den anderen 

Keichsständen nichts moviret werden, haben es Unsere Abgesandten 

auch zu Übergehen und nicht auf die Bahn zu bringen. 

Nachdem auch dem Erzstift, numehr aber per Instr. Pac. Uns 
nigeeignetem Herzogthum Magdeburg vier Aemter, als Juterbock, 
Dahme, Burg und Querfurt abgenommen und Chur Sachsen zugcleget, 
die beide Landstädte Neustadt - Magdeburg und Sudenburg totaliter 
miniret und eingeäschert sein, dergestalt dass dieselbige vor gUuz- 
lieber Wiederaufbauung dem Lande, wie vorhin, nicht mehr zu Hülfe 
kommen können: so muss auch hierin nothwendig eine Aeudcrung und 
Moderation getroften, die Magdeburgische Matricul reformiret, gerin- 
gert und der vier Aemter Quota Chur Sachsen zugeschrieben werden. 
Welches dann sonder Zweifel des jetzigen Herrn Admiuistratoris Ld. 
oder anch die Landstände wol eifrig urgiren werden; mit denen sich 
soleben Falls Unsere Gesandte billig zu conjuugiren, widrigen Falls 
aber von sich selbst in Unserm hohen Namen wegen Uusers hierunter 
Tensirenden Interesse der Gebtthr zu vigi Liren und die Nothduril zu 
befördern wissen werden. 

Femer befinden wir, dass unter den ausgesetzten Punkten mit 
llto, wie mit den Ach tser klär ungen, dafern ein solcher Fall sich 
zutragen sollte, zu verfahren. Da haben nun Unsere Käthe und Ge- 
BSiidte festiglich und inständig zu urgiren, dass es bei der Reichs- 
Mpitulatiun, so die jetzige Rom. Kais. Maj* bei Antrotung Ihrer lüg- 
niiäi des R5m. Königs zu Kegensburg am 24. Dec. a. 1636 bestätiget 
und sich darzu verbindlich gemacht, allerdings verbleiben möge, näm- 
lich: dass kein Lob er oder nieder n Standes Clmrfürst, Fllrst oder 
andere uugehoret und ohne Vorwissen, ßath und Verwilliguag der 
Reichs ChurfÜrsten in die Acht und Oberacht gethan, gebracht oder 
erkläret, sondern ordcutlieher Processus angestult und des ffeichs 
Satzungen nach Ausweisung der reformirten Xanmiergerichtsordnung 
ttod darauf ertblgte Abschiede allerdings nachgelebet werde, jedoch 



154 



II. Der BeicbsUg zn UegenshuTg, 



dem Bescbädi^len sein Gewclir verningc des Landfriedens 
brüchig. Wäre es aber, dass die That ganz notorisch und offenbar^ 
der Friedbrecber auch in seinem Verbrechen beharrlieh und tbätUch 
ftirtführe, ob es wol alsdann nicht eben eines sonderbaren ordinär 
Processus von Nöthen^ so mlisste dennoch in diesem Fall mit Zuzie- 
hung des Reichs Churfllrsten , mit welchen vor der wirkliehen Aebts- 
erklärung zu eomnuiDiciren nöthig, verfahren werden. Wider einen 
Churfürstcn aber wird anderer Gestalt nicht als mit Erkenntoiss aller 
Stände des Reichs auf offeueni Reichstag;© procediret werden können; 
dann die Erfahrung der niichsten Zeilen wol gezeiget, wne man sich 
bei den tibereileten Achtsprocessen befunden und was für grosse Un- 
ruhe daher entstanden, die noch bis auf gegenwärtige Zeit zu keinem 
Aufhören gebracht werden können. 

Gleichwie aber die Achtgerkläruugj wie billig, mit raehrerm Be- 
dacht anzustellen, so wnrd viel mehr die Translation mit den ver- 
wirkten Landen und Leuten aniiers nicht dann mit Consens der 
gesammten Stände des Reichs oder aufs wenigste mit sämnitliehen 
Churfilrsten mllssen zur Hand genommen werden. Es kann auch 
solche Translatiou in praejudicium unschuldiger Brttder und Vettern 
nicht t?tatt haben, sintemal sie eines Andern Verbrechens in dem, was 
ihnen vielmehr beneficiu primi acquirentis, dann uHimi possessoris 
delintjuentis zukommt, mit keiner Billigkeit entgelten können; welches 
auch aetjuitatis ist an den Kindern, insonderheit denen, so vor der 
begangenen Misshaudlung geboren sein. Und wird dieser Punkt in- 
sonderheit einer fleissigen Confereuz und Erwägung mit Unseren 
Herren Mitehurfllrsten und anderen Reichsständen bcdörfen, gestalt 
danu des Chorflirstcn zu Sachsen Ld. sowol als Unser Herr Vater 
hocblöbh Ged. bei demjenigen, was mit Translation der Chur Pfalz 
vorgangen, jederzeit bedinget, dass es anderen Chnr- und Fürstlichen 
Häusern zu keinem praejudicio oder sequela gereichen sollte. JH 

Wegen der Directoru hei den Reichs-» Collegiis- und D^ 
putatiou tilgen muss es bei den alten Verfassungen, so diesfalls 
klar und unstreitig sein, allerdings verbleiben. Do aber bei itzigem 
Reichstage in streitigen iSaelien zwischen Katholische und Evangeli* 
sehe sich haltenden einige Deputationes geschehen sollten, haben Un- 
sere Gesandte dabin zu sehen, damit ex proceribus Imperii parea 
numero utriusque religionis, dem Instr. Pac. gemäss, deputiret 
den mögen. Sollte dawider gehandelt und von einigen Deputatis^ 
nicht pares numero utriusque religiunis wären, die Sachen decid 



iDatmctioa kdid ReichBtai?. 



155 



rerden wollen, sollte uod müssfc doch snlclics ipso jure null und 
liebtig sein* 

So Tiel hiernäehst die Capitulation super electione futuri 
egi» Rom an i, davon besage Instr. Pac. bei itzigem Reichstage 
eliberiret werden soll, betriflfl und anlanget, seind bei derselbigen 
tliche nothwendige Erinnerungen nicht ausser Acht zu lassen'). Dann 
llle man sich derselben dureli Stillschweigen begeben, würde man 
s weder im Gewissen, noch auch gegen die gesamnite evangelische 
s^laade zu verantworten haben. Und wird nicht undienlich sein, 
lieser Sachen halber mit Chur Sachsen und Chur Pfalz in eine ver- 
trauliche Con-espondenz zu treten und von denselben 2U vernehmen, 
wie C8 vermittelst göttlicher Hilfe abzuwenden, damh die Catholische 
Im ihren itzt habenden majoribus nichts zu der Evangelischen prae- 
jfidicio in die Capitulation bringen mögen. Und dann, wie weit die 
hiebevor geschehene, aber a, Hj:]G nicht attendirtc Erinnerungen, und 
WM denselben noch ferner hinzuzuthun sein möchte^ wieder ins Mittel 
lu bringen und in gebührende Acht aufs beste zu nehmen. Unsere 
Gesmdte werden nach verrichteter Conferenz mit Chur Sachsen und 
Chur Pfalz ara besten ermessen können, was sich tbun lassen und 
woraus mehr Nutzen in publico, oder mehr Schadens und Oftension 
io privato abscjue emolumento publico zu hoffen und zu gewarten sei. 
In specie würde bei dem ersten und 18, articulo') zu erinnern 
iein und wäre zu wünschen, dass die Clausula mit hinein gerücket 
Bad der Capitubtit»n mit inseriret werden könnte, wie die der Rö- 
Biischen Kirchen versprochene advoeatia zu der Evangelischen 
pracjudicio nicht angezogen noch gebrauchet werden sollte. 



') TgL Capilnlfttiones Imperatormn et Regum Romano-Germanorötu ed* Job. 
Lisoaeas (1658). 

*) W*hlc«pittilatron Kaiser Ferdiuaad's IIL Art. I: .Zum ersten, dass 
*^P... die Uhrieleuheil uud deu Ütvihl zu Koiii, auch Päpstliche Heiligkeit und 
fli«ChriaÜiche Kirchen, aU derselbeu Advacat, in j^uLenj treulichen Scbutss 
BÄ<lgcbirm halten^. So scboD lü der Capilolation Karl* b V. von 1519 uud voü 
^ m allen Tolgendeo wörtlich wiederholt, Art X VllL besagt» dass die gegen 
*"€ ^^hlaasenea Coocordate und Verträge aufgekommeneQ Missbränche iu der 
Ktfch« durch Verhaodluüg des Kaiaera mit dem h. Stuhl, unter Beirath der 
KtrfoTiieD, Fursteu uod aüdereo Stände, beaeitigl werden äoLIeQ. Auch dieser 
Artikel wortlich aug der Capitulation von 1519 (Art XV, k uebsl einem ßeit der 
tapilulatiou Ferdinand'« I, (1558) stehend hi oatuge fügte u SaU der Verweieuug 
vat die lieicbstagäverhaudlungoQ von 1590. 



156 ^^- ^^^ Roichstag zu Begensbarg. 

Bei dem andern articulo*) werden dieses sehr nöthige und 
hillige Erinnerungen sein: 

1) Dass der lieligionsfricdo, itziger Friedensehluss ein stetes im- 
merwährendes Band sein und bleiben und dergleichen sanksttchtige 
und zu aller Unruhe und Misstrauen dienende Schriften, darinnen ein 
anders ausgegeben wird, nicht gelitten, sondern abgethan und die 
autoros darum gestraft werden sollten. 

2) Dass den titänden bei der Religion allenthalben gleicher Schall 
und Favor bezeiget werden mUsstc. 

;$) Dass der Komische König, gleich anderen Ordnungen des 
Reichs, sich auch insonderheit zu Observanz der Kammergerichtsord- 
nung, wie sie a.* If);');") begriftcn und im folgenden Reichs Abscheide 
renoviret und verbessert, so auch der Executionsordnung, und da» 
insonderheit die executionos in jedem Kreise gelassen werden soUteB, 
sich zu adstringiren habe. 

4) Dass der Komische König die Interpretation eines dubii intel- 
lectus Über den iieichs Constitutionibus, und insonderheit über dem 
Iteligionsfriedcn aliein nicht zu usurpiren, sondern mit Vergleichung 
gesammtor Stände des Reichs in ])ublicis Comitiis darunter zu ver- 
fahren habe, und solches insonderheit in solchen Streitigkeiten, so 
die Religion, Kirchcnceremonicn und Gebriluche, Bestellung der {Scha- 
len und Consistorien , geistliche Güter und dergleichen angehen; sin- 
temal nichts billigers ist, dann, gleichwie der Religionsfriede hiermit 
per transactionem consensu utriusquc partis contrahiret, dass auch die 
Interpretation nicht anders, dann consensu et conventione utriusque 
partis geschehen möge. 

Boi Art. .*J8 ist zu erinnern, dass die Anspriiehe des i>äpstlicheQ Stuhles 
auf Kinniischung in die Angelegenlieiten des Reichs vicariates nicht zu- 
zulassen sind. 

Art. 4 12. Sicherheit und Krleiehterung des Verkehrs der Reichsstandc 
am kaiserlieheu Hnl'e. 

Also ist auch bei dem folgenden -l.-t. Art. hiebevor mit nicht weni- 
gem Eifer als gutem (! runde gesuchet worden, den Kais. Rcichshof- 
rath mit Leuten v<»n beiden Religionen in gleicher Anzahl zu be- 
stellen*). Es müssen aber auch die ReichshofrUthe keinem andern 



*i Vorpflicht uni; des Kaisers auf diu Cfuldeuo Bulle und diu folgenden 
Ueichs^epetzo. 

*< Diu Korderuni; iiroteMantiricIiiT hüinitzfr iui Rtsichshofratli war auch in 
liiT (*a])itulation Furdinand'ri III. noch nicht ausgesprochen; inzwischen 
hatte aber da« inst. l'ac. Osn. Art. V. 1.54 die Zuziehung solcher verfügt, 



Inetnictioa sum HeichatRf. 



157 



Patentaten, Fürsten oder Stande mit Diensten und Pflichten verwandt 
»ein, gondem sich derselben gänzlich entsehlagen. Dagegen ist auch 
billig, das» sie mit einem solchen Unterhalt, davon sie sieb mit den 
IhrigCD honeste exhibiren krmuen, versehen werden ; und werden, Uu- 
«er» Eraehtens, einer Standesperson jährlich ufs wenigste 2(X>D ßth., 
denen ex civico ordine aber jedwedem 1200 Bth. zu rechter Zeit ge- 
reichet werden müssen. 

Desgleichen freier Gottesdienst für die e?angelisehen Reicb^hofriithe, 
wmitf die Gesftüdten, Re.-Jideüten und Agenten evangelischer Fürsten ain 
Iriterlieben Hofe 

Art. 44. Bei tieii alle zwei Jahre wiederkehreadeu Visitationen des 
Reichsbofrathes soll der Kurfürst von Mainz allemal einen weltlichen Kur- 
fürsten mit hinzuziehen ; abwechselnd einen katholischen uod einen evan* 
gelischen. 

A rt 4 8. Die Präemineuz der Kurfürsten am kaiserlichen Hofe ge- 
genüber fremden Fürsten und ihren Gesandten. 

Und ist bei diesem puncto capitulationis insonderheit zu erinnern, 
ob wol in dem Inst Pac. die Abfassung einer Capitulation den 
gegammten Keichsständen will zugeeignet werden*), daas doch 
«oiehea dem alten Herkommen zuwiderlaufe, indem bishero die Chur- 
Ersten alle Capitulationcs für mh allein ohne Zuthun der andern 
t'ÖrRten abgefasset und was sie nöthig befundeu, erinnert und hinxu- 
getban« Dero wegen Unsere Gesandte dahin zu sehen haben, dass 
§mm alten Herkommen zuwider keine Neuerung eingeführt werden 
^IMge. Dann in specie viel Sachen in der Capitulation dem Churf. 
Collegio allein zu tractiren und mit der Kais. Maj« zu schliessen re* 
»emrel worden: als die Aufrichtung neuer Blindnisse, Anlage neuer 
ÄÜle, AchtserkJärungen, Ausschreibung der Reichstage und was dem* 
idben mehr anhängig ist. 

Die schlesischen Stände hätten billig nicht sollen zurückgelas- 
iöft werden'), und wann res integra, wollten Wir Uns ihrer gewiss- 
lich mit sonderbarem Ernst und Eifer angenommen haben. Nachdem 
«ber durch die chursächsische Particuliertractaten') das Werk »ehr 

•flwdlagB ohne Bestimmung der Zahl (.aliquot*;; das Hauptgewicht des obigen 
AiDciidemeQte liegt also aaf dem «in gleicher Anzahl^« 

*l lost Pac. Osn. Art, VIIL §.3. ^In proximid vero comitiis ,,. de certa 
eooitantiqae Cat'sarea Capltulatione coücipit^uda w . e:c commnnt Statuiuii 
cODseafiu agatar et statuatur^. 

»; Vgl. die ßeötimmuDgen über die ReligionaTerhältniaae in Schlesien InsL 
^Pac Oso, Art, V: §.38 ff.; nebst tlanpucb JivaugeL Oesterreich I. 202 ff. III 
|<51 IT Mendel Neuere Geäcb. d. Deutschen (2. Aufl.) IV. 284 ff* 

•J Nämlich die dem Frager Frieden vorausgegangenen Verhandlungeii über 



158 ^^ ^^^ Reichstag zu BegeoBborg. 

verändert und aus Unsern Händen gleichsam genommen ^ so sehet 
Wir fast nicht, was Wir zu ihrem Besten werden thun und ausrichten 
k({nnen. Es dürfte auch wol am besten nicht aufgenommen werden. 
Und weil dann des ChurfÜrsten zu Sachsen Ld. Ehr und Namen we- 
gen Ihrer ausgegebenen Churfürstl. Parole am meisten interessiret, so 
werden Unsere Gesandten sehen, was man chursächsischen Tbeils den 
armen Leuten zum Besten thun möchte, und soweit als ihr AnbringoB 
und Suchen auf Billigkeit bestehen wird, sollen die Unsrige sich ihr^ 
anzunehmen keine Difficultät machen und aufs wenigste ihnen, den 
schlesischen Ständen, zuforderst aber den Ständen der Fflrstenthfimer 
Schweidnitz und Jauer, nicht weniger des Fürstenthum Glogau und 
dessen Weichbildes Städten so viel Bezeugung thun, dass sie sehen 
und spüren mögen, wie es an Unserem guten Willen nicht ermangelt, 
Wir auch au ihrem Unglück keine Schuld tragen und sie gewisslich 
in dem, was zu ihrer Wiederaufnehmung gereichen mag, nicht hin* 
dern werden. Wäre nun den gemelten Ständen das freie Exerdtium 
religionis zu erhalten, so haben Unsere Gesandte alle mögliche Coo- 
peration darzu anzuwenden . . . sollte es auch gleich auf eine hohe 
Summe Geldes ankommen, so der Kais. Maj. darzu zu verwilligen. 

Nebenst diesem ist auch gewiss, dass eine Gollecta Imperii 
und Reichssteuer wird begehret werden, welche man um so vid 
weniger wird decliniren können, weil der Köm. Kais. Maj. albereit 
vor diesem vielfältige Hoffnung und Vertröstung diesfalls geschehen ^\ 
auch die 3 Monat wx Unterhaltung der Kaiserlichen, Chur- und Fürst- 
lichen Gesandten zu Nürnberg, wie auch die 13 Monat zur Evacuation 
der Frankenthalschen Garnison auf Rechnung der künftigen Reicht-» 
Steuer begehret und gevrilliget worden; welche 16 Monat auch billig 
von dem Toto, darüber mit I. Kais. Maj. die Reichsstände sich ver* 
gleichen werden, abgehen müssen. 

Die Gesandten sollen sich hierbei der Majorität fügen, zugleich aber 
bemerken, dass Brandenburg, Angesichts der Voreothaltung seiner pom* 
merischen Lande, jedenfalls nicht für voll dazu herbeigezogen werdea 
könnte. 

In Religion ssacheu soll es bei dem Termin des Inst. Pac. (1624) 
durchweg bleiben; nur die Kirchensache in den Jülich - Clevischen Landen 
ist davon auszunehmen '). 



Schlesien zwischen dem Kaiser und Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen} 
besonders die entscheidende, von Sachsen acceptirte Kesolation des Kaiaers b«i 
Londorp IV. 471. 

O^Vergl. V. Meiern A. P. W. V. p. 771 flF. VL p. 90. 639 ff. 648 ft 

') Vergl. oben p. 4 ff. 



lostrnctioD suiu Reichstag. 



159 



Der io dieser Beziebong bedrängteii Reichsstädte Kaufbeaerü, ßaveiis- 
hüTgt Kitziageo haben sich die (Usaudteii getreulich aiizuiiehnieii. 

Sollte auch der puuctus nionetae moviret werden, ist billig, 
daiss in ttito Imperio solche Münze, so des Reichs Hebrot und Korn 
gemäss, gesehlagen werde, und dass es in diesem Pass bei den Ueichs- 
ordnungen und'Constitutitmibus allerdings verbleibe. Würde hierbei 
ITd8 gleichsam vorgeworfen, dass auch Unsere Münze schlecht und 
gering »ei')» s*^ haben Unsere Gesandten darauf einzuwenden, dass 
Wir in Maugel der kleinen Porten, weil keine Ducaten noch Eeichs- 
thaler zu wechseln gewesen, und die Leute in geringer Handlung nicht 
von einander kommen können, uütbwendig verursachet worden, eine 
UsualmUnzc zu schlagen; nicht das ganze lieieb oder auch Unsere 
Lande damit zu erfüllen und zu überhäufen, sondern nur eine Usual- 
mQuze, daran es sehr gemangelt, im Lande zu haben, welche aber 
keinem Creditori in hohen ansehnlichen Fordei'ungeu über lu Tbaler 
auf ein jeglicbes hundert wider seinen Willen solle ohtrudiret wer- 
den. Sobald Wir auch vermerken, dass nur die Nothdurft vorhanden, 
Hollen Wir solches Münzen wieder einstellen, und sollen weder Un- 
wreUntertbanen, noch auch AusUindiscüe darüber mit Fug und Recht 
Klage und Beschwerung zu führen Ursach haben* Würde aber dies- 
Calb von den Reichsstanden nichts rehig [sie] gemacht, sollen Unsere 
AbgCÄandte diesen Punkt, so viel Unsere Landmüuze betrifft, auch 
gÜQÄlich präteriren und desselben mit keinem Worte gedenken, 

Dass auch denen Debitorihus*), so hei diesem landverderb- 
liclien Kriegswesen ohu ihr Verschulden in Unvermögenheit geratheu, 
»a den Aufgewachsenen Zinsen von denen Jahren, da sie inolcni belli 
empfunden und ihrer Güter und ausstehender nominum nicht gcniesscu 
können, eine moderatio et remissio widerfahre und die Zinsen etwa 
öf 4 pro Cent gesetzet, die praeteriti et non soluti annui eensus zu 
Gelde und ad justum usurarum moduni, iugleichen die Zinsen uf da» 
ilteruiü tanlum reducirct werden, erachten Wir nicht unbillig zu sein. 
Doch wird dabei ein solches Aeciuilibrium zu halten sein, damit auch 
dem Creditori nicht zu nahe geschehen, noch demselben sein jus quae- 
liüua entzogen, sondern alles in Schranken der Justiz und Billigkeit 
erhalten werde. Es mochten die Reichsstände wol ui* diversas sen- 



') D&s Nähere über diese im Jahr 1651 geprägte goriughaltige ^Usoal- 
«öt« - Haüd münze * s. bei Riedel der hrandeob. -preues. Staatehttashalt in 

im beiden letxten JahrhuDdortea p. 21 GT. 

*) Hit BeEug Äof Inst. Pac. Oan. Art. VlIL §,5., den viel besprochenen 

|kJI< mdagtindit^ und die vou ihm angeordnete Schutdeureduction; vgl. ob« p« 144. 



160 ^^' ^^^ Reichstag zu Begensburg. 

tentias bei diesem Handel fallen, und ist eine Sache, darüber die 
Camerales wol zu hören. Und weil in dem Art. VIIL Inst Pac. albe- 
reit verseben, dass des Beichshofratbs und des Kais. Eammergerichts 
Bedenken darüber eingeholt werden sollen, so auch verhoffentlich ge- 
schehen sein wird, so haben Unsere Gesandte sich daraus zu ersehen, 
alle Umstände mit Fleiss zu ponderiren und darauf nach Befindung 
eine Resolution zu fassen. 

Dann eine universalis et uniformis constitutio kann ob causarum, 
personarum et contractuum pactorumque varietatem hierin nicht ge- 
macht, noch dieselbe also indiscriminatim ad quasvis personas et 
quaevis debita, salva justitia, extendiret werden; sondern es haben 
alle dergleichen Verordnungen ihre gewisse in allgemeinen Rechten und 
der natürlichen Billigkeit fundirtc Abfälle; insonderheit aber können 
darunter gar nicht gezogen werden diejenige debita, so durante hello, 
da der Schuldner tam praesentem quam ingruentcm suam conditionem 
wol gesehen, contrahiret; ingleichen was zu Abführung der Kriegs- 
contribution oder auch Wiedererrichtung der ruinirten Güter darge- 
liehen worden; item da der Debitor sich mit dem Creditore albereit 
gütlich und uf gewisse Termine transigiret und verglichen, oder auch 
der Debitor allen moratoriis, tam praesentibus quam futuris, wie auch 
remissionibus oder moderationibus per expressum renunciiret — vieler 
anderen Fälle mehr anitzo zu geschweigen, deren theils in Unserem 
a. 1(343 Unsern Churbrandenburgischen Landständen indulgirtem Mo- 
ratorio albereit specificirt, so auch nachmals ausser Acht nicht zu 
lassen sein werden. 

Wann auch schon inter Status immediatos Imperii etwas verwil- 
liget oder verordnet werden sollte, so würde doch solcher Schlus» 
weder Uns, noch irgend einen Chur-, Fürsten oder Stand des Reichs 
binden können, dass ihm nicht freistehen sollte, inter subditos suos 
eine solche Verordnung zu machen, welche billig und auch den me- 
diatis subditis unter ihrem Landesfttrsten zuträglich wäre und zugleich 
absque denegatione vel protractionc justitiae füglfch geschehen könnte. 
Dann hierin weder Uns, noch einem andern Reichs- Churfürsten oder 
andern! Stand, was sie in ihren Landen albereit verordnet oder noch 
inter subditos suos verordnen oder disponiren würden, Ziel und Maass 
gegeben, weniger dero albereit eiogefuhreten Constitutionibus hier- 
durch ichtwas derogiret werden könnte, sondern es verbleiben dieselbige ' 
überall salvae et illaesae. 

Zollsachcn. Die Gesandten sollen iu allen Fällen gegen die Errich- 
lang neuer und die Erhöhnng der alten Zölle sprechen. Immer ist dies 



iBetrDCtioD znm Reichstag:. 



161 



» 



nicht zu ferbindern; jede Bewilligung dieser Art ist aber nor nach sehr eiu- 
gcheiider Prüfung der Verhältnisse und mit allen Vorsiehlsmaaä siegeln ge- 
gen Missbrauch zu enbeilen*). 

Wenn Hamburg gegen die dänischen Zölle begründete Klageü 
TOrbnngt, iöt es dabei zu unterstützen'). Hierbei kann aneh gelegentlich 
Klage dagegen geführt werden, ^dass die Herzoge zu Lüneburg Unserer 
Unterthauen merces sehr vielfältig und de facto in ihren Zöllen ob priva- 
torum debita anhalten, welches alten Rechten zuwiderläuft*'. 

IIL Der dritte Punkt betrifft etwa vorkommende nicht Yorher tu 
specifiefreude Fragen, worüber die Gesandten nach dem kaiserlichen Aus- 
schreiben aoeh Vollmacht erhalten sollen, abzuschliesgen, ^ohnc Hinter- 
briagen*. Dies wird überhaupt nur zugegeben für Sachen, die i^ich noto- 
risch und von selbi^t aus den üanptreichsgcsetzen ergeben; in allen andern 
Fällen sind die Geyandtea gehalten, vorher Bericht zu erstatten. Einige 
Pankte werden angeführt. 

Die Erb Verbrüderung mit Sachsen und Hesse«; cb fehlt für den 
TePtrag von 1614, ^da Unser Churf. Haus mit hineingerücket nud ciuge- 
sehloflfien^ noch immer der Consens und die Beü^tätigung des Kais^ers, die 
womöglich jetzt beschafft werden soll; ausserdem i.st zu bewirken, dass 
Kursttchsen aneh Keine im westfalif^chen Frieden neu erworbenen Lande als 
der Erbverbrüderung mit unterliegend anerkenne, ebenso wie dies vou den 
bnudenburgischen neuen Tcrrritorien gilt. 

Anregung der Jägerndorfer Angelegenheit. 

Die Jülich-Clevische Successionssache'). Sollte die von dem 
löst. Pac. vorgeschriebene ^amicabilis compotitiu'^ jetzt auf dem Reichstag 
logeregt werden, so ist der Kurfürst dazu erbötig, uamlieh mit den Prä- 
teailcntcn Sachsen, Keuburg und Zweibrücken (denn mit den anderen könne 
nun fich gar nicht einla^seu); doch lässt sieh für diesen Fall keine genaue 
Jastruction ertheiltn; jede etwaige Forderung Sachsens aber, auf Grund 
des Jüterboeker Vertrags von 1610 in den Provisionalbesitz der Laude 
olt anf genommen 2U werden, muss, wie bisher gescheheOi eiofach abge- 
lehnt werden. 

Die Angelegenheit der Stadt Magdeburg und der von ihr verwei- 
gerten Krbbaldigung auf Grund des angebltcheu Privilegii Ottoniani ist 
tbenfatls im Auge zu behalten und den darauf gerichteten Bemühungeü 
dtr Magdeburger energisch entgegenzutreten. Ebenso in der Angelegen- 
llcit des von ihnen beanspruchten Privilegium munieudi et fortificaudi, von 
vdchcin sie ^ich au^chleken liacn nicht iiirr die laudeäherrlichen, sondern 
äwck viele Privatrccbte beeinträchtigenden Gebrauch zu machen*). Mit 
dem Herrn Administrator, dem Herzog August rou Sachsen, der hier die 
gleichen Interesse u hat, ist hierbei gemeinsam zu verfahren. 



*} VergL Inet. Pac. Osn, Art. IX. Mon, i. 67, 68. 

•) Vergl, Inat Pac. Osa. Art X» §.16. 

^ Vergl oben p, 4 f. 

■) Vtrgh laat. Pac. Osn. Art. XL §. ö. 

lAi«t. cor Cm^k* «I. Cr. XurHifiMa. VL 



11 



162 



II. Der HeichBtag zu Hegensbürg. 



Die Breslauer 8chu1dsa,che gehört zwar eigentlich nicht aaf den 
Keiühstag; indess ist das Objcct jetzt so bedeutend angelaufen, dass es 
doüli iiöthig^ sehcnut, es. auch in Anregung xu bringen. 

Wenn die Rcligiotisun gclegenheit in den J ülich-CIerisclien 
Landen ?on den kaiserlichen Commissarcn nicht erledigt, sondern auf den 
Reichstag gebracht wird, so sollen die Gesandten vor allem in Acht neh- 
men, dass die den Landen iin J. 1609 von den possidireuden Fürsten er- 
theilten Keversalen bnchstüblreli gewahrt und die Entscheidung ^per pro^ 
ceres Imperii parcs nnmero utriusque religionis abgethan werde"". Gegeo 
jede andere Weise der Entscheidung sollen sie protestiren. 

Etwa an den Reichstag gebrachte Prätentionen des Pfakgrafen auf 
^ Kriegs -Satisfactiou^ (von I65I her) sollen sie als niclit auf den 
Reichst/ig gehörig an den Kurfürsten verweisen. 

Sollten Beschwerden vorkommen wegen der ^C 1 e v i s c h e n Wasser- 
Licenten^, so haben sie zu erklären, ^dass diese Licenten gar ein altes 
und von der Rom. Kais. Maj, selbst bewilligtes Werk wären**; sie wären 
durchaus nicht erst während des letzten Krieges eingeführt, ^gcstalt dann 
dieselbige längst zuvor, intuitu des Kriegs mit den Staaten der Vereinigten 
Niederländischen Provincien, damit Uubcre Lande von langer Zeit her im- 
pliciret gewesen und noch sein, angeordnet^. Die Gesandten können sich 
dabei mit den ChnrcÖlnischen Gesandten zusnmmenthnn, welche die äho- 
liehe Sache der Licenten zu Kaisers werth zu vertreten haben werden. 

So iöt auch Unscrn abgeaaudtcn Käthen vorhin satti^aui bcwuast, 
dass Wir in der Stadt Herford vor undenklichen Jahren stattliche 
Jura und Judieia gehabt und noch haben ^). Darzu eine zeitliche 
AebtisBsn im Jahr L')47 ihre Hoheit und Erbgerechtigkeit , so sie an 
der Stadt gehabt, dem Herzoge zu Jülich und seinen Nachkommen 
gänzlich Übertragen, Von welcher Zeit an Unsere hochgeehrte Vor- 
fahren zu Erbherren von der t:?tadt angenommen und in den Jahren 
1557 und \h96 den Herzogen zu Jülich als Grafen zu Ravenaberg 
eine rechte Erbhnldigung geleistet hat. Und ob sie gleich im Jahr 
1631 eine vermeinte Urthel vom Kais. Kammergericht zu Speier er- 
halten, so ist dennoch dieselbe per revisionem suspendiret und von 
solcher Zeit her unterschiedliche Verträge mit Uns gehalten worden. 
So auch anitzo abermal geschehen, Solleu demnach solches alles 
Unsere abgesandte Käthe den Reichsständen . . . repräsentiren und 
Unser Recht und Gerechtigkeit» hingegen aber der Stadt Herford viel- 
fältige Ungehorsam, Rebellion und Widersetzlichkeit, deswegen Wir 
gezwungen worden, sie zum Gehorsam zu reduciren, jedermänniglicheu 
vor Augen stellen. Mit dieser ferneren Anzeig, dass nunmehr die 



^) Vergl. hierzu die auaführlichea bei Londorp Acta publica VL p. 706 ff. 
zusammengestellten Acten über den Streit mit Herford wegen der von ihm prü- 
tendirten Reichs frei he it. 



lostructioD zum Eoichstiig. 



163 



ize Stadt ihren begangenen Fehler abermals erkannt, um Perdon 
, Uns unterthäni^^st und fussfällig angrchaltcn, auch die schuldige 
und gewöhnliche liuldi^^^nngspflieht auf^ neue gutwillig geleistet, auch 
selbst gebeten^ dass Wir zu ihrer Versicherung eine geringe Garnison 
to der Stadt einlegen und die Autorcs und Rädlinsführer wegen ihres 
Ungehorsams und verursachter Schäden bestrafen und zu Wieder- 
|erBtattung des Schadens anhalten wollten. 

Ebenso sind etwaige Ansprüche der Städte VVest-l uud Duisburg 
tarückinweisen. Wesel ist von je her eiue Landstadt des Herzogthucos 
Cleve gewesen, Duisburg i^^t zwar ^vor undenklichen Jahren Tom ÜBich 
verpfändet gewesen"; jetzt aber ist damit nach der Kais. Capitulatiou §,4, 
uad Inst Pac. V, §.9 zu verfahren. 

Betreff der von Kurpfalz an Pfalz-Ncuburg genonchtcn AiiJ^pHlche 
pfalziache jetzt eröffuete Lehnsrechte und die Heimfälligkeit der 
ieu Städte wird erst die kurpfälziäcbe Klage abgewartet werden 
iBQs^en. 

Die ichwedisch-pommerischo Angelegenheit Jeder In dieser 
Sache etwa versuchten Präjudicirung ist sorgsam vorzubeugen» Nament- 
lich dfirfeti die jicbwedi.^chen Oesandten nicht zu Sitz und Stimme anf dem 
Reichstag zugelassea werden, bevor die ponimerisc'je Sache völlig zur ürd- 
uoDj? gebracht; Verweis auf da:^ Präger Decret des Kaisers hierüber*). 
Kim« es, dass man sie dennoch in den Für^tenrarh zuliesf^e, so haben die 
Gesaodlen schleunigst Bericht zu erstatten und inzwischen Uch unter Pro- 
thil dieser Sitzungen zu enthalten; deu Öitzuu^en des Kurfür? tenrathe« 
loüen k^ie dann aber doch Leiwohueu uud dort da^ luteresise des Kürfür>len 
t&braehmeu 

In Betreff des Präcedenzstreitcfi, worin Pummeru ?cit längerer 
Itit mit mehreren anderen Stimmen des Furälenrathee liegt, »^otlen die Oe- 
mdliii (aber er=t weun die Differenz mit J^chwoden geschlichtet ist) sieh 
wk ileo schwedischen Gesandten vereinige u, um einen gütlichen Vergleich 
kcffacixnRiliren. — Desgleichen verschiedene andere Sesäion^differenzen. 

Wegea des > 'echts vou Hamburg und liremen und s^pecicll 

ia Betreif der A nung und Execution wider das letztere sollen sie 

dir Unjotbjü sich an§chUes^en*)| ^es wäre denn, doss Uns in der Magde- 
lüfiieiieii nnd Ilerfordii'eheu Sache, dadurch dass Wir gleichmibÄige Jura 
lülci, pimjodiciret würde; als auf welchen Fall sich Pnsere Käthe nnd 
GeMndia dmhio bearbeiten müi^:^ten, da^s Wir per majora in solchen Vo- 
icn S^cli€ii Applaus oder Beifatl bekommen^. Würden sich aoch die 
Berrtii Sebwedlj^ehe mit wirklicher Abtretung Unserer Lande accommodirea 
«ad Unsere Aa&iaieoz wider die Stadt Bremen ond In der CoDtrovers mit 



•) VergL Ürk. o. Acteast IV. p. 839. n. Sa 

^ TargL Init Pac. Obo. Art X. f 7 o. 8. Die Beichaacht w&r geg^ü 
«n yariiiagf, worden, weit die Stadt sich mit Gewalt der Erbebang daa 
wi4crtetst6, deu daa InsU Pac dem Grafea von Oldenborg xaBprmcfc. 

11* 



164 



n. Der Reicbstag zu RegeDsburg. 



dem Capitalo bitten, bo hätten Unsere Gesandte und Ratbe ihnen, so fiel 
verautwortlicL, hierunter zu grati6ciren**. 

Geschäftsvertheiiong. v, Krockow soll im Kurfürstenratb ^die 
Stelle vertreten"; bei der pommcrifechen Sache aber mus^ er ^da» Votum 
führen** und v. Platen inzwischen die Stelle vertreten; sonst fuhrt das 
Votnm im Kurfürstencolleg für gewöliiilich v, Platen^ bisweilen auch der 
Kanzler Fromhold'), worüber sie sieh untt^r einander zn vergleichen ha- 
ben: ^doch dass alle Wege und rognlariter die Vota xuvor zu Papier ge- 
bracht, von ihnen ingcsammt unteri»chriebcn werden müssen, und dass der- 
gestalt die Vota hernach abzulegen sein". Port mann hat die Vertretung 
im Fürsteiirath; man kann erforderliehen Falls die markgräHich- branden- 
burgiücheu Gesandten zur Unterstützung keranitiehen. 

Wenn etwas vorkommt wegen der von dem Cardinal Harrach prä- 
tandirten Probstei von Halberstadt, so sollten die Gesandten dogegeu 
nachdrückJich protestiren und die Unterstützung der Evangelisehen dabei 
aufrufen, da der Knrlürst den Anspruch des Cardinais nnmöglieb erfüllen 
kann, wol aber ihm eine Geklabfinduug zu leisten erbÖtig hl*), 

Dafcrn von dem Erb -General- Obersten- Postmeister, Grafen von 
Taxis des Postweseos halber etvras gesuchet oder von einigen 
Reichsständen selbst llber solche Post Beschwer (wie IVir vernTuthen) 
gefllhrct werden möclitc^), sollen Uds Unsere Gesandte davon alsofort 
untcrth. berichten , . , indessen aber mit allem sorgfältigen Fleiss da- 
hin sehen, dass dem Grafen von Taxis keines Weges zugelassen 
oder vergönnet werden möge, an denen Orten, da die Taxiscbe Post 
noch nicht eingeftihret ist, einige Posten anzulegen und einzufuhren, 
sondern vielmehr jedem Chor- und Fürsten in ihren Territoriis die 
Anordnung und Disposition der Posten kraft der Kegalien, damit sie 
von der Kais. Maj. und dem Eeich belehnet seio, heimgestellt bleiben 
möge. Zumal können Wir solches in Unsern Churbrandenburgischen 
und Hinterpommerischen Landen nicht verwilligen, als woselbst von 
undenklichen Jaliren her Unsere hochgeehrte Vorfahren selbst durch 
ihre eigene Bediente das Pustwcsen bestellen lassen ynd sonsten keine 
andere Posten verstattet haben; wie Wir dann auch gegenwürtig durch 
alle Unsere Lande das Fostwesen durch Unsere eigene Bediente der- 



*) Fromhold starb während des Reichstags in Eegenshurg am IL Juli 1653« 
') Vergl, über diesö Cootroverae zwischen Karbrandenborg und dem Car- 
dinal Harrach J.J.Moser EriiluteniDg^eQ des Westphät. Friedens ans Roichs- 
hofräthticheo HaudluugeQ IL 268 E Die in Frage stehende Pfrüude war damals 
bereits von Seiten des Kurfürsten dem Grafco G. Fr. v, Waldeck verliehen, 

*) Uober das damalij^e Poetwesen in den braudeuburgischen Territorien t» 
besonders Stephan Geechiclito der preussischen Post p, 15 C; nnd namentlich 
über den Streit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm mit dem Grafen ton 
Taxis p,39 ff. 



lustmctioQ zQm Beichstiii?. 



165 



:e8talt bestellen laBsen, dass andere Posten niclit wenig dadurch auf- 
emuntcrt werden. 

An denen Orten aber, wo die Taxigebe Post scbon eingeführet 
ist, wird solche wol gelassen werden können. Jedoch niuss es dahin 
gerichtet werden» dass die Postbedi'ente mit jedes Orts Herrschaften 
Vorwissen und Consens angesetzet, selbig-e auch von denen Herrschaft 
■ ten selbst vorgestellet werden mögen, damit sie sieh von fremden Post- 
bedienten nicht einigen Despects befahren dürfen; allcrmaassen Wir 
auch solches albereit mit dem Grafen von Taxis selbst wegen der 
Pastbedienten in Unseru Clevischen Landen dergestalt verglichen und 
es mit desselben Abgeordneten dahin verabreden lassen. 

So werden auch Unsere Gesandte mit allem untertb. Floiss ge- 
oaae Achtung darauf zu geben haben, ob von dem Grafen von Taxis 
Unserer Churf. Hofpost (welche Wir durch alle Unsere Lande von 
einer darin habenden Eegierung und Kanzlei zur andern nunmehr 
besser als vordem gewesen, einrichten lassen) zum Präjudiz ichtwas 
wgenommen werden wollte, und da sie dessen etwas vernehmen 
wUten, solchem mit allem Eifer zu widersprechen und Unser Recht 
und Befugniss der Gebühr nach zu beobachten. 

Sollte einige Gesandtschaft der Herren Staaten zu Regens- 
barg 8ich einfinden und bei Unsern Käthen und Abgesandten wegen 
Aufrichtung einer special Alliance mit Uns Anregung thun: so be* 
Sadet mau nicht rathsam, dass solches zu Regensburg in faeie Cae- 
uris et totius Imperii vorgenommen werde^ damit, wann solches dem 
Htnae Oesterreieh und etlichon katholischen Ständeu unannehmlieh, 
die Krön Schw^eden kein Aiilass nehme, diese Sache den Reichsstan- 
in ufs gehässigste zu reprasentiren und sie dahin zu bewegen, Uns 
iu der ptimmerischen Sache zu verlasseu. Derowegen am sichersten 
sein möchte, dass Unsere Abgesandte und Räthe, damit der Herren 
Siaaten Abgesandte in nudis terminis diseursuum bleiben, das An- 
bfiogen ad referendum annehmen und dergestalt alles in suspenso 
laneB. 

Doch können Unsere Gesandten der Herren Staaten Abgesandtem 

wo] an die Uand geben, dass er im Namen der Herren Staaten um 

Auf ' j einer universal Alliaoce mit den sämmtHchen 

K« uden anhalten, und dass Wir dazu aufs äussersto wollten 

onoperiren, . , . Die Rationes aber und Motiveu, warum Kais, Maj, 

die ^mmtlichen Reichsstände zur universal Alliance zu disponi- 

der V, Hörn angenommen aufzusetzen und werden Unsere 

die sich derselben pro re uata zu bedienen wissen ^ dafem 



'IQQ II. Der Reichstag zn Begensbnrg. 

desfalls ron den Reichsständen proprio motu, sive incidenter etwas 
moviret werden sollte. 



Der Resident Andreas Neumann an den Kurfürsten. 

Dat. Regensburg 6/16. Dec. 1652. 

16. Doc. Der Kaiser hat vorigen Donnerstag seinen Einzo'^ gehalten; die anwe- 

senden Stände, namentlich die drei geistlichen Kurfürsten, die Bischöfe von 
Regensburg und Paderborn und der Abt von Fulda, holten ihn feierlich 
ein. Kr war etwas befremdet darüber, dass von den weltlichen Ständen 
noch fast niemand erschienen war. Für Schweden ist bis jetzt Bärenklau 
und V. Bohlen anwesend; für Graf Oxenstjcrua wird Quartier bereitet. 
Neumann beeilt sich, bei dem Reichsdiroctorium (kurmuinzischem Kanzler 
Dr. Lasser) vorzubeugen, dass von Seiten der Schweden inzwischen nichts 
zum Präjudiz des Kurfürsten vorgenommen wird. 

Desgleichen macht Neu mann bemerklich, dass ^die Stadt Hervord an 
einer vor einem Quartier affigirten Tafel vor eine Reichsstadt qoalificirt 
würde^; ein gewisser Antonius Fürstenaucr gerire sich als lÄandatar 
der St<'idt, die hier gar nicht das Recht habe, sich vertreten zu lassen; er 
bittet, die erwähnte Tafel abnehmen zu lassen und den pp. Fürstenaner 
nicht etwa zur Reichst«'igsproposition einzuladen und dadurch hie präten- 
dirtc Reichsunmittelbarkeit der Stadt Ilervord anzuerkennen^). 

Kanzler Lasser erwidert, von jener Tafel sei ihm nichts bekannt; bei 
der ihm von dem Reichserbmarschall zugestellten Designation der anwe- 
senden Reichsständc sei allerdings Ilervord mit aufgeführt gewesen; er habe 
selbst schon ein Notabene dazu gemacht; es würde von der Sache weiter 
zu reden sein. 

1653. Den 28. Dec. st. v. kommen die beiden brandenburgischen Gesandten 
S.Jan. V. Krockow und v. Platen in Regensburg an; kurz darauf auch die an- 
deren. Sie nehmen Quartier im Gasthof ^zum güldenen Kreuz*^, ^so von 
je daher das Brandenburgische Quartier gewesen**, und dessen Wirth für 
das eingerichtete Logis, nebst den zugehörigen Dienstleistungen, wöchentlich 
100 fl. fordert. Das gesammte Personal der Gesandtschaft besteht aus 32 
Personen. 

Die Relationen der Gesandten aus den ersten Wochen ihres Aufent- 
halts in Regensburg beschäftigen sich besonders mit der Frage der Zulas- 
sung der Schweden zu den reichsständischcn Functionen, während die von 
ihnen verlangte Räumung von Hinterpommern noch nicht vollzogen ist*). 
Der Kaiser erneuert die dem Kurfürsteu bereits bei seiner Anwesenheit in 
Prag gegebene Zusage'), sie nicht zur Session zuzulassen, bevor die Re- 



>) Vgl. oben p. 162. 

') Vgl. ürk. u. Acteoat. IV. p. 842. 932. 

^ Kbendaf. p.838. v. Meiern I. p. 2X. 



Vorspiele des Reichstags. |57 

stitotioii TÖllig erfolgt ist. Als auffaUend bemerken die Gesandten , dass 
der Knrftirst Ton der Pfalz, der persönlich zugegen ist, sich in dieser An- 
gelegenheit fortwährend za Onnsten Schwedens ausspricht (Relation dat. 
10/20. Jan. 1653). 20. Jan. 

Daneben fährt die Angelegenheit von Herford fort, die Gesandten 
SU beschäftigen. Der knrmainzischc Kanzler Lasser zeigt der brauden- 
bnrgisehen Gesandtschaft an, dass Fürstenauer ihm seine Vollmachten 
als Gesandter der Stadt Hervord überreicht, er sie ihm aber als ungenü- 
gend snrückgegeben habe (Relation dat. 3/13. Jan. 1653). 13. Jan. 

Inswischen verbreitet Fürstenauer ein von ihm verfasstes Libell 
n. d. T.: „Abgenöthigte Nachricht**. Portmann setzt eine Erwiderung 
dagegen auf; doch, meinen die Gesandten, wird es kaum nöthig sein, auf 
jenes Libell, das nur als die Schrift eines Privatmannes zu betrachten ist, 
etwas in officieller Weise zu entgegnen (Relation dat. 5/15. Jan. 1653). 15. Jon. 



Relation dat. Regensburg 11/21. Jan. 1653. ^Diesen Morgen ist 21. Jan. 
Einer, Namens Wassenberg, zu uns kommen und hat uns beigefugtes 
BQchlein, so er „Allocutiones ad Ordines Imperii in praesentibus 
ComitÜB congregatos^ genannt, insinuiret und begehret, dassK.Ch.D. 
wir dasselbe unterth. zuschicken und ihm vorbitten helfen möchten, dass 
ihm deshalb einige gnäd. Erkenntlichkeit widerfahren möchte^. 



Inzwischen ist in Regensburg schon von der ganz nahe bevorstehenden 
Eröflfnnng des Reichstags die Rede; nur die verschiedenen Präcedenzstrci- 
tigkeiten der einzelnen Stände stehen noch im Wege. Der i>chwedische 
Gesandte v. Bohlen arbeitet mit allen Kräften, um die Ausschliessung 
Schwedens bei der formellen Eröffnung zu verhindern; er lässt sich sogar 
sn drohenden Aeusserungen hinreissen: „dass man bald sehen würde, was 
man mit solcher Exclusion I. Kön. Maj. gemacht hätte; es könnte dieselbe, 
auf den Fall man dabei bestehen würde, wol solche motus geben, welche 
alles das, so bishero gut gemacht, verrücken und zerstören könnten (Re- 
lation dat. 11/21. Jan. 1653). 21. Jan. 



Resolution des Kurfürsten dat. Colin a. Sp. 19/29. Jan. 1653. 29.Jan. 
Nachdem der Kurfürst den schwedischen Commissaren bei den Verhand- 
inngen in Stettin von neuem eine Partjcipation der Licenten für 6 Jahre 
(nach deren Ablauf der Reichstag die Frage definitiv entscheiden sollte) 
vorgeschlagen und diese es abgelehnt, darauf einzugehen, hat er sich end- 
lich zu der von den Schweden geforderten perpetuirlichen Participation ent- 
schlossen'). Der Streit wird damit nun seinem Ende entgegen gehen. Da 
aber die weitere Verhandlung nnd der definitive Abschluss doch noch 
4—5 W^ochen in Anspruch nehmen werden, ^so möchten Wir gerne sehen, 
wann die Proposition so lange könnte differiret werden^, und sollen die 
Gesandten darauf hinzuwirken suchen. 



>) Vgl Urk. n. Aotenst IV. p.d82. 



1 Qg IT. Der Reichstag za Regeutbar^. 

Relation vom Reichstag dnt. Regensburg 20/80. Jan. 1653. 

Die Sachsen -Gothteischen Gesandten erbieten sich zu allem Goten io 
der pommerischcn Frage, warnen aber davor, zu weit zu gehen: ^dann der 
8ebwe(ii>eh(n Miniistrurum zum grössten Theil Intention wäre gnugsam be- 
kannt, dass i^ie mehr auf Krieg als Frieden gerichtet wäre^; man möge sie 
doch einstweilen zulassen ^und ihuen eine gewisse Frist etwa von 5 oder 6 
Wochen praefigiren, inner welcher 8. Ch. D. die hinterpommerischeo Laude 
wirklich zu restituiren, oder in dessen Verbleibung sie gewärtig sein 
sollten, dass sie von den alhiesigen Deliberationeu wiederum abgewiesen 
und die Interim exercirte actus sessionis et soflragiorum null and nichtig 
sein sollten^. Die brandenburgischen Gesandten lehnen diesen Vorschlag 
entschieden ab und verweisen auf das vom Kaiser in Prag ertlieilte Decret. 

80. Jan. Der schwedische Gesandte v. Bohlen bemüht sich jetzt sehr, wenn 

er ja für Pommern nicht zugelassen werde, es doch auf den Namen von 
Bremen und Verden zu erlangen. Die Gesandten richten deshalb ein 
eingehendes Memorial an sämmtliche Reichsstände (o. D.), worin 
sie den Gang der ganzen Verwickelung mit Schweden seit dem westfäli- 
schen Frietlen recapituliren. — ,8. Ch. D. merken gar wol, dass die Herren 
Schweden eben damit umgehen, was vor diesem Alexander Ersken zu 
Nürnberg practiciret, wodurch er die Reichsstände bewogen, dem Nürnber- 
gischen Executions-Recess die vorallegirte Clausul zu inseriien*); wie nun 
Ersken diesen Scopum erreichet, ist es von den schwedischen Miuistris 
so hoch ästimiret worden, dass man es eine prudentiam politicam genennet, 
durch diesen Vortheil S. Ch. D. aus den hinterpommerschen Landen zu 
halten*^; ebenso versuche es jetzt v. Bohlen zu machen. 

Kaiser Ferdinand III. an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 

29. Jan. 1653. 

[Versicherung des Kaisers über Weiterführung des Reichstags nach der Wahl. 
Bitte um Mitwirkung des Kurfürsten und gute Versprechungen für ihn.] 

29. Jao. Dnnk für seine günstigen Erklärungen in BetrefiF der Königswahl'). 

*) die Clausel nämlich, wonach die Räumung von Ilinterpommern erst erfol- 
gen sollte nach Kegulirung der (irmizverhundtung nebst den übrigen einschla- 
genden Fragen, v. Meiern Acta Kxec. Tac. II. p. 368. Urk. u. Actenst. 
IV. p.888. .Alexander Krskeinus, homo ad damna (jermauiae natus'', sagt 
Pfanne r p. 3. bei derselben (üelegenheit des Nürnberger Oongresses. 

') Der Kaiser hatte zunächst Kurnmiuz formell aufgefordert, eine Königs- 
wahl zu veranlassen ^dut. Uegensburg 17. Dec. 1G52) und in demselben Sinne 
auch au den Kurfürsten Friedrich Wilhelm geschrieben (id. dat.). Darauf 
hatte der Kurfürst sowol au den Kaiser als an Kurmainz im Allgemeinen zu- 
stimmend geantwortet, zugleich über gebeten, den Plan noch etwas zu verschie- 
ben, damit die Geschäfte des Ueichstug^ nicht durunter leiden möchten, auch 
müsse luvor Illnterpomrocrn von den Schweden reitituirt sein (dat. Colin a. Sp. 
31. Dec. 1662). Hierauf die obigo Antwort, 



Anregung der Köat^wahl. 



169 



Es bat mir im übrigen des Clmrfllrsten zu Mainz Ld. E. Ld. Eio- 
ivilligiing za Fortsctziing der Wabl in Lcrgebraelitem Vertrauea er- 
öffnet und zugleich Erwähnung gethan, was E* Ld. der Zeit und der 
Reichsgeschäften halber wokneiueud erinnert, damit inmittels der ge- 
troffene Fried recht zur'Execution gebracht und einem Jeden zu deme, 
was ibme daraus gebühret, wirklich verhol fen werden mucbte. Sie 
werdeo hingegen aus Sr- des Churförsten zu Mainz Ld. Antwortschrei- 
ben mit mehrerm vernehmen, dass meine Intention bei diesem von 
einem löbL Cburf. CoUegio zu des Keiehs Sicherheit und desto mehrer 
Befestigung des allgemeinen Friedens angesehenen Wahltag dahin zu- 
malen nit gerichtet, dass ich nach vorgaugener Wahl die Keichshand- 
langen abzubrechen oder ein oder anderm restituendo zu demjenigen, 
was ihme laut des Instr. Pac. gebührt, in Kraft desselben nit zu ver- 
helfen gedächte, sondern dass ich \ielmehr entschlossen bin und bleibe, 
den Reichshandlungen persönlich alliie abzuwarten und hoffentlich zu 
allerseits verlangtem billigen Ende zu bringen, dessen ich denn auch 
E. Ld* hiemit absonderlich versichern wollen. — 

Wann also das ganze von E. und dero Milchurfürsten LLdd. wol- 
bedachte Wahl werk durch die Guad Gottes bereit so weit gebracht, 
dass es fast allein bei E. Ld. Einstimmung mit der alhier anwesen- 
den Churförsten LLdd. beruhet, also habe ich zu E. Ld. das sonder- 
bare Vertrauen, Sie werden dasjenige, so ich dem geliebten Vaterland 
tum besten verlange, gern bcflirdert sehen , mir dies Orts nit ans Hän- 
den gehen, sondern sich mit dero Mitcburfürsten LLdd. allerdings 
conlbrmiren wollen; E. Ld* dabei freundgnädiglicb versichernd, . . . 
dass ich es um dieselbe und Ihr ganzes Churbaus danknehmig erken- 
üen und mehrers Aufnehmen alhie und in allen Occasionen und Zeiten 
bester Grestalt augelegen sein lassen werde. 



Der Kurfürst uü deu Kaiser Ferdinand IIL L»ut. Colin a. d. Sp. 26. Febr. 
W Fcbr lt>53, 

Theilt ihm mit^ dass er den Waldbrief mit dem Termin des 14/24. Mat 
Ton dem kurmainzischcn GesamUen^) angenommen hat uiiif demnach bereife 
i*t lur Vornahme der Wahl — „alles aber in der zuver^icbtlicheü festen 
Hoffouug^ das« vorhero meine mir bochaugehende pommerische Sache, 
tORicr deren Uichtigkeit und Restitution die völlige Beruhigung des Rei- 
che« festzut» lallen unmöglieh sein wird, nebest dem puncto executionis pacis 
Mf Richtigkeit gebracht wurden*. 



*) Dea kunoatDsischeQ geh, Eatli Sebastian VVitbelm Meeli der zu die* 
I Bekkaf nach Berlio geaaodt wordea. war. 



170 ^^* ^^ Reichstag za Regenabnrg. 

Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg "rdbr. 1653. 

>. Febr. Am 25. Jan. haben die Gesandten Audienz beim Kaiser, nm ihm dwr 

Yon Anzeige zu machen, dass der Kurfürst jetzt in der pommerischen Lt 
centensache seine Einwilligung zu der ^Participation in perpetuum*' gege- 
ben. Der Kaiser spricht seine Befriedigung darüber aus; in Betreff des 
noch längeren Aufschubs der Eröffnung des Reichstags aber erhebe er 
Bedenken: es seien nun so viele Reichsstände schon so lange hier ye^ 
sammelt, es sei zu fürchten, dass sie es müde werden und der Reichstag 
wieder auseinander gehen möchte. 

In den folgenden Tagen wird der Eintritt der pommerischen Angele- 
genheit in ihr neues Stadium auch den kurfürstlichen Gesandtschaften offi- 
ciell mitgetheilt. Besonders Kurmainz spricht entschieden dafür, dass der 
gewünschte fernere Aufschub für Brandenburg zu gewähren ist: „die Für- 
sten und Stände des Reichs (sagt der Kurfürst) hätten gemeiniglich ihr 
Privatinteresse für Augen und suchte nur ein jeder, wie er sich salyirete; 
die Herren Churfürsten aber wären Amts halber und mit Eidespflichtea 
dahin verbunden, auf das Universum ein sorgfältig und wachsames Äugt 
zu tragen und zu verhüten, ne quid detrimenti caperet respublica^. 

Nach der Audienz beim Kaiser am 25. Jan. gab es in der Antichambre 
allerhand Gespräche mit den kaiserlichen Räthen. „Dem Herrn Yolmar 
habe ich, Joh. Fromhold, auch dasjenige, was £. Ch. D. uns wegen 
dero künftigen Satisfaction vom Reich, sowol wegen der bisherigen Eol- 
rathung der pommerischen Lande, als auch empfundenen Abgangs und 
Verlusts bei dem Gränzzugc und jetziger Einwilligung der Licenten halber 
in gnäd. Befehl gegeben, behörig angebracht und vorgestellet '). Darauf 
er mir zur Antwort gegeben, wann wir, die Ohurbrandenburgischen, nur be- 
fördern würden, dass I. Kais. Maj. von dem Reich 150 Römermonat ge- 
williget würden, so könnten E. Ch. D. solches auch merklich mitgeniesseit 
Ich habe die ganze Summam für einen Scherz aufgenommen und geant- 
wortet, dass, wann es nur auf 100 Römermonate gerichtet werden könnte, 
so würde es dennoch vou dem ganzen Reich etliche Millionen aastragen 
und E. Ch. D. wegen des so hohen . . . Abganges an Ihren iuribus und 
Landen eine gute Satisfaction widerfahren können^. 



Relation vom Reichstag. Dat. J^fX. 1653. 

O.Febr. Kurmainz lässt am 25. Jan. eine Privatconferenz der kurfürstlichen 
Gesandten in seinem Quartier ansagen ^und hat der Kurmainzische Kanzlei 
Herr Dr. Lasser die Sache wegen des Vorbruchs des Herzogs von 
Lothringen und der Hostilitäten, damit er und die französisch Condöi- 
schen Völker das Reich im Erzstift Trier und Stift LütUch anfallen pro- 
ponirt**, worüber das beiliegende Protokoll. 



•) Vgl. Urk. u. Actenst. IV. p. 88». 



Protokoll im Kurf. Mainz, Quartier von '?;fcbV. 1653, 

Herr Kanzler Lasser: Chiir Main» lässt proponirea, dass Chur 7* 
Cöln Sr. Ch. Gn. vorgestern zu erkennen gegeben, wasgestalt sich die Loth- 
ringische Völker unternehmen im Stift Liitticb Quortier zu socbeD, verüb- 
ten grosse Insolentien, sogar dasg de sich .-nich beschlossene Oerter an- 
togroifen unteretünden; würden dazu ans den spanischen Oertern, als 
Marieilburg und Philipp^^etadt mit Darreichung Volks ^ Gesehiits und Mu- 
nition verhol feu. Die Condaeischen Völker nahetcn auch heran und würde 
der Kaiser!. Abgeschickte Uerr v. Starnberg aldort fast schimpflich ge- 
haJtfti *). Daher S, Ch. D. begehret, die in dieser Sache vordem gehaltenen 
CoDfercDtien tu coutfnuiren und uff Mittel zu gedenken, wie dem Unheil 
sowoi des als anderer Orten vorzukommen und zu wehren. 

Chur Trier. 8. Ch. Gn. hätten bei der ordinär Post Avisen bekom- 
men, da£8 der Condaeische Gouverneur iu Damvilliers einen Streif ins Trie- 
riselie aud bis auf eine Stunde von Trier thun und viel Vieh und Pferde 
aelimen lassen; und als das Domcapitel bei einem Trompeter deswegen an 
ihn geschrieben und um Kemediruug gebeten, hatten sie zur Antwort be- 
kommen: wann er rathen sollte, so möchte der Ort ^ich gutwillig zur Un- 
terhaltung der Teste Damvike in Contribution einlassen, sonsten würde es 
schwerlich zu reraediren sein. S.,Ch. Gn. hatten es an die Kais. Maj. ge- 
ht, welche es weiter an den Erzherzog und der spanische Amba^isadcor 
den Conte de Fuensaldagne gelangen lassen. Es wiire aber noch 
kbine Antwort erfolget» unterdessen lie^äen sie sich vernehmen, aJlo§ bis 
m Rhein in Contribution zu setzen, L Kais. Maj. hätten zwar den Grafen 
T Starnberg an dt^u Erzherzog «bgeiscbickct; wie aber die Instruction 
eiogeriebtetv und ob ihm die Avocatoriu« davon geredet worden^ mitgegeben, 
wässtü man nicht; die Rede gin^^e, daäs ihm ein Courrier nachge schicket, 
•Q mehr in Befehl haben sollte als der Graf. Aber es wäxe noch keine 
Antwort zurückkommen 

Chur Cöln. 8.,Ch. D. hätten gewisse Nachricht, dass die Lotbringi- 
•cbe Völker die occupirte Oerter nicht allein nicht restituiren wollten, son- 
^tn zögen auch die Condiiischen an sich und bauseten übel, hätten schon 
«intersehiedene Oerter im Lüttiscben in Braud gestecket. [Der Kaiser habe 
gtrodnt, man müsse zuerst den gelindesten Weg versuchen, er f^ehe keinen 
Weg ttk Gewalt-] Es wäre zu beklagen, dass so gar keine Verfassung 
ini Reich und sich kein Stand des andern annehmen wollte, und gereichte 
mvqI der Emx», Maj als dem ganzen Reich zum höchsten Despecti dass 



Febr, 



mä 



') Vgl. ober diese lothnQgisch-conde'ächeu Angelegeoheiien Droysen IIL 2. 
P'153£ (irttf Waldeck p. 157 ff. Schon im üecember 1652 hutto der Kaiaer 
^^ü Grafen Joh. Reiühnrdt r. Starhemberg mit einer abmahnenden But- 
it\itJi tn den Lothringt^r gegchickt; seine loBtruction siehe bei ▼. Meiern L 
^15$ ff, wo stob auch das Antwortschreiben dea Herzogs von Lothringen findet 
^»t Brüssel 28. Febr 1653. üeber die wenig entgegt^nkommeode Aufnahme des 
ktiaerlicheo Gesandten bei dem Herxog s. auch die Notiz bei Pfanner bist, 
oomit. p, 217. 



172 ^^' ^®' Beichstag sa Begeosborg. 

sich Lothringen solcher Gewaltthaten bei währendem Reichstage and also 
in conspectu Imperii unternehmen dürfen; wann demselben nicht sollte ge- 
wehret werden, so könnten S. Ch. D. and andere Reichsst&nde nicht beim 
Reichstage verbleiben. Weil nun der gelinde Weg nicht helfen wollte, so 
sähen Sie kein ander Mittel, als dass nach Ausweisung der Reichsabschiede 
müsse verfahren werden; und wäre die Kais. Maj. zu ersachen, mit Pabli- 
cation der Avocatorien zu verfahren oder zum wenigsten, dass selbige dem 
Grafen v. Starnbcrg mögen nachgeschickt werden; und dass einem jeden 
daranfzuschlageu erlaubet werde; und müsste darin ein Kreis dem an- 
dern beistehen, weil es communis causa, und was heute Lüttich, morgen 
einem andern Stande auch widerfahren könnte. 

Die andern Vota, Baieru, Sachsen, Brandenburg geben nichts 
Neues; Pfalz bemerkt, er sei der Gefahr am nächsten ^und die Lothringi- 
schen Guarnisonen in Homburg und Landstul schon anfingen, etliche Ort 
in Oontribution zu setzen^. 

Chur Mainz. Er habe einstweilen, um einer Ausdehnung der Gefahr 
vorzubeugen, einen Kreistag im ober- und niederrheiuischen Kreis aasge- 
schrieben. 



Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Colin a. Sp. 

1/11. Febr. 1653. 

[Neue Winkelzüge der Schweden in Pommern. Die Gesandten sollen anf Ver- 
schiebuDg der Proposition, nud wenn dies nicht za erreicheo, jedenfalls auf 
Nichtzulassung der Schweden dringen, und widrigen Falles den Reichstag mit 

Protest verlassen.] 

l. Febr. Nochmalige Darlegung des Verlaufs der Licentangelegenheit; der Kur- 
fürst hat endlich die Participatiou zugegeben, um das letzte Hindcrniss der 
Restitution von Hinterpommern zu beseitigen. Gegen alles Vermnthen be- 
ginnen nun trotzdem auch jetzt noch die Schweden immer neue Winkel- 
züge *). 

Nun können Wir aus diesem allem ein mehrers nicht nrtheilen, 
als dass ihnen entweder gar kein Ernst jemalen gewesen sei, Uns 
Unsere Lande wieder zu restituiren, oder dass sie mit dergleichen 
Tergiversiren vermeinen, die Sache so lange in bisherigem Stande 
und Genuss zu halten, bis sie sehen werden, ob man zu Regensburg 
auch bei dem Uns einmal wolbedächtlich ertheilten Decreto, sie we- 
der zu Anhörung der Proposition noch einiger Session zu admittiren, 
beständig verbleiben werde. — 

Sollte nun ihre Meinung diese sein, mit fernem dergleichen dila- 
torischen Antworten Uns von einer Zeit zur andern immerhin ufzu- 
halten und das Land von aussen ansehen zu lassen, so können Wir 



») Urk. u. Actenst IV. p. 932. 



Neoe Weiteraagen in Pommero. 



173 



keiji anders refa^um, als nächst Gott und Unserer gerechten Sache 
m I, Kais. Maj., dem ganzen Kam, Reich und andern Potentaten, so 
vermöge Friedenschiuss zur Garantie verbunden sein, nebmeil und 
haben zu hoffen, dass keiner derselben dieso so kundbare Unbilligkeit 
gut heisren, sondern Uns vielmehr zu dem Unserigen zu verhelfen 
gieh obligiret achten werde. 

Sollte es aber das andere sein, und dass sie meinen nijjehteu, sie 
wollten sehen^ ob sie zu Kegensburg bei Iheils Ständen einen Vortheil 
erjagen und zu der Propositiou. auch vuüs und sessionihus admittiret 
werden könnten und entzwischeu die Wiederabtretung der Lande so 
lange als immer möglich remoriren, so wollen Wir hoffen, I. Kais, Maj. 
sammt dem Churf. Collegio werden es bei dem Uns gegebenen De- 
cretü bewenden lassen und die tlbnge Fürsten und Stände des Reichs 
mi denselben sich willig und gerne conformiren und die Kön. Schwe- 
dische Commissarios wegen Pommern, Bremen und Verden keines 
Weges admittiren- 

lozwisehen will der Knrfürst noch 6 Wochen laog einen oder zwei 
Commissare m Stettin lassen, ora dort auf die Endreseilutiun der Königin 
tu warten, die andern aber von dort abrnfen; und zwar mit der Itedingnng, 
diis, wenn die Schweden in dieser Zeit die Sache nicht zu Ende führen, 
«Wir alsdann au allem dem, was Wir bishen* wegen des Ureu/^zuges^ als 
wck üonsten verwilliget utid abgetreten, nicht obhgiret oder verbunden sein 
wollta'* *). 

Die Hauptaufgabe der Gesandten i^t für^s erste ^ die Proposition noch 
iitige Zeit hinanszuschlebeu; ui dies nicht zu erreichen, so haben sie mit 
wn Mitteln die Zulassung der Schweden su derselben za verwehren; sollte 
iber gar auch dieses vergeblich sein: 

80 wollet Ihr Euch bei L Kais. Maj,, dera Churf, Collegio und 
ilmmtlichen Ständen angeben und diese ausdrückliche Anzeige thua, 
iuB auf solebcn Fall Ihr befehliget wäret, ganz von dünnen zu zie* 
heu und wider alles, was bei dem ganzen Reichstag zu Unserm Prä- 
jttiliz Torgenommen werden sollte, aufs feierlichste zu protcstircn und 
UM alle Nothdurft zu reserviren'); auch au allem doru, was I, Kais. 
Miy, in einem und anderm zum besten verwilliget werden möchte, 
ganz nicht verbunden sein wollen; allermaassen Ihr dann auf sulchen 
Fall Selbsten nicht zur Proposition kommen, sondern Euch von dan- 

wieder anhero erheben sollet. — 




174 



IL Der Beicbstag z\i Regengbtirg. 



An demfielben Tage bewilligt der Kaiser durch Beeret dat. Regeos- 
barg IL Febr. 1653 den Aufschub der Proiibsition auf 5 Wochen. Die 
Eröffnuag äc^ Reichstags soll demuac'h am 10, März Statt finden. {ReJ 
tion dat. 3/13. Febr. 1(153.) 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 7. Febr. 1653, 

[Verband langen mit dem königlich etißflisclien Gesandten. Brandenbarg und 
die Grafäcbaft Reinstein und Blankenborg, Eine literariscbe Dedicaiioo,] 

17. Febr. Am 2/12, Febr. eine Coiiferenz der kurfürstlichen Gesandtschaften, um 

einige Punkte zu berathen, die vor der PropositioD in Ordnung gebracht 
werden müssen. 

Den 4. hujus frühe um Uhr ist der Kon. englische Gesandte 
(welcher sich aber noch zur Zeit pro solemni Legato nicht geriret, 
sondern nur mit zwei Pferden fähret) Sir Wilmod, jetzo Graf von 
Glocester')^ bei oos gewesen, hat gar ein kurz Compliment gemacht, 
veruiittek welches er angedeutet, dass er von seinem Krmige befeh- 
liget wäre, sieh an E. Ch. D. und dero alhiesige Gesandlschafk vor 
allen andern zu adressireu, indem L Kön* Maj. Ihr grösstes Vertrauen 
unter den deutschen Chur- und Ftirsteu auf E. Ch. D. gesetzet, er, 
der Gesandte, auch darvon schon alhier eine grusse Probe gesehen 
hätte, indem L Ch.' Gd. zu Mainz ihm ein Sehreiben gezeiget, so E. 
Ch. D* au dieselbe wegen seines Königes in terminis der g-rössten 
Aflcction und Liebe gethan; darvou er auch alsofort Abschrift genom- 
men und L Kon. Mnj. zugeschickt hätte. — Ueberrcichte darnäebst 
ein Schreiben von L Kön, Maj. an E. Ch. D., so wir hierbei unterth. 
Uberschickcu thuu» 

Wir haben ihm regestis debitis curiatibus zu verstehen gegeben, dass 
yon E. Ch. D, wir alsehou gnädigst und ausdriieklich befehligt wären, 
L Kön. Maj- desideria und des Uerren Gesandten negotiationes alhier 
aufs beständigste aller Orten zu sccundiren — und hat er darauf nach 
einigen hinc lüde geschehenen freundlicheu ^Contestatiünen seineu A^ 
scheid genommen. fl 

Den 5. hujus frühe um 8 Ubr ist der gräfliche Tetten bachi- 
sche Gesandter bei mir, dem Kairzler Fromholden, gewesen und 
hat diesen einzigen Punkt vorgebracht, dass in dem niedersächsischen 
Krei8.schln88 diese verfängliche Clausel enthalten wäre, dass das Haus 
Braunschweig wegen des Ftlrstenthums Kahlen berge künftig auf 
Kreistagen mit dem voto wegen der Gralschaft Heinstein und F" 



■) Geaandter des im Exil lebeadeu Karl (IL) Stuart von England. 



Der Gesandte Kat\ Stniirt's. Remsteiu und BlaDkeobtirg. 



175 



kenburg admlttirt werden sollte. Nun wäre dies eine Sache, so 
nicht allein seinem gnädigen Grafen und Herren, sondeni auch E. Ch, 
D* als dem unstreitigen Lehnherrn von gedachter Grafschaft Reinsteiu 
zu merklichenj Präjudiz gereicbete; dahero nüthig sein würde, in Zei- 
ten rorzukomnien und dem fürstlichen Hause Braunschweig solche 
Ein«^ffe nicht einzurfiumcn; wie er dann verhoffen wollte, E, Ch. D. 
rieh des Herrn Grafen als dero Lehnsmannes wegen gedachter Graf- 
schaft Reinstein gnädigst annehmen und seine Protestation und Con- 
tradietion secundiren helfen würden; wie dann sein gnädiger Graf 
und Herr ihn befehliget hätte, deshalb nicht allein mit einer Prote- 
station bei dem Kreisdirectorio, sondeni auch mit einem Memoriali bei 
lKai8.Maj. und L Ch. Gn. zu Mn'mi alhier einzukommen, so er auch 
förderlichst zu Werk richten würde. 

Ich dankte ihm wegen der Apertur und versprach, dass E. Ch. D. 
ith es unterth. hinterbriugeu und dero Befehls, wie meine Herren 
CoUegen und ich uns deslmlb zu verhalten hätten, erwarten wollte; 
iweifelte aber in antecessum nicht, es würden E. Ch. D. wegen Ihres 
imstreitig zustehenden juris nicht allein vasallagii, gondern auch terri* 
torii Ihr von dem fürstlichen Hause Braunsehweig dergestalt nicht ein- 
greifen lassen, sondern zu Behaui»tuiig dero Rechtens alle nöthige und 
cureicheude remcdia wol anzuwenden wissen, — 

Besehliesslich haben E, Cb. D* wir hierbei denjenigen Tractatj 
'Ichen Einer Nameos Valerius Gaschius aus Pummcrn E. Ch. D. 
dcdiciret und uns alhier offeriret hat, hierbei unterth. überschicken 
Uöd uns Befehls crhulen wollen, was wir ihm deshalb (weil es wol 
^heinet, dass er zu solchem Ende anhero kommen ist und darauf 
lieget und wartet) Namens E. Ch. D, für eine Reeognition und Ver- 
ehrung thun sollen'). 



')Zachariai2 das SuccesaioQsrecht im Gcsammthtiua ßrauuschweig-Lüaeburg 
rW62lp.l34-— Bohlmann Denkschrirt über die prlorrtät. ÄDsprüche Freaaaena 
IB d. Hertogth. Wolfenbüttel (18(ji) p, lOL Iß dem Brnunachweiger Receaa rou 
\wt>ii dem 1644 au den (»rafeii 7'ettenbach verliebeoen Stücke von fUia* 
ßede, übtT uichtä von einem braadüuburgidcheu khtisherrlichtiti Recht. 
^i £0 war ein theologischi^r Tractat; der Kurfüral weist dem Verfasser 
lEaioJot, dat. 14/24. Febr.) 40 Rth. dafür an; aber ehe noch dieser Bescheid ein- 
tnSij haben die Geaandten ihn, da er nicht langer warten kounte^ mit 10 Rth. 
Brief an den Hofprisdiger Berg io Herün eotlaflseo* 



176 ^^' ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

Resolution des Kurfürsten. Dat. Colin a. d. Sp. 
14. Febr. 1653. 

[Die Roinsteiu-Blankeoburgische Sache. Die fürstlichen Häuser Naasaa und 

Zollcrn.] 

24. Febr. Dem englischeo Gesandtcu sollen die besten ZusicheniDgen gegeben 

werden. 

Dass das Haus Braunschweig wegen der Grafschaft Reinstein und 
Blankenburg sich eines sonderbaren voti auf Kreistagen anmaassen 
will, und dass der Kreis in dem neulichst gemachten Schlüsse solches 
admittiret, ist eine unrechtmässige Sache, so resp. Reinstein zuforderst 
Uns dem Lehnherrn und dann dem Grafen zu Tettenbach als ya- 
sallo viele zu nahe gehet. Derowegen Ihr dann dem gräflichen Tet- 
tenbachischen Gesandten sowol bei dem Kreisdirectorio, als auch bei 
der Kais. Maj. und Chur Mainz vermittelst nöthiger Memoralien und 
Protestationen zu assistiren und dass solche Admission cassiret wer- 
den möge in Unserm Namen anzuhalten. 

Ferner haben die beiden Fürsten als der v. Zoll er n und Nassau 
Iladamar an Uns geschrieben, wegen dass theils Fürsten, so nicht 
dergestalt im Reich, wie sie, gesessen, daher dass sie vor ihnen in 
den FUrstenstand erhoben worden und solches zu hintertreiben be- 
gehret. Wir haben auch gesehen, dass Ihr gleichfalls deshalb wollet 
befehliget sein. Nun will Uus bedUnkeu, dass dieses so gar ohne 
Fundament nicht sei und dass erstlich das Haus Nassau nicht allein 
wegen der im Reich habenden ansehnlichen Lande, sondern auch 
weiln vor vielen und langen Jahren Fürsten in diesem Hause gewe- 
sen, in Acht zu haben. Nachdem es aber auf die maiora ankommen 
wird, so werdet Ihr sehen, ob und welcher Gestalt dieser Streit ohne 
Hinderung der publi(iues affaires in der Güte kann beigeleget und 
nach Möglichkeit zu conteuto des Hauses Nassau möge abgehandelt 
werden. Dass aber Ihr, des Fürsten von Nassau Ld. glcichwol über 
alle solche Fürsten und in specie über denen v. Zoliern, als welche 
viel hundert Jahr sehr stattliche Lande besessen, von uraltem Hause 
sein und viel Jahr hero Fürsten gewesen: solches halten Wir nicht 
vor so gar billig, sondern meinen, dass zwischen selbigem Hause und 
zwischen Eggen bcrg, Lobkowitz und dergleichen dannoch ein 
grosser Unterschied sei. Werdet also nach Möglichkeit die Sache zu 
billigen Wegen befördern. 




Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Cüllri a. d. S|i. 

9/19. Febr. 1653. 

[Diverse Reichstapgeschäfle. Kurpfalz angeblich vom Kaiser darch Geld 

gewouDen.] 

Den gcsamDiten EvangelischeD in den schlesischeD Förstenthü- 19. Pebr 
Buern sollen die Gesandteü io Betreff der freien ReligiouB Übung jeden Vor- 
ichöb ÜiüD *). — Die Angelegenheit Herford-Fürstenau wird nun hof- 
fenllicb abgelban sein, — In dem vom Kurfürsten von der Pfalz erhobenen 
Fr&cedenzstreit gegen Kurbaiern sollen die Gesandten eine Ausglei* 
ehaog suchen nnd darin gemeinsam mit Korsachsen gehen. — 

Aof den Vorschlag einer vorläufigen und zeitweiligen Zulassung der 
Schweden darf man 8ieh gar nichl einlassen: UtrpUt» ejicttur quam non a^- 
miUltur hosjtßM, 

Sonsten werden Wir berichtet, dasa I- Kais. Maj, des HeiTn Chur- 
pfalzens Ld., als bei derselben Sic zu Frage gewesen, 80t000 Ducaten 
liaben auszahlen lassen, und dass solches durch spanische niinistros 
solle geschehen sein. Weil Wir dann ganz gerne wissen mochten, 
ob and zu welchem Ende solches geschehen sei. Uns auch sonsten 
eia und andere Kachricht zukommen, als ob 8. Ld. wider Unser bes- 

Vermuthen sehr nach der katholischen Partei iucliuiren sollten* 

befehlen Wir Euch hieniit gnädigst, dass Ihr mit aller Dexterität 
nach dem Grund dieser Sachen forschen und dasjenige, so Ihr in Er- 
bbiung bringet, Uns Torderlichst avisiren wollet. — 

F» S, Ein polnibchcr Gesandter soll zum Keicbstag kommen; die Ge- 
cuidltii sollen gute Correspondenz mit ihm pflegen. 



Relation vom Keicbstag dat Kegensburg 18/Febr. 1653. Ueber 28. 
k Aossahlang dieser 80,000 Dnc, an den Pfalzgrafen haben sie nichts gc* 
kilty psoodern wol dieses rermerkti dass L CL D, etwas loco eompensa- 
Mg Tigore Instr. Fae. mögen empfangen haben*^. 



Febr. 



Relaiiori vom Reichstag. Dat. Regensburg 10. Febr. 1653, 

[Die hraanschw^eigischeo Herzoge gegen dio Excloiion der Schweden. Andere 
UtcbiitattoueQ za Gunsten Scbwedeoa. Aiigebticbe Stimmung der Bchwedisclieo 

llegierung.] 

Gestern frühe vor dato haben wir von dem Herren Hessen Cassel- 20. 
lelieu Gesandten, dem t. Crosegk, erfahren, sammt die Herren Her- 

*) Vgl über die brandenlitirgischen BeEiebangeo zu der 8ache der schlesi* 
t^sxji E^aogeliscben in dieser Zeit ausser den allgemt'JDen Bchicsisehcn Kirchen- 
|«acblcbtea auch besonders Bakisch obsenatioaeA histor pulrt. ia tnst Pac. 
p. 415 ff« and überhaupt zur Sacbc düri durt ah Anhang gegebenen Aufsatz: 
rAcla Comiliorum lUtisbon, de o. 1653 et M etc." p. 428 ff. 

d. Gr. Kurrai^ieii. VX 12 



Febr. 



178 



IT, Der Reichstag za Regen ab arg. 



zöge vom Hause Braunschweig Lüneburg ein Schreiben an L Kais. 
Maj. hätten abgehen lassen, darinnen sie zuforderst entschuldigtet, itm 
sie ihre Gesandte bis dato noch nicht anbero gescbicket hätten; es 
sollten sich aber dieselbe schon zu rechter Zeit einstellen. Indessen 
hätten sie verstanden, dass L Kais. Maj. die alhier seiende schwedi- 
sche Gesandte zu Anhörung der Proposition und den Sessionen nicht 
admittircn wollten. Welches aber, weil es eine sehr gefährliche Sache 
würe^ die viel Unglück nach sich ziehen könnte, sie, die Herzoge von 
Braunschweig, aber an solchen Orten wohnten, da sie es am ersten 
treflen würde, so hätten sie nicht umhin gekonnt, ein solches I. Kais. 
Maj, allerunterth, zu remünslriren und zu bitten, hierin Aenderung zu 
treffen; es würden sich sonst noch wol andere bequemere Mittel fin- 
den, dardurch E. Ch. D. zu Ihren hinterpommerischen Landen gelan- 
gen könnten, ohne dass man die schwedische Gesandte von dem alhie- 
sigen Convent abwiese, welches dann die Königin und Krön anders 
nicht als für einen grossen Sehimpf aufnehmen und daraus sonder 
Zweifel viel Unheil entstehen würde. — ^M 

Dass sonst auch etliche von den furötlichen evangelischen mJ 
katholischen Gesandten Vorhabens sein sollen, bei L Kais. Maj. mit 
einer Ilemonstration wegen Adraission der schwedischen Gesandten ad 
sessionem et votum einzukommen, ist uns gleicher Gestalt gestern 
andenveit berichtet worden. Welches wir aber unserer Schuldigkeit 
nach so viel immer moglicb zu divertiren und zu behindern suchen 
werden. — 

Demnächst seind wir auch glaubwürdig alhier berichtet, dass Einer 
Namens Johann Georg v. Mcrkelbach (welcher bei den Univer- 
salfriedenstractaten des Herrn Markgrafen von Baden Durlach Ge- 
sandter gewesen und das Instrumentum Pacis mit unterschrieben hat) 
neulich aus Schweden auhero kommen, welcher mitgeliracht, das« 
man daselbst, als man erfahren, dass das Dccretum, so I. Kais. Maj. 
zu Präge ertheilet, heraus wilre, sich sehr lustig darüber gemacht 
und vorgegeben hätte, dass solches das Mittel sein würde, die hinter*: 
ponimerische Sache noch in dreis^ig Jahren nicht zum Stande zu brin- 
gen; gestalt dann die vornehmen Ministri zu Stockholm sich verneh- 
men lassen, dass die anher destinirte Gesandte bald Ordre bekommen 
sollten, sich von hier zu begeben; dann der Krone Schweden an dem 
Keichstag so gross nicht gelegen wäre, dass sie sich dabei beschim- 
pfen lassen sollte. Oh nun dieses an schwedischer Seiten also, wie 
es geredet und ausgegeben worden, gemeinet oder ob es nur ein 
semblant sei, einigen Vortheil dadurch zu erlangen, wie bei ihneo- 



Ireden n, d, Yersogerofig: d. Kroffuung. Zttsammenkünfte d. Eraugeliscbeii. { 79 

loiial nicht ungebräuchlich ist^ das könaen wir eigentlich nicht 
wisieiL — 

P. S. Auf vorschiedcne Anfragea m Betreff des bratitifichwcigische 
Schreibens hat man nocVi nicbu näheres erfahren können. 



Ret&tion vom Reichstag dat Begensburg 18. Febr. 1653. 

Der Lübecki^che Gesandte Gloxinius klagt, dass die Katholii^chen 28. Febr.' 
je lÄager je mcbr das Inst Pac. gegen die Evaugel Ischen zu verdrehen 
lueW'n; namentlich in Oberdeuti^chland kamen, wie er höre, immer stärkere 
Verletzüugeu vor. Er schlägt vor, dass die Evangelischen beginnen müss- 
UfO^ sich näher ^u^amraenzuthun, ^gleichwie die Katholischen täglich in 
Ibftii Kirchen zusammeuznkommeu Gelegenheit nähmen'^; es sei zu besor* 
g«j, das^ der Kaiser den Heichätag verlasse, sobald er seine Wünsche er- 
reicht habe und dann sei es mit den Gravnmina Evangelicorum vorbei. 
Die Brandenburger antworten, sie hatten bisher Bedenken getragen, solche 
ZiiÄainmenkünfte vor der formülk-u Eröffnung des Keichstags zu veranlas- 
«tn^ um keinen Ansto^ss zu erregen; de woHten aber darüber mit den knr- 
^^bsfÄchen Gesandten sprechen. 

Dies geschieht nach ehiem beiliegenden Protokoll noch an demselben 
Tig, und luuu beschliesst, mit den anderen evangelischen Btänden in eine 
rpgulire Verbindung zu treten. 



i>er Kuriurst an die Keichst^igsgesaiidten. Dat. Colin a. tL Sp. 

19. Febr. 1053. 

[Die Vfeil 'on id Stettin noch nicht zo Ende; Verhaltaügämaasaregeln. — 

Du: lotii. i Völker im Reich; kaiBerliche und katholischo Plane etuer 

iMwn Aruiaiia Brandenburgischcr Vorschlag von KreismstUQgen gegen den 

LothriogerJ 

Trotz der Vorspiegelungen, die der schwedische Gesandte Büren kl au l.März. 
dem Kammcrcurrier des Kurftirsten in Hegensburg von der Nähe des Ab- 
icUuäses in Stettin gemacht hat, steht dort noch alles beim Alten, und 
vartet mau noch immer auf die Kesolutton au8 Schweden. Diese kanu 
nh* j dem für die Proposition bestimmten Termin (10. März st. n.) 

di'.L iiL'n, sondern wird erst etwa 10. März st. v. erwartet. Die Ge- 

iaadteu s<)lten anheimstellen, ob man die Proposition noch um eiu kurzes 
ftrscbleben will; wird dies nicht gut befunden, so mag immerhin die Pro- 
pödkto» geschehen, aber jedenfalls ohne Zulassung der Schweden; .sollte 
4j* let2ti*re doch erfolgen, so haben die Gej^andten Regensburg zu verlassen. 

P. S. (Concept von Blumenthal) Auch haben Wir Euch etc. 
gnftdipt berichten wollen, dass Wir Uns, was Ihr jüngst wegen des 
Htnogefl von Lothringen Ld. Volker, oud dass dieselbe das Reich 
fritttreo ttod die in demaelben annoeb inhabende Plätze evaciiiren 
nMei^ ancl dass deshalb von L Kain, Maj. der Graf v. Starnberg 
ibgeieliiekt sei, referiret^ gehorsamst vortrag:en lassen und unter an- 

12* 



jgO n. Der Reichstag ca BegeDsbarg. 

derm ersehen, dass darin gemeldet wird, daas I. Kais. Mig. von tbeila 
Ständen wäre ersuchet worden, Ihre Regimenter auf den Fall, da des 
Herzogen Ld. sich nicht der Billigkeit nach erklären würden, hinunter 
zu schicken und dieselbe zur Quittir- und Delogirung anzuweisen. 

Nun kommt Uns dieses etwas nachdenklich vor und können nicht 
eigentlich wissen, ob I. Kais. Maj. solches allein geschrieben, des 
IIcr/.ogs Ld. dadurch so viel ehender zur raison zu bringen, oder ob 
dieselbe von theils katholischen Chur- oder Fürsten hier realiter zu 
sein ersuchet worden; und müssen dahero billig in die Sorge gera- 
then, dass, wenn dieses geschehen wäre, die Intention nicht sein 
möchte den Lothringer zu zwingen, sondern vielmehr unter diesem 
Prätext eine neue Armada, so vielleicht allein von L Kais. Miy. und 
den katholischen Ständen dependirete, in das Reich zu führen und 
die evangelische Stände, wie vor und nach dem Frieden geschehen, 
mit beschwerlichen Ginlogirungen und Gcldhergehen zu belästigen. 

Wollet also Euch dieses Werks Beschaifeuhcit nach aller Mög- 
lichkeit erkundigen, wer nämlich dieselben gewesen sein, so solches an 
I. Kais. Maj. begehret haben, und Uns davon aufs eheste Bericht er- 
statten. Dann ob Wir wol mit denen, so des Herzogen Ld. und Ihre 
Volker gerne ausm Reich sehen möchten, ganz einig sein, auch kein 
ander Mittel abschen, als dass, wann dieselbe sich in der Güte dazu 
nicht bewegen lassen wollten, man die Zwangsmittel zur Hand nehmen 
müsse, so finden Wir doch sehr gefährlich, dass solches von L Kais. 
Maj. und den katholischen Ständen allein geschehe, sondern vermei- 
nen, es werde viel besser sein, wann etliche Kreise einen Anfang 
machten, sich in Defension zu stellen und dahin zu sehen, dass die 
übrige dergleichen thun möchten, damit also in des ganzen Reichs 
Namen unter einem gewissen General, der L Kais. Maj. und dem 
Reich mit gleicher Pflicht verwandt wäre, solche Impresa vorgenom- 
men werden möchte. [Auf welchen Fall und da man Uns Unsere 
pommerische Lande nicht restituiren wollte. Wir Uns derselben mit 
mehrer Sicherheit und unterm TituI einer vom ganzen Reich dependi- 
renden Assistenz würden bedienen können] '). Ihr werdet dieses Euer 
Uns bekannten Vorsichtigkeit nach alles dergestalt incaminiren, wie 
Ihr selbst urtheilen werdet, dass es za Eriangung einer beständigen 
und nachrichtlichen Gewissheit dienend sein wird, und dass Wir wis- 
sen mögen, ob und wer von den katholischen Chur- oder Fürsten 
solche Hinabschickung der Kais. Völker begehret habe, item ob und 
welche Stände zu einer solchen Kreisverfassung möchten incliniren. 

') [-] i» Goneept dorohstricheo. 



Die Lothriogergefahr. Duca d'Amalfi. f g| 

Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 28. Febr. 1653. 

P. S. Es sind die Kuriurstcu vou Cölii und Trier gewesen, wciclie 10. März 
sich besonders über das Unwci^en der Iüthrin«ri>ehen Tru])pen beklagt lia- 
bea; die Sache ist iui Kuriürstcnratli zur Jk^sprocliung gebracht worden, 
liso nicht allein von katholischen Stünden betrieben worden; sie würde auch 
im Fünstcnrath vorgekommen sein; aber dieser ist wegen Verzögerung der 
Fropositiou noch nicht eröfinet. Der kais. geh. Ilath Volmar versichert 
Mf Befrageni ^I. Kais. Maj. sei nicht bedacht gewesen, einige Ihrer Re- 
gimentern den Lothringern entgegenzuschicken, sondern noch Anfangs Be- 
denken getragen, die avocatoria maudata zu ertheilen und erstlich das Werk 
I. hochf. D. dem Herrn Erzherzogen zu Brüssel vortragen lassen wollen; 
nnd das8 die Execution durch die Kreis, wie im Reich gebräuchlich, vor- 
genommen werden sollte*^. 

Die fünf Wochen der Aufschubsfrist für die Eröffnung des Reichstags 
sind jetzt verstrichen; es werdeu aber von dem Kaiser und den Kurfürsten 
abermalige 14 Tage bis zum 24. März st. n. bewilligt. 

Der Duca d'Amalfi (Piccolomini) betreibt jetzt seine Zulassung zu 
Sita und Stimme auf dem Reichstag. Es wird in Bezug darauf an das 
erinnerti was im Reichsabschied von 1641 in Betreff der ^neuen Fürsten^ 
bestimmt ist, bevor ihre Zulassung erfolgen könne, nämlich: „1) dass die- 
selben sich mit rurstenmässigen Gütern im Reich sollten possessioniret ma- 
chen; 2) sich einem gewissen Kreise im Reich incorporireu und daselbst 
Stelle nnd Stimme halten und führen, auch zu den allgemeinen Reichsan- 
lagen und Unterhaltung des Kammergerichts das Ihrige zutragen; 3) dass 
sie nicht prätcudiren sollten, denen Gesandten von den alten fürstlichen 
Häusern, wie sonst Fürsten in Person in collegio Principum zustehet, vor- 
znsitzen, sondern ihre Stelle nach denselben nehmen sollen*^. Kurmaiuz 
schlägt vor, mau solle bei dem Duca in Anbetracht seiner treuen Dienste 
für Kaiser und Reich eine Ausnahme machen und ihm Sitz und Stimme 
gestatten, aber mit dem Vorbehalt, dass seine Nachfolger diese nicht eher 
erlangen sollen, als bis sie deu obigen Bedingungen nachgekommen*). 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 5/ 15. iMärz 1653. 

[Polatsches Hilfegcsuch gegen Cosakeu und Tutareu. Polnischu lutercessiou 

für die ruinische Köuigswahl. Handstreich gegen eiiieu üepiitirteii der osterrei- 

ehischen Evangelischen. Die Kvangelischcn in Schlesien. Seltsames Angebot 

in Betreff des Fürstenthums Halberstadt.] 

Selbigen Abend [2/12. MärzJ haben wir dem Sonntags vorhero 15. Mutz 
alhier angekommenen KOn. polnischen Gesandten') die formelle Visite 

>) Vgl. unten s. d. 8. Mai Itöd, und dazu v. Meiern I. p. 245, wo der Duca 
d'Amalfi seine Admission ohne die obigen Bedingungen damit befürwortet, 
.weil er keine Kinder hätte und also . . . sothaue Dtgnität . . . mit seinem Leben 
expiriren würde." 

*) Vgl. V. Meiern I. p.l37. 



|g2 1^- ^^^ Reichstag: zu Regensburg. 

gegeben. ... Als nun die gewöhnliche Curialien von beiden Thcilen 
gegen einander abgeleget, überreichte der Gesandte uns das hierbei- 
liegende Creditiv an E. Cb. D. und stcllete uns frei, ob wir solches 
eröffnen wollten, brachte darauf an, dass von seinem gnädigsten Kö- 
nige er vornehmlich zweierlei alhier zu suchen befehliget wäre: 

1) Weil das Königreich Polen vorjetzo nicht nur von einem, son- 
dern vielen Feinden bedränget würde, gestalt dann noch in Neulich- 
keit der Hospidar in der Wallachei, wie auch in der Moldau sich vor 
den Chmielnicki wider das Königreich Polen erkläret, und aber so 
vielen Feinden mit Macht zu widerstehen sothanes Ihr Königreich zu 
schwach sein würde, Deutschland aber und sonderlich die angränzende 
Kais. Erblande und das Ilcrzogthum Preusscn auf den Fall, da ihnen 
etwas widriges begegnen sollte, ein gleiches Unglück treffen könnte 
— dass dahcro bei I. Kais. Maj. und den Ständen des Reichs er um 
einen considerablen Succurs und schleunige Hülfe, damit, weil die 
Tartern, Cosacken und andere ihnen adhärirende Völker, welche mit 
grosser Menge kämen und in einer Furie grossen Schaden thäten, in 
der Zeit begegnen und genugsanier Widerstand geschehen möge, an- 
halten sollte. Gestalt er dann solchem nach Uns E. Ch. D. Abgesandte 
ersuchet haben wollte, dass . . . E. Ch. D. wir ein solches unterth. 
vorstellen und zu Erlangung seiner Intention mit cooperiren helfen 
möchten. 

2) Weil I. Kön. Maj. in Polen vernommen, dass eine Wahl eines 
Rom. Königs alhie vorgehen sollte, er dahin gnädigst befehliget wäre, 
dass er hierzu I. Kön. Maj. in Ungarn, in Erwägung tbeils der jetzt- 
regierenden Kais. Maj. grossen und hohen Meriten gegen das Reich, 
indem Sie dasselbe nach einem so lange gewährten blutigen Krieg in 
den Ruhe- und Friodenstand gesetzet und zu dessen Erhaltung Ihre 
österreichischen Erblande im Elsass (»hne einiges Entgelt dahin gege- 
ben hätten; theils I. Kön. Maj. in Ungarn selbst vortreffliche Tugen- 
den und Qualitäten recommandireu sollte, damit derselbe zum Rom. 
König erwählet werden möchte. Führte darauf unter andern an, dass 
man ein solches zu thucn nicht etwa dahero Bedenken tragen möchte, 
weil es schcinetc, sammt dem gemeinen Wesen und der Freiheit, einen 
Rom. König zu erwählen, präjudiciret würde, wenn so viel Kaiser 
successive aus einem Hause gewählet würden; es wäre bekannt, dass 
das Königreich Polen ein solch freies Wahlkönigreich wäre, ahi eines 
sein könnte; jedennoch Mieben sie bei denen sich zutragenden Fällen 
mit En^'ählung eines Königs bei einem Hause und setzten davon nicht 
ab, so lange ein capabel Subjeetum darin zu finden wäre, und scha- 



FoJs. Gesaudteclmil a. d. Eeichslng, Rats. Gewultlhateu gegeu EviLtigelificbe. i&ü 



dele ihnen ein solches doch nicht an ihrer Freiheit zu wählen; ja es 
IliUe vieliuebr die Erfahrung mit nicht «^erlD^era Schadeu der Krön 
Polen gregeben, d«ss, wann man ausser dem königlichen Hause ge* 
wählet hätte, welcher dee Staats, der Sitten, Gebräuche und llumorn 
der Polen nicht kündig gewesen wäre, die Krön dahero viel Schimpf 
und Nachtheil empfunden hätte» 

Wir gaben ihm hierauf zur Antwort, dass, soviel den ersten Punkt 
betreffe, von E. Ch. D. wir diesfalls dahin gnädigst instruiret waren, 
«otch negotium uns bester Maassen angelegen sein zu lassen etc. Den 
andern Punkt betreffend, darvon wollten E, Ch. D^ wir unterth. Be- 
Tteht en^tatten etc. Endlieh erwähnte der Gesandte auch, dass er in 
kurzem von hier wiederum abreisen mUsste, weil im Aprili ein Keichs- 
tag in Polen würde gehalten w^erden^ darbüi er notbwendig erscheinen 
mOsste, indem L Kön. Maj, ihm gnädigst angedeutet, dass Sic ihm 
das Untereaneellariat uftragen und das kleine Siegel überantworten 
sollten, als welches zu keiner andern Zeit als auf einem gemeinen 
Reichstage geschehen könnte. Worniit nach wiederholten Compliraeft- 
ien wir ungern Abscheid genommen. 

Den 3. hujus hat auf Befehl LKais^Maj, dero Hofmarschall Graf 
V, Starenberg EineUj genannt IJinckhanimer, so von denen evan- 
pliöchen Stunden in Oesterrcich wegen" des freien exercitii religionis 
KU sollicitiren Commission gehabt, zti sich fordern lassen und unter 
dem Sehein, samntt er in dem Hause mit ihm zu reden nicht Zeit 
hatte, ihn zu sich in seine Carosse, welche also schon bereit gestan- 
den j m setzen genöthiget; und als er solches ohne Argwohn gethan, 
ilm aus der Stadt vor das Thor gefUbret^ daselbst einem Kaiserl. 
Trabanten und zween andern, so alda aufgewartet, mit kurzer An- 
leige, was L Kais. Maj* Befehl wäre, überantw^ortet ; die ihn dann 
*«fort gcfönglieh angenommen und in einem Schiffe, so dazu bereit 
gewesen^ naeher Wien get\i1iret haben. Die Ursache soll sein, dasa 
L Kais. Maj. durchaus nicht gestatten wollen, dass einiger Dcputirter 
ifüo den evangelischeu Stfinden in Oesterreich und andern dero Erb- 
Itoden sich sühier aufhallen und bei gegenwärtigem Reichstage wegen 
freien lieUgionsexevcitii etwas sollicitiren solle; wie Sie dann auch 
D anwesenden evangelischen Grafen und Herren aus gedachten 
a Erblandern sich bei Vermeidung Kais. Ungnaden aus der Stadt zu 
begeben haben andeuten lassen. Und ist in specie solcher rigor an 
eiaeni Hcrm von Windisch-Creuz, welcher ein junger Cavalier 
iDd zu dem Ende, dass er sich alhie bei dem Keichstage bekannt 
aaebea o&d sein Glück suchen wollen, anhero kommen, dergestalt 



184 



II. Der Reichstag zu Regen sburg. 



exerciret wonlon, dass er sich gestern vor dato bei Vermeidung 
schwerer Kais, Ungnade und anderer Verordnung wider seine Person 
von hier weg machen niüasen, unaiigesehen der Herr Graf v, Loa^H 
stein, Kais. Oberstalhni'ister, bei I. Kais. Maj. vor ihn interccdirw^ 

Selbigen Naelimittai; (4/ 14. März) um l Uhr knm der evangeli- 
schen Stände aus den schlesischen FtirstcnthUmern Sehweidnitz und 
Jauer Abgeordneter, Konrad v. Sack, zu uns, referirte sich auf mn 
Tages vorhero uns zugesfliicktcs Crcditiv und brachte praemißsis cu- 
rialibus ferner an: dass, weil I. Kais, Maj, den Bischof von Breslau 
und Neisae gar scharfe Befehlige ertheilct, gegen Ostern alle evange- 
lisclie Prediger in selbigen FUrstentlitimern abzuschaffen, die Kirchen 
zu verschliessen oder katholische PfatTeu einzusetzen, dahingegen den 
Ständen zwei Kirchen propriis sumptibus zu erbauen sollte freige- 
lassen werden, so hätten ermelte Stünde fllr boclinöthig befunden, iha 
auhero zu schicken und nicht idiein hei L L Kais* und Köu. Maj, in 
Böhmen um das freie Religionsexercitium, und dass diese und andere 
wider sie ertheiltc scharfe Verordnungen nicht exequirt werden möchten, 
allerunterth. Ansuchung zu thuu, sondern auch bei denen albier an- 
wesenden Evangelischen , , . ., dass sie ihnen in diesem ihrem grossen 
Elend und Gewissenszwang mit einer Intercession zu Statten koüimgi 
möchten, zu sollicitiren, ^M 

Der Kaiser hat ihm bei der Audienz gute Worte gegeben; der König 
von Böhmen ebenfalls — ^ilim aber zur Autwort gegeben, dass er diese 
Sache bei L Kaiä. Maj, äucheu müsste; daim Sie darbe! nichts thun könn- 
ten, weil I. Kais. Maj. die jara supenoritatis vor sich behalten hätten*^. 

Der Gesandte erzählt, da^s er auch in Dresden bei dem Kurfüratett 
gewesen und um Intercession nachgesucht habe. — ^H 

Und liätteu höchstgetl S. Ch. D* sich auch gar gnädigst erzci^T 
ausser als er Über der Tafel (darzu er genöthiget worden) erwähnet, 
dass die Stände sich sonderlich auf die Promiss, so S. Ch. D. ihnen 
wegen der Religion in A. Mi2l gegeben, verliessenj so aber am Kais, 
IIof*e wenig attcntiret werden wollte, da hätten S. Cb* D. in Worten 
und Gebärden zu verstehen gegeben, dass Ihr solcher Vorwurf 
Anziehung in etwas verdriesslicb gewesen. Seither hätte er aucl 
fahren, dass die Kais. Maj. diese Abordnung übel empfunden, daher 
er sich vorzusehen hätte; welches er auch an die evangelische Stände 
der FLlrstenthUmer gebracht; aber dieselben wären bei ihrer Meinu 
dass er fortfahren sollte, verblieben. 

Die braudenburgischen Gesandten geben ihm die Zusichernug je 
aiöglicheu HilHeistung. ^ 

Kurz hernach schickten L f. Gii. Herr Markgraf Ferdittae4 



Die ectilealscbeQ EiraDgeliscbcn. Kaufgubot fTir Halberdladt, jgg 

Maiimilian zu Baden zu mir, dem v. Plateu, und liessen anbrin- 
gen, dam Sic vemoninicn, dfiss E, Ch. D. gesoDoen, das Ftirstenthuoi 
Halberstadt zu verkaufen; nun wäre Eiuer vorhanden, der dasu Be* 
Beben trüge, auch zur Zahlung Mittel genug tröge; also hätten L f« Gii. 
rcmchmcn wollen, ob es sich also verhielte. 

Ich gab zur Antwort, dass raicli dieses Anbringen sehr befrem- 
dete; man wttsste wol, dass eine fast unerhörte Sache wäre, dasa ein 
Herr ganze Fttrstenthömer verkaufte, und könnte ich mit Wahrheit 
^i^n, dass ich davon nicmaU das genngt»te gehöret ^ könnte aucb 
nicht glauben^ dasd E. Ch. D, jemals diese Gedanken sollten gehabt 
tiabeo; zu dem sähe ich aucb nicht, was äie dazu bewegen wollte, 
hielte mich dahingegen vielmehr versichert, dass E. Ch. D, Intention 
dahin ginge, Ihr Churf. Haus zu vermehren und nicht zu verringern. 

Der Abgeordnete entschuldigte hierauf das Anbringen und bat, 
man m('»cht6 es nicht Übel nehmen, 1. f. Gn. suchten darunter nichts 
g^hrliches, sondern, weil Sic es iiusserlich also vernommen, hätten 
Sie auf Anhalten dessen, so es zu erhandeln Lui>t gehabt, sich nur 
der rechten Beschafteiiheit bierum erkundigen wollen. 

C*r Kuriiirst an die Reichstagsgesandteih Dat. Colin a. Sp. 
9. März 1653. 
(Für das evaogeliöche lutoresse. Die Ge^jinilteu urbulk^u emen Verweis*] 
Antwort auf die Relation vom 18. Febr. — Wir beänden nunmehr, 19, Mä 
U man hohe Ursach hat, sich der bedrängten Evaugelisclien nicht 
f im Schweidnitzischen und Jauerschcn Fllrstenthumen, oder auch 
Oestreich und Schlesien allein, sondern auch im ganzen Köm. Reich 
anmnehmen und daran keine Zeit noch Gelegenheit zu versäumen. 
D^ü sollte man länger cunctiren und die Sachen von einer Frist zur 
andern aufschieben» müchten endlich uacli geschlossener Wahl eines 
Item, Königs und gewilligter Keicbssteuer dieser conventus lmi>erii 
•Wl enden und dann der Evangelischen Gravamina unerörtert bleiben, 
<Nler doch ad alium conventum magis optandum quam sperandum cum 
irreparabili damno et praejudicio der Evangelischen verwiesen werden 
<wm1 dieselbe inmittelst in ihren hohen Bedrängnissen ohne Hilf und 
Hoffnung einiger Kcmedirung bestecken bleiben. Wir sehen auch, 
<Jub die Gravamina je länger je mehr sich häufen und dass bei etli- 
<*en die Restitution aufgehalten, bei andern aber, da dieselbige be- 
T^ls vollzogen gewesen ^ aus nichtigen Prätexten retractiret und viel 



jgg II. Der Ueichstug zn Uugeiisburg. 

Dinges von den KntholiHchen contra verba et mentem Instr. Pac. in 
Binintruni scnsuni liciorquirot wird. Dcrowegen die Nothdurft in alle 
Wcgo erfordern wird, (Inss die cvangeliBchc Stände sich näher zusani- 
inonthiin und vertrauliche Conununication mit einander halten. 

Kh wird auch verhoflfontlich niemand darüber ein ombrage fassen 
können, sammt AVir ante propositionem PrivatzusammenkUnfte hielten. 
... Ks kann auch alles cum summa devotione et submissione, jedoch 
der Sachen an ihr selbst nichts geschadet, dergestalt gefUhret werden, 
damit die Köm. Kais. iMaj. selbst in der That und Wahrheit zu er- 
Hohcn haben möge, dass es den evangelischen Ständen mehr darum 
zu thun sei, sich ihrer bedrängten Glaubensgenossen Ileitis et compe- 
tentibus iuris reincdiis per viam defcnsionis anzunehmen, alt sonsten 
etwas zu moviren, so in praejudicium tertii gereichen . . . möchte. 

Dass die Communication mit den evangelischen Ueichsständen 
dividiret werde . . . befinden Wir nicht dienlich, sondern halten dafür, 
dass Wir nebenst Chur Sachsen das Werk mit den evangelischen 
Ständen conjunctim und ohne dergleichen Separation und Division zu 
treiben haben und Wir nicht weniger als Chur Sachsen bei dem Directorio 
in Sachen, so das allgemeine evangelinche Wesen betreffen, verbleiben, 
und solches um so viel mehr auch daher, weil W^ir gleichwol sehen, 
dass durch Eure Erinnerungen den böhmischen, schlesischen und öst- 
rcichischen Ständen viel besser, auch mit viel empfindlicherem Effect 
als durch der Sächsischen Vorschläge geholfen sein wttrde. Und las- 
sen Wir Uns nicht allein Euer Bedenken in Gnaden gefallen, sondern 
wollen auch gnugsamo Vidlmacht und Pienipotenz Euch hiemit auf- 
getragen haben, es in favorem Evangelicorum .... so weit bringen 
zu helfen als es immer möglich sein wird-, und sind Wir gleichfalls 
der Meinung, dass an die Köm. Kais. Maj. dies Work zum besten per 
deputatos wird zu bringen sein, und solches noch- ante propositionem, 
als welche ohn das aus erheblichen Ursachen noch in etwas hat hin- 
ausgesetzt werden müssen. 

P. S. |sign. O. v. Schwerin.] Wir empfinden mit sonderbarer 
ungnädigsten Displiconz, dass Ihr bei Eurer Kelation, da Ihr der an- 
dern Cburfttrsten vota und parere in der Uns und dem ganzen Keich 
so hoch angelegenen pommerischcn Sache Uberschicket, das Eurige 
nicht beigeleget, da Wir Euch doch solches zuforderst in dieser und 
dann auch in allen andern Sachen zu thun ausdrücklich und deutlich 
anbefohlen, Ihr auch wul wisst, dass Euch solches als Unsern ver- 
pflichteten Käthen gebühret; und wissen nicht, wohin Wir solches deu- 
ten oder was Wir davon judicireu sollen. Befehlen Euch demnach 




B?ftDgell8 



Alerdorch nochmals ernstlich, Euer Votum und räthlicbes Bedenken bei 
allen vorlallenden Sachen, Euonu hosten Verstand nach und wie Euch 
£are Pflichte dictiren werden, aUtets zu ttberselireiben» Ist Eioer 
unter Euerm Mittel, der diese Unsere eigentliche Willensuicinung dif- 
^ficultiren thfite, sollet Ihr übrige solches berichten; wollen Wir der 
äachen schon Recht zu thun wissen, — 



telation vom Reichstag. Dat. IJcgeiisbarg 12/22. März 1653. 

nie Coiifercüz niil dem schlüsiBcli-evflngeliäcln.»u Gt'Siintlteu. Trostloser 
^ _id dea KAisers ftü <lif ^clilveisclit'ü Stände*. ZwcitlLUtige Haltung von 

Kttrpfftl». Anspuchischpf Reform vorschlug in Betreff der RtMchsßtüuerbewUli- 
gttog«ii im FürstfDrath. Ffahneubui-^ aud die woelfiilische Kreji^direction.] 

Nachdem der Evangelischen Laudsttvnde der Fllrstenthtlmer 22. Mürz.] 
Scfaweidnitx und Jauer an I, Kais. Maj. Abgeschickter Konrad 
V. Sack den 8 18. Martii von allcrhrichstged* I. Kais, Maj. seine Ab- 
fertigung uf übergebene Su|»plicatioii erhalten und ihm dabei augezei- 
get worden, er sollte sieh hie /u Kegenaburg länger nicht aufhalten, 
hat er OBS gleichwol den Inhalt seines Bescheides gerne hinterbringen 
wollen; die weil er aber seihst zu uns zu gehen, oder aber jemanden 
EU sich kommen zu lasscu Bedenken tragen müssen, ja noch gef/ihr- 
licber befunden, deshalb etwas suhriltliches von sich zu geben und 
m hinterlassen^ hat er gebeten, ob wir den folgenden Morgen am 
11». dieses frühe jemanden ftlrs Thor über die Brücke vertraulich cora- 
ttiittircu wollten, deme er von den Sachen Nachricht geben könnte. 

Als nun solches auf unser Gutßnden geschehen und der Lega- 
tionsseeretarius Kittel mann in bestimmter Zeit gar zeitlich in der 
^Liitsche hinausgefahren und obgedachter v, 8ack nebst noch einem 
andern alten Cavallier auf jenseit des Regens erwartet, haben sie bei 
'*>rer Ankunft alsobald begehret, damit sie nicht etwa von jemanden 
^t^sehen und verratheu würden, dass er ihnen bis hinaus ins Feld an 
ea bequemen Ort folgen wollte, alwo sie von ihren Pferden abge- 
ben und ihm mit thranenden Augeu angezeiget: es hatten L Kais, 
'^^ij. sich auf Ihre bei gehabter Audienz übergebene wehmtithigsCiß 
^tad aUei^ehentlicbste Supidication über alles Vennuthen zu ganz 
^ehts resolviren wollen, sondern es wäre ihnen alles rund abgeschla- 
gen und bei Einhändigung des Bescheids angezeiget, dass sie alsofort 
^ch dessen Empfang von hier ziehen, der Evangelischen Churflirsten 
^d Stände Intereessiouales nur nicht einmal begehren und 1, Kais. 
Maj. ferner beunruhigen möchten, zumal doch solches alles vergeb- 



««rei 

^^inei 



\QQ II. Der Reichstag su Begensbarg. 

lieh*). Der böhmische Cauzlor Graf v. Nostitz hätte ihm^ v. Sack, 
gleichsam in Vertrauen ongezciget, dass auch Chur Sachsen selbst in 
diesem passu ganz nichts für sie, noch alle andere thun oder einig 
Wort nicht verlieren würden. Demnach er nun gesehen, was der nie- 
dcrustroichisühcn cvaugelisclien Landstünde Abgeordnetem, Kink häm- 
mern, alhie widerfahren, auch dass LKais. Maj. etliche Ostreichische 
üavallicrs von hinnen sich zu retiriren bei Vermeidung höchster Un- 
gnade anbefohlen, ja sogar (nach des Kais. Hofkriegssecretarii Au- 
gustin Sattlers ihm gegebenen Bericht) I. Kais. Maj. denen unga- 
rischen Stunden, welche doch ganz freie StUnde wären, auf ihr bo- 
schehcnes allerunterth. Suchen, jemanden aus ihrem Mittel anhero zu 
schicken, rotunde abgeschlagen, und dass alles da^enige, so hierunter 
negotiiret, fUr personalia ausgedeutet und höchst strafbar geahndet 
worden wollte: als möchten sie zu Vermeidung aller Suspioion und 
Gefahr sich hier länger nicht aufhalten, sondern wollten in Gottes 
Namen nacher Haus und ihre bedrängte Sach der Barmherzigkeit 
Gottes allein befehlen. — 

Wie nun dieses ein sehr harter und betrttbter Bescheid, so wäre 
ihnen auch absonderlich von Herzen leid, dass sie bei Chur Sachsen 
einen sehr schlechten Eifer zu ihrer bisher verhofflen Assistenz und 
erfolgenden Interccssion verspüren mUssten, gestalt dann die ehur- 
sächsischen Herren Gesandten ihre eiligste und schleunigste von hier 
Ueise (ohne Zweifel damit sie sich bei andern evangelischen Ständen 
um Vorbitte nicht bewerben sollten oder könnten) selbst gerathen und 
befördert hätten; setzten also ihre t&brige Hoffnung nächst Gott fttr- 
uehmlich auf £. Ch. D. etc. 

Die braudenburgischen Ucsaudien beschlicssca sich zuuäehät mit dem 
kurpl'älziächeu Cunzler v. liochow in Verbindung zu setzen; dieser ant- 
wortet, „duss er zwar von Sr. Ch. D. zu Heidelberg seiucm guädigsteu 
Herrn vernommen, das^s dieücibe Ach in dero E.stat noch nicht also befe- 
stiget berändca, dass Sie sich dieser oder anderu der Religion halber be- 
drängton EvangeUsehen absonderlieh und ä part annehmen könnten (gestalt 
Sie auch dahero, wie neulich ein evangelischer Herr aus Ocsterreich bei 
Ihro um Audienz angehalten, denselben erinnern lassen, dass er um Interccs- 
sion der Religion halben nicht zu ihr kommen dörl'tc, wofern er aber sonsten 
etwas zu suchen, wollten ISie ihn gerne vernehmen)'' — von einer Gesammt- 



*} Uc Solution dos Kaiaurs dat. Uegunsburg 15. März lü53: os wird auf 
das Inst. Tue. uud auf einea schuii frühvr urfulgten abweisoudeu Beaclioid aus 
dem Juhr l(A\) verwiescQ; duiuit sollun siu sich zufrieden gebou, .sich nachor 
Hauio begeben und I. Kais, uud Köq. Maj. mit dergleichea hinfuro unbehel- 
liget iMieu". 



» 



» 



Die 0cblesi0cbeii Eran^eHschen. Bewitlt^Dg^smodus bei RvicbBsleoero, jg9 

sion aller eTangcIiselien Stände aber würde der Kurfürst «ich wol 
alcljt separirea. — 

Am 7/17. März Bedach des ruarkgriinieh ADsbachisclieD Gesandten, 
welcher mehrere Punkte zu proponircn bat. Dierbei: 

Der zweite Punkt betraf die clausulam des Ausschreibena *}, dass 

die Abwesende an dasjcDige, so die Praesentes Befaliessen worden, gc- 

banden sein sollten. Nun könnte solches ad punctum religionis, darin 

zumal keine raajora juxta Instr. Pac. gültig wären ^ wie auch ad 

paDctum collectarum nicht gedeutet werden, weil solche Punkte in 

Instr. Pac. Ait. r> auf kliuftigen Reichstag verschuben. Nun hätten 

die Katholische 54 und hingegen die Evangelische nur 30 Vota [im 

Fflrstenrath], darzn unter den Kathüliachcn viele (als Brixen, Trident) 

zwarn Vota flihreten, aber zu den Reichsanlagen das geringste nicht 

contribnireten und dannenhero darzu leicht einwilligen kflnutcn. Würde 

bauptsächlich dahin zu handeln sein^ wie die niajora eigentlich zai 

machen. Es vermeineten etliche, jedoch mit Vorbehalt der Distinclion 

inter coUectas necessarias et voluntarias, dass, wann auf einer Seiten 

unr ein Votuoi mehr (iele, damit die majora schon richtig; hingegen, 

dass in Collecten die niajora zu machen zum wenigsten der Consensus 

zweier Drittentheil erfordert würde. Sr. f. Gn. deuchtete in dieser 

schweren Sache der Collecten, da jeder seinen Beutel ziehen müsste, 

auch dieses letzte nicht rathsam, angesehen die Katholische auf solche 

Weis Oir sich allein beinahe die majora machen konnten, wann nur 

einer oder zween von den Evangelischen zu ihnen treten thätcn, i^ie 

b&tten derwegen auf einen neuen Vorschlag gedacht, also dass in 

dienern Punkt die majora nicht könnten gemachet, noch attcndirct wor- 

diret werden, es seie denn, dass J Theil mit eiuander gleicbstimmig 

wären. Es witre zwar dieses ein ganz neuer Vorschlag, jedoch wür- 

dea also lü evangelische Vota mit den Katholischen einstinmien 

Die Gesandten beantworten die einzelnen Punkte. — 

Aufs zweite wären wir befehliget, uns für diesmal, jedoch cuuj 
pTotestatione der Cullecteu halber den niajoribus zu acconnnodiren^ 
Übrigens v^oUten wirs E. Ch. D, referiren. — 



*) t>e8 kaiflerhchen Aoaschreibeos zum Heichslag: ^uad ob schon dero Ld. 
»t encbcioet^ so wird ducb deroaelbeu nichts desto weniger obliegen, was durch 
Uns, uud die er&cboiuotide Cbur-f PürBtün und Stünde uder der abwesenden Itiitb, 
i^Qhutiea ond Gesandtt' verübsch teilet wird, neben uiultjnv anwesenden r,X} vtiW' 
*iebt-u\ r. Meiern I. p. 7. 



j90 ^^- ^^^ Reichstag za Regensbarg. 

Beilage. Rationes, warum Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 
sowol zur Session und Voto als dem Directorio in dem Westphälischen 
Kreis als Herzog zu Gttlich zu admittiren. 

Es werden die verschiedenen Einwürfe widerlegt, welche gegen das 
Recht des Pfalzgrafen gemacht werden könnten; so die karsächsischeo 
Ansprüche, dann die kurbrandenborgischen : 

Noch viel weniger kann hierinnen Chur Brandenburg die ge» 
ringste Hinderung, Einwurf oder Eintrag thun; dann 1) geben die 
a. 1629 und 1647 mit Chur Brandenburg aufgerichte Provisionalver- 
gleich ganz klar zu erkennen, dass Chur Brandenburg I. f. D. Pfab 
Neuburg die Fürstenthümer Gülich und Berg cum omni jure et causa 
bis zu endlicher gut- oder rechtlicher Erörterung der ganzen Haupt- 
sache consequenter auch mit dem jure sessionis et sufiragii ufF Reicha> 
und Kreistagen (inmaassen Pfalz Neuburg solches auch bei allen 
Kreistagen sine ulla Brandeburgicorum contradictione wissentlich her- 
gebracht und dessen in reali et actuali possessione sein) ttberlassea 
haben. 

2) Weil reichskundig, dass Chur Brandenburg durch seine wider 
I. f. D. in dero daniedigen Landen im nächstverwichenen 51 Jahr vw» 
genommene offenbare landfriedbrlichigc Hostilitaten und attentata alle 
seine vermeinte praetensiones und actiones, so I. Ch. D. sonsten aof 
diesen Landen zu haben vermeint gehabt, nach klarer Verordnung 
sowol der gemeinen beschriebenen Rechten, als des h. Keichs Land- 
frieden und vieler andern heilsamen Constitutionen, sonderlich aueh 
vermog des letztern Münsterischen Friedcuschluss ipso jure et £acto 
verwirkt und sich derer verlustig gemacht; also dass L Ch. D. die- 
serthalb gar keine Contradiotion oder Einsprach etiam ex hoc capite 
mehr gebühren thut. — 



Resolution des Kurfürsten. Dat. Colin a, d. Sp. 
27. März 1653. 

[Entschiedenes Auftreten zn Gunsten der scblesischcn EvaugelischeD. Der To4 

des Pfulzgrafcn Wolfgang Wilhelm; übele Intentionen seines Nachfolgera. Dm 

lothringische Angelegenheit.] 

6. Apr. Zuerst in Betreff der schlesischen Evangelischen. Erockow hatte in 

einem von den andern Gesandten abweichenden Separatvotam au bedenken 
gegeben y ob es räthlich sei, jetzt, ehe noch die pomm^rische Sache zur 
Befriedigung entschieden, -sich in dieser dem Kaiser so unangenehmen Q^ 
legeuheit zu sehr zn engagiren. Der Kurfürst weist diese Bedonkes 
zurück. 



Da Wir dann befinden, wann Wir Unsere Reflexion allein auf 
den politiselien Respcct tragen wt»llten, dass Wir, wo nicht grossere, 
(loch eben sothanc Motiven, wie Chur Heidelberg, anriehen könnten, 
wanim Wir Uns dieser bedrängten Leute nicht an/ainehmen und den 
KaiserK Unwilleu uff Uns zu laden. [Nach Erwiigung aller Kücksici- 
idD aber], so haben Wir nicht umbin gekonnt, alle andere Respecte 
vielmehr ^urückezuset^en , als Uns mit Chur Sachsen und Heidelberg 
zu confornitren; halten Uns auch Gewissens halb obligirt, dasjenige 
tu tJmn, was andere aus politischen und menschlichen Respecten 
Xü unterlassen dienlich befunden; und solches in der besten Zuversicht, , 
weil alles von der göttlichen Providenz herköniniet, und was grossen 
Potentaten ntltz- und heilsamlich, durch Gottes krätzigen und mäch- 
lifen Beistand erhalten werden niuss. Derowcgcn dann Unser gnad. 
Fille ist, dass Ihr Euch dieser Leute aufs eifrigste anzunehmen nicht 
unterlasset * . . Und nachdem nicht wenig daran gelegen, dass Wir 
wi»cn mögen, welche evangelische Reichsstände dieser Bedrängten 
»ich mit anzunehmen iucliniren, oder aber nicht, als werdet Ihr Uns 
ilieselbe benenuen, damit die, so einige Bedenken, davon abzubringen 
und man sich der w*ol aifectionirteu uni so viel mehr versichern könue. 
Gestalt Wir dann der Herzoge zu Braouschweig und Laueburg LLLd. 
diese den kaiserL Erbunterthaneu zustehende Drangsalen notiiiciren 
und dero Gedanken, wie und welcbergestalt man sich deren anzuneh- 
men, erkundigen wollen. 

' Die Bedenken des Au^bachiireben Gesandten werden gebilligt; es ma8s 

I i«f Abhilfe dieses Uebelstaiities Bedacht geüommen werden* 
■ Was das [»falz-jieuhurgischc Memorial betriift» 5^0 würde man nicht uu- 

fc U?fliiS4en, die ^Caluiniiien* desselben gebührend zu beantworten; abtr der 
Hpte Pfalzgraf ist so eben gestorben; man muss nun etst seheUj wie sich 
^ fc XacUfolger in der Sache stellt; freilich ^müssen Wir aas dem, was 
Uüs foü seiuer laLeution vor- und aubracht, bo viel urtheilen, dass er hieb 

Lvoi eben dergleichen^ auch nuch wol ein anderes und ärgeres nnterätehen 
^ Wegen Lothringen werdet Ihr Euch erinnern, was für fiesorg- 
Bcke Gedanken Wir Euch wegen dessen, bo wider ihn, den Herzog, 
iOgntolU, tiberschrieben, und Ihr geantwortet, dass Ihr nicht davor 
M€iM, dasB darunter etwas gefährliches dem evangelischen Wesen 
bttire. Nachdem Wir Uns aber eriunem, als für diesem von Chur 
MuDz so stark auf eine Verfassung wegen Evacuation der Stadt Frau- 
keothal gedrungen, h Kais. M.-y. darin nicht consentircn wollen, so 
uiiiehteu Wir wol die IJrsacl^en wissen, warum man an Kais, Seiten 
itSQ dazu so willig und Chur Main^ gleichsam freigegeben wird, Chur 



Cölu einige Assisteni zuzuBclnckeu. Wir halten nöthig, uff Effectui- 
ruiig des Friedens zu grcdenkeo, damit dem evangelisclien Wesen 

nichts nachtheiliges zustehe* — 



Dat. Regensbiirg 19. 



Mai'z 



1653. 
Tod 



Relation vom Reichstag. 

[t\nrpru]jE lehnt die Ünterdtüt7.ung der ostreicbiscLeii Evau^etiecheD ab 
des Pridzgrufen Wolfji^ßrij^' Williülm von Neuburg.] 

29,Marz. Am 13/23- Imjue kam der chuijrfälzisthe Kanzler, der v. Rochow, 
zu mir, dem v, Platen, und brachte die Churf. ße»olution in puneto 
intercessionis vor die evangelische Stunde in Oestcrreieh und andern 
Kaiserl. Erblanden, des Inhalts, dass S. Ch. D* zwar mit sothanen 
bedrilngten Glaubensgenossen ein christlich und gnädigstes Mitleiden 
trügen; weil aber E. Ch. D, und I. Ch. D. zu Sachsen nicht zugegen, 
so wäre I. Ch. D., als welche allein zugegen waren, bedenklich sich 
der Intcrccssion anzunehmen, aldieweil Sie vorerst keine geuugsame 
Nachricht hatten, was in hoc passu zu Mltnster und Osnabrück vor- 
gangen, zu dem auch die Sache an sich sehr odios wäre, Sie aber 
bei I. Kais, Maj. noch etwas zu fordern uud viel Sachen bei dero 
IM zu negotiiren Inltten, dass Sie also L Kais, Maj. favor bedürften; 
übcrdicss befänden Sie sich noch zur Zeit in dero Rath nicht derge- 
stalt befestigt, dass Sie sich fremder und zwar so vcrhasster Sachen 
annehmen konnten. Horctcn inmittelst gerne, dass die Chursachsisebe 
uud wir, E* Ch, D. Abgesandte, befehliget waren, uns der nothleiden- 
den Glaubensgenossen anzunehmen; wLlnsehctcn guten Effect, wiewol 
sie es fast für eine desperate Sache halten müssten* — 

Den IL hujus ist alhie Nachriebt einkommen, dass der alte Herr 
Pfalzgraf von Neu bürg in seinem letzten liegen sollte, weshalb 
auch die albiesige Gesandte schleunig abgefordert worden und der 
junge Herr von Neuburg nacber Düsseldorf per posta verreiset ist 



Kelatiüii vom Reichstag, 



Dat. Regensburg 21. März 1653; 

[FoimiiUen in Bctitff dos Kaisers bei künftiger AbleguDg der PropüsilioD.J 

31, März. Ks ist mehrfach die llcde davon gewesen, an welchem Ort die kaiser* 
Hebe Fropobitiou geschebea solle , ob in dem BischofBliof, wo der Kaiser 
residirt, oder auf dem Uathhaut>; die braDdeaburgischen Ge^aadtca spre* 
chcn sich dafür aus^ dass es dem Herkommen gemäss und auch |,pro mn- 
jore splcndore et majestüto Im|ieratons et Impeni besser wäre, wenn die 
Propusition auf dem Rathbau>c geschehe uud I. Kais. Maj. voa den anwe- 
senden Charfilrskn uud Stauden von Ihrer Residenz bis dahin soleuui modo 
begleitet würde**. 



^ 



Karpfil« n. d. Erangel. Tod Wolf^, Wilh. Den Reicbstag Dicbt verlMsen, -fgg 

lodessen hat der Graf Kurtz gegen mir, deui v. Krockowen 
und mir, dein Kanzler Fmiuliold, noch neulich erwähnet, daas 
I. Kais. Maj. gar fremd und nachdenklich wäre vorkommen, als Sie 
vernommen, dass die meisten Stände der Meinung sein sollten, dass 
I. Kais. Maj. solemniter nach dem Ratbbaus reiten und daselbst die 
Proposition thun lassen 'sollten, da doch männiglich bekannt, dass Sie 
bei Ihrer höchst mlthseligen Kegiening Ihre Gesundheit dergestalt zu- 
^setzt und eingebüsset hätten, dass Sie wegen Ihrer Schenkel mit 
dem Reiten gar nicht s^urecbt kommen könnten. 




Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 24. Mäi'z 1653, 

[Bedeokea der Gesaadten gegen deo Befehl eventnetler ProtesUtioa «od Abreise 

vom Reichstag«] 

Die schwedische Eridrcsolution ist noch immer Dicht eingetroffen; die Er- 3. Apr, 
Öfibang der rropo^ition, sowie die Frage der Zulassung oder Aasschliessuijg 
der schwedischen Gesandten dabei sind daher noch immer in der Schwebe. 
Die Gesandten geben ihr Gutachten über die letzten darauf bezüglichen 
WeiBUogen des Kurfürsten, Für den Fnll der Zulassung der Schweden zu 
tcstireo und abzureisen scheint ihnen lucht räthlich. 

£8 will uns aher dieses dabei bedenklich fallen, dass die Reiehs- 
solcher Protestation iiucraebtet gleichwol in den consultationi- 
bus progrediiren und E, Gh. D; zu Nachtheil sehliesscn dürften, in- 
ntaassen darob leider ein klares Exempel bei dem Nfirnbergischon 
Executionsrecess vorhanden und dergleichen in andern auch vvol 
grossem Fällen geschehen, wie solches die KeichsprotocoUe und Histo- 
rien bezeugen. 

Zudem ist es bei den Reichsconventeu Herkommen, und dahin 
gehen auch die Ausschreiben von der Röuk Kais. Jtaj.^ dass die an- 
wesende Stände, obgleich einer oder ander nicht erschienen oder doch 
Tor Endigung des Reichstags verreisen würde, schliessen können, daran 
die abwesende gebunden sein, gleich hatten sie den Schluss selbst 
maefaen helfen. 

Und müssen wir dabei noch femer die Vorsorg haben, dass io 
tinserm Abweseu die schwedische Gesandte einen grossen Vorthcil 
erreichen würden, indem sie überall das Wort nach ihrem Willen 
Ihren und keiner ihnen widerstehen wUrde*, nachdem wir sonderlich 
verspürten, dass einige Stände zu gut schwedisch sein und dieselbe 
nicht offendiren wollen, andere sich gar zu sehr für ihnen fürchten 
uikl mit ihren cousiliis aostehen, andere aber sich dergestalt bei der 
Krön Schweden devincirt finden, dass sie darin nicht reden dorfen; 

Hattr. sur Gwcb. d. Gr. KurfUntta, VL * X3 



194 



n. Der Heichstag zu Regengburgr. 



welche passiones und afTectus in iinaerm Abwesen allerdings ausbre- 
chen würden j aber bei einem und anderni durch unsere Gegenwart 
noch eingehalten werden konnten. 

Wann auch die Königlich Schwedischen dieses oder jenes cou 
facti veritatem vorbringen wUrdcu, kijiiiiten wir denselben in Gegeo- 
wart ^vidersprechen und andern wahrhaften Bericht dagegen erstatten 
und die Öach geblllirend reconniiendireLij welches in unser Abwesen- 
beit, wo nicht allerdings, dot-b zu gutem Theil zurückbleiben würde 
» * . . und dunnoch die Scliwedische Gesandte, nachdem sie einuial 
adnuttirt, dabei verbleiben würden. — ^M 

Wir entgehen mm zwar, dass wir dieses E. Ch, D. also unternT 
vorstellen, uaehdeminal wir daülr halten müssen, dass dieselbe alles 
obige Ihrem höchsterleuebtetcu Verstände nach werdea überlegt haben, 
ehe Sie uns die reiterirte Rescripte zufertigen lassen. Wir erkennen 
uns aber in unserm Gewissen und wegen der Eid und Pflichten, da- 
mit E. Ch. D. wir zugethan und verwandt, schuldig daran Erinnerung 
zu tbuen, und stdches um so viel mehr, dass Sie uns jüngsthin in 
einem Postseripto s. d, 9. dieses Monats gnädigst und ernstlich be- 
fohlen haben, dass wir in allen und jeden E. Ch. D. angelegenen Sa- 
chen unsere wenige Gedanken eröö'uen sollen; und stellen also der- 
selben zu fernerem Nachdenken anheim, ob Sie obgedachter unserer 
Meinung Statt geben können, oder bei vorigen Uescriptis es zu laä^Q 
gnädigst gemeint sein, — 



[pr, Relation dat. 24, März 1053. — Gutachteri der Gesandteü üt 

ZulasBuag der Schweden zur Propositiou; sie sprei-heii Bich weitläufig dar- 
über aus, dass man, weon die schwedische lleBoltition nicht bald eintrifft, 
doch endlich einwilligen Jiönne, und zwar so, dass den Schweden ein Ter- 
min gesetzt wird für die wirkliehe Restitution und sie dann zugelassen 
werden; ist aber die Restitutiüu bis dahin nicht erfolgt, so dml alle Sehritte 
and Akte, die die Schweden inzwischen thuu^ null und nichtig, sie werden 
nicht weiter zu den DelibtTationen und auch nicht zur Belehnung zuge- 
la&seu. 



&. Apr. Relation Tom Reichstag^ dat. Regensbarg 26. März 1653, 

Eä ist heute in den beiden oberen Reiehscollegien, dem Kurfürsten- 
nud dem Fürst^nrath, Consultation über die schwedisch-pommeriscbe Sache 
gehalten worden. In beiden hat man einstimmig beschlossen, dem Wnii- 
sehe des Kurfürsten gemäss ein Schreiben an die Königin von Schwedeu 
2U richten wegen der Restitution von Hinterpommern, doch ohne 
einen bestimmten Termiu zu setzen ; und bis zum Kiutreflen der Aut% 



Die verzögerte EröB'nnng. Session von Magdeburg. 



195 



kjemof die Proposition noch immer hinauszuscbicbeü. Der Städterath wird 
mh drescm Coucluäum wol eoüforuiiren. 



Kelatiöu vom Reichstag dat. Regensburg 3 L März 1653. 

Es stellt sich Jetzt beraas, dass die Gesiandten Im Stüdterath doch an- 
Meinung sind; einige stellen sogar bei noch längerer Verzögerung 

Abbernfong in Aass^icht; die Mehrzahl hat das Schreiben an die Kö- 
nipji zwar gebilligt, man dürfe aber mit der Proposition nicht warten bis 
die Antwort erfolgt sei, sondern nach dem Osterfest damit beginnen und 
die schwedischen Gesandten zulassen. Diese Ansicht der Städte ist aber 
im Kurftirstenrath Terworfen worden. — Gegen deu Wunsch der branden- 
burgischen Gesandten soll nun das Schreiben an die Königin nicht Tom 
Reich ausgehen, sondern von dem Kaiser für das Reich. 

Der Reichsmarschall v. Pappe nheim fragt an, ob der Karfürst per* 
sttßlich zum Wahltag nach Augsburg kommen wird; gleich nach Ostern 
wini der Marschall dorthin abgehen, um die Vorbereitungen zu treffen. 

Schon jetzt Klagen über grosse Geldnoth und drückende Schulden, die 
die Gesandten haben machen müssen. 



10. Apr. 



Relation vom Reichstag dat, Regensburg 4. April 1653, H.Apr, 

Unterredung mit den fürstlich Magdeburgischen Gesandten; sie theilcn 
1 brandenburgischen mit, dass von Seiten des österreichischen Dirpctorü 
Fiir^tenrath ihnen die vierte Stelle beim Votiren verweigert würde, die 
in Münster und Osnabrück niibubtritteu gehabt hiitten; ^dauu (sagt 
das öiterreichische Directorium) auf solche Weise ihnen Rurgnnd nachkum- 
wurde; dahero sie vorgeschlagen, es möchten es die Magdeburgischo 
[dem siebeoten Voto verbleiben lassen*^; die Magdeburgiscben Gesandten 
wWärten dies nicht leiden zu können und verliessen die Versammltmg. — 
Die Gesandten bitten um Instruction; der Vergleich mit der Session in 
Münster und Osnabrück wird allerdings sich nicht halten lassen ^ weil es 
inzwischen mit dem Erzstift Magdeburg ^gar zu einem andern Stande go- 
dichea'*; und ^wcil gnugf^am abzunehmen, daijs von Seiten Oesterreich und 
Sileburg dahin gezielet wird, dass sie auf der geistlichen Bank nebst den 
eo Directoriis auch Burgund wollten hervorziehen; worzu, wann drei 
mf der weltlichen Bank gesetzet werden, so bringet es sechs Vota 
■te önd würde al.^o das sicbtjnte nach der beiden Directoriorum Anmuthen 
^ffl ErzstifTt nnd künftigem Herzügthum Magdeburg verbleiben**. — 



Meo 



Relatioa rom Reichstag dat. Regensburg 11/21. April 1C53. 21. Apr. 

Färütewan hat eine Deduction über die Reichsfreiheit von Herford 
(esetzt, um i^ie drucken zu lassen, zuvor aber sie dem Städterath des 
Rdehstags vorgelegt. Dieser hat nicht darauf eingehen wollen, weil die 
Dedaction ^nicht austührlieh genagt sei und man daher ^Schimpf und 
Spott nur auf sich ladeti würde**. Dagegen soll eine andere, von einem 
dessotben Namens Fürstcnau tmlängst geschriebene Deduction, 
I jet^t wieder hervorgezogen, nun g'Mjnutkt werden^ inzwischen aber 

13* 



196 



n. Der Reichstag eu Reg^nsburg. 



Antonius Fürstenau eioe kleine vorläufige Broschüre in die WcU 
eeliickeu, womit er die braiideiiburgische Deduction Lugen strafen und anf 
die kommende grössere Schrift hinweisen soll. 

Die Reichsstädte sollen übrigens gesonnen sein, dcni Fürstenau ^den 
Rücken zu halten*' und ihm alle Mittel zur Führung des Processes zu ge- 
währen; 6ie golleii» erzählt mau, von den Schweden die Zusicherung habeD^ 
dass die Stadt Colberg nicht eher rcslituirt werde, bis Herford in seiaeu 
rechtmässigen Stand gesetzt sei. 

Somit kann also dieser Fürstenau noch „unglaubliche Händel cau- 
sircn^; es wäre gut, wenn man den Menschen auf irgend eine Wei^e von 
hier wegbringen könnte , noch aber sehen sie kein Mittel dazu. 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensbiirg 7/17. Apr. 16f 

[RiiatuQgen gegen den Herzog von Lotbringeo. Kreisrustang gegen ihn oder 
Geldiibßndong? Gutachten der Gesandten. Frankreich und die Grafschaft Pürt] 

17. Apr. Anreicbeed diejeuigc Assistenz, welche L Ch. Gn. zu Mainz 

L Ch. D. zu CöIq nacher dem Stift LlUtich zugeschickt, da haben 

wir uns bei dem ehiirmaiozischcQ geh. Kath Herrn Meelen diesen 

Morgen in etwas erkundiget und von ihm so viel beständige Nachricht 

erlanget, dass hochged. L Ch. D, zu Cohi den Churf\lrsten zu Mainz 

um etwas Volk zu Versicherung dero festen PUitze im Stift Lüttieh 

selbst angesprochen; darauf dann L Ch. Gn. dem Cburfürsten zu 

Colin gewilliget und versprochen hätten, dass sie demselben mit 2 bis 

30() Mann zu obbemeltem Behuf so lang gerne aushelfen wollten, bis 

I, Ch. D. selbst die Ihr benöthigte Völker wwben konnten; welches 

auch geschehen wäre. 

Und hat uns gedachter Herr Meel versichert, dass I. Kais. Maj. 
seines Wissens hierum keine Wissenschaft hatten, vielweniger darunter 
ersuchet wären. Zwar wäre aus der vorgehabten Verfassung der 
Oberkreise zu Frankfurt a. M. nichts bauptsächliehes geworden; allein 
es hätte gleiehwol der Churkreis sich solcher Verfassung halber ver- 
glichen, inmaassen dann auch I. Ch. Gn. zu Mainz die Ihr diesfalls 
zugekommene Qnotam au Völkern sofort geworben und auf den Bei- 
nen, auch mit theils derselben Chur Coln vor jetzo auf gewisse Zeit 
gewillfuhret, wie auch Chur Pfalz die Ihrige bei einander hätten; 
allein Chur Trier und Chur Cöln hätten zu Werbung derer ihnen zu- 
gekommeueu Volker nicht kommen können, weil ihre Landstände 
nicht dkrein willigen wollen. 

Die Gesandten bitten um Instruction in der Lothringischen Bache, die 
bald nach den Feiertagen wieder vorgenommen werden soll; 

Üb nämlich Namens E. Ch. D. wir die vorgeschlagene Kreisver 



apjirolliren oder auf ein StUck Geldes zu Alikauf des Ilcrxogs 
fon I^thriDgen^ wana der Vorsitzcudcü Meinung auch dahin gehen 
wttrde, stimmen sollen? 

Unsere unterlb. unmaassgebliche Gedanken hiervon sind diese: 
Weil hochgedachteu Herzogs humor und modus agcndi aus seinen 
nun 80 viel Jahr hero in und ausserhalb Reichs verübten Actionen 
gaugsam bekannt ist, so wird er sich mit Sehreiben und Schickungen 
sdwerlich abweisen lassen. Sollte man auch gleich auf ein Stück 
Geldes schliessen^ so würde doch dasselbe in regard seiner unermess- 
üchen Forderung von zweien Millionen ßth. nicht zureichen oder 
TOD ihm attendiret, sondern vielleicht wol das Geld genommen und 
dennoch die Plätze innebebalten und das Reich von seinen Völkem 
nicht befreiet werden; oder da er gleich jetzo abz(>ge, möchte er übers 
Jabr oder noch wol ehe wieder kommen; da man dann eben in die* 
«ea jetzigen Oifficultäteu häriren würde. Dahero sich dieser Beschwe- 
ruijg und Ungelegenheit cum effeclu zu entladen vielleicht das zurei- 
cbetidiste Mittel sein möchte, wenn die scbon längst vorgewesene 
KreisverfagsuDg zu Werk gesetzt, dabenebeu auch versuchet würde, 
nb man mehrhochged. Herrn Herzogs von Lothringen, wann er sähe, 
das» ein Ernst bei der Sache wäre, mit eiuem leidlichen Stück Gel- 
des in Güte los werden könnte. Zu welcher Verfassung dann E. Ch. D. 
pro suo Interesse wegen Ihrer am Rheinstrom habenden Landschaften 
imd Plätze auch wol, dafern Sie wollten, concurriren könuten, damit 
man sich also wegen einiger Nebenintention von den Uerren Catholi- 
achen (weil zumal Chur Pfalz und noch andere evangelische Fürsten 
Död Stände mit darzu kommen würden) desto weniger zu befahren 
kitten und müsste auch Über solcher Verfassung nicht L Kais. Maj, 
öder den Catholischeu allein die Direction gegeben, sondern es damit 
Ausweisung des Profanfriedens und dessen Handhabung (wie 
»olches im Reichsabschied de a. 1555 begriff eu und bei folgenden 
Iteichstilgen verbessert worden) gehalten werden, — 

Sonst ist auch gesteni vor dato des Herrn Bischofs von Basel 
A]»geaandter alhier bei uns gewesen und hat nach eingereichtem Cre* 
ditiv etc. vorgebracht, dass der König in Frankreich unter dem Titul 
Oöd Namen der Landgrafschaft Elsass, so ihm in Instrumento Pacis 
loco lalisfactionis ge williget \vorden,auch die Grafschait Pfirdt mit an 
«ich gezogen und eingenommen hätte. Weil aber dieselbe ein Lehn- 
«tllck des Stifts Basel wäre, und des Herrn Bischofs t Gn* in die 
Alienation desselben nicht consentii'et hätten, auch vor sich fast besser 
ik die ganze LandgrafschaE Elsass wäre und mit derselben nichts zu 



198 



II* Der Reiclistag zn Regensburg« 



thtin bätte^ so würde die höchste Billigkeit errordcrn, dasB dem Stift 
Basel solche Grafschaft restituiret oder von dem Rl)m. Reich demsel- 
ben iü andere Wege Öatisfaetion geschehe . , * . dann es ja unbillig 
sein würde, dass sein guäd. Fürst und Herr ct^vas verlieren sollte, 
da er sich doch in den deut.sehen Krieg uiemalij geäuelileü noch soti* 
sten etwas gestindiget hätte*). 



30. Apr. 



Resolatiou des Kurfürsten dat. Berlin 20. ^Spril IfiöS, BilligT 
die Vorschläge der Gesaudteu in Betreff des Herings von LnthringeiK — 
Die röon'äche Köuigswnhl werdon sie nochmaU augewiesen so lange aufza- 
halteo, bis die Hestitutiou voq Hinteriwmmera vor Kich gegangen uüd 
iu Betreff der aadern De^sideriea guter Bescheid urlaugt ist. 



21, Apr. 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 11/21. Apr. 1653. 

[Die kfiDftigö WahlcapUalation uud deren Wichtigkeit.] 
Vorgestern vor dato ist der Chnrbaierische Gesandte Herr D. Öxell 
bei mir, Johann Frombolden, gewesen nnd hat bloss Abscheid 
genommen, nm auf etliche Tage nacher Mönchen zu verreisen, dahin 
er von seiner gnlidigsten Ilerrschjift, der Dcliberation super capitida- 
tione pro Rege Romaoorum mit beizuwohnen nnd die deshalb abfas- 
sende Instruction mit anhero /.u bringen, erfordert wäre. Bei welcher 
Gelegenheit er dann zugleich angedeutet, dass die weltliche Herren 
Churftirsten bei der vorseienden Wahlcapituktion der Sachen etwas 
genauer und sorgfaltiger als die Herren Geistliehe nachzudenken wür- 
den Ursach haben, indem diese ihre Chiirf. Würde, wie auch I^andc 
und Leute nicht auf ihre Descendentes oder Familien transferiretcn 
und dahero in einem und dem andern vielleicht faciliores sein 
könnten. 

Fromhold gibt ihm darin Recht — 



Kesolution des Kurfürsten, Dat. Berlin 27. Apr. 1653, 

y. In BclretT der alk'rdiiii;;s hoch wichtigen Ctipitulatiüiissaehc steht mau 

jet;£t In BcrathuiigeiL Blumeutlial wird den Gesandten die lleäultate 
derselben mitbringen. 

Öonsten haben Wir Euch auch xn crkeimen geben wollen, dass 
L Kais. Maj. unterm 29. Aprilis an Uns folgender Gestalt geschrieben: 



>) S. über diese frftnzaaisclie lucarpomtion vou Pfirt und die Bemüliangeü 
des Baseler Bisehofs Johann Franz von Sc hon au dagegen die näheren 
NachweiauDgen bei Pfeffinger Vitriar. illustr. IL p. 7H>. 



Waijlcapitulaüüü. Nuher 8cblu«s der Stettiner Tructateu. 



109 



Sie wollte dasjenige, was derselben Ihr \veg:on Unser particular An- 
gelegenheiten und PrUtensionen vorbring^en würdet, anhören und «icb 
darober antwortlicb Ternebmen lassen, dass Wir daran« dero be- 
birrliche frenndoheimliehe Afl'ection boffentlich zu verspüren haben 
worden. 

Die Gesandten sollen aUo eilen, diese Dinge noch vor der Abreise des 
Wsers zum Wahltag nach Augsbarg anzubringen. 



»*, 



Der Kurfürst an die KeicLstagsgesandten, Dat. Berlin 
14/24. März 1653'). 

[ß^vorfi tobender Schiuss der 8teltiuer Tractaten. Der Kurfürst willigt in die Zu- 
iiUfUQg der 8cliw*.'dea zur FropoaitioD. Die VorbenithuDg der neuen Wahlcapi- 
tittition; TJtiterstütznng der Öaterreicbischeo Kvangeliscben. Der Wahltag zu 
iogibarg. Der Karfürst wünscht denselbeu hinanszuscbieben; Mittel dazu; 
VcrJauigeruDg der Beralhnngen über die Wahleapitulntion. Mahnung dea Kaisera 
QQ die ßreslaner Schuld^ oder Verpfändung dea Furstentbums Glogau. Dräugen 
io dur Jigerndorfer Suche. Entacbädiguüg für die Voreütbaltung Pommerns. 
Nachläse der Romermonate.] 

Antwort anf die Relationen bis »um 4. (14.) April. 21 Apr. 

Mit den Tnictaten in Stettin ist es jetzt endlirh m weit, dass am 
IÖ/28, April der Vertrag nutrersrhrieben nnd ain 19/29. zar Katifieation 

Stockholm and Berlin geschickt werden soll. Zngleleh Ist der Eva- 
cttatlou&termiü auf den 1/11, Juni festgesetzt worden. 

Wegen der Zulasirüng der Schweden zur Proposition bleibt es freilich 
to<*h hiernarh noch beim alten; die blosse Nennung des Raomungj^tennins 
gibl noch keine genügende Garantie, nnd die Gesandten sollen auch jetzt 
wck, ^doeh nicht anders als nntcr der Hand und per iodirectniu*^ gegen 
Äc ZQlaj^sang der Schweden wirken '), 

Daferne Ihr aber vernehmen solltet, dass der grössere Theil der 
Tomehmsten Stände anf Beschleunigung der Proposition und der 
Schweden Admission dringen und Uns gnugsame Sicherheit der erfoU 
gndeii Reatituüon oder aufm widrip:en und unverhoftenden Fall zurei- 
^de Assistenz geben konnten und würden: auf solchen Fall werden 
Wir Uns der Schwedischen Admission nicht lassen zuwider sein — 

indesa natürlich unter Vorbehalt, dass dies rür kgängig gemacht wird^ 
sobald der Temun von den Schweden nicht eingehalten wird. 

Was nach diesem das Wahl werk und da^ das Churf. Collegium 



^) Bit* — Leg. April. Concepi gaoE von Bhimenthars Hand« 
*) Diesen ersten Passus des kurfürstlichen Eescripts haben die Gt- 
Matten wol «bBchriftlicb anderen Gesandten mitgetheilt, ohne die nachfol- 
|«fid# nachgiebigere Glauael; so findet sieh der Fassos abgedrackt bei 
f. Meiern L 89. 



200 



n. Der Beichetäg eu BegeuBburg. 



gutgefuoden, entzwischen super capitulatione zu delibeiiren und sich 
derselben zu vereinigen, betriffi; da lassen Wir Uns solcÜes gar nicht 
zuwider sein, uiaassen Ihr dann in Unserer Instruction Tersehiedeno 
Moüita finden werdet, so Ihr mit allem Fleiss werdet wissen in Acht 
zu nehmen. Daferue auch die übrige Herrn Churfllrsten andere mehr 
eonditiones ins Mittel bring:en und Ihr dieselbe zu Stabilirung des 
Friedens, besserer Observanz der Reich ssatzunj^en, mehrer Versiche- 
rung und Aufnahme der EvaDgelischen insgemein, auch Kettung der 
bedrängten und verfolgten armen Leute in den Erblauden gereichend 
zu sein ermessen werdet, so wollet Ihr dieselbe atifs fleissigste mit 
treiben, maassen Uns dann sonders lieb zu veröehraen, dass Chur 
Sachsens Ld. ein so ausführliches und bewegliches Concept ausreichen 
lassen,und wollen hofien, Sie werde dabei beständig verbleiben. 

Was aber den teruiinum des 24. Maji betrifft, da lassen Wir Euch 
gnHd, -wissen, dass L Kais. Maj. an Uns in einem Ilandbrief die Anzeig 
thun, dass Sie und alte übrige Herrn Churfürsten den 7/17* Maji von 
Regensburg aufziehen und sich nach Augsburg begeben wolltea; mit 
dem Eriotiern, dass Wir die Unserige gegen solcher Zeit auch un* 
fehlbarlich dahin schicken möchten. 

Nun wollten Wir zwar L Kais* Maj., wann Wir wissen sollten, 
dass alle Uerrn ChurfUrsten dieses unänderlichen Vorhabens beständig 
wären, dass dieser Tag so praecise gehalten werden müsse (worvon 
Wir bis hierzu keine guugsame Sicherheit erlangt haben) ungern aus 
Händen gehen, befinden auch, dass Wir Uns dadurch bei derselben 
und den meisten ChurfUrsten trefllich w lirden ins Auge setzen, haben 
also derselben gehorsamst zugeschrieben, dass die Unserige sich ge- 
gen der allerseits beliebten Zeit entstellen sollten, maassen Wir dann 
Unserm geheimen Rath und Statthalter zu Ualberstadt, dem v* Blu- 
menthal, gnüd. committirct, sich zu solcher Reise gegen den 1. Maji 
fertig zu halten; wollten auch Euch, dem v. Flaten und Euch, dem 
Canzler Fr om hold, mit anbefohleu haben. Euere Sachen also anzu* 
stellen^ damit Ihr auf Unser weiters Zuschreiben Euch gleiehergestaU 
dahin begeben wollet. ♦ . . Weiln Euch aber allerseits bekannt ist^ 
wie hoch und viel Uns an der Restitution Uosers Herzogthums Pom- 
mern gelegen ist und wie hochnothig sein will, dass dieselbe vor der 
Wahl werkstellig gemacht werde, so seind Wir der Meinung, dass 
man auf alle Mittel gedenken müsse ♦ wie solches ohne grosse Üflen- 
sion vermittelst langsamer Berathschlagimg derjenigen Dinge, so vor- 
hero richtig sein mllssen, bis dahin removiret und zu keiner Wahl, 
bis dieselbe erfolget, wirklich geschritten werde. 



GewfiMC^to Tensöger. d, Waiifactoe, Die braDdcob, Geldforder. a. d. Kaiser. 201 



Wollen also aus dem zu Euch gnfldiggt gestelleten Vertrauen 
Eaeh dieses alles zu bedenken geben und L us unfchlbarlicb versebeD, 
weil üosere Intention Euch hiemit bekannt gemacht wird, Ihr werdet 
derselben Erhaltung Euch gnugsam lassen angelegen sein. Wir zwei- 
feln nicht, im Fall die Für^iten und übrige Stünde etwas an Unsere 
Hecro Mitchurftirsten ratioce e^pitulationis zu bringen uöthig eraoliteo 
sollten, sie solches dem Churf. CoUegio zu erwägen und nach Befin- 
den mit hereinzurücken ausstellen werden. Daferne es nun solche Sa- 
chen sein, zu deren Assistenz Wir ratione conscientiao Uns obligiret 
halten müssen und dabei nicht wider des Churf. Collegii wolhergc- 
brachte Präeminenz laufen, so würde Uns ganz nicht zuwider, son- 
dern vielmehr lieb sein, dass dieselbe Erinnerungen gebührend atten- 
diret würden. 

Sonsten werdet Ihr aus der Communication derjenigen Abfertigung, 
00 Wir dem churmainzischen Abgeordneten Sebastian Meel mitge- 
geben, ersehen haben, was Wir vor wolfundirte particular praotensio* 
nee an L Kais. Maj. haben; und zweifeln nicht, Ihr werdet Euerm 
Befehl nach dahin trachten, dass dieselbe vor Sr. Kais« Maj. Abreise 
Ton Regensburg zurechte gebracht werden. Es haben Uns beide, Chur 
Mainz und Triers Ld. ihre Assistenz hierunter vestiglich versprochen. 
I Thnn derwegen solche hiemit nochraaln zu dem Ende Euch ausführlich 
H ll^rschieken , damit Ihr alsofort und nach Erlangung dieses Unsera 
^^Bfifebls L Kais. Maj. solche gehorsamst anbringen und derselben vor- 
^^■gen könnet: dass Ihro zur Genüge bekannt wäre, wie L Kais. Maj. 
glorwürdigste Vorfahren in zweien Posten 180,000 lith. Capital geliehen 

Iund vorgestreckt, uiit deren Bezahlung sie an die Brcslauiache Kam* 
mer verwiesen worden, und obwol 1. Kais. Maj. zu verschiedenen 
Malen Abrechnung halten, auch vor etlichen Jahren auf Abschlag 
etwas reichen lassen, so wäre doch nun in langer Zeit das geringste 
nicht abgetragen worden, also dass auf künftige Ostern das Capital 
«ieh mit den Zinsen über 400,0«iü ßth. beliefe. 

Weiln dann Unsere Lande wegen des vieljährigen Krieges mehr 
ab eines einzigen Chur* oder Fürsten Lande und also ganz und vallig 
rainiret, und Wir in alle Wege zu derselben Wiedercinrichtung und 
Erhaltung Unsers Churf. Standes bedacht sein müssten, auch über 
dem viele und grosse Posten Geldes, auf etliche Tonnen Goldes be- 
holend, bei andern Orten hätten aufnehmen müssen und deshalb sehr 
etfiig zur Bezahlung angemahnet würden: als hätten Wir nicht umhin 
gd^oimt, L Kais. Maj. zu ersuchen und zu bitten, numehr die unfehl- 
bare Anstalt zu machen, dass Uns diese äumma förderlichst haar be- 



^02 



II. Der Beiolisttig: zu Rogensborg. 



zahlt oder in Entstehung dessen das FürstenthtiHi Glogau so laoge 
eingeräumet werden möge, bis Wir Uiuser Zahlung halber völlig be- 
friedigt sein werden* 

Ferner und zum andern I. Kais. Maj. sieh zu aller Gütige zu cr- 
innera wissen, vvasgestalt Unserni Herrn Vettern Markgraf Johann 
Georgen Ld. vor etlichen Jahren das Herzogthum Jägerndorf cum 
pertinentiis unter Prätext und Schein einer begangenen feloniae unge- 
hörter Sache entzogen und hernacher verkaufet oder dem Fttrsten 
von Lichtenstein verehret worden. Nun ist's an dem, das», als die 
Friedenstractaten in Münster und Osnabrück Vorgängen, Wir den Kais. 
Gesandten solches vortragen und ihnen die Beförderung der Restitution 
mit Anziehung aller Unser deshalb habenden guten Fundamenten re- 
commendireu lassen, Sie haben aber zur Antwort bekommen, man 
sollte L Kais. Maj. an dem Ort nicht beschwerlich fallen und Uns 
versichern, dass Uns ein Aeqüivalent von derselben sollte gegeben wer- 
den; welches aber bishero auch ausgeblieben und nicht erfolget ist. 

Wir wollen nicht zweifeln, L Kais, Maj< werde gleich wol consi- 
dcriren, dass Uns dieses üerzogthum, so Wir a primo acquirente er* 
langet, wegen eines [unerweislichen] ^) ungewissen delicti tertii, Uns 
und Unsern Nachkommen mit Hecht und BilHgkeit nicht entzogen 
werden könne; Unsere löbl. Vorfahren und Wir selbsteu L Kais, Maj. 
und Ihrem Hause viel nützlichere Dienste geleistet haben und noch 
leisten können, als die v. Lichtenstein') immer mügeu getban ha- 
ben, und dahero der Zuversicht leben, 1. Kais* Maj. werden Uns sol- 
ches [zu| restituiren oder an dessen Stelle billigmässige Satisfaction 
aufs eheste widerfahren lassen. 

Was Wir auch drittens von daher, dass Unser Herzogthum Pom- 
mern Uns gegen deu klaren Friedensschiusa nun hei 4 Jahr vorent- 
halten ist worden, vor grosser Schaden und Abgang Unser GeßUle 
wider und über Uns gehen lassen müssen» solches ist numebr welt- 
kundig; indem Wir bei 12 Meilen Landes zusammt der tStadt Cammin, 
nebst vielen stattlichen Holzungen und andern Regalien zurück und 
hergegen geschehen lassen müssen, dass die KönigL Ministri während 
dieser Zeit alle Domainen und Zolle vor sieh genossen, denen Stün- 
den viel und grosse Summen Geldes abgefordert, Wir aber nicht 
glauben können, dass weder L Kais. Maj* noch die Reichsstände vor 
billig halten werden, dass Wir allein ihrenthalben leiden sollen, son- 

*) [ — J im Coacept durchstricüen. 

^) Deneu, in der Perspo dea FürsteD Karl v. Lichtenstein, 1622 das 
FürsteDtbam Jagerndorf vom Kaiser Ferdinand II. verlleheü worden war. 



ndort Entsclaüigutig weg. HmterpommerDs. Nuchloisa d. Rumermonate. 203 

dem des biUigmä0sig:ea Gemtithcs seiD, dass Uns eine rechtmässige 
Erstattung deshalb geschehe, so sollt Ihr solches alles mit uud neben 
den Argameaten, so Ihr dienlich ermessen werdet, I. Kais. MaJ. vor- 
stellen und nicht nachlassen, bis Uus deshalb eine erkleckliche Be- 
friedigung gegeben werden mtlge. 

Ob Wir nun wol Euers unterth, Fleisses gnugsam versichert sein 
and gar nicht zweifeln, Ihr werdet Unser bestes hierunter eifrig be- 
fördern .... 80 erinnern Wir Um doch auch der Beschaffenheit des 
Kais. Hufes und der Art der Kais, niinistrorum comportemeuts, dass 
fie nHmlich viele gute Worte pflegen zu geben und die Sache an sieh 
selbst von einer Zeit zur andern zu renuttiren und aufzuhalten. Uns 
aber damit gar nicht gedienet ist» sondern Wir eigentliche Gewissheit 
haben müssen, üb und wie Uns vor I. Kais. Maj. Abreisen von Re- 
gensbin^ Satisfaction gegeben werden solle: als wollet Ihr hierauf 
im meisten dringen und mit allem Floiss dahin sehen, dass Uus 
lolclie Vorschläge gethan werden, damit Wir uicbt allein das Erbieten 
I. Kais. Maj. und die Vertröstung, so Uns dieselbe gnäd. mündlieh 
gethan haben ^ sondern die Realität und die That selbst verspüren 
und daraus sehen können, dass mit den Worten die Wirklichkeit cor- 
mipundlre. 

Was den dritten articulura betrifft, da vermeinen Wir könnte 
I. Kais. Maj. Uns wol diejenige Römennonatj so Unsere Chur Bran- 
denburg und andere Unsere Lande w^erden abzutragen hnben, gnä- 
digst verwilligen; dahingegen werden Wir Uns in allen bevorstehen- 
den Dingen als L Kais. Maj. getreuer und devoter Churflirst wieder 
erweisen and dahin Uns nach äusserster Möglichkeit befleissigen, 
dais die übrige Stände L Kais. Maj. hinwider assistiren und helfen 
BUlgen. 

Wir werden auch nicht unterlassen, theils Kais, ministros, so 
MWi in Beförderung dieses Werks eifrig erweisen und Unsere desi- 
^^Bna zur Wirklichkeit verhelfen werden, alle wirkliche Gnade zu er- 
I weisen, dessen Ihr sie dann auf solchen Fall in Unserm Namen . . . 
I wol TerBicbern könnt. 

Vor allen Dingen aber habet Ihr der Herrn Churfürsten zu 
Jliiiiz und Tiier Ld. um dero Uns zu Präge versprochene Assistenz 
m ersueben« — 



204 ^^* ^^^ Roichstag zu Regensborg. 

Relation vom Keichsta;?. Dat. Regensburg 18/28. Apr. 1653. 

[Boschwcrdun clor Schwetlon über dio vorläufigen Borathungcn vor der Propo- 
BÜiou. Die Wulilcapitulation und das FürstuueoUogiain.] 

28. Apr. Der kurmainzische geh. Ratii Med eröffnet den brandcnbargischco 

Gesandten y dass die schwedischen Oet^andten bei seinem KurfUrsten gewe- 
sen sind und über ver:>ühiedeue rnnkto Kchwero Klage geführt haben. Ilicr- 
bei besonders: 

Mllssten sie sich auch darüber zum höchsten beschweren, das« 
man jctxo cxtraordinaric in den Keichscollegiis zusammenkäme, deli- 
berationes anstellte, alle Stünde und insonderheit uns, die Ghurbran- 
dcnburgische, wegen Pommern, Ilalberstadt und Minden admütire, bic 
aber wegen Bremen, Verden und Pommern ausschlösse — in summai 
I. K»n. Maj. wUrdcu alhie so indigne tractiret, dass sie, die Gesandten, 
es bedauern mUssten und I. Maj. es nimmer wol empfinden könnten. 
Auch wollte verlauten, sammt man an Seiten der Herrn ChurfÜr- 
sten zu der Wahl eines llöiw. Königs schreiten und darunter das fttrstl. 
CoUegium vorbeigehen wollte; da doch in Instr. Pac. klar, dass diese 
materia ad conmiunem deliberationem et cousensum omnium Statuuni 
gebore; sie wollten daher gebeten und erinnert haben, dass man in 
dieser so wichtigen Sache an Seiten des Clmrf. CoUegii nicht derge- 
stalt absolute proccdiren, sondern es bei der Disposition des Frieden- 
schlusscs lassen mochte ... gcstalt sie dann alles in ziemlicher Weit- 
läufrigkeit und Empfindlichkeit ausgeführt hätten. 



31. Apr. Relation vom Reichstag dat. Regensburg 21. April 1653. 

Audienz bei dem Kurfürsten von Mainz — die Gesandten bringen die 
Sache der Breslaucr Schuld, von Jftgerndorf, und die der Entschädigang 
für die V»)renthaltung Pommerns in Anregung; ebens») sollen der Kurfürst 
von Trier und die wichtigsten kaiserlichen Minister um ihre Unterstützung 
dabei angegangen werden. 

Die Wahl soll, wie verlautet, den 14/24. Mai wirklich noch Statt fin- 
den — wenn es irgend möglich ist, wird man den Termin unter der Iland 
hinauszuschieben suchen. — 



Relation vom Reichstag. Dat. Itegensbnrg 27. Apr. 1653. 

|Oiv (/oncurrons dog Füratenrathes hui dor Wuhlcapitulation. Dor Artikel über 
die iiuHwürtigen rroti'Ctionen einzuliior Küichtfstündc». (vraf Kurtx über die Ab- 
sichten der audwärtigcu Macht«', llurtuäckigkuit in Betrvff «lägcnidurfs. Noch- 
iniils vom Fürsti'uruth hvi der Wahlcapitnlation.] 

6. Mai. Am 21. Mai Audienz beim Kaiser in BetrefT der obigen drei Punkte. 

Allgemeine günstige Zusage, es in Considcration zu ziehen. 



ScbwediBche Politik am Reichstage; Wuhl und Oapitnlation. 



205 



Die Gesandten übersenden die Protokolle der letzten Sitzungen des 
Kurfur^teurathes vom 20. bis 23. April Kurtrier hat einen Passus über die 
Wahlcapitulation in Vorschlag gebracht ^wegen Protection auswärtiger Po- 
tentaten über Stände des Reichs^ ; sie glanbeu das§ der Kurfürst damit ein- 
verstanden ist 

Den 23. hujus ist bei der dritten Session zuforderst diese quaeatio 
?entiliret worden, wie weit das ftlratliche Collcgium und die Ubrige 
Stände des Reichs sich der Materie von der Wahl eines Rom, Königs 
und darauf gerichteter Capitiilation mit anzunehmen hätten'}. Da wir 
dann in dem E, Ch. D. halber geführten Voto mit solcher Behutsam- 
keit gegangen sein, wie Sie uns in deren letzten Befehlicb gnadigst 
aufgetragen haben. 

Crestern vor dato bin ich, der Kanzler Frombold, mit dem Herrn 
Beichsyieekanzler Grafen Kurtzeu oben bei Hofe, wie auch eachge- 
bends in seinem alhiesigen Quartier zu Spruche kommcD; da dann 
wegen der vorseienden Wahl und fler darauf gericliteteu Capitulation 
auaführlich unter uns ist geredet und davor gehalten worden, dass 
man das fürstliche und städtische Colle^iunr zu dem ersten Punkt gar 
nicht, zu dem andern aber so wenig als immer möglieb und ohne 
Abbrach des Churf. Collegii Prärogativen und Rechten zuzulassen 
hittej das wären eben die teeta et colorata priucipia der fremden 
Kronen, darmit sie die Stände unter sich zuerst in eontrasto und Wei- 
terung und demnächst das ganze Rom. Reich in Confusion und Zer- 
mttung zu bringen suchten. 

Dann Vorstellung der drei Forderungen des Kurfürsten; Graf Kurtz 
«Dlgegneti wegen der ersten und dritten würde üich wol eiu Ann weg üu- 
dca; in Bezug auf Jägerndorf aber bestünde der Kaiser darauf, da.^.s 
die Confiscatiun ganz gesetzlich gewesen sei. Darauf l'/aJ^tümlige Dispu* 
Utiou dai'über — endlich schliefst Pro m hold mit der Versicheniüg, wenn 
*kr Kurfiirät in all jenen 3 Punkten genügende Satisfacti^m erhalten habe, 
*ü werde er dawider aurh dem Kaiser alles erweisen, ^was zu dero erz- 
b«rzoglichen Hauses splendure uud Auruehmeu gereieben köunte**. 

P. S. Auch ist heute im Ftlrsteorath von dem österreichischen 
DIrectorio proponiret, wasmaassen dasjenige, so jüngst ratione mate- 
rianim intermedio tempore ante aperturam propositionis tractandarum 
daselbst geschlossen, dem chunnainzischeu Directorio commuDiciret 
imd im Cburf. Collegio vorgetragen und darüber deliberiret sei. Wor- 
auf dem Ö8tenxichischen Directorio hinwiederum zur Resolution zu- 
kommen, daas das Churf. Collegium nicht glauben könnte, dass das 



^ Vgl. T. Meiern [. 95 ff. 110. 117 ff. 



20fi IL Der Reichstag am Regenaburg. 

fhrstliche genieinet, an deme, so dasselbe vor etliche hundert Jahrecai 
wegen der glUdenen Builen und andern fuiulaniental Reichssatzungecg 
herbrachte einigen Eintrag zu thun oder dawider ichtwas vorznnet^ 
men. Wann aber das ftlrstL Collegiura davor halten würde, da^ 
ihnen einige Erinnerung, so den constitutionibns Imperii gemäss, b^ 
der Wableapitulation bevorstünde und dieselbe dem cburf. College 
vorbracht werde, dass sie sich solches nicht zuwider sein lassen wäTJ 
tcn, lind stunde dabin, ob eich die Stände darüber alsobald wollt ^ 
vernehmen lassen oder aber der Saclieu ferner bis auf den niorgendea 
Tag nachdenken und alsdann darüber resolviren. 



Instruction für den Statthalter des Fürstenthums Halberstadt 

Joachim Friedrich v. Rluuicnthal und die geh. Kätlie Clans 

EriKst V. l*laten und Johann Fromhohl für den auf den 

14/24. Mai angei^etzien Wahltag, Dat. Cülln a. d. Sp. 

24. Apr. 1G53. 

4.Mtti. xVllgemeine Erwägnngen über diu Zalassigkeit nnd Räthlichkeit der 

Wahl eines röniii^eheii Könige? bei Lebzeiten des Kaisers; trotz manciicf 
Bedenken will der Kurlurst iiich dern allgemeinen Wunsche fügen. Wo- 
möglich sollen die Gesiiodten das ganze Wuhlgei^cliäft noch so lange liifl" 
aiiszusrhieben .^uchenj bis die poDlmfJriJ^ellc Angelegenheit erledigt uod flfiHi 
Kurfürsten in Betreff seiner Specialanliegen ein günstiger Bescheid ertbeilt 
ist; doch sollen sie darauf mir besteheo, wenn , dergleichen Dilation ohnt 
Offens der Rom. Kais. Mnj. nnd Unserer Mitcharfürsten mochte zu erhiil' 
ten sein**. 

Was die Wahlcapitulatioti betrifflt, so werden die Gesandten in 
Regensbnrg bereits die Hatiptputikte erledigt haben; sollten in Augsburg 
noch weitere Verhandlungen des Kurfürstencollegs Statt finden, so wir<l 
auf die Regcnsbur^sjer Instruction verwiesen j bescinders sollen die Gesaudtefl 
sich mit Knrsachi^en*und Kurpfalz zusammenhalten, ^ damit die KathoHschcn 
bei ihren itzt in Händen habenden majoribus nichts zu der E?angelis5cbpn 
Reichsstande pracjudicio in die Caiiitulation bringen mögen**. 

Es folgen weiterhin Specialerinnerungen in Betreff einzelner ArtiW 
der Wahlrapitulation, in der Hauptsache gleichlautend mit den oben p. 155 ff 
gegebenen Weisungen. 

Hierneben ist auch dieses in voto wol zu erianern, daas es ow 
bei der designationc futuri Iniperatoris verbleiben und dem erwäblteß 
Rom. Könige nebeust der Kais. Maj* keine Regierung aufgetrAgeo 
werden mlisse; denn man in dergleichen Fällen jeder Zeit »ich gerne 
praccaviret^ dass der Röiu. Kuiiig^ vivente hupcratore in keine Regie* 



Instniction xnm Wahltag. 207 

nmg ferner als soweit ihm die Rom. Kais. Maj. etwas committiret 
oder wann dieselbige ausser Reichs gewesen, sich immisciren sollte. 



Specialinstruction für dieselben ^iii etlielien Sachen so Uns 
alleine concerniren". Dat. Colin a. Sp. 26. Apr. 1653. 

[Jägerndorf. Breslauer Schuld. Befreiung vou deDi Reichssteueraotheil.] 

1) Die Jägerndorfer Sache. Deduction über die Erwerbung des Für- ß. Mai. 
»tenthoms durch das Haus Brandenburg , den rechtmässigen anerkannten 
Besite des Markgrafen Johann Georg etc. — 

und wann die motus Bohemici nicht dazwischen kommen, würde 
weder ihm noch den Seinigen einige Controversia sein moviret wor- 
den. Und wann das gleich nicht wäre, hat doch Unser Ghurf. Haus 
ex pacto primi acquirentis und so viel Königl. Confirmationen ein sol- 
ches jus quaesitum et dicatum erlanget, das ob eulpam agnati et 
temporalis possessoris der ganzen Churf. familiae und den Mitinteres- 
senten, so extra eulpam sein, nuUo jure entzogen werden können. 

2) Die Breslauer Schuld, die jetzt mit Capital und Zinsen gegen 
500,000 Rth. beträgt*). 

3) Fürs dritte, weil Wir auch in so viel Jahren Unser Herzogthum 
Pommern von aussen ansehen und aller Einkünilen entrathen müssen, 
so ist die Kais. Maj. zu ersuchen, dass Uns dagegen Unser Gontingent 
an der collecta Imperii, welche auf diesem Reichstag mochte zu willi- 
gen sein, remittiret und nachgelassen werde. — 



Der Kurfüi'st an Blumenthal. Dat. Colin a. Sp. 
26. Apr. 1653. 

[Vollmacht zur Wahl des Erzherzogs Ferdinand.] 

Es ist-nöthig, neben der Uauptinstruction zu dem Wahltag ^auch for- O.Mai. 
ner über dem Subjecto, so zum Kömischen König und künftigen Kai:^or zu 
erwählen sein möchte, in spocie zu reflectiron; und dürfte die Wahl )>or 
Tota der Vorsitzenden wol keinen Andern dann I. Kais. Maj. Herrn Suhu 
Ferdiaandum treifen, und können Wir Uns den majoribus leiclit accoui- 
modiren; dann man in electione Regis vel Imperatoris Romani vornehmlich 
auf den Schutz gesehen und Reflexion gehabt, welcher von dem Hause 
Oesterreich wider den Türken mehr dann von einem andern fürstlichen 
Hanse zu gewarten. Man wird anch im widrigen Fall doppelte Onera tra- 
gen und ob concurrens commune Interesse dem Hause Oesterreich zu Rehuf 
des Türkenkrieges, nnd nichts desto weniger auch dem aus einem andern 
Hanse erwählten Haupte zu desselben Unterhalt steuern und Hülfe thnn 
nüsFen; wiewol Ihr Euch doch dagegen protestando zu verwahren habt, 

I) Sic. VergL oben p. ^1. 



208 



n. Der Beichfltog sn Eei^ensbnrg, 



dasB die bestäudige conti nuatio bei eiDoni gewisse ü Haase libertati elccttcaig 
nichts derogireu, uoch io eine haereditariain successioüem degeneriren 
möchte^. 

Diese Weisung wird in einem neuen Schreiben vom folgenden Tag 
wiederhüH;, mit dem Zusatz, dass Blumentbai, wcjnn er die Majorität für 
den Sohn des Kaisers entschieden steht , ihm aüch seine Stimme geben 
Foll, doch ohne dabei anzudeuten, als üb es nm der f^chon vorhandenen 
Majorität willen gDt?chelie, nuiidern ^ans gutem Bedacht* und im Vertrauen 
zu der Person des Erzherzogs; und wird Blumenthal „im Namen der 
h, Dreicnngkeit** bevollmächtigt, in diesem Sinne das Votum des Kurftirsten 
T.Mai, abzugeben (27. Apr, 1653), 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 28. Apr, st, v, 1653. 

[Fürst Piccolomini als Reichsstand- Egj^enberj^ uud Lobkowitz. Zur Wahlca- 
pltiilütion. Bas Hnns Haüziwill.] 

8. Mai. Wegen des Fürsten Piccolomini ist es im Churftlrstenrath nn- 
aniniiter dahin verabredet und geschlossen, dass I. f. Gn», ob zwar 

dieselbe sich mit unmittelbaren GlUern uad einem gewissen Anschlage 
noch nicht (imiliJicirt gemacht hätten, dennoch derselben für Ihre Per* 
son in m weit könnte gefüget und dispensiret werden, dass Sie ad 
tcMipus vitae ad sessioneni et votnm im FQrstenrath admittiret werden 
mochten; aber dero Erben sollten solches nicht zu geniessen haben, 
sie hätten sicli dann gebührender Maassen qualificirt gemacht; jedoch 
weil die Sache das fUrstl CoUegiom am meisten concemirete, so würde 
auch mit demselben vorhero daraus zu comniuniciren sein. 

Bei den Verhandlungen im Fürstcnrath wird von Seiten der Fürsten 
von Eggetiberg und von Lobkowitz mitgetheilt, ^ dass sie die zwo erste 
conditioaes mit Erkaufung Immediatgüter und Anuchmung einer sichern 
taxa pro sublevatione onerum Imperii adimpb'ret hatten^); dass sie aber 
fcieh reversiren und angeloben sollten, zu Folge der dritten Condition allen 
iürstlirhen Gesandten, wenn de die Reichstage persönlich besucheu würden, 
zu weichea, darüber befunden sie sich zum hik*liiiten beschwert, und werde 
solches vor eine Degradatioti vielmehr aLs eine Erhöhung zu achten sein". 

Bei den Bcrathnngen über die Wahleapitulation kommt ein Memorial 
von Kurcbln ein, worin gefordert wird, der künftige Kaiser solle durch 

') Vgl die näheren Nachweise über diese neuen Fürsten bei Pfef finget 
Vilriar Illastr, II. p. 520 ff. Dem Hause Egj^eiiberg hatte der Kaiser die evl 
diesem Zweck *gt?für8tete' Grafschaft Gradisca in Friaul verkauft und ihr den 
Hang eines reich^mässigcu Fursteathuma verliebea. Fürst Weazel Koaebiat 
V. Lubköwit« btaaass in cbea dieser Weise die seit 1641 «gefürstete* Graf- 
schaft Stornsteiu in der Oberpfalz, zum bairischeu Kreise gehörig. Vgl. v. Meiera 
I. p-llG. A» Wolf Fürst Wenzel Lobkowitz p. 36, der iodefls aaf dies« Ver* 
hiiiid langen am lieichstag nicht eingeliL 



Die neuen Fürtteo. Jagern dort 



die Ci{»itii]ttioD gebooden werden, die rorDehm^teo Ilofämter, nameDÜich 
die des Oberbofmei^terg^ Oberkauimerberrn, Hofoiargohalls ^au keine andere 
als au immediate Grafen des Keicb^*^ zu vergeben. Die Brandenburger 
spreeben sieb gegen diese Forderung aU tu weit gebend ans: darin müsse 
man dem Eaker freie Hand l&ssen. 



Resolution des Kurfürsten. Dat. Colin a, d. Sp. 
6. Mai 1653. 



flu Betreff des Fürsten Piecol ü mini wird man die Meiauog des Für- 16. Mai. 
stntratiies abwarten m^t^8en. ^Man wird auch dem Herren Radziwill 
dergleicben uicbt abschlagen können, als dessen Familia longe antiquior et 
Blnsttior ist; weil er auch dergleichen bei Uns gesucbet, so habet Ihr auch 
dahin zn sehen^ dass ihm kein anderer präferiret werde^ '), 

Was jene Forderung von Kurcöhi betrifft, so ist der Kurfürst princi- 
liiell aucll für dieselbe; doch sollen die Qe:^andcen sieh der Majorität fügen. 
Dagegen sollen Ae den Punkt eifrig betonen, dass den evangelischen Rest* 
denten evangelischer Kurfürsten und Fürsten am kaiserlichen Hofe freie 
Uebung ihres Bekenutuisses gewährleistet werde; mau köane dies auch in 
^ die Capitülation aufnehmen. 

" Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 2 12. Mai 1653. 

[Wiener renneinte Losung der Jägerndorfer Differenz. Die Bresl&aer Schuld« 
, Nach geschehener Wahl keinerlei Aussicht auf Befriedigung.] 

■ Cooferenz mit Graf Aaersberg über die Forderung des Kurfürsten 12. Mai. 

' rar der Königs wähl. In Betreff der Ja gern dorf sehen Sache und der 
Breslaaer Schuld haben die Gesandten ein Memorial eingegeben, nach 
deiaeii Bifolg sie sich jeta&t bei Auersberg erkundigen. 

Ea ist aber yod ihm, dem Herrn Grafen, uns eine kalUinnigc Erklä- 
tmog gegeben^ und koDiiten wir daraus uicbt abnehmen, ob über vor- 
gedaehtes Memorial einige Dellberation im geheimen Kath vergangen^ 
viel weniger, dass L Kais. Maj, sich etwas gewisses sollte resoldrt 
haben, sondern er indigitirte allein (wie es aus seinen Discui^en ab- 
2iuiebmen war, indem er nnterschiedlich das pretium, so die Mark- 
gimfen von Brandenburg vor das Herzogtbum Jügemdorf gegeben, 
«ad dass £. Gk D. mit einem Aequivalent würden zufrieden sein, re* 
petirte) so viel, man dürfte endlich darauf bedacht sein, £. Cb. D. 
das pretium, so Markgraf Georg dem v. Sehellendorf ausgezablet^ 

IUnwiedemni zu erlegen*). — Soviel meine, des v, Krockoweo, 
•} VgL ebendas. L p. 715, IL p,56«, 
■ *) Dieter Kaufpreis bei dem im Jabr 1523 erfolgten Verkauf Jägernduru 
Ppi Georg T. Scbellendorf an Markgraf Georg von Brandenburg betrug 
&B,900 »guter Ungarischer rechter GuldenV v, Laneisolle Gesch. d. Bilduuir des 
pr. Staats p. $57. 

lUicr. sur Gtsek, d. Gr. Kurlursiefi, VL 14 



210 ^' ^®' Beichstag sn Regensborg. 

Huthmassungen sein, suchen die Kais. Ministri nur die Sach mit 
freundlicher dilatorischer Beantwortung ufzuhalten, bis die Wahl eines 
Rom. Königs vorüber; hernach düi*fte man sich der Sach weiter nicht 
gross annehmen. 

Aehnlichen Bescheid erhält man iu Betreff der Breslauer Schuld bei 
dem böhmischen Canzler Graf Nostitz. 

Hieraus ersehen E. Ch. D.^ dass dieses Orts wenig zu erhalten, 
bevorab da die Zeit fast kurz fällt, dass I. Kais. Maj. ufzubrechen. 
Vorhabens. Wird also mein, des v. Krockowen, Ermessen nach^ 
wo etwas wirkliches zu erlangen, die Sach zu Augsburg ante electio— 
nem mit Ernst müssen getrieben werden; ob der Herr v. Blumen^ 
thal nach seiner berühmten Dexterität das beste dabei zu verrichten, 
möchte; sonsten wenn die Wahl eines Rom. Königs fürüber, dtirfteKi 
hernach die Kais. Ministri die Ohren an den Kopf legen und ebenso 
wenig als sieder a. 1636 bei damals Königl. Wahl, und da wegen 
des Aequivalentis schriftliche Zusage geschähe, bei dieser Restitations- 
sach ferner zu thun gesinnet sein. 

Es wird ein neues Memorial wegen der betreffeuden Sache eiogereicht. 



Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Colin a. d. Sp. 

3. Mai 1653. 

[Versprechungen in BefreiT Jägerndorfs* zu Osnabrück und Munster.] 
13. Mai. In der Jägerndorfischen Sache habt Ihr dem Beichscanzler Graf 
Kurtzen und andern Kais. Ministris vorzuhalten, was in locis tracta- 
tuum zu Osnabrück und Münster zwischen den Kaiserlichen und Un- 
sern Gesandten diesfalls vorgangen und wie Wir alda Mittel gehabt, 
gnngsame Satisfaction des Herzogthums Jägerndorf halb zu erlangen, 
aber davon, da von den Kaiserlichen Gesandten den Unsrigen feste 
Versicherung gethan worden, dass von I. Kais. Maj. selbsten uns 
billige Satisfaction gegeben werden würde, abgestanden. Wollten 
derowegen nicht hoffen, dass [add. unangesehen?] die im Namen I. Kais. 
Maj. Uns gegebene Parole, der beheimischen Ministrorum und R&the 
Gutachten solchem werde entgegengesetzet werden. 

P. S. Blum CD thal ist am 28. April zum Wahltag (14/24. Mai) nach 
Augsburg abgereist; Platen und Fromhold sollen ihn in Nürnberg treffen 
und zugleich mit ihm in Augsburg einziehen. 



Schwierigkeiten wegen Jägerndorf nnd der Breslaucr Schuld. 211 

Relation vom Reichstag. Dat. Regensbnrg 5/15. Mai 1653. 

[ VerhandlnDgen über die Breslaner Schuld ; über «Jägerndorf; über Entächadigung 
für den Verzug der pommerischen Restitution.] 

Am 1/11. Mai ist der Kurfürst von Trier zum Wahltag nach Augsburg 15. Mai. 
aafgebFOchen; KurmainZ; Knrcöln und Kurpfalz werden morgen folgen, der 
Kaiser und der König von Ungarn übermorgen. 

Anreichend E. Ch. D. bekannte drei particular desideria .... 
nachdem wir nun den 2. huj. mit einem wiederholton allerunterth. 
Memorial dieser Sachen halber bei I. Kais. Maj. seind einkommen, 
80 ist den folgenden 3/13. huj. von etlichen Kaiserl. dazu deputirten 
geh. Räthen ttber solche puucta deliberiret und wir gestern vor dato 
gegen Abend um 4 Uhr zu dem Herrn Keichsvicecanzler Grafen 
Kurtzen gefordert worden, woselbst wir dann nebst hochwolged. 
Herrn Grafen Kurtzen auch deu Kaiserl. geheimen Kath Herrn Vol- 
marni den Herrn Kammerpräsidenten Grafen v. Weissenwolf, den 
böhmischen Canzler Herni Grafen v. Nostiz und den geh. Keichs- 
secretarium Herrn Wilhelm ISchr Odern gefunden haben; und ist 
von dem Herrn Grafen Kurtz im Namen und auf Befehl I.Kais. Maj. 
uns nachfolgende Anzeige geschehen, nämlich: 

Es h&tten I. Kais. Maj. sich annoch wol zu erinnern, was bei 
deroselben £. Ch. D. zu Trage wegen der obbemclten drei desiderio- 
mm gesuchet, auch wessen I. Kais. Maj. sich damals darauf erkläret 
hätten: dass so viel das erste wegen der 180,000 Thaler Capital und 
die darauf haftende Interesse betreffe, I. Kais. Maj., weil Sie mit den 
actis zu Präge nicht versehen gewesen, dieselbe aufsuchen lassen und 
sich damächst gebührend in der Sache erklären wollten. So erinner- 
ten Sie sich auch, dass in A. 1G44 eben ein dergleichen Bescheid in 
hac causa, dass nämlich 1. Kais. Maj. die Nothdurft deswegen zusam- 
mensuchen lassen wollten, gegeben worden wäre '). Darauf £. Ch. D. 
dreierlei gesuchet und begehret hätten: 1) dass deroselben der cal- 
culus, so von der Buchhalterei der breslauischcn Kammer gezogen, 
communiciret 2) Die Tractaten wegen der Zahlung rcassumiret und 
3) wirkliche Mittel zu derselben vorgeschlagen werden muchten. 

Nun hätten I. Kais. Maj. deshalb allen Fleiss angewandt, damit 
die Handlung wiederum wirklich möchte vorgenonmien werden, gestalt 
dann auch die iuformationcs hierzu wären cinkommen und crklärete 
sich solchem nach I. Kais. Maj. dahin: dass das schuldige Capital der 
ISOyOÜO Thaler seine gute lüchtigkeit hätte und I. Kais. Maj., so viel 

*) Vgl. Urk. u. Acteuat. I. p.885. 

14* 



212 ^^' ^^^ Reichstag zu Begensbarg. 

Ihr dies Orts abzustatten gebtthrete, auf Mittel und Wege gedenke' 
wollten, wie E. Ch. D. dies Orts möglichste und gebtthrende Sat:2 
faction erlangen möchten. Uabeneben aber zweifelten L Kais. Maj.*aa^^ 
nicht, E. eil. D. würde wol erkennen und bei sich erwägen die grosse 
Ruin, so I. Kais. Maj. Erblande und insonderheit das Herzogtha.111 
Schlesien bei dem so lang gewähreten Kriege ausgestanden hätten 
und sich dannenhero wegen der Interesse und Zinsen also erzeigen 
und finden lassen, dass man aus dieser Schuldsachp mit I. Kais. Maj. 
und E. Ch. D. contento kommen könnte. Nachdem nun nicht allein 
in A. 1644, sondern auch noch neulich zu Präge sei gesucht worden, 
dass man die in dieser Sache angefangene mündliche Unterredung 
und Handlung wiederum reassumiren und fortsetzen möchte: als hät- 
ten I. Kais. Maj. hierzu Ihres Orts gewisse Commissarios benennet 
und ihnen solchen Befehlich gegeben, dass zum längsten von dato 
inner 4 Wochen die Handlung wegen dieser Post an Capital und 
Interesse fortgesetzet und die Zahlungsmittel verglichen werden sollten. 
Und hielten I. Kais. Maj. davor, es würden E. Ch. D. mit dero- 
selbcn darunter wol einig sein, dass solche Handlung nirgends besser 
und schleuniger als hier zu Regensburg . . . vorzunehmen sein; dahero 
dann . . . E. Ch. D. zu diesem Werk auch einige Ihrerseits alhie in- 
struiren und bevollmächtigen wollten. 

2) Betreffend den andern Punkt wegen des Fürstenthums Jä- 
gern dorf wären [I. Kais. Maj.] entschlossen bei der oban- 

gedcuteteu nächsten Commission E. Ch. D. communiciren zu lassen, 
wie sich eines und das andere wegen bemelten Fürstenthums Jägem- 
dorf in jure et facto verhalte. Dabei I. Kais. Maj. gleichwol auch 
dieses E. Ch. D. hinterbringen Hessen, dass [in Anbetracht der Ver- 
dienste des Kurfürsten und seines Vaters] .... also Hessen I. Kais. 
Maj. es nicht allein bei vorigen Vertröstungen und Versicherungen 
verbleiben, sondern würden auch Ihres Orts auf wirkliche Mittel und 
Wege bedacht sein wie solche Ihrem hochgeehrten Herrn Vater, I. Maj. 
selbst und dero ganzem erzherzogl. Hause geleistete erspriessliche und 
nützliche Dienste und Affection von I. Maj. wirklich möchten erkannt 
und ersatzt werden. 

3) Wegen dessen, dass E. Ch. D. dero hinterpommerische Lande 
nun bei 4 Jahren her hätten entrathen müssen und deshalb eine Er- 
götzUchkeit von den Ständen des Reichs ratione des Abgangs der 
Nutzungen sucheten, da erkläreten sich I. Kais. Maj. dahin, dass Sie 
vor allen Dingen dahin trachten wollten, dass die Licenten, so zwi- 
schen der Krön Schweden und E. Ch. D. numehr ratione participa- 



tionis verglichen wären, cum consenBU Statuum Imperii auf dem ge* 
genwÄrtigen Reichstage perpetuiret werden möchten. Nicht weniger 
•Sollten L Kais. Maj. sich auch dahin bemühen und ganx gerne colla- 
boriren^ daas £. Gü. D* deshalb von dem ganzen Reich noch eine 
^t^derwärtige zureichende ErgötzHchkeit widerfahren möge. 

1 Hierauf haben wir uns ein wenig unterredet und darniichst mit 

^polcher Antwort vernehmen lassen . . . wir aeceptirten zuvorderst^ dass 

T^- Kais, Maj. die Liquiditäten» des Capitals vor richtig und unstreitig 

ketten erkennen wollen, woraus dann auch die Gewissheit der Inler- 

^^«se, insoweit deren Abführung mit Quittungen nicht beleget werden 

Wönnte, vor sich selbst folgte, und wollten dannenhero hotlen, auch 

Oarura alleninterth. gebeten haben, es würden und wollten U Kais. Maj. 

"v^egen wirklicher Abführung des Capitals sich annoch in Kais. Gna- 

clen etwas näher erklären und dar/,u vor dero Abreise von binnen 

Bacher Augsburg wirkliche Anstalt machen, allerraassen wir dann zu 

dessen Empfang genugsam instruirt und gevoUmächtiget wilren. 80 

"^el sonst die in A. 1044 vorgehabte Handlung und die jetzige zu 

■ CoDtinuation derselben angeordnete Kaiserl Conmussion betreffe, da 

mQssten wir dieselbe bloss auf das Intereese und Zinsen und zumal 

Iauf Vorschlagung der Mittel zu Abführung derselben verstehen. 
Sodanu in ßetreft* des Fürstenthum^ JagLTaiiorf — 
[haben] wir ihnen dann durch untergehiedliehe rationes remou- 
striret, warum sich gebuhrete, auch E. Ch, D. viel lieber sehen wür- 
den^ das» Sie Ihr Fürstentlmm Jägerndurf wiederum erlangeten, als 
dass man Hir dafür etwa ein Aequivalent zuwenden wollte; dafem 
aoeh I. Kais. MaJ. vermeinen würden, dass dem fürstL Hause Lich- 
tenstein etwas gebührete, so konnten Hie dero allergnäd. Belieben nach 
demselben mit einem Aequivalente begegnen lassen; und hielten wir 
QAsere' Orts dafür, wann für das fürstl. Haus Liehtopstein eine Ration 
militirie, so würden auf iSeiten E. Ch. D. und dero Churf, Hauses 
wohl zehen und mehr vorhanden sein. 

Jn Betreff der Eut^chiidiguug fui' Fomnieru Dehmen die Gesandten die 
Erbietuagen des Kaisers mit Dank an, übrigens aber — 

dass E, CL U. lieber gewesen wäre, dass es dieser Einwilligung 
in die Licenten nicht bedurft hätte- 

Iq einer ueueu Keplik erklären die kai.serlicheu Commissare nochmals, 
dftf-*» der gestellte Termin von 4 Wochen uimiöglich sich abkürzen lasse, 
in Anbetracht der für die Yerhandlnngeu uoih wendigen Vorbereitungen. — 




214 n« ^^^ Reichstag za Regensbnrg. 

Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. CöUn a. Sp. 

6. Mai 1653. 

(Eigenhändig.) 

[Bedaaerliche Nachrichtea über die Absichten dos kaiserlichen Hofes; Mahnung 

zur Vorsicht. Glogau für Jägerndorf. Abschluss der Stettiner Tractaten.J 

6. Mai. Lieber Blumenthall. Ich hoffe Ihr werdet nahmer woU zu 
Augsburg ankommen sein undt euch alsofortt meine euch anvertrautte 
desideria zu gewünschten Ende zu bringen, mit höchsten fleisz ange- 
legen sein laszen. Ich kann euch aber nicht verhalten, wie das ich, 
bei jüngster Post, ein Schreiben ausz Augsburg von jemandts der 
woU weisz, was am Kayseri. Hoffe vorgehet, bekommen, Welcher 
schreibt, das man mich würde mit guten Wortten aufhalten, bisz alles 
gethan undt hernach das nachsehen laszen, wie mir und meinem Herrn 
Vattern Seligen viel Jahr hero gesehen. Ob ich nun zwahr in Ihrer 
Kais. Maj. ein viell besser Vertrauen setze undt mich auff dero aller- 
gnedigste parole festiglich verlasse, worin Ihr mich dann auch immer 
gesterket undt mich eines glücklichen Successus versichert, so hab 
ich euch doch davon pardt geben undt zugleich nochmallen mit allen 
ernst befellcn wollen, Ihr wollet zu nichts anders schreiten, bisz das 
Ihr meinetwegen satisfaction erhalten. Ich bin auch versichert, wann 
Ihre Kais. Maj. recht in sich gehen undt nicht allein der Sachen Bil- 
ligkeitt, sondern auch, was ich undt meine Vorfahren jeder Zeitt bey 
dero Hausse gethan, erwegen werden, Sie können nicht anders dann 
mir gnedigste satisfaction geben, widrigen unverhoften falles wtLrde 
ichs mir sehr zu gemühtte ziehen, welches mir auch vor der gantzen 
Weldt schimpflich sein würde, wann ich das nicht erlangen künte, 
was man mir schuldig, da woll andere grosse gnaden erhalten. 

Aber ich weis das Glogaw in gar zu geringer consideration bey 
Ihrer Kais. Maj. i^, desz wegen einen treuen Churfürsten zu disobli- 
giren, abzuweissen undt malcontent sein lassen selten. Ich zweifFele 
nicht, Ihr werdet eurem theuren Versprechen nach euer bestes thun, 
weillen sonderlich auff Ihrer Kais. Maj. mir versprochene gnadt Ich 
mich nochmahllen festiglich verlasse. 

Eben wie ich so Weitt Schreibe, kumbt die Post von Stettin undt 
berichten meine gesantten, dasz den 4. Maij st. vett. die supscription 
gesehen, darauff alle Stücke zweimahll gelosset undt mit Musqutten 
salve geschossen worden, undt haben die Konniglichen die Unserigen 
statlich tractiret, Wobey Sie treflich getruncken, anstadt der Danck- 
sagung so man Gott dafür schuldig gewessen were. liieuiit Gott be- 



Versuch die Köotgswahl aofzuhalten. 215 

folleo, uodt ich verbleibe — Ewer Alzeitt gnediger — Fridericli 
Wilhelm Churfürst 



Der Kurfürst an Bliimenthal, Platen und Fromhold, 
Dat Colin a. Sp. 7, Mai 1653. (cito! cito!) 

[Ucbelc Nachrichten aas Regeosbiirg; daa Wahlgeschäft inusa verzögert werden; 
Neütmog mehrerer Candidttteo; WiihruDg der Wahlfreibeit.] 

Er habe aus den Regensburger Relationea ^mit grosser Perplexität^ 17. Mal 
verDomnaeQ, dass man dort sowol in den allgemeinen evangeligcbcn als in 
rfen Priratangelegenheiten des Kurfursiten sich sehr spröde erweist und ^die 
kaiserliche Ministri fast trotziglich za sprechen beginnen, so als wann die 
Wahl albcreit geschehen and ^ie vor diesem zu thun geiivohüt gewesen**. 
Die Qesaadten werden sich dabei so zu halten wissen, ^als ehrlichen tapfe- 
ren Ruthen zustehet and gebühret*; zunächst aber ^haben Wir der Notb- 
ireodigkeit zu sein erachtet, zum Ueberfluss Euch nochmals vermitteist 
dieses bei Euren Pflichten und Ehren, ja so Heb Euch Eure Wolfahrt 
i»tj gnädigst und ernstlich zu ermahnen uud zu befehlen, dass 
Ihr zuTörderst dahin trachtet, dass die Wahl, so lange es immer 
möglich, verzögert werde**. Sie sollen sich zu diesem Behuf der einzel- 
nen Bedenken bei der Capitulation bedienen, auch nameutlieh der ßesschwerdeo 
der Evangelischen in Oesterreich, um diimit die Wahl hinauszuschieben. 

Ab auch bei allen vorigen Wahlen dem Reiche zum Besten und 
daoiJt das Kaiserthuni nicht für erblieh gehalten werden raöge^ von 
oebrem Öubjectis geredet worden, so habt Ihr dergleichen zu thun 
imii Tomehralich von dem Erzherzoge Leopold Wilhelm, dann 
denen zu Insbrnek uud auch von dem Churftirsten zu Baiern 
mit den Churftlrsten zu reden; da man dann inmittelst sehen wird, 
wie man sich an Kaiserlicher Seiten wird l)etragen und bezeigen. 
Sollte solciies nun zu Unserm VergoUgen und Unsern Euch mitge- 
gebenen Instructionen gemäss sein, »o hättet Ihr, der v/Blumenthal^ 
Unserer Euch mitgegebenen geheimeo Instruction nachzuleben; widri- 
gen Falls mit den anderen Churftlrsten es dergestalt zu überlegen, 
da» der Kaiser gleicbwol sehen m5ge, dass die Wahl in Unserm 
freien Willen stehe. 



■ Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 9 19. Mai 1653. 

I llntercesäion für die afiterreichiscben Evangeüscheo. AUgemeitier Aufbruch nach 

■ Angsburg. Die Monita der Fdrateu nnd Stände xur Wahlcapitalatiou.] 

^L|^ Gleich selbigen Tag (5 15. Mai) nach Mittage um 4 Uhr haben 19* Mau 
fP«r evangelischen Chur-, Fürsten und Stände Deputiiie bei L Kais. 
Maj. Audienz gehabt und deruselben die abgefasste Intercession vve- 



21 ß n. Der Reichstag zu Begensbarg. 

gen einer mehrern Freiheit der Gewissen und des exercitii religionis 
vor die Evangelische in den Kais. Erblanden nebst einem mündlichen 
Vortrag allcrunterth. überreicht '). Der eine chursächsische Gesandte, 
Herr Strauch; hat den mündlichen Vortrag gethan und haben I. Kais. 
Maj. gar kurz geantwortet, Sie wollten das Memoriale verlesen, es in 
Consideration ziehen und sich mit ehistem nach Billigkeit darauf re- 
solviren. 

Am folgenden Tag desgleichen bei dem König von Ungarn, der auf 
seinen Vater verweist An demselben 6/16. Mai sind Karmainz und Kur- 
pfalz, am 7/1*7. der Kaiser und der König von Ungarn, am 8/18. Kurcöln 
nach Augsburg abgereist. 

Eben selbigen Tages gegen Abend um 6 Uhr haben die Deputati 
des fürstl. Collegii, darbei sich Salzburg, Bamberg, Altenburg und 
Braunschweig befunden, ihre Monita oder Erinnerungen bei der Wahl- 
capitulation') den anwesenden Deputirten, Käthen und Gesandten des 
Churf. Collegii im Churmainzischen Quartier überreicht und sie er- 
suchet, dass solche Erinnerungen zu Augsburg möchten beobachtet 
und in die Capitulation gebracht, und der Fürsten Privilegia und Frei- 
heiten nicht imminuiret oder geschwächet werden. Darbeneben hat der 
Altenburgische Gesandte nomine der evangelischen Fürsten und Stände 
absonderliche Erinnerungen übergeben') und nur mit zweien Worten 
gebeten, dieselbe bei der Capitulation in Acht zu nehmen. Wegen 
des Hauses Oesterreich hat der Salzburgische Gesandte angedeutet, 
dass die Oesterreichische Herren Gesandte ihnen reserviret hätten, mit 
einer Deduction oder Information über dasjenige, so wegen des Hauses 
Oesterreich bei der Capitulation wäre moniret und hineinzubringen 
gesuchet worden, einzukommen. 

Hierauf ist ihnen vom churmainzischen geh. Bath Herrn Meelen 
geantwortet worden, dass die überreichte Erinnerungen nacher Augs- 
burg sollten überschickt werden und würde das hochlöbl. Churf. Colle- 
gium wol dahin sehen, dass den Fürsten wie auch allen andern Stän- 
den des Reichs ihre jura . . . salva et illibata verblieben; hoffeten aber 
dahingegen, dass die hochlöbl. Fürsten und Stände denen Herren 
ChurfUrsten ihre jura, praerogativas et praeeminentias unverletzet zu 
lassen wol würden gemeinet sein. 



>) Gedruckt bei v. Meiern I. p. 144 ff. 
«) Ebendas. p. 118 ff. 
*) Ebendas. p. 121 ff. 



Zur Wiihl und WaUloapiitilation. 



217 



Blümenthal an den Kurfürsten. Dat. Nürnberg 10/20, Mai 

1C53. (m. pr.) 

[Die KöDtgBwahl oalic bevorstehend. Die Monita der Reichsstände mt Capttu- 
hüot. Schwedische Uebergrifle gegen Bretnen« Die Räomung in Pommern. 
Di© Stände und die Wahlcapitulation.] 

Heute bei meiner AiilanguBg alhier vernehme ich, dase L Kais, Maj. 20. Mw. 
am vergangenen Sonnabend gevrigs von Regensburg nach Augsburg 
aufgebrochen sein. 

£g hat mir sonstcn auch Einer aus hiesigem Magistrat gesaget, 
dasa die Capitnlatio pro Re^e Komanorum zu besagtem Kegensburg 
aefaon wAre abgehandelt und zwischen den Herren Churftlrsten wäre 
rereiniget worden, also dass nach derselben Meinung die Electio noch 
vor Ausgang des Monat Maji geschehen sollte. Welches ich gleich- 
wol nicht allerdings glauben kann. Mau sagt auch, dass die Coro* 
natii» am 10» Juni geschehen solle. 

Zu Bamberg und hier, auch, wie ich höre, zu Regensburg, wird 
die restitutio Pomeraniae so gewiss gehalten, als wenn sie schon ge- 
sebehen wäre. 

Die katholische iStände wie auch die evangelische liaben, jede 
k part gewisse Monita eingegeben, welche sie nöthig halten, bei der 
Capitulation in Acht zu nehmen; welche denen Herren Churfllrsten 
sollen sein sugestellet worden. Magdeburg sollte gesaget haben, man 
inaflale es gleiehwöl also machen, dass keine protestationes contra factam 
itealianem erfolgen möchten. 

Sonsten werden E. Ch. D. gnüd. verstanden haben, dass die Königin 
in Schweden durch den General Königsniark die Stadt Bremen mit 
Gewalt zwingen und eine Schanze oder Festung unter derselben an 
der Weser bauen lasset. Es jsoU dieses in facie totius Imperii ange- 
fiuigeaes procedere zu Kegensburg sehr ftbel genommen werden. Hier 
saget man, dass der Kiinigin in Schweden Mediation zwischen Holland 
and Engeland acceptiret sei worden von dem Parlament. 

Wann über Verhofien die Schweden den ersten Termin nicht hal- 
ten oder procrastiniren sollten, so zweifele ich nicht, E. Ch, D. werden 
uns wol per expressum befehlen, was alsdann weiter zu negociiren 
und zu Augsburg und Kegensburg zu thun sein wird. Ich will dennoch 
hoffen, sie werden nicht gerne an zweien Orten ihnen Gefahr Übern 
Hals ziehen wollen. 

Als die Stände des Reichs von der Capitulation geredet, so soll 
ibnea (wie man hier saget) sein geantwortet worden, es werde nicht 
viel weiter von der Capitulation geredet, sondern zu der Stände Sicher* 



218 IL Der Reichstag zu Regensborg. 

heit dieses hineingesetzet werden, dass der Eligendus an alle dasjenige, 
so aufm Reichstag werde geschlossen werden, gebunden und dasselbe 
zu beobachten gehalten sein solle. 



Der Kurfürst an die Gesandten in Augsburg. Dat. Colin a. d.Sp. 

11. Mai 1653. 

[Neae lustruction für die WahlcapitalatioD. YerfalireQ bei Reichsachi. Die 

Stellung des röm. Königs im Reich. Neue Fürsten und Grafen. Anzügliche 

Reden des Grafen Aaersperg zu ahnden.] 

Il.Mai. Es werden noch einige Punkte zur Berathung der Wahlcapitnlation 

nachgetragen. 

Bei dem 30. articulo der itzigen Kais. Maj. Capitulation ist der 
casus notorietatis und dass die Achtserklärung mit Bewilligung der 
uninteressirten Ghurfttrsten geschehen sollte, gesetzet ^): allda vermeinen 
Wir, dass in genere zu setzen sei, dass ins künftige tlber keines Im- 
mediatstandes im h. Reich Person, Ehre oder Würde anders nicht 
dann im allgemeinen Reichstage erkannt werden solle. — 

Und möchte hernächst nicht unrathsam sein, dass der künftige 
König sich obligirt mache, obgleich ihn etwas von der Kais. Maj. per 
commissionem aufgetragen würde, er sich ohne Vorwissen und Be- 
willigung der sämmtlichen Ghurfürsten doch nichts anmaassen wolle; 
welches nicht in Euerm voto, sondern unter der Hand erinnert wer- 
den kann. — 

Bei dem 47. Artikul wird zu inseriren sein, dass die, so mit Con- 
sens der sämmtlichen Churfitrsten in den Fürsten- oder Grafenstand 
erhoben werden, sich mit an sich Bringung fürstlicher und gräflicher 
unmittelbarer Güter im h. Reich qualificirt machen, auch in einen ge- 
wissen Anschlag zu den Reichscollecten gebracht werden sollen. 

So habt auch Ihr, der v. Platen und Ganzler Fromhold, der 
Reden, so der Graf v. Auersperg zu Regensburg geführet — dass, 
wenn gleich Unser Gesandter zu Augsburg nicht anlangen sollte, dan- 
noch mit der Wahl verfahren werden würde — Euch zu erinnern, und 
können Wir solche Reden, als welche eine Geringschätzigkeit Unser 
Person und voti nach sich ziehen. Uns nicht anders als tief lassen zu 

>) Wahlcapitnlation Ferdinand*s III. §. 30 (Limnaens p. 674): „Wäre es 
aber Sach, dass die That au sich selbsten ganz notori .... obwol es dann nicht 
eines sonderbaren Process vonnöthenf so wollen Wir doch auch in diesem Fall 
mit Zuziehung obgedachter des h. KeicLd .... uninteressirter Ghurfürsten , ehe 
und zuvor Wir zu der würklichen Achtserklärnng sehreiten, communiciren und 
verfahren". 



Zur WahJ and Wahlc&pltulation. 



219 



Henen gehen; kommen Uns auch so viel desto befreradter vor, wann 
Wir zurücke gedenken, dass suwol von des Herrn Churfiirsten zu 
Mainz Ld., als aueh L Kais. Maj. selbst Unsere .... Erklärungen 
wegen der Wahl viel anders und zu hohem Dank allweg auf- und 
ugeiioinmen. Welches Ihr bei Gelegenheit gegen erwähnten Grafen 
wol gedenken könnt* 

Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 12/22. Mai 1653. 

[Du bniodeiibargificho Laodgericht in Franken. Herford und Fürsieuiia. Tod 

Fürßteoan's,] 

[Vor einigen Tftgeu] hat sich zuvorderst der Culmbaehische und -'2, Mni. 
al8obaId darauf der Onolzbaehische Gesandter bei uns gemeldet und 
ihrer gnäd. Herrschiift Desiderium wegen des Landgerichts in 
Frauken, so dem fürstl Haus, den gesammteu Markgrafen zu Bran- 
dcnhurg von einigen seculis hero ex eoneessione et privilegiis Inipe- 
mlorum zustünde^ bei der Wahlcapitulation in Acht zu nehmen ge- 
beten; wozu sie sich desto mehr veranlasst befunden, weil in den 
commnnibus raonitis des fttrstl. Collegii auf die Abschaffung des Kais. 
Hafgerichts zu Rotweil und andern schwäbischen Landgerichten von 
Flir&ten und Ständen stark angestanden'), und dagegen im Österrei- 
chiscbcn Votu gleichfalls auf gedachtes Landgericht in Franken indi- 
^ päret worden; da doch über dieses keine Klage, wie ttber jene, ge* 
ttkrt und dieses im Rom. Reich approbiret, in judicio contradictorio 
bdütiget nnd davon an das Kai«^. Kammergericht zu Speier appelliret 
Wirda, ihnen aber allezeit von den Ständen stark widersprochen und 
davon die appellationes einzig und allein ad aulani Imperatoris gingen. 

Die Gesandten zur Wahl in Augsburg werden sich wol auch diesen 
i\iikt ungelegen sein lassen. 

Der Kegensburger Gesandte Dr Pfaffenreiter und der Nüraberger 
Df. Oelhafeu komtncn zu den hrandeaborgischen Gesandteu und bitten 
ifij Xtimen des städtiödiea ColUtgs um Berücksichtiguag ihrer latercssen 
W der Wahlcapitulation. Zugleich verwahren sie sich dagegen^ als ob sie 
Agitation gegen den Kurfürsten zu GuuÄteu von Herford Theil 
leu und nanieullich iiU ob sie di^n ihnen uiv Labt gelegten Gedau- 
kfD gehegt hätten, dass die Schweden so lauge Colherg behalten sollten, 
14 Herford in den gebuhreudeu Stand der Reichsfreiheit ge^^et^t worden 
tir<f*), Jit»fegnders lehnen sie jede nähere Verbindung mit Fiirstenau ab; 



') ?. Meiern L p. 119; und dttgoj^on die VerwahruDg Oesterreichs in dem 
P^l^koU des FörtleDraÜis vom (».Mut 1653, ebeodas. p. 131 T, wo indess dea 
femdMliQrgigcheo Landgerichts in Franken nicht special] ^edaebt wird. 

'> 3. oben p. löt>. 



220 ^^' ^®' Reichstag bq Begensborg. 

dieser habe in seiner letzten Streitschrift von jenem Plane in Betreif Col- 
bergs gesprochen, und es könne wol sein, dass Verhandlungen der Art mit 
anderen gepflogen worden seien; sie selbst aber hätten nichts damit zu 
thnn gehabt; sie hätten nur ^Mitleid mit Fürstenau, welcher scheinbar- 
Heh verginge**. 

Die Brandenburger deduciren ausführlich das Rechtsverhältniss Bwi- 
schen Brandenburg und der Stadt Herford, sowie die ungesetzlichen Agi- 
tationen Fürsten au 's, der früher ^dem Herzog von Jülich bedient^ ge- 
wesen sei und schon im Jahr 1630 mit seinen Umtrieben begonnen habe. 
Uebrigens habe. man allerdings den Städten vorzuwerfen, ^dass sie ihn 
[Fürstcnau] bei und neben sich in der Kirchen sitzen und stehen liesseni 
auch demselben Vorschub an Geld thäten und bei jüngstem Druck seines 
angemoassten ^ Berichts^ gethan hätten**. Gegen diese letzte Broschüre 
Fürstenau's ist jetzt eine Gegenschrift in Vorbereitung, die nun bald 
gedruckt werden soll. 

Bald nach diesem Bericht ninmit diese Agitation ein Ende mit dorn 
Tode ihres Flaupturhibers. Am 3/13. Juli 1653 melden die Gesandten, 
^dass der Aufwiegeier Anton Fürstcnau heut dato gestorben ist**. 

Blumenthal, Platen und Fronihold an den Kurfürsten. 

Dat. Donauwerth 13/23. Mai 1653. 

23. Mai. Sie haben sich in Donauwerth getroffen, um gemeinsam nach Augsburg 
zu reisen. — Was nun die gewünschte Verzögerung des Wahltermins be- 
trifft, so stellen sie vor, dass, nachdem jetzt alles bereits soweit gediehen, 
dieselbe ihnen .,absolute unmöglich^ gewesen ist; sie werden es wahrschein- 
lich nicht verhindern können, dass die Wahl in Augsburg alsbald vorge- 
nommen wird; höchstens die Krönung wird sich vielleicht einige Zeit hiu- 
ausschicbcn lassen, bis man wegen der pommerischcn llestitntion, sowie 
wegen der Jägern dorfer und der Brcslauer Schuldsachc grössere Sicherheit 
bekommen h.-it*). 

Der Kurfürst an die Gesandten in Augsburg. Dat. Colin a. d.Sp. 

15. Mai 16530. 

[KursachseD und der §. Habeantnr; die Wahl darf nicht übereilt werden; die 
Gesandten sollen sich nicht durch M^oritat zwingen lassen.] 

86. Mai. Gleichwie Wir occaaione der von Chur Mainz Ld. gethanen Aus- 

*) Diese Relation wollen die (iciandten anfangs durch einen expressen Cou- 
rier absenden; dies unterbleibt aber, da ein solcher nicht für weniger als 110 Rth. 
die Reise unternehmen will, und sie gebt xugloich mit der nächsten von Augs- 
burg aus ab. 

') Conce|>t. Kantleinotix: .Das Original dieses Concepta haben S. Ch. D. 
bei der VolliiehaDg in Gegenwart dea Herrn Oberkammerfaem, Herren ▼.Löbeo 
und Herran ▼. Hoverbeok, selbst geltien*'. 



Tod Furgteoau*8. Vertnch die Wahl zn verscbieben. 



221 



cibcn dahin vornehmlich gesehen und getracbtet, wie denen bei 
Vacatur des h. IteicLs besorglieh gefährlichen Conaequentien 
rorgebeuget und das Reich deshalli in vollkommene Sicherheit ge- 
fictxt werden möchte: also haben Wir, nachdem Uns die von den 
Rdchsfhrsten und Ständen vermöge des §. Habeantur etc, des Instr, 
Pac. bei und wegen der Capitulation gethaue tbeils in die berge- 
bnebte Churf. Präemineuz dringende, tbeils aber dem h. Reich und 
ittoDderheit denen Evangelischen zu hohem Nutzen, Aufnehmen und 
Venicherung gereichende Monita aus denen einkommenen Relationen 
der Länge nach vorgetragen, nicht vorbeigehen können, Uns daa, 
was dea Herrn Churfarsten zu Sachsen Ld. d, d* Dresden am 29. Dec. 
te nAchstTerwichenen Jahres an des ChurfUrsten zu Mainz Ld. wohl- 
bedlebtig und treugemeint geschrieben, vorzustellen: nämlich dass 
Cbür Sachsens Ld. dieses einzige beigcfallen, dass im Friedenscblusse 
CQthalten, es sollte auf itzigem Reichstage von W^ahl der Komischen 
vermöge der Stände gemeiner Bewilh'gung gehandelt und ge- 
Bn werden* Ob nun solches bei Ankunft dieses Sr. Ld. Schrei- 
bcag alberett fUrgangen, wäre derselbten unbewusst, Hessen also zu 
Chur Mainz reifem Nachdenken gestellet sein, ob einen als den an- 
dern Weg mit der Wahl auf angedeutete Zeit zn veriabreu, oder ob 
sicherer und rathsamer, vorhero zu vernehmen, was die Fürsten und 
ättode bei solcher etwa zu erinnern , und ob dasselbe etwa zu belie- 
ben, oder mit gutem Glimpf abzulehnen, und alsdann der vorhabenden 
Wahl desto festeren Fuss zu setzen* Dann ausser dem stände Sr., 
Cbur Sachsens, Ld, wenigen Ermessens nicht unzeilig zu besorgen, 
ci dtlrfte das Churf. Collegium einer Coutravention sowol aU einer 
k ttnftgUchen Priicipitanz angeschuldiget, und, dass durch sie Ursache 
P ^u des Reichstages wo nicht gänzlicher Zertrenuung, doch dergleichen 
Verzögerung gegeben und lauter Verbitterung zwischen den Ständen 
«n^t sei, ausgeschricn werden; zugeschweigen dass diejenige, so 
3«! widersprechen geneigt, die Ktlrze der Zeit, und dass man weder 
üe in der güldenen Bulle ausgesetzte Frist der dreier Monat, noch 
Ändere darin befindliche Requisita in Acht genommen hätte, auzufUh- 
fcu and allerhand, obgleich unbilligen, Verdacht vorzubringen leicht- 
lieb Anlasa ergreifen möchten* 
^^ Welche zu beobachten Wir so viel mehr Ursache tinden, weil 
^^■lelbe, was Chur Sachsens Ld. Ihrer hohen Erfahrenheit nach weit 
ViQiUera abgesehen und besorget, sich nunmehr in der That wol als 
pwifcr SU «ein befindet; und werden Wir diesem nach um so viel mehr 
gemachet, gedachter Chur Sachsens IhI. Remonstratiou um m viel 



222 ^* ^^^ Reichstag zu Begensburg. 

genauer zu inhaeriren, Euch aber zuverlässig einzubinden, Ihr wollet 
vermög Unsers an Euch, den Statthalter, abgelassenen Schreibens die 
vorstehende Wahl durch alle ersinnliche Mittel und Wege, und inson- 
derhait vermittelst obangezogener Sr. Ld. Vorstellungen, aufs wenigste 
so lange aufzuhalten suchen, bis die von den Schwedischen zur VoUii- 
ziehung des allgemeinen Friedens angesetzte Termini vorbeigeflossen, 
wie auch den Fürsten und Ständen in deme, worinnen sie begründet, 
Satisfaction gegeben, das ttbrige aber, so Uns und dem hochl. CoUegio 
zum Nachtheil und Verringerung gereichen könnte, mit gutem Glimpf 
werde abgelehnet worden sein. 

Dem Kaiser und seinen Ministern sollen sie, wenn dieselben darüber 
MissstimmuDg zeigen, versichern, dass der Karfürst darchaas nichts gegem 
die Wahl an sich einzuwenden habe. 

Würde man auch Unser und des Ghurfttrsten zu Sachsen Ld« 
treugemeinte Erinnerungen unangesehen per maiora durchdringen 
wollen, habt Ihr zu remonstrireu, dass im Churf. Gollegio in derglei- 
chen passibus nicht herkommen, die maiora anzuziehen und alle der- 
gleichen hochwichtige Sachen, bis auf Eure Relation von Uns Reso- 
lution einkommt, ufzuhaiten, inmittelst aber Unsere in jure et facto 
wolbegründete postulata ufs eiferigste zu Unser vollkommenen Ver- 
gnügung zu treiben; wie Ihr nicht weniger der bedrängten Evangeli- 
schen in Schlesien und andern Kais. Erblanden, dass ihnen in ihrem 
christlichen und billigen Suchen gefttget werden möge, Euch noch 
ferner aufs beste werdet angelegen sein lassen. 



Blumen thal an den Kurfürsten. Dat. Augsburg 18. Mai 

1653. (m. pr.) 

[Zu spät! Der Kurfürst schuld daran. Mögliche Aussichten. Veränderte Phy- 
siognomie des kaiserl. Hofes; Vorsicht nöthig. Die Königin von Schweden. 
Politische Stellung der einzelnen Kurfürsten. Die Bömermonate für Graf Karts. 
Kursachsen und die Jülichsche Sache.] 

28. Mai. Id was terminis die Sachen alhier stehen .... solches werden 
£. Ch. D. aus Unser unterth. Relation hören. 

Wollte Gott, es hätte E. Gh. D. gnäd. gefallen, mich mit solcher 
Ordre vor 3 oder 2 Monat nach Kegensburg zu schicken, oder dass 
ich zu Praga recht wissen und von E. Gh. D. erfahren mOgen, was 
I. Kais. Maj. mit derselben geredet und wohin E. Gh. D. Resolution 
gegangen, und dass dieselbe meinem unterth. und pflichtschuldigsten 
Rath und Bitte so weit hätten Statt gegeben und ganz fireie Hand, 
bis Ihre particular Sachen würden abgethan sein gewesen, behalten, 



Scliwierigkeilon am kaiserlichen Hot 



223 



HO würde alles zu E. Gb. 0. Coutento haben aasschla^eii können, ge- 
fllalt ich dann annoch nicht zweifele, dass» objschon auf Land aud 
Laute ich keine Hoffnung im geringsten geben kann, dannc^cb der 
Zuversiclit lebe, dass verniittelB guttlicbeu Reistandes und imserer 
fleissigen Bemühung und getreuen Fleisses, absoiulerlieb aber, wann 
£• Ch. D, nur keine Anzeige einiger veränderter Affection gegen 
I. Kais, und Kun. Maj. sich durch neue Ungeduld vermerken lassen 
werden, die ganze Sache in einem solchen Ende aussichlagen werde, 
damit E. Cb* IX der Billigkeit nach zufrieden sein können. Ich werde 
E. Ch. D. gnad. Befehl und Erinnern nach meinem treuen Versprechen 
dermaassen nachleben, dass, nach meiner «Seligkeit nämlich^ mir nicht» 
höheres als die Erlangung E, Cb. I). Befriedenbeit zu befördern soll 
angelegen sein. Nicht weniger werden E. Ch, D. sich von den andern 
meinen GoUegen auch gnäd. zu versichern babeu. 

Aber in allen Sachen, die wichtig sein, ist das meiste fast an 
dem gelegen, dass man die beste und bequemste Zeit treffe, keine 
Ocea&ion präteriren lasse und dann auf dienliche und zulangende Mittel 
und Wege bedacht sei und einer solchen Art und Manier zu negocireu 
sieh gebrauche, die von denen, so assistiren sollen, nicht gar zu un- 
angenehm gebalteu werde* — 

Sonsten muss ich berichten, dass ich den Kais. Hof hier ganz 
oder wenigst sehr und viel nach Absterben des Grafen v. Traut- 
mannsdorff und Schlicken verändert finde, und dass die Ministri 
nicht so viel Keilexiun auf das Reich und dessen Stände machen als 
«Q der Zeit geschehen. Es kann aber diesem allen wol geholfen 
werden, wann nur erst im Churf, Collegio gute Einigkeit wäre und 
eia jeder mit gleicher Freiheit redete, und dass man in denen Sachen, 
80 nicht contra praeeminentiam Electorum laufen, denen Ftlrsten und 
Stioden in billigen Dingen eiferig assistire und beispringe; raaassen 
daan itzo in dieser Capitulation zu ihrem Besten viel Sachen auf ihr 
^ Erinnern seind hineingesotzet worden. Gott gebe, dass nur mit Nach- 
druck derselben Observanz befördert and festgesetzet werde. 

Ich will bei nächster Post E. Ch, D, alles ausführlicher schrei- 
bin; dann bis hiehcr habe ich die geringste Zeit nicht dazu gehabt, 
sondern mich erst in dem, was hishero vorgangen, inlormiren lassen 
müssen. 

E. Ch. D. schreiben und befehlen vom 7. Maji, ich könnte aus 
denen von Ihr angezogenen Ursachen numchr wol etwas freier reden. 
Ich habe auch, so viel es sich thun lassen will^ dazu den Anfang ge- 
macht; zweifle aber nicht, E. Oh. D. werden dcro hocherleuchtetem 



324 



II. Der Reichstag zn Kegeoeburg. 



Verstände nach alles wol wissen zu ilberle{j;en. Dann ich befinde, 
da88 dieselben in viel einem andern Staude gegenwärtig sein, als ich 
mir eingebildet babe, und dass mau gegen neue Freunde, ehe und 
bevor man ihre Interesse und den gewissen Grund ihrer Affection gegen 
uns recht wol wird ergründet haben, sieh nicht so gar geschwinde einer 
allzu grossen YertrauUehkeit mit Sicherheit werde können vermerken 
lassen, damit nicht dasjenige, was man ihnen vertraut, sie denen, 
wider die es laufen mochte, selbsten communiciren dtlrften. 

L Kön* Maj- äu Schweden haben den Konig in Ungarn dem Chu 
CoUegio Selbsten recommandiret und ihm zur Wahl gratuUret ^) ; soll 
auch dahin trachten, wie sie eine recht vollkommene Verständnigs 
mit diesem Hause machen könne. Welches und wie weit demselben 
zu trauen sei oder nicht, sich in ganz kurzem beim Keichstage wird 
hervorthun. ^M 

Chur Sachsen und Chur Pfalz (dessen Gemahlin gestern alhier 
einer Tnxonatigen Geburt genesen, so aber die andere Stunde darauf 
nach erlangter Taufe gestorben und ein Prinz gewesen), weisen sich 
in allem sehr incliniret zu dem, was I, Kais. Maj. angenehm ist. Was 
zu des Reichs Freiheit und der Stände Contentement dienen kann, 
dazu erweiset Bai crn und Cüln den grossesten Eifer. Chur Mainz 
ist der Meinung, man habe L Kais» Maj. keine Offension leicht zu 
geben, sondern allen Unglimpf hillig zu verhllten. Trier klaget auch 
sehr Über die Spanier und stinmiet in vielem mit Baiern und Cöln 
ein. Welches E, Ch. D. ich zu dem Ende gehorsamst berichte, danüt 
Sie in einem und andern uus desto bass befehlen können. In E. Ch. D. 
Interesse weiset sieh Chur Mainz überaus eiferig und aflfectioniret. 

Ich meine, es würde gut sein, wann gegen der bevorstehenden 
Handlung E. Ch. Ü, an jeden der Herren Churftlratcu ein Schreiben 
abgehen und ihre Assistenz begehren liesseu. ^M 

Ich bitte unterth., E, Ch. D. sein ja gnäd. bedacht, wie dem Graf 
Kurtzen seine Kömermunat mögen bezahlet imd dazu ein Stück Geld , 
vor die Minislri und dann vor Unsere Gesandte zuwegen gebracht 
werden und wir dasselbe ehest erlangen mögen. Dann in solchen 
Fällen ist Liberalitat zu rathen, da der Herren Interesse allein (ohne 



^) S. die beide SclirelbeD der KöuigiD Cliristtne an die EarfurBteD und 
an die andcro Keichsatiude dat. Stockholm 23. April 1653 bei v. Melero I. 
108 flf.; und über die Stellung, dte der Kurfürät zu dieeeiQ Scbritt atinint, seia 
Schreiben uotea s. d. ^J; J*'^',*^ 1653. VergL auch die Noti£ in dem Bericht 
Vautorte aa Brienue dat, 12. Juni 1653 über das Schreiben an die 
fürsteu (Negociattous Loticbaut la pai^ de Mfiuäter etc. ItL p« 552). 



Die berorstaliende KönigswahL 



225 



der Diener Beivortheil. maassen sonsteu vor diesem mag geschebeD 

sein) gesuchet soll werden. 

Man machet mich hier etwas bange wegen der Jülichschen Sache 
sorge, das9 auch deshalb Chur äaehsen fiieh dergestalt comportire. 



Blumenthal, Platen und Fromhold an den Kurfürsten. 
Dat. Augsburg 18/28. Mai 1653. 

[nie Wahl nahe bevorstehend und schwer aufzuhalteu. Der Kurfürst fordert 
Glogaa als Aequivaleot für die betdeo schtesUcheo Ansprüche, (Juterre dangen 
mit dem Kurfursteo yoq Mainz qnd den kaiserlicheo Eätheo. Audienz heim 
i Kaiser. T. Platen und Graf Kurtz; Erinuernüg an Graf Seh wart« enberg und die 
■ Wahl Ton 1636. Fromhold und Graf Auersperg; die Abtretung von Glogan un- 
^LggcJich. Vorschlag des Mainzers, Schlimmes Dilemma für die Geaaiidten. 
^HHiTe für die Nachgiebigkeit; sie haben sich £ur Vornahme der Wahl bereit 
mlirt. Letzte Verhandlungeti über die Capitulation; die brandenburgischen 
Münitu 2a derselben werden abgelehnt.] 

Am 11 121, sind sie tu Angsburg angekommen ^ wo sie die Nachricht 28. MaL 
vorßoiieni da^s der Hanptrece^s über die pommcriächcu Tractaten nun end- 
lich abgeschlossen und ansgewechselt wonlen iüt. 

Die Wühlangclegenheit finden »ie bereits so weit vorgeschriften, dass 
an cinc^ weitere Vorzfigcrung nicht zu denken ist; die anwesenden Kurfür- 
sten und kurfürstlichen Ge^^andtseksiften }^ind i<o eilig wie nur der Kniaer 
*cU>gt, die Wahl bo bald als möglich tu Stande zu bringen, und der Kaiser 
Ut bereits nach Spanien, Italien, Polen u, a. O, geschrieben, sie werde un- 
ftlilbar in dieser Woche erfolgen. Die Gesandten sind in grosser Verlegen- 
Wt, da die in Augsburg vorgefundenen Schreiben des Kurfürsten nochmals 
tcharf auf vorherige Erledigung der drei Petita dringen. 

Zunächst begibt sich Blumenthal zu dem Kurfürsten iron Mainz, um 
tlitaeu zn stimmen: 

Weil E. Ch, D. nicht unbillig besorgten, Sie auch deshalb von 
aadem Orten alöchon Nachricht erhallen hätten, es möchten I. Kaisp 
Maj,, wann alles geschehen, Sic weiter njit leeren Worten, wie Ihrem 
Herrn Vater geschehen, abspeisen und die Sachen von einer Zeit zur 
audern auti^chieben : diesem allem zuvorzukommen, so hätten E* €h, U* 
uns ganz ernstlich und gemessen anbefohlen, zu nichts anders zu 

Iachreiteu, bis dass wir Satisfaction erhalten hätten; und dass (weiln 
wir besorgten, es möchte allerhand üiilicultiit wegen Aufbringung einer 
so grossen Summe Geldes geben, auch dem Fürsten von Lichteusteiu 
das Fllrstenthum Jägemdorf nicht so bald entzogen werden können) 
iL Ch* D, wegen dieser beider Priitensiunen zufrieden sein wollten, 
wann von L Kais. Maj. derselben das FUrstenthum Glogau würde 
abgetreteu und eingeräumet werdeu. Wollte also 1. Ch. Gn. gebor- 



tr< iur Gea«k, 4, Gr, Kuriür^teni. VI, 



15 



226 ^^- ^' Beichst&g sa Regeosborg. 

samst ersuchet haben, diese Sache vor der Wahl bei I. Kais. Miy. 
helfen richtig zu machen; dann sonsten und ausser dem wir uns ai 
unsem Befehlich als gehorsamste Diener halten müssten; auf den ver 
hoffenden willfährigen Fäll aber wUrde alles zur Richtigkeit gelanget 
können. 

Worauf I. Ch. Gn. folgender Gestalt antworteten — [Gurialien; 
der Kaiser habe Commissarien für die Sache verordnet; er habe geholRj 
dass sie damit erledigt wäre]; so hoch aber als Ihre Freude deshall! 
gewesen, so hoch wären Sie jctzo über meinem Anbringen bestUrtzeJ 
worden, könnten auch nimmer glauben, dass E. Ch. D. ein solches um 
würden anbefohlen haben. Dann erstlich so wären alle Herrn Chur- 
ftlrsten der beständigen Meinung, dass, nachdem die Capitulatio und 
alles richtig, gestern auch die Ceremonialia wären abgeredet worden 
dass morgen frühe die Beeidigung des hiesigen Magistrats und künf 
tigen Mittwoch die Wahl und darauf sogleich I. Kais. Maj. BttckreiM 
auf Regensburg vorgenommen werden sollte. Wollten daher uns Ge- 
sandte ersuchen und auch erinnern, die Sache wol zu überlegen und 
zu bedenken, ob dieselbe jctzo, da I. Kais. Maj. sich zur Zahlung 
und wirl^ichcn Satisfaction erbieten thäten, so beschaffen und E. Ch. 
D. Reputation und Conscicnz nicht zuwider wäre, Ihrer particular In- 
teresse halber diese Wahl zu protAhiren und remoriren; insonderheil 
da Sie gewiss wUssten, dass die übrige Herren ChurfÜrsten, als derei 
keiner hier sich mit behöriger Nothdurft versehen hätte, in solchen 
Aufzug keines Weges willigen wUrden. Sie filnden auch die ange- 
zogene Ursachen also beschaffen, dass sie dieselbe nicht einmal an- 
zeigen dürften, in der Sorge, ein jeder würde I. Kais. Mag., als die 
zur billigmässigen Bezahlung willig wäre. Recht geben und E. Ch. D, 
abfallen, zu geschweigen, dass es ganz gegen der güldenen Bulle liefe 
dass man die Wahl auf solche Maasse conditioniren sollte. 

Blumenthal entgegnet, man habe nicht erwarten können, „dass die 
Wahl 80 geschwinde vorgehen sollte^, und die Capitolation müsse doch wol 
überlegt werden. Im übrigen beruft er sich auf seine Instruction: 

welche lautete: dass wir vor Erlangung wirklicher Befriedigung 
nicht weiter fortgehen sollten. Inmittels und bis dass I. Kais. Maj. 
sich darzu werden erkläret und wir die Erklärung überschrieben ha- 
ben, so könnte man ja die Monita der übrigen Stände vernehmen; 
K Ch. D. hätten diese Petita nicht vorjetzo als eine neue Sache vor- 
gebracht, sondern schon von langer Zeit her gesuchet, und könnte 
derselben also nichts imputiret, viel weniger beigemessen werden, daai 
Sie particulier Nutzen der Wahl halber sucheten; Sie hielten aioh 



darau viel zu hoch» derg^leichen zu begehren; aber den Effect dessen, 
wm Ihr Rechts wegen gebuhrete, zu suchen, werde derselben uieninDd 
mit einigem Fug Übel deuten kGnncn* 

L €h, Gn. aber^ ehe ich weiter reden konnte, sagten, Sic wollten 
mich zum Ituehsten und um E. Ch, D, eigener Rcputatin» halber *,., 
bitten, ich wnlltc doeli bedenken, wie so gar sclimerzlich I. Kais. Jfaj. 
dieses vorkeninien wnrdc, und E, Ch. D. Befehl nicht so gar stricte 
inhaeriren; Sie wtlssten gewiss, E. Ch. D. würden ein mehrers Con- 
tentement durch die vorgeschlagene Coninjission als auf solche Weise 
erlangen; und wann Sie aus allen L Kais. Maj. acttonibus so yiel 
hätten merken können, dass £. Ch. D. gnugsanie Ursache zu solchem 
MiBstrauen wäre gegeben worden, Sie wollten dieselbe selbst gewarnt 
haben, und das so gewiss» als Sic ein ehrlicher CburfUrst wären. 

Als ich aber geantwortet, ilass n»ir solches ganz unverantwort- 
lich und dahero unmöglich wäre, so griffen Sie in die Hllfie, kratzten 
den Kopf (wie Sie dann vorhero auch etliche Mal thaten) und sagten 
diese Wort: ^Mein Gott, was liaben denn I. Ld. vor lUlheV Ich 
kann nicht anders sagen, als dass die Leute, so derselben zu solchem 
Ar^'obn Ursach geben, es nicht gut mit Ihr meinen oder nicht wis- 
sen ratlssen, was Ihr aufe dieser Verzögerung vor Schaden und Disre- 
putation entstehen könne. Ich wollte, das Gott weiss, 1. Ud. so herz- 
lich gerne dienen, aber dieser Modus ist ja gar aicht also beschaffen^ 
ich einige Iloffnuug haben konnte, dass die Übrige Herrn Char- 
iten dadurch zu der geringsten Dilation verstehn werden". Erboten 
sich zwar, zu I. Kais. Maj. zu fahren und Ihr Bestes anzuwenden, ob 
dietelbe sieh in so geschwinder Eil würden erklären wollen; hätten 
pn«ten an der Sachen ganz keinen Zweifel, nur allein, dass Sic selb- 
f(ir unniüglich hielten, dass deshalb die Wahl aufgeschoben wer- 
dea sollte. Sie wlissten auch gewiss, dass alle Herrn ChurfUrsten es 
iinen sehr verkleinerlich urtheilen würden, dass um einer Sache, die 
w aller Zeit könnte abgethan werden, sie sHinintlich sollten stille 
litiCD. In der pommerischen Sache hätten glcichwol I. Kais, Maj. 
E.Ch.D. zum besten viel gethan und sowol theils der Stände als der 
Königin in Schweden Disgustirung Über sich gehen lassen. Allein 
wollten Sie bitten, wann aus der Ursache dahero, dass wir alles 
zwingen würden, nichts erfolgete und die Wahl von den übrigen 
Qiarfllrsten vorgenommen würde, wir denselben nichts, saudern es 
m Selbsten zuschreiben wollten. 

Ich habe mit dieser Anzeig, dass E. Ch* D. sich auf 1. Kais. Maj. 
gedian€0 Veisprechen, die Rechtmässigkeit Ihrer Prätension und auf 

15 ♦ 



228 ^* ^®' Seichstag zu Begensbnrg. 

I. Ch. Gn. Assistenz verliessen und deshalb an dem guten Effect nicht 
zweifelten, meinen Abseheid genommen und dabei gesagt, dass bei 
meiner Audienz, die ich heute, Sonntags, um 6 Uhr haben sollte, 
I. Kais. Maj. alles umstandlieh vortragen wollte. 

Zu der gleichen Zeit vcrhandela die beiden andero Qcsandteu das 
Dämliche bei Graf Kurtz und Graf Auersperg. 

Dann die Audienz BlumcnthaTs beim Kaiser, ^nachdem ich vorhero 
Gewissheit erlanget, dass mir alle Ehre und solch Tractement, als wann 
E. Ch. D. in eigener Person alhier wären, angethan werden sollte**. Dieser 
verweist gleichfalls auf die anberaumte Commission und contestirt seine 
besten Absichten. 

Als ich nun weiter darauf antwortete, dass in L Kais. Maj. Hän- 
den stünde dieser Difficultät abzuhelfen, wann Sie nur E. Ch. D. vor 
dero Prätension das geringe Fttrstenthum Glogau geben wollten, mit 
Anziehung, dass es ein gar geringes Stück wäre gegen E. Ch. D. 
grosse Forderung .... so thaten Sie darauf diese Anzeig, Sie wären 
E. Ch. D. eine ansehnliche Summe Geldes schuldig, deshalb wollten 
Sie sich so erklären, dass E. Ch. D. hoffentlich dero zur Billigkeit 
geneigtes Gemttth erkennen sollten, auch wegen Jägerndorf auf eine 
Satisfaction nach befindenden Dingen bedacht sein, und solches könnte 
zu ßegensburg bei der Commission alles abgehandelt werden; hier 
aber wäre es unmöglich, weil weder Bericht noch die Käthe, so Wis- 
senschaft von der Sachen hätten, zur Stelle wären. Baten, E. Ch. D. 
wollten I. Kais. Maj. und dero Hause solchen unverdienten Schimpf 
nicht anthun, die übrige Herrn Churftirsten wären mit I. Kais. Maj. 
und Sie mit ihnen ganz einig und werde uns ja nimmer verantwoitlich 
sein, die Wahl jetzo, da sie vor der Thür, aufzuhalten .... Gaben 
mir darauf zur Nachricht, wie die Königin in Schweden sich so 
affectioniret gegen Ihr Haus erwiesen, indem sie dem Churf. Collegio 
Ihren Herrn Sohn, den König in Ungarn, zu der bevorstehenden Wahl 
recommcndiret und ihm gratulirct hätten. — 

Ich habe E. Ch. D. Sachen Billigkeit und gehorsamstes Vertrauen 
zu I. Kais. Maj. gerechtem Gemttth nochmalen angezogen und bin 
darauf von I. Kais. Maj. dimittiret worden. 

Am 15/25. Mai Verhandlungen v. Platen's mit Graf Kurtz. Es 
wird u. a. in Betreff Glogau's von diesem erwähnt, dass dieses Fürstenthum 
dem Bruder des Kaisers, dem Erzherzog Leopold Wilhelm, als Satis- 
faction für seine Verluste beim Frieden gegeben worden wäre. Kurtz er^ 
klärt, die Gesandten dürften, wie die Sachen jetzt stünden, von dem Inhalt 
ihrer Instruction wol ein wenig abweichen — 

allermaassen der Graf v. Schwartzenberg in A. 1636, so diese 



praetensiones gleicher Gestalt vor der Wahl in Richtigkeit zu brin- 
gen gesuchet, af geschehene Remonstration davon abgestanden wäre. 

? P taten beruft eich von neuem auf die präelüt; iDätructioo, der sie 
lu gehorchen batteo; er eriimert auch daran, dass der Karfilrst 

die Citation zur Wahl conditionaliter acceptiret, daas vorhero E. 
Ch. D. in dero bekannten desideriis iSatisfaction rauchte gegeben wer- 
deo . , , . wir hätten gemesseoeu Befehl ; denjselben müssten wir fol- 
gen. Obgleich der Graf w 8ch wartzenberg in A. IGZG davon ab- 
gewichen sein mochte, so wollte doch solches mm nicht anstehen; er 
hätte auch die blasme davon, dass man ihm in seiner Grube deswe- 
gen bös nachredete, als wann er nur sein privatnm in Acht gcnom- 
men» Wir wären allerseits unter E. V\u D. gesessen uiul gebi»rcue 
Latideskinder und wollten bei Verlust aller unserer Güter und unseres 
Lebens, welches auch darauf bestehen wUrde, eiue solche Verantwor- 
Ittög nicht auf uns nehmen. Dass in A. 1«)3G vor der Wahl gleich- 
fulls gute Vertröstung gegeben worden, hernach aber nichts erfolget, 
müehte vielleicht die vornehmste Motive sein, dass E. Ch. D, uns 
einen solchen genauen Befehl gegeben. 

Solches alles ungeachtet verblieb er doch bei seiner vorigen Mei- 
DUög •. . . jedoch könnte er uns wol versichern, dass h Kais. Maj. 
E. Ch. D. vollkommene Satisfaction, wo nicht au Land und Leuten, 
doch in andere Wege geben würden. 

Achiiliehe Verhuudhujg zwiseheu Froiahold üud Gral* Auersperg; 
gkicb»? VVeiy:erutigi*ü von Herten des kaiserL MiuIstcrM — 

tnmaX konnte es wegen des Fürstenthums Grossglogau gar nicht 
«riß, dann I. Kais, Maj. diese Festung und Pass an der Oder wegen 
Ikrer daran hängenden Erbhiudeu nicht entnilhen konnten, . . . Dar- 
W er dann auftlhrte^ daj?ö L Kön, ilaj, |vou Ungarn] diejenige Affec- 
rton, Freundschaft und Ehre, welche Ihr jetzo in dero Jugend und 
f)ei aufgehendem Ihrem Glück erzeiget würde, Zeit Ihres Lebens be- 
bllen^ auch gegen die, sc» !hf damit begegnet wären, mit aller wirk- 
Hcheu Freundschaft und Assistenz erkennen und viel hoher aesliniireu 
'Börden ^ als welche man Ihr bei künftiger vollkimimener Erlangung 
<ier höchsten Würde des Kaiserthums erzeigen mochte. Welches dann 
die Hespubtiea Veneta wol erwogen, indem sie I, Kön. ^Maj. eben die- 
jenige Ehre. Kespcct und ^olemnitäten erzeiget hätte, da Sie allein 
ron Mailand wieder zurück nacher Oeslerreieh wären gereiset, als sie 
im Hinreisen die Königl. Hispanische Braut, wie auch 
Königs Gesandter mit sonderbarer grosser Pompa dabei 
(u wären. 



230 ^* ^®' Roichstag zn Regensbarg. 

Am 16/26. Mai wieder gemeinschaftlicher Besuch der drei GesandteQ 
bei Kurmaiaz, wo nochmals die Sache ausführlich erörtert wird. Der 
Kurfürst von Mainz erklärt endlich, dass 

Sie der Meinung wUren, wann I. Kais. Maj. uns eine schriftliche 
Assecuration gäben, dass sofort bei dero Anlangung zu Regensburg 
die Sachen sollten vorgenommen werden und dass Sie darunter keine 
Weiterung suchen, sondern E. Ch. D. sowol wegen der Sehuldforde- 
rung, so zugestanden würde, als wegen Jägerndorf billigmässig Con- 
tentement geben wollten, dass wir alsdann uns nicht absentireten, 
sondern der Wahl beiwohnen sollten. I. Ch. 6n. wollten selbst an 
E. Ch. D. schreiben .... und wann wir es begehrten und gut befin- 
den, sollte das ganze Churf. CoUegium schreiben und uns deswegen 
bei E. Ch. D. vertreten. — 

Zwar, gnäd. Churfllrst und Herr, können wir wol mit Wahrheit 
und Gewissen sagen, dass wir bei dieser Conjunctur in grosser Angst 
und Fluctuation gewesen und unsere pflichtschuldigste Treue, weniger 
Verstand und mittelmässige Erfahrenheit auf eine scharfe Probe ge- 
setzet seind, indem auf einer und anderer Seiten solche rationes vor- 
handen gewesen, welche auch den allerwitzigsten und erfahrensten 
hätten in Zweifel treiben und wegen einer gewissen Resolution un- 
gewiss machen können. Dann auf einer Seiten ist gestanden: 

1) E. Ch. D. bekanntes Interesse wegen der Breslauischen Schuld 
und des Fllrsteuthums Jägerndorf. 

2) Die ungleiche Rapporte, welche E. Ch. D. von der Kais. Mini- 
strorum Intention in dieser Sachen geschehen sein. 

3) E. Ch. D. letzter gnäd. Befehl, dass wir nämlich die Resolu- 
tion dieser Sachen noch vor der Wahl befordern und ehe zu nichts 
anders schreiten sollten. 

Auf der andern Seiten aber 1) dass E. Ch. D. uns nicht allein 
in der uns zu der Königl. Wahl ertheilten Hauptinstruction, sondern 
auch in einigen Rescriptis bishero gnäd. befohlen und aufgegeben 
haben, dass wir zwar vorberUhrte E. Ch. D. Desideria vor der Wahl 
zur wirklichen Endschaft zu befördern uns äusserst bemühen, jetzt- 
gedachte Wahl aber nicht öffentlich und directe, sondern nur unter 
der Hand und unvermerkt noch etwas zu protrahiren suchen; dofern 
aber solches zu thun nicht möglich, E. Ch. D. durch öffentliche Con- 
tradiction keine invidiam zuziehen, sondern vielmehr uns auf den an- 
gesetzten 14/24. Mai alhier einfinden und nebst den andern Herren 
ChurfUrsten die Nothdurft deshalb befordern helfen sollten; 

2) dass E. Ch. D. diesen Befehlich nicht expresse revociret oder 



cag^ret liabeo und aUo derselbe nooh in seinen Würden und Kräf- 

t€fl rerblieben ist ; 

8) ob %\v$kf an dem, dass E. Ch, D. unterm dato des 6. und 7. Mai 

ans einen solchen Delelil gcscliirkot, dii!4s wir, ebc und bevorE, Ch. D. 

ptrticular Üesideria erlcdi;;et wären, zur Wahl nicht schreiten soUten, 
e« dennoeh nach Ausrechnung der Datoruni an dem, dasa £. Cb. D. da- 
m&b den alhiesigen Zustand der Haeben — dat^s nändieh nicht allein 
die tleliberatiüues in der \Valilcä|*ituhyiün zu Ende ^^ebracht, sondern 
nob L Kais. Maj. und die anwesende ilerni ChurlUrsteu wie auch der 
ibveaenden Gesandte auf aubero aufgebrochen gewesen und ibro 
ßeobtuLng also gemacht, da^s sie über 14 Tage zum allerlan^ten nicht 
albier verbleiben wollten — nicht gewusst 

4) E. Ch. D. auch ebensowenig^ von der Resolution, so L Kais, 
Maj. ans durch dero Deputirte deu 4/14. Mai vormebrerwäbnter Punk- 
ten halber geben lasseuj Nachricht haben können; 

5) das forstliche und stiidtiscbe Colle^ium zu Regensburg die 
W»hl zu remoriren sich nicht unternommen, sondern mit Eiureichung 
ihrer Krinnerungen bei der Capitubitiou consentiret hat; 

l>) die Königin in Schweden durch drei absonderliche Schreiben 
f«»peclive an I. Kais. Maj., das Cburf. Collegiuui und die Fürsten und 
Tilade des Reichs zu dieser Wahl alschon gratniirt und I. Kön. Maj. 
iü Ungarn darzu recoramandirct hat; 

T) L Kais. Maj. fast Tag und Xacht wegen des jetzigen Zustan- 
it$ dero Kais. Gemahlin in Ungstliclicu t^orgen und Unruhe begriffen 
*<iiö und dahero fast alle Momente zählen, wann Sie wieder nach Re- 
geasburg kommen können; 

8) alle Churfürsten, wie auch der Abwesenden Gesandte uns zu 
^^öTÄteben gegeben, dass sowol wegen nicht gemachter Provision und 
länpren Lebensmitteln als auch w*eil alle Öacben zu der Wahl gehörig 
zu ihrer Perfection und Vollkoiunjenheit gebracht wären, dieselbe fast 
IteincE Tag länger verschoben werden konnte; 

\l) alschon nacber Hispunieu, Italien, IViIen und andern Orten 
aoigedchriebeu gewesen, dass die Wahl vor den neuen Pfingsten vor 
rieh geben wörde; 

Itt) dahero dann der jetzt regierenden und ktlnftigeu Kais, Maj. 
Mij» Afleetton und Zuneigung gegen E. f'h. I). und dero Haus (wann 
wir nitmlicb auf einer negativa , . . bestehen . . . wollten) nicht wenig 
hätte werden alterirct und dadurch 

11) E. Ch. D. Interesse, Dienst und Nutzen gegenwärtig und ins 
tHinftige merklich geschadet werden; 



232 ^- ^^^ Reichstag za Begensbarg. 

12) hat uns fast am allermeisten abgeschrecket, dass auf solche 
Weise £. Ch. D. hohe und durch das ganze Reich berühmte Repu- 
tation hiedurch trefflich würde geschmälert und gebrochen; ja noch 
darüber 

13) deroselben ein nicht geringer Schimpf gewesen sein, wann 
unser ungeachtet dannoch die Herren Churftlrsten zur Wahl geschrit- 
ten wären und dieselbe in facie fast des ganzen Europae vollführet 
hatten; 

14) haben wir auch billig in sonderbare hohe Obacht gehalten 
das treue Einrathen, so von I. Ch. 6n. zu Mainz uns in diesem 
passu geschehen ist, dero sich dann auch Chur Trier und Chur Cöln 
in denen mit uns gestern und vorgestern bei den solennen Delibera- 
tionen gepflogenen Unterredungen allerdings conformiret haben. 

Nachdem wir nun in solchem Zweifel begriffen .... und dabe- 
neben unmüglich gewesen ^ so viel Zeit zu gewinnen, dass E. Gh. D. 
gnftd. Befehls und Ordre wir uns in dieser Sachen hätten erholen 
können: so haben wir uns endlich als Menschen, auf vorhergegangene 
Anrufung des Namens Gottes und fleissige Examination aller Um- 
stände hierunter resolviren und zu Manuteuirung E. Ch. D. hohen Re- 
putation gegen das hochlöbl. Churf CoUegiun) und das ganze Reich, 
Conservatiou I. Kais. Maj. Affection und Gewogenheit gegen E. Ch. D. 
etc uns bei denen vorgehenden actibus deliberationum ein- 
stellen müssen; Sverden uns auch beschaffener Sachen nach gleicher 
Gestalt bei der Wahl, welche des Churf. CoUegii gestriger einmüthiger 
Meinung nach übermorgen, geliebts Gott, vorgehen wird, einstellen und 
dasjenige, so E. Ch. D. als einem ChurfUrsten des Reichs darbei zu- 
stehet und oblieget, verrichten; in der unterth. gewissen Zuversicht, 
E. Ch. D. in höchstvernUnftiger Erwägung oberwähnter triftiger Mo- 
tiven und Ursachen solches in keinen Ungnaden vermerken .... 
werden. 

Gestern und heute haben die letzten Besprechungen über die Wahl- 
capitulatiou Statt gefunden. 

Wir haben hierbei . . . nicht aus der Acht gelassen diejenige 
Erinnerungen, welche E. Ch. D. uns bei einem und dem andern Articul 
einzubringen gnäd. befohlen haben, sind aber mit unterschiedlichen, 
sonderlich denen special Erinnerungen, so E. Ch. D. uns unterm dato 
des 24. Aprilis zugefertiget haben, nicht gehöret, sondern per majora 
abgewiesen worden*). 



») Vergl. oben p. 206, 



Die bevoreteheode Köoigswalil. 



233 



Insonderheit hat man dasjenige, so wir wegen der Paritat der 
Reiebftbofrätbe Ton beiden Religinnen und des freien Exercitii der 
Religion ror der eTangelisthen Cliurfllrsten und Stände Gesandte, Re- 
nten. Agenten und dero Weiher, Kinder und ganze Familien^ wie 
ih hinterbliebene Wittiben erinnert und vorgebracht, in die Cajiila' 
lation nicht haben wallen, sondern auf die deliberationes comitiales 
Mcber Itegensburg verwiesen, weil es eine Sache wäre, so nicht die 
Charfllrsten allein, sondern die gesamnite Stände des Reichs anginge. 
Wir haben mit unsenu alleinigen Voto (daim wir weder von Saufasen 
noch Pfalz hierin »ein secundiret worden) bei diesem wie auch noch 
verschiedenen anderen Punkten nicht weiter gekonnt, als dass wir 
krat\ habenden Befehls von wegen E. Ch. I>. und der cvaugeliscbeu 
Stande soleuniter i)rotestlrt, die Protestation ad prutocollinn zu nehmen 
gebeten and die Nothdurft auf den instehenden Keichstag xu Regens- 
burg reseniret haben. 

Nächsten Soiinabeud soll die Wahl suittliuden. [21/31, Mai.J 



DerKm*fQi*st an die Gesandten in Augsburg, Dat. Colin u. Sp. 

22. Mai 1653, 

[Unbefugtes EiumiacUuDg Scbwed^^na iu die WablaDgete^coheitd 
Ee haben ITus Unsere zu Regensburg anwesende Ciesaudte hei LJunl" 
der hentigeu aukoninienden Post vom lii 20. dietües unter andern 
untcrth. referirt, dasB am 14 24- desselben Monats ein Kon. schwedi- 
uhu t^chreiben, so an Chur-, Ftirsten und ganinitliche Keiehsstände 
gehalten, im Fürstenratb abgelesen, darin L Kün, Wrd. der Kais. Maj* 
Uerni Sohn zum Küru» Koni^ zu erwählen ufö tleist^igste couiuiendiren. 
Wovon Ihr inzwischen unzweiflieh auch Nachricht werdet erlanget 

Nun ist L'ns dieses in etwas bcfreradt vorkommen; dann wann 
'lergleichen von L Kon. VVrd, als eioer Königin in Schweden beim 
Ckrf* Collegio gesuchet würde, mochte es weniger zu bedenken haben 
und nicht sonderlich Präjudiz zu befahren sein. Ks hinten aber die 
Fürmalia also« dass von Ihr als einem Constatu lmi»erii die conunen- 
datio herkäme'); damit nun diesfalls dem Churf. CoUegio, ala demc 

' VergL oben p. 224, 

') r. Meiern L p. 19J): ,cmn noü modo ditioQum nobis ... ceBsarum, ßed 
tliinim pariter necessitudiuum nomine et re^pectn . . . Vobis nee nun uni- 
tewo Imperio tanquam Status unitae ainius, cammlttere nun [>08aumns quin . . < 
)inefataui 8erenitutt*Tn ... ad Imperii (lermaoici faatigium amice ei benevole 
lieomffl«D darem a0 ^ , 



234 ^^- ^^^ Beichstag zu Begensbnrg. 

die Wahlgerechtigkeit einig und allein zustehet , kein Naditheil und 
Präjudiz ins kttnftige, da viell^cht andere Fürsten des Reichs sioli 
dergleichen auch unternehmen möchten, zuwachse ^ so wird die 
Nothdarft erfordern (zumal wann Ihr von dem Directorio oder an- 
deren Churfbrsten dazu veranlasset werdet), dass Ihr hieraus mit Un- 
sem Herrn Mitchurfürsten vertraulich communiciret und dero Gedan- 
ken, wie allen besorgenden Benachtheiligungen bald Anfanges vorzn- 
bauen . . . vernehmet und Euch mit denselben vergleichet Wobei 
Ihr auf die Churfbrstliche Verein, als die Wir allerseits so theuer 
beschworen, zu sehen. Ihr wollet aber hierunter besondere Behutsam- 
keit benutzen, damit I. Kön. Wrd. und die Krön Schweden Uns etwas 
ungleiches beizumessen nicht Ursache haben möge. — 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Augsburg 23. Mai 
1653, (m. pr.) 

[Der neae Befehl des Kurfürsten; arges Dilemma; Unmöglichkeit den Befehl 
auszuführen. Misstraucn Blumenthars gegen seine Collegen. Bevorstehende 
Rückkehr nach Regensburg. Schweden und der kaiserliche Hof. Friedliche 
Aussichten. Diverse Nachrichten von den einzelneu Kurfürsten und ihren Ra« 
then. Gegen den spanischen Gesandten. Graf Schwartzenberg. Empfindlichkeit 
am Hofe gegen Kurbrandenburg; Donative sind unerlässlich. Fromhold nach 
München. Bevorstehende Eröffuung des Reichstags. Ersparnisse.] 

.Juni. Der Wahltag ist auf den 21/31. Mai festgesetzt; die brandenburgischen 

Gesandten müssen endlieh darein willigen. 

Wie nun dieses alles festgestellt und alle praeparatoria dazu ge- 
machty so kommt E. Ch. D. ernster Befehl vom 7. Mai uns am 20. ejusd., 
als Freitags, nach Mittage um 2 Uhr zu '). Wir haben denselben ver- 
lesen und nach gehaltener Unterredung einstimmig davor gehalten, 
dass E. Ch. D. nichts gefährlichers, noch schädlichen» in der Welt 
sein wUrde, als wann wir itzo dergleichen einem von den Herren 
ChurfUrsten, wann es schon der allerconfidenteste sein sollte, vorbrin- 
gen sollten. Erstlich dahero, dass, seine Affection gegen dem Kaiser 
so viel mehr zu contestiren, er es doch nicht würde gesehwiegen, 
sondern nachgesagt haben. Zum andern wUrde es doch den gering- 
sten Effect nicht gehabt haben, sondern ein jeder würde gesagt haben, 
dass er die Sache schon dergestalt überleget hätte, dass er davon nicht 
weichen werde; der abwesenden Gesandte würden sich an ihrer In- 
struction gehalten und E. Gh. D. ein irreconciliabile odium Ihr aufm 
Halse ohne allen Nutzen und Effect geladen haben. 

Wie es mit der Handelung wegen E. Ch. D. privat Interesse ab- 

') Vergl. oben p. 215. 



Wmhl Ferdinaiid 8 IV. 



235 



bufen vrird, kann ich eigentlich nicht schreiben; in meinem Gemtith 
lifcer balte ich mich ganz gewiss, dass, wann E. Ch. D, uns nicht so 
hart befohlen die Sache zu difFeriren, Bondeni freie Hand xu nego- 
ttl^ ratione modi proeedendi gelassen hätten, es wUrde alles nach der 
Billigkeit abgangen »ein. gestalt ich dann noch zur Zeit daran iticbt 
zweifele. Hätte aber E. Ch. Ü. guäd, Befehl eben den Tag vor der 
Wahl sollen inhaeriret werden« so weiss ich wol gewiss, dass wir 
ausser Gewalt ganz nichts wdrdeii erhalten haben. Wann E. Ch, D. 
nur hier zur Steile wären und sehen sollten, wie ein jeder der Chur- 
fllr»teii den Kaiser und König zu obligiren suchet; Sie wltrdeu gewiss 
«olchen Befehl zu ertheilcn allerhand Bedenken gefunden haben; ge- 
ililt ich dann mit Gott bezeuge, dass, ob ich wol in keinen meiner 
Collegen einig Misstrauen setzen soll, daanoch gern tausend Kth. ge- 
bea wollte, dass der Befehl nicht an uns alle drei abgangen wäre; 
jedoch habe ich denselben, alsbald nachdem er verlesen, verschlossen. 

Heute früh seind L Kais, und Köu, Maj. wieder nach Eegenshurg 
verreiset — Die gratulationes seind alle bis nach Kegensburg xu thun 
sus^setzet werden. Morgen ziehen die geistliche Churfürsten alle 
iwoferne Chur Culn wieder gesund wird; nach München und besuchen 
dfia Churfürsten alda. Sollen, wie ich hure, überaus pnlchtig alda 
^Pli Tage Iractiret werden und den vierten von danuen nach Kegcns- 
bmg gehen. 

Der schwedische Gesandter Friedrich Bohle ist vorgestem 
^hier kommen und sich anmelden lassen, dem Kaiser und König Na- 
weng der Königin zu gratuliren. E. Ch. D* kann ich versichern, dass 
mxL bei Hofe alhier, insondeiheit die Minislri, sehr dahin trachtet, 
wie man die Königin devineircn könne. Sofort ab die Wahl gesche- 
kea, etwa «i Stunden hernach wird ein Courier nach Stockholm ge- 
lobickt, der Königin Dank vor die geschehene Ueeommandation . . * . 
JEU sagen und sich zu aller Freundschaft zu erbieten. 

Vom Krieg will hier iiiciuand grosse Sorge tnigen, sondern mei- 
len» der Friede sei nun so viel mehr befestiget. Der Kaiser wird 
ijn October einen Landtag in allen seinen Laudcu halten und sich 
mit seinen Ständen wegen Abdankung theils Völker vergleichen. Ich 
vernehme, dass auch etliche lieginieuter sollen nach Polen geschicket 
werden. Die Viilkcr, so in Pommern sein, wollen die Schweden nachm 
is6i\ Bremen schicken, und haben die vornehmste und klügste alhier 
die Meinung, dass die Schweden in Preussen ganz nichts dieses Jahr 
tentiren werden, sondern allein Interponenten sein wollen zwischen 
ifloUsuid und England. 



236 ^'' ^^^ Reichstag zu Regensborg. 

Chur Pfalz ist hier bei I. Kais. Maj. in grosser Vertranliehkeit; 
erhält fast, was er suchet; Sie meinen aber, in Ihrer Religion beständig 
zu bleiben. 

Man hält hier davor, dass der ehursächsisehe statthaltende Ge- 
sandte Friese und der hessische Gesandte Croseeke bald katho* 
lisch sein werden, daferne dieser es nicht, wie ich davor halte, alsehoa 
ist; er wird nach der Krönung sofort mit einer österreichischen Gräfin 
sich verheirathen und Hochzeit machen*). 

Zu Mtlnchen wird der churbaierische Administrator von Chur Maini 
in die Churf. Verein genommen werden. Wann die Herren Churf&r- 
sten unter sich eins sein könnten, so ^wUrde sehr gut sein, wie man 
vor allen Dingen ein zureichendes Mittel ergreifen und employiren 
könne, zu verhüten, dass der spanische Gesandter sich nicht so in 
alle Sachen mischen könnte wie er thut. Chur Baiem und Cöln^ 
wie auch Trier seind darin ganz einig. 

Der polnische Gesandter hat den anwesenden Herrn Chorftlrsten 
wol den Titel: Eminentissimi et Serenissimi Electores, aber 
gar nicht den Gesandten: Excellentia geben wollen, weshalb er 
auch nicht zur Audienz kommen ist. Alles dieses soll von dem spa- 
nischen Gesandten allein herkommen, welcher die Könige (so ihm 
zwar auch nicht zu verdenken) so hoch er kann erhebt, aber dagegen 
die ChurfUrsten so viel er vermag unter der Hand suchet zu verklei- 
nem in dergleichen Sachen. 

Sonsten werden E. Gh. D. wol verstanden haben, dass endlich 
der Erzherzog weichen und dem König zu gefallen den Grafen von 
Schwartzenberg von sich schafl'en mUssen^). Er wird in 3 Wochen 
alhier erwartet, seine Stelle im geheimen Rath zu bekleiden; und 
meinet man, er werde beim Rom. König Obristkämmerer werden. Ich 
wollte, er wäre schon hier und bin gewiss, dass seine Gegenwart uns 
in unserer Haudelung nicht schaden sollte. 

Gestern Abend kam der Graf Vehlcn mit seinen beiden Söhnen 
bei uns zum Essen und zu mir erst aliein; sagte, dass er als ein 
treuer Diener £. Ch. D. nicht verschweigen könnte, wie so gar übel 
bei Hofe unser eingegebenes Memorial geurtheilet werde, und dass 
alle Räthe so gar unangenehm davon redeten, dass, nachdem der 
Kaiser E. Ch. D. halber die Reichstagsproposition über 5 Monat su 



*) Vergl. hierzu v. Rommel Üescb. von Hessea IX. p. 100. n. 

') Nämlich Erzherzog Leopold Wilhelm, der Bruder des Kaisers, in 
desseu Diensten Graf Joh. Adolf von Seh wurtzeoberg stand; doch vergL 
Wolf Lobkowitz p. 74. 



Wahl PerdiDaiid'9 l\ 



237 



urj- Stände hohester Displieeuz aufgehalteu, sich auch ziioi öftcrn re- 
^ 1 virft hätten, mit und uebeu deiu Reich E. Ch. D* auf alle Falle 
wirklieb zu assistiren: dass Sie eben itzo wegen Ihrer particular Sa- 
chen hätten aufhalten und dadurch öffentlich Ihr Misstrauen und Difli- 
deti2 gegeu L Kais, Maj. coute^tiren wollen. Man wollte auch durch- 
aua nicht ander» glauben, als es niUB8te eine e^ndertiehc Disaflection 
bei E. Ch. D« sein. Viele andere dergleichen Sachen mehr, uud dass 
er rair^ als dem vornehmlich dieses zugeschrieben und geglaubt werde, 
das« ich solches verursacht hätte, wollte zu bedenken geben, wie alles 
1» E. Ch. D, Bestem möchte wieder redressiret w erden. 

Ich habe ihm gesaget, dass die Aufschiebung der Proposition 
I. Kais* Maj, als Executor Pacis hätten thun müssen, weiln es com* 
muni« causa wäre; dass aber E. Ch. D. dero Sachen gesuchet hätten 
SBte eJeetionem, käme dahero, dass Sie nimmer hätten glauben wollen, 
dws man also mit der Wahl eilen, sondern wenigst ein 5 oder G Wo- 
chen super eapitulatione tractiren wTrde und in solcher Zeit alles ohne 
riiiigc Offension hätte können richtig w^erden. 

Ich bitte unterth., E. Ch. D. sehen, dass, auf den Fall da etwas 
gutes in der Schlesischen und Jägcnidorfischen Sache 'soll gethan wer- 
defl, ein Stück Geld ehestes anhero gebracht werde, damit mau die- 
jenige willig machcj so viel zu derselben Beförderung verniogeu. 

Weiln München so nahe hier bei ist und wir nicht wissen können, 
f»h (wie wir doch nicht hoffen wollen) in Präjudiz der Evangelischen 
etwas alda möchte gebandelt werden, so haben wir gut gefunden, 
dias der Canzler Fromhold unterm Prätext die Stadt zu besehen 
iacogoito dahin ziehen und, was er vernehmen werde, E. Ch, U. 
taterth. berichten sollte. Dergleichen wird der ehursächsische, wie 
«4 vernehme, auch tliuu. Wir übrige werden seine Wiederkunft am 
^nnabend erw*arten und alsdann nach Regensburg ziehen. 

Drei oder vier Tage nach der Krönung wird die Propositio ge- 
Witt geschehen. Sobald L Kais. Maj. gehöret haben, dass unsere (Je* 
«lödte davor gehalten, man dürfte die Schweden niclit weiter hintlcru 
i Cünsultatioüibus extraordinariis, so hat er, um dieselbe zu obligiren, 
»<jlchei4 auch an das österreichische Directorium bringen lassen. 

Ich gebe E. Ch. D. zu bedenken, ob Sic mit diesem Conrier ein 
ßratttlationsschreiben an den Kaiser und König abgehen lassen und 
aas dessen Copiam zuschicken wollen. 

Schliesslich werden E. Ch. D. gniid. zu entschlicssen und uns zu 
befehlen haben, ob wir alle diese Leute alhier mit den Pferden behal- 
te oder uicht nach der Krönung wieder zurückschicken sollen. Die 




238 ^^* ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

Chursächsisohc haben zwar auch 4 Edclleute und lassen sich durch 
dieselbe bedienen. Meinen Sohn und Schwestersnhn habe ich anf 
K. Cii. I). p;nftd. Zulassunp: (davor ich unterth. Dank sa^e) dieae 
.*) Wochen ttber bei mir ^^eimbt; nie Hollen aber des »weiten oder länpst 
dritten Tages nach der (Donation von Rogcnsliurg weg und nach 
Helmstedt oder Strassburg ziehen. — 

V. liluinenthal, v. Plateii, Froiiihold an de» Kurfürsten. 
Dat. Augsburg -J; }';.;. 1653. 

[Der Wubltormin festgestellt. Verlesung der Wahlcnpitiilation. Der Kurfürst 
von Bühmeu; seine Zustimmung zur Cnpitulation. Festsetzung der Wahlfurma- 
litüten. Kiutreflfen <1oh nt'uen kurfürstlichen Hcfflils. Vurstellung der Unin«>g- 
lichkeit ihm nachzukommen ; namentlich gegen die Nennung eines anderen (-an- 
didaton. Heschreibung der Vorgänge bei drr Wühl.] 

3. Juni. Der 21/31. Mai wird als Termin der Wahl festgohMlten; die branden- 

burgisehcn Gesandten, ohne ^dio Wahl vorsiit/lieh nnd ohne Noth aüfzQ- 
halten^y stellen anheini, ^ob niög]ii*h sein würde, mit den Sachen, welche 
man vor der Wahl annoeh nothwendig in Hiehtigkeit yai bringen nnd in- 
sonderheit die Krinnennigen, so bei der nenen Capitulation geschehen, ein- 
zurücken, dieselbe ad nnindum zu bringen etc. . . . dergestalt ohne Ucber- 
scining ausznkonnnen, ilass man auf den nominirten 21. hujn.^ zur \Vnhl 
wirklieh würde sehreiten können**. — In<less worden diese Bedenkon von 
den übrigen abgelehnt. 

Den P.)/'2'.». hujus nach Mittage nm 4 Uhr ist die neue Capitu- 
lation in dem chunnainxischeii Quartier alhier in (Segenwart etlicher 
von der anwesenden Herrn ('hurfilrsteii deputirten geheimen Kilthcn 
und der abwesenden Hcsandten verlesen und darmit bis in die Nacht 
um 10 Uhr eontinuirct worden, da dann einige von den Erinnerungen, 
so Namens K. Ch. 1). wir auf habeuden Hefehlich bei den Delibera- 
tionen vorgebracht, dieselbe aber in niehrberührter Ca])itulation nicht 
in Acht genommen gewesen, von uns nochmals sein orwAhnt und 
deren Insertion urgiret worden. Wir seind aber damit, dass diesclbige 
thcils in kein Conclusum gekommen, tlieils ad delibcrationcs coniitialcs 
verwiesen wilren, beantwortet, und dtiss man nun keine weitere Aen- 
derung zu thun vermochte uns angezciget worden. Worbei wir dann 
aus Noth und wider unseren W'illen beharren und nach unterschioti- 
lichem harten Contraste, dessen K. (1i. L). wir bei unsern Gidespfiich- 
ten wol versichern können, weichen müssen. 

Den 2()/:)(). hnjus fiUh um 8 Uhr ist man wieder aufin Kathhause 
soleDDiter susanimcnkommen, darbei sich dann auch 1. Maj. der KOnig 
in Böhmen als ein Mouibruui des Churf. Gollegii, quoad materiam 
eloctioniSy eingefuiidcn haben, und ist deroselben von I. Ch. 6n. n 



FerdinAnd'9 lY. 



239 



Sf 11.1112 kürzlich angedeutet worden, dass, nachdem die anwesende 
H Olren tlmrflirstcn und der alnvesenden Gosandte sich einer gewis- 
ien Capitalatiun , darzu »ich der künftig'" crwäliUe Rüm. König obli- 
gircn sollte, verglichen hatten und dieselbe zu Pa]»ier bringen lassen, 
si> wollte die Nothdurft erfordern, das» L Kön. Wrd- dieselbe auch 
dtarehlesen und oU Hie nodi etwas durbei zu erinnern hätten sich er- 
kl&reteD, damiit man den folgenden 2I/3I, zu der Wahl wirklieh 
ach reiten konnte. 

Hierauf haben sich I. Kön. Maj. gegen dero Herren Cburfürsten 
l^edanket . . . und gebeten Ihr einen Abtritt zu vergönnen, datutt Sie 
dieselbe durchlesen und sich mit Ihren Ruthen daraus besprechen 
kl^nntcn. Nach Verfliessung etwa einer Stunde j^eind Sie wieder in 
ii^ Rathstube gekommen, und nachdem sich ein jedweder au seinen 
gehörigen Ort gegetzet, haben Sie mit wenig Worten diese Andeutung 
Methan, dass Sie die Capitulation mit Fleiss verlesen hätten, ftiudeu 
^brcgOrts nichts dnrbri zu erinnern, sondern Hessen es dabei^ wie es 
^4e andern Herrn Churfllrstcn Iiätteu cingenchtet, billig bewenden. 

Darauf seind von Chur Mainz drei finaestiones in die l^mfrag ge- 
eilt worden^ als 1) wie viel Personen ein jedweder Chnrfürst mit in 
<lag Conclave und in das Chor nehmen wollte; 2) was fUr Ordnung 
'^^en des Aufreitens zu baUtn wilro; .H) um welche Zeit man den 
"Olgenden Tag zusauinien kommen wollte. 

Auf die erste Frage ist von Chur Trier votirt worden, dass I. Ch. 
Crti. 3 Ituthe mit ins Conclave, in das Chor aber 12, 13, 14, wie es 
*tl A- 163t> wäre gebalteu worden, nehmen wollten. 

2) Wegen des Reitens 2ur Wahl sollte es also gehalten werden, 
"Wie es in dem neulichsten Recess wegen des Präcedenzstreites w^äre 
^^rglichen worden, dergestalt, dase Chur Mainz und Trier zuerst, dar- 
nach Chur Cöln und der König in Böhmen, 3) Chur Pfalz und der 

trhurbaiertsche Gesandte und zuletzt der chursiiehsische und ebnrbran- 

deaburgische Gesandte reiten sollten. 

3) Weil der actus electionis eine ziendiehe Zeit erfordern würde, 
«0 würde von Nöthen sein, dass man desto fralier deshalb zusammen 
kirne und wollte Chur Trier darzu die Stunde des Morgens um halb 
liehen Uhr vorgeschlagen haben. 

Dieser Meinung haben nun die Übrigen alle heigepil lebtet und ist 
dtnnit, nachdem der Kath und die Bürgerschaft, wie gebräuchlich, 
beeidiget worden und die Herren Cburfürsten den Konig in Bohnieo 
oben big an die Stiegen begleitet gehabt, nach Hause gefahren. 

Selbigea Ta^ nach Mittage gegen 1 Uhr, als wir aus dem RaÜi 



240 



II. Der Retebdtag 2U Regenaburg. 



in unser Quartier kommen, ist uns E. Ch. D. gnäd. Rescriptum vom 
7/17. hujus zugebracht worden; daraus wir verstanden, wie umataud- 
lieh und ernstlich E. Ch. D. ans nochmals haben befehlen wollen^ da- 
hin XU triichtcn, dass die Wahl, so lange es immer niuglich, verzögert 
werde; 2) dass wir lest darauf zu bestehen, dass deu Evangelischen 
in den Kaiserin Erblanden vorhcm bessere Sicherheil gegeben werden 
und 3) dass wir von uichrern Subjeetis zur Kön. Wahl mit den an- 
wesenden Herrn Churfllrsten reden Sollten. 

Nun leben wir zuvorderst der untcrth, Zuversicht» es werden 
E. Ch. D. aus eines und des andern unter uns geführten Actionen in 
seinen Dienstverrichtungen so viel guäd. vvol wahrgenommen und im 
Werk empfunden haben, dass wir bei demjenigen, so von E. Ch. D. 
uns jetzt und dann aufgetragen worden und uns sonst wegen der auf- 
habenden Chargen ordinarie oblieget, anders nicht als mit unterth. und 
schuldigsten Treuen bezeiget etc. , . . Hätten auch diesem E. Ch. D. drei- 
fachem gnäd. Hefehlich ganz willigst und gern in solcher PuuctualitÜt, 
wie er in Worten bcgriticn und verfasset, unterth. nachleben wollen-, 
allein dass wir bei gegenwärtiger Conjunctur ein solches also praecise 
nicht erreichen können, auch E. Ch. D. gewisslich, w^ann wir diese 
Sachen dergestalt negotiiren und vorbringen solleUi nicht gedienet, 
sondern merklich geschadet haben würden: das werden E. Ch. D. aus 
demjenigen, so au dicsclbige wir schon hiebevor unterth. überschrie- 
ben haben und noch iu dieser gegenwärtigen Relation gehorsamst 
melden, guäd. und hochveniUnftig wol urtheilcn. 

Die Geijaodtvn gehen auf die einzelnen Befehle des Karfüriten ein 
unter Verweisung auf diu bekannte Lage der Dhige und auf das, was von 
ihnen bereits geschehen. 

Deu dritten passum wegen Erwähnung mehrerer Subjeetoruni zu 
der Würde eines Korn. Königs wollen E* Ch. D. selbsteigenem höchst* 
erleuchtetem Urthcil in Untcrthänigkeit anheimgeben, ob ein solches 
bei so gestalten Sachen zu [iracticiren mugiich und E. Ch. D. dienlich 
gewesen oder ob nicht vielmehr dcroselben dardurch eine nicht ge- 
ringe Disreputation bei dem Churf. Collegio und grosse Disatfection 
bei L Kais, und Kün. MaJ. zugezogen w^ordeu und also sowul dero 
Churf. Person als auch ganzem Hause ein sehr grosser Undienst auf 
viel künftige Fälle geschehen wäre. Dann einmal ist gewiss, wenn 
schon der Zeit halben ein solches zu thun unmöglich gewesen, es 
dannoch nimmermehr verborgen geblieben wäre, dass es von Seiten 
E, Ch. D. wäre herkommen; anders Thcils hätte man gewisslich dar- 
mit in effectu nichts ausrichten (indem» wie bekannt^ die eleetiones 




secundum majora gehen), sondern vielmehr E. Cb, D. eine sehr schwere 
inridiam ad multos annos aufladen werden, nachdem bei den Übrigen 
Herren Chnrfürsten und der abwesenden Gesandten 80 viel nicht un- 
klar wol XU verspüren gewesen, dass ihre Meinungen und Gedanken 
einzig ond allein auf L KOn. Wrd. in Ungarn gerichtet gewesen seind, 
allertnaassen sich dann ein solches bei der vorgestern verrichteten Wahl 
m effectu gezeiget hat, indem die Vota einniüthiglich auf jetzthoebged, 
L KtVn, Wrd. in Ungarn und Böhmen gefallen und Sie zu einem Rom. 
KOnig erwählet und proclamiret seind. — 

Den 21/31. hujus seind die Herren ChurfUrstcn und der abwe- 
senden Herrn Gesandte des Tages vorhero genmchtem Schluss nach 
frühe um halb Hieben Uhr nacher dem Räthhause gefahren^ da sich 
dann der König in Böhmen auch bald eingestellet hat, auch sofoil 
derselbe nebst den andern Herrn Churförsten Ihr Churf. Habit ange- 
leget und nebst denen anwesenden drei Cburf. stattbaltenden Gesandten 
von dem Rathbaus ab in solcher Ordnung wie oben gemeldet nacher 
der Kirchen tu St Ulrich geritten seind, da dann die Wahl mit den 
gewohnliehen und E. Ch. D. nicht unbekannten Solennitäten ist vor- 
genommen und verriclitet worden. 

Bei solchem Actu nun habe ich, der v» Blumenthal, E, Ch. Ü* 
Stolle kraft habenden Befehls gebührend vertreten wie auch dasjenige, 
jsa £• Ch» D. Erzamt, so viel die Aukleidung L Kais. Maj. in dero 
lAsnnderlichen Capell bctrifiTt, gchöretT verrichtet. Bei Vortragung der 
hisigniuni aber hat sich diese Diflicultiit ereignet, dass der Graf von 
HoheoÄ ollern I. Kais. Maj. den Scepter vortragen wollen; weil mir 
imn nnnoch erinuerlieh, auch aus dem beschriebenen Actu electionis 
von A* ll)3(i betindlich gewesen, dass zwar I. Kais. Maj*, als Sie in 
das C^nclave gangen, der Fürst von Hohenzollern den Scepter vor- 
ragen, dannoch nachdem I. Kais. Maj. nebst dem erwählten Körn, 
t5mg und denen Herrn Cburfttrsten aus dem Conclavc zu dem Altar 
nnd der solennen Proelamation gegangen, es der damalige churbran- 
denburgische Gesandter Herr Adam Graf v, Schwartzenberg ver- 
richtet, so bin ich, der v. Blumenthal, auch fest darauf bestanden, 
dass mir als E. Cb. D. Gesandtem solches in alle Wege gebührete 
«od ich wolgedachtem Grafen v. Hohenzollern nicht darunter zu 
Heirbeu hütte. Nachdem mir aber vorgehalten und zu Gemüthe ge- 
f&bret worden, dass nicht allein in Neulichkeit unter andern ratione 
[iraecedentium im Churf. Collegio geführten Punkten auch dieses ver- 
gtichen worden, dass in Abwesenheit der Erzürnter oder der Herrn 
Churftlrsteo in Person die Erbämter solche Officia verrichten sollten, 



tut G«k1i. tl. Gr. Kurfur^itiP. V t 



lÜ 



242 ^^' ^^^ Reichstag zn RegeDsburg. 

sondern aueh der churbairiscbe Gesandte Herr Maximilian Graf 
Kurtz mir auf gehabte Nachfrage angedeutet, dass er den Reichsapfel 
nicht tragen, sondern denselben dem Herrn Graf Truchsess v. Zeil 
zu tragen überlassen wollte: so habe ich urtheilen mflssen, dass 
E. Ch. D. mehr despectir- als reputirlich sein würde, wann ich als 
unwürdiger Gesandter, der E. Ch. D. hohe Churf. Person immediate 
repräsentiret, den Scepter selbst tragen und also unter das churbaie- 
rische Erbamt (welches dann auf solchen Fall und weiln Chur Baiem 
E. Ch. D. vorgehet, hätte geschehen müssen) gehen sollte. Dahero 
ich dann praevia protestatione, dafern E. Cb. D. biernächst ein an- 
deres belieben und den im Cburf Collegio gemachten Vergleich quoad 
hunc passum nicht ratihabiren und genehmhalten sollten, geschehen 
lassen, dass der anwesende Graf v. Hohenzollern I. Kais. Maj. den 
Scepter vorgetragen, ingestalt es dann auch der Herr Graf v. Truch- 
sess also mit dem Reichsapfel und der Erbmarschall v. Pappen heim 
mit dem Schwerdt verrichtet hat. 

Gutachten der Gesandten, worin sie rathen, es bei dieser Anordnung 
des Kurlürstencollegs bewenden zu lassen, um so mehr als „der Fürst oder 
Graf V. Hohenzollern als Erbkämmerer sein Erbamt von niemanden an- 
ders als E. Ch. D. trägt und recognoscirt** und also bei diesem Akte nur 
Vicar und Mandatar des Kurfürsten ist. 

Dann folgen in dem Wahlconclave noch mehrere andre Streitigkeiten 
dieser Art; die eine über die Insignie, die Churpfalz zu tragen haben will 
bei feierlichen Gelegenheiten; der Kaiser soll die Absicht haben, für die 
8te Kur künftig die Krone zu designiren. 

Der andre Streit vorm Altar war dieser, weil I. Kais. Maj., wann 
Sie in dero Kais. Habit zum Altar kommen, unter dem Gebet dero 
Kais. Krone abtbun. Als nun solches geschehen, ist Chur Pfalz ge- 
schwinde und also dass man nicht urtheilen können, zu was Ende 
Sie es gethan, vom Altar herunter und zu I. Kais. Maj. gegangen um 
deroselben die Krön abzuheben. Als nun ich, der v. Blumenthal, 
solches gesehen, bin ich auch alsofort mit darzu getreten, also dass 
ich mehrermelte Kais. Krön noch zugleich mit angegriffen und nebst 
I. Ch. D. zu Heidelberg dieselbige auf das darzu bereitete samroete 
Kissen niedergesetzet habe. 

Das haben I. Ch. D. zu Heidelberg sehr übel empfunden und ver- 
meinet, dass Ihr dadurch ein Affront geschehen wäre. Ich habe aber 
sustiniret, dass solches E. Ch. D. als einem Erzkämmerer in alle Wege 
gebührete, weiln dieselbe I. Kais. Maj. kleiden und den Kais. Habit 
anlegen müssten, maassen dann von mir in der Sacristei dem Her- 
kommen nach geschehen wäre. I. Kais. M.nj. haben zu Verhütung 



CeremoDialstreitigkeiten bei der Krönung. Französische Kritik der Wahl. 243 

eines mehrerii scandali an solchem Ort und nachdem Sie von mir, 
Blumenthain, verstanden, dass ich hierin in keinerlei Weise wei- 
chen, sondern gegen I. Ch. D. Willen die Krön I. Kais. Maj. wieder 
aufsetzen würde und roflsste, dero Ministros zu I. Ch. D. geschickt 
und Sie dahin disponiren lassen, dass Sie gewichen seind und von 
wegen E. Ch. D. I. Kais. Maj. ich die^Kron nach Vollendung des Ge- 
bets wieder aufgesetzt habe. 

Bitte um sorgfältige Instruction über diese und einige verwandte An- 
gelegenheiten , besonders bei der Feierlichkeit der Krönung; diese ist auf 
Dringen der brandenburgischen Gesandten jetzt bis auf den 9/19. Juni ver- 
Bchoben worden. 



Extract Schreibens von einem fürnehmen Minister aus Re- 
gensburg an den französischen Hof geschrieben und von dar 
gecommuniciret. [o. D.] 

Nachdem der Kaiser seine Intention hat erreichet, dass sein Sohn, der 
König in Ungarn, von den Herren Churfürsten alleine, ohne Zustimmung 
der andern Fürsten und Stände des Reichs, gleich es hiebevorn gewöhn- 
lich war, zum Römischen König erwählet worden: so ist auch der Herr 
Churiürst von Brandenburg dazu gcdisponiret worden, dieweil derselbe 
des Kai^rers Faveur und Hülfe von Nötheu hatte, um gegen die Krön Schwe- 
den zu praevalireu wegen Restitution der Quartiren von Hinterpommern, 
welches er auch damals darauf hat erhalten. 

Chnr Pfalz hat auch seine Insichten gehabt, um die Sachen und 
Streitigkeiten, die er mit dem Herzog von Simmern hatte, zu seinem Vor- 
theil zu accommodiren und niederzulegen, gleich geschehen ibt, und um 
Beine gepretendirte Gerechtigkeit und Recht auf die vier grosse Aemter im 
Herzogthum Gülich, so hiebevorn ans Haus Pfalz gehörig gewesen. 

Der itzige Churfürst von Sachsen ist ganz und gar gut österreichisch, 
ingleichen auch das Haus Baiern. Doch scheint es, dass in Sachsen grosse 
Veränderungen abhanden sein, indem der alte Herr die Regierungssachen 
sehr auf seinen ältesten Sohn lässt ankommen, welcher gar nicht gut öster- 
reichisch, sondern des Reichs Freiheit zu mainteniren und der Churfürsten 
Recht keines Weges verkürzen zu lassen geneigt sein soll. 

Die anderen Fürsten und Stände des Reichs seind mit der Wahl des 
Rom. Königs sehr übel zufrieden. 

Man hält es dafür, dass die Heirath mit des Kaisers Sohne und der 
lofantin in Sptmien schon allvorlängst zwischen beiden Theilen vorhanden 
gewesen, jedoch dass man die Vollnziehung dessen habe zurückgehalten, 
damit es keine Hinderniss an der Wahl des Rom. Königes geben möge. 
Dieweiln nun dies letzte geschehen, so ist man im Reich befürchtet, dass 
nan nun mit dem zweiten auch werde fortfahren und die Heirath schliessen, 
aoeh nur durch Acquiescement des Churf. Collegii ingesammt oder jedwe- 

16* 



244 ^^ ^^^ Beichstag za Begensbarg. 

ders Chnrfürsten i, part, dadurch dann znförderst das vorige particnliere 
praejudicinm vor alle Fürsten and Stände des Reichs würde geconfirmiiet 
werden. 

Wann nun die Macht des Hanses Oesterreich und Spanien wiederum 
gecombiniret und zusammenkommt, gleich es war zur Zeit Caroli V., so 
kann die Freiheit des deutschen Reichs und aller desselben Stände gar 
leichtlich unterdrückt werden, woraus dann viel schwer und gefährliche In- 
convenientien zu besorgen, so vor die Religionsverwandten in Deutschland, 
als vor dero nachbarige Provinzien, insonderheit diejenigen, welche nicht 
päbstisch sind; wann nun dieselben unter dem plausibeln Prätext, die rö- 
mische Religion fortzupflanzen, ausgerottet oder unterdrückt sind, alsdann 
auch die andern Regierungen, ob sie wol einerlei Glaubens, grosse Gefahr 
werden müssen ausstehen, um von solcher gecombiuirter Macht von Deutsch- 
land angegriffen und untergebracht zu werden, wofern man nicht bei Zeit 
mit Weisheit und Vorsichtigkeit dagegen versiebet. 

Und kann hiervor kein besser Remedium gefunden und erdacht werden, 
als dass zwischen den Evangelischen in Deutschland und denen benach- 
barten Reichen und Regierungen eine gute feste Freundschaft, Correspon- 
denz, Allianz und ligue defensive werde gemacht, um sich alle und jeder 
gegen solche Macht und Vornehmen zu schützen und zu stärken und die 
alte Freiheit mit gemeiner Macht zu maintcniren; änderst sollte zu befürch- 
ten stehen, dass, wann jeder ä part zu schwach sein und unterliegen würde^ 
das general evangelische und protestantische Wesen überall (welches Gott 
verhüte) gänzlich sollte zu Grunde gehen. — 



Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Colin a. Sp. 2. Juni 1653. 

[Nachträgliche Approbirang der geschehenen Wahl. Der Kaiser hat keine Ur- 
sache verstimmt zu sein. Die Desiderien des Kurfürsten. Entschädigung fSr 
Yorenthaltung von Hinterpommern. Wegen Geldspenden an die kaiserlichen 
Räthe. Za den Krönaogsfeierlichkeiten.] 

L2. Juni. Antwort auf die Relationen bis zum ^l\ jJjiV. Es sei nicht die Absicht 

des Kurfürsten gewesen, die Wahl gerade zu hintertreiben — 

sondern weil Wir dafür gehalten, wie Euch wissend, dass ohn- 
des diese Wahl, wie anitzo gleichwol geschehen, nicht ao bald würde 
vor sich gehen, zunnial das Instr. Pac. cap. VIII §. Habeantur etc. unter 
andern disponirt, dass de electione Romanonitn Regis ex communi Sta- 
iiium consensu solle gehandelt und statuiret werden, dahero, weil sol- 
ches nicht geschehen. Wir vermuthet, es würde dem allgemeinen Ver- 
laut nach viel Protestirens. und Contradicirens und also auch viel 
consultationes deshalb geben, maassen dann auch, des Herrn Chur- 
fttrsten Ld. zu Sachsen Schreiben, welches Sie an Uns gethan, etlicher 
Maassen dahin zielet; und Wir demnächst verspüren müssen, dass 
zwar den anderen Herren Cburfttrsten in einem und anderem gcwill- 



Der Knrftirsl biJligt die Wahl. 



245 



} 



fahret, Uns aber Über L Kais. Maj. allergnäd. Vertrr^stmigen in der 
Tbat ttiebts worden: so babeu Wir vermeinet ^ noch vor der Wahl 
etwas eiferiger von Unserem Interesse zu sprechen und I. Kais. Maj. 
remonstrireu zu lassen, wann Wir nicht derof^elben vollkoninilich Uns 
Tertraiiet .... dass Wir vor Ansetzung des termini electionis sowol 
diese Wahl remorirenj als noch sonsten eine und andere DilTlieuhät 
Ihro und Ihrem Erzhanse machen können. — 

Dessentwegen habt Ihr wol gethan, da^üs Ihr unnüthiger Weise 
Euch der Wahl nicht weiters opponiict, sondern dieselbe vor sich 
gehen lassen. 

Zwar kann es wol sein, dass 1. Kais. Maj. durch Euer Vorbringen 
etwas disgustiret worden .... allein wann Wir das bisherige Pmee- 
dere und des Grafen von Auersperg despeetirliehe Reden wol llber- 
legen'), so halten Wir dafür, dass solches Misstrauen auf Hciten L Maj. 
Feruraaehet worden; dann, wie Ihr dem Grafen v. Vehlen wol geant- 
wortet habt, dass L Maj. Uns zu gefallen die Reichsproposition ganzer 
5 Monat lang aufgehalten und also die Restitution Unserer Lande be- 
fördern wollen, das können Wir vor keine grosse kaiserliche Gnad 
und Wolthat darum halten, weil diese Proposition mehr der Krön 
Schweden zu Ehren dann Uns zu gefallen bishero zurückgehalten wor- 
den. Und, wie es nun der eveutus lehret, haben I. Kais. Maj. den 
besten Nutzen davon gehabt, Wir aber bisher dadurch mehr nicht als 
iQvidiam der Kon. Wrd. in Schweden und vergebliche \'ertröstungen 
* . . . auf Uns gezogen und bekommen. Dann der terminus retradi- 
tiouis^ 80 heuten sein sollen, ist ohne einige Ursach abermals prulon- 
giret worden. 

Trotz allem nnn das beifoUende Schreiben an den Kaiser, welches 
die Gesandten übergeben solleo. 

Ungern hören Wir, dass Ihr wegen Restitution des Derzogthums 
Jdgerndorf oder eines Aequivalents an Landen und Leuten so 
»chlechte und fast keine Hoffnung habt; dann diese Sach ist sonnen- 
klar und kann Uns desfalls mit Recht nichtes abgeschlagen werden, 
Wir seiod auch gar nicht gemeint, ein Stück Geldes dafttr zu neh- 
men; dann da es Geld ausrichten kaun, so wird ja dasselbe mit lies- 
iferem Fug dem Ketentori* als Uns, dem vero domiuo, können zuge- 
iDuthei und gegeben werden. 

Dass auch! Maj. das FUrstenthum Glogau wol vergessen könne, 



>) Hraf Aaersperg hatte geänsaert, mat) werde die WatU uötUigtia Fall? 
voroebmeD ohne Kor brau den borg; oben p. 218. 



246 ^^* ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

das ist Euch am besten bekannt, als der Ihr wisset, dass die- 
selbe durch Euch solch Fürstenthum der Krön Schweden anbieten 
lassen. 

Darauf sollen sie qdd auch bei der bevorstehenden Commission drin- 
gen: entweder Jägerndorf oder Glogau, nad ,,in Verweigerung dessen ein 
anderes, welches I. Kais. Maj. Uns zu Unserer Erklärung denominiren 
werden^. 

Ebenso sollen sie auf Erledigung der ßreslaucr Schuld dringen. — 

Jedoch bleibet es ratione dieses Punktes bei Unseren vorigen 
Schreiben, dass nämlich, wann Glogau verwilliget und höher ästimiret 
werden wollte, dann Jägerndorf, Wir dieser Forderung Uns begeben 
wollten. 

Der dritte Punkt ist die Entschädigung des Kurfürsten für die so 
lange Zurückbehaltung Hinterpommerns von Seiten der Schweden. Sie 
sollen dafür 800,000 Rth. fordern — 

und ersuchen, ob nicht diese Summ dem Reich aufzubürden. . . . 
Und damit solches am fQglichsten könnte unterbauet werden, wollet 
Ihr fleissig orwägen, ob nicht I. Kais. Maj. an die Hand zu geben, 
je mehr durch derselben Interposition das Reich Uns willigen wQrde, 
je eifriger Wir Uns würden angelegen sein lassen, damit I. Kais. M^j. 
auch ein mehrers, dann schon geschehen, an Römermonaten verwilligel 
werden möchte. 

Solltet Ihr auch gut finden, dass Wir eine Liquidation desfalli 
überreichen Hessen, was Uns in denen Jahren, da die Restitution 
derer pommerischen Lande verzögert worden, auf Unsere Völker gan- 
gen, was 2) vor Unkosten Wir auf die Commission zu Stettin ver- 
wendet, 3) wie hoch diejenige Städte, Dörfer und Ländereien, so Wii 
Uns um Frieden und Einigkeit willen abgränzen lassen müssen, zu 
ästimiren, 4) wie hoch die fructus percepti in solcher Zeit von Unsem 
vorenthaltenen Landen kommen, 5) und was vor Schaden es sei, dasfi 
Uns des ganzen Herzogthums Magdeburg Einkünfte ad vitam dei 
Herrn Administratoris Ld. abgehen, da doch dieses Unser Aequivalent 
sein soll: so wollen Wir solche abfassen lassen und übersenden, und 
könnte dieselbe leicht auf etliche Millionen gebracht werden. 

Wenn nun das Reich desfalls etwas willigen thäte, so könnten 
Wir die Römermonat von allen Uusem Landen auf Abschlag anneh- 
men und Uns im Uebrigeu andere angränzende gewisse Oerter an- 
weisen lassen, auf Maass und Weise des Herrn Landgrafens zu 
Hessen Ld. laut Instr. Pac. Ihre Satisfaction erlanget. I. Maj. abei 
hätten sich wegen Ihrer Römermonate alsdann an andere Oerter zu 
halten, — 



Die braDdenburgischcn Desideria. 247 

Was Graf Kurtzen betrifit, bat es ja die Meinung gebabt, dass 
Ifcr von denen Eueb mitgegebenen 9000 Rth. demselben 4—5000 ßth. 
anf seine angewiesenen Römermonat zahlen solltet. Es haben auch 
Unsere Gesandte sonsten Geld zur Nothdurft bekommen; und stehen 
Wir anitzo mit Unsem gehorsamen Ständen in Tractaten, monatlich 
IQ dieser Gesandtschaft ein gewisses zu verwilligen; wann Wir das- 
selbe erhalten, wollen Wir die Anstalt machen, dass die Nothdurft 
allemal Kur rechten Zeit erfolgen soll. Allein bei hiesigem Unscrm 
Gekimnngel bald 20,000 oder ir),0ii0 Kth. auf ein ungewisses dahin 
an geben, fället Uns etwas gefährlich und beschwerlich. Uies sein 
Wir aber gnädigst gern zufrieden, dass Ihr bei 20,000 und 15,(K)0Rth. 
(und da Wir Glogau bekommen können, noch wol ein mehrers) wol 
affectionirten und bei I. Maj. geltenden von Ministris versprechen mö- 
get, selbige Gelder von denen, die Uns von I. Kais. Maj. oder dem 
Reiche aus obberUhrten Unsem Prätensionen werden bewilliget wer- 
den, zu erheben. 

Strenge Anweisung bei der Krönung des neuen Rom. Königs nichts 
ZQ versehen and keine P!)ingriÜ'e in die Rechte der brandenburgischen Kur 
zu gestatten; namentlich die Aufsetzung der Krone beim Ankleiden des 
Kaisers ist durchaus nicht aufzugeben. 

Alles überflüssige Personal sollen die Gesandten nach der Krönung 
nebst den Pferden zurücisschickeu. — 



Der Kurfürst an den Kai.ser Ferdinand III. Dat. Colin a. Sp. 

2. Juni 1653. 

[GratulatioD. Eut schuld igungeu und Erläuterungen.] 

Gnitulation zur Römischen Köiiigswahl seines Sohnes. Der Kaiser 12. Juni. 
werde es hoffentlich nicht übel anfgenoiumen haben, dass der Kurfürst vor- 
her seine Desiderien so sfirk habe urgiren lassen. 

Es wollen £. Kais. Maj. allergnäd. glauben, dass meine Meinung 
gar nicht gewesen, hierdurch deroselben einige Offeusion (dafür ich 
mich gewiss von Anfang meiner Kegicrung sehr gehütet) zuzuziehen 
oder aber die bcschehcne Wahl zu hindern . . . sondern weil ich da- 
f&r gehalten, dass aus allerhand Ursachen die Wahl noch eine ge- 
raume Zeit erfordern möchte und mir darnächst eingefallen, ob sowol 
meines hochsei. Herrn Vaters Gn. als ich diese meine Desideria hie- 
bevor E: Kais. Maj. öfters zu erkennen gegeben, gleichwol aber weder 
hochged. meines Herrn Vaters Gn. noch ich so glückselig je gewesen, 
dass wir einige Wirklichkeit verspüren können, es müssten die Meinige 
die Sache zu kühl treiben oder auf Seiten I. Kais. Maj. bocbausehn^ 



248 ^ ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

liehen Herren Ministrorum dieselbe nicht sonderlich geachtet werden: 
80 hab ich meine erwähnte Gesandten mit mehrem Nachdruck zu 
sprechen und das Werk dermaleins zu Ende zu bringen befehliget 
Wann aber numehr die von mir zur Wahl gemachte Praeparatoria 
und der darauf erfolgte erwünschte Eventus gnugsam entdecket, dass 
ich von Anfang des Wahlnegotii her E. Kais. Maj. erfbUtes Desiderium 
und des h. Reichs Beruhigung und Wolfahrt meinen privat desideriis 
gern vorgezogen: so ersuche E. Kais. Maj. ich allerunterth., da etwan 
dieselbe sollten vermeinet haben, dass meiner Gesandten letzteres 
Anbringen aus einigem gefassten Misstrauen gegen Sie sollte berge- 
flössen sein, Ihren darüber geschöpften Unwillen fahren und numehr 
mir (als der ich deroselben mich gänzlich vertrauet) in meinem in 
allem Recht und Billigkeit wol gegründeten Suchen aus Kais. Hulden 
. . . schleunige abhilfliche Maass geben zu lassen. Etc. 

7. Juli. Der Kaiser an den Kurfürsten dat. Regensburg T.Juli 1653. — 

Dank für den Glückwunsch; er habe die Desideiia des Kurfürsten keines- 
wegs ungnädig aufgenommen und verweise ihn an die dafür eingesetzte 
Commission. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 2. Juni 

1653. (m. pr.) 

[Zar Krönung. Commission für die brandenburgischen Desiderien. Besorguiss 
der Stände vor baldigem Abbruch des Reichstags. Nothwendige Opposition ge- 
gen den Einfluss des spanischen Gesandten. Nachrichten über die auswärtige 
Politik. Die Bedrängniss der Evangelischen in Oesterreich.] 

12. Juni. In Betreff der Differenz mit Kurpfalz „wegen Auf- und Absetzung der 
Kaiserl. Kron^ sind verschiedene Vorschläge zur Ausgleichung vorgebracht 
worden, über die heute verhandelt werden soll. 

Sie sind gestern von Augsburg zurückgekehrt; die Proposition wird 
wol am 12/22. erfolgen. Biumenthai will nun darauf dringen, dass die 
zugesagte Commission für die Privatausprüche des Kurfürsten alsbald zu- 
sammentritt*). 

Vor allen Dingen aber will nöthig sein, dass aufs eheste uns Be- 
fehl und Mittel zugesandt werden, die Kais. Comuiissarien willig zu 
machen und dem Herrn Graf Kurtz seine ihm angewiesenen Römer- 
monat bezahlen zu lassen. 

Sonsten muss E. Gh. D. ich unterth. berichten, dass man alhier 

') Die Ernennung derselben erfolgt bald nachher: die Grafen Kurtz, 
Nostitz, Weisswolf und Dr.' Volmar sind Mitglieder derselben. Vergl. 
oben p. 2H, 



Nach der KöoigswabK Der äpanifiche GesHü(Ue. 



249 



ne Schwierigkrit der iStändc verspüret, theils darum, daas die Pro- 
osition so lange diiferiret wird, tlieils dass ihuen ist vnrkuinmen» ob 
würde der Reichstag uieht über Wochen wilhrea, sondern alle Gra- 
vamina auf einen Deputationstag gewiesen werden. Ich kann es zwar 
keines Weges glauben, sondern halte davor, dass den Kaiser nichts 
mebrcrs Btabiliren kann, als eine gUiekliche Eudscbaft dieses lieichs- 
tegs; aber dennoch befinde ich auch, dass den Cliurfürstcn schwer 
fallen wird, auf solche Weise die Spesen zu coutinuiren. Will also 
L Cb. IK in antecessum unlerlh, gebeten haben» der Sachen uuclizu- 
deukcn und wie solches aui' alle Fälle zu divertiren* Das beste und 
oOlhigste Mittel, den Frieden fn&i zw stabiliren, wird meines Ermes- 
iiens dieses sein, dass die i^Hnmitlicbe (1nirtVirst(*n und die vornehmste 
Fürsten, als Brauuschweig-Lüuebnrgj Miigdt'biirg, Brandenburg, Hessen 
und Schweden (wann sie werden restituiret haben) sich dabin vereini- 
gen, L Kais. Maj. mit allen zureichenden Motiven zu disponiren, Ihrem 
so theuern Versprechen nach nicht ehender von hinnen zu ziehen, bis 
die contra Instr. Pac. et justitiani entstandene Öacben mögen vQllig 
adjustiret werden. 

Schliesslich nniss ich auch dieses unterth. berichten, dass unter 
allen vornehmen Sachen eine der vornehmsten diese sein wird, dass 
man dahin trachte, dass der spanische Gesandte nicht sich in 
allen Dingen, niaasscu er bishero gethan, mischen müge')j sondern 
ihm sein Handwerk geleget werde; sousten wird in ganz kurzem übel 
ärger werden. Welche l'hurftirstcn E. Cliu D* hierunter beistehen wer- 
den, seind folgende, als Cöln, Trier und Baiern; aber ich sorge, ob 
es Mainz thun werde; Sachsen und Pfalz werden es viel weniger 
thun. Aber die meisten Fürsten, und sonderlicli, hofle ich, Schweden 
werden beifallen. 

Man hiilt alhier davor, dass die Schweden 0<X)0 Mann z» F. und 
äOUO Keiler dem König in Frankreich zum Succurs schicken wer- 
deu- Zwischen I. Kuu. Maj. iu Frankreicb und Portugal soll eine 
Alliance geschlossen sein, dass keiner ohne des andern Conseus Frie- 
den mit Spanieu niacben wolle. Dass Spanien mit England Ver- 
«tändniss habe gegen Holland, ist wol ausser Zweifel zu setzen und 
halten etliche davtjr, dass im Octuber Lot bringen nnt dem Meisten* 
theil der Armada, so ausni Felde kommen wird, sich in der Holländer 
Gebiet einquartiren solle. 

Es ist, guäd, Churlllrst und Herr, zu erbarmen, dass Sachsen und 

*i Der MÄtchese di Caatel Rodrigo, VergL Giustiniani Kelatioce voo 
1€G4 bet Fiedler I. 39011. 40t». 



250 I^- ^^^ Reichstag za Regensbarg. 

Pfalz 80 ganz wenig vor die arme geplagte Leute in den Erblanden 
thun wollen. . . . Man will davor halten, dass in allen Landen über 
30,000 Mannspersonen werden emigriren mttssen. Wann man mit theils 
Leuten redet, so sagen sie, das Instr. Pac. gebe ihnen solch^ Macht 
und quod is qui jure suo utitur, nemini injuriam faciat; Ghur Pfalz 
thue dergleichen, und müssten viel hundert Katholische, so post an- 
num vigesimum quartum katholisch worden, weichen und emigriren. 
In summa, die hoheste Noth wird erfordern, Gott herzlich anzurufen, 
dass er heilsamen Rath verleihe, ihnen also zu helfen, dass man sei- 
ner Gonscienz' ein Gnügen leiste, der Verlassuug nicht beschuldiget 
werde und gleichwol auch dabei seine eigenen Unterthanen nicht in 
Gefahr setze. — 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
6/16. Juni 1653. 

[Die Kosakennoth in Polen; drohende Pläne der Kosaken; Ohnmacht des 
polnischen Königs. Btistun«^ im herzoglichen Preussen. Geldbedrangniss der 

Gesandten.] 

6. Jani. Besuch des polnischen Gesandten bei Blume nthal, um ihm sein Hilfs- 

gesuch bei dem Reichstag gegen die Kosaken zu empfehlen. 

Darauf kamen wir auf das Negotium und die Gefahr selbsten 
und beschrieb er dieselbe dergestalt, dass, wann sie sich angezeigter 
Maassen zum halben Theil befinden sollte, man gewiss grosse und 
sehr hohe Ursachen haben wUrdc, auf sich zu sehen und den König 
nicht hülflos zu lassen, sondern auch zugleich auf alle Fälle in nö- 
thiger Dcfension zu stehen und die Pässe auf der Oder und Warthe 
wol zu verwahren. 

Dann erstlich, sagte er, hätte der Ghmielnicki itzo gegenwärtig 
über 300,000 Mann, und was er thäte, das geschähe numehr nicht 
allein, wie vorhin, in der Kosaken Namen, sondern es hätte der Türke 
ihm befohlen, den Fürsten in der Wallachei auszutreiben, mit Ver- 
sprechen, ihn mit diesem und noch zwei andern Fürstenthümern ge- 
gen Erlegung eines jährlichen Tributs zu belehnen; 

2d« stünde er mit dem Moscowiter in grosser Verständniss, und 
mit den Tartaren wäre er ganz einig; 

;>tio vor diesem hätte er um Abschaffung der Gravaminum der 
Kosaken angehalten, jetzo wollte er die meiste requirirte Länder ha- 
ben zu seiner Sicherheit. 

Hergegen wäre der König bloss von allen Mitteln, hätte kein 
Geld, keine vivres und keine Festungen, also dass, wann desselben 



Pie KosakeDgefahr. Fromhold's Krankheit nnd Tod. 251 

Armada, so sich itziger Zeit zwischen 40 ad 50,000 Mann befinde, 
geschlagen werden sollte ^ so würden die Kosaken bis an die Oder 
und in die Schlesien gehen, und ob man wol davor halten möchte, 
er wfirde sich mit Polen und Preussen alsdann contentiren, so wäre 
doch solche Meinung ganz irrig, und würde er sengen und brennen, 
aneh morden und todtschlagen, so lange er könnte. 

Ich habe mein voriges Erbieten repetiret, mit Anzeig, dass E. Ch. 

D. alschon in Preussen auf I. Kon. Maj. zu Pulen Gutfinden einen 
Anfang gemachet hätten zu einer gewissen Defension in Preussen; 
aber Ihr wäre bekannt, dass solche so viel eiferiger zum Effect würde 
gebracht werden können, wann I. Kön. Maj. mit darüber hielten und 

E. Cb. D. die freie Hand Hessen; dessen er midi dann zum höchsten 
vergicherte. 

Wir erwarten .... Ueberschickung eines Stück Geldes zu Ge- 
winnung der Kais. Officirer, als auch deroselben gnäd. Befehl, wie 
wir es mit unser Haushaltung anstellen sollen, und ob die Cavallieri 
und dero Pferde nicht wieder zurückgefordert werden möchten; dann 
bier ist es überaus theuer, und müssen wir am allerwenigsten monat- 
Heb 2000 Rth. haben; die Herrn Gesandten sind auch schon bei dritte- 
balb tausend Rth. schuldig; wir sein in allem stark 77 Personen und 
bei 50 Pferde. 



Fromhold an den Kurfürsten dat. Regensburg 9/19. Juni 1653. — 19. Juni. 
Bericht über seine Reise nach München^), wo die Kurlürsten von Augs- 
borg her den Administrator und den Kurprinzen von Baiern besucht haben. 
Es ist nichts sonderliches dort vorgefallen, sondern „alles nur auf eine Be- . 
gäfltigUDg und Recreation angesehen gewesen"^. 

Klage über den Verfall seiner Gesundheit und Bitte um Urlaub zum 
Gebrauch des Sauerbrunnens in Eger. 

Resolution des Kurfürsten dat. Colin a. Sp. 19. Juni 1653. —29. Juni. 
Was den Besuch in München betrifft, „so zweifeln Wir iloch nicht, es werde 
die dabei eigentlich geführte Intention und deren Effect noch wol endlich 
nach und nach herfü r breche n , und wollet Ihr dann darauf Acht haben**. 
Den Urlaub betreffend — „So leid Uns aber Euere Indisposition und täg- 
lich zunehmende Leibesbeschweruug ist, so viel mehr leid thut es Uns, dass 
Wir bei so gestalten Dingen Eurem uuterth. Suchen vor diesmal nicht de- 
feriren können. . . . Wir halten aber dafür, da&s Ihr den Sauerbrunnen von 
Eger wol nach Regensburg bringen lassen und Euch daselbst dessen eben 



•) Vergl. oben p. 237, 



252 ^^* ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

so wol als in loco werdet gebrauch« 
des Allerhöchsten Segen wünschen^*). 



so wol als in loco werdet gebrauchen können .... dazu Wir Ench dai^ ^ 



Am 8/18. Juni findet die Krönnng des Königs Statt. In der nächstei^ 
Zeit allgemeines Drängen um Eröffnung des Reichstags; nur die Branden- 
burger halten noch dieselbe auf und verlangen, dass man warte bis zum 
Eiutreffeu neuer Nachricht aus Pommern. Inzwischen verhandelt man leb- 
haft über die Frage, ob es dem Kaiser wegen seiner Leibesbeschaffenheit 
gestattet werden dürfe, die Proposition in seiner Residenz, dem Bisehofshof, 
st.'itt auf dem Rathhaus, wie es das Herkommen ist, abzulegen; die meisten 
Stände sind sehr entschieden gegen diese Neuerung. 

Endlieh am 18/28. Juni trifl't die Nachricht .von der definitiven Räu- 
muug von Iliuterpomnicrn ein. Zwei Tage darauf, 20/30. Juni, findet die 
Eröfl'uung des Reichstags Statt; da der Kaiser nach dem Rathhaus nicht 
reiten kann, lässt er si< h in der Sänfte hintragen. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 20/30. Juni 

1653. (ra. pri^ 

[Verschiedene Rangstreitigkeiten. Prätensionen von Pfalz-Nenburg.] 
JO.Juni. Gleichwie dieses ganze Werk sich bishero mit lauter Streit und 
Disputiren angefangen hat. also ist« auch heute beschehen, indem, da 
man zu der IVoposition gehen sollen, mau viel Streit angefangen. 
Erstlich hat der Herzog von Sinuncrn, nachdem er zum Reichstag 
vorsehrieben worden, auf Instanz I. Ch. D. von Pfalz wieder von dan- 
ncn gehen sollen; doch hat^ sicii auf unser und ander Remonstriren 
so weit geschickt, dass I. f. D. ihre Session eingenommen. 

Der gute Herzog Julius Heinrich zu Sachsen [Lauenburg] 
aber, weilu er allein Gesandter seines Bruders gewesen ist und nicht 
bei den Gesandten, sondern bei den Fürsten gehen wollen, hat wei- 
chen müssen und dieses nach dein Hcrkonmien. £r ist bis auf die 
letzte Stunde geblieben, in Meinung mit in der Procession zu bleiben, 
aber Baiern, Altenburg und Schweden haben nicht gewollt. 

I. f. ü. von Neuburg sein der zweite in Ordnung bei den Fürsten 
gcwe'sen. Dieselbe (wie mir Chur Pfalz sagen) wollen von E. Ch. D. 
Öatisl'action wegen des letzten Krieges haben und suchen bei gross 
und klein Assistenz. 

Mit den schwedischen Gesandten noch keine Zusammenkunft; sie wollen 

*) Frombold starb bereits einige Wochen später; s. uot. dat 18/28. Juli 
1653. Audi der Gesandte v. Krockow ist krank ,UDd weiset er grosse Incli- 
natlon zu einer melancholischen Krankheit zu haben". (Blumenthal an WaU 
deck dat. 15. Juni 1653.) 



OfBcielle EröfiiioDg des Reichstags. Waldeck. Tornow. 253 

als königliche Gesandte behandelt werden, und Blnnienthal will sie nur 
t\s^ fürstli<'he nehmen. 

Waldeck an Blumenthal. Dat. Berlin 21. Juni 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Traariger Eindruck vom Reichstag. Klage über versäumte Flaue. Der Hof 

leert sich; Tornow allein übrig zur Führung der Geschäfte; sein Lob.] 

Au reste vois-je daus la lettre de V. Exe. grande apparence ä la 31. Juni. 
ruine totale de TEmpire selon la descriptioii des niinistres de la cour, 
rintelligence des älecteurs et la dispute des rangs avec los autres 
princes; taut y a qua j'aimerais niieux estre Castillan qu'AUemaD, si 
la religion n'estoit. 

Par Tordre que j'ai desire qu'on deust tenir et establir j'esperois, 
que pour le moins nous obtiendrions autaut que chacque prinee est 
Obligo d*accorder k ses subjects. Mais uion ignoraucc a fait, que la 
bonne iotention pour le bleu de la maison d' Austriebe et le repos de 
la pauvre Allemagne eguarante n'a pcu assez paroistre. Je lattribue 
ä DOS peschez, que les personncs experiuientccs et sages n'ont peu 
comprcndre ma bonne intention par uies foibles diseours. 

Je pars la semaine qui yient*). Mr. de Hoverbcck aussi; Mr. 
Kleist est an Pommeranie et Mr. de S wer in sera oecupe d'afifaires, 
que tout le travail viendra aux autres. Mais le bon est que la ea- 
paciti et adresse de Dr. Tornow suppige ä tout et je tiens pour 
assurö qua S. Alt. El. se pourra passer de tout le reste de ses niinistres 
desormais, la dit Dr. ajant dcspuis vostrc despart si bicu et avec Tap- 
probation de plusieurs fait la eharge de Directeur, comuie V. Exe. Ten 
a jug6 digne et seul propre. 

A ce qu'il dit, si a-il aussi port6 les estats du pais a tout ce que 
S. Alt El. a desire, apres que contre sa volonte S. Alt. El. a resolue 
la eontinuation de la di<^te. A cette heure fait-il le General Conimis- 
saire en reglaut Testat niilitaire, oü je ne doute point qu*il ne r^us- 
lisse Selon les preuves pr6cedentes. — 

Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
30. Juni 1653: 

[DiTersa von einzelueo Reichastüuden. Die schlesischeu Protestanten etc. Der 
kaiserliche Hof sehr verändert.] 

Pfalznenbnr«^ ist nun in Regensburg eingezogen; er hat Audienz bei 10. Juli, 
dem Kaiser gehabt und gebeten 

[ ■) Nach Wildungen, um das dortige Bad zu benutzen. 



254 ^^' D^f Ruichstsg SU RegeuBborfr. 

man wolle die Sache wegen seiner Prätension ratione der Kriegs- 
kostcn, 80 er prätendiret, in die 3 Rilthc kommen lassen und E. Ch. D. 
zur Satislaetion anweisen. Ob ich nun wol weiss, dass er damit nicht 
vorkommen kann, so wirds doch ohne Verdriesslichkeit hier nicht 
abgehen. 

Zu Montag frühe ist Chur Heidelberg auch von hinnen gereist 
und hat nicht gnugsam rühmen kCmnen wegen der Ehre und Gnade, 
so er hier empfangen. Chur Colin wird bald folgen, aber dessen 
sich vermuthlich nicht zu rühmen haben. 

Chur Sachsen wird seinen principal Abgesandten post Impera- 
tricis coronationem abfordern. Man saget, es soll ein Deputationstag 
zu Frankfurt gehalten werden nach dieses Reichstages Endschaft. 

Die Keligionsverwandte in Schlesien werden meiner Vermuthung 
nach wenig erhalten; wir dringen auf Resolution fast täglich, haben 
aber schlechte Assistenz und fast keine im Churf. Collegio. 

Morgen wird man die polnische und englische Assistenzsache vor- 
nehmen; ich sorge, es wird uns daselbst eben also ergehen'). 



I) Dio Vorhtkudlun«; wird dann auf don näohstiMi Tilg 2/12. «Juli vorschobon. 
Hier crklürt zunächst Trior: diu Hilfo nach beiden ^^(!itun bin sei dringood zu 
wünscbiMi; doch betont e» dio KrHcbopfung detj Reichs und behält sich wvitercB 
vor. C'öln und Baiern ähnlich; hervorgehoben wird, dass mau durch Unter- 
stützung an Könif^ Karl leicht die englische Republik reizen könne, uud die 
deutschen Kaufleute in England würden es zu'büssen haben. Sachsen: diu 
Gefahr von den Kosaken sei gross; man könne, wenn man sich durch Hilf- 
leistung einmische, leicht auch mit den Türken zur Uuptur kommen, „welche 
darunter verborgen"; am besten, wenn das Reich zwischen den Polen und 
Kosaken einen Frieden zu vermitteln sucht. Brandenburg: die Kosaken- 
gefahr ist sehr dringend: wenn Chmielnicki victorisirt, so wird er dann .am 
ersten nach den Kaiserlichen Krblunden gehen und daselbst wegen der harten 
Reformation grossen Zulauf bekommen"; der Reichstag muss eine resolute Er- 
klärung abgeben; .^eZ/a r/eruu/ur /ai/ia" ; dies wird dio Kosaken vielleicht von 
weiterem abschrecken. .Vielleicht mag es wol seiu, dass die Oberländer etwa 
in dem Wahn, sie wären weit von der Krone Polen (irenzen entlegen und sei 
ihnen dio (lefahr nicht so nahe; ullermuassen mau anfänglich bei dem schwedi- 
schen Kriege auch dafür gehalten, wann sich die Schweden zu weit von dem 
baltischen Meere begeben, würde man ihnen hernach den Weg, wieder zurück- 
zukommen, abschneiden: der Kflecius aber habe es anders gewiesen, wie gröb- 
lich solche Politici geirret*. Also kräftiger Heistand oder kräftige Interpositiou. 
'- ^Die englische Sache sei causa regum und exemplum abs((ue ezeroplo. 
Des Parlaments Intention gehe dahin, sich allen Potentaten zu widersetzen und 
andere benachbarte zu inquietiren; die Holländer wären jetzt mit ihnen im Or- 
loge, würden es apprehendiren, da zu einiger geringen Hilf das Reich sich sollte 
rcsolviren. Sollte man aber bei solcher Coujunctur nichts bei der Sachen thun, 
werde des Königs llofluung ganz zu Wmiaer werden uud die Holländer sich gar 



Diveraa yom Reiehsteg. Das polnische und englische Hilfgesnch. 255 

In SQiDuia, der Hof ist ganz geändert Die Fürsten, sonderlich 
evajigelische, seind sehr perplex. 

Relation vom Reichstag dat. Regensburg ^3: j"|l' 1653. S.Jnli. 

Mit den schwedischen Gesandten hat man trotz der jetzigen Erledi- 
gQDg der hinterpommerischen Sache noch keine Visite wechseln können, da 
ODMi sich über die dabei zu beobachtenden Ceremonialien nicht geeinigt hat. 

Die Stadt Angsbnrg bittet zum Bau einer neuen evangelischen Kirche 
um Erlauboiss zn einer Collecte in den kurfürstlichen Landen. 

Resolution des Kurfürsten dat. Colin a. Sp. S.Juli 1653. — 13. Juli. 

Die Angsburger Collecte würde bei dem jetzigen Zustand in den kurf. 
Landen nichts einbringen; die Gesandte sollen der Stadt 200 Rth. als Bei- 
trag des Kurfürsten überschicken. 

^P. S. Weil bei jetziger Beschaffenheit, da Wir der Königin in Schwe- 
den Autorität und Assistenz zu Beförderung des evangelischeu Wesens 
Besten nnd des Reichs Wolfahrt Uns frurhtbarlich zu gebrauchen ver- 
boten , ungeru einige Streitigkeit zwischen Uns und ihr wollten einreissen 
lassen; als seind Wir gnäd. zufrieden, dass Ihr vor diesmal (mit Vorbehalt 
nnd Verwahrung Unsers Rechtens ins künftige) den Schwedischen wegen 
Vorpommern das erste Votum zu führen und den Vorsitz zu nehmen ge- 
stattet, mit dem Bedinge, dass sie sich des evangelischen Wesens desto 
eiferiger nebeust Uns annehmen^. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
3. Juli 1653. 

[Die österreichischen Evangelischen; Knrsachsen, Kurpfalz. Oesterreichische 

Plioe in Polen. Kälte der Schweden. Vor allem Geld nöthig. Gefährliche 

Lage von Holland. Nothwendige Pensionen.] 

Uebele Aussichten für die Sache der österreichischen Evangelischeu. 13. Juli. 

Der Chnrfbrst von Sachsen, saget man, kann an den Kaiser 
tber das Instr. Pac. nichts zuuiuthen. Cbur Pfalz suchet wegen 
Läutern und Sinimern des Kaisers Favor und Assistenz und will da- 
kno in puncto religionis nichts thun, absonderlich weiln er in seinen 
Linden das thut, was der Kaiser bis hierzu vorninimt in seinen Erb- 
hnden. Die Übrigen alle halten die kaiserliche Partei. — 



d«D Eogländern unterwerfen". Also nachdrückliche Hilfe förKnrl IL — Pfalz: 
die eDgUsche Sache »ginge ihm sowol an sich selbst als wegen der nahen An- 
▼enraDdiniss sehr zu Gemüth und Herzen; dem König Karl könnte jetzt, da 
Holland mit den Engländern noch im Kriege, mit einem Kleinen geholfen und 
«» grosser Dienst erwiesen werden". — Mainz setzt seine Erklärung aus. 
^Protokolle des Kurfürsteuruthes.) Die Verhandlungen im Fürstenrath s. u. 



256 ^^' ^^^ Reichstag za Regensbarg. 

Der polnische Gesandte wird bcsorglich seinen gcsachtcn Sue- 
(uirs nicht erreichen. Ich beßndo so viel, dass andere Dinge hier- 
unter stecken nitlsscn, und d]iH8 Oesterreich Hoffnung haben nia^, 
zuletzt 8oII)st an die Krön zu kommen; welches dann leichter ina;: 
wollen gehoin werden, wann die Sachen schlecht, als wol und gut 
stehen. 

Die Herrn Schweden zeigen in allem gar schlechte Inclination 
zu unser Vertraulichkeit, die wir ihnen anbieten lassen. Ich wUnsche 
E. Ch. D. nichts dienlichers als, wann Sie Ihre Sachen also anstellen 
könnten, dass Sie mit der Zeit möchten Geld sammeln können; dann 
dieses wird das Mittel einzig sein, in Consideration zu kommen. — 

Holland wird dieses Orts vor verloren geachtet, oder wenigst 
in grosser Gefahr; os sei dann, dass das Reich sich ihrer annehme, 
wozu ich wenig und fast keine Apparenz linde, es sei dann, dass es 
der westfillische Kreis thdte. — 

Ilochnöthig wird sein, dass E. Ch. D. ein Paar Ministros Ihr 
dieses Orts im geheimen und zwei im Reichshofrath suchen zu devin- 
ciren. Ich hielte, in erstem den Graf Kurtz und Auersperg, und 
im andern den (iebhardt und Kaltschmidt. 

Hlumenthal uii den KuHursttMi. I)at. Regeiisburg 
7. Juli IGoS. (m. pr.) 

[Divorso Schwierigkeiten für lJniii(lenburjr. Dia rfalzgrufen von Neuburg Kor- 

deruii}^ voll KriejfskoMteiierdutz. Verbindung mit Frankreich und llullaud. Pulen 

und Kuglund ab^^ewiuHen. OcHterruichische Absichten auf l'oleu otc.J 

17. Juli. Die KWilTuung der verspnM'lM'nen ('«»niniission für die Pttrticularbc«;oh- 

riMi des Kurfürsten wird von Ta^ zu Tu^ biiiaus^oschoben. 

Ilergegen tinden wir, dass tfiglich viele Sachen vorgehen, so E. 
Ch. I). höchst nachtheilig sein; als erstlich hat vor etlichen Tagen 
der Herzog von Neu bürg wieder ein Memorial wegen seiner ver- 
meintlich prAtendirenden Kriegskosten hei Hofe eingegeben und ein 
Mandatum erhalten, dass E. Ch. D. sich mit ihm vergleichen oder 
auf seine Klage antworten sollen. 

L'(l«> so ist uns heute ein Mandatum eingeantwortet worden, die 
Halberstadtische Trobstoi zu restituiren oder auf des Cardinais Klagen 
in 3 Monaten zu antworten. 

3tio so ist an den Grafen von Nassau befohlen worden, die 
iStreitigkeit in puncto religionis nebest denen übrigen Commissarien 
zur Endschafi zu bringen, oder einen andern anhero zu schicken, der 
08 an ihrer Statt tbun in«lge. 



Die Prafe der Hilfeleistan^ für Polen and Eoglimd. 



257 



ih Neu barg hat vor 3 Tagen den Churftlrsten von Mainz, 
nnd alle anwesende Fürsten sehr stattlich traetiret nnd sieh zum 
lllleni (Iber den zwischen seinem Vätern und E. Ch. D. entstandenen 
Krieg beschweret und ihm mr Refusion des gelittenen Schadens recht- 
lich tu assistiren gebeten, E. Ch. D. werden alle diese Widerwär- 
ttgfceiten zu Hherlegen und uns zu bescheiden gnädigst wot be- 
dacht sein* 

Im Fall E, Ch. D. kein Bedenken haben* so mucbte ich unterth. 
sehen ^u mssen, ob und was E. Ch. U. mit Frankreich und Hol- 
land vor Tractaten unter Hunden haben; dann man dieses Orts sehr 
^8«e Jalousie fasset und weiln man davor halt, es sei gleichsam 
|it Holland gelban, es wenig acstimircn und fürchten thut; enlzwi- 
m so assecuriren wir einen jeden, da&^s an unser Seiten keine Lust 
zur Wcitläuftigkeit sei. 

Dem König von Polen ist sein gebetencr Succurs, wie auch L Maj. 
vöQ EnglaDd ganz abgeschlagen worden in dem Gutachten an L Kais. 
Haj.<, so Churtilrsten und Stande gethan haben; keiner hat vor Polen 
vwirct als wir und Neuburg, und keiner vor England als wir und 
PUz; die andern haben nichts thun wollen'). 



*) Die FürBtenrathtipratokDlie für die Sitsütig vom B/16. Jnli, worio die Frag« 
^er poiniB^hea und eD^liscben HiirieistuDg rerhiiDdelt wurde, fehlen bei v. Meiero, 
^W l SMS* nar die Resolutionea üq die betrefieodeD Gesandteo hat (dat. 
ItJLJati). IHeae ProtakoUe, die £tcb bei den Acien befindeo, entbalteo eioige 
Wtuürkeofiwerthe Nottze», Die durchgehende Rede bei den AbstiromQDgen ist 
christlicheä Mitleid und hersticbea Bedaaero. aber zu thun sei mao Dichts im 
^Undi», PfaU-Nenburg votirt iu Betreff Polens, man solle, weno uiclit rot^hr, 
i>» doch wenigstens mit utw&s dort beiäprioi^en, besonders mit einigem Fnss\ <>lk. 
*artu in Polen immer Muogei sei. Auch W^ürzburg betont, dass man die Ge- 
liltr ton PoloD her uicht veniachlässigeu dürfe, bis sio uns selbst ergreife. 
Freisiog: ^man wolle hoSeu^ der polnische Gesandtet als ein Geistlicher, habe 
^ Math SU sehr fallen lassen und sei die Gefahr Dicht so gross . . . die Bi- 
itoisD weiaen aus, daas sie vor diesem mit viel grösserer Macht aagefalle» sein 
^ttd deittioeh obgesiegt hubcu; welchem mau ihuen auch diesmal gerne gönnen 
<uid Tiififlchen wolle*; auch könne mau den Polen wot eiue Werbung im lieich 
Stätten. Den Ronig von England könne diis Reich nicht restituiren; aber mau 
iiisafe ihm wol ,ex christiana oommiseralione etivan mit ein Paar Römermonat 
»öceurrirca*. — Braunschweig* Wolfe nbüttel: die polnische Sache ist wol 
^' liUmm als sie gemacht wird. ^Was den König in England anginge, 

* :* gewiss eiu eseroplum sine exemplo und keinem nicht zu verdenken, 

ii9$t der ganzen societati huuianae augetliune iujuri»m zn rächen; die Prinoipta 
iber, womit so grausame That wolle beschonet werden , seien noch viel gefahr- 
Debet« worden dennoch öffentlich verkaufet und waren in jedermans Händen : da* 
Itro sa tieaorgeu, wann darunter nicht eine Aenderang verfüget werden sollte, 
ti doffien die Ostia an der Ost- und Wcstsec in grosser Gefahr stehen nnd 
l^tr. nu Get^. 4, Gr. Kurfünteu. ^L 17 



258 ^^' ^^^ Reichstag zu Regensbarg. 

Ich Borge, dass I. Kais. Maj. ans gewissen Staatsursachen den 
Succurs so lange ditfcrircn, bis die Polen in 8«)lchem Stande sein, 
dass sie dagegen etwas werden versprechen sollen; wozu meines Er- 
messens die Polen nicht leicht resolviren werden, welches auch allem 
Ansehen nach vor Preussen nicht gut sein würde. 

Hier meinen die meisten, dass in Holland in kurzem ein ge- 
neral Aufstand entstehen dürfte unter dem gemeinen Mann. 

Den französischen Gesanetten habe ich gestern visitiret, der 
machet ganz keine Difficultfit, uns dcl pari zu tractireu in seinem 
Hause. — 

Uer Herzog von Nouburg will, wie man sagt, des Landgrafen 



altio (lieser Zustund dorn Köm. Reich vi(>I frerährliohcr sein als der polniacbo 
Krieg. Wie aber demselben vorzukommen, nei sehr schwer ... es wären aber 
auch die vorerwähnten Schriften und sonderlich der Mit ton tu verbieten, damit 
von solchen Principiis auf den Universitäten nicht ins wilde hinein disputirt 
werden mochte; ouch wäre denjeni|;en Professoribus, so den EngländerD favori- 
sireten, einzubinden, mit solcher Opiuion ein- und Kurückzuhalteu, damit dodurch 
die Sache bei allen Stutibus Imperii nicht in Gefuhr gcsotzet würde*. Ausser- 
dem sind »ie für fine (Jeldhilfe für den Könijif. — Pommern (Brandenburg): 
die englische wie die polnische Suche kann gefahrvoll werden: ,auch hätte ein 
jeder billig zu bedenken, duss hoc seculo rebellionum in tota fere Christianitate 
feracissimo propter commune intereäsu omnium regum et priucipum er sich iu Acht 
zu nehmen hätte**; zu gütlicher Beilegung und Vermittlung sei wenig Appureoz; 
mit «der blossen Consolatiou und Mitleiden" sei nichts geholfen. Allerdings 
sind alle lieichsständo sehr erschöpft; aber will mau sich nur etwas angreifen, 
so kann doch noch viel geleistet werden; denn auch mit wenigem kann man eine 
grosse Wirkung, schreckend sowie ormuthigond, hervorbringen. Man hat gesagt, 
(las Reich solle sich in keine fremden Kriege einlassen, sondern Friede und Ord- 
nung bei sich selbst befestigen — «dieses nun sei wol eine Muxima, so iu grosse 
Consideration komme; wann man aber betrachte, was das für Leute sein, damit 
man zu thun habe, befinde sich, duss es barbarische Kebelleu uud Konigsniörder 
seien, welche nicht unterlassen werden, der Christenheit, quotjuo modo poterint, 
ohne einige gegebene Ursach zuzusetzen, durunter auch diu Türken nicht feiern 
möchten, als welche unter den Tarturen sich verbergen könnten*. Brandenburg 
ist also fiir reelle Unterstützung beider Kronen uud der Kurfürst sehr bereit, 
seinen Antbeil hierzu zu leisten.— Münster kommt in seinem Votum iu Betrefl' 
Englanda ebenfalls auf die Verbreitung aufrührerischer Schriften zu sprechen: 
«es müssteu dergleichen injurio:iu scripta und Bücher verboten werden, wie dann 
auch in specie der Uippolithus a <iapido, als welcher viele nachtheilige und 
zwischen der Kais. Maj. und den ätauden nichts als Misstrauon verursachende 
Dinge geschrieben*. — Die übrigen Vota enthalten wenig besonderes; das Con- 
clutum geht endlich dahin, dass mau den Gesandten deo betrübten Zustand des 
Reichs remontiriren und bedanern soll, dass für den Augenblick eine wirkliche 
Attiatens nicht mögUoh tei. VergL über diese Seaalon auch Pfanner hiat 
oomit p.S78fll 



Polen Dod Englaocl. Die Reichsstande miasvergofigt. Frankreich. 259 

Ton Darmsfadt Tochter heirathen und sieh mit Sachsen suchen in mehrer 
Verständniss zn setzen. 

Morgen frühe ziehen S. Ch. D. zu Cöln auch wieder von hinnen 
»urück, und ist kein Churftirst mehr hier als Mainz. — 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
11. Juli 1653. 

[ Miasverpmlgte Stimmnngen der Reichsstunde pe^on den kaiserlichen Hof. 
Frankreich nnd die schnldigen drei Millionen. Präcedenzstreitigkeiten und ihre 
Hedeataog. Holländischo Städte in der Reichsmatrikel. C-romwell und Holland.] 

Ich kann nicht abschen, was endlich aus diesem Handel hier 21. Juli, 
werden wird. Die meiste ChurfUrstcn, fast alle Fürsten und die meiste 
Beicbsgrafen seind disgustiret; Baiern ist mnlcontent, wiewol er es 
sieb nicht merken lasset; Cöln ist ganz disgustiret weggezogen; Trier 
üut dergleichen und die Ghurpfälzisehe ziehen auch fast stärkere Sai- 
ten anf. Die Fürsten seind deswegen malcontent, dass bei der Kai- 
serinnen Krönung ihre Kinder und Schwestern denjenigen, so die 
Hoßimter bedienen, nachgehen sollen, und die Grafen seind deshalb 
übel zufrieden, weiln die Hofdamen sollen über ihre Gemahlinnen 
geben. — 

Gestern hat mich der französische Gesandte*) revisitiret nnd per 
generalia gebeten, seinem Könige in billigen Dingen zu assistiren, 
woza ich mich schuldigster Maassen willig erkhirct. Er sorget, man 
werde die 3 Millionen auf einmal begehren-), weiln er sie von A. 1G49 
an zu rechnen in .3 Jahr bezahlen sollen, und im Fall er sie nicht 
bezahlen kann, ihnen Elsass wiedernehmen; gestalt man vorm Jahr 
zu Pontoiae, als der König in grosser Noth gewesen wäre, ihm sol- 
ches andeuten lassen. Er erbeut sich aber dahin, dass, sobald er 
die spanische Renunciation aufs Elsass haben wird, er diese Summa 
in 3 Jahren, allemal nämlich 1 Million, zahlen wolle. Welches Er- 
bieten meines Ermessens also ist, dass man ihnen deswegen keinen 
Krieg anthun kann. 

Ich bin wegen des Präcedenzstreites noch an keinem Ort zum 
Essen geladen worden und also wenig Gelegenheit gehabt, einige 



^ Yautorte; seine Berichte ans Begensbnrg s. Negociations touchant 
Is paiz de Münster etc. Yol. HI. 

*) Es handelt sich nm die drei Millionen Livres, welche nach Inst. Pac. 
Hon. Xn. 1.88 Frankreich dem Erzherzog Ferdinand Karl als Entschädi- 
fiBf Ar die im Elaast abgetretenen Besitzungen zu entrichten hatte. 

17* 



260 ^ ^^^ RoichBtag lu Regensborg. 

Vertraulichkeit zu stiften. . . . Die hohe Noth wird erfordern, diese 
Sache zu erwägen und auf einen gewissen Fuss zu bringen. Alles 
kommt daher, dass die ChurfUrsten nicht recht zusammenhalten und 
diejenige, so zur Stelle sein, glauben, dass es gut sei, dass ein Un- 
terscheid zwischen Gesandten und ihnen und also ihr Rospect grösser 
als der Abwesenden Gesandten sei. Der Kaiser schweiget dazu stille, 
in der Meinung, dass hicdurch die ChurfUrsten so viel ehender in 
Person erscheinen werden und er in ihrer PrUsenz mehr V<»rtheil als 
in absentia erlangen kann. 

Ferner berichte £. Cli. D. ich unterth., dass an die 4 holländische 

r 

Städte, als Deventer, Kampen, Schwel und Nimwegen, ist Na- 
mens des Kaisers geschrieben worden, ihre 100 Römermonat an den 
Keichspfennigmeister zu bezahlen. 

Der Crom well soll zu dem spanischen Gesandten in London 
gesagt haben, der Konig hätte bei 80 Jahr Holland gesucht zu flber- 
winden, hätte aber den rechten Weg nicht gewusst; er wollte hoffen 
künftiges Jahr ganz fertig (wo nicht ehender) damit zu sein. Ich will 
hoffen, er werde den calculum nicht recht gezogen haben und also 
ein anderes Facit machen müssen. 



Der Kurfürst an iiluuienthal. Dat. Colin a. 8p. 

12. Juli l(>r)3. 

(Eigenhändig.) 

[Pro causa Kvangelica in dvn oaterreichtschen Krblaudeo. Kottckloston , sie 

uicht zu vvrlassun.J 

22. Juli. Lieber Blumenthal. Ich verspühre woll ausz allen relationen 

so vielly das meine Prophezeihung gar zu zeittig wahr wirdt, dieweill 
man mich jetzt, da ich alles gethan, eben so abzuferttigen sucht, wie 
meinem Herrn Vattern Selligeu geschehen. Ich musz es Gott undt 
der Zeitt befeilen undt es mir so viell zu nutze machen, das loh oder 
meine Nachkommen sich nicht noch eins betrigen laszen. Es thut 
mir sehr Wehe, das man gnugsanib zu verstehen gibt, dasz man mir 
nichts geben will undt demnach über klahre brieffe in weittleuftigen 
disputat einzulassen haben will. Derwegen Ihr dann hierin auff mei- 
nem undt meines llausses respect sehen werdet und wan man mir 
ia das meinige mitt gewahltt (so lange es Gott zulesset) lenger vor- 
enthalten will, ich aufs wenigste nicht geschimpffet werde. Die armen 
Euangellischen kann ich nicht verlassen, sondern will Gottes gnade 
hoher halten als des Kaysers undt aller Menschen, es gehe mir auch 



ie e« wolle. Vielleicht weisset niir Gott schon, das ich mich zu viell 
iff Menschen undt dero glitte Wuhrttc verlassen. Soldt euch also 
rer ündt des i;cmeinen Reichs mitt allen ernst annehmen, es vvirdt 

iich auch ahn beifahll nicht ermangeilen, lliemitt Gott befeilen undt 

rerbleibe etc. 

P. 8. Diesses hab ich nüchtern geschriben, des Morgens frühe, 

ADiitt man nicht vermeine, das ieli getrnncken habe. Doch von Ro- 
lischen Cattollischeu ist es nicht Wunder, den ihre luacsime ist das 
ie den Ketzeren keinen Glauben halten; ich hoffe der Kaiser werde 
ie schelmische rcgnll nicht gelernet haben, auch seinen iesiLitten 
ierinnen nicht nachfolgen. 



Graf Waldet'k an 



den Kurtiirsten, 

13. Juli 1653. 

(Eigenhändig,) 



Dat. Wildungen 



Orliigeude Bitte, mit Eutschiedeoheit zq hiinüelu und falsche Eiiiflüäse abxa- 

wehren.] 

Hierbei geht, was sieder meiner Abreise mir widerfahren *). E- Ch. 23. Juli. 
1>. nehmen nni Gottes Willen eine beständige ohnveränderlicbe Keso- 
liitioii, ergreifen Gottes Partei, alle Mittel, so darzu nöthig, wird Gott 
geben. Ich red aus getreueni zu E. Ch, D. Dienst brennendem 
Herzen. 

Mein Zustand ist so, dass vielleicht noch E, Ch. D., noch das vor- 
stAende OhngUlcb sehen werde, aber die ftbrig bleiben beklagen, 
ttnd so ich leben bleib, mich mit ihnen. E, Ch, D. können ihm hel- 
fen, 80 wahr Gott lebt; aber ein gewisser Zweck nmss dar sein* 
Vtim ich nicht mehr bin, werden E. Ch. D. die Bosheit derer, so 
Sie 80 herumführen, erkennen. Leb ich, werd ich mit E. Ch. D. noch 
Gott dankeu, dass Gott E. Ch. D. die Augen geöffnet mid Sie ge- 
filLrt Gcjti segne E. Ch, D. christliche Vornehmen, segne dero Haus 
und geh Ihro und dero Gemahlin was Ihr Herz begehrt 

Der Kurfürst an die Keichstagsgesandten. Dat. Colhi a. Sp* 

13. Juli 1653, 

[ßriodeDburg ftir den Aoepruch der Reichsstädte, Die Forderungen des Kur- 
fürätea an dea kaiäerlicheu Ilüf.] 

Dass der freien und Reichsstädte votuni decisivum diese Unsere 23. Juli. 



*) £tae andere »icht eigeohündi^e RelatioD über eioige unterwegs gehabte 
VitmtdtijigtD. 



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2 02 ^^* ^^' Reichstag 2U Regensborg. 

Intention [Beförderung der evangelischen Religionssaehe] zu bestärken 
sehr dienlich sein kann, darinnen seind Wir mit denen, so sie zur Re- 
und Correlation in pleno zu admittiren geneigt, zwar einig; wegen 
derer aber von Euch angezogener und anderer Uns beiwohnender 
Cousiderationen halten Wir, dass denen besorgenden praejudiciis vor- 
gebeugt und dannoch ihrem Yoto der Kachdruck nicht benommmen 
sein würde, wann sie bei denen zur Re- und Gorrelation verordneten 
Deputationen nicht ttbersehen, sondern ihre Bedenken nicht weniger 
als derer andern Oberstände dabei in gebührende Acht genommen 
werden '). 

Die Gesandten sollen dafür sorgen, dass wegen der vom Kaiser ver- 
langten hundert Römennouate es zu einem festen Besehluss nicht eher 
kommt als bis die Forderungen des Kurfürsten in Betreff Jägerodorfs und 
der ßreslauer Schuld regulirt sind. 

Graf Kurtz mit seinen Forderungen soll ,,mit gutem Glimpf'' zur Ge- 
duld verwiesen werden. 



BlumenthaJ an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
18/28. Juli 1653. 

[Aussichtslosigkeit für die Privatdeaiderien des Kurfürsten. Physiognomie des 
kaiserlichen Hofes. Der polnische Gesandte abgewiesen. Angesehenheit des 
Herzogs von Neuburg; seine Absichten in Westfalen. Der französische Gesandte 
Vautorte. Wichtigkeit guten Vernehmens mit Schweden. Die lothringische An- 
gelegenheit. Die Beschwerdegesandtschaft der Jülich -clevischen Stande. Kur- 
sachsens Aspirationen auf das Herzogthum Berg. Kauzler Fromhold f. Öpauisch- 
schwedischer Handelsvertrag. Dräugen des Kaisers zur Eile, baldige Abreise. 
Kurtriers Missstimmung. Pomphaftes Auftreten des Neuburgers. Graf Auersperg 

allmächtig.] 

28. Juli. Gnädigster Herr. Ich weiss nicht, was in E. Ch. D. particulier 



*) Ueber diese gleich von der ersten officiellon Session an auftauchende 
Controverse in Betreff der Städte vgl. Pfanner hist. comit. p. 291 ff. v. Meiern 
I. p 240 ff. Das Kurfurstencolieg hatte sich von vorn herein entschieden gegen 
das Recht der Städte auf simultane Re- und Correlation mit den beiden oberen 
Collegien ausgesprochen; erst wenn diese sich unter einander über ihr Conclusum 
verglichen, sollen, bevor das eigentliche Reichsconclasum abgefasst wird, die 
Städte gehört werden. In der Relation dat. 4/14. Juli hatteu die Gesandteu 
ihr gegen die volle Zulassung der Städte gerichtetes Votum so motivirt: dass 
allerdings in Hinsicht auf das allgemeine evangelische Wescu das Votum 
decisivum der zum grösseren Theil evangelischen Reichsstädte sehr wichtig sei; 
dagegen könnten künftig leicht Fälle vorkommen, „welche des Churf. Collegii 
Autorität und Präemineuz betreffeu"^ und wo dann vielleicht die Stimmen der 
Städte sich mit denen des Fürstenraths verbinden und so dem Interesse des 
Kurfürstencollcgs gefährlich werden könnten. 



0118 Votnm der Städte. l>er kniscrlicbe Hof, Pfalfgraf Philipp WUlielm. 263 



Sachen ich weiter scbreihen soll; ob es nänilich besser sei, E*Ch. D, 
keine grosse Hoffnung mehr äu derselbeü Befriedigung zu übersehrei- 
bell oder darin weiter zu continuiren. Wann ich der Sachen Billig- 
keit und E. Ch. D. grosse officia und L Kais. Maj. erwiesene beson- 
dere Freundschaft eonsiderire ... * so sollte und mlisste ich mehr 
Ursache haben, in Uberschriebener bisheriger Hoffnung zu continuiren, 
— Wann ich aber auf der andern Seite erwäge und bedenke, wie so 
gar Qberaus sehr ich diesen Hof geändert finde, und w ie so gar wenig 
derjenigen njinistrorum sein, die sich unserer und aller, oder wenigst 
der meisten übrigen Churftlrsten, Ftirsten und Stände Sachen, abson- 

1 dertich wann man geben soll, annehmen, und wie ein jeder sich nur 
bcAeiBSigt, keine unangenehme dachen vorzubringen nnd hingegen, 

i iMtelt die Stände zu gewinnen und dem Kaiser zu gut berbeizubrin- 

■ gen, dieselbe zu disgnstiren und ohne einiges Contentcment abzuwoi- 
" sen: so muss ich fast anstehen und davor halten, es sei besser, E. Ch. 
I D. keine sonderbare und gewisse Hoffnung zu Erlangung eines guten 
l successus bei vorstehender .... Handelung zu machen. 

I Btnmenthal fürchtet besonders, dass die Kaiserlichen die Sachen wie- 

■ der in bin gen VeHi.Hndlungen binzielien, bis der Kaiser seine Wünsche in 
I Betreff der za willigenden Röraermonatc etc. eiTeicht hat; aber er sieht 
I kein Mittel die^ zu hindern. 

I Es dürften sich die Zeiten auch wol in kurzem also schicken^ 

^Miss I. Kais* Maj. urtheilen künnten, besser gethan zu haben, E, Ch. D. 
pm Contentiren, als Ihre Gesandten ohne Satisfaction von hinnen ziehen 
zu lassen und dadurch die Anzahl derjenigen, so mit Verdruss diesen 
Keichstag verlassen (welches gewiss die meisten sein) zu augmentiren. 
äonsten muss E. Ch. D. ich unterth. berichten, dass heute der 
KOuigl. polnische Gesandte von hinnen zurück verreiset ist. Wir 
haben alle dasjenige, was mensch- und möglich gewesen ist, vor 
L Kön. Maj. gethan nnd gehoffet, etwas gutes zur Assistenz zu obti- 
tn; es ist aber bei den itbrigen Ständen unmöglich gewesen, etwas 
Gelde zu obtinirea. Dieses alles ungeachtet, so hat sich dennoch 
der Neuburgische Gesandte, so auch polnischer Resident ist, Visconti 
genannt^ unterstanden, den polnischen Gesandten zu bereden, als ob 
E. Ch. IK solche Assistenz mehr gehindert als befördert hätte; wel- 
ches auch bei demsellien eine gute Weile allerhaud Suspicion errege^ 
hat, bis dass endlich Chur Mainz denselben eines bessern versichert 
tuid er unser Votum zu lesen bekoiuuien und darauf acquieacirt bat. 

Selbiger Herzog bekommt hier wegen seinen grossen Qualitäten 
grus»e Aff'ectiou bei allen sqwoI evangelischen als kathoÜGicl^en Ftti^ 



264 



II, Der RetehBtftg »u Regonebarg* 



steil, gcßtalt sie ihm dann alles, was extra rcligionetn bei K Kais. Maj, 
3(u sollicitiren ist, eoniTinttiren und iliiii ilas Werk tbiin lassen. Mit 
I. Kon. Maj. zu P^Ien ist er also völlij^, wie man mir ^csa^^et, ver- 
glichen, (lass er alles, was er au Kleitioilien, Gehl und Mobilicn be- 
kommen, behält und hergegen^ was seine Geniahliu in Pulen an 
3 Gdtem gehabt hat, dem Könige eediret und abgetreten. In allen 
Orten, wohin er kommt, da kliiget er zum bohestcn über den letzton 
Krieg und ziehet an^ als ob E. Ch. D. sich iladureh der Lande ver- 
lustig gemacht hatten* — 

Unter anderra gehet er damit um^ dass man in Westfalen eine Ver- 
fassung gegen Lothringen, wie er saget, schliessen und ihn darüber 
zum Capo machen solle, öelbige soll zu Essen gehalten werden tind 
zweifle ich nicht, E, Ch. D. werden in Zeiten Iljre Nuthdurft hierunter 
wol bedenken. 

Der französische Gesandte Mons, de Vautorte erweiset sieh in 
allem sehr discrct gegen uns und machet grosse Contestation von 
seines Königes Affection gegen E. Ch. D. und dero Interesse. leb 
geb E. Cb. D. anheim, ob Sie gut findeu, ihm ein klein Compliment 
schriftlich machen zu lassen und es uns zuziisrhicken. Dann ich finde 
die Öachen dieses Oils altso beschallen als ichs vorhcro nimmer ge- 
glaub^t^ noch glauben können, und halte dahero so viel mehr nöthig, 
E. Ch. D* unterth. und wolmeinend zu rathen, dass Sie sich befieissi- 
gen, diesen König in guter Affection zu erhalten. 

W^as die Schwedische anlanget, selbige werden uns nicht besu* 
cheni es sei dann, dass wir ihnen die Obcrstelle geben» Ich habe 
deshalb alschon vor 14 Tagen meine geringe Gedanken dem Herrn 
Grafen v. Wald eck zugesehrieben und E. Cb, Ü. Befehl zu befJirdero 
gebeten, denselben aber bis hierzu nicht erhalten. 

Der spaniHclie Gesandte Pimentelli ist nun vermuthlich von 
Stockholm wieder zurück. Ich vernehme, dass E. Ch. D. den v. Ho ver- 
beck in kurzem werden dahin schicken; Gott wolle GUlck zu seiner 
Verrichtung geben. Und gleich wie ich Äum oftem E. Ch, 1>. meine 
geringe Gedanken didiin unterth* erotVnet habe, dass erstlich am nö- 
tbigsten sein werde, dasellist wol zu penetriren und allen Fleiss an- 
zuwenden, um recht zu erfabrcnj ob die Künigin mit demjenigen. 
80 ihr das Instr. Pac. zueignet, sieh völlig wolle contentiren, des Re- 
ligionswesens sieh mit Ernst annehmen, denen Churfllrsten ihre Präemi- 
nenz lassen, ihre Gedanken nicht auf die preussisehe und hinterpom> 
mcrische Seehafen oder die clevische Lande zu acquiriren werfen, 
sondern vielmehr E. Ch. Ü. Hauses Woltkhrt und Conservation mit 



Diverga vom ReichsUg. Üie clensclieo Stände, 



265 



I 



Bm Ernst suchen, and das», sobald man Bolches mit GewisRheit 
erde erfahren können, E. Ch. D. mit keinem grossen Herren sich 
ehender in gewisse Verständnisg, als mit dieser Königin einzulassen 
and 7M vereinigen hutten: also bleibe ich noehnialn bei dieser meiner 
Meinung itzt und binfUro beständig, aber so viel mehr dann, wann 
ich sollte vertiehmen, dass ihre, der Krmigin, Intention nicht sein 
soUte, die vereinigte Niederlande ganz zu abandoniren. Dann ich 
sehe, dass, wie ich alstets gefunden, es mit dem Meistentheil dieser 
Stande scopae dissolutae sein. Wann E, Ch, D. Pomn»ern diesen Tag 
nicht hätten und die Proposition vorhero geschehen wäre, so wollte 
ich wol mein Leben zu Pfände gesetzet haben, dass durch Hilfe des 
Kaisers und dieser Stünde wir es in 20 Jahren und vielleicht nimmer 
nicht würden erlanget haben* Dann ein jeder siebet auf sich und 
unter zehen nicht einer auf das Publicum* 

Trier und Cöln haben heute votiret, zu keiner einzigen Sache 
ihr Votum zu geben, es sei denn dass man sage, man wolle dem 
Lothringer etwas au fielde zur Satisfaction geben, oder eine Verfas- 
sung gegen ihn machen. Es gehet aber zu einem Ohr herein und 
zum andern heraus. Zum Oeld wollen die iStäude nicht willigen, und 
m den Kreisverfassungen hat der Kaiser keine Lust, sondern tlirchtet, 
wann die Stande oder das Keich einen exercitum hätten, seine Auto- 
rität so gross nicht bleiben, noch sich die Stande so eingreifen lassen 
worden, wie es itzo täglich versucht wird. — 

Der Gulich-j Cleve- und iucorporirter Lande Stände Deputirte 
werden ehester Tage hier sein') und, wie ich vernehme, wollen sie 
alle wider den letzten Krieg klagen, confirmationem unionis und dabei 
die Clevische des Landtagsrecessus Bestruigung bitten. Ich habe 
gesuchet, man sollte sie nicht hören, aber die Antwort war: aufm 
öffentlichen Reichstag müsste man alle, keinen ausgeschlossen, hören. 
Irii habe die beständige Meinung, es habe sie niemand als der Herzog 
ton Neuhnrg anhero zu kommen und zu klagen disponiret*). Der 
f. Winnenthal soll caput commissionis sein. Zwar trauen die Gli- 
Uehiefaen Stände dem Herzog gelbsten nicht allerdings und können 
»idi darin nicht tinden, dass er ihnen völlig Contentement gegeben 
lad bergegen keinen Groschen von ihnen prätendiret oder begehret. 

Weiln der Herzog von Neuburg mit Chui- Sachsen so pochet 
mul dass er sich mit dem vergleichen wollte, so gebe E. Ch, D. zu 



*) Vefgl. ürk. 0, Acteasl. V. p, 5ö5 C 
•) Vergl ebenda^, p. 66|. 



266 



If. Umt Keichstng zu Ilc^Gusburg. 



büdeuken aiüieimj ob nicht dienlich wäre, sich dessen allen zu Ures* 
den mit Flciss zu erkimdi^'-en. Im Fall der Churprinz nicht uacli 
seines Herrn Vätern Tode katholisch wird, sondern evangelisch bleibet, 
so meine ich, es waren Ursachen, warum er mehr auf E. Ch. D. als 
Pfalz Neuburg zu sclien Itütte. Der chursächsische Gesandte sagte 
vor wenig Tagen zu mir diese Wort: er möchte wUnschen, dass die 
glllichsehe Sache verglichen wäre, und ob ich wol glaubte, dass 
E, Ch. Ü. auch dazu incliniret wären; vielleicht möchte sich bei dieser 
Coüjunctur mit des Herzogen von Ncuhurg Heirath ein Mittel treffen 
lassen, dass sein Herr ohneE. Ch» D* Abgang sein Contentement, numlich 
das Fürstenthum Bergen ^ kriegte. Ich antwortete hierauf, dass ich 
dieser Sache halber nicht instruiret wäre; wumn aber 8. Ch, D. zu 
Sachsen E* Ch. D. » . . solches zuschrieben, zweifelte ich nicht, E, Ch. D. 
wtlrden , . . darauf antworten. »So viel veäre mir sonsten äusserlich wol 
vorkommen, dass vor 2 Jahr Sr. Ch. D. zu Hachsen von E. Ch. I). 
nicht unbillige Vorschlage zu einem Accomniodement geschehen, würen 
aber von derselben nicht angenommen worden. — 

Morgen werden wir den Canzler Fromhold D. begraben las- 
sen ') undy wie es scheinet» so werden wol die meiste Leute und Ge- 
sandte propter compctcntias nicht ereebeinen. Seine Wittib hat keinen 
Heller, also haben wir die Nothdurft auf Credit aufnehmen müssen 
und es doch so klein als möglich und ohne üisreputation geschehen 
kann nngestellct, — 

Alles ist mit Weisheit uöthig zu Überlegen, mit Geduld und Kalt* 
sinnigkeit zu einer gewissen Resolution zu befördern und iomittelt 
dahin zu gedenken, wie E* Ch. D, sich mit solchen Potentaten, die 
Ihr recht atiectionirt sein, und deren Conservatiou die Ihrige ist, be- 
ständig setzen und nebst fleissigem Gebet und Anrufung göttlichen 
Beistandes unausgesetzt gedenken, wie Sie sparen und Geld sammeln 
mögen, und zuforderst, dass Sie nacli gehaltener reifer Beratfaschla- 
guug, wie dcro ganzer Status zu befestigen sein wird, einen gewissen 
scopum fassen und dabei beständig verbleiben: so wird sich hoffent- 
lich alles zu E. Ch. D. Freude und Keputation und zu Ihrer Lande 
und Leute Securität wol schicken. 

Gleich itzo vernehme ich, das» zwischen dem König zu Spanien 
und der Königin in Schweden ein gewisser Vergleich vollenzogen wor- 
den, dergestalt dass die Schweden alle ihre Sachen, die sie sonsten 
nach Holland gebracht und verkauft haben ^ itzo nacher Spanien t\lh- 



*) Vergl. oben p.2aL 



Diveraä vom Rmchait^g, 



267 



ren sollen, und sie also beiderseits ihre KOiiigreietie und die Com* 
mereia beueficiren wollen. — 

L Kais- Maj, haben schon 2 mal begehret, die Berath seh lagungen 
SU beächleunigen; man sa^ret^ dass Sic am 28. 8ept, wieder auf Wien 
wallen, und im Fall der Ueichstai; alsdanü nicht zum Ende werde 
kommen sein, gewisse Commissarios albier zu lassen. Vorher aber 
werden Sie nach München reisen und Chur Baiern besuchen. 

Chur Trier ist sehr nialcontent; hat gegen viele Fürsten und Herrn 
afl'entlich gesaget, er wäre gut spanisch anhero kommen, zöge aber 
got französisch wieder weg. 

Der Herzog von Neuburg gehet alle Tage zu Gaste oder hält 
selber Banquet. Wann er fahret, so mllssen alle seine Trabanten mit 
abgedeckten Hüten bei der Kutsche hergeben, welches sonsten bei 
niemanden geschiehet als dem Kaiser und König. 

Was ich am allermeisten tllrehten und schliessen muss, dass hier- 
nicbst es allerhand Nachdenken und Gefährlichkeit nach sich ziehen 
mSehie^ ist dieses, dass ich sehe^ dass alles hier vornehmlieh diu-ch 
eines einzigen Menschen Kopf gehet, und der ist der Oraf v. Auers* 
perg, und dessen Adjutant ist der Herr D. Volmar. Ob solches in 
die Länge dauern wird, mag Gott wissen. — 



Relation vom Reichstag. Dat. Ifegensburg 18 28. Jiüi 1653. 

[Die Lothrtogiäcljeu uud (jüDÜe'schen Volker. AbfioduDg des Lotbritigera mit 
Geld. Beschwerdeu geg^en Frankreich; österreichische; speierische u. a,; knu- 
gerUche Gedanken am kai^erh'chen Hof. Fropositionen des Pfalzgrafeu von 
NvQburg* Die JuattEdeputation^ Die PrivatdeBideriea des Rurfür^^ten, Kaiser- 
hohe Ablehotiü^ der Breslauer Schuld und der Jägerndorfer Klage.] 

[Die Sache] bestehet vornehmlich darauf, dass man iu der Loth- 28, Juli. 
ringischen Sachen dessen Abgesandten Erklärung uf die von L Kais. 
Maj. ihm gethane Vorschläge annoeh erwartet. Unterdessen w^eil sich 
die Iv^t' / «he Truppen noch uf den Grenzen befinden, dringen die 
Churii 1^ uud Cölnische hart darauf, dass dieser Punkt vur allen 

nl^ erlediget werden, mit dem Anhang, dass sie befehliget wären, 
ehe and he vor solehee geschehen, zu nichts anders zu schreiten. 

So ist auch von den Churcölnischen referiret worden, wasgestalt 
der Prinz von Comic an das »Stift LUttich eine Ordre ertheilctj dass 
sie bei VermeiduDg tSchwert und Feuer seinen V<5lkern Quartier und 
Unterhalt geben sollten; begehren daher gleichfalls inständig uf Mittel 
zu gedenken, wie solchem IJoheil .... könne gewehret und abge- 
boUen werden. 



268 



IL Der Rekhöfttg zu Rogensbiirg'. 



Wegen des Herzogs vou Lotbringen haben E. Ch. Ü. uns hie- 
bevor unterm dato des 2(1 AprilU in ^iiäd, Befehl gegeben, dass Sic 
VüTträglicber hielten, wann er sieh mit Gelde wollte abfinden lassen, 
das« üini HW)öO Thaler gegeben würden, und da solelics niclit zu 
erhalten, tlass man alsdann uf eine Heichsverfassung Inhalts der 
Reich »Satzungen gedenken mUsste. Nun wird er sieh aber mit 
lUOjOrX) Thalor nicht abfinden lassen, und haben I. Kais. Maj. ihm 
schon drüber 25iLrwjü Thaler, so li;(i»000 austraget |VJ, bieten lassen. 
Und w4der den Prinz von Oonde wird schwerlich ein ander Mittel 
zu finden sein, als eine Gegenverfassung. Werden demnach E* Ch. D. 
dieses gnäd. bei sich liberlegcn und uns, was wir dabei thun sollen, 
dero gnäd. Verordnung zuschicken» 

Wider Frankreich seind noch zur Zeit nur des Eraherzogs Fer- 
dinand KarTs und des^ Bischofs von Speyer Beschwerungen vor- 
kommen. Des Erzherzoge bestehen darin, dass der Kimig in Frank- 
reich ihm drei Millionen franz?3sischer Onlden, welche ihm vermöge 
Instr. Pae. mit Frankreich in Kecomiicnsation der abgetretenen Oerter 
sollen gezahlet werden, nicht erleget habe* Und 2) dass der König 
in Frankreich Va Schulden der Kammer zu Enshcim im Elsass llber 
sich nehmen und bezahlen 8otl, so bishero nicht äuui Effect ge- 
bracht '). 

Des Bischofs zu Speyer Gravamina bestehen in vielen Punkten 
und gehen vornehmlich die Guarnison in Philippsburg an'), dass, 
indem dem Kon ige in Frankreich mir bloss das jus tenendi ibidem 
perpetuum praesidium et quidem sumptibus Coronae Galliae susten- 
tandum zukomme, im übrigen aber «owol die Proprietät als alle 
Nutzungen dem Bisch ofen reserviret worden: dennoch der Comman- 
dant den Bischof nicht einmal in die Stadt und uf seine Resident 
lassen, sondern ihm dazu seine Mobilien und alle Abnutzungen vor- 
enthielte und daneben ganz kein Ordre halte, ~ öobald nun diese 
und andere Klagepunkte wider Frankreich , derer dann gar viel sein 
sollen (als wegen des Bischofs zu Basel, der zehn lieichsstadte im 
Eisaas, der freien Keichsritterschaft und anderer Immediatstände so- 
wol im Elsass als auch unter (hn Bischofthtimern Metz, Toul und 
Verden), der gemachten Veranlassung zu Folge w^erden zusammenge- 
tragen sein, wollen wir davon . . . Bericht thun. 



*) VergL oben p. 257 aod in Betreff der KDsiaheitiier Kammerschuld lost. 
Pac. Mon, XU. §.89. 

*) V. Meiern 1. p. 301 ff. 



Fraokreich im Elsass. Vorschläge de« Bisc^KofiB ron Mtioater* 269 



Dem AnsebeQ nach zielet man am Kaig. Hofe dabin, das», da 
es in ^Ute nicht zu erhallen, luan es mit Ocwalt suchen sollte; wie 
dünn der Erzherzog: nicht unklar zu verstehen gibt, da&s, da ihm die 
3 Slillioneu nicht sofort cum usuHh et i>nmi Interesse sollten «rezahlet 
werden, er das Elsass und andere Ocrter wiederfordern wolle* E« 
ist aber dieses von weitem Aussehen und würde einen neuen Krieg 
wider Frankreich ^eben, so nicht zu rathen. 

Sonsten hat uns auch der Graf von Wittgenstein berichtet, 
dass ihn der Bischof von Münster jüngst zu sich erfordern lassen 
und begehret, dass er folgende Punkte an E. Ch. D. referiren 
tn&ehte: als 

1) dass er von dem Pfalzgrafen von Neu bürg so viel ver- 
merkte, dasö, wann E, V\u I). ihm wegen des bei dem letzten Kriege 
Tenneintlich zugefügten Schadens einige Erstattung thuen würden, er 
nicht ungeneigt wäre, mit E. Cli. IX in niehrers Vertrauen und Freund- 
Schaft zu treten. Weil nun solches bei dieser Zeit selir dienlich und 
nöthig vvilre, so hätte er bei ihm veruehmen wollen, ob darzu zu ge- 
langen einige llotfuung wäre. 

2) Dass, weil er sehe, wie es am Kais, Hufe daherginge und wie 
wenig Respect man auf die Chur- und Fürsten und das Reich hätte, 
dasa fast mänuigiich, sowol weltliehe als geistliehe Fürsten disgustiret 
würden (allermaassen dann Chur Trier und Cöln, wie auch der Bischof 
zu Eichstädt disgustiret weggezogen), hergegen aber favorisirete mau 
dem Herzag von Lothringen und hätte derselbe nebst dem l'rinzen 
roa Cand6 bereits die Winterquartiere im Reich ausgetheilct: er 
daher vor nüthig hielte» einen Kreistag in Westfalen, um sich in Yer- 
fafsim^ (gleich im aiedersUchsischen Kreis gescliehen) zu setzen, aus- 
nuelireiben; und mochte daher gerne wissen, uh auch E. Ch. D. sol- 
ehee niitbelieben würden, 

3) Dass bekannt wäre, was die Vechtisclie Guarnison ihm und 
andern angränzenden im westfälischen Kreise vtar Ifngelegi'uheit cau- 
ftirte; nun wäre sonst keine HoB'nung, dass die Urt und Kreise, so 
oi»eh die yatisfactiongelder restireten, damit so bald würden aufkom- 
men kfmnen: als wären ibm die Gedanken zugefalleji, dnss vorschuss- 
weise drei Ftomemiouat zu Abführung der restirenden Satisfactiongel- 
der möchten gewilliget werden, welche hiernächst die restireudc, 
waan sie ad meliorem fortunam kämen, den Ständen wiederzahlen 
•oilten; oder, wie er sich gestern am Kais. Hofe, da wir ungefähr 
leihst mit dem Herrn Bischöfe zu reden kamen, gegen uns erklärte, 
dass von den Römermonaten, so dem Kaiser per meyora vervviUiget 



270 ^^' ^^^ Reichstag zu Regensborg. 

wären, etliche Monat mischten ufgebracht und hierzu an^wendet wer- 
den, und dass hergegen I. Kais. Maj. die resta der schwedischen Sa- 
tisfactiongelder bei den Säumigen an sich nehmen möchten; mit Be- 
gehren, dass solches an £. Ch. D. möchte gebracht und dieselbe 
dahin disponiret werden, dass Sie sich solchen Vorschlag mit möchten 
belieben lassen. 

Worauf aber er, der Herr Graf, geantwortet, dass er alhie in 
seinen Privatgeschäften wäre und ihm daher nicht gebühren wolle, 
sich in E. Ch. D. Geschäfte und andere publica zu mischen, sondern 
E. Ch. D. hätten dero Abgesandte alhie, denen wollte ers referiren. 

Wir gaben nun hierauf dem Herrn Grafen diese Antwort: 

1) Bereitwilligkeit des Kurfürsten zu gutem Veruehmen; aber von Er- 
stattung der Unkosten kann nicht die Rede sein. 

2) Wegen Berufung des Kreistags wollten sie dem Kurfürsten berichten, 
haben aber ihre Bedenken d;igegen. 

3) Wegen Vechtc wollten sie gleichfalls dem Kurfürsten berichten; sie 
empfehlen diesem den Vorschlag als „nicht uneben". 

Der schwedische Commissar Snolsky, mit dem die Berechnung 
der Satisfactiongelder angelegt werden soll, ist numehr hier ankom- 
men, und dörfte das Werk also ehist vorgenommen werden. 

Die Conferenz über des Kurfürsten Privatdesiderien soll morgen 
beginnen. 

P. S. Es ibt früher eine Deputation niedergesetzt worden zum Behuf 
der Reformation der Justiz, zur Ordnung der Besetzung und des Unter- 
halts des kaiserlichen Kammergerichts zu Speier und zur Schlichtung des 
Streits zwischen dem Gericht und der Stadt Speier. Die Deputation 
besteht aus: Mainz, Baiern, Sachsen, Pfalz — Oesterreich, Baiem, Salz- 
barg, Bamberg, Würzbarg, Costnitz und Münster, Abt v. Weingarten, 
schwäbische Grafen — S. Altenburg, Braudenburg • Culmbach , Braun 
schweig- Wolfenbüttel, Pommern, Meckeluburg, Würtenberg, Hessen, Anhalt 
— Regensburg und Nürnberg — Cöln und Aachen. Im Juni hat sie ihre 
Sessionen begonnen. Nun soll aber nach jetzigem Keichsschluss der Justiz- 
punkt jetzt bei dem ersten Punkt der Kais. Proposition mit verhandelt 
werden; die Deputation hat dalier in den letzten Togen mehrere Sitzungen 
gehalten; man wird zuerst die Frage des Unterhalts des Kammergerichts 
vornehmen; dann die „Ersetzung" des Gerichts; dann die reformatio josti- 
tiae am Reichshofrath und Kammergericht und endlich die Gravamina Ca- 
meralia gegen die Stadt Speier. 

P. S. 2. Eben vor Abgang der Post ist noch eine Conferenz iu Be- 
treff der Breslaaer Schuld and Jägerndorfs gehalten worden — 

da dann an Seiten L Kais. Maj. die Schuldforderung mit den be- 
tagten Pensionen zwarn angenommen, aber eine Halbscheid an den 



» 



fttiOD. Bresl&aer Schult! nnd Jiigerndort Di«^ ReichesÜidtp. 27] 

Herrn Churftlrsten zu Sachsen verwiesen und die andere Halbseheid 
mit einer pratendirten Gegenforderung nieht allein getudtet, »«»ndern 
auch eine grosge Summe Gel<les van E, Ch. p. gefordert werden 
wollen. Und weil wir zu Elidiruns: gedaclitei Gegenpratenmon den 
Bericht sonderlich von Nöthen haben» wie es um die Forderung der 
Suronien wegen de» Herzoglhoms Crossen eigentlich bewandt^ l)evorab 
wir uuterth* daflir halten, dass solches Herzogthum unter iSchlesien 
la eontrihuiren nicht schuldig, aber die cau^a exenitionis uns weiter 
Hiebt, als dass es in possessione vel c|uasi Hbertatis befunden wird, 
ilNtoig: flo wollen E. Ch, D. gnäd. Gefallens tragen, uns obgedachten 
Bericht mit dem allerfordcrlichstcn 7Aikammen zu lassen. 

Wegen des Her/ogthums JHgerndorf haben die Kais. Ministri 
soiKmren wollen, dass selbiges niclit allndial, sondern lehenrUlirig 
und dasd es nicht so sehr ex capite feloniae wegen der böhmischen 
Pomhe. als propter defectum lineae investitae der Rom. Kais» Maj, 
beitnge fallen. 

Demnach wir aber dagegen eingewandt^ dass wir keine Lebens- 
qualität an mehrged. Herzogthum «lägerndorf erkennen könnten, son- 
dern dasselbe als allodial gekauft und in tali qualitiite von dem Chur- 
»nd ftlrstliehen Hans Brandenburg besessen wäre, mit dem l^egchrcn, 
dg^ sie uns den angezogenen Schein wegen der Lehensqualitfit also- 
fort communiciren wollten: haben sie nns dahin beantwortet, wir wllr- 
den uns davon aus habenden Investituren berichten können, nnd wollten 
sie es ferner L Kais. Maj. hinterbringen. — 



Relation vom IJeichstag. Dat. Regenshiirg 21 31. -Juli 1053. 

[Kntscbetüang in Betreff dea stüdtlscheu Voti. Die neuen fwrstliclieti HiinaiT 
Das prätendirte vierte grüßicbe Eelchäcotle^iumJ 

Mit den Reichsstädten bleibet es ratione re- et correlationis 31, Juli. 

alter Observanz, jedoch citra praejudicium des ihnen gebühren- 
den voti decisivi; indem die meisten Chur- und Fürsten davor halten, 
da», wann «ie ad simultaneam re- et correlationem auf solche Weise 
und zugleich anfangs bei <ler ersten Re- und Correlation sollten ad- 
mittiret werden, solches dem Chur- nnd fürstlichen Collegio sehr 
naefathetlig sein und die Städte allezeit die majora macheu würden. 

Der Kurfiirst hat ihnen aufgegeben fiir den Vorrang des fürstltcben 
ilaftse» Kaesau vor den neucreirten^ llohcnzollern^ Eggenberg und 



272 ^^* ^^^ Reichstag za Regenebarg. 

Lobkowitz za wiiken; es wird schwer zo erreichen sein, weil diese be- 
reits introducirt sind und ihre Stollen eingenommen haben'). 

Und wird das fürstliche Haus Nassau genug zu thun haben, 
wann es den Vorsitz' vor den Fürsten von Dietrichstein und Pic- 
colomini erhält, indem man an Kais. Seiten und im Reichshofrath 
uf die Anciennet^, dass, wer zuerst zum Fiirstenstande erhoben, auch 
vorgehen soll, das Absehen hat. 

Der Grafenstand begehret nicht bloss das votum decisivum 
(welches sie vor vielen Jahren und zu jeder Zeit im Fürstenrath zwar 
nicht viritim, sondern curiatim, gleich den Prälaten, wegen Wetterau, 
Schwaben und Franken gehabt), sondern dass sie ein absonderlich 
Collegium gleich den churfürstlichen , fürstlichen und städtischen ma- 
chen und also quartum constituiren wollen; und vermeinet man, dass 
sich die Prälaten ^ darin mit ihnen conjungiren werden. Nun halten 
einige davor, dass solches eine ganze Reformation des vorigen Status 
sein wUrde, und da bisbcro nur drei Gollegia gewesen, nämlich das 
churfürstliche, fürstliche und städtische, werden künftig 4 Gollegia 
werden, dafern sie ihren scopum erhalten. Und halten sie ako der 
Grafen Begehren von etwas mehrer Importanz und Nachdenken als 
das städtische verlangte Votum decisivum, welche dabevor schon ter- 
tium collegium constituirt. 

*) Am 5. Juli st D. war im Fürsteurath der Beschluss gefasst worden, die 
genanntcD drei Häuser zuzalasseo, nachdem dieselben, wie gezeigt wird, praestanda 
praestiret haben; namontiich die Bedingung des Besitzes reichstreier Guter erfüllen 
sie alle: Hohenzollern ist altbegütert im schwäbischen Kreis, Lobkowitz 
ist gefürsteter Graf von Sternsteiu im bairischen Kreis und ist nun in der Reichs- 
matrikel mit 3 M. z. R. uud 10 z. F. angesetzt. Eggenberg hat die Grafschaft 
Gradisca, welche schon Kaiser Ferdinand II. zu Gunsten dieses Hauses ,.von 
aller österreichischen Superiorität befreiet und gänzlich als ein immediat Gut ein- 
geräumet''. Der Reichsaoschlag dafür, erklärt Oesterreich, sei allerdings nur 
niedrig (3 M. z. F. und 2 z. R.); dagegen sei aber Eggenberg , zugleich mit 
der kostbaren Vestung und Besatzung beladen*". Auf den Einwand von Baiern, 
dass ein so kleiner Anschlag dem Fürstenstand „verkieinerlich'^ sei, wird zage- 
geben, dass derselbe erhöht werden könne. (Protokolle des Fürstenraths.) 
Hierauf war dann am 10. Juli st u. durch den Reichsmarschall Grafen Pappe n- 
heim die feierliche Einführung der drei neuen Häuser in den Fürstenrath erfolgt 



Die Denen Fürsteo. Die Retctisgrafen. Blameothal eottätiBcht. 273 

Blumenthat an den Kurfürsten, Dat. Regensburg 
25, Juli 1653. 

[Die Privatdesiderien des Kurfürsten gescheitert. Entschuldi^ngen Bhimenthars. 

Fortguig der Jaatizarbeiten; Vorschlag in Betreff der Heichstage. Machiüatioüeti 

des Hersiugä von Seaburg,] 

E. Ch. D. gnäd, Handschreiben vom 12. Juli aus Berlin Labe ich i,An\s, 
unterth. wol empfangen und bitte anfänglich gehorsamst, E. Ch. D. 
geruhen vestiglich zu glauben, dass deroselben die an Seiten I, Kais, 
Maj* bishero verzögerte und vielleicht gar nicht also erfolgende Öatis- 
faction keine grössere Empfindlichkeit verursachen kann, als wie ich 
mich deshalb bis in mein Herze niortifieiret befinde. 

Dann weiln ich mir nienialen anders vorgestellct , . , , als das» 
I. Kais. Maj. E. Ch. D. sonderlich in der Brcslanischen Schuklsache nicht 
ausser büligmäBsiger Befriedigung lassen und wegen Jägerndorf Ihr 
aoQSten Satisfaction geben würden, so niuss ich billig mein Uuglllck 
und schlechte Prävidensü ... hierunter beklagen; in Betrachtung dass, 
obwol einem jeden was uns begegnet widerfahren kann, so kann ich 
doch nicht läugnen, und ist offenbar, dass E. Ch* D. von mir mehr 
Hoffnung zu einem guten Ausgaug in dieser Sache, als von jemanden 
andere» dero geheimen Käthe nnig geschehen sein, ist gegeben wur- 
den. , . , • Aber . . habe ich keinen bessern und sichrem Trost, als 
wann Ministri dasjenige thun, was ihnen menschmüglich ist * . . 
dass ihnen alsdann nichts mehr zugemnthet werden kann und man 
nicht aus dem widrigen Effect ihrer Negticiation, sundern aus dem 
GemDth und dem bezeugten Eifer und Treuen dieselbe zu judiciren 
habe- — 

JedeufalJs werde doch der Kaiser dem Kuifürstfii aucli noch nöthig 
habeu; nmii nnijss eiue lJC^i^cre Cujijiim^tuj iiljWiirttri und iazwisibeii ;d\v6 
darauf richten, sich im eigenen L;uide möglichst wul cjuiiurit httu imd zu 
stürken. „Von mm an aber und hinlüro werde E, Ch, D. ich uhnr rni'loerr 
Oewi.ssßheit keine weitere HttflPnaag rnacljen'*. 

i^|Jade,s.s, räih IMumeuthal« ^oll mau die Verhatidluageii mit dem Kaiser 
BHT ukhl aUbreciieo, »ouderu nmh weiter eiae bilhge, oder weuigsteiis 
eine bestuunite Erklärung von ihm vtrlaugeu. 

In der Justiz bei der Speirischen Kammer und derhclhen IMq- 
rentien wird nun fleissig gearbeitet und i^t es sehuu ziendich weit 
kommen. Hernach soll man zum Ueichshofrath sehreiten. Das vor- 
nehmste aber wird in dem bestehen, dass Chor*, Ellrsten und Stände 
dabin trachten, dass, was so wol in diesem, als denen Evangelischen 
m gut geschlossen und beliebt werden uiüchtc, auch observiret und 
gthalten werde. Dam ist, meinem schlechten Urtheil nach, kein 

a*i«r. lur (mttttk* d. Gr. KurltknieM. Vi. {g 



274 ^ ^^^ Reichstag zu Begeosbnrg. 

bessers Mittel, als wann die Kreisordnungen observiret, verbessert und 
in allen Kreisen erträgliche Verfassungen verfasst und alle 3 Jahr 
ein Reichstag gehalten werden möchte. 

Der Herzog von Neuburg ist bei dem spanischen Gesandten 
gewesen und begehret, seinen König zu ersuchen, ihn auf den Fall, 
dass E. Ch. D. ihm kein contentement geben werden, zu asaistiren und 
dieselbe zu solcher Satisfaction zu disponiren. Er hat aber dem Herzog 
solches pure abgeschlagen. — Der Herzog wird gegen E. Ch. D., 
wiewol er sonsten wegen seiner grossen Qualitäten sehr hoch ästimiret 
wird, hier nichts ausrichten. Ich wollte, dass ich bemächtiget wäre 
von E. Ch. D., mit etwas mehrer Freiheit wider ihm zu reden, er 
sollte dann seine Harfe auch wol einziehen. — 

Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Colin a. d. Sp. 

31. Juli 1653. 

[Die Lothringer ; Brandeubarg für Loskauf mit Geld. Der Bruch mit Fraukreich 
zu verhüten. Anmaassungen des Pfalzgrafen.] 

10. Aug. Der Kurfürst fiude es gerechtfertigt, dass Trier und Cöln, bevor sie 

wegen der lothringischen Drangsale Sicherheit haben, zu keinen andern 
Berathungen sehreiten wollen. — 

Halten es aber nach wie vor (wie schwer es Uns auch und Un- 
sern ohuedas mit unumgänglichen grossen Anlagen beschwerten ün- 
terthauen fallen wird) dem Reich und ihnen selbst viel erträglicher 
zu sein, die vom Herzog von Lothringen inhabende Oerter mit Gelde 
abzukaufen als durch Reichsverfassung Inhalts der Reichssatzungen 
dieselbe zu recuperiren zu suchen. 

Im gleichen habet Ihr Euch mit denen Ständen zu conformiren, 
welche dahin zielen, dass alle Ruptur mit der Krön Frankreich ver- 
hütet werde, bevoraus weil gleich wol dieselbe den mit Auszahlung 
derer versprochenen 3 Millionen vorgangenen Verzug damit zu be- 
scheinigen hat, dass die Königl. spanische Renunciation so lange aus- 
geblieben, und sich auch überdas zu einem erträglichen Abtrag wol 
wird verstehen wollen. 

Die Neubnrgischen Prätensionen auf Kriegsentschädigung sind ent- 
schieden zurückzuweisen. Dass der Pfalzgraf einen westfälischen Kreistag 
berufen hat, ohne nur den Kurfürsten zu befragen, wozu er nach dem Pro- 
visionalvergleich von 1647 verpflichtet, ist sehr präjudicirlich , vielleicht hat 
er es bei der Clevischen Regierung angezeigt*). Die Gesandten sollen for- 

^) 8. über diesen westfälischen Kreistag in Essen den folgenden Abschnitt 
üieötfs liandtfs. 



MaeluiiatioiieD des Nenburgers. Frankreich. GrosseDSche Mitleidung. 275 

den, dass die Ansschreiben revocirt werden; jedenfalls würde der Eorfürst 
fdr seine clevischen Lande sieh durch etwaige Beschlüsse nicht gebunden 
erachten. Sie sollen erkunden, auf wen man wol wegen des Geueralats der 
beabsichtigten Kreiswerbung die Augen gerichtet hat. — 



Blumenthal an den Kui'füi'sten. Dat, Regensburg 
1. Aug. 1653. 

[Die «Crowensche Mitleidang*". Satisfaction für die Yorenthaltang Pommerns. 
Die Sekweden auf dem Reichstag; eine spöttische Aeussening. Bremen. Eng- 
lisches.] 

Man hat von kaiserlicher Seite als Gegenforderung an den Kurfürsten 11. Aug. 
die ^Crosseosche Mitleidung^, d. h. die Betheiligung des Kurfürsten an den 
schlesischeo Landstenern für seine schlesischen Besitzungen, Yorgebracht. 

Die schlesischen Stände sollen alle anhero geschrieben haben, 
dasB sie E. Ch. D. schlesische Lande durchaus nicht übertragen woll- 
ten; sie sagen, dass in £. Gh. D. Lehnbriefe diese Worte expresse 
stehen sollen, dass Sie schuldig sein, die Mitleidungen wie andere 
schlesisehe Fürsten zu tragen'). — 

Wir seind die vergangene Woche bei einem und andern der Stände 
gewesen und haben gebeten, E. Ch. D. wegen dass Sie Pommern so 
hnge von aussen ansehen müssen, Satisfaction zu geben, haben aber 
bisherzu schlechte Inclination gefunden und sorge ich, wir werden 
wie den Polen und Engländern geschehen beantwortet »werden. 

Mit den Schweden wegen Nichterlcdigung der Titel etc. nnd Kang- 
Terhältnisse noch immer kein officieller Verkehr. 

Man saget Wunder wie sie die Gapitulation streiten wollen; in 
Wichen Sachen und so weit der löbl. Herren Churfürsten Präeminenz 
nicht zu nahe getreten wird, kann es gut sein, und wollen wir ihnen 
in den noch unerledigten und hieher remittirten Punkten treulich bei- 
rtehen. — 

Die Schweden sagen, E. Ch. D. werden eine solche weitläuftige 
Begierung in Pommern anstellen, als wann das Königreich Portugal 
sie salariiren sollte. 

Die niedersächsischen Stände, sonderlich die braunschweigische 
nnd Ittneburgische Gesandte haben allerhand suspiciones, dass der 
Kaiser den Schweden mit Bremen so den freien Willen lasset. 

In summa die Endschaft dieses Reichstages wird einem jeden 
weisen, wie weit er seine Maass in einem und anderem zu neh- 
men habe. 

Der Crom well soll allhier eine Person heimlich haben, so bei 

') Urk. 0. Actenst lY. p. 433. 

18* 



276 ^' ^^^ Reichstag zu Begensbnrg. 

dem spanischen Gesandten oft ein- und ausgehen soll. Vom Kaises^« 
hat der König [sc. Karl II.] sich wie auch von Mainz keiner Beihnlfa? 
zu getrösten. Der arme Gesandte weiss nicht, wie er von hinnen solML 
kommen. 

Bluiiienthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
4/14. Aug, 1653. 

[Wichtigkeit der GaroisoD iu Lippstadt. Dor spanische Gesandte; über di^^B 
schwedisch -spanische Aliiance. Rath über die Excelienzstreitigkeit hinweg mc3 
ihm sich in Verbindung zu setzen.] 

14. Aug. Was liippstadt betrifift und den Anspruch des Kurfürsten dort eii^< 

Garnison zu halten, so zweifelt Blumeuthal, ob man ein verbrieftes Rechst 
dazu besitzt und bittet um Auskunft*); wo nicht, so muss man mit dem Gr^^- 
feu V. d. Lippe in gütliche Unterhandlung treten. — 

Die Lippeschen aber haben klare Vergleiche in den Händen, und 
die meiste Stände haben davon Abschriften. E. Ch. D. werden hoffent- 
lich nicht Übel nehmen, dass ich dieses unterth. treibe; dann ob mir 
wol der Graf von der Lippe ncc beneficio uec injuria bekannt ist, 
und ich auch weder in dieser noch in andern Sachen auf Interesse par- 
ticulare sehen werde, so macht mich doch des Herzogen von Neuburg 
itziges Comportemeut so viel mehr frei, E. Ch. D. unterth. zu bitten, 
diesen Ort vor ein vornehmes Kleinod zu achten und zu mainteniren 
und wol zu Uljerlegen, ob nicht nöthig sein werde, diesen Winter uud 
so lange der angestellete Kreistag währen wird, den v. Sparren alda 
persönlich verbleiben zu lassen, und vor das andere einen gewissen 
und beständigen Fuss zu machen, damit man wissen könne, woher 
nicht nur ein Monat nach dem andern, sondern auf etliche Jahr die 
Garnison ihren Unterhalt haben könne. 

lilumeuthal besucht ^als Privatperson*' den spanischen Gesandten, 
der jetzt dem Herzog von Neuburg direct alle Unterstützung gegen Bran- 
denburg abgeschlagen hat. 

Wir kamen wegen der AUiauce mit Schweden zu reden, darauf 
sagte er dieses: Wir haben itzo mit keinem Potentaten der Welt 
Aliiance als mit dem Kaiser, .aber wol Freundschaft mit einem jeden 
ausser Frankreich und Portugal. Ich replicirte, dass es mir wäre ge- 
schrieben worden und er regerirte: der Herr kann öffentlich sagen 
und schreiben, dass ich gesaget habe, ich sei ein Schelm, wo wir mit 
Schweden die geringste Aliiance haben; dass wir den Pimentelli 
hingeschickt, ist die einzige Ursache zu befördern, dass die Königin 

'"i Vrr«;:!. 7A\ diesem Lippstadter Garnisonsstreit ürk. ii. ActeDst. V. 
p. G04. G77. (;83. v. Meiern I. p.590ff. 



Lippstadt. Bezfehnng zn Spanien. Die jülich-clevische Deputation. 277 

die Election nicht hindern solle, und sie zu versichern, dass, wie alle 
iJInder Yon und aus Spanien sein fett geworden, also sie auch an 
Statt ihrer Fische Pommeranzen und Granaten und dabei alle Freund- 
schaft haben könnten; so bald man aber der Election gewiss worden, 
80 bald ist er abgefordert worden. — 

Blameuthal räth dazu, trotz der Titeldifferenzen >ieh doch auch 
offieiell mit diesem Gesandten in Verbindung zu setzen. 

Sobald der französische Gesandte vemonimen hat, dass der Spa- 
nier im Tractament Difficultät macht, so bald hat er dem Spanier zu- 
wider gewilliget den Churflirsten die Excellenz zu geben. Also däucht 
mich, weiln der Herzog von Neuburg diesen Menschen zuwider hat, 
so sollten wir demselben auch zuwider ihn suchen an uns zu ziehen, 
80 viel sichs thun lasset. Sachsen lasset täglich mit ihm tractircn 
und sie empfangen Oberstelle, Vorgehen und alles ausser Excellenz etc. 
Warum sollten wir nicht auf ein Temperament gedenken, so lange 
als es uns ntttzlich ist? Es ist kein einziger Fürst, viel weniger der 
Fürsten Gesandter alhier, der uns den Titul von Exeellenz gäbe. 
Warum soll dann der Königl. spanische Gesandte es alhier thun? — 

Blumenthal an den Kurfurstt»n. Dat. Regensburg 
la25. Aug. 1653. 

[Die Jülich - clevische Stämiedeputation; ihr trotziges Auftreten. WiuncDthal. 

Der westfäl. Kreistag. Die Wahl eines Kroisobersten; Candidaten dazu. Die 

Pfalz- Simmemsche Sache. Die Magdeburger Gesandten beim Kaiser; Dr. äelle; 

resolutes Proselytenthum. Angelegenheit von Lippstadt.] 

Bei letzter Post ist wenig zu berichten gewesen. Voritzo habe 25. Aug. 
ich gehorsamst andeuten wollen, dass die clevische, jttlichsche und 
incorporirter Lande Deputirte vor 3 Tagen ankommen sein. Sie ha- 
ben uns gestern visitiret; was hei der Confercnz vorgangen, werden 
E. Ch. D. aus unser Relation vernehmen können, und wie ein gerin- 
ges Vertrauen sie zu uns tragen. Wir baten, sie sollten uns vorhcro 
eommnniciren, was sie zu suchen hätten, so wollten wir ihnen nach 
Befindnng und wann sie mit uns darüber sich würden correferendo 
eingelassen haben, gerne assistiren. Sie antworteten, dass sie von 
ihren Principalen ganz keinen Befehl hätten, sich mit uns in einige 
Conferenz zu begeben, bäten also, wir wollten sie hinftlro mit der- 
gleichen Zumuthungen verschonen. Der Deputirten waren 7 Personen 
ohne dem Syndico; als erstlich aus Jülich einer v. Bongard, dessen 
Schwester der Winnenthal soll gehabt haben, aus Cleve dieser itz- 
genannte Winnenthal, aus Berge des Hatzfelden's Schwager Nes- 



278 ^* ^^^ Reichstag zu Regensburg. 

sei rode, aus der Qrafscbaft Mark der ungerathene uiid undankbare 
Komb er g, 5^0 der JOlicbscbe Syndicus') und dann 3 ex civico or- 
dine, deren Namen wir näcbstens ttbcrschreiben werden*). 

Wann I. Kais. Maj. oder Cbur Mainz noch hier wftre, so wollte 
dcro Werbung zum grossem Theil ich schon wissen. Am vergange- 
nen Sonnabend sein sie bei dem Mainzischen Canzler und Bäthen wol 
i) ganze Stunden gewesen. Dass sie nichts guts suchen, kann ich aus 
allem wol abnehmen. Der Neuburgische Statthalter Feldmarschall 
Kauschenberg ist allein hier geblieben; der nimmt sich ftusserlich 
an, als wann er nichts von ihrer Negociation wttsste; aber die OOlich- 
und Bergischen gehen täglich mit ihm um. 

Sobald die Post weg sein wird, will ich dem v. Winnenthal 
E. Ch. D. mir zugesandtem gnftd. Befehl gemäss zusprechen und unterth. 
berichten, was er antworten wird*). Gleich wie er aber zu Cleve fax 
et tuba aller Händel gewesen, also dirigiret er auch hier und weiset, 
so viel ich bei der ersten Visite merken können, klar genug, dass die 
nbrige Deputirte sich nach ihm richten müssen. Er versuche nun was 
er wolle, so will ich dennoch hoffen, der Kaiser werde unsem Bericht 
auch hören. — 

Dass der westfälische Kreistag im September annoch seinen Fort- 
gang erreichen werde, habe ich hier verstanden, und dürfte I. Kais. 
Maj. wol nebest andern dem Grafen v. Vehlen Commission ertheilen, 
ihretwegen alda zu erscheinen. Nun haben wir zwar E. Ch. D. gnäd. 
Befehl erlanget, solche Zusammenkunft nach Möglichkeit zu verhin- 
dern; ich sorge aber, es werde nicht wol zu hindern sein, weiln alle 
Stände oder ja die meisten der Meinung sein, man müsse sich den- 
noch wegen des Herzogen von Lothringen in etwas in Verfassung 
setzen. . . . Dafern nun unsere Verhinderung, wie zu sorgen stehet, 
den Effect nicht erreichen, sondern der Kreistag vor sich gehen 
müsste, so werden E. Ch. D. wol zu überlegen haben, ob Ihr Aus- 
bleiben Ihr mehr nutzen als schaden kann. — Das ilrgste, was ich 
besorget .... ist dieses gewesen, dass sie den Herzog von Neuburg 
zum Kroisoberstcn machen möchten; nachdem ich aber itzo höre, dass 
weder Cöln, Münster, noch Paderborn und Osnabrück dazu Lust ha- 
ben, soudeni lieber auf ein Subjoctum ausserhalb Kreises gehen möch- 
ten, so ist meine Sorge deshalb nicht mehr so gross; und möchten 
E. Ch. D. auch urtheilen können, dass, wann Sie Leute alda hätten, 

I) Dietrich v. Mülheim. 

-) Vgl. Urk n. Aotenst V. p.(i03. 

*) Bbeodas. V. |ft.67L 




:ag in Essen n. seine GefalirG 



ie solche» leichter würden hintertreiben ki'mnen; in Betrachtung daas 
Sie dennoch 4 Vota als Cleve, Mark, liaveneberg und Minden alda 
aben. — 

Nim will aber meines geringen Bedenkens nicht genug sein, dass 

1er Herzog das Commando nicht bekommt, sondern man wird dahin 

n sehen baben, dasa es keiner werde, der von ihm dependire. Die- 

eni^en, denen hierunter ganz nicht zu trauen ist, und doch entweder 

Minde oder gesessen daselbst sein, seind Hatzfeld, Rausch enberg, 

.•amboy; denen weniger zu diffidiren, aber doch auch völlig E. Ch. D. 

lalber nicht zu trauen, seind der v. Enkcfort und der v. Vehlen. 

Unt er diesen allen aber wtlrde ich die wenigste Sorge vor dem 

ehlen haben, insonderheit mllsste man dahin trachten, dass, 

II die Majora auf ihn falleu sollteu, (wie ich doch nicht glaube, 

es geschehen wird), man ihm das Amt Scharenbeck nicht ablö- 

sel0^ sondern deoselben dadurch an E. Ch. D. engagiret behielte*). 

Das allerbeste aber wird sein, einen ganz fremden zu nehmen und zu 

Anbngs nur auf ein oder meist zwei Jahr zu bestellen. — 

Hiemächßt habe E. Ch, D, ich gehorsamst zu berichten, dass 
aller Apparenz nach (maassen ich dann nimmer anders geglauhet) 
L r. D. zu Simmern Sache gut werden wird. Im Reichshofrath sein 
alle Vota unanimia gewesen, und hat man gemeinet, L Kais. Maj. vor- 
Jiüstellen, dass auf solche Weise Sie nimmer der Reichsstilnde Affection 
auf «ich bringen, sondern sie extreme disgustiren würden; indem Sie 
tis dahero getrachtet hatten, aus Ihren Erblanden viele zu Keicbsfür- 
iten und Grafen zu befördern, die doch nur Landstände gewest wa- 
ren; das bfitteu die Keichsstände zum Theil. auch geschehen lassen; 
^Äfln mau aber nun die alte Reichsstände, wie L t D* der Pfalzgrafe 
«HBtrcitig wäre, zu Landis^tfinden machen und aus ihrer Possession, 
»««ssen bishero versuchet wäre, setzen wollte, so würde es nicht weit 
^00 einem neuen Aufstand sein. Also dass numehr L Ch. D. zu Pfalz 
werden Ursache zu wtlnschen haben, Sie hätten denen Käthen, die 
üwo zu solcher Weitläutt- und Gefährlichkeit gerathen haben, nicht 
gefolget; %veil doch endlich Hecht Recht bleiben muss und demselben 
«Be ehrliche Leute beizupflichten haben, — 

Nach diesem habe E, Ch. D. unterth. antUgen wollen, wasgcstalt 
6it Ober Jahresfrist zwei Deputirte von der Stadt Magdeburg, als 
rin Bürgermeister Gerike und ein ander, Doctor Seile genannt, beim 
£iif. Hofe sich aufgehalten und confirmationem immedietatis, als auch 

ürk. n, ActeuBt IT* p> 18. Y. p.98 tuid über die schlii^sfiliche Wie- 
; des Amtes i. J. 1663 ebendas. p,981. 



280 ^^* ^^' Reichstag an Regensbarg. 

Anweisung der Viertelmeile gesuobet haben *). Nun soll dieser Doctor 
Seile zu seinem Gollega zum öftern gesaget haben, sie werden mit 
dem ersten Petito gar nicht und mit dem zweiten sehr langsam fort- 
kommen, weshalb er bei dem Magistrat daselbst in Diffidenz gerathen 
ist, also dass sie ihn abdanken wollen. Dieser erbeut sieb dahin, 
dass, wann E. Ch. D. ihn zu einem Kath machen und Bestallung ge- 
ben wollen, er derselben treulich dienen und sich gegen die Stadt 
gebrauchen lassen und genugsam weisen wolle, dass es.'^mit ihrer ange- 
gebenen Immunität nichts sei und sie als eine Landstadt E. Ch. D. 
zuschwören und aufm Fall alle oncra des Landes tragen möge. — 

Es ist heute der v. Donep, lippischer Gesandter, bei mir gewe- 
sen und hat diese Anzeig gcthan, dass er sich mit seinem CoUega 
beredet hfttte, und weiln sie beiderseits gerne sehen möchten, dass 
Lippstadt E. Ch. D. verbleiben könnte, und zwar ohne grossen Naeh- 
theil ihres Principalen, also hätten sie sub spe rati diesen Vorsehlag 
thun wollen: 

Abtretung von Lippstadt an das Hans Brandenburg; dagegen Bcleh- 
nuno; des Hauses Lippe mit der Mindensrhen Vogtei Crekc[]f] als Manns- 
Ichcn; sterben die Gnifen zur Lippe aus, s:o fällt das Lehen an Branden- 
burg heim, den Erben aber werden 8000 Mark löthigeu Silbers oder 
04,000 Utb. gezahlt. 



Relation vom ReichstÄg. ' Dat. Rogensburg 15/25. Aug. 1653. 

|l)io ordinäre UeicIiHdoputation und ihre Koformation. Majorität bei Reichs- 
stoueru. Dun Reichskammerfccricht. Der Rcichshofrath.] 

25. Aug. Die matcriae politicae werden nun nüchiütens zur Consultation kom- 

men. Für einige Punkte fehlt da den Gesandten norh nähere Instruction. 

1) Die nothwenilij^ce Vennehrung der ordinären Keiohsdeputatiou. 
Die Gesandten schlagen vor, ti.iss als Ausgleichung für die neue katho- 
lisfhe (bairische) Stinnne im Kurlürstcnrjih ein evangelisches Votum im 
Für^tenrath hinzugefügt wird und zwar Magdeburg; für denselben schlagen 
sie ferner vor noch je eine Stimme uns den evangelischen Hänsern Pfalz, 
Sachsen und Brandenburg, ferner Meckelnburg oder Würtenberg 
und Anhalt und eine Stimme aus den Wetterauischen Grafen, wodurch 
die Parität der Bekenntnis^e erreicht und statt 1*0 Deputirte künftifj HO sein 
sein würden. Lässt m;in noch einen von der geistlichen üank zu, so 
können von obigen auch UvUlv, Wünenberg und Anhalt, dazu gelan- 
gen; so dass dann von den evangeli>chen fin>tllehen Häusern nur Sachsen- 
liaucnburg und Holstein nicht in der Deputation sein würden. 

2) In niateria collcctarum wiederholen die Gesandten den früheren 

*) Rathmann, Gesch. der SUdt Magdeburg IV. 2. p. 206 ff. 



BeTorsteltende ßeiehstagsgeschäfte Waldeck inissKnrrieden, 281 

chlag ^ob die majora aUdann gültig sein könntcD, wann V» oder Vt 
m 'ganzen ftirstlicheD Colle^^ii sich vereinigten*, 

3) Verlegung des Kii m merger ich ts von Speicr au eiuori beijuemcrM 
>Tt; Speier will das Kapimergerieht gern los sein »ud andere Städte es 
liebt gern aufnehmen; es ist die Rede von Priedberg in der WeUeraa 
"üDd von HatiaQ. 

4) Visitation des Kais. Reichshofrathes. 

Resolution des Kiirfürsteo dat Cüstrin 22. Ang. 1653. I.Sept 

Die Vorschläge der Gesandten werden apprnljirt. In He3(ug auf das 

Kiuumergenrht wird das Verllcibcii in öpeier gewunseht. 

Die Deputation der clevischen Stande ist böehlich zu mii^Kbilligeu, die 

Cre^andten sollen i^ie genau im Aoge bebalten. 



Graf Waldeck an den Kurfürsten. Dat. Arulsen 
16. Aug. 1653. 

(Coue. eigeDh. Arols. Arch.) 
[Kltge über die jetzige Füliraog der bratitlenbiirgiächeu Politik, Der Kurfürst 
iiolirt« VerSMumutäs der Gelegenheit sich au die Spitze der Kleineren im Reich 
inalelleD; Veraäümuias des Directoriura EviiDgelicorum, Grosse Misszufrieden- 
heit Waldeck* 8. ungünstige Urtheile über den Kurfürsten im Reich,] 

Wie begierig ich bin, E. Ch. D. Dienst zu befördern und einige S6. Aug. 
Zeichen meiner Treu an den Tag zu geben, so wenig Gelegenheit 
kann icb darzu bekooimen; dann d^i ich gehofft, bei meiner Anwe- 
seaheit in diesen Quartieren etwas zu bunnen verrichten, so bleibt der 
voa E. Ch, D. vertröstete Befehl aus. und ohne selbigen etwas vor- 
iimehmen, schreckt mich ab, dass weine Verrichtung von E. Ch* D. 
widersprachen werden möchte und ich in Scbad nud Öchiuipf gera- 
ihen: wie auch die Vertröstung, so der Herr v. Blume uthal in einem < 
Schreiben an mich gibt, dass seiner Meinung nach zu End des Reichs- 

E. Ch. D. in dero Begehren von Kais. Maj. ein Genügen ge- 
fCbehen werde* Welches, wann es hernach nicht geschehen sollte 
lad E. Ch. D. solche Wege, so zwar Gott gefällig, E. Ch. D. rtlhni- 
lich und zu Sicherheit dero Staats, auch Erlangung Ihrer Begehren 
diealich, an Hand genommen, man solches zur Entschuldigung neh- 
men und mir als einem Anstifter solches zwar heilsamen, aber denen, 
10 E. Ch, D. Aufnehmen, Hoheit, .Sicherheit tler Religion und was 
daran hängt, ohnannehmlichcs W^erks zumessen, aus den wohlriechen- 
den und köstlichen Blumen, wie die Spinnen, Gift saugen und bei 
E, Ch* D. mich in Ohngnaden bringen möchte. 

Dasa also mit Geduld ansehen muss, dass E. Ch, D, wie mehr 
und mehr allein gestellt und nicht, wie es in Wahrheit längst und 



282 ^^* ^^^ Reichstag xa Regensbarfi^. 

besser ins Werk zu riehten gewesen, die Geringen an sieh ziehen und 
durch deren Knlfte E. Cli. I). Ihre verstärken. Was vor ein Maeht bei 
der Wahl E. Ch. I). benommen, da Sie nach Ihrem Willen das Werk 
führen konnten, ehe die Zeit und, ob gewählt werden sollte, festge- 
stellt, welches durch die Majora nicht konnte geschlossen, sondern 
durch einmUthigen Schluss resolvirt werden niusste, wissen E. Ch. D. 
Was Kräfte Sie verloren, dass die Gelegenheit, das Direetorium der 
Evangelischen an E. Ch. 1). (wie Sie vermochten) zu bringen, welches 
Chur Sachsen aus Zusprechen der ....') au sich genommen, ver- 
säumt, wenlen Sie empfinden. 

Sollte nun durch eine anderwärtige Zusammensetzung bei den 
Benachbarten solchem nicht remediret werden, ho beklag ich den Zu- 
stand E. Ch. D., welche in Ihrer Hand haben, mächtiger sieh zu ma- 
chen, als nie kein Churfllrst gewesen. Dass E. Ch. D. bessere Mittel 
vielleicht wissen werden, dero hochberUhmte Ambition zu vollthun, 
will ich nicht zweifeln, aber aus unterthäniger gehorsamer Treu er- 
innere ich, was ich in meiner P^infalt sehe. 

Ich finde alle, damit ich rede, dass sie ganz andere Opinionen 
von E. Ch. D. Intention haben, als ich versichert bin, dass sie E. Ch. D. 
beiwohnet, und kann das auf meine Seligkeit versichern, dass die 
meisten, die ihre Sicherheit grössten Theils auf E. Ch. D. wollen grün- 
den, wie I. f. Gn. Landgraf W Um*), bei welchem ich auf der Jagd 
gewesen, solches bezeugten. 

Ich muss mich begnügen in Wünschen fortzufahren. Bitte Gott 
von Herzen, E. Ch. I). zu regieren, dass Sie die grosse Macht, so er 
fleroselben gegeben, gebrauchen zu Erweitening und Erhaltung der 
evangelischen I^ehr, zu Versicherung der deutschen Freiheit, Ausbrei- 
tung E. Ch. D. Lobs und Beschtttzung bedrängter und elender Chri- 
sten. Wie Gott keine gute Intention ohngesegnet lUsst, so weiss ich 
gewiss, dass er meinen Wunsch erhören, E. Ch. D. mein Herz wird 
erkennen, meine wolmeinende Gedanken begreifen machen und 
schicken, dass ich gleich als der verachtetste Wurm, so doch zum 
Fischfängen gebraucht werden kann, von E. Ch. D. «luch gleich als 
ein armes (teschöpf der Erden zu Erlangung dero vornehmen Vorha- 
ben gebraucht und in beständiger Treu mit Hintansetzung Guts und 
Bluts erfunden werden möge etc. 

'i Unlesorlich; wol: der Kvangeliscbeii , uüor dur Magduburgischan (welche 
dietic VorhandluDg mit Kiirsacbscii butriebuii hatten); s. Pf an nur p. 388. 
*) Landgraf Wilholm von Hcsseu-Kasael, der Schwager dos Kurfürsten. 



Wsldeck. Earfiirsten und Fürsteupartei. Die Reichsdepatation. 283 

^lumenthal an Schwerin. Dat. [Regensbnrg] 1. Sept. 1653. 

^"^utikupfuratliche Tendenzen auf dem Reichstag. Der Streit über die Depnta- 

^OüBtage; znr Geschichte dieses Instituts; Darlegung der Streitfrage. Ausbleiben 

der nöthigen Resolutionen aus Berlin. Ansicht Blumenthal's.] 

Ich habe Sein Schreiben vom 22. Aug. aus CUstrin wol empfan- 11. Sept. 
^en. Meine Frau ist vor 4 Tagen alhier ankommen und hat's bei 
^tijr eine Anzeig, als hätte sie mir das Podagra zubracht. 

Wie es hier zugeht, werden Sie aus der Kolation und meinem 
Sehreiben abnehmen. HerrSalvius soll gesagt haben, zu Osnabrttck 
tnachte man den Anfang zur Aenderung im Reich, beim ersten Reichs- 
tag aber mttsste man das ganze Haus übern Hauten werfen, und in- 
Bonderheit der ChurfÜrsten Autorität. Jetzo, scheiufs, wolle der An- 
fang dazu gemachet werden, unterm Schein einer guten Wolmeinung. 
Die Sache ist schwer und wichtig, und möchte ich wünschen, ich wäre 
eine Stande aldar und könnte S. Ch. D. und die Räthe recht infor- 
miren; dann die Sache ist sehr scheinbar; aber wann man unmögliche 
Mittel vorschlägt, so scheinet, ob suche man das Yorgeschiageue nicht, 
Bondem was anders. A. 1555 ist mit Beliebung ChurfÜrsten und Stände 
eme fieichsdoputation gemacht, zu welcher gewisse Stände sein nomi- 
niret worden '). A. 1559 ist dieselbe vermehret und 1570 perpetuir- 
lich gemacht worden: bei welcher mau die Sachen, derer periculum 
in mora bestanden, abthun sollen, als pacifragia, Einfälle, Defensions- 
ond dergleichen Dinge. Hernach sein Justizsachen, Münz- und Poli- 
zeidinge betreffend dazu kommen. Dieser Deputatorum Numerus ist 
ungleich ratione personarum utriusque religionis gewesen; in Instru- 
mento Pacis ist festgestellet, dass der Numerus soll ex utraque reli- 
gione ratione subjectorum purificiret werden. Nun haben bei solcher 
Deputation die Herren ChurfÜrsten alstets ihr Collegiuni gehabt und 
coriatim votiret', jetzo nun, da 4 katholische und ;^ evangelische Chur- 
ftrgten sein, so wollen die Herren Fürsten und Grafen, man sollte 
beide CoUegia in eines bringen und nicht collegialiter, sondern viritim 
conjungiren. Die HeiTen ChurfÜrsten meinen, das sei gegen ihre 
Präeminenz und Observantiam. Die Herren Fürsten sagen, vor die- 
sem seien Chur- und Fürsten eins gewesen und sei sonsten, wo 
^ Churf. Collegium bleiben und sich nicht mit ihnen conjungiren, 
I noch viritim votiren wolle (also dass, wann ein schwäbischer Graf die 



') Vergl. ürk. u. Actenst. I. p. 793 ff. und über die Bedeutung der Ange- 
legenheit auf diesem Reichstag Graf Waldek p. 108 ff. — Die Verhandlung 
über die Geschäftsordnung der Deputationstage war eben in diesen Wochen be- 
gonnen worden; s. v. Meiern I. p. 409 ff. 470 ff. 



2g4 ^^' ^^^ Beicbstag za Regensbnrg. 

churfttrstlichen und forstlichen Vota paria findet, er die Majora machen 
und schliessen könnte) keine Paritas zu machen; dann der katholi- 
schen Churfttrsten seind 4, und der evangelischen nur 3, und also 7 
nicht können gerad werden. 

Nun schlagen sie zwar Media vor, als entweder dass ein evan- 
gelischer ChurfUrst solle zwei Vota alternative haben, so die Katho- 
lische nimmer nachgeben werden; oder ein Katholischer soll alterna> 
tive nicht votiren, so keiner unter ihnen willigen wird. Also das» 
>vir in extremis sein; die Churfürstlichen, pro salvanda praeeminentia, 
sagen, man solle in wichtigen Sachen keine Majora zwischen 4 und. 
3 machen, sondern so lang umfragen, bis man per modum inductionis 
einig wäre. Womit die Fürsten nicht zufrieden sein. Bremen *), Haus 
Sachsen und Braunschweig seind die härtesten und meinen, man solle 
nicht so hoch auf sieben Kerle sehen. 

Von Berlin haben wir deshalb keine Instruction, kriegen auch 
keine Befehlig auf die wichtigste Sachen, so sie, die Herren brandeo- 
burgischen sämmtlichen Gesandten, oder ich referire. Wir haben aus- 
gezeichnet 38 Sachen, darüber wir keinen Befehl erhalten. Wann es 
Herrn Wesenbecken auch also ergangen ist, so ist er doppelt un- 
schuldig. Wann ich Churfttrst wäre, so wollte ich's im obigen Streit 
bei dem alten lassen, bis man sich eines solchen Mittels ratione pa- 
rificationis utriusqiie religionis im Churf. Colleg würde verglichen, 
wodurch ich Churfflrst bliebe und die geringere mir nicht in die 
Haar nisteten. 

Blumen thal an den Kurfürsten. Dat. Regensbui'g 
1. Sept. 1653. 

[Audienz beim Kaiser. Die liolländische AUiauco ; der Krieg zwischen den Ge- 
ueralätaalcn und England. Die Jülich -clevische Ständedeputation. Der Streit 
über die Geschäftsordnung der Reichsdeputationstage. Spannung zwischen Kur- 
fürsten und Fürsten daniber. Vorschlag einer Periodicität der Reichstage ; Vor- 
schläge der fürstlichen Partei.] 

Sept. Gestern habe ich bei I. Kais. Maj. Audienz gehabt und habe fol- 

gende Puncta proponiret: erstlich dass der Herzog von Neuburg E. 
Ch. D. zu viel gethan, dass er solchen ungegrüudeten Bericht I. Kais. 
Maj. gethan wegen der holländischen Alliance, mit Anziehung, wie 
weit E. Ch. D. solche Ihrem statui dienlich funden und dazu vigore 
Instr. Pac. befugt wären, und dass I. Kais. Maj. dem Herzog keinen 



^) D. h. natürlich Bremen-Schweden. 



Keine Inslxactioii aus BerliD. Audienz beim Kaiser. 285 

Blauben hätten sollen beimessen, ehender uns davon Comnmnication 
a^eschehen; und habe E. Ch. D. Schreiben selbst eingeliefert*). 

Sie antworteten hierauf, dass Sie es nicht wol auf solche Art, 
mis es angebracht worden, glauben können, sondern es mehr vor einen 
Ruf (wie die Wort lauteten) gehalten, aber doch weniger nicht thun 
«önnen; wären sonsten mit der von mir gethaner Erklärung wol zu- 
rrieden und wollten den Brief verlesen und E. Ch. D. antworten. 
Bagten, Sie hätten ungern gehöret, dass die Staaten in dem letzten 
Treffen so grossen Schaden gelitten*). Ich sagte, der Schade wäre 
Kwar gross, aber bei weitem so gross nicht, als der Engelländer, und 
dass meines geringen Ermessens alle Potentaten auf diese Sache Re- 
flexion zu führen hätten, in Betrachtung wann diese beide Republiquen 
^gen die souveräne Herrn sich vereinigen sollten, keiner denselben 
l^astant sein würde. 

2do habe I. Maj. ich angczeiget, dass einige unterm Namen Gülich, 
Cleve und incorporirter Stände Üeputirte hier wären und allerhand 
Sachen zu suchen Vorhabens wären'). Nun hätten sie sich zwar bei 
uns auch angegeben und grosse Sinceration gethan, nichts wider und 
gegen beide possidircnde Herrn, viel weniger gegen E. Ch. D. zu solli- 
citiren; weiln ich aber billig hierunter vigiliren niUsste, als bfite I. Kais. 
Maj. ich, uns alles zu communiciren und nichts zu resoUiren, ehe und 
be?or E. Ch. D. darüber vernommen wären. Worzu I. Kais. Maj. sich 
auch erboten. Ich habe länger als drei Viertelstunden I. Maj. infor- 
niiret, was dieses vor humcurs wären, was E. Ch. 1). ihi\en all ge- 
williget hätten, was vor Zusagen dagegen geschehen, und dass itzo 
alles bei ihnen stünde. E. Ch. D. hatten den Fürsten von Nassau 
geschickt, sich mit ihnen völlig zu vergleichen, und dass, wann sie 
Melten, was versprochen worden, der Vergleich in einem Tage ge- 
sehen könnte. 

Insonderheit habe ich dem Kaiser berichtet, was sie wegen Lipp- 
stadt vor ungereimte Dinge suchen, und insonderheit, dass sie prä- 
tendireten, selber coUectas anzuschlagen und zwar auf E. Ch. Ü. eigene 
Unterthanen; hergegen E. Ch. Ü. nicht gcstiitten, eine einzige Besatzung 
alda zu verpflegen. 

Sobald ich aus der Audienz kam, wurden sie hineingelassen, 
weiln sie schon eine grosse halbe Stunde vor meiner Ankunft in der 
Anticamera gewartet hatten. 

>) Vgl. ürk. u. Actenst. IV. p. 96 ff. 

*) Die Seeschlacht bei SchcveiHng:!^ xwisch<>n Niederländorn nii<l Knprläiidern 
am 10. Aagatt 1653. 

•) Vergl. oben p. 265. 277. 



286 ^^' ^^^ Reichstag zu Regensbnrg. 

3) Knipfohlung der Jägorndorfer und Schlcsischen Sache des Kurflir- 
ston. Der Kaiser behauptet, das Recht habe allein an der ausgestorbenen 
Jügerndorfer Linie gehaftet; welchem Blumenthal widerspricht. 

Hier ist itzo ein grosser Allarm zwischen dem Churfürstlichen und 
fürstlichen CoUegio. Diese bestehen darauf, dass, wann es zu einer 
Reichsdeputation kommen soll, man nicht collcgialiter, sondern viri- 
tim concludiren und also die ChurfUrsten nicht alda als ein Collegium, 
sondern als septeni personae erscheinen und ihr Schluss nicht vor einen 
CoUegialschluss, mit dem das fürstliche Collegium sich hernach, wann 
die Sachen gnugsam werden überleget sein, zu vergleichen habe, ge- 
halten, sondern die vota viritim geftthret werden sollten. Die Chur- 
fUrsten sorgen, dass, wann dies einmal auf einem Deputationstag werde 
gewilliget sein, es hernach auf einem Reichstag auch möchte gesuchet 
werden wollen; wodurch der löblichsten Herren ChurfUrsten Präemi- 
nenz auf einmal fallen werde. Hergegen sagen sie auch viel gutes 
Dinges wiederum, nämlich, dass sie sorgen, weiln im Churfttrstenrath 
4 katholische und nur 3 evangelische ChurfUrsten sein, es mochte 
dem ChurflirstencoUegio selber etwas zu Nachtheil per m<\jora ge- 
schlossen werden. — Die Chursächsische meinen, es werde von denen 
fllrstlichen hierunter viel Nachtheiliges gegen und wider die ChurfUr- 
sten gesuchet und meinen, man solle es bei dem Herkommen verblei- 
ben lassen, weiln alle mutationes periculosae gehalten werden können. 
Wer diejenige sein, so am härtesten wider die ChurfUrsten votiren, 
werden E. Ch. I). aus der Relation einsehen können'). 

Ich glaube, es werde aus diesem Handel viel böses entstehen, 
und wUsste wol, wie allem diesem Unheil zu begegnen wäre, nämlich 
wann der Kaiser sich erklärete, dass er alle 2 Jahr einen Reichstag 
halten wollte, ^lit nächstem werden £. Ch. D. ein mehrers Licht 
kriegen. 

P. S. Ich möchte von Herzen wünschen, dass ein recht Mittel 
möchte gefunden werden, diesen Streit zwischen den ChurfUrsten und 
Fürsten zu vergleichen. Dann die Fürsten fangen an, sehr hart gegen 
die ChurfUrsten und ihre Autorität zu reden und thun gleichwol Vor- 
schläge rationc parificationis votorum auf den Reiehsdeputationen, die 
sieh hören lassen; nämlich dass alternative ein katholischer ChurfUrst 
nicht votiren dürfte; 2do «lass ein evangelischer alternative; 2 Vota 
hätte. Ich sorge aber, das letzte werden wir nicht erhalten, und das 
erste werden die katholische ChurfUrsten nicht eingehen. — 

') Vergl oben in dem firier an 8 ch worin p. 2K4; die orficiellu Relation 
wiederholt im wenentlicben, nur weitlauliger, da« in diuB<*n beiden wehr privaten 
bchriMhvn (Jcuagte. 



Biyslitat swisohen Kurfürsten und Fürsten. Varia. 287 

Resolution des Karfürsteu dat. Cüstrin 12/22. Sept. 1653. — 22. Sept. 
Die Zoinuthung der FürKten ist im Interesse der cliurf. Präeniinenz unbe- 
dingt abzuweiben. 



Jiluinenthal an den Kurfürsten. Dat. KcgiMisbnrg 
4/14. Sept. 1653. 

[Beschwerde Schwedens über die Wuhlcapitulation. Gruf Ktirtz. Variu.] 

Bittet dringend um Instruction in der Streits^ache zwiseben Cliurlürsten 14. Sept. 
und Fürsten. 

Die schwedischen Herrn Gesandte seind sehr Übel zufrieden, 
dass der §. wegen Hinterponmiem in die König). Capitulation mitge- 
setzet worden und sagen, I. Kon. Maj. hätten sich dessen zu E. Ch. D. 
nicht yersehen. Nun ist solches geschehen hier zu Kegensburg und 
ehe ich noch nach Augsburg kommen; nun aber wird wol sehr auf 
dessen Annullirung gedrungen werden. 

Der Herr Graf Kurtz hat schon zweimal hergeschickt und Nach- 
richt begehrt, ob und wann er seine Komermonnt bekommen sollte. 
Wir haben in unser schlesischen Schuld etwas mehr Vertröstung. 
Ich fbrehte aber sehr, dass, woferne wir dieses Kad nicht schmieren, 
10 werden wir uns selbsten schaden .... <iann die andern weisen 
wenig Freundschaft. 

Der Graf V. Schwartzeuberg wird Oberster Cammercr und der 
Graf T. Wallenstein Obersthofmeister werden; jener thate wol gerne 
riel, wenn es noch zur Zeit in seinen Machten wäre. 

Mich jammert wol herzlich des guten Königes in Engeland; es 
acbeinety dass ihm niemand helfen will. 

Frankreich, hoffen theils alhier, werde sich wieder mit Holland 
vereinigen. 

lielutioii vom Reichstag. Dat. Kcgensbnrg 5/15. Sept. IßoIJ. 

[U%r Streit über die Ileicbsdeputatiou. Das brundeuburgischu Votum. Debatte.] 

Bei der Re- und Correhition um 2,12. liuj. hatte die [iiatholi^c•^leJ Ma- lü- 'Sept. 

jorität des Fürstenrnthcs unter gewishcn Bedingungen uiil' die Vereinigung 
der beiden Collegien beim Keiehi»deputation.<t;ig um! Virilabstimmung ver- 
zichtet; auch darein gewilligt, duss in Bewilligung der Reiehssteuern (cui- 
lertae) die Majorität ohne Unterschied gelten sollte. 

Die ETangelischcu im Fürstcnrath haben aber mit einer besondern 
Schrift protestirt und erklärt, „dass sie sieh weder der Parität ratione re- 
ligionis im Churfürstcnrath begeben, noch die mnjora in i-ollectis volunta- 
riis gelteu lassen könuteu^ — n^uich um nich ko viel meiir zu verwaliren^ 



288 ^' ^^^ Reichstag za Begensborg. 

gewisse Depntirte gemachet uQd an alle eyangelisehe Charfürsten gescbicket, 
um ilineu darunter zu assistiren^. — Bei den brandenburgischen Gesandten 
erscheinen die von Culmbach und Ansbach und stellen vor, dass man we- 
nigstens ein Temperament finden müsse, damit die katholische Majorität des 
Fürstenrathes der evangelischen Sache nicht zu Schaden gedeiht. 

Nachdem wir nun nach gehaltener Relation am 2/12. Sept. im 
Churf. Collegio darüber zur Deliberation kommen, haben wir uns dieses 
auch bester Maassen lassen befohlen sein. Weil man aber gleichwol 
nicht rathsam befinden können, dass sich das Churf. CoUegium mit 
dem flirstlichen conjungiren und die Vota viritim führen sollte, an- 
gesehen die Churfllrsten dadurch den Fürsten würden gleichsam gleich 
gemachet werden und derselben Vota nicht allein ein mehrers nicht 
gelten als eines Fürsten oder einer Stadt Votum, sondern gar der 
übrigen auch geringsten Stadt Syndicatur unterworfen sein; dahinge- 
gen sonst, wann man collegialiter deliberirt .... der 7 Churfllrsten 
Vota so viel gelten als aller Fürsten, so über 80 Vota haben ; und ob 
zwar bei den Deputationibus nicht alle Fürsten erscheinen ^ so seind 
dennoch ihrer .weit mehr dann der Churfttrsten und mit den Städten 
über 20 . . .; weil man augenscheinlich verspüret, dass die Fürsten 
grossenthcils dahin zielen, wie die Churf. Autorität möge beschnitten 
und sie so viel möglich den Fürsten gleich gemachet werden; auch 
keiner von den katholischen Churf ürsten (weil von Anfang hero, da 
die Deputationes zuerst angeordnet worden, alle Churfttrsten denselben 
beigewohnet und sie auch der Meinung sein, dass die Churfttrsten den 
Deputationibus nicht als Deputat! , sondern jure electorali beiwohnen) 
von den Deputationibus sich ausschliessen lassen wollen: als haben 
wir unser erstes Votum dahin repetiret, dass man zwar nicht sehe, 
wie ratione personarum im Churf. Collegio die paritas angeführt wer- 
den könnte, man wollte dann nonum Electoratum aufrichten .... weil 
aber gleichwol das Instr. Pac. die Parität indistincte erforderte, so 
fänden wir kein ander Medium, als dass in casum discrepantiae, wann 
die evangelische und katholische Churfttrsten zweierlei Meinung wären, 
die majora auch in politicis ausser den Fällen, die im Instr. Pac. ent- 
halten sein, nicht gelten müssten, oder aber dass eines evangelischen 
Churfttrsten Votum uf Deputationtägen vor zween müsste gerechnet 
werden, und dass darin die evangelische Churfttrsten unter sich alter- 
niren sollten. 

Debatte darüber; besonders Baiern spricht dagegen; die Brandeubarger 
bestehen besonders auf dem ersten Vorschlag^ dass im Discrepanzfall die 
majura in politicis nicht «gelten sollen. 

Worauf auch das Conclusum endlich dabin gemacht ward, daaa 



Die Eeichsdeputatiön. Die Reichsstätite. Knrföriten tind Porsten. 289 

dieser Vorschlag dem Flirstenratbc sollte rcferiret werden, jedoch mit 

B etwas fiestrietion; nämlich auf die casus, worin nach Ausweisung des 

l]ifftr. Pac. die majora nicht gelten. Ww werden aber nicht unter- 

Imaaeai .... nochmals zu sucbeui dass es etwas mehr extendiret und 

espliciret w^erden möge. ^ 

^^—^ lUumenthal an den Kurfiirsteii. Dat. Regensburg 
^m 18. Sept. 1653. 

Vf Andprach der Ueichfistiidte auf ein besatiüeres Callej^iunL EeicbstagSBCene ; 
^^e streb 00 gen der antero Staude gegen die Kurfürsten, Di« RöinormoDal© vom 
Kaiser gescbeukt; Graf Kiirtz, Ilühes AnselieD des Fürslea Aaersberg.] 

»Die Reichsstädte dringen tumblässig auf ihren Ansfiruch, al« beson* 18. Sept 
-^eres Colleg neben dpiu kurfiirstUchpn nnd dem fürstlirben das Totum de- 
«sivum zu haben. 
Sie haben es zwar anf^ings so hoch nicht gespannet, und wäre 
"^ol gut gewesen, dass ein Cburf. Collegium sich nicht so hart gegen 
_:ihneii gestellt, sondern unsere Vota etwas mehrers attendiret und 
f ihnen die gtltlicbe CommunicatioD verstattet hatte; nachdem aber 
solches nicht geschehen und sie iomittels erfahren haben, dass die 
Herren Flirrten das rhurfürstencuüegium auch gerne zur Deminution 
hriugcu wollten, so werden sie so viel mehr hartnäckig; was dai'aus 
werdcu wird, hat man hie mächst zu ersehen. 

Gestern seind wir bei der Ke- und Conelatiou» da beide Collegia 
in einem Gemach zusammenkommen, gewesen und haben der Städte 
Votum angehuret. Nuq ist der Gebrauch, dass die Fürsten eine Treppe 
höher sitzen als der Boden ist, die Herren Cliurfllrsten aber sitzen 
zwei Steigen höher. Als wir nun den Herren Fürsten unsere Mei- 
nung, nämlich dass die Sache aUioris indaginis wäre, durch den Main- 
zischen Canzler sagen lasseu und sie mitten in dem Saal standen, so 
haben sie fingiret, sie würden es nicht so wol glauben kennen, dass 
diese unsere Meinung wäre, es sei dann Sache, dass wir näher zu 
ihnen kämen. — So seind wir Churfitrstlichen alle zu ihnen getreten 
ganz nahe, nämlich ein Paar Schritt, doch auf unserem erhöheten Ort 
und haben den Mainzischen Canzler reden lassen. Sobald er ausge- 
redet, fing der Salzburgische Director au: es wäre contra der Fürsten 
Reputation, dass wir oben stehen sollten; sie w^ullten nicht antworten, 
wir wären dann erst herunter gestiegen. Weiln nun solches die Chur- 
fürstlichen nicht thuu wollten, so hat man sich wieder niedergesetzt; 
seind also die Churfürsten in ihrer Präeminenz geblieben. In summa, 
es wird nun bald hervorkommen, ob die beide Collegia (wie die Fürsten 
suchen) sich coalescireu wollen oder ob es beim alten bleiben könne. 



r. lur G«sdi. il. Gr, Kurrünl«ii. VI. 



1^ 



290 ^ ^^^ Reichstag zn Begensbarg. 

Sonsten berichte E. Ch. D. ich hiermit unterth., dass mir heiSB^te 
Graf Kurtz die Hoffnung gemacht oder gleichsam die Anzeig gethi^^n 
I. Kais. Maj. wollten E. Ch. D. die Römermonat in der Mark sch^^^, 
ken, und machet er mir auch Vertröstung zu den hinterpommerisch ^^^ 
Das erste wird in der Mark sein 122,000 Rth. und das and ^^2^ 
58,000 Rth. Ich aber kann ihm auf all sein Anhalten wegen ^^der 
16,000 Rth. Römermonat nichts anders sagen als Hoffnung get>en 
womit er aber nicht zufrieden sein will. Ich schwöre zu Gott, A^^ 
ich bishero keinen weiss dieses Orts, der E. Ch. D. so nöthig zu ge- 
winnen und zu conservircn wäre, als dieser Mensch ist. 

Heute haben I.Kais. Maj. den Grafen v. Auersberg zum Reiclis- 
ftlrsten declariret und 30,000 Rth. Renten jährlich assigniret. 

Graf Kurtz hat mir heute sagen lassen, ich sollte nicht so sehr 
klagen, wie ich allenthalben thäte; er hoffe, ich sollte mit billigem 
Contento noch wegkommen. 

P. S. Auch habe berichten sollen, dass, nachdem der Kaise^ 

gestern ausgefahren und sich etwas Übel befunden, heute darauf \0^ 
solviret worden, dass I. Maj. sich nacher Linz erheben wollen; we^^^ 
halb heute die Unterfourriers alle sein vorangeschickt worden. Ob ^^ 
nun Ernst oder dahin angesehen sei, dass die Stände sich sovi^^^ 
ehender zum Schluss disponiren lassen sollen, solches wird die Ze"^-* 
lehren. 

Der Graf Auersberg, oder nunmehr Fürst, wird wie ein Alta'^'j 
davor ein jeder sich bücket, respectiret, und wann er durch den Sa^"J 
gehet, ist kein geringer Bücken als wann der König durchginge. 



26. Sept. Der Kurfürst an Blnnienthal dat. Cüstrin 16/26. Sept 1653. — - 
Die Versuche der Fürsten gegen die karfürstliche Präeminenz sind 8ch».rf 
zu überwachen und nichts davon zuzulassen; in keinem Fall darf es dabJi» 
kommen, dass Fürsten und Städte etwa die Majorität gegen die Kurfürsten 
machen können. 

Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
12/22. Sept. 1653. 

[Die clevisclie Deputation. Varia. Spannung zwischen Kurfürsten undFürst^^^ 
die österreichischen Evangelischen dadurch ohne Schutz gelassen.] 

22. Sept. Was die clevischc Deputirte nebest denen übrigen I. Kati^* 
Maj. eingegeben haben, solches hoffe ich bei der nächsten Post ^^ 
überschicken*). Der Kaiser hat es durch ein Decret dem Reichsh^^^" 

') Vergl ürk. u. Actenst V. p.674ff. 



Varia vom Reichstag. 291 

rath insinairen lassen, mit Befehl sein Gutachten ihm darüber aufs 
eheste einzusehicken. — 

Man saget noch, dass der Kaiser in 14 Tagen von hinnen wolle, 
80 ich aber nicht glauben kann, weil die Discordanz zwischen dem 
Chur- und Fürstencollegio mehr zu- als abnimmt. 

Die Privatdesidcricn des KurfiirstcD sind im alten Stadium; ohne Geld 
(besonders für Graf Kurtz) wird nichts zu erreichen sein. 

Der Herzog von Neuburg hat vor etlichen Tagen wieder her- 
gescbrieben und begehret, E. Gh. D. Gemahlin durchaus keine Con- 
firmation zu geben über Kavensberg. 

Vorgestern ist der gute arme Graf v. Grohnsfeld bei mir ge- 
wesen und hat gebeten, ihn zum Kreisobersten in Westfalen vorzu- 
schlagen; saget dass der v. Rauschenberg schon 11 Vota habe. — 

Die etlichen Evangelischeu Fürsten habe ich angehalten, den 
punctum der Religion in den Erblanden erst und hernach, wann sie 
ja wollten, die Capitulation vorzunehmen. Sie wollen aber nicht, 
sondern sagen, wann sie die Religion erst vornehmen, so würden sie 
sich aller Katholischen Affection berauben. Aber in Capitulations 
Sache werden die Katholische mit ihnen gegen der Herren Churfbrsten 
zu grosse Autorität eiustimmen. Also siehet ein jeder mehr auf das 
Irdische als Himmlische. 

Relation vom Keichstag. Dat. Regeiisburg 15/25. Sept. 1653. 

[Die lothringifichc Abfindung. Vorschliigo zu einer allgemeinen Reichskriegs- 

verfii88iing.] 

Wegen des Herzogen von Lothringen ist das Conclusum per ma- 25. Sept, 
jora [im Kurfttrstenrath] dahin gegangen, dass, weil es uf ein gerin- 
geres nicht zu bringen, ihm die begehrte .•500,000 Rth. uf drei Ter- 
mine zu bezahlen verwilliget werden möchten*); dergestalt dass er 
gegen Auszahlung des ersten Termins, so Martini dieses Jahrs sein 
solle, sofort die einhabende Plfitze quittirc und ferner das Reich nicht 
molestiren solle. 

Und werden E. Ch. D. sich hiebei aus dem Protocolle gnädigst 
referiren lassen, was bei dieser Deliberation wegen einer allgemeinen 
Reichs- oder durchgehenden Kreisverfassung in allen Kreisen im Reiche 
vorgekommen'); weil es davor gehalten werden will, obgleich mit 
dem Herzogen zu Lothringen geschlossen werde, dass dennoch das 
Reich von der auswärtigen Potentaten, so alle in armis sein, Invasion, 

*) Dm bnmdenbnrgische Yotom besteht auf 2<X),0(X) als Maximum (Protokoll). 
*) Das vorhandene Protokoll enthält nur allgemeine Andeutungen. 

19* 



293 ^^* ^^^ Reichstag su Regensburg. 

in spccic aber wegen des Prinzen von Condö, deme die französi- 
schen Armaden folgen möchten, ohne einer Gegenverfassung nicht 
werde gesichert sein. 

Sie haben dies indess nur einstweilcu ad rcfcrcndum genounnen. 



Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg ^i; ocV.** 1653. 

[Dio kirchlichen Verhältuisso in den Reichs- und landsässigen StadtOD. Diffe- 
renz zwischen Hreniun und Schweden.] 

G.Oct. Kirchlichü Angelegenheiten. 1) Die Frage über die Reichsstädte 

mit Bevölkerung von verschiedener Confessiou. Das Instr. Pac. verfligt für 
diese Zulassung heider Coufessionen nach dem Nornialjuhr 1624; die evan- 
gelischen Stände verhiugeu aber, dass dies streng eingehalten, die Zahl 
der geistlichen Personen nicht vermehrt, keine neuen Orden eingeführt, 
keine neuen Stiftungen gemacht werden*); wie z. R. die Städte Kaufbeuern 
und Ravensburg: sich beklii^en, dass bei ihnen Jesuiten und Kapuciner 
eingeführt worden h^ind, die 1()24 nicht dort waren. 

2) Die Frage über das jus refurmandi in den landsässigen Städten. 
Dem Lttudesherrn compecirt zwar nach Instr. Pac. Art. V. §. 12 das jus 
reformandi; aber die evangelischen Stände verlangen, dass auch dabei das 
Xormaljahr 1624 eingehalten werde. 

3) Die Frage über das Verhältniss bei Städten, die unter dem Condo- 
minat mehrerer stehen; abgesehen von den Landesherren und ihrem HofsU'iat 
darf auch da auf Orund des Condominats nichts neues eingeführt werden, 
sondern es gilt auch das Normaljahr. 

Die (fcsandten bitten um Instruction für diese Frnpjen. 

Zwischen der Stadt Bremen (so minniehr a banno Imperii wegen 
des oldenburgischen Zolles gänzlicli absolvirct ist) und der Königin 
in Schweden dürfte es zur gänzlichen Kuptur gelangen, indem die 
alhie anwesende künigl. schwedische Gesandte sich deutlich verneh- 
men lassen, dass sie dio Stadt haben mttssten, es möchte auch geben 
wie es wollte. Der Status controversiae, wie £. Ch. D. ohne dem be- 
kannt ist, bestehet daruf, ob die Stadt Bremen eine inimediate Keichs- 
Stadt, oder aber Municipnlstadt, zum Erzbischofthum Bremen gehörig, 
sei*). ... Es ist diese Sache von grosser Iniportanz und Nachdenken, 
sintemal, wann die Schwedische Meister von dieser Stadt würden, 
sie sowol in dem westflllischen als niedersächsischen Kreise ein gross 
Vortheil erlangen, und wann in dem Instr. Pac. der Stadt nicht der 

■) Builogo: Gründe der EvangoliacheD wanmi in den civitates mixtao keine 
neuen Orden eingeführt werden dürfen. 

*) Vergl. di« hierAber g«weohielten Str«ittchrifteD bei v. Meiern I. 506 ff. 
7JKJ. Uli fL 



\ 



Kirohlichei. Brandenburg nnd Bremen. 293 

praesens Status and also auch die declaratoria sententia de a« 1646, 
oder zum wenigsten der Stand, als sie sich eo tempore geriret haben, 
csonfirmiret wäre, welches sich doch auch disputireu lasset, so möchte 
xlire Immedietät wol nicht uf so gar gutem Grund bestehen. — Haben 

also Yor nöthig befunden, £. Ch. D. gnäd. Befehl und Resolu- 

-ftjon, wie wir uns bei so zweifelhaftiger und gefährlicher Sache yer- 
laalten sollen, zu erholen. 

Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. L)at. Colin a. Sp. 

9. Oct. 1653. 

[^^ircheniache in den Städten. Bremische Angelegenheit; bedenkliche Aehnlich- 
keit mit der von Magdeburg.] 

In der ersten Frage über dje civitates mixtae sollen sie sich den an- 19. Oct 
c^ern eyangeliscben Ständen anschliessen und sich der Städte Kaufbeuern 
miMnd Rayensborg annehmen. Die zweite Forderung in Bezug auf die land- 
Aussigen Städte ist dagegen nicht zu bewilligen; denn diese heisst nichts 
«andres als das den Landesherren zugestandene jus reformaudi einfach auf- 
'Kleben. In der dritten Frage verweist der Kurfürst auf das Instr. Pac. 

Die Bremische Sach kommet Uns etwas gefährlich vor, wiewol 
"Wir von Stade berichtet werden, dass dieselbe sich zum Vergleich 
auilasse. Es lasset sich zwar wol hören, was beide Theile gegen ein- 
s^oder anf&hren, und wollten Wir dannenhero aus den von Euch an- 
S^fUiften, auch von der Stadt Abgeordneten Uns notificirtcn Motiven 
^iDd Ursachen gnäd. geschehen lassen, dass Ihr in dieser Sach Unser 
A^otom also f&hret, dass selbige Stadt secundum Instr. Pac. und an- 
derer von ihr gef&hrter Beweisthum halber bei ihrer Possession vel 
quasi libertatis so lang zu manuteniren, bis ein anders in petitorio 
erkannt und ausgef&hret worden: weil es Uns aber vorkömmt, sammt 
^irc diese Sach der Unserigen mit der Stadt Magdeburg nicht unähn- 
lich, wollet Ihr noch zur Zeit darmit innen halten und Euere Gedan- 
ken hierflber eröffnen^), auch mit des Herrn Administratoris Abge- 
Ntndten hier aus communiciren, damit Uns nicht präjudicirt werden 
n»öge. — 

Die Session auf der Fürstenbank für die säcularisirten Stifter ist eifrig 
'Q orgiren. 



i 



') Diei erfolgt in einem F. S. dat. 14/24. Oct. , worin die Gesandten die 
Heimlichkeit der Verhältnisse zwischen Bremen als anerkannter Reichestadt 
und Magdeburg, welches dies offenkandig nie gewesen, in Abrede stellen. 
^^L über die Stellung Brandenburgs za dieser Bremer Angelegenheit Graf 
Wtldeck p.l66; 207. 



294 ^- ^^^ ReiehBtag zu Begeosburg. 

Relation vom Reichstag. Dat. Regensburg 29. Sept. 1653. P. S. 

[BeichskammergerichtsangelegenheiteD.] 

9.0ct. Ueber Angelegenheiten des Reicbskammergericbts zu Speier; beson- 
ders über die Restanten, welche für dasselbe noch ausstehen and deren 
Zahlung mehrfach von den Betreffenden geweigert wird. Dann die Erhö- 
hung der Qehalte der Beisitzer; der Kurfürst hatte erklärt, er habe nichts 
dawider, wofern die Stände nur nicht höher dadurch gravirt würden. Wo- 
her aber dann die Erhöhung nehmen? • 

Nun ist zwar geredet worden von Anlag der neuen Fürsten und 
der Reichsritterschaft, item von der Juden Capitation und Aufrich- 
tung neuer oder Verhöhung einiger alten Zoll; bishero aber haben 
solche Media, die auch bei der Deputation zu Frankfurt a. 1644 in 
Vorschlag kommen, nicht angenommen werden können und steht also 
zu E. Ch. D. gnäd. Nachdenken, wie wfiv uns ratione mediorum pro 
eonsequendo augmento zu verhalten haben. Dabei wir ferner zu er- 
innern haben, dass das Augmentum bereit bei jüngstem alhie im Jahr 
1641 geschlossenem Reichstage beliebet und es also eine allgemeine 
Sach ist, das Quantum auch, als nämlich vor jeden Beisitzer jährlichs 
1000 Rth., vom Jahr 1044 der Kais. Maj. und den Reiehsständen vor- 
geschlagen und approbiret worden. . . . Und kann dabei wol so viel 
zu Steuer kommen, dass, wann alle Keichsstände ihre Restanten richtig 
bezahlen, noch bei 200,000 Rth. nach Abzug der Salarien übrig blei- 
ben, welche als ein Capital angelegt und daraus ein Theil bezahlt 
werden könnten. 

Freilich aber werden sehr viele Restanten nicht eingehen, da viele 
Stände sich weigern, für Lande zu bezahlen, die sie während des Kriegs 
lange Jahre gar nicht innegehabt. Beiliegend eine Specitication der Kam- 
merzielerrestanten des Kurfürsten; die Summa beläuft sich auf 
47,050 fl. 16 kr., wobei auch die Stadt Hervord mit 346 fl. aufgezählt ist. 



Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten, Dat. Colin a. d. Sp. 

1. Oet. 1653. 

[Deputationstage. Reicbssteuern. Der §. De indaganda\ Conflict der Reichs- 
und Territorialcompetenz. Vechte. Lothringen. Reichskriegsverfassung. Lipp- 
stadt. Der Vorsitz für Pommern an Schweden conccdirt. Commission in cle- 

vischen Kircbeusachen.] 

11. Oet. Resolution auf die letzten Relationen. Es bleibt bei der früheren Wei- 

sung für die Deputationstage: Churfürsten- und Fürstencolleg delibe- 
riren getrennt; die Majorität (pluralitas votorum) gilt aber nicht 1) in Re- 
ligionssachen, 2) in casibus in Instr. Pac. reservatis. In Sachen der 
Reichssteuern muss es dabei bleiben, dass die Minorität keinen Reichs- 



Beichskammergericbt. Die SchaldenredoctioD. Varia. 295 

stand dazu zwingen kann — ^es wäre dann Saeh; dass er in kundbaren 
Nothfallen sich der Reichshülfe entziehen wollte^; es mnss alles auf ami- 
cabilis compositio gestellt werden ^ freilieh mit Ansnahme der ^notorie ne- 
cessariae^. 

Dass in materia solutionis debitorum ein solch Gonclusnm 
könne gemacht werden, welches pro universali regula yel lege sowol 
^anter allen Ständen selbst, als unter eines jeden Standes Unterthanen 
gehalten werden müsste, daran thun wir fast zweifeln; dann was 
I. Kais. Maj. seind in universo, das ist ein jeder Chur- und Fürst in 
seinem territorio, und werden dannenhero weder I. Kais. Maj. noch 
einige St&nde einem dissentirenden Stande oder dessen Unterthanen 
ihre jura quaesita contra mauifesta jura ac aequitatem nehmen kön- 
nen '). Derohalben verbleiben wir dabei, dass Uns und jedem Stande 
frei und offen gelassen verbleibe, in Unscrn und seinen Landen in 
dieser materia solche Verordnung zu machen oder aber mit den Un- 
terthanen Vergleich zu treffen, wie es Unsere und eines Jeden Gele- 
genheit und Staat zulasset und erfordert. Bespectu exterorum aber 
werden Wir Uns nicht eximiren, sondern was in diesem Punkt Uns 
und Unsern Unterthanen in andern Landen wider creditorcs et debi- 
tores wird gut geheissen werden, solches wollen Wir jure retorsionis 
denen exteris auch widerfahren lassen. 

Zu den Geldern für die Evacaation von V echte beizutragen, kann 
dem Kurfürsten nicht zngemuthet werden'); er hat da die Gegenforderung 
für die 4jährige Vorenthaltung von Pommern, wofür das Reich ihm aufkom- 
men müsste. 

Die Abfindung des Herzogs von Lothringen hätte man gewiss viel 
niedriger als 300,000 Rtb. erlangen können, „maassen Wir von des Her- 
zogs Secretario gewisse Nachricht erlanget"; übrigens gedenkt der Kür- 
fdrst ebenso wenig zu dieser Summe etwas beizutragen, aus obigem Gmnde. 

Ueber die in Rede gewesene Generalkriegs Verfassung sollen sie 
aosführlicher berichten. 

Die Lippische Angelegenheit ist so lange hinzuhalten, bis der Reichs- 
tag zu Ende ist. 

Der Königin von Schweden soll für Vorpommern der Vorsitz „bei 
diesem und andern Rcichsconventen" gegönnt werden. 

P. S. Zu der Commission, so in Cle vischen Religions- und Kir- 
chensachen auf Ansuchuug Pfalz-Neuburg Herrrn Joh. Casimir Für- 
sten zu Anhalt aufgetragen worden, können Wir nicht consentiren. 



') Vergl. oben p. 144. 

*) Die im Stift Münster gelegene Festung Vechte hielten die Schweden 
Boeh immer besetzt als Pfand far die ihnen noch von 1648 her restirenden Sa- 
tiiCMtionsgelder. 



296 ^* ^^^ Reichstag zq Rcgensbarg. 

Deswegen wollet Ihr dahin sehen ... dass solche aufgehoben werde. 
Könnte dann Unsere Schwagere, des Herrn Landgrafen von Hes- 
sen Ld. darzu constituiret werden, sollte Uns lieb sein; wo nicht, 
werden Wir Fürst Christianen zu Anhalt vorschlagen; doch wollen 
Wir Eure (redanken hierüber vernehmen. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 
3. Oct. 1653. 

[Geldsachen beim Reich schwer zu erlangen. Die lothringische Satisfaction; 
Unterstützung des Königs von England. Nolhweudigkeit der Bestechungen am 
kaiserlichen Hof. Die westfälische Kreisverfassuug. Aussicht anf Nachkommen- 
schaft der katholischen Markgrafen nicht vorhanden. Grosse Geldbedrängniss 

der Gesandten.] 

13. Oct. Auf eine Entschädigung des Kurfürsten für die 4jäbrige Vorenthaltung 

Pommerns ist wenig zu rechnen. 

So viel ist mir der Status Imperii und der meisten desselben 
Stände inclinatio in re peeuniaria hier bekannt worden, dass, wer 
etwas hohes vom ganzen Reich fordert, wie billig es auch sei, er 
wenig in der Güte belsommen werde. Und ob wol, wie E. Cb. D. 
gnäd. melden, die Polonica und Britannica causa magis justa, pia et 
Imperio magis digna als wie die Lotharingica sei, dennoch dieser 
grosse Summen Geldes und jene nichts versprochen bekommt: so 
kann E. Ch. D. ich wol mit Wahrheit versichern, dass, wann Chur 
Cöln, Trier, Mainz und Pfalz nicht mit solcher Commination und Be- 
dräuung den Vergleich poussirten oder sich gar mit Lothringen ä part 
zu vergleichen oflFentlich heraussagten, wol wenig von dieser Sache 
hätte geschehen werden [sicj; un.d ist das einzige Fundament dieser 
grossen Verwilligung, dass der Herzog von Lothringen saget: si tos 
non feceritis, ego ipse faciam. In solchen Sachen ist nichts anders zu 
thun, als Geld zu geben oder den Lothringer mit Gewalt wegzujagen; 
der Kaiser wäre schuldig das letzte zu thun, so dürften die Stände 
sich nicht so plagen lassen, sondern könnten ihr Geld behalten. Nun 
der es aber zu thun Bedenken trägt, so wäre wol das dienlichste, 
wann die nächstangesessenc Stände sich einer solchen Verfassung 
würden vergleichen können, vermittels deren sie Sicherheit von Frem- 
den und, welches das vornehmste, nach erlangtem solchen Zweck auch 
Securität unter sich haben . . . dürften. 

Der englische Gesandte hat auf BlumenthaTs Rath noch einmal ein 
neues Memorial eingereicht, was nächstens zur Verhandlung kommt. 

Ich habe auch die Nachricht, dass man I. Maj. mit etwas weniges 



Schwierigkeit y. Gelditnl regen beim Reich. Der we^tfäl. KreisUg in Eseen. 207 

wird zTir Hand gehen; wenigst werden die potentiores dahin mit ihren 
votis gehen. 

Wiederholte Empfehlung des Grafen Kurtz und seiner Aogelegeuheit, 
uls des einzigen am Kais. Hof, auf den n)aü rechnen kann. 

Üer Churförst zu Sachsen hat^ wegen daes I. Kais. Maj. ihm seine 
Römermonat an Statt vieler gemachter PrätensioDen nachgelassen, alle 
Kararaerräthe und Secretarien, auch drei geheime Rätbe ansehnlich 
regaliret. Nun wäre das beöser, dass ilieser Gebraueh hier nicht sa 
gewohnlich wäre, aber wer des Feuers bedarf, der muss es in der 
Aschen suelien. E. Ch* D, haben dieses Hofes minidtrorum Affection 
sowol in der Gulischen Process- als vielen andern Sachen, so lange 
e« Friede bleibt, von Köthou. — 

Am vergangenen Sonnabend seind hier Zeitungen kommen, dass 
der V. Rauschenberg per majora zum Kreisobersten »ei vorgeschla- 
gen und angenommen worden *). So viel ich penetriren kann, siebet 
man bei Hofe solche V'ertassung nicht gerne und gibt man dem Her- 
zog voa Nenbnrg Unrecht, dass mit E, Ch. D. er nicht vorhero com- 
mnniciret habe. Er saget, er habe dem Herrn Grafen v, Wittgen- 
stein') alles gesaget; aber dieses hätte an uns oder besser an E. Ch, 
D. geschehen sollen, weiln er wol gewusst, dass der Herr Graf hier 
wegen des Grafenstandes und nicht E, Ch. Ü. halber gewesen ist — 
mit uns aber hat der Herzog die geringste Commutticatiün nicht au- 
gestellet, auch keinen Anlass dazu begehret. 

Wann E. Ch. D. beständig resolviret sein, in dergleichen Verfas- 
simg nicht mit zu treten, so kann keine grössere und bessere Ursache 
ungezogen werden als dass Sie diesen General (weil er kein Kreis- 
»tand ist, auch keine Iramediatgliter hat) nicht haben wollen. Son- 
nten aber, wann die Sache mit dem Herzog von Neuburg ratione 
direetionis könnte vermittelt werden, und ein anderer unpartheiischer 
Oberster, denen Kreisordniingcn genüiss, bestellet wllrde , ... so wUrde 
ich »olche Verfassung mehr nützlich als nachtheilig halten; ...» je- 
doch werden E. Ch. D. Zweifels ohn die Sache schon gnäd. resol- 
^irel haben. 

Der Kaiser hl bettlägerig — man iüpricht von baldiger Abreise; Blti- 
•^«^utlial glaubt nicht dauiiK Hie Sache der österreichischen Evaoge- 
liicheu steht übel; Blume n t ha 1, der pfälKische Gesandte und vielleicht 
^er kör:^jichaieche wollen deu Kaiser in perüönUcher Audienz darin an- 

*) Auf dem westfalischeo Kreistag za Eesen; b, d^n fotgeoden Abschnitt. 
^^ Graf Job auu v. Sayn- VVUgeoetein, Slutthtilter von Miodoo niid R«- 
Teneberg. 



298 ^* ^^^ Reichstag za Begensburg. 

Man hat hier nun bei 4 Wochen stark gpargiret, ab wann die 
katholische Markgräfin*) von 4 Monat schwanger wäre; aber gestern 
habe ich Briefe gelesen, die sie an ihre Schwester, die böhmische 
Oberstcanzlem, schreibet, dass nichts daran sei. 

Wie sonsten E. Gh. D. es weiter mit- dieser Gesandtschaft halten, 
und ob Sie nicht besser halten werden, einige Aenderung zu machen, 
solches wollen wir uuterth. erwarten und dero gnäd. Befehl nachleben. 
Dann ich befinde, dass wir in ganz kurzem grosser Disreputation und 
Nachrede werden unterworfen sein. Bei meiner Anlangung seindSOOORth. 
Schulden hier gewesen; daraufist der Ganzler gestorben und die Schuld 
grösser geworden; nun seind zwar vor Wochen in drei Terminen 
2000 Rth. kommen, aber wir können nicht Schulden bezahlen und zu- 
gleich die Nothdurft baar einkaufen; sonsten und auf solchen Fall wären 
monatlich ein 3 ad 400 Rth. zu ersparen. Itzo will der Wirth, wir sollen 
ausm Hause ziehen, damit er seine Handirung fähren kann, oder ihn 
bezahlen. Diesem ist man künftigen Monat ein Jahres Miethe schul- 
dig, ausser 2 Monat, so ich ihm bezahlt habe. Mich, fürchte ich sehr, 
wird man in unsern particulier Sachen aufhalten bis gegen Ende des 
Reichstages oder wenigst bis Graf Kurtz bezahlet worden. 

26.0ct. Resolution des Kurfürsten ao Blumenthal dat. Göllo a. d. Sp. 
16. Oct. 1653. — Er soll fortfahren sieh des englischen Gesandten an- 
zunehmen. In Betreff der versprochenen Römermonate für Graf Kurtz, 
so ist die Repartition derselben schon geschehen und steht nun der Erfolg 
zu erwarten; indess scheint es doch unsicher, wie weit er helfen kann und 
^Ihr wisset, wie es mit Unsern Landen beschaffen und dass Wir auf so 
ungewisse Dinge nicht viel zu spendiren haben**. 

^Dass Ihr so langsam Geld zu Euerer Nothdurft erlanget, daran seind 
die hiesige Stände schuldig, welche nicht nur fast wenig gewilliget, son- 
dern auch gar säumig in Aufbringung sothaner verwilligter Legationskosten 
sich erweisen. Wir haben aber itzo befohlen, den Nachstand einznschaffen, 
damit Wir nicht verkleinert werden mögen**. 

*) Geiualiu des Markgrafen Christian Wilhelm, des früheren, inzwischen 
katholisch gewordeneu und mit einer Gräfiu Martiuitz verheirateten Admini- 
ßtrators von Magdeburg; vergl. Urk. u. Acten st. IV. p. 883. 905 f. 



Geldnoth. Waldeck and Blumenthal. 299 

Waldeck an Blumenthal. Dat. Berlin 23. Sept. 1653. 

(Arols. Arch.) ') 

[Alles beim Alten geblieben; Ueberdrues an den Geschäften; lieber »Kohl 

pflanzen**.] 

Quant aux affaires publiques je ne ni*en suis point mesl6 depuis 3. Oct 
beaueoup de temps, de peur d'y gäter quelqueebose n'y entendant 
rien, et en esperance que d autres y röussiroient mieux se voyant point 
brouillto. Mais il me scmble que je vois tout eu mcsme estat comme 
je Tay veu icy de>'ant, et il scmble que nous devrons rien attendre 
de bon par le train regl6. Mais comme un& monstre demise en tom- 
baut ou se chocquant se rcmct quelque fois cn son premicr estre, 
ainsy par bazard les affaires du monde se peuvent estre[sic]; et nous 
autres, qui composons une partie des ressorts, fcrons bicn de marcher 

le chemin le plus uni, de peur de nous voir arrest^s. 

Et c'est ce que je me suis propos6 de practiquer; je me conten- 

teray d*un mediocre estat en ce monde et atteudray mon lustre ä 

Vadvenir. Je me vois si passiouä pour roeconomie que je quitterois 

tout pour planter des choux ä mon aise. 
S. Alt. El. est encore bors d'ici. 



Blumenthal an Waldeck. Dat. Regensburg 26. Sept. 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Den ganzen Sommer über nichts vorwärts gebracht; ohne grosse Aussichten; 
Mangel an Mitteln zar Gewinnung der kaiserl. Minister.] 

Wie es hier gehet, werden E. Exe. aus unsem verschiedenen Re- 6. Oct. 
lationen ersehen können. Ich weiss zwar wohl, dass es bei Hofe 
heiggt: ^slare, exspeciare et pro injuriis gratias agere^; aber den- 
noch fanget mein langes Warten alhier auf bessere Resolution in 
Sr. Ch. D. Sachen mir etwas sehr verdriesslicb an zu werden. Ob und 
^a» endlich daraus werden wird, kann ich nicht schreiben. Wann 
S. Ch. D. nicht Ihr Contentement haben sollten, wäre viel besser, dass 
ich von hinnen wäre, so würden wenigstens die Kosten und Spesen 
l^ier geringer fallen. Das ärgst ist, dass die uns gerne helfen wollen, 



'i Hier beginnt der fortlaufende Briefwechsel zwischen Blumenthal und 
Waldeck, der dann bis zum Schluss des Reichstags sich fortsetzt, und aus 
welchem das wichtigste hier mitgetheilt werden muss; vergl. oben p. 147 und 
Graf Waldeck p.l20ff. 



300 ^^* ^^^ Reichstag zu Begensburg. 

die können wir nicht befriedigen, als der Graf Kurtz; zu welchem 
ich nun nicht viel mehr kommen darf. 



Wal deck an Blumenthal Dat. Berlin 2. Oct. 1653. 
(Arols. Arch.) 
[Am Hofe noch alles wie zuvor; Waldeck wüDScht Blumeothars Heimkehr. Yer- 
schiedeno Reformen, die im Werk sein sollen. Ansicht Waldeck's; sehr be- 
scheidene Aenssernng über sich selbst; grosse Deferenz für Blnmenthal.] 

12. Oct. Quoy que je fasse, JQ ne puls rien discouvrir pour vous dire, dont 
vous puissicz rejouir, voyant tout en mesme estat comme je Tai veu 
en partant et peu d'esperance d'en voir aucun changement; si ce n'est 
que vostre presence y contribue quelque chose; surtout puisqu'on 
m'assure que D. Tornow s'accorde entiöreraent k vos sentiments; le- 
quel, comme fort actif, men^ par une personne dont Ic naturel, science 
et experience avec un äge mur et tempert promct des issnes k sou- 
hait, ne peut que r^ussir. 

L'on parle aussi d'un nouvel ordre dans la cour, d'un reglement 
des finances, de quelques nouveaux mini$tres, surtout pour des charges 
encore ouvertes et de force projects me encore inconnus. 

L on m'avait aussi parl6 de quelques alliances qui se minutaient 
ici ; mais je n en ai encore pu rien sgavoir au clair. 

Je serais ravi, si Testablissement du commerce de plusicurs choses 
prend le train qu'on s'en promet par la direction de celui que S. Alt. 
£1. a clioisy et que les affaires de TEmpire seront mani^es par ceuz 
qui en ont connaissance et desquels Ton se promet un affermissement 
de force beaux desseins; si les choses externes tombent entre les 
mains dune personne, comme Ton dit, qui a une grande habitude 
aux affaires du monde et dont la capacit^ et Süffisance est connue k 
S. Alt. EI., comme tout le monde lassure, et que les finances se gou- 
vernent selon le dire de plusieurs par quelques personnes que S. Alt 
El. connoit propres pour cela et qui promettent de heiles choses, et 
parmy une si belle distribution des affaires je voyais fieurir Testat de 
nostre maistre et me pouvais rendre sgavant dans ses affaires, afia 
qu'un jour je puisse m'employer avec utilite k quelque chose des par- 
ties susdites. 

Comme je ne doute pdnt d'une heureuse tin de la di6te presente 
en bref , ainsi je me promets vostre retour bientost, od vous jugerez 
de tout. En attendant serai-je soigneux de m'informer du fonds, afin 
qu ä vostre retour nous en puissions communiquer et par vos ordres 



et rexecutioü dlcelled je lue puisse rendre digne de la despense que 
|e cause iei et de vos bonnes graces. 



r 



I 



I 



Blumenthal an Waldeck, Dat. Regensbiirg 3. Oct. 1G53, 

lüotMtlgkeii des Reicliatags, UowisseDheit über den Stand der Dinge am Hof. 

^reldooth. Empfiadlichkeit ge^^eu den Kurfürsten. Vorschlag zum Zustammen- 

Saiten; allgeoieiiicB poittiscbes^ Friocip* Gerüclit von BluoieDtbal'ä UiDucigutig 

SU OeBterretcb; HrbietuDgen in eütgegengesetzter RichtuDg] 

Noua avouä estt^ ici 16 jours presque »ans rien faire, l/Empereur 13. 0^ 
««ü escrit quasi des repruches iiux EstaU, et la pluspart de ceux 
«^royent que, si TEmpercur vouloit presser la tin de ceste diete, il de- 
"wroit pousser 1 Electeur de Mayeuee comme le Directeur, 

Touchant lee atfaires de dela je puis assurer V. Exe, en foi de 
^entilhomme^ que jen sv^y moius que de« aflaires de Finlande, 
^Ki'ayant persüQue qui eoiximuQique avee nioi. Mods. de Syrerin ne 
^e peut faire par la luultitude des negoces, Le secretaire Schreiner 
mne mande d'aucune fois quelques choses, mais rien de ce que je ne 
^■ne pui» imaginer sans son recit, ä s^avoir que, si je ne puis re- 
%oiirner avec contentement, (lue S. Alt. EI* sera infiuiment offenste, 

Ici nous sooimes en pauvre estat et devons plus que 4(Vi)0 patta- 
cjuans, et prenons tuut ä credit que nous pouvons* 

V, Exe, oabanndoune pas en tont Tesperanee d'uu meillenr 
temps. La neeessitd fera resoudre S. Alt. ce qui lui sera profit^ible. 

V. Exe. loue rocconoiuie et je lassurc sur ma conscieuee, que 
c'ert la vie la plus a^^rt^able de monde et capable ä donner la sant^ 
du corp» et la traDquillite de lYune; et une personne dun peu de 
geoerosttt^ re^oit plus d^aniertunie d'nnc facheuse reproche dun prince, 
qQand on ne la merit^, que consolation de beaucoup de graces re^'ues; 
et la vraie voie de ^viter la continuation est de puuvoir avec leur 
6otte&tement estre en estat de planter de clioux. 

V, Exe» fasse, sll lui piaist, en sorte que nous soyons unis pt»ur 

Hüterest de no^tre maistre et pour la re[)iitation d'icellui. Cur je vtns 

^|iie la disunion pourra causer unc graiide bresehe, Moi, qull Dieu 

iHiit, j*y contribueral de tout nion possible* Je vois que le moade 

u »e gouvernera pas selon les opinions que Tun ou 1 autrc eu con- 

[^n^ra, mais selon Ics vraies maximeSf qui sont de craindre Dieu» 

iir son prochain, estre hunible vers son souverain et faire que 

^ubjects raiment; par cela il peut deveuir riebe et eonsiderable. 

u |iarie beaucoup chez les geus de lettres, commcnt quuu prince 

bt avoir estudic - luoi je suis de ropioion que, quaud il eognoist 



302 ^^' ^^^^ Roichstng tm Rpji^ensburg. 

808 nnniatrcs et qu'il vcult qu'ils soycnt vraiement hommes de bien, 
«lualor« il s^ait tont et quil jouira de ses terres selon son desir. 
V. Kxc. rroye, quc je suis sans nucun intcrest horrais Imterest de la 
niaisou Klectoralc de Brandcbourg. 

l\ K. L on nie luande de Berlin, que j'y suis jngi pour trop in- 
elinr a\ la maison d*Autricho. Je jure Dieu, que jusques aujourd*hai 
l'Knipercur nc ma pa» juge ou dirocte- ou indireetement digne de m 
volontcH. Mais si nous voulons faire «juelque chose contre TEnipereur 
eil faveur de la relifrion, il faut montrcr ou plus de force oa plus de 
conduite, et alors ils nous estimeront ici. Mais jusques h present il 
nous ne eraignent ni aiment; niais je s^ay bien eoniment que faire 
destre assourä et de Tun et de lautre: niais il faut de la oonstance 
et d'une sage conduite. 

Relation vom luMchstag. Dat. Rogensburg 3/13. Oct. 1653. 

|l)io Uoichs^rrnvamiim ^%igK^n Frunkroich.] 

13 Oot. Selbigen IMX Sept. ward aueh in beiden Cliur- und FQretlicheD 
Collogiis deliberiret von den Deputatis, welche die Gravamina der 
Krön Fraiikreioh anwesendem (lesandten Überliefern sollen, weil der- 
selbe darum angebalten, dass die exhibitio niebt durch die Kcichis- 
diri'etoria, sondern per eertoa deputatos statuum Iinperii geschehen 
mi>hte. I>a7.u dann im Churf. (\>llegio Chur Mainz, Baiem, Sachsen 
nnil Brandenburg und im FürstI, Magdeburg, Sachsen-Weimar« Strasa- 
bnrg. Kegcnsburg, die Tralaten und Wetterauisehe Grafen depu- 
lirt sein. 

KosoIntion iles Knrfnrsteii. Dal. l'ölln a. iK Sp. IT». Dct. 1653. 

:{i;. Oot, I>ass Ihr F.uch mit depuliren lassen, dem französischen Gesandten 

die Gravamina ein/.ugoben. missnillet Tns; dann Ihr wol wisset, dass 
Wir mit dieser Krön gern Freundsehan halben und danncnhero Uns 
aller Suspieion au enixiehon allemal gern suchen wollen. Deshalb 
Ihr Kueh ktinnig in dergleichen gehässigen Materien aller Deputation 
enthalten werdet, 

Relation vom luMchstau- hat. Reirenshurg t> ItJ. iVt. 1653. 

lC.Otu Diesen Tag (A 14. iVt,) ufm Xachmittagr wurden aueh dem frmn- 
sStisehcn Ambaiudear die Gravamina^ so wider die Krön Fhmkrmh 



Die BeichflgraTamina gegen Frankreich nnd vice versa. Neue Fürsten. 303 

von dem Bischöfe, Kammergericht und Stadt Speier, item den zehn 
Reichsstädten in Elsass, Kloster in St. Gregorien Thal, Bischofen zu 
Basel, deutschem Orden, Grafen zu Nassau-Saarbiilck und Leiningen, 
der Stadt Weil und anderen einkommen, durch die ordinarios Imperii 
Deputatos insinuiret. 

[Höfliche Annahme von Seiten des Oesancltcn], fUhretc aber daneben 
weiter an, dass er auch unterschiedliche Gegcngravaniina sowol wider 
J. Kais. Maj. als das Reich hätte. 

1) Verweigerung der Investitur für Montferrat an den Herzog von 
Savoyen. 

2) Verstattung der Quartiere für die Feinde Frankreichs (Lothringen, 
Cond^). 

Insonderheit aber urgirte er, dass er vernommen, dass der Erz- 
herzog zu Inspruck auch wider I. Kön. Maj. in Frankreich einige Be- 
lehwer gef&hret; nachdem er aber jetzo vernehme, dass solche nicht 
mit übergeben würden, möchte er gerne wissen, was es damit vor 
^ine Beschaffenheit hätte. [Der kurmainzischc Deputirtc behauptet nichts 
davon zn wissen; der französische Gesandte] replicirte, dass er sich mit 
der Unwissenheit nicht zu entschuldigen, angesehen es vorlängst ad 
pnblicam dictaturam gekommen, und mltsste ers also davor halten, 
dass solches entweder in diffamationem Itcgis Christianissinii (welche 
Wort er unterschiedlich rcpetirtc) geschehen wäre, und würde also 
dieses das tertiuni gravamen, so er wider I. Kais. Maj. und das Reich 
hätte, werden, oder es müsstc sich der Erzherzog erklären, dass er 
von seiner Klage abstehen wollte und sich über I. KVm. Maj. nicht 
zu beschweren hätte. 

Er schlägt vor, zur Verhandlung über die Gravamina eine Deputation 
zu ernennen. 

P. S. Verhandlungen im Fürstenrath über die neucreirten Für^^ten; 
Piecolomini soll ohne weiteres recipirt werden; Dietrich stein nnd 
Anersberg aber erst die ?orgeschriebenen Hedingnngen erfüllen. Streit 
über den von ihnen einzunehmenden Rang; die brandenburgischen Ge- 
sandten treten für die älteren und höheren Kangansprüt'he des Hauses 
Nassau auf, vor jenen nnd auch vor den ITäusern Eggenberg und 
Lobkowitz. Denselben Vorzug verlangt für sich auch der Prinz von 
Salm. 



Resolution des Kurfürsten dat. Colin a. d. Sp. IG. Oct. 1653. 26.0ct. 

P. S. Warum soll Piecolomini allein ohne Bedingungen recipirt 
werden? Sie sollen alle drei nachweisen, dass sie immediate Keichsgüter 
betftieDi ehe sie recipirt werden können. Im Rang mnss das Alter der 



304 ^^' ^^^ Reichstag zu Rcgenaborg. 

Anfnahinc eutscbeiden ; wer sich zuerst beim Reich legitimirt, nimmt den 
ersten R;iug cio. Dnher auch all die alteru fur^t1icheD Häuser onzweifel- 
haft den neuen voranstehen müssen. 



Relation vom Reichstag. Dat. Regeiisburg 10/20. Oct. 1653. 

[Deputationstagc. Reichsstonern. Lothringische Abfindung: Vorbehalte tief 

Herzogs; Betheiligang Brandenburgs an der Abfind ungssunime. Die Sachsen* 

lunenburgische Zolierhöbnng; Kurfürstcupolitik.] 

20. Oct. Der Bericht an den Kaiser in der Frage der Geschäftsordnang bei den 

Deputationstagen und über die Majorität bei Reichssteoern ist 
gethan worden. 

Im ersten entM-hied sich der Kaiser dafür, dass, wie bisher, die bei- 
den Collcgieu separirt sein sollen; damit aber die Kvangclischen dabei 
nicht benachtheiligt werden, so soll in. den vom Instr. Pac. Art. V. $.19 
angegebenen Füllen die Majorität im Kurfürstencolleg nicht Statt haben. 
In Bezug auf das Personal der Deputation ist dagegen der Kaiser den 
Vorschlägen des Fürstenrathes beigftreten , und in diesen ist der Kurniri^i 
für Halbcrstadt nicht mit j;(enanut gewesen, trotz aller Bemühungen; dies 
wird also wol aufzugeben sein. 

In Betreff der Reichs steuern erklärt der Kaiser, dass er nur nach 
vorheriger Communicatidn und Kinwilligung des Reichs Steuern ausschreiben 
wolle; die brandenburgi>chcn Uesaiultcn behalten sich ihr dissentirendet; 
Votum im Kurfürstenrath vor, dass die Majorität in Reichssteuersaohcu 
nicht gelten dürfe. 

Von der lothringischen Abtindung.^summo wird nichts mehr abzu- 
handeln sein, da der lothringische (Jesnndtc Foiirnier weiss, dass die an- 
dern Stände eventualiter schon auf die .'{00,000 Rth. geschlossen haben. 
Dagegen kommt jetzt heraus, dass der Lothrin«;er intVi dieser Summe zwjir 
die Plätze llamme r stein, Land stuhl und II (»m bürg definitiv, wahr- 
scheinlich auch Wiest ein und Epfelbrunn restituiren, dagegen aber 
Saarwerden und Falken stein von der Restitution ausschliessen will: 
wogegen die Brandenburger eifrig protestircn. 

Aber dass E. Ch. D. sieh davon [von der Mitzahlung der Abfin- 
dungssumme] cximiren und dazu niehts geben wollten, solches haben 
wir deswegen nicht anziehen können, weil wir dazu von E. Ch. I)., 
wie in der Yechtischeu Sache (und zwar in selbigem Kescriptu, da 
der Lothringischen Sache gedacht worden) genchehen, nicht befehliget 
gewesen, sundern vielmehr des GegcntheilH, dass E. Ch. 1). sich von 
solchoni Zutrag nicht entziehen wollten; und nunmehr wird diese I{e- 
servation zu thun fast zu spät sein, weil wir unsere Erklürung Na- 
mens E. Ch. D. uf dcro Befehl einmal gethan, und dieselbe zu ilndem 
möchte Bowol E. Ch. D. disrcputirlich sein, als von dero Herrn Mit- 
ckurfbraten, sonderlich von Chur Trier und Cöln, so diese Tractaten 



Varia von Reicbst&gBgeschäften. 



305 



am ineisteu urgiren, übel genommen werden; zumaln da sie sich al- 
hier mit so grossen Kosten ufgehalten und die Prorogation der Pro- 
positioQ von einer Zeit zur andern, um die Kestitution der binter- 
pomnieriscben Lande zu befördern, ungeachtet ihrer tä^lit-h aufklebenden 
Kosten, bis dieselbe endlich erfolget» «geschehen lassen; da doch E, 
Ch. D. Lande Cuntingent zu den SOOjUrX) Rlh. sich so gar hoch nicht 
belaufen kann. 

Von der Gcucrnl Verfassung: verlautet eiustweilcn hier nichts weiter. 
Ueber diu BreÄlauer Schuld und Jägerudorr noeh keine woitert? Session* 

Dass dem Herzog zu Sachsen Lauenburg die Zollerhühung 
verwilliget worden, solches haben wir .... gemeldet*). Von dem 
Revers» so er wegen Befreiung der Churfiirstea and deren Unterthancn 
TOD sich gehen soll, haben wir das Concept gesehen und lautet in 
genere auf alle ChurfQrsten und deroselben gesanimte Lande» und 
haben wir selbiges also eingerichtet befunden, dass E. Ob. D. damit 
verhoffentlich gnugsaui versichert sein werden. Nur wird es darauf 
bestehen, dass es den Unlerthanen im Laude kund gethan werde, 
doch dergestalt^ dass die benachbarte Fürsten und Städte es nicht 
übel nehmen köuncu oder Ombiage fassen mögen» als wann die Chur- 
fllrsten bei dieser Zollserhiähuug nicht das universale bonuni, sondern 
nur ihr Privatinteresse beobachtet hätten. 

Die Schweden danken lebhaft für die iliuen zugestandene Präcedenz 
fUr Vor|iummcrü. 



Resolution des Kurfürsten, I>at, Colin a. d. Sp. 26. Oct 1653'). 

[Gegeo die Verachnielzang der beideo Cüllegteü und die neunte Kur. Vorbehalt 

vdgen Jallch; der Anspruch für Halberstadt und Minden aufgegeben. Retcbs- 

fieu^fti. Die uugeblicU bewilligten 1(H) Uümcrtnonate. V erweis wegen niaogel* 

bafter Unter^tatzung des eugÜäcben Gesandten.] 

Antwort auf die Relation dat. 10/20. Oet. 5^ ^or. 

Und hoffen Wir, dass es bei der Kaiserlichen aVlergnäd. Kesolu- 

I) 8. das kfdserUcbe Zollpriviteg dat. Regeosburg 15. Dec. 1653, nebst an- 
dern ebiacblagendeD Acten bei v. Meti^rn I. j>, 870 ff. F. S. dat. li/21. Oct 
wird bm^ugefugt, dass es iiicbt 3 Ilaupt^ülle auf der Elbe sind, worum es eich 
handelt, sondern nur ein IlauptzoU 2U Lanenburg; die beiden anderen, .der 
Ertlenbnrgiäche und EislingiijcUe (30 Zollenspicker genannt wird) semd Neben- 
«öila itnterbalb Lauenburg gelegen, woselbst nur dasselbe, was unter Lanenborg 
eiogeschiffet wird, darf verzollet werden; was aber eu Lauenborg den Zoll einmal 
entrichtet hat, wird daselbst frei pasfiirt und darf nicht einmal angemeldet wer- 
dea*. Die Gesandten haben bei dem Herzog Julius Heinrich hierüber be- 
•onders angefragt und es also befunden. 

*) Die IJoncepte in dieser Zeit sind in den Reichstagssachco meist von der 
H^ßd des geh. Hathcs JoKTornow; vgl. w. u. dessen Schreiben aoBlumenthaL 
äaKr. lar GeAcH. it. Gr. KuiTUrstca. \L 20 



306 ^^ ^^^ Reichstag zu Regensburg. 

tion in dem wol verbleiben werde, dags auf Deputationtägen die Coo- 
junctio collegiorum nicht eingeftthret, noch sonsten der 9te Electoratoi 
oder einige Alternation einiger Fürsten admittiret werden könne 

Nur habt Ihr bei künftiger Session in dieser Materia dies su er« 
iunern: dieweil die JUlichsche Session und Votum bis zur Endigung 
der Streitsachen ausgestellet werden, ob nicht Sach, dass intuitu iro 
('hurf. Collegio eine Ungleichheit der Religionsverwandten sich findet 
und die Katholischen ein Votum mehr dünn die Evangelischen haben, 
dass die von denen Herren Fürsten vorgeschlngene 6 Üeputati alle blei- 
ben und nicht f) daraus eligiret werden müssten, wie I. Kaig. Maj. in 
Ihrem Concluso gutfinden; und also würden die evangelische Forsten 
künftig ein Votum mehr dann die Katholischen, da, wie gesagt, die 
evangelische ChürfUrstcn ein Votum weniger haben. Tröge es sich 
dann zu, dass die Jülichsche Sach zu End käme, und es wäre der 
Herzog in Jülich katholisch, müsste dann noch ein evangelischer Fttrst 
nachmals deputirt und den andern adjungiret werden, et vice versa. 

Und ebenso dann, wenn ein evangelischer Churfürst katholitich wird, 
Conipensation dafür für die p]vnngelischeD durch eine Stimme mehr im 
Fürsteurath. 

Da das Fürstencollcg offenbar besonders darauf zielt, „damit ein De- 
putatus nicht zwei Stimmen erlangen möge**, so gibt der Kurfür:it hiermit 
den Anspruch, für Ilalberstadt und Minden in den Depntationstag eiuza- 
treten, fftrmlieh auf. 

Den Beschluss in Bezug auf die lleiehssteuern rouss der Korfürst da- 
hiiigestrllt sein lassen, ^wiewol Wir gleichsam vor Augen sehen, dass ami- 
cabilis compositio zurückgesetzct und contra Instr. Pac. die pluralitas voto- 
nun hinwieder tacite eingefiihret und beliebet wird^. 

Dass die 100 Römennonat, die der Kaiser fordert, von dem Kurf. 
Colieg zu Münster und Osnabrück gewilligt worden sein sollen, davon ist 
nichts bekannt; iudess wenn der Kaiser, wie Blumenthal versprochen 
worden, das Brandenburgische Contingeut daran dem Kurfürsten als einen 
Theil seiner Satisfaction assiguircn will, so hat dieser keine Ursache zu 
widersprechen. 

Des englischen Ocsandten Suchen ist christlich und billig, wie 
Ihr selbst bekennen müsset; und dannenhcro hätten Wir Uns wol ver- 
sehen, dass Ihr kraf\ habenden Befehls demselben besser secundiren 
würdet, dann Wir aus Euern geführten letzten votis erlernen müssen. 
So lang Ihr Uns künftig diesen Wahn nicht benehmet, werden Wir 
dafüro halten, dass Ihr die autores seid, dass dem Könige mehr nicht 
dann 2(M),(XK) Kth. gewilliget werden sollen; sintemal da Ihr den An- 
fang der Definition des quanti gemachet, Ihr wol 20 und mehr Rö- 
mermonate vorsohlagen können, and wäre es nachmals wol zum Ab- 
schlag kommen I da Ihr jedoch nur 3 oder 4 BAmermonate und 



YarU. Das eugliaclie Siibsidiam. Blamentbal ntid Waldeck. 307 



^endlich 2(H\0C>n Rth. . . . auf die Balin gebracht '). Uad wissen Wir 
^anueobero nicht, wie Wir solches auslegen sollen, befehlen Euch 
■b^r., Unser Instruction F^uch ^euiäss xu bezei^^en und nebst Chur 
PCalz allen Fleiss anznkehren, damit dem Könige mit eüiem Erkleck- 
lichen wirklich K*^holfen werde, 

Uluiuenthal an Waldeek. Dat. Hegeiisburg 10/20. Oct 1653- 

(Arols. Arch.) 
[Geldnoth* Die oBterreichiachen Evangeiische«. Verhültniss zu Tornoir.] 

Antwort auf die ßripfe vom 23. Sept. nud 2. Oet. GlÜckwutisch zur 20, (Jet, 
•wiederhergcstoliten Gesundheit. 

Pour le nouvel ordre qiie Ton tasche de faire a nostre cour lä, 

Je prie Dieu qu'il fc face avee justice et repidation de 8. Alt. El. et 

avec »on plua grand profit. Gar le teraps noua raonstrera, qu1l eera 

I neee^saire de trouver des moyens pour nostre subsistance et seurctd; 

et encor que je suis et demeure en ce»te opinion fermement, que Sa 

Maj. Imp. est pour la paix et contre toute guerre, si est ce que je 

Toia, que lea nioyens pour 8a conservation ne sont pas les vrajs, eon- 

I siderant que riutention u'est pas de donner contentenient aus estats 

hereditaires pour la roligion*), mais de demeurer ßur la paix de 

MUugter sans aucune limitation ou regnrd sur les intercessions des 

estats. 

Quaol ä ce que V. Exe. escrit d'une amitie tres-estroicte avec 
Mr. Tornow, je dis, que je voudrois, que je puisse donner asseuranoe 
^ un chacun, que je chcrche laTiiitie et que je vondrois bien gaigner 
log Imnnes graces de touts les couseillers d*estat; mais que pur mon 
«dm luy doibt estre fort occup^. Je jure k \, Exe. de n'cn s^avoir 
ri€ii et que la plus principale matit>re de deux ou trois lettres que 
J€ luv ay escrites at este de nous ne laisser iey sans argent avec ßi 
grande perte de la reputation de S. Alt. El. 

V, Exc- escrit*), que je doibs avoir descourert quelque corre^pun- 

ly Tgl. odL p. 310. 3ia Protokoll der Sitzung des Kurfärateorathos 14/24. Oct. 
1659; der Vorschlag geht vou deo brandeuburgidclien Gesandten atis uud wird 
tM d#a andern angeoonimeö. In der Relation vom :V13. Nov. eütflcUuldi^L*n eich 
die Geaaadleo, dass nach ihrer Kenntniss der Stimmung auf dem Reichstag eioe 
Poliere Bewilligung keines Falls zu erwarten geweeen wäre; auch habe der 
tt|liache Geaandte aelber sich mit einem «leidentlich geringen subsidio* sufrie- 
d^o erkUft. 

') Am R&ad vod Waldeck'a Hand: ,c*est qtie Blamenthal a pronita et 
aiiear*--. 

*) la einem nicht vorhandeoen Briefe. 

20* 



308 ^^* ^^^ Koichstag eu Regonsburg. 

(lance secrcte au dcsavantagc de nostrc maistre. Je dis I& dessus, 
<|UG je ne scay de rien, et si quclqu^un Ta faict et s'est soiri de mon 
noni, il a mal faict; exceptö (]uc une fois j*ay faict communiquer a 
y. Alt., que les estats de Clevc s'estoient entrejurts de vouloir Wen 
aller a Cleve, inais non pour autre fin que pour traicter leur griefs 
et rien pour S. Alt. V. Kxc. nie face rhouneur doresenavant et m'escri- 
ve% plus claireuient et je luy respondray comuic homme de bien. Car 
je ine suis resolu de denieurer son fidel et vray serviteur, encor que 
quelques uns qui ne nie coguoissent ou ne nie veulent pas cognoistre 
luy eu veulent dire le contraire. — 

Nous soinnies icy dehiteurs de plus (jue de WXK) pattacons et 
n^avons pas une niaille. Si V. Exe. juge du servicc de nostre maistre, 
que je tourne ou li Ilalberstadt ou, si eela ne se peut faire, ai Berlin, 
je le feray, mais le preniier nie sera plus agreable que le demier. — 

23.0ct. inumenthol an Waldeck dat. llogcnsburüj i;V23. Oct, 1653. 

^Wir haben iuo in zcheu Tagen nicht ciiieu Groschen iui Hause ge- 
habt, ausser dass der v. IMaten seinen letzten Schatz hergegeben**. 

Hliinionthal an den Kurfürsten. Dat. Kegensburg 
13/23. Oct. 1053. 

[Dio Kurfürsten alle dem Kaisor ergeben; Pfalz, Sachsen, Uaiern, Coln. Fürst 

Auer8»l>erj^ allmfichtifj. Die wostfäÜHche Krelsverfussung und ihre Gefährlichkeit 

friedliche Stimiuunj^ am kaiserlichen Hofe; Schwierigkeiten in Ungarn. Trotzige 

Stellung des franxöaischen Gesandten.) 

23. Oct. Im Churf. Collegio gebet es nicht allcinal wie man es zu boffeD 

oder zu wUnschcn biltte. Ein Jeder bat sein Absehen dahin, dass er 
ibui Favor uiacbe, wovon ich bei nUcbster Post ein niehrers berieb* 
ten werde. 

Des guton Herzogen zu Siinniern f. Dchl. werden vielleicht hier 
wol zum Schluss mit Cbur Pfalz kommen, aber nicht ohne grossen 
ihren Schaden. Ein Jeder saget, jener habe Kecht und niemand ist, 
der diesem nicht suche seinen Zweck zu befördern, ausser was wir, 
die Churbrandenburgischen, thun mögen. Was S. Ch. D. I. Kais. Miy. 
können zu Dienste erdenken, das thun Sic, bis dass diese Sache zu 
Ihrem Contentement wird abgethan sein. 

1. Ch. D. zu Sachsen sagen, dass kein besser Mittel sei, sich 
zu inainteniren, als I. Kais. Mfy. Uespeet zu augmentiren, und haben 
Hoffnung, dass Ihr solches in der GQlichschen Sache werde zu Statten 
kommen. 



h, Allg^enieiia* Devutiüii vor dem Kaiser. Eßteuer Krei^tng etc. 399 

Char Baiern undCöln erweisen sieh eiferig, L Kais. Maj. Fa vor 
EU demeriren. I. f. Gn, von Auersberg seind itzo alle die wich- 
[tigsten und geheimsten Sachen zu negociren aufgetragen und wird 
Tan allen Käthen nach eigenem Verlangen veneriret. 

Für die Privatwijusche deü Kurfürsten geringe Aussicht; doch macht 
malt noch immer Hoß'nung. Der Kaiser will bis Eiide Februar hier bici* 
hea. Ein sj>auisDher, sowie eiti hoUäudischer Gesandter soileu uücbstens 
hier eintreffen. 

Man weiss hier annoeh nicht voUkommlich, ob aus der Essensehen 

Verfassung etwas werden soll; gehet der lothringische Vergleich vor 

sich^ so glaube ichs nicht. .Sonsten wundert mich nicht wenig, aus 

was Ursachen das Haus Wolfenbtittel, Celle und Hannover dem Her- 

f 20g Ton Neuburg ihr Votum zum Kreisoberstenamt gegeben. Heute 

ist ein Recommandationschreiben im Churf. Rath per majora geschlos- 

«en worden vor den JohanniterordeUy deoiselben nämlich ihre Güter 

<ies Ordens zu restituircn, an die Herren Staaten Generalen. Eh haben 

alle Cburfltrsten aber, sowol katholische als die unserige, unanimiter 

"bedinget, dass es also mlisste eingerichtet und vorhero abgelesen wer- 

denj damit man die geringste Gefährliehkeit und wenigst keine OtTen* 

§ion daraus verursachen könnte; und hält ein jeder der Katholischen 

vor unrecht, dass man 7*u Essen eine solche Proposition gethan und 

des Instr. Pac. ganz keine Erwähnung gethan habe ^). Ich glaube, 

wann die Herren Holländer die geringste Furcht gezeiget und kein 

Volk sofort auf die Gränzen geschickt hätteo, man würde die Sache 

weiter poussiret haben. Nun aber wircis wol nachbleiben; dann der 

Krieg wird hier gefürchtet wie ein Feuer und die alten Geueralen 

oad Oflicirer wissen nichts wot\ir sie gehalten werden. Ob dieses 

sieh, wann der Keiebstag gütlich gcondiget sein wird, auch ändern 

möchte, wird die Zeit lehren. 

Die Türken begehren, man solle die deutsche Völker von ihren 
Granzen aus Ungarn abführen und die Ungarn begehren es nicht 
weniger und dringen darauf, dass der Kaiser im Januario dahin kom- 
mea und deshalb liichtigkeit treffen wolle. 

Der KöuigL französisclie Gesandte fanget itzo an, sehr hart zu 
reden, und will vom Reich wissen, ob es dasselbe oder der Kaiser 
»ci» der so seinen König contraventiunis pacis beschuldige. 



Verfl. Pfanuer luBt, cornifc. p. .344. Aitzema HJ. p. 4. WJ* Groon 
▼. FfiD6 lerer Archiv es de la maison d*OrflDge Ser H. 5. p. 117. 



310 ^^ ^^^ Reichstag zu Regensbnrg. 

Blumenthal an d. Kurfürsten. Dat. Regensburg 17/27. Oct 1653. 

[Die Breslauer 6chüld. Die Subvention des Reichs für Karl IL Ton Bngiand. 
Pfalz-Simmern. Graf ZoHern's Anliegen.] 

27. Oct. Verhandlung mit den kais. Commissaren über die Breslauer Schuld- 
angelcgenbeit ; sie gesteben die Schuld zu, machen dagegen aber die Ge- 
genforderung wegen Crossen, Sommerfeld, Storkow, Beeskow etc. geltend, 
gegen deren Exemtion die schlesiscben Stände schwere Klage führten. 
Dies weisen die brandeuburg. Gesandten als eine ganz illiquide und nie 
eingestandene Forderung zurück, die erst noch erwiesen werden müsste. 

Was den König in Eugelland betrifft, da ist, Gott Lob, vor 
4 Tagen im Churftirstcurath per majora geschlossen worden, L Kön. 
Maj. 200,000 ßtb. zu geben, doch dergestalt, dass man sich dadurch 
in keinen Krieg mit den Engeländern begeben wolle. Ob nun die 
Fürsten, Grafen und Städte auch damit zufrieden sein werden, wird 
die künftige Re- und Correlation geben'). 

I. f. D. Pfalz Simmern gehet es gar schlecht; der ChurfÜrst will 
itzo gleich haben das Amt Lautern, so ihm post mortem Ducis et 
Ducissae versprochen worden und dazu das Votum und die Session- 
Es ist kein Mensch, der I. f. D. beistehet ausser wir Churbrande^- 
burgische. Es scheinet dass die Churpfalzische gar zu ofte erfahren« 
dass L f. D. keine Mittel zu weiterer Unterhaltung haben. 

Herr D. Tornow berichtet auch, E. Ch. D. wollten wissen, v^i^ 
der Graf v. Zollern wegen seines Erbamtes zu contentiren *). Nun hat)« 
E. Ch. D. ich schon zweimal geschrieben, dass Chur Baiern dem seia^D 
666 Kth., nämlich 1000 fl. gegeben, der Churfürst von Sachsen dem v. Pa p- 
penheim das Pferd mit der Garnitur und den silbernen Scheffel und 
Streichholz dazu, so etwas höher kommen. Dieser ist ein armer Gesell 
und will durchaus nach Berlin reisen; meinet, weiln er aus E. Ch. D- 
Haus Zollern, er werde viel erlangen. Ich wollte lieber rathen, ihm 
bieher 200 Ducaten zu schicken als ihm dort ein mehrers zu geben. 

Waldeck an BlumenthaL Dat. Berlin 19. Oct. 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Von den Geschäften entfernt. Versicherung, sich ganz von Blnmenthal leiten 
lassen zu wollen. Neigung, sich zurückzuziehen.] 

29. Oct. — Quant au public, je plains ma patrie, mais n'y puis apporter 

') Vergl. den Bescheid hierauf oben p. 306. 

'j Die Grafen von Zollern waren seit 1507 im Besitz des Erbkämmereramtes 
und somit zur Assistenz des Kurfürsten von Brandenburg als Erzkämmerers und 
zum Bezug der in der goldenen Bulle Cap. 27 §. 6 ihnen angewiesenen Emoln- 
meute befugt. Die obige Forderung datirt von den Feierlichkeiten bei der Wahl 
und Krönung Fcrdinand's IV.; vergl. oben p. 241 und unten p. 318. 



Dm eoglitch« Sobsidiam. Pfalz-Simmcrn. Graf Zollern. Graf Waldeck. 3j] 

anKre remide qu'on Bouspir au souverain des souverains. Pour ce 
qui toucbe nos affaires en de^a j'en s^ay moina quc jamais; je crois 
que ceux qui les ont entre leurs mains les sfauroot en bon estat; car 
je Yois tous les visages guay. J^avois fait dessein de lire vostre re- 
lation arrivte le mercredy; mais Mr. Tornow me faisait dire quil 
la liroit et puls nie renverroit; le lendemain je fus appellc a Ora- 
rienbourg; hier au soir nous arrivasmes k sept heures, que je n'ai 
rien ven. . • . 

Quand je sgauray cominent et en quoy je puis seconder les bons 
desaeins de V. Exe. pour le bien de S. Alt. El. nostre maistre, je 
m'uniray volontiers avec vous, k quoy je me suis tousjours ofiFert et 
Tobaerveray exactement; si une fois Ton me met sur le bon chemin 
de teile sorte que je puisse cognoistre que le fondement est tel, comme 
V. Exe. le deserlt sagement, s^avoir la crainte de Dieu etc. ... je 
me laisseray facilement mesner par raison et suivray les advis des 
experiment^. — 

Les forees me d^faillant, Toeconomie pie doibt plus plaiie (lue ce 
qai demande travail de corps et desprit; mais ce que la fortune veult 
faire de moy, me sera tousjours k grä. 

Finalement ne puis-je croire, que V. Exe. s'arreste k des discours, 
dont Schreiner luy fait part, et crois que mesmes les effects de sa 
negociation demanderont oultre satisfaction. 

Der Kurfürst an Bliimenthal. Dat. Colin a. Sp. 
23. Oct. 1653 > 

[Ansicht ober die ReichsverfassuDg. Fürst Anersperg und der Kurfürst. Rüge 
der Unklarbett Blnmentbars über die Lage der Dinge am kaiserlichen Hof. Der 
Kreistag in Essen; seine wahre Tendenz gegen Brandenburg and Holland. Kr- 
wignog einer engen Verbindung mit Holland und Frankreich. Blnmentbal soll 
Yoo allen Schritten gegen diese beiden am Reichstag sich zurückhalte!!. Wahl- 

capitulation.] 

Dass im Cburf, Collegio nur jedweder dahin trachtet, wie er 2. Nov. 
Kaiserlichen Favor ihm acquirire, ist nicht gut. Wir aber wollen in 
allen diesen Rcichsnegociis nicht die Kaiserliche Favor (so Wir jedoch 
hochachten), sondern Gottes Ehre und Unsere ruhige Conscicnz Unsern 

*) Coocept von Tornow. Am Schluss die Notiz von demselben: ,S. Ch. D. 
•riooern, dass dies Schreiben etwas geheim gehalten werde"". — In diesen Ta- 
gen liegt der Umschwung am Hofe des Kurfürsten, durch welchen AValdeck 
so die Spitze der Geschäfte gelangte; worüber vcrgl. (xraf Waldeck p. 118 ff. 
Man bemerkt den veränderten Ton sowol in diesem und den folgenden officielleq 
SchreibeD, wie ancb in den Briefen Wal deck* s an Blnmenthal von hier an, 



312 ^^* ^^^ Reichstag zn Rcgenahnr^. 

Zweck sein lassen, es gehe dann auch hiernächst, wie es Gott der 
IWchste verhänget hat. — 

Dass Chur Sachsen vermeinet, es sei kein besser Mittel rieh 
zu inainteniren, dann I. Kais. Maj. Kospect zu augmentiren, stellen 
Wir dahin. Wir aber seind gänzlich der Meinung, dass nftchst der 
Ehren Gottes kein ander Mittel sei sich zu schOtzen und das Reich 
ruhig zu erhalten, dann wann über die gOldene Bulle, den Reiebs- 
abschieden und zulässigen Verfassungen steif gehalten werde. Welche 
aber nothwendig fallen mtlssen, wann nur ein jeder sein Interesse und 
Kaiserl. Respect suchen wollte. Dass Chur Sachsen vermeinen, dass 
dies ein Weg sei, zu den Julichschen Landen zu gelangen, dafllr 
halten Wir es nicht, sondern Wir bleiben bei dem vorangezogenen 
principio. 

Was Chur Cd In und Baiern bewogen, dass sie sich so eifrig 
erweisen, I. Kais. Maj. Gunst zu domeriren, ktinnen Wir nicht pene- 
triren. Was Euch davon bekannt, werdet Ihr mit dem ehisten er- 
öffnen. 

Zu verwundem ist es, dass Euerm Zuschreiben nach dem Forsten 
von Auersberg alle wichtigste und geheimste Sachen zu negociiren 
allein aufgetragen und dass derselbe von allen Käthen, seinem Ver- 
langen nach, veneriret werde. Dann da dieses Fürsten Humor be- 
kannt und er nur suchet, veneriret zu werden, so dtirften auch kQnftig 
die ihm anvertraute negotia einen schlechten Ausgang haben. Wir 
Unsers Theils erinnern Uns nicht, dass Wir demselben Uns entgegen 
zu sein Anlass gegeben hätten; wiewol es Uns fast vork()mmt, dass 
Ihr dahin zielet, dass ihme zu imputircn, dass man Uns in Unsem 
privat dcsideriis bis hicher so wenig Gehör geben wollen; zumahlen 
da Wir zurtickegedenken, was er kurz für der Königl. Wahl zu Unser 
Verkleinerung heftig ausgestosscn, sammt wäre an Unser Contradiction 
wenig gelegen*). 

Ihr wisst gar wol, dass Wir diese Procedurcn wider Uns schon 
längst gemerkt; derhalbcn Wir,'^alH I. Kais. Maj. und Chur Mainz die 
Wahl urgirten, allemal darauf bestanden, dass Wir darein nicht willi- 
gen könnten, bis Uns zuvörderst Satisfaction geschehen; Wir wussten 
auch nicht anders, dann dass Unsere deshalb ausgestellte Erklärungen 
also eingerichtet wären. Nachdem Wir aber die Acta durch Unsere 
Käthe durchsehen Hessen, thatcn sie Uns die Helation, dass Wir den 
angesagten Wahltag einmal beliebet, und nun vennöge der Aurea 



>} Vergl. ob«D p.Sia 



Verweise für BhimonthftK 



313 



I 
I 

I 
I 



Ulla bei Uns nicht sttlmle, darinnen eine Aenderuug zu macbeiL 
gewesen, der Fllrst von Auersberg hätte wol 
gelindere Pferde reiten 8<illen. 

Dieweil nun dieses geschehene Dinge acind, werdet Ihr . • . . diege 
Unsere privat desidcria anfs eiferi^^wte treiben, zumal, wie Ihr schrei- 
bet, die Kais, Miuistri Vertröstune: gethan, dass das Ende gut sein 
würde; welches Ihr aber mehr wünschet dann hoffet. Und dabero 
mögen Wir Uns nicht wol in Eure Schreiben richten; dann Euch er- 
innerlich, wie Ihr Uns so grosse Hoffnung von Favor des Graf 
Kurtzen gemachet; nunmehr scheinet es aber, als wann derselbe 
nichts thun könnte , sondern alles an dem Fürsten von Auersberg 
gelegen wäre. Uns nimmt Wunder, da Ihr so lange in dieser Sache 
negotiiret, dass Ihr nicht endlich der Kais. Ministrfirum eigentliche 
Intention erforschen können. Dann da nach abermaligem eifrigen 
ürgiren Ihr vergewissert werdet, dass durch den Weg der Güte und 
Angeordneter Cotnraission nichts Hauptsächliches zu verrichten, so 
schreibet Uns nur bald solches ohne ferneren Umschweif zu, Wir 
wollen /ilsdann andere Tonsilia ergreifen. 

Wann hiemächst der spanische uud holländische Gesandte an- 
kommen, werdet Ihr Euch aufs fleissigste erkundigen, was etwan ihre 
Verrichtungen sein mögen, und Uns davon Part geben* 

Dass das Haus Wnlfenbllttel, Celle und Hannover dem Herzoge 
Ton Neuburg ihre Stimme zum Kreiso bristen sollten gegeben haben, 
dasselbe können Wir nicht wol glauben, sintemal Uns weder von 
Cleve noch Essen deshalb etwas zugeschrieben. Wir halten aber ne- 
beust Euch dafür, dass aus dieser Verfassung schwerlich etwas wer- 
den werde. . . . Euch wird bekannt sein, dass Wir Unsera Mindischen 
Kanzler Wesenbecken nachcr Essen gesandt, welcher verhoffentlich 
bald ein mehrers hiervon schreiben wird '). -- 

Ihr erwähnt, wann die Holländer einige Furcht gezeiget und sich 
üicht bald zur Defension angescbicket, man würde die Essensche Ver- 
fusgung besser pous^iret haben; nun aber mochte es bleiben, 1) wann 
die Lothringische Tractaten zur Pcrfection kämen; 2) weil man den 
Krieg am Kais, Hof fürchtete. Welches Uns gewiss ein Nachdenken 
verursachet; dann hicbevor habt Ihr altemal dafür gehalten, man 
^^üsste an Kais. Seiten von dieser Verfassung nicht; L Maj, hittten 
*B des Herrn Pfalzgrafeu Vornehmen ein Missfallen^ gäben deujselben 
unrecht. Nun aber gebt Ihr deutlich zu verstehen, dass dies Wesen 



') YergL Wtsenbeck^s Berichte io dem folgeoden Abschnitt. 



314 ^^* ^^^ Reichstag zu Regensburg. 

auf Lothringen und die HollUnder geziclet. Wir haben zwar leiob'tt^ 
schlicssen können, weil I. Kais. Maj. sieh so sehr bemühet, den Loth^ 
ringcr mit einer Satisfaction abzufinden und man ausgesprenget, Baminfc 
wären die Holländer in grossen Nöthen, auch besage Eures vorigem. 
Schreibens auf der Bahn wäre, dass durante processu Unsere elevischo 
Städte cvacuirct werden möchten, dass diese vorseiende Yerfaasunp 
auf Uns und die Holländer angeschen sein mtlsste. Allein Wir haben 
so lange noch den gelinden Weg gehen und er^varten wollen, bis die 
Intention Unserer Widerwärtigen selbst herausbrechen möchte; so auch 
nunmehr geschehen. 

Und weil dergestalt am Tage, dass Wir Uns zu der Kais. Partei 
nichts guts zu versehen, als muget Ihr selbst urtheilen, ob Uns an- 
ständig sei, der Krön Frankreich und Holland, als von welchen 
Wir und Unsere Vorfahren so viel Gutes genossen, einige Suspicion 
zur Olfension zu geben, und ob nicht vielmehr zur Conservation Un- 
sers Estats dienlich und nützlich sei, dass Wir derselben affeetus und 
favor beibehalten und suclicn mit ihnen in engere Verständniss zu treten. 

Dann wann Wir bedenken 1) dass Chur Sachsen und Pfalz Neu- 
burg respcctu ihres Interesses die Kaiserl. Hulde und favor suchen, 
auch dieselbe vor Uns in vielen Stttckcn erlanget; 2) dass die Kaiserl 
Ministri Uns wenig achten, zum Theil hoifärtig verkleinem und iro 
geringsten in Unseren dcsideriis Uns keine Satisfaction geben; 3) dass 
sowol im Churf. als Fürstl. Collegiis Uns jedermann zuwider sei, in- 
dem es immer heissen muss, es sei per majora geschlossen und könne 
man auf Unsere Contradiction nicht sehen; auch da man eben die 
materiam, ob in coUectis pluralitas votorum gelten könne und solle, 
vorhat, bald in der Lothringischen und Vechtischen Sach das contra* 
rium ante dccisionem weiset; 4) auch da contra Instr. Pac. Uns Un- 
sere Lande vorenthalten wurden, doch niemand die Krön Schweden 
die doch nicht mehr in armis war, einiger Contravention beschuldigen 
dürfen, anitzo aber ohngeachtet die Krön Frankreich noch armirct ist, 
man derselben ungeseheuet den Kopf bietet *) — so können Wir leicht 
sehliessen, dass Wir allenthalben schlechte favor und aus dem Reich 
mehr Böses dann Gutes zu gewarten haben, sonderlich wegen der 
JUlichschen Sach, weiln ja I. Kais. Maj. mit einer Schwester nicht 
viel Schwftger machen können. 

Und eben darum missßlllet Uns, dass Ihr ohn Unser Vorwissen 
consentiret, dass das Churf. Colleg bei Holland vor den Johanniter- 

*; No. 4 Zniats am Rande von derselben (Tornow'e) Uaod. 



Verweise für Blmneiithal. Der Kurfürst sehr unzufriedeD. 315 

Orden intercediren möchte; dann weil die Intercession ohn einigen 
Effect Bein wird und man nicht mehr damit ausrichtet, dann dass man 
ihnen, den Staaten, zeige, wie sie Unrecht thun, dass sie dem Orden 
die Güter vorenthalten und, da man könnte, ihnen solche gern neh- 
men wollte: so kann solches ohne Oifension nicht zugehen. Derhal- 
ben wollet Ihr sowol dieser Intercession, wo sie nicht schon abgangen, 
widersprechen, als Euch ins künftig mit guter Manier und also dass 
Unsere Intention nicht leicht gemerket werde, aller gehässigen Dinge, 
80 nur die geringste Suspicion zur Oifension geben können, wider 
Frankreich und Holland abthun und gänzlich äussern. 

Wann auch ins künftige von der Kais. Capitulation weiters 
sollte deliberirt werden, wollet Ihr Uns* in Zeiten davon Part geben, 
damit Wir Euch wegen einiger Punkten, worinnen der Churf. Auto- 
rität sehr nahe getreten worden, Information zusenden können. 

Waldeck an Blumenthal. Dat. Berlin 23. Oct. 1653. 

[RUge über den äbelo Gang der Geschäfte. Geldangelegenheit. Der Kurfärst 

sehr missvergnügt.] 

Je viens de recevoir la vostre du 12 d'Oct. Je suis marry, que 2. Nov. 
je Yois les affaires en si mauvais train. Je croy, que puissions estre 
hors de peine, oü nous trouvons; dans roa simplicitä il semble, que 
je n'ay pas taut mal jugä; niais le rem^de est tres diificile; la pru- 
dcnce de V. Exe. y pourra apporter de Taide. 

Quant k Targent, je n'en ay point de connoissance et ne s?ay, 
A loa en peut esperer. Je ne laisse pas pourtant d*en renouveller 
^ memoire k tont moment ä ceux qui en ont le luanicment. 

S. Alt El. m'a fait voir'la lettre de V. Exe. et se monstre trös 
n^l satisfaite du mauvais succ6s de vostre negociation. Je ne sgay 
qü'en dire, mais bien que je suis etc. 

Tornow an Blumenthal. Dat. [Berlin] 23. Oct. 1653. 

[Der Rorfofst roiasznfrieden mit dem Gang der Dinge in Regensbnrg. Die Evan- 
gelischen in Oesterreich. Ein Wort Wallensteins. Grosser Geldmangel.] 

Ich kann leicht erachten, dass Sie nicht viel Zeit haben, meine 2. Nov. 
Pri?atsdireiben zu beantworten, weil ich ohne das die Publica aus 
denen wöchentlichen Relationibus und E. Exe. Schreiben an S. Ch. I). 
za lesen bekomme. 

üeber E. Exe. Schreiben, so am vergangenen Mittwoch einkam, 
waren höchstbes. S. Ch. D. über die Maasse sehr übel zufrieden und 



316 ir« Der Reichstag zu Kegcnsburg. 

vermeinen, Sie haben die Kaiserliche Partei sehr zu fürchten und sich 
vorzusehen, sonderlieh weil der Fürst von Auersberg Sie so spött- 
lich tractirot. Ich zwar bekenne gerne, dass mir von Herzen lieb sein 
sollte, wann Haupt und Glieder vertraulich an einander hingen; allein 
weil gleichwol S. Ch. I). bald in einigen Dingen keine SatisfactioD 
bekommen, weiss ich nicht, was von der Sache zu halten. 

Was die Evangelische Sache in den Erblanden betrifft, habe ich 
allemal davor gehalten, dass nichts darinnen wtirde zu richten sein, 
und dass S. Ch. D. besser thäten, dass Sie davon still schwiegen. 
Allein dieselbe vermeinen, Sie können es salva conscientia nicht wol 
thun. Gott vergebe es denjenigen, die zu Osnabrück und anderswo 
pro defensoribus fidei siiae evangelicae religionis sich ausgegeben und 
doch dazumal, als sie noch in armis und considerabel gewesen, nicht 
ein mehrers zur Sache thun wollen. Nunmehr halte ich selbst dafür, 
dass 1) mit Bitten nichts zu erhalten, welches ich auch I. Kais. Maj. 
gar nicht verdenke, wann ich considerire, dass Sie fast glauben , Ihre 
Religion sei in Gottes Wort gegründet; 2) dass man schwerlich dieser 
Sachen halber einen Krieg anfangen werde. Es fällt mir hierbei des 
Fürsten von W^ allen stein Consilium ein, so er den Jesuiten gege- 
ben, die gebeten, den General Arnim dahin zu halten, dass er die 
lutherische Feldprediger von der Armee schaflen möchte: dass sie 
nämlich sich bemühen möchten, dem erwähnten General zu remon- 
striren, dass ihre Keligion besser wäre und dann denselben zu mo- 
viren, zu ihnen zu treten; so würde er hernachmals selbst wol die 
Prediger abschaffen. Also, wann wir uns wollten bemühen, wie 
nach Veranlassung des Abschieds de a. \bi)() beide Religionen zwi- 
schen den Geistlichen verglichen werden möchten, also dass das ver- 
maledeite Verdammen und Verketzern aufhürete, vielleicht w^ürden 
alsdann I. Kais. Maj., noch andere sich so eiferig in Vertreibung der 
l-nserigen erweisen. 

Der Geldmangel alhier wird täglich grösser, und ob ich gleich 
sehr vor die Herren Gesandton sorge, so will doch solches wenig 
helfen, weil icli keine Mittel in Händen habe, zumalen E. Exe. be- 
kannt, dass das Münzwesen aufgehüret, und dass das Salzwesen, weil 
diejenige I^eute, so Geld dazu vorgeschossen, noch nicht bezahlet 
seind, noch nichts abwerfen könne; und sonsten habe ich uiit dem 
Kamnierwesen nichts mehr zu thun. Ich werde aber jedoch nicht 
ablassen zu sollicitiren. 



I'. £yangeltsch. i. Oeaterreich. Geldnotb. DobrzeDBki. Bloineuthal verstimmt. 317 



Blumen thal un Waldeck, Dat. Regensburg 26. Oct. 1653. 

fMigÄEiifriedeoheit über den Gang der ßcicUslaj^sj^esclKifle. Warnaug vor haxnr- 
dirten Plaoeii. Dubrzeriski.] 

Kachdein der v, Dobrxenski*) von hier heute wieder xurück- 5, Nov. 
ziehet^ 8o werden E. Exe, von demselben den hiesigen Zustand 



dieses Reichstags 



veruehmen künnen. Hier ^ehet es noch zur 



Zeit nicht also wie ichs wol ver hofft hätte. , , . Ich hab Tor diesem 
gemeinet, dass, waun ein oder der ander auswendi^rer Potentat ohne 
UrsacU dem Reiche Schaden 7Aifiigen wolle und die Cburflirsten hiel- 
ten luit theils der vornehmsten Fürsten /.usanunen, so wären sie mit 
Und neben dem Kaiser bastant, sich vermittels g:öttlichen Beistands 
^nng^m zu maintenircn. Solches ^laub ich zwar noch vCdlig; aber 
in einem hab ich ^^efeblt; das ist dieses, dass ich verhoffetj es werde 
ein jeder derselben solchen Zweck billig haben und dem andern zu 
'dessen Beförderung beständig assistiren müssen; betiude aber leider, 
[dass es scopae dissolutae sein und lauter difKdentiac und particulares 
[ eonsiderationes. 

[Das Richtige iüt] wann ein jeder Fürst sich und seine Mittel wol 
ritennet, dieselbe durch alle christliche Wege, ausser des Nächsten Un- 
terdrlickungp von Zeit zu Zeit vermehret und mit Weisheit und Cir- 
euinspection emploiiret. Wann nun diese Sachen festgestellet ... so 
'werden viele kommen, die unsere Freundschaft suchen und vermittels 
Ergreifung eines gk'ichmässigen scopi unsere Sicherheit befördern und 
mmsere Reputation vermehren oder wenigst conserviren. 

Daferne nuin aber sich nicbt erst in diesem kleinen Cirkel eine 
^ute Weile aufgehalten, und beflissen sein will dieses völlig gewiss 
wi werden, so i^t sehr gefäljrlichj wann man auf andere grossere viel 
^denken und dieselben mit Ungelegenheit embrassirea will, 
E. Exe. verstehen mich, was ich sagen will. 
Den Herrn Dobrxenski weitläuftig rccominandiren ist unnö- 
thig; dann ich weiss, dass Sic ihn lieben; versichere allein E. Exe, 
dass ich und nlle ehrliche Leute ihn derohalben lieben und möglich- 
ster Beförderung würdig erkennen. 

^) Joh. Ulrich Dübrzenski von Dobrzeniec, damals noch Kammerjawker; 
Tom foigendcD Jahr an mehrfach \a (tesnndtschaften gebraucht und schon Ao- 
ffttig 1G56 £utn geheimen Kath ernannt. Der Zweck seiner jelsigen Anwesen- 
heit tu Regenäburg hi nicht bekannt. Kr steht von Anfang an mit Wal deck 
ib naher Verbindung und wird» wie es scheint, besonders von diesem io die 
Uube gebracht; sowie er auch nachmalä nach dessen Austritt aus dem Dienst 
des Kurfürsten längere Ungnade und Zurücksetisnng t\i leiden hatte. JS. Graf 
W»ldtckp.444 



318 ir* Der Reichstag eu Regonsburg. 

Der Kurfürst au Blnmeuthal. Dat. Colin a. Sp. 
20), Oet. 1(553. 

[Boschrüukung der Gesandtschaft. Graf v. ZoUern. Scharfer Verweis gegen 
Blumenthars Verfahren in der Angelegenheit dos Königs von England.] 

5. Nov. Die Conipeiisationsvorwändc dor Kaiserlichen [oben p. 310] sind ^ein ge- 
wisses Zeichen einer gänzlichen Abweisung^ und es bleibt daher bei der 
Weisung des vorigen Schreibens. Zugleich soll ^diese kostbare Legation'^ dqd 
ein wenig eingezogen werden und der Kurfürst erwartet darüber die geeig- 
neten/Vorschläge. Von den hiesigen Ständen restiren nur noch 2000 Thlr. 
Legationsgelder, und diese sind noch nicht eingegangen; die Stände drin- 
gen darauf, das» Tlalberstadt, Minden und die clevischeu Lande auch etwas 
thun sollen. 

Die Reise des Grafen v. ZoUern nach Berlin soll Blumenthal ab- 
zuwenden suchen und ihm baldige Uebersendung von 200 Ducaten yer- 
sprechen. 

Sonstcn wird uns von verschiedenen Oortern und zwar beglaub- 
lich berichtet, dass Ihr dem engelschen Gesandten mit Eueren Privat- 
discursen und actionibus in viel Wege zuwider sein sollet, welche 
Präsumtion bei Uns vermehrt wird, wann Wir Euer Votum, so Ihr 
am 14. Oct. dieses Jahres im Churf. Collegio deshalb gefllhret, in etwas 
erwilgen: 1) weil gleichsam zu Euer Entschuldigung Ihr Ungern Be- 
fehl anziehet'); 2) da vorhero kein quantum benennet, sondern einige 
dahin gezielet, dass sie mit der Nachsitzenden Votis in diesem l^inkt 
sich confirmiren wttrden, und also gleichsam bei Euch gestanden ein 
Grosses zu benennen, da Ihr doch nur .-) oder 4 Uömermonat deiiniret 
und gleichsam den andern Herrn ChurfUrsten Anlass gegeben, ent- 
weder i) Monat zu willigen (weil das geringste in solchen Sachen 
gemeiniglich pfleget erwUhlt zu werden) oder doch nur auf 4 bestehen 
zu bleiben; 8) dass Ihr endlich hinzuthut, weil Ihr instruiret, ad mi- 
ninmm auf 200,<M)0Rth. zu gehen; dann da Ihr solches bekennet, mit 
was Fug habt Ihr dann 3 Uümermonat vorschlagen können? Ihr 
wisset Unsere Intention gar wol und haben Wir Euch dieselbe Öfters 
mündlich entdecket, wie Ihr nämlich auf 7 liömermonat halten und 
auch suchen sollet, dass das Reich mit emem sondern Eifern sich 
dieser Öach ob jus naturae und aller Potentaten Interesse annehmen 



I) Die stelle laatet: «in solcher Meinung blieben sie« kraft habenden Befehls 
nochmals und vermeioeteu ratiooe quaoti, wann I. Kön. M^j. 3 oder 4 Römer- 
monat verwiUiget wfirdeD, inner Jahres Frist su besahleo .... solches werde 
dem Kelche weder beschwerlich noch dem Könige unanoehmlich fallen*. Bei 
einer iweiten Umfrage fügt das brandenbargisehe Votum dann die Snmme von 
l^OO.OOO Hth. als Minimum hiotn. (Protokoll im Kurf. liath 14/S24. Oct ie5&) 



» 



Dm englische Subeidium. Der Plan einer Deaiiten KurwiircJe, 3|9 

möchte. Nun aber niüsBen Wir mit höclistem Verdrusa vernehmen, 
ilaas Ihr nicht einmal der 7 Uöniernuoiat erwähnet, zuj^eschw eigen, 
da es bei Eueii gestanden, dass Ihr 20 oder mehr Rutnermonat vor- 
schlagen wollen. Wir wollen Euch nachmale erinnert haben, dass 
Ihr Euch in diesen und andern ir^achen stricte an Unsern Befehl baltet, 
allen einseiligen Kcspect aus Au^en setzet und durch Euere bekannte 
Dexterität suchet Unsere Intention zu erlangen; zumal Euch wol be- 
kannt, wie schwer contraria zu negoliireu zu vcraDtworteu sei; wel- 
ches Wir aber noch zur Zeit von Euch nicht glauben, sondern viel- 
mehr Euer Verantwortung hierüber gewärtig sein wollen '). 



I 



Der KurfQr;?t an die Keichstagsgesaridteu, Dat. Cullii a. d. 8p. 

iJO. Oct. 1G53. 

[Die Pftntftt im Kurcollegiutn bei Depatatioostagen. Der Vorschlag einer oeon- # 
t«o Kur wol aonehDibar SchwierigkeiteD dagegeu; Vorschlag' der Alteratrung 
]Uit«r den katholischea Rurrarateii, Vorschlag der Karfürsteo; Herbeiziehaog 
etDes evaageliscben Fürsten ad hoc. Zur Frage der ReichsatenerD,] 

Iq Bezug auf die Geschäftsorduung der DeputatioQStage bleibt es 9, Nov, 
nochmals dabei, dass das Kiirfürsteinolleg getrenut vou den öodern Stün- 
clen bcräth, wie es Ilcrkomnicu i^t. 

Wann Wir aber die parificationem der Depntatorum consideriren, 
müssen Wir bekennen, dai^s die verba des Instr. Pac, hell und klar 
«ein und können Wir nicht einige Motiv finden, w^arum die Herren 
Churfiirsten von solcher Parität sich sulttcn ausschliessen könnciL . 
Si>llte dannenhero dasjenige Temperament, so Wir am 2G. dieses voi- 
gCiichlagen*), in diesem puncto pariticatiouis nicht zu erreichen, noch 
äiogenotnraen werden wollen, könnten Wir Uns in so weit mit denen 
evangelischen Ständen de^falls wol confinniren, dass der neunte 
Electorat dergestalt eingeführt, dnss :i fürstliche Personen evangeli- 
scher Religion von allen Collegiis denominiret würden, die unter sich 
u loosen, wer der neunte Churfürst sein sollte; dabei es dann zu 
ItÄsen und müsste dahin gesehen werden, dass unter diesen 3 Per- 
sonen aufs mindeste die eine reforrairter Religion wäre, die Wir auf 
den Fall, da diese Meinung sollte approbirct werden, denominiren 
^olleu. Dann wann Wir diesen 9t«» Eleetoratum überlegen, kannte 
äerselbe denen Evangelischen viel Nutz schaffen^). 



') Vergl. oben p. 307. 

■) VergL oben p. 306. 

*; Vergl. hier2ü die Dtir wenige Tage friiher erfolgte Weieung gatit ftadern 
liHltet über dieeelbe Frage, oben p, 306. Mao erkenot die iuEwischeo rorge* 
fIBgeue WeadtiQg iu der Polilik des Kurfursteii, 



320 ^^- ^^^ Reichstag su Rcgeusburg. 

Es fället Uns aber diese Diftieultslt dabei ein: wann es sieb su- 
trüge, dass «iner von denen katholischen Churfürsten zu der evan^- 
lisehen Religion träte oder von dieser Religion einer die katholische 
annähme, dass fortan der l()te ChurfUrst und so fortan auf folgende 
dergleichen Fälle mehre ChurAlrsten eingenommen werden mttssten. 
Allein wann Wir bedenken, dass nicht wol von den ,-] ersten katho- 
lischen ChurfUrstcn einer mutircn möchte, oder, da solches geschehe, 
doch derselbe seine Laude und Churdignität verlieren wQrde, so wUrdc 
auf der katholischen Seiten dieser Fall auf Chur Baiern allein an- 
kommen und wäre dann ein Mittel zur Parität, dass der 9te Elector, 
existente hoc casu mutationia, hinwieder abtrete und seine OburdignitUt 
deponirte; welches aber schwer fallen und nicht ohne Verkleinerung 
wol zugehen könnte, auch keiner auf solche Condition gern die 
lite Stelle annehmen würde. ... Da wäre nun zwar das dritte Mittel 
zur Parität, so hiebevor vorgesehlagen, dass nämlich bei denen De- 
jintationstägen einer von den Herren katholischen Churfürsten alterna 
vice zurückbleiben .... und die letzten ;5, Trier, Cöln und Baicm, 
einer um der andern alternireten ; welches sie aber schwerlich thun 
werden. 

Wann aber sich die Herrn katholischen Churfürsten gesagter 
Maassen zur Alternation keines Weges verstehen wollten, so glauben 
Wir wol, dass ihnen ihre Stimmen nullo jure können genommen wer- 
den; und darum däuchte Tns über dem Temperament, so Wir schon 
am A). dieses vorgeschlagen, kein besseres Mittel zur eigentlichen 
Parität zu sein, dann dass allemal der Vorsitzende evangelische de- 
putirte Fürst, nur bei diesen Ordinär- Deputationstägen und sonsteu 
gar nicht, in das Churf. Collegium zu denen consultationibus genom- 
men würde; doch salvis onuiibus ])rivilogiis, dignitatibus und juri- 
bus der Herren Churfürsten; . . . dass auch diese Admission dem 
adjungirten Fürsten keine mehrere l'rärogaliv, Präcedenz oder Diguität 
zueignen sollte, dann er zuvorgehabt; und dass s(dches alles bei den 
Keichstägeu zu keiner Conse(|uenz gezogen werden sollte. Würden 
aber die Herren Fürsten dem Vorsitzenden evangelischen Fürsten diese 
Ueisitzung nicht allemal gönnen wollen, so stünde dahin, wie sie sich 
deshalb vergleichen würden; dann es dem Churf. Collegio gleichviel 
sein könnte. . . . Und dahin habt Hir auf begebende Fälle Unser Vo- 
tum zu richten. 

Von dem neuen Memoriidy was die ovangoliächcu Für&ton und Stände 
pi Betreff der Keichssteuern eingegeben haben, ist der Kurfürst mit 
l'ülgeudi'U PunktcD eiuvcrstaudeD: 



Di« 9te Kor. Fordemngen in Betr. d. Reichssteaern. Blumenthal n. Gr. Eurtz. 321 

1) dass keine colleotae gegeben werden sollen, es erfordere dann 
dieselbe inevitabilis et notoria Imperii necessitas; 

2) dass der Zahlmeister dem ganzen Beiehe mit Eid und Pflicht 
verbunden; 

3) dass ihm, wo noch keiner ist, ein Gegenschreiber zugeordnet 

werde; 

4) Einnahmen und Ausgat)en den Chur-, Fürsten und Ständen 
richtig berechnet werden; 

ö) dass Majora sein sollen, wann % oder y, eines Collegii mit 
einander einig sein; 

6) dass der nicht Contribuirenden Vota gar nicht attendiret wer- 
den sollen; 

7) dass ad voluntarias coUcctas keiner genöthiget werden solle; 

8) und letzlich dass die Matricula revidiret und nach Billigkeit 
eingerichtet werde. 

Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Regensburg 

10. Nov. lOcIO. 
[Blameothars Stellang zu Graf Kurtz. Die clevischen Stände und ihre Forde- 
rungen beim Kaiser.] 

Besprechung mit dem Eorfürsten von Mainz über die Entscbädigaog 10. Nov 
für die Yorenthaltang von Pommero; desgleichen über die Unterstützung 
des Königs von £n<{land ; der Karfürst sagt seine günstige Mitwirkung zu. 

Was den Graf Kurtzen belanget, da habe ich denselben E. Cb. D. 
seit der Zeit, da dero Bedienung ich untertb. erhalten, jeder Zeit vor 
andern gehorsamst recommandiret und bin gewiss, dass keiner hier 
ist, der mit grösseren Freuden E. Ch. D. zu dienen suchet als dieser 
und der Graf von Schwartzenberg; und deshalb weiss ich keinen 
andern Zeugen als meine Gonscienz und das äusserliche Comportement 
besser zu nennen. Ich bin darin unglücklich, dass bis hierzu der 
Effectus nicht hat erfolgen können; weiss aber wol gewiss, dass diese 
beide es gerne besser gesehen hätten und darunter arbeiten. Und 
ist mir gewiss leid, dass E. Ch. D. aus meinen Schreiben nicht ein 
mehrers Licht bekommen und sich darin nicht gar wol richten kön- 
nen . nun ist zwar an dem , dass ich zuweilen , wann die Post 

abgehet, sehr viel zu schreiben habe, also dass ich die wenigste Briefe 
wieder zu überlesen Zeit habe — [doch habe er nicht gesagt , dass die 
Priyatdesiderien des Kurfürsten ganz ohne Hoffnung §tünden; es stehe bald 
besser, bald schlechter damit.] 

Betreffend der Clevischen Stände -Sache, da werden £. Ch. D. 

Mater. lor Getch. d. Gr. KurfQnteo. VI. 21 



322 ^^' ^^^ Reichstag aa Regensbarg. 

nun schon wol ersehen haben, was sie vor eine Resolution erlanget 
haben*). — Dass E. Gh. D. keinen Posten in Westfalen evacuiren 
werden, das weiss der Kaiser selbsten wol und habe ichs den KAthen 
deutlich genug zu verstehen gegeben; und ist deren Antwort, mit wel- 
chen ich geredet habe, diese gewesen, dass man am Kais. Hofe beide 
Parteien hören mttsste, und wann Einer sagte, dass eine Sache dem 
Instr. Pac. zuwider wäre, so sehriebe ^man ihm, demselben nachzu- 
leben; wann aber der Ander sagte und bewiese , dasa es dem Frie- 
denschluss nicht zugegen liefe, so acquiescirete man. — 

Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Berlin 
2. Nov. 1653. 

[Die Elbschififahrt und die laucnburgiachen Eibzölle.] 

12. Nuv. In Bezug auf die Zollerhöhung für Herzog Julius lleinrich von 

Sachsen -L;iuenburg hätten die Gesandten uicht bo schnell ^ehcn sollen*); 
man muss die SpecioUtäten derselben erst in Krwägung ziehen, ^wieweit 
dieselbe begehrte Krhöhun;:; der Hnndelung schädlich oder erträglich, ob 
die Elbschiffahrt nicht endlich dadunh ^'ur zergehen möehtc^. Der Kur- 
fürst lässt jetzt erst die Zolirolle durch die Amtskanimer prüfen. Chur- 
Sachsen ist daran minder hoch interessirt. 

Wir seind weg<?n Unser Elb-, Havel- und ypreezölle hieran am 
meisten interessiret: dann je höher die Zölle bei Hamburg und unter- 
wärts gesetzet werden, je mehr bcfleissigct sich der Kaufmann, zu 
Lande Wege zu suchen, welches, wie Wir eine Zeit hero gnugsani 
erfahren mUssen, Chur JSachseu nicht ab-, sondern vielmehr zugehet. 

Später erklärt sieh Brandenl.urg ^cgen den lauenburgiscben Klbzoll, 
aber erfolglos; ^.^; j^/^/;^ 1Ü54 berichten die Gesandten, dass dem Herzog daä 
Kaiser!. Zolldipluni doch ^non obstantc nostru contradictione et nobis in- 
sciis"^ übergeben worden sein soll, ^uf sein Wort, dass er E. Ch. I). C-on- 
sens auch ratiouc quanti wol erhalten wolle, gegen Erlegung eines laudeniii 
von etlichen tausend Thalern^. 

Waldeck au Bluinenthul. Dat. Herlin 2. Nov. 1653. 

[Bedauern über den («ang der Din^e in Uegcosburg. Pläne und Wünsche.] 
12. Nov. Je suis marry de voir dans la relation comme aussy dans sa 

lettre, que tont va mal pour le bien et seuretö des Evangeliques. Je 
prie V. Exe. au nom de Dieu de bien executer la volonte de 8. Alt. 
• 
M Dut Rcgensburg 16. Oct 1653. Urk. n. Aotenit V. p.61>2ff. 
*j Vergl. obM p.80S. 



Elbz511e. Blamenthal und Waldcck. Der eDtscheideDde Brach. 323 

El., qui est, qu'on se joigne avec les autres estats cvangeliques dans 
lc8 points, qui concernent leur suretö et sont conformes ä Tinstrument 
de la paix. 

Si j'avois rassistence, je croirois faire quelque chose de bon k 

präsent; nos estats s'aecommodant avec nous, et plusieurs autres des- 

ordres commeufant ä eselater, je me promettrois uuc resolution ferme 

de nostre maistre. Mais ITiumeur de Tornow n*y est pas propre. — 

Yous pouvez satisfaire Dieu, vostre patrie et nostre maistre, si 

voulez luy procurer un peu de seuret6 avec le reste des estats, qui 

aspirent k une juste libertö. — 

Der Korfürst an den Kaiser; desgl. an das Kurfürstencolleg 13. Nov. 
dat. Colin a. d. Sp. 3. Nov. 1653. — Diese beiden Schreiben, welche die 
jetzii^e Stellang des kurfürstlichen Cabincts zu den beiden Hauptfragen der 
Parität in der Reicbsdepotation and der Majorität bei Steaerfragen und 
seinen Brach mit der Politik des Kaisers und der Kurfürstenpartei be- 
zeichnen, 8. bei V. Meiern I. 676 ff., sowie auch die darauf erfolgten Ant- 
worten, lieber den Eindruck, den dieser Parteiwechsel in Regensburg 
machte, s. den Bericht von Yautorte an Brienue dat. 14. Dec. , in N6- 
gociations secrdtes III. p. 620. Ueber Wal deck als Veranlasser jener 
l3eideD Schreiben s. unt. pag. 327 das Schreiben Tornow' s dat. 6/16. Nov. 
Ergänzend dazu ist das nachfolgende Schreiben, welches ebenfalls von 
"^aldeck concipirt ist. 

ZDer Kurfürst an den Kurfürsten von Sachsen, o. D, 1653. 

(Conc. V. Waldeck. Arols. Arch.)') 

{^Erklärung seines Standpunktes in der Paritäts- und Reichssteuerfrage; die evan- 
gelischen Fürsten dürfen nicht brüakirt werden. In Bezug auf die Reichssteuern 
^arf man sich nicht durch die kleinen Stände majorisiren und ausbeuten lassen.] 

Darlegung seines bisherigen Verhaltens in den Reichsangelegenheiteu ; 16. Nov. 
l)ittet um Communication der Ansicht Kursachsens in Betreff der beiden 
streitigen Punkte: paritatis und collectarum. 

Dann ich ganz nicht rathsam . . . erachte, so wenig in puncto 
paritatis von dem Instr. Pacis, als in materia collectarum von dem 
alten Herkommen zu weichen ; viel weniger einführen zu lassen, wenn 
80 eine grosse Anzahl der Evangelischen etwas vorbringt, solches vor 
eine particular Erinnerung zu consideriren, ja gar nicht, ohngeacht 
aller Considerationen, ihnen das Werk über das 'Haupt hinweg zu 
nehmen. Denn wie hochnöthig es sei, den so theuer mit Blut und 



1} Das Datam dieses Schreibens (6/16. Nov.) ergibt sich aus der kursächsi- 
Bchen Antwort auf dasselbe, dat. Dresden 30. Nov., welche sich bei v. Meiern 
l p. 774 findet. 

21* 



324 



II. Der Heichatag zu Hegeosburg, 



Gold erkaufteE Frieden ohnverbrUchlicla zu haltea« ia deme alle Gfiind- 
veste unserer Freiheit und Sicherheit bestehen, ist ohnnöthig aiixu- 
f (ihren; wie hochschädlicli es denen, so ^ü8se Lande, durch die maiora 
deren, so wenig oder gar nichts gehen, alle Jahr oder doch zum 
Ofteru mit Eiüvvilli^^uug ohpnothiger Keichsanlagen zu beschweren^ 
befinden die, so wegen solcher gcwilligten Gelder dero Lande niehl 
allein gegenwärtig zu Unterhaltung und Erbauung Kirchen und Schu- 
len, zu Beispringung ilirer Herren . . . , nicht gebrauchen und durch 
grosse Schulden, darin sie gesteckt, noch eine gute Zeit deren wer- 
den entbehren müssen. 

Will man über die Fordeiuüguo der ev an gel i scheu Fürsteu einfach Uin» 
weggehen, so wird die Folge nur die Auflösung des Reichstags seio. 



lilumentliat an den Kurfürsten. JJat. Regensburg 

a/13. Nov. 1653, ^m 

[EntachutdiguD^ wegen der Aogelegeoheit des eDgliacbeD Sabsidlums.] ^^% 
13. Nov. Nicht eigenhändig; er bittet um Entschuldigung wegen Krankheit; nur 

seine Rerhtfertigiiiig in Betreff" der Vorwinfc wegen des 2a geringen eng- i 
tischen Sahsidiunis etc. in dein Schrei l^en vom 26. Oct. '). 

Ob nun wol ich auch ehender des Untergangs eines ganzen Lan* 
des aU eines solchen ungnädigen Schreibens hätte vermuthen können 
und dahero eine gute Zeit nicht gewusst, wie so gana: unglaubliche 
Dinge erdichtet und E. Ch. D. vorgebracht werden könnten, so habe 
ich mich doch zuletzt erinnern müssen^ dass es bei Hofe nichts un- 
gewöhnliches, Dinge ans der Lnft zu erdenken, um ehrliche Leute 
bei ihrer sonst guädigsten Herrschaft in Diffidenz oder Unglück zu 
sttiraen. Ich würde auch kein besser Mittel haben erdenken küunen^ 
mich von solcher Su8i>icion zu befreien, als wann ich zu dem eng- ' 
lißchen Gesandten gefahren, deme solches berichtet und von ihme die 
Unwahrheit dieses ganzen Werks E, Ch. D. zu berichten begehret 
hätte; nachdem ich aber noch zur Zeit dafür halten muss, dass 
E. Ch. D. fast Selbsten verkleinerlich fallen wtlrde, solche ganz un- | 
gewisse und ungegrUndetc Dinge von Ihrem ersten Gesandten« und 
welchem E. Ch. D. nicht einen geringen [Theil?| Ihres Staats anver- 
trauet, vorzustellen, so habe ich solches lieber nachbleiben und bloss 
E, Cb. D* dieses mit der Wahrheit (deshalb ich Gott zum Zeugen an- 
rufe) unterthänigst berichten wollen, dass so gewiss, als ich mich I 



^) Yergl oben p. 306. 



Gottes Gnade versichert halte, nicht anders weiss, als dass der KönigL 
Gesandter dieses Orts auf niemand mehr vertrauet und Confidenz 
hat . . . als an Chur Maiuz, mich uud den churpfölzisebem Gesandten 
Herrn Huhnen. 

Ausführung seiner Verhanälnügen zo Gonsten des englischeu Aa]iegen£'| 
wobei derselbe 

mich zu verschiedenen Malen gebeten, dass, weil er hesorgete, 
es würde, wann man G, 7, 8, 9 oder 10 Römernionate vorschlagen 
würde, dannoch die sumnia der 2rx»,0OU Kth., weiln die meiste Staude 
und zuvorderst die Städte dieses »Subsidiuin pro ineie voluntaria eol- 
lecla halten, nicht können zusammengebracht werden, sollte man bin- 
furo auf die Köraermonat nicht mehr gedenken, sondern uur auf ob- 
gemelte summam, ob sie schon etwas geringer seiu sollte. 

Aus welchem allen E, Ch* D. sehen werden, wie ungleich mir 
gCßchiehet. Ich würde zwar mit mehrern Fundameuten den Ungrund 
der E. Ch, D. wider mich gemachten Suspicion ablehnen können, 
wann mir wegen meines, wiewol sonst geringen, Cbristenthums nicht 
bekannt wäre, dass die linke Hand nicht wissen sollte, was die rechte 

thttt; will aber solches alles gerne mit Geduld tragen und mich 

darmit trösten, dass ich gewiss bin, dass dieser Gesandter, wann Gott 
seinen König, wie zu hoöen stehet, zu Kccht bringen sollte, sich mein 
und der Meinigen wieder annehmen würde. Nur mdcbte ich wün- 
schen, dass diejenigen, so E. Ch. D. solches berichtet, nur den halben 
Theil des hiesigen Zustandes wüssten, als derselbe diesem guten Ge- 
saudten stur Genüge und volikömmlich bekannt ist. 

Was E- Ch* D. bei diesem ganzen Werk habende löbliche In- 
tention betrifft, so ist mir dieselbe gnugsam bekannt . . • . d^ss aber 
E. Ch. D. uns ingcsammt oder mir insonderheit von den 7 Römer- 
nioaaten ichtwas sullteu befohlen haben, dessen wissen wir uns im 
^Uw^ringsten , ob wir schon alle eiugekommene Rescripta mit allem 
Fleiss haben durchsehen lassen, nicht zu erinnern. Da es auch ge- 
schehen wäre, und Mandata stricti juris sein, so sehe ich nicht, wie 
wir wider E, Ch. ü, Willen 20 oder mehr Römermonate hätten vor- 
klagen sollen. Nachdem uns aber nunmehr der Befehl deshalb zu- 
kommen und die ganze Sache noch iiitegra» so wollen wir solches bei 
cr*^ter Gelegenheit wissen in Acht zu nehmen, wiewol ich sorge, der 
Abgesandter werde solches ganz nicht dienlich, sondern vielmehr 
«chidlich erachten. 



326 ^^* ^^^ Roichstag sa Begensburg. 

Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Colin a. d. Sp. 
13. Nov. 1653. 

[Dor Verweis wird aufrecht erhalten.] 
23. Nov. Wir finden nicht Ursach, warum Ihr Euch über Unsere Rescripta 
.... so sehr beklaget .... dann dass Ihr dem englischen Gesandten 
hinderlich gewesen, dasselbe ist Uns zugeschrieben und zwar von sol- 
chen Leuten, denen mit Euerer Ungelegenheit wenig gedient sein 
kann .... Wir wissen auch nochmals nicht anders, dann dass Wir 
Euch öfters von 7 Rümermonaten gesaget. — Wir wollen nun aber, 
was passiret, dahin gestellet sein lassen und mit Eurer Entschuldi- 
gung gnädigst zufrieden sein. — 

ßlumenthal soll bei fernercQ Gelegenheiten versuchen, noch eiwaa 
mehr zu Wege zu bringen. 

Graf Waldeck an D. Joli. Portmann, Gesandten in Regensburg. 
Dat. Küdersdorf 5. Nov. 1653. 

[AufTordcrung zu fleissigcr CommuDication mit den Evangelischen mitzuwirken.] 
15. Nov. Wie hoch 1. Ch. 1). daran gelegen, vornehmlich aber bei jetzigem 
Zustand, dero Sachen Freunde zu haben, ist Euch von sich selbsten 
bekannt. Wie wenig aber solche erlangt, noch erkannt werden, wenn 
man nicht communiciret mit einander, ist kundbar. Weil dann I. Ch. D. 
gerne sehen, dass mit den Evangelischen, in welcher Verderb I. Ch. D. 
Verderben stecket, vertraulich communiciret werde, so hoffe ich, der 
Herr werde an seinem Ort das Seine zu einem so nöthigen und heil- 
samen Werk mit contribuiren. Wenn wir uns von Gott scheiden, so 
seind wir verlassen; wenn wir seine Party verlassen, so scheiden wir 
uns von ihm. Wenn Gottes Ehr und weltlich Interesse nicht bindet, 
so ist kein Staat auf nichts zu machen: nun findet sich in der Evan- 
gelischen Sicherheit beides vor unsern Herrn. Damit aber das Werk 
mit Nutz geführt werde, wolle der Herr dahin es richten, dass bei 
den Relationen dero Gedanken gefllget werden und die Ursach dabei. 
Wo die alte Reichssatzungen, Instr. Pae. und alte Gewohnheiten ge- 
krUnkt worden, solches wolle E. Exe. doch jedesmal helfen erinnern. 

Waldeck an Blutnetithal Dat. Kiidersdorf 5. Nov. 1653. 
[Diverse Nachrichten vom Uofe.] 
15. Nov. Nous sommes icy ä la chasse. S. Alt. El. n*a pas laissd de re- 
soudrc <iucl(|uo chose toucbant la response de V. Exe. avant son dcpart. 



DttB VonÄalten Wald eck 't, Blnmenthal aod Toraow. 



327 



Nous avons enfin resohi de noiiß asaeinbler quand les relations 
Yicnnent, puis tenir eonseil et niettre nos sentiments par escrit, jmrs 
y faire resoudre S, Alt. El 

S'il y avoit des gens rompus daus les affaires du motide, il fau- 
droit esperer quelque chose de boo. Mais je nous vois fort manquer 
de ces Bortes de gens. — 
I Les troubles dans TElsaee m'ont inquietä U y a longtcnips; mais 

que faire, si loccasion perdue on reeognoit le mal? 

L'affaire d'Angleterre nous luenace d un grand orage en ces quar- 
tieTB; inais il est bien tard, si on eonuoist premiöreinent le reniMe 
apr^s la mort du malade. 

P Tornow an Bhiraeiithal Dat. |Berlin] 6, Nov. 1653*). 

[ Rrecbtferti^Dg wegen uDängenebmer Resolutionen, Herrschender Einflase des 
Grafen Waldeck; stille Oppogilroo.J 

Nachdem mir gesagt, dass E, Exe. sieh erkundiget, wer doch 16. No?, 
etliche Wochen her die Churf. Resolutiones concipiret, habe ich uu- 
shwer colligiren können, dass Sie mein Schreiben vor ungefähr 
Wochen an Sie gethan entweder nicht bekommen oder ausser Acht 
gelassen, darinuen ich ausdrücklich gemeldet, dass mir am L Oct. die 
Hegensburgischen Relationen zu beantworten anfgetragen, und gebe- 
ten, da E. Exe. verspüren würden, dass in einem und anderem geirret 
^ worden, Sie solches erinnern und mir vertraulieh zuschreiben roöch- 
B teo, was Sie noch etwan desiderirten, so wolle ich dasselbe Vermö- 
fe'cna nach also beobachten. Ich bekenne gerne 1) dass einige Dinge 
Ihro und den andern Herrn Gesandten verweislich aufgerUckct; 
L 2) dass auch etwan unnöthigc Sachen zu negociireu Ihnen anbefohlen 
B worden. Allein solches habe ich also hinschreiben müssen und bin 
no<;h wol in Verdacht kommen, als ob ich nicht pariren, sondern 
^r. Ch. D. zum Nachthcil eines nnd das andere verschweigen wollte. 
i^erohalben ich verhntlentlich entschuldiget sein werde nnd bin anitzo 
*^cbr bemühet, mich hien*on loszumachen. I. Exe. des Herrn Grafen 
^^ß Waldeck wollen anitzo von den publicis ihr Werk allein machen 
üi^d haben auch die beide Schreiben an L Kais. Maj, und das Churf. 
tViile^um angegeben, wiewol wir alle dafür gehalten, dass dieselbe 
nichts nutzen, auch wol gar den Herren Gesandten verkleinerlich sein 



\i Die Corr«epoiidenz jtwischon BlnmeDthal und Tornow findet sich »b* 
*cliri(Uich 'm den üben f^>. 147j angefübrlen Copialbücfaeru. 



328 ^ ^®^ Beichstag sa Begengbnrg. 

möchten. Ich yermeine auch unmaassgeblich, wann E. Exe. dieselbe 
zurückbehalten und deswegen künftig einig Ursachen anzeigen, Sie 
werden nicht brechen. 

Blumenthal an den Kui'fursten. Dat. Regensbui^ 
7/17. Nov. 1653. (m. pr.) 

[fiinziehang d^ Gesandtschaft. Finanzen des Kaisers. Blnmenthal in Verdacht 
Seine Ansicht über die nennte Earwärde; völlige Verwerfung des PIsdb. Der 
westfälische Kreistag. Fürstliche Pläne gegen das KurförstencoUeg. Politische 
Ansicht; kein Bruch mit dem Kaiser; Verbindung mit Holland und Frankreich.] 

17. Nov. Zum Behuf der beabsichtigten Einziehung der hiesigen Gesandt- 

schaft bittet ßlumeuthal ihn abzuberufen und nach Halberstadt in sein 
Amt gehen zu lassen, au seiner Stelle aber einen einfücheu Rath herzo- 
schickeu; jetzt braucht man monatlich 15 — 1600 Rth., daou würde maa mit 
7 — 800 Rth. auskommen. 

Wie Blumenthal vernimmt, hat man in Betreff der Privatdesiderien 
des Kurfürsten, die Absieht, ihm (abgesehen von Jägerndorf, worauf man 
sich gar nicht einlassen will) 100,000 Rth. und ausserdem Nachlass unter- 
schiedlicher Römermonate anzubieten; damit würde das Capital getilgt 
sein — ^die Zinsen aber, versehen sich I. Kais. Maj., werden E. Ch. D. 
alle fallen lassen''. 

Sie sagen, der Kaiser sei zehcnmal ärmer als E. Ch. D. und hahe 
an Capitalschulden über die 120 Millionen Goldes zu bezahlen. 

Man berichtete mich vor länger als 3 Monat, dass E. Ch. D. glau- 
beten, dass ich denen Kaiscrl. Ministris zu viel adhaeriren thäte. Ge- 
schiebet es in E. Ch. D. Sachen , so wirds Gott richten, ich weiss 
dass es nicht geschiehet. — 

Was die Vermehrung der Herren Churftlrsten (wie E. Ch. D. von 
9, 10 und sofort melden) Anzahl betriflFt, die ist eine solche Sache, 
so ich ohne die allerhohcste Offension aller Herrn Churftlrsten und 
ohne E. Ch. D. abermaligen Befehl nicht vorschlagen darf. Sie ist 
unmöglich zu erhalten ohne Krieg, und wann es geschehen sollte, so 
würde es niemandem mehr schaden, als der es proponiren Hesse. Sie 
laufet contra leges fundamentales Imperii, contra omnium Eleetorum 
praeeminentiam. Sie giebet denen Fürsten in die Hand, die rechte 
Parität und Adäquation, so sie suchen mit den Churfürsten, zu be- 
haupten, weshalb hier der Streit bishero einig und allein gewesen'); 

') Aus den Motiven des fürstlichen Collegs wird ferner als die Meinaug 
dt*r Fürsten angeführt; ^dass nämlich von Alters auch uf gemeinem öffentlichen 
Reichstage die Chur- und Fürsten ihre Deliberationen conjonctim geführet und 
die separatio coUegiorum allererst post annum 14d0 vorgegangen sei*. (Relat. 
dat. 10/20. Nov. 1653.) 



Blumenthal im Cooflict 



329 



I 



I 



und kann daraus oichts als eversio et dissolutio totius Imperii folgeu; 
uod sollte mir von Herzen leid sein, wann ich derjenige sein mUsste, 
der gegen seine zu E, Ch< D. i^eputatione Erhaltung geschworene 
Piliehte dasjenige thiin sollte, was gewiss £. Cb. D. Nachfolger be- 
reuen würden* 

Dannoeb aber und da E. Ch. D. dabei verbleiben und mir be- 
fehlen werden, dass ich solches non attentis rationibus in contrarium 
proponiren soll, so mll iehs willig (ob es schon gegen mein Herz 
und Gemüth läuft) tliun und mich erioDem, dass mandata stricti juris 
sein. Es ist hundertmal besser, dass alle Deputationstage nachblei- 
ben, als dass man die Orundveste dieses ßeiehsgebäucs auf solche 
Weise übern Raufen werfen sollte. 

Dass die Herzoge von Celle und Hannover wie auch der Fürst 
von Nassau den Herzog von Neuburg zum Kreisobersten in West- 
falen erwählen helfen, weisen beide inliegende Protokolla und Ex- 
tractus. £s kann aber hoffentlich geändert und noch alles zu E. Cb« D. 
contento gerichtet werden. 

Warum Chur Baiern und Colin sich in etwas mehr an L Kais. 
Maj. als vorhin halten, ist die Ursache unter andern, dass sie glauben 
und öffentlich sagen, man wolle das Churf. Collefrium übern Haufen 
werfen, und dass dieses der meiäteu Fürsten Intention sei. Welchem 
allen aber hoffentlich durch eine bessere Information kann begegnet 
werden, und wann man Fleisa dazu anwenden sollte, mlichte es so 
gar schwer nicht sein. 

Dass E. Ch. D. mit Frankreich und Holland bessere Freund- 
schaft und mehrere Verstand uiss suchen zu machen, solches ist nöthig 
und nützlieh und wundert nnch zum höchsten, dass in so langer Zeit 
darunter nichts getban w^orden, wann nur die Erhaltung des Friedens 
sowol an der einen als anderer Seite pro line principali gesetzet wird; 
dass ich aber gnugsarae Ursache haben sollte, E. Ch. D. in die Suspi- 
cion zu bringen, dass Sie sich zu der Kaiserl. Partei nichts gutes 
sollten zu versehen haben, dazu könnte ich mich noch zur Zeit nicht 
bewegen lassen. Dann so lange als Friede ist, kann und muss der 
Kaiser E. Ch, D. nichts gefährliches thun; den Krieg hasset er wie 
ein Feuer und wird dazu keinen Anfang machen, bis er gewiss sei 
attacquiret zu werden. Wer sich dessen unterstehen will, muss die 
Sache mit allen ihren [Jmständen überlegen und vorhero viele Freunde 
machen; sonsten wird er sich in grosse Gefahr setzen. 

Wann E. Ch. D, bei Holland Sicherheit haben können, dass 
sie das llaus Urauieu aicht unterdrücken und dem Köuig in England 



330 ^* ^^^ Reichstag zu Begensborg. 

helfen wollen, so ist keine Stunde zu verlieren, mit ihnen aequis oon- 
ditionibus sich zu veralliiren. Denen Holländern wird der Kaiser 
etwas thätliches zu erweisen sich nicht unterstehen und der Herzog 
von Neuburg mit denen westfälischen Bischöfen ist dazu viel zu 
geringe. 

Mit nächstem werde ich die übrige Punkte gehorsamst beantwor- 
ten; dann mein Hauptwehe und Schwindel so gross ist, dass ich nichts 
weiters zu schreiben vermag. 



Blumenthal an Tornow. Dat. Regensburg 7/17, Nov. 1653. 

[Klage über die jetzige DirectioD in Berlin. Eotschiedeoer Widersprach in 
Betrefif der neunten Kur. Verwahrung gegen den Verdacht österreichischer Ge- 
sinnung. Geldnoth. Keine antikaiserliche und antikurfürstliche Politik.] 

17. Nov. Klage über die jetzt ciDkommenden ungnädigen Resolationen des Kur- 

fürsten; er wünsche, ^dass S. Ch. D. alstets Diener kriegen und behalten 
mögen, die es mit solcher Geduld leiden, als wie mein Christenthnm mich 
in particulari dazu anweiset". 

Dass die Sachen, meines Herren Zuschreiben nach, so widerlich 
gehen, kein beständiges Directorium alda sei, keine Ordnung in trac- 
tandis materiis gehalten, keine deliberationes allemal collegialiter ge- 
pflogen und Protocolla nicht fleissig continuiret: solches ist mir leid 
und eine der vornehmsten Ursachen, warum wir hier nicht in voll- 
kommener Consideration sein. S. Gh. D. können aber alles, wann 
Sie nur Selbsten wollen, ändern. 

Dass wir öfter höhnisch gehalten werden, kommt daher, weil alle 
Sachen per majora (exe. religione et quibusdam casibus in Instr. Pac 
comprehensis) geschlossen werden, wir zu vielem sagen müssen, unser 
gnäd. Herr könne oder wolle sich an die majora (ob schon die Sache 
S. Ch. D. und dero Lande nicht angehet) nicht binden lassen. — Daa 
Aergste aber ist, wann man erst etwas beliebet hat und schliessen 
helfen, über 4 Wochen aber oder auch wol langsamer Befehl kom- 
men, anders zu votiren und das vorige Votum zu retractiren; woraus 
geschlossen werden will, als wann die Herrschaft nicht selbst regierte, 
oder theils Ministri es nicht verstünden oder den Churfürsten in Ver- 
achtung bringen wollten. 

Ich bin mein Lebetage nicht ungehorsam gewesen, sondern habe 
in völligem Obsequio meine Ehre gesuchet; aber was uns itzo befohlen 
wird, wegen der 9, 10 und mehr Churfürsten, das will ich durchaus 
nicht thun, es sei dann dass S. Ch. D. mir nach überschriebenen Ra- 
tionen werden vernommen haben und doch bei Ihrer Meinung ver- 



Blumenthal im Cooflict. 331 

bleiben; aUdann will ich es treulieh thun. Dann diese Dinge können 
dissolutionem Imperii et eins eversionem nach sich ziehen und denen 
Herren ChurfÜrsten das Garaus geben. Dann ich habe geschworen, 
Sr. Ch. D. Hoheit zu erhalten, zu vermehren und nicht zu dämpfen; 
das will ich treulich in Acht nehmen. 

Verwahrung gegen den Verdacht, als ob er zu sehr zu der kaiserlichen 
Seite neige; er habe seit seiner erlangten Abdankung aus kaiserlichen Dien- 
steh (^80 ich den 7. Martii a. 1650 erhalten'*) ^nicht eines Rth. Werth ge- 
nossen , weder in re noch in spe, weder vom Kaiser, König, nach einigem 
Chnr- oder Fürsten in der ganzen Welt". 

Grosse Geldnotb der Gesandtschaft; gegen 7000 Rth. Schulden — 
„was mein Weib an Geschmeide hat, soll heute vor 400 Rth. versetzt 
werden''. 

Ich befinde, S. Ch. D. thäten viel besser, Sie forderten mich ab, 
und könnten Sie auf solchen Fall die Hälfte monatlich sparen. 

P. S. Dass S. Ch. D. die kaiserliche Partei sollten zu fllrchten 
haben und sich deshalb vorzusehen, solches kann ich gar und zwar 
im allergeringsten nicht glauben, es sei dann, dass wir dazu Ursach 
geben. . . . Komme ich nach Berlin, so werde ich hoffentlich gnugsam 
weisen können, wie alles Böse zu verhüten sei nach menschlicher 
Apparenz. Wo wir aber wider alle Churfürsten sein wollten und 
deren 9, 10 oder mehr begehren sollten, so werden wir Kaiser, König 
und alle Churfürsten wider uns kriegen und sehr übel dran sein. 



Blumenthal an Waldeck. Dat. Regensburg 7/17. Nov. 1653. 

(Arols. Arch.) 
[Dio Jülich -clcvische Sache und der kaiserliche Hof.] 
Wegen der GUlich-Clevischen Sache will ich mit nächstem schrei- 17. Nov. 
ben. Die Sache ist wichtig; aber das' können E. Exe. glauben, dass 
man hier keine so hitzige Gedanken hat, als der Pfalzgraf vielleicht 
gerne sehen möchte. S. Ch. D. schreiben, der Kaiser könne mit einer 
Braut nicht viel Schwäger machen; das ist wahr, aber ich glaube 
auch, dass sie Chur Sachsen gerne mit in die Participation bringen 
werden bei Hofe, wann sie könnten. Ich meine, durch Kaltsinnigkeit 
kann man die Sache noch viel Jahr aufhalten; dann zu decidiren ist 
sie zu gefährlich. 



332 



IL Der Beichetag zw Regentburg. 



Relation vom Reichstag. l)at, Regensburg 10/20. Nov, 1653. 

[Gründe des Kurfüreiten*?üllega gegen die von den Fürsten rerlangte Panlat im 
Kurcollegium, Nachibeil der («fleotlichen RecbnungsabUge ober die ReichB- 

Bteuerü.] 

SO. Nov. Wegen der Parität im Churf,| CoUegio verbleiben sie [die Chur- 
fürsten] simplieiter bei der Meinung, dass solche, quoad personas, im 
Churf. Collegio Dicht eingeftlbret werden könne und dass das Instr. 
Pae, [Art* V §.51] dahin nicht zu verstehen .♦.. sei. Weil dann 
nun alle paciscirende Theil, so das Instr, Pac. aufgerichtet, wol ge- 
wnsst, dass 4 katholische und 3 evangelische Churfürsten gewesen 
und also daselbst keine Parität rationc personarum eingefuhret wer- 
den könnte: als mache sich der Schluss an ihtn selber, dass es nicht 
uf das Churf. Collcgium, sondern uf die andern Collegia, worin die 
Parität ersetzet werden könnte, zu verstehen sei, und würde es ein 
absurdus int43llectu9 sein, wann man dasselbe, was per rerum naturam 
imposÄibile ist, wollte müglich machen. 

Von einer Aenderung im Churf. CoHegio oder von Auction des 
numcri Electoralis oder von Mutation des vorigen modi consultandi 
wäre kein Buchstabe im Instr. Pae. enthalten, .... Zu dem wären 
ini Churf, Collcgio keine solche rationcs, warum die Parität zu intro- 
duciren, vorhanden als bei den andern Collegiis. Die Churfürsten 
hätten sich bisher jederzeit mit einander wol begangen und wäre 
unter denselben ein solch Misstraucn nicht als zwischen den Fürsten 
und hätten uf allen Fall die Cburr Vereinigung vor sich, darin schon 
versehen wäre, wie man sich^ wann einige Streitigkeit im Churf. Col- 
legio entstehen sollte, zu verhalten hätte. — Und wann ja einiger 
scrupulus noch übrig wäre, dass die Imparität dem evangelischen 
Wesen oder jemandem schaden möchte, so wäre doch dieselbe dureh 
den §. 19 Art V Instr, Pac, *) . • . gänzlich abgeholfen und obgleich 
nicht quoad personas, dennoch in effectu die Parität, indem die 3 
evangelische Vota ejusdeni efficaciae als der 4 katholischen sein sollen, 
eingeftihret. 

Dieses ist was v(*rnebmlich von den Herren Churfürsten wider 
die vnn den evangelischen Fürsten gesuchte Einführung der Parität 
im Churf. Collegio angezogen wird, — 

Was den punctum colleetarum belanget, darin werden wir 
E, Ch. D. gnäd. Belehl gehorsamst nachkommen. Nur müssen wir 
dieses einige erinnern, ob es E. Ch. D. auch zuträglieh sein werde, 



') Art. Y. §. 52 nacli der üblicheren Kiatheiltmg. 



PAritÜt im Kurcolleg^ und Steaerfrage. 



333 



da«8 dieselbe urgiren, dass die Pfeimigmeister den Churftirsten und 
Ständen jedegmal Rechnung thua sollen, siutenial E. Ch* D, wissend 
ist^ dass dero Yurfahren in vielen Zeiten keine Ileichssteuern gezahlet, 
sondern ihnen dieselbe jederzeit, wie auch E. Cb. D. sclbsten, erlassen 
worden. Wann nun die Pfennigmeister hintliro allen Reichsständen 
die Rechnung ablegen sollen, so werden I. Kais, Maj. hinfüro solche 
Erlassung nicht thun können, und werileu auch von den ReichssUln- 
den schwerlich gut geheissen werden. — 



Resolution des Kurfürsten. Dat. Colin a. d. Sp, 20. Nov. 1653, 

(Concept von Tornow mit Correcturen von Waldeck.) 

(Die Forderung der Paritüt im Kurfiirstenratb wird festgeliallon; desgleicheQ die 

Forderung in Betreff des ReichBpfetinigmeisters,] 

— Die Paritiit in diesem fChurtl] CoUegio halten Wir nicht wider 30*Nov, 
die Autorität desselben laufend, aus li-sacheUj die Euch bei voriger 
Post eröffnet. Und wissen Wir gar wol, dass die meisten von Uns 
eixählten media zu solcher Parität in Consideration oder Deltberation 
kommen^ auch zum Theil verworfen. Wir können noch wollen aber 
von Unserer Resolution hierin nicht abstehen, weil sowol wegen Fest- 
baltung des Instr. Pac. solches nt^thig, sondern auch diese Kxception 
wegen der Parität im Churf. Cullegio das böse Vorhaben im west- 
fälischen Kreis mächtig secondircn würde, indem daselbst wegen der 
Parität die Generalregel des lustr. Pac. diesem Exempel nach ver- 
dreht werden könnte. — 

Die rationes der Herrn Churfürsten, warum die Evangelici mit 
ihren Erinuerüngcn nicht zu hören, seind also bewandt, dass Wir 
dafür halten mUsi^eü, dass einige darunter, so dieselbe, wann sie Part 
dmTon bekommen, bald und facili negotio widerlegen werden. Dann 
obgleich einige Mouita wider die Dignität der Herren Churfürsten 
laufen, so seind sie jedoch nicht alle ejusdem tarinae und also ohne 
Unierseheid zu verwerfen. — Die Relation, dass, so lange es bei dem 
aamero septenario verblieben, im Churf. Collegio gutes Vertrauen ge- 
wesen, mochte bei der Nachfrage nicht gar wol fundiret sein; dann 
Wir halten daför^ dass das gute Vernehmen zum Theil daher kom- 
men, dass ;> katholische und 3 evangelische und also eine Parität 
Ton beiderseits ReligionBverwandten gewesen. 

Wir lassen es dannenhero nochmals bei Unser letzten Resolution 
gnid. in allem bewenden, bleiben auch bei der Meinung, was Wir 
£acb wegen Beeidung des Reichspfenoigmeisters und Bestellung eines 



334 ^^' ^®^ Reichstag zu Regenebnrg. 

Gegeiischreibers demandirot, und sollt Ihr den Evangelischen hierin 
assistiren. Dann was von den Rolehssteuem an T. Kais. Mig. gc- 
schenket wird, davon können Sic Unser Contingent, wann Sie nar 
wollen, Uns wol jedesnials nachlassen ohne der Stftnde Contradiction; 
wann aber Etwas zu des Reichs kundbarer Defension gewilliget wini, 
davon begehren Wir keinen Nachlass. 



Waldeck an iilunieiithal. Dat. Berlin 13. Nov, 1653. 

(Arols. Arch.) 

IBoHchwichtigungsversuch; Waldock selbst uliuc Kinfluss. Erörterungen über 

die Lttgu dur Dingo und über die richtige protestantische Politik. Klage über 

die am Hufe herrschende Zerfahrenheit und UnentschloBBenheit.] 

23. Nov. Je suis marry de cc qu'on vous donno subject de vous plaindrc; 

mais il est certain, (lue de toutes parts Ton a donnö des adris pareils 

h. S. Alt £1. Mais si Ton eust suivy mon sentiment, Ton vous auroit 

donnti connoissance de laffaire, sans sc senrir des termes si sensibles. 

Mais, connne je vous ay dit, fort rarenient ay-je part de ce qui 
se passe et voudrois, que bien souvent tout le nionde le s^eut, afin 
quc Ton neust subject de ine croirc participant des actione qui ne 
nous attirent que blasme. — 

La croyance qu*avez eu, que Sa Maj. Imp. jointe aux Electeurs 
avec quehiues princes puissants de TEmpire pourroit resister aux at- 
tentiits de (luelque voisin irraisonnable et orgueilleux, est fort fondt^e; 
mais le nioyen de Ich unir ne paroist point; tant que les coll^ge8 se 
piqucnt, Ion n'observera pas les regles goneralos pour le bien public ; 
et cela estant, les pasaions et interests particuliers joueront leurs jeux 
sous un pretexte apparont. — 

Selon le peu d*entendenient que j'ay, je ne vois point de remAde, 
si ce nest que les protcstauts, connne Ion les nommoit autrefois, ou 
pour le nioins la plus grande partie d icelies [sie], parlent unaninicment 
pour racconiplissenient de linstrunient de la paix et ne soufirent qu*on 
y change un point, stabilissent ainsi la seuret<^ de la religion (quant 
aux homnies), et (|u'au roste les oolU^ges, avant que de prendre uno 
resolution, confcrent enseiuble et ne cedent un jota contre la liberti^ 
d'Alleniagiie; puis reglent des moyens qui soyent tousjours prests 
pour le niainticn de Tautoriti et respect de Sa Maj. Imp. et ccluy de 
TEmpire. Et comnie je ne sgay point Tintention des autres, je n*en 
puis point parier; mais je s^ay bien, quc nostre maistro l'a eu et l'a 
cncore trös bonno, maifl qae, nonobitant toas des pretextes fort cbi- 



Waldeck nnd BlnmentfaaK 



335 



eriques^ Ton üous fait es^arer si fort, ({\iä uostre posteritii nostre 
iDteution paroietra toute coDtraire ä ce que je m 'inia^ne qiiVlle est 
ht doit esöre. — 

l Qu esperez d appreudre, que y. Alt. El a}i un Init certaiu, je sou- 
liaiterois de yous le pouvoir dire. Je ne dimtc poiot, quil nen ayt 
it suis quelque fois de lopinion de le connoistre; tuaia 81 parfois je 
fois des actions et eouseib coutrairea k ce but que je Di'iniagine, je 
luis hors de posture, qnoy que je nignore pas que bien sDUTeut lam- 
llition^ quehjue advantage particulier, quel^iueafois lüpiuiastrete et 
raucunefoiB I ignoranee des affaires de Tun ou Tautre conseiller, niais 
liea souvent uue resolution prompte en Bont causes. Je ne s^ay, ai 
p ine puls rejüuir; d'autant que le mal, que rec^^oit une republique 
|ar leg voye» susdites» est quelquefois pire que celuy, qui se fait par 
ipesgard de la veritable et salutaire vis<^ef laquelle constamment pour- 

rivie et recoguue fau^se promet*) Faniv^e au vray port. 
Voufl Die dites tres judicieusemciit, quavona u considerer le bien 
^ue pouvoua faire et le mal qui nous peut arriver, Si les moyens 
ur effeetuer Tuu et resister a Taiitre estoyent arrest<^s^ je ne doute- 
18 point de l'effect. Mais tant que Ton est en doute, s*il est mieux 
>our le premier de saccomnioder ou de resister, s'il est mieux de 
rer un petit advantage |)our le pre^ent, qua establir quelque chose 
p^ solide ponr jamaiä^ s'il est plus seur de porter le nom d'uue cliose 
gtie d'en estre possesseur, si Tou fait mieux de se fiiire tort en une 
pliose indiifereute eo juuissant d'un grand bien conimuuement avec 
^'autrea ou dobtenir des chiraerei* seules. si Tun est diflerent ou in- 
veertain des veritables amis et des voyes de rae(iuerir, mesmes slls 
li sollt utiies, et choses pareiHes — pour le secoud de laduiinistratioa 
[desfinaneesj pas d'aceord du reglemeiit d*une milice sans despense, 
^ differant eoutraire a aucun magazin et arseual des ehoses utiles, en 
I doute si la craiute ou Taifeetion des subjects prevault, sans ordre dans 
leconseil, contre les correspondances seerdtes, eoutraire a la conti- 
ttuallon des residentes, plus enwre a lentretien diceux, et poiot dac- 
Cord pour la cliose la plus neaute du monde: je ne s^ay ce qoe Ion 
w doit proiuettre. 

II est bien vray, si deux conseillers estoient d'accord du but et 
de« voyes dy atteindre, Ton pourroit esperer; luais y ayant travaille 
fli loiigtemps et me voyant par lissue des affaires eontirme de ce 
que jay preveu, sans que je pnisse connoistre, que cela nous fasse 



'j Sic, Leg. ^füut 8ö promettre*? 



336 ^^* ^^^ ReichatBg tu Regensbarg. 

tirer ane mesme corde, je desespöre et reeommande le tout k la di- 
yine providence, continuant tousjours k dire mon brevet pour mon- 
strer le zele pour la cause de Dieu, Vaffection pour mon maistre, 
Famour de ma patrie et une inesbranlable constance dans mes ad- 
versitös. 

J'approuve entiörement le but que me proposez, et c^est celai dont 
je viens de parier en trois niots: vous avez plus que raison, qae 
Ton doit mettre en estat ses affaires domestiques et de ses propres 
pais avant que penser plus loing. Mais k mon s^eu Tun et Tautre 
se fait Selon vostre jugement et ma croyance, qu'il seroit k souhaiter 
autre. Si estiez icy, Y. Exe. yerroit, si je suis contraire aux bons 
desseins, et par sa prudence je me ferois voir plus digne de la bonne 
grace de mon prince, qu'il ne croit peutestre luy mesme. — 

Blumenthal ai) Tornow. Dat. Regensburg 14/24. Nov. 1653. 

[Kritik der letzten Schreibcu vom Hofe an Kaiser und Kurfürsten, üeberdrass 
an seiner Stellung am Reichstag. Kühles Schreiben des Kurfürsten an den 

Fürsten Auersperg.] 

24. Nov. Die Ursache, warum ich mich erkundiget, wer die Resolutiones 

aufsetzte oder vielmehr wer sie angeben liesse, ist diese ; dass ich so 

viel gar wunderliche und theils seltsame Sachen darin gefunden, dass 

ich nicht wol glauben können, dass sie im Ilath mttssten sein Aber- 

leget worden. Ich kann leicht glauben, dass die Ungeduld danu 

öfters Sr. Ch. D.f Anlass geben müsse. Wir fangen nun solche Sachen 

an zu negociren hier, dass ich festiglich glaube, wann hier nicht mehr 

Geduld und Glimpf gebrauchet würde, unsere Ungeduld möchte nocb 

grösser werden. Mein Herr bedenke doch, wie die zwei letzten Schrei-' 

ben an das Churf. Gollegium und an den Kaiser stilisirt sein. Ict>' 

wollte sie auch gewiss nimmer eingeliefert habeu, wann ich mir nichts-» 

nachdem ich dergestalt ausser aller Confidenz gesetzet werde, festig''' 

lieh vorgenommen hätte, hinfüro caecam obedientiam zu prästiren un^ 

den Ausgang Gott zu befehlen. 

Wir sagen, das deutsche Vertrauen werde zunehmen, wann di^ 
paritas in ordinariis et extraordinariis deputationibus gehalten werde *) - 
und wissen nicht, dass es in der letzten täglich hier geschiehet 

Wir sagen, die majora in coUectis sollen nicht gelten, sondern^ 
es solle beim Herkommen gelassen werden: wann dieses geschieht; 

*) Dieser und die folgenden beiden Sätze aus dem Schreiben des Earfuraten 
an den Kaiser vom 3/13. Nov. 1653. (v. Meiern I. p. 677; vgl. oben p.32a) 



Blumejitliul in l>iflc*ri'tiz mit dem Hofe. 



337 



^ 



und unserm petito deferiret wird, so gelten die majara, und ist nie- 
malen einig:e »Steuer ohne das llerkonmien und gecunduin iii.ijora ge- 
williget worden. 

Tertio die Stände sollen nicht wider die ohsenirte Observanz, 
wie die Fonnalia lauten, graviret werden. Und dieses ist eben das 
n^tpdftevov [sie], ob nicht die Ftlrsten die Herren Churftirsteu bei der 
uoirissinia observantia (fjuae nnica legum interpres est) zu lassen 
schuldig und ihnen ihr Colleginnr bei den Keiehsdeputatlonen bssen 
sollen. 

Ich möebte wünschen^ ich wäre 7M Malberstadt, so wollte ich 
ei&esi Revers geben, mein Lebtag nirgend hinzuziehen, sondern aldar 
2u sterben. HoHte ich aber zu Bertin sein, so wollte ich hnflcn, die 
hiesige Gesandte und zuvorderst S. Ch. D, würden ausser Schimpf 
seiD können. Doch lege ich alles nach Muglichkcit in die beste Falte. 

P.S. Ich habe gar nicht gut gefunden, dem Fürsten von Au ers- 
te rg Sr. Ch. D. Schreiben zu geben; dann ich weiss, dass er uns 
nutzen und schaden kann '). Mein Herr betordere ein besseres Schrei- 
ben; kann ich Sr. Ch. 1). damit keinen Nutzen schaffen, so will ichs 
zartkk halten. 



8. d. 20/30. Nov. erwidert Tornow hierauf: ^Das SchreibcQ na ihn 
Fürsten fonAuersberg war \Ui uadcrf^ abgefasst; allein S, Cb, I). haben 
durchaus gewollt, da.^s C8 m kühl sei gerichtet worden*. Er .spricht üie 
Hoffüoüg aus, bald von „dieser gehässigen Arbeit*^ an dea Keichstagäsachen 
loszukommen. 



Blutnentlial an den Kurfürsteih Dat. Kegensijurg 
14 24,N(>v- 1653, 

(Schwierigkeit der wegt(aljj*chen KreieverhüUniese; Empßudlichkeit Bluroenthar«; 

um re»ervirte Haltung in der Paritälgfiage. Vonscbhlge in Betreff der weet- 

Jiliiclien AogelegenLeiten. Das Directorium iti dem Corpua EvüOgeUcorum. VVii; 

die jülieh-clavische Sache dem ReichsUg zu cntBiehen idtj 

E. Ch. D. gnäd. Befehl ans Berlin vom 2. Nov. habe ich empfim- 24.Nnv. 
gen und verlesen. Verbalte darauf E. Ch. ü. gehorsamst nicht, das» 
die Essenscbe Acta oder Nachricht, wovon E. Ch. D. Meldung thnn, 
wir nicht zukommen sein .... bin derselben bei der nächsten Post 
gewärtig- — Ich zweifele aber nicht, es werden B, Ch. D. sich gnäd, 

'; Dma CoDcept dieses Schreibens an Auersberg, welchea von seiuer Ad- 
•ifsiois 10 da« Färstencolleg des Reichstags handelte, befindet sich nicht bei 
Im Aeieu. 

Jtiter. tttf Cfticli- d. «*r. Kurfürsien. VI. 22 



338 



IL Der ReiülißtÄ]? zii Regeneburf«:. 



wol 7A« rück crinuern, düss icli sflion länger fiann vor 2 Monateo der- 
^^leielien Vr»rhaben weitläutig berichtet und gebeten, E. Ch. D. wollten 
geruhen, wegen des Fiinstenthume Minden, im Fiiil es in prineipio wegeu 
Cleve und Mark Diffienltuten abgeben sollte, | jemand] dahin 7u schicken, 
der stets bei den Sessiuucn wäre, alles tlei^sig referiren und allein, 
was von Pfalz Neuburg wider E. CIl l). moliret werden wollte, nach 
Möglichkeit präveuiren konnte. Es scheinet aber, als wann dieselbe 
meine Kelatton nicht empfangen oder verlesen hfltten, wciln Sie der- 
selben keine ErwiÜinung thun. 

Eö sei eine Ilandelnng so gefährlich als sie wolle, so ist einem 
grossen Herrn al stets besser dabei als davon xu sein. LHe Neubur- 
gisebe Bediente zu des westfülisehen Kreises Generalen oder Obristeo 
zu bestellen, würde vor E. CIl D. sehr gefährlich gewesen sein; aber 
noch gefiihrlieher, wann die Majora auf den Herzog Selbsten gefalle« 
wären. Oh nun wol kein grosses Wunder, dass die meiste Ötinnueu 
der Käthülisebcn auf itzgedaebtcn {?) Hausebenberg gangen seiii^ 
80 ist mir dennoch etwas unvermuthlicfi vorkommen, dass das If^bl 
Haus Brauosehweig so weit und ohne einige Bedingung auf deo 
Herzogeu von Xeuburg selbstcn gangeu ist nnd demselben seiae 
ytimnie gegeben bat* 

Er schlägt s-or, bei ßrannschweig darüber Hc^chwerdc zu führen, 

Daferne der Herzog einmal die Majora kriegen sollte, würde er 
ßicb 80 leicht nicht davon, ausser Gewalt, verdringen lassen. 

Dass E. Ch. D, der guäd* Meinung sein, dass diesen Praktiken 
ausser der Paritilt nicht zu begegnen, dieselbe auch davon nicht ab* 
zustehen sich gegen den Milinteressenten erkläret und dass wir deneo, 
so woHntentioniret sein, solches andeuten und mit ihnen vor einen 
Mann zu stehen uns erklären sollen: dem allen soll von mir unterth* 
nachgelebet werden. , . . Zweifeln auch nicht, E, Ch. D. werden dieses 
alles und was uns weiter zukommen wird, dergestalt wol überleget 
haben und ferners überlegen, damit unser unänderlicher Gehorsam 
nichts als E. Ch, D. Uepulatiou Nutz und Öicberheit nach sich ziebeü 
und verfolglich dero gnäd. Erkenntniss meritiren niUge. 

Wann ich meine untertli. Gedanken bei diesem Werk anwenden 
sollte, so würden dieselbe diese sein: wie ich entweder zum Krcis- 
obristenamt (^vermeine E. Ch, D.) selbstcn gelangen und durch der 
Herzoge von Braunschweig und anderer Slände Assistenz geratbeu, 
oder mich sonsten mit denen evangeliscben Stauden nnd denen Staa- 
ten Generain zulässiger Weise zu uietirer meiner Securität vereinigea 
konnte. Dann daferne nicht eines von beiden geschieh et und die 



Die Differenzen im wcslfaJ. KitMS. Direetoriuui Kvjiiififelicüniin* 339 



^ >ra ausser E. Cli. D* den Schliiss inaclien und einige Werbung 
i^anstellen sallteu, so würde doch vernititblich dieselbe propter ratio- 
liem Status dergleicben Üum messen. 

Anirafre wa^ nun zu tlitm, weuu die audern Ktirfür^ttfii und der Kai&cr 
bei ihrer MeinUFjg gegen die Parltüt beliarren. 

Das bisherige Direetfirium der evangelischen Sachen con- 
niirend, von Chur Saclisen abzubringen und, sonder der Sachen den 
Namen zu geben oder es unvermerkt zu tbun, und auf E* Ch. D. zu 
bringen, ist bei weitem nicht si» leielit zu effeetuiren, als ieb wol be- 
finde, dass es etliche Stände nicht ungerne sehen möchten *). Einmal, 
zweimal zum hubesten Itann es tenliret werden, aber wann es öfters 
geschehen sollte, so werden die (1jursäcli8iscben klagen und es abzu- 
Bcbaflfen begehren, Oie Fnistcn hergegen werden sagen j sie wollen 

uns zusammen und beide Theile agiren lassen Das sicherste 

wUrde sein, Chur Sachsen, sondern sieb merken zu lassen, dass man 
pinige Diffidenz in ihm setze, durch den Markgrafen von Anspach oder 
sousteu jemanden beweglich erinnern zu lassen, dass S. Cb, D. sich 
ies evangelischen Wesens Heissig annehmen wollten* 

Was die Güliclmcbe Sache betriHt, ilazu werden E. €h. D. hof- 
'eiitlich Zeit genug haben, sich zu bedenken. Vor etlichen Wochen 
abe ieb gcßchriebcn ([uaestionem^ an, fjuando et ubi solche Uandlung 
anzustellen sein würde; dabei kann es noch eine gute Weile gelassen 
^*erdeu, und insonderheit I^o an'?, da mau sagen könnte, E. Ch. D, 
würden sich dem lustr. l'ac. nicht entziehen, müssten aber erst wis- 
sen, ob und was I. Kais. Maj. vor Öicherbeit hätten, dass die andere 
Uauptinteressenten zum Vergleicli incUnirteu. . . . Alles lieget nur an 
^c Antwort* Je mehr dieselbe wird glimpflich sein, je mehr Glimpf 
wird sie erlangen. Keine Sentenz wird der Kaiser meines gänzlich 
D&vorhaltens nach in i% ;j Jahren zu geben sich unterstehen. Wann 
^au dilatorie will antworten» so kann E. Ch. D. prima vice sagen, 
Sie müssten sieb mit dero Schwestern darüber bereden, begehren Zeit 
auf»; Monat, interea kann der Keichstag zum Ende küranien. 

•) Di«8 ald Erwiderung auf da^ scboü Vol. V, p. 700 Abgedruckte Schreiben 
40 ßlumeuthal. woriu ihm aufgetragen wird, eventuell das Directüriuni Evan- 
gtlkamm mQ Brandenbarg 2U bringen. V^ergl. unten p. 346. 



22* 



340 



II. Ikr Rüicliat»!? *^ RegeDsburj?. 



Der Kurfürst an die Reiehstagsgesandten. Dat. Oülln u. Sp, 

KI. Nov. Ifi53. 

[Die riLMintü Kurwürde. BlumenlUars Grüudo tlagegeri: Witleriegnng derdeibea, 
p;in neuer Vorschlag. Stellung »n den Eymgi'lhchen Im Fiirstenralh.] 

RNöv. WitdcrljoluTjp der früberen Anweisung in Jiczu<^ mi( die Parität in den 

Ili'icljscollc'gien; dabei >^ei nuvh die Rade gewesen eventuell von einer 
nennten Kurwürde; 

dabei Wir jedoch tillerband Verhindcrtni^cn erzählet ^ daran» Ihr 
wol sebliessen künnrn, dass Wir di(%seö Teiii|ieraiiient mehr wünscben 
dann vm erlangen boflen thfiten. Dass aher Ibr^ der Freiherr ron 
Blnnionthal» in Eueren Srhreihen erwähnet, dass der neunte Elec- 
torat obne Kriep; oiclit zu erhalten, uinl dass solcher Krieg niemaß- 
dem mehr daim dem Troponenten desselben scbfidlich sein wllrde; 
item dass solcher Vorschlag contra leges fundamentales der Churf. 
Union nnd Eminenz liefe; item es gebe derselbe den Ftlrsten Aüloss, 
die rechte Adäquation ndt den Cbnrftlrsten zu behau|iteiiy und kflnnte 
nicht anders als eversio nnd dissulutin totius Imperii darauf erfolgen; 
item Unsere Nachfolger würden solelics bereuen, und wäre besser 
das» die De|iutationstiige nachblieben, dann dass man die Grundveste 
des lieiebs über einen Häuften würfe und w^as des Dinges mehr ist: 
da lassen Wir Uns bedünken j dass Ihr gar ein anders Concept und 
Deutnng Unser gnäd. Meinung bei diesem Punkt oder weiter hinaus- 
sehen ndlsset, al^ etwaii Unsere gute Gedanken sich erstrecken. Dann 
Euch ist wissend, dass von Anfang der Keformation die Parität der 
ReUgionsverw\andten im Churf. Collegio gewesen, als 3 katfaolischß 
nnd '> evangelische (dann der Kfmig in Böhmen ist ausgenomfneQ}» 
und dannoeh, damit nur Chur Baicrii und l.Kais.Maj. geftiget werde? 
hat man den 8tt*n Electorat beliebet, und ist doch mehr nichts, daui* 
Fried und Einigkeit im Reich daraus erfolget. W%irum sollte danOt 
da man das Instn Pac» vor sieh bat, und nichts mehr dann die alt6 
Parität .... gesucbet wird, ein so grosses Unglück hieraus erfolgen 
können? — Dannenbero halten Wir dafür, dass Chur l*falz und Sachsen 
es nimmer in Ungute aufnehmen können, wann Wir keiner andern 
Ursachen halber, dann ratioue religionis, den IJtea evangelischen Elec- 
torem vorschlagen; doch dergestalt, dass Wir nicht so eben allein 
darauf bestehen, sondern nur dahin zielen, dass dem Instr. l*ae. nach* 
gelebet werde^ 

Zu den verscbicdeaen früher gemachten Vorschlägen will der Kurfürst 
noch einen neuen miiehen, 

nämlich dass auf Deputationstägen keine majura ini Churf. Cul- 



Die nennto Knrwürde. Verhältulss zu den evangelischen Fürsten. 34 1 

hgio mehr gelten, sondern alles durch yerscbiedeuc Umfragen und 
per amicabilem compositionem abgethan und geschlossen werden 
möge. 

In der Frage der Reichsstcuern sollen sie sich (vergl. Resolut, vom 
30. Oct. p. 321) mit den Evangelisehen vom Fürstenrath zusammenhalten. 

Es missfällt Uns damächst nicht wenig, dass Ihr in Euerni voto 
iQsdrficklich erwähnet, sammt suchten die Evangelischen mit ihren 
monitis nicht die Religion, sondern nur den Herrn ChurfUrsten zu nahe 
xa treten; dann ausser der Conjunction der CoUegiorum seind Wir, 
wie anitzo und hicbovor gemeldet, mit ihnen einig und können noch 
rar Zeit nicht penetriren, dass Uns oder dem ganzen CoUegio sollte 
etwas prftjudiciret werden'). 



Waldeck an Blumenthal. Dat. Berlin 16. Nov. 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Ueber Blainenthars Abberufung. Nothwendigkeit eines Verständnisses mit den 

eyaDgelischen Fürsten. Das wahre Interesse der Kurfürsten; Erklärung in 

Betreff der Parität- und öteuerfrage. Keine Angst vor Isoliruug.] 

So viel die Abforderung betrifft, so halte davor, dass I. Ch. D. 26. Nov. 
endlich darin willigen und E. Exe. anhero, wie vermerke, fordern 
werden; da mir dann lieb sein wird, durch derosolben guten Rath 
meine gute Vorhaben ... zu können ausführen. 

Den Zusammenhang mit den evangelischen Fürsten zu gewinnen ist 
nun fast schon die beste Zeit und Gelegenheit vorbei. 

Wiewol mir nun bekannt, dass gegen meines gnäd. Herren Willen, 
ja gegen sein und seiner Lande Interesse die Evangelischen allein ge- 
lauen worden, so sicher fUrchte ich, wann durch wirklichen Beistand 
man ihnen die Suspicion vom Churf. CoUegio nicht benehmen wird, 
sie solche resolutiones, wie vor diesem an Tag kommen, nehmen und 
dabei beharren möchten. Wann man die Ccmjunction von den andern 
beiden unserm ChurfUrsten so höchstschUdlichen Punkten separiret, 
hätte man ihr Vorhaben besser urtheilen können. Dass ein einiger 
Katholischer sie fürchte, zweifele ich, viel weniger ein Churfilrst; dass 
aber solche Furcht mehr böses schafft als das verumthcte Uebel sein 
könnte, ist gewiss. Wann ich meines Churfllrsten Autorität und des- 

'; Relat. dat. 'J; iJ""," halten die (iesundten iliesen Vorwurf aufrecht; die 
Korsächsi sehen haben ihn in ihren Votis oft ausgeführt und dusa es die Fürst- 
liehen aaf Verminderung der kurf. präeraineuz abgesehen haben, sei doch bei 
Vorschlag der Conjunction beider Collegicn nicht wol zu läugnen. 



843 



H. Der Heichetng zu Regetiaburß. 



»en Sicherbrit nicht eiichto, icU wollte, da leli iiiehts darbei mit Nach- 
druck thmi kann, nicht viel davon spreclien. Daim so viel mein particu- 
lier anlniig^t, knnn mir ein Zeh mm Pallas^t, ein Fähnlein znm Schatten 
fadd* dieiienj und mein Degen nächst Gott nieiue Freiheit bis ins Grab, 
wo nicht anders, z\xm wenigsten dem Willen nach, erhalten. Aber 
piü ChurfUrst kann nicht ein freier ChurfUrst sein, wann 
er dnrch andere sich lässt die Mittel, da er von sich helfen 
sollte, heraus votiren. Und ob es schrm einen Schein hat, rta^ 
man kann Nachlass erhalten, w^ann die Stände Ruhe behalten, sollen 
sie seihst wol willigen, darvor man andern danken muss? Wann die 
Paritnt im Churf. Collegio excipirt wird, 90 mag unser Churfllrst hin- 
ftlro mir niemand mit antlerer Iüi?truetion auf Reichs- und Depututions- 
täge schicken, alö mit dem Befehl ja zu sagen. Und ob schon ge- 
sagt will Tiverden, man mtisse nicht singnlier sein — mit höchstem 
Knhm seind c« vor Zeiten die Chnrfürsteu von Brandenburg oftmals 
gewesen und haben dadurch Gottes Segen, der Kaiser Genad und der 
Stände Lieb erhalten. — 



Blumenthal an Waldeck. Dat. Hegeusburg 17 27. Nov. 1653. 

(Ärals. Ar eh.) 

[Bitte wm Verwßndixng' an anderer SteHe; verscbi«deue Vorfichläge. (jT^ 
Scbwartzeuberg; das Verfahreu des Neubiiri^ers gegen ihü.] 

27. Nov. leh bitte, E. Exe. überlegen wol, was Sie vermeinen dass S. Ch. D« 

mit meiner Persöu anfangen wollen, wann Sie mich von hinnen a^* 
fordern wollen. Ich ver nehme, dass der Herzog von ^eubnrg dd 
Kreistag zu Essen yji reassiimiren i*uehet. Wann S. Ch. D, glaubeö« 
daas Ihr viel an diesem Tag gelegen und E. Exe. glauben, dass ic^ 
dienen könne, so hofte ich zu erhalten, dass wir aldar gewiss wer- 
den^ wo nicht mehr, wenigst ein Votum et sessionem wegen der cl^ 
visehen Lande erhalten küunen. Wann das geschieht, so muss der 
Herzog alterniren oder oft entlich sagen, dass er den Vertrag nicW ; 
halten wolle. Thut er das letztere, so müssen wir suelien Kreisobri- 
ster zu Averden oder zu verhüten, dass es weder der Herzog noch 
einiger seiner Diener oder Gcueraln nicht wird; oder wir mtissen 
uns mit denen übrigen evangelischen Ständen daselbst und, wo immer 
njnglich. mit Holland suchen zu setzen. 

Finden E. Exe. dieses zu Sr. Ch. D. Dienst beförderlich und Sie 
geben mir den W^esenbeck zu, so will ich gerne dahin ziehen. Fin- 
den E. E3CC. bcBser, meinem jüngsten Schreiben nach, wann ich zu- 




Waldeck äbpr Knrrürstoupolilik. (lewalUtruicli doa Nenbtirgere etc. U43 



Iröck auf Berlin koninicn sollte, zu denen evantreliscbca Fürsten en 

^passnnt zu ziehen, so werde ich gehorsamen» wie nicht weniger, wo 

ich recta auf Berlin soll 

Vorgestern ist hier der Obriatstallmeister Graf v. Losenstein 

'gestorben uud wird der Herr Graf v. Schwartzenberg, wo er will, 
diese Woehe an seine Stelle koonuen. Selbiger reconmiandirct sieh 

lE. Exc. und bittet Sr. Ch, D. seine Person iinterth* zu recoumiandiren 

Und gegen den Herzog vonXeuburg, der ihm bei nächtlicherweile 
alle seine bergische Güter de facto abgenommen hat, [beizusteftenV] '), 

|Er hat einen Brief an ihn geschrieben und gebeten, er wollte ihm 
doch die K.KMXMl Rth., so unser gnäd. Herr ihm assigniret hat, be- 
zahlen oder rersiehero; darauf hat er die Häuser eingenonnuen und 
nicht geantwortet. Er wird bei küntliger Post E. Exc. selbät bitten. 



Bliimentlial an rlen Kurfürsten. Dat. Kegensbiirg 
17/27. Nov. 1653. 

(Wöoscht tn dem we^tfaliecben Kreistag geschickt zn werden; der H«^rzog von 

Nenbnrg von Frankreich abgewiesen; vom Kaiser wird Sei» wartzenberg gegen ihn 

in Schutz genommen. Btumentbal von dem Neuburger beleidigt.] 

Die den Gesüiadten atjhefnhk'ne (2^]. Oct.) iSaehe wegen des Votums 27* Nor. 
«ml der Session für Cleve und Mark unf den we^tfill. Kreistagen ist in Gang 
gebracht, ßlumenthul hofft bald eine gute ResolutioQ des Kaisers Zü 
Wt'gr zu bringeii- 

Mich däuclit, es sollte mir wenig Mühe kosten, oder doch die 
Muhe einen guten EflI'cct haben , wann ich der Oerter wäre, dass ent- 
weder E. Ch, D. könnten Kreisohrisler werden, i)der wenigst dass 
der Herzog v<m Xeuburg tlas Uircetorinm uiclit allein kriegte nnd er 
öitnmer Kreisobrister würde. 

Dieser Herzog hat dnreli den französischen Gesandten Snccnrs 
^der E. Ch, 1>. bei seinem Kt^nig suchen lassen, so ihra aber abge- 
sclilageu wurden. 

Sie wollen einen andern Kreistag ausschreiben. Es ist nöthig, 
tUsd E. Ch. Ü. treue und allein auf dero Interesse sehende Leute alda 
haben; dann diesem Herrn ist niciit in trauen und ist nichts gewis- 
ser« als dass, wann er diesen Hof dabin nnd zu seinem Capriccio 
bringen könnte, er bald was anfangen wUrde. 

Es gehet bei nächster Post ein Kaiserliches Mandat au ihn ab, 
dem Grafen von Schwartzenberg seine vergangene Woche bei 



»J Vergl. ürk, u. Actenat. V. p, 606. 709. 



344 ^^' ^®^ Reichstag zu Regousburg. 

nächtlicher Weile erstiegene Schlösser wieder zu restituiren« oder 
L Kais. Maj. wollen sie ihm thun restitniren. 

Wann E. Ch. D. die Kreisverfassung nicht gefällt, so können Sie 
sich leichtlich mit denen andern evangel. Ständen aldort conjungiren. 
Daferne Sie auch solches nicht thun, so werden Sie doch, wann Neu- 
bnrg seine Werbungen continuiren wollte, propter rationem Status der- 
gleichen thun müssen. E. Ch. D. werden alles zu Überlegen wissen, 
und kann dieselbe sich versichern, dnss meine hoheste Freude sein 
wird, dieses hochmUthigen Herrn Gedanken zu mehrer Raison zu be- 
fördern. Dann er solche unchristliche Sachen alhier wider mich aus- 
sprengen lasset, die einem Fürsten von so hoher nascita selbst ver- 
kleinerlich fallen. Ich finde aber hier Herrn, die E. Gh. D. nicht, 
aber wol ihm Unrecht geben. — 



• Blumenthal an Waldeck. Dat. Regensburg 20. Nov. 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Bitte um Abberufuog von Uegcnsbiirg; Vorschlag cinor SenduDg an die Häupter 

der Füratenpartoi, otc] 

90. NoY. Wiederholte Bitten, seine Abberufung von Regcnsburg zu betreiben, 

sei es nach Halberstadt oder narh Berlin. Die Kaiserlichen ziehen die 
Privatangelegenheiten des Kurfürsten offenbar geflissentlich in die Länge. 
Jetzt sind die monatlichen Kosten hier 2000 Rtb., wenn er weg sei, könne 
man mit 1000 lUh. auskommen.. 

In Bezug auf die Streitfrage mit den Fürsten bleibt er der Meinung 
für sehr srharfes Oeltendmachen der Churf. Hoheit. 

Weil nun von denselben [den Fürsten] die Schweden, Weimar, 
Gotha, Hannover, Celle und WolfenbUttel die difficilste geurtheilt wer- 
den, so gebe E. Exe. zu bedenken anhcim .... ob es nicht gut wäre^ 
wann ich avociret wUre und auf Halberstadt zuzureisen Erlaubnis» 

kriegte, weil doch die letzte 5 Fürsten fast alle auf der Strasse 

residiren, dass mir eine kleine Instruction mit Ubcrschickt werde, in 
transitu sie zuzusprechen und sow*ol hierüber, als was sonsten Sr. Ch. 
D. zu dero und des evangelischen Wesens Sicherheit dienlich sein 
werde, mit ihnen zu conferiren. 

Hiith auch die niedersächsisrhc Kreisverfassung ins Auge zu fassen 
und mit Frankreich in gutem Verhältniss zu bleiben; wie er dies denn bei 
dem französischen Gesandten in Regcnsburg eifrig betreibe. — 



Blnmenthal dringt auf Abberufung. Ycrhältuisse im v^cstfal. Kreis. 345 

Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Rüdersdorf 23. Nov. 1653. 

(Concept von Waldeck.) 
[Der westfälische Kreistag; unerwartetes Benehmen Braunschweigs ; das Kreis- 
oberateDamt; auswärtige Verbindungen nöthig. Blumenthal soll in der Paritäts- 
frage eine entschiedene Haltung einnehmen. Eventuelle Annahme des Directorium 
Evaogelicorum. Die jülich-clevische Sache auf dem Reichstag.] 

Wir sehen ans Euerem Sehreiben vom 24. November aus Regens- 3. Dec. 
borg, dass etc. 

Die Essenschen Acten werden nun wo! angekommen sein; hierbei noch 
eiue Abschrift des Kccesses. 

Dass aber Euere Erinnerungen nicht sollten verlesen sein, dessen 
könnt Ihr wol andere Wissenschaft haben, indem Wir nicht allein 
darauf die Sach in Deliberation gezogen, sondern auch Unsern Canzler 
zu Minden nach Essen abgefertiget, Euch auch, was des Orts des- 
wegen in Acht zu nehmen, gnäd. anbefohlen. 

So fremd als es Euch auch vorkommt, dass die Braunschweigi- 
Bchen Pfalz Neuburgs Ld. ihr Votum gegeben, so unvermuthet er- 
sehen Wir solches, haben auch sobald, Euerm wolmeinenden Vor- 
schlag gemäss. Unsere Empfindlichkeit darüber ihnen kund gemacht; 
zweifeln gar nicht, den Grund solches Werks bald zu vernehmen. 

Die Paritätsfrage ist sehr ernst zu nehmen, es beruht darauf die 
Sicbemng der Religionsfreiheit. 

Das Kreisobristenamt im westfälischen Kreis an Uns zu bringen, 
wllrde wol des Orts Unsere grösste Sicherheit sein, werden auch alle 
zuverl&ssige Wege dazu zu gelangen bei die Hand nehmen. Weil 
Wir aber bei den Katholischen ein solches zu erhalten keine Hoffnung 
hdben können und bei den Evangelischen deshalb keine Gewissheit 
haben, worin unter andern das Verfahren des Hauses Braunschweigs, 
davon Uns Bericht gegeben, stärkt [sie], so ist doch aufs wenigst nöthig, 
dass eine Uns nicht suspecte Person darzu gebraucht werde; aber zu 
einem und andern zu gelangen, sehen Wir kein sicherer Mittel als 
die Behauptung der Parität. — 

Die von Euch angedeutete Vereinigung mit den Staaten und be- 
nachbarten Fürsten erfordert ein reifes Nachdenken, weswegen Ihr 
Uns Euere Gedanken ausführlich zuschicken wollet, auf was Manier 
solche Vereinigung einzugehen, und was vor Hülf Wir begehren, auch 
wieder versprechen können etc. 

Auf die i*>age, was zu thun, wenn die übrigen Kurfürsten in der Pari- 
tatfifrage dlssentiren, scheint sich die Autwort wol von selbst zu verstcheu. 
Die MItchurfürsten werden hoffentlich in einer so wichtigen Sache es nicht 
XU einer Separation kommen lassen, sondern sich um eine Verständigung 
bemühen. -— 



346 



IL D«>r R«icli3tÄg tu Regenaburg. 



Und sofern solches nicht dats Voruehmen sein sollte, werden Wir 
mehr Segen, Kuhm und Sicherheit davon haben, wann Wir Uns des- 
sen nicht theilhafti*: nmchcii, welches zu Unserem Untergang gerei- 
chen nniös, sondern vieknchr Uns vei'sichert halten, dass, wie Unsere 
Vorfahren oftmals allein die wahre Saeh vertlieidigt, sie niemals von 
Gott verlassen, sondern in Aufnehmen durch denselben gebracht wor- 
den. .*. Und werdet Ihr, der v, Blumenthal, Euch noch wol za 
erinnern wissen, dass Ihr seihtet in Gesandtschaft mitgewesen, da man 
nicht gleich wie ein Echo der andern Vorstiuimenden Vota bejahet, 
sondern durch gute rationes oftmals aller Vorstiaimendeu Meinung 
verändert; und haben Wir in der Meinung Euch vor andern zu dieser 
Gesandtschaft ernennet, weil Wir geglaubt, Ihr wtirdet Unsere wol- 
meinende Eriunerungen, gleichwie Knesebeck') und andere Unseres 
Chnrhauses Abgesandte rühmlich gethan, dergestalt vorzubringen wis- 
sen, dass durcli eine gute Sach nicht ein böses End, wie Ihr fürchtet, 
zu Wege gebracht werde. Wir haben auch zu Euch noch das gnäd. 
Zutrauen^ dass Ihr |utc. nach Unseru Befvldcu handeln werdet] 

80 viel nun anlangt die Üirection bei den Evangelischen 
an Uns zu bringen ohnvermerkter Weise, hat es die Meinung nie ge 
habt, Uns solcher derge^itidt anzumaassen, dass eine solche Gefahr ^^ 
daraus entstehen könnte, wie Ihr anregt; sintemal Euch bekannt, 
dass Chor Sachsen sich oflmals auf Ansuchen der Evangelischen der 
Direction entschlagen und dieselbe Uns von den Evangelischeu ge- 
göDuei worden, aber damals aus erheblichen Ursachen sie nicht llbec 
Uns nehmen können*). Nachdem Wir aber befinden, dass Uns in viele 
Wege zutrUglicli fallen wird, es auch Un&ers Amtes, den EvangelischeE 
beizustehen, so zielen Wir dahin^ wenn »Sachen vorfallen, so dem Instr" 
Pac, gemäss oder sonsten den Evangelischen zu Statten kommen, aucl 
wann es Unsere particular Angelegenheiten erfordern, dass alsdanin 
sofern Chur Sachsens Ld. (welche jedesmals darum zu ersuchen) sie-" 

•> Gemeiüt ist hier der geh. Ilatli Levin v. d, Kuesöbeck, eiaer der bc 
deuteüdsttiü braüdeüburgieeheü Beamten der Öchwartzenbergischeu Zeh, der 16^^^ 
geetorbeo war ujieht IGOl. wie Cosmar und Klai»rotb Staatsratb p. 34<) ao^^^" 
beri). Die obige Anspiulung bt'zäeht sich speciell auf deu Hegensbarger Ka*"- 
ftirBteutag i. J. 1636, btii welchem Deben Schwartzeuberg uod Rncsebec? ^ 
auch Blume üthal als braniietib. Ueeuiidler gewesen war; vgl. out. p, 352. 35^^* 

*) Solche ErbietuDgeü waren BraDdeubarg schon gemacht worden 1643 ä.'«^'^ 
dem Frankfurter Depntationstag (ürk, u. Acteost I. p. 824), tiod in Osiiabrü^^^ 
waren sie wiederholt worden (ebenda», IV. p.380. 393); in beiden Fallen at^^^ 
war es zu eigentUch officieUeD Verhandlungen darüber nicht gekomtnen. Zur (5 ^' 
schichte dieser ganzen Angelegenheit vgl. Pfanner biet, comit, p. 385ffl 0. -A* 
Arndt de Directorio Kvanireiicorntn a Job, Georg 10 Sax. Princ. Elect. in paci^*** 
Yestfal. repudiato, ^Lips, IbOO.) 



Bltimentha! getadelt Dtrectoriom Kvoogelicomm etc. 



347 



► 



der Direction nidif unterziehen wollte, Ihr solche nnt .i^uter Beachei- 
lieuheit an Fua zu bringen und in l^iiseriu Namen zu führen suchen 
rhätet; und sofern Chur Pfalz Ld. mit in die Versammhmg der evau- 
gelisehen Stünde alsdann zu bringen, würde es Uns desto lieher ßein. 
Können auch nicht absehen, wie Tnö ein solches riiehi als einem 
Fürsten, so sie songt doeli führet, verdacht werden sollte. 

Was die Gülichschc Sach betrifft, halten Wir Uns versichert, 
dass die evangelische Reichs^tändc ihre Partei gern stärker sehen 
werden, und wann sie den Nutzen dessen, so Unser treuer Eifer zu 
dem gemeinen Besten ihnen wirket y verspüren, sich mit Uns zusam- 
menthun und sowol als Wir selbst die Saeh aufzuschieben Mittel bei- 
bringen werden; so wird auch durch eine solche Zusamtnensetznng 
der Ausbruch weniger zu befallen, noch einige Exccution zu ^^ew^arten 
lein; wann Wir aber an allen Orten bloss stehen, ist das End leicht- 
lich zu urtheilen. 



Blunienthal an den Kurfürsten. Dat. Kegensbiirg ^J; ^C; 1653. 

[Der weetlttHeche Kreistttff: der Bischof von Miitistfr, Die pfah - simmernscbe 
Streitigkeit geschlichtet. Die Parilatsfru^e.j 

Ich vermeine ganz gewiss heute oder morgen Audienz [beim Kai,^€r| 1 
zu haben, da ich dann zugleich pro|>nniren w^erde und bitten die 
Sache dahin zu befördern, dass bei nächstem f westfälischen J Kreistag 
K Uh. I). ad Sessionen! et vntum /Aigelasscn werden mögen, weiln 
ich so viel veniehme, dass der Bischof von Münster sehr stark auf 
die Kreisverfassung dringet, gestalt dann auch alle von Lothringen 
gravirte Stände deshalb klagend einkommen sein. 

Die geistliche Fürsten sein so stolz, dass sie durchaus prätcn- 
diren, die Churf. Gesandten sollen sie erst visitiren. Nun habe ich 
deshalb keinen Befehl, und ausser solchem, glaube ich, sei es nicht 
«^erantWürtlich *). Ich habe dannoch den Fürsten vonMUuster durch 

den Grafen von Gronsfeld ersuchen lassen, das Ungleich, so E. Ch. l). 

Äu Essen widerfahren i^^t, zu erwägen und Batisfaction zu befurdcrn; 

Wozu er sich dann sehr willfährig soll erboten haben. — 

Vergangenen Montag ist Chnr Pfalz mit L f. IX von Simmern 

V|5Uig verglichen worden, und hat Chur Pfalz, als er verstanden, dasg 

^^ir durchaus auf das Gutachten an den Kaiser gedrungen, ein Drit- 

t^ütheil des Amts Stron»berg zurückgelassen und ist darauf die Ilande- 

lung gesebloBsen worden. 



Dec. 



Vi Resolution dat 4/M Dec. wird dieae erste Viaite sn machen den Ge- 
Biuidteu untersagt. 



348 



ir. Der Keicbstag zu Regenebur^, 



Die von dem Karfürstea vorgeschlagenen Teroperamente in der Paritäte- 
aiigelegeulieit siud alle erörtert, aber keiues practicabel gefunden worden 
als das:, welclies alle Religiaiissachen und überhaupt alle Fragen miixioii 
poüderis im Füritenratli allein auf ^gütHehe Handlung** stellt; und dass 
die 3 evanjJielischen Vota dabei so viel gelten sollen, als die 4 kathoHscheo. ^ 
Dies hat auch bei den cv;ingelischen Fürsten vielen Anklang gefunden. 

Der Kurfürst habe mm vorgeschlagen, dass die Parität im Kurf. Colleg " 
überhaupt gelten solle (auch abgesehen von den Deputationstagen) und be- 
rufe ^ieh dazu auf das Instr. Fac. lilumcnthMl weist nach, dass im 
Instr. Pac, von einer Parität des Kurf. Collegs nichts stehe; auch fielen 
die Kurfürsten bei den Deputationstagen nicht als Deputirtc thätig, sondern 
jure pri.*prio nU CoUegiutu. 



Der Kurfürst an BhimenthaL Dat* Cülln a. Sp. 4. Dec, 1653, 

(Conc. von Tornow,) 

[Die Parität»frnge und die HeligioosUeaehwerdea. Stüllong der KurfürsteD wt 

Depututionstagen.] 

14. Dec Dns von ßlumenthal zuletzt erwähnte Temperamentum für die Pa- 

rität im KuifürsteiiraLh bei Depututiuuistagen taugt doch ;iueh nicht; der 
Hauptsache nach ist es auch schon im Instr. Pac. enthalten; hier ist nar 
noch die Einschliessung der Sachen „maximi ponderis** hinzugefügt. 

Allein wenn man fraget, wer dann solche Sachen maximi pon- 
dens detinircn solle, da igt es stille, und scheint es, dass dies dahifl 
ausschlagen werde, dass diejenigen Sachen maxiuii ponderis seien, sc^" 
major par» dafür ästimircn werde. — 

Das ander vorgeschlagene Medium zur Adaqualion ') betreffende^ 
halten Wir dafür dass es den Streit wol aufheben könnte, wann all^^ 
Herrn Churfürsten und Fürsten damit einig. Dann obgleich Chu^«r 
Mainz sich dieses Vorlheils gebrauchen möchte, wann S. Ld. erfor — 
schetj dass ein evangelischer Ciiurfürst einer Saeh ziigethan, daas &« 
dieselbe Saeh so lang zurückhielte, bis dieser Churfürst 2 Vota b&— 
käme und alsdann 8ie solche Saeh proponirteu: ho kann man doc^ 
adversus ejusmodi fraudem mcli wol verwahren. [Die Gravamiua Evai:m- 
gelicorum in doppelten Exemplareu an Knnnainz und KursachsoQ emz^^' 
UcfernJ 

Dass die CathoHci sagen, mau möchte ihnen zeigen, worinn^i^ 
die Religion periclitiren könnte, item es könnte die Sach dahin g-e- 
richtet werden, dass man auf Deputationtugen gar keine UeligionsaciieH 
tractiren sollte: das beweget Uns nichts Unsere I^leinuug in etwas t^ 
rindern. Dann Wir wol wissen, dass man so eben von der Religion 
auf diesen Conventen nicht handeln werde, sondern glauben vielraelir, 



^} Die evangelischeo Kurfürsten abweebselad zwei Vota« 



Paritats frage. Blumenthal und das Oabiuet divergent. 349 

dass die Catholici gern sehen sollten, dass man nimmer der Reliprion 
gedächte (welches daraus gnugsam zu verspüren, dass sie bei diesem 
Reichstage so ungern die Ecclesiastica vor die Hand nehmen wollen). 
Es ist aber nicht allein um die Religion, sondern yielmelir um die 
Affection und Zuneigung der Deputatonim, damit einer oder der ander 
dieser oder jener Partei zugethan ist, zu thunde; da es dann offenbar 
ist, . dass die Catholici den Ihrigen, es sei auch in was Sachen es 
wolle, immer helfen, den Evangelicis aber allemal zuwider und ent- 
gegen sein; wie Ihr Uns dann selbst öfters zugeschrieben, wann die 
Katholischen etwas suchten, dass alsdann bald Commissiones und Exe- 
cutiones decretiret und verordnet", da aber Evangelici ihr Nothdurft 
urgireten, dass sie damit auf üeputationtägc verwiesen würden. Und 
also kann auf Deputationtägen zwar nicht eigentlich die Religion 
tractiret werden; man kann aber in andern Dingen den Evangelischen 
so nahe treten, dass sie sammt ihrer Religion endlieh unterliegen 
mttssen. 

Dann jo^egen die Ausführuugcn BliimcDthars: das Instr. Pac. nennt 
zwar das Kurf. Collegium nicht, aber es nennt das fürstliche anch nicht 
und excipirt das kurfürstliche nicht. — Dass die Kurfürsten docli eben 
aoch als Deputat! zu betrachten sind, neben ihrem Charakter als Colleg, 
wird aus dem Gründungsdiplom, dem Reichsabschied v<»n 1555, gezeigt, 
wo sie als Deputati qualificirt seien*). 



Der Kurfürst an die Reichstagsgesandteii. Dat. Cöpnick 

27. Nov. 1653. 

(Conc. von Tornow nebst dem Visum von Waldeck.) 

[Verweis über die Hultaug der Gesandteo in Regensburg; Verschiedenheit der 

AnsichtOD.] 

Aus dem Protokoll, so im Churf. CoUegio den 9/19. dieses ge- 7. Dec. 
halten, haben Wir verlesen, dass Ihr, so viel die Nichtzulassung der 
conjunctionis collegiorum betrifft, das Eurige gethan; nur halten Wir 
dafbr, dass Ihr in puncto parificationis etwas zu leise gegangen; dann 
Ihr gleichwol nicht alle rationes angefUhret, die Wir Euch deshalb 
zugeschrieben. Wir können aber nicht penetrlren, was Ihr dann vor 
Ursach habt. Euch also kühl bei diesem Werk anzustellen und nicht 
undeutlich denen andern zu verstehen zu geben, als ob Ihr mit diesem 
Unserm Gutfinden und desfalls geführten consiliis nicht einig wäret^ 

*) Aagabnrger Reichsabschied von 1555 §.65 ff., wo indeB^ allerdiogs 
die dort immer gebrauchte Formel : .Oharfürsten, depntirte Fürsten nod Stande" 
■ekr für die AuffasvaDg Blamenthara spricht. 



350 



n. Der Reichstag zu R©g:enäl»nrg:. 



sondern nur gleicbsaiii caeeatn obedientiani dedalls prästireD mlUßt 
Ihr köimt aber leicht erachten, dass Ihr Uns dergestalt wenig Nutz« 
schafTen UEd ratione bujus matoriae Unsere Intention nicht erreiehd 
werdet. Wann dann Unsere beständige iMeinun^ ist, zwar venui 
der Clnwt Vereini^-ung über das Churf. CoUe^inm zu halten, alleii 
dergestalt dass auch das Instr. Pac» observiret und nicht liicheri« 
machet werde, so erinnern Wir Euch lioclimals gnäd., dass Ihr suchet 
diesen Unsern Zweck /ji erreichen- Falls Ihr aber eines und das 
andere betindel, du« ob notoria obstacnia nicht zu erhalten, künnet 
Ihr sothane obstacula Uns nebst Euern Gedanken notificireii. Es 
soll alsdann alliier alles llberlegt werden und Resolution darauf 
folgen. 



lielation vom Ueichstag. Dat. Iiegeiisbiirg 1 ll.Dec, 1653. 

11, Dec. Auf daü Driingeu der brandcnburgischeu Gesandten wird die Re* und 

Corrclation mit dcu Städten iu Bezug auf die Fnige paritatis et collect;!- 
runi bii> nach Weihnachten ;t St. aurgeschuben; bis dahin hofft mau unt 
Beircheid des Ktirtürsten, ob dieser hcioe di:5seiitirtnde Meiuuug aufgebe» 
oder deu Mouitis der es^angelischeu Furzten ferner beijvflichteu wilk 

Dii^ evuügetiÄihen Fürsten hahen eiklärt: ,,<la uicin zur Ke- uud Co 
rehitiou srlireitcn und ihre Eriuuerongeu vorbeigehen und nicht tuit rel 
riren wollte, das^s i^ie al^^dann tiufstf^ien utid davon gehen, sich auch txt 
keiner Deliberation ferner, ehe tnau ilineii hieriu iSritlÄfaction gebe, verütehcji 
wollen**. 

Bitte uiu lüstnieiionj wie bie bicb dabei verhalteu sollen, ob den Fii™ 
ßten anschliesaen, i.uiiv nicht. 

Inzwischen wird die loihringsche Sache wieder vorgenommen. 



Resolution dos Kurfiirsteti. Dat. Collii a. d. Sp. IL Dec* 1652 

[Beharren Brandeuhurga auf dem Standpunkt dt^r Parität; laeliuctiou für wi 
tert-^B Benehmen In der Sache. Belohimg der Gesandten,] 

Nöclimalii^er Befe!il hei deu bisherigen Weisnngcn zu beharren 

Wir sehen vor Augen, wo dies nielit geschiehet, dass eine naeh- 

thciligc Dissolution dieses Reichstages erfolgen werde. Dass bei der 

jlhigsten Deliberation abermals Eures dissensus uneraehtet die niajora 

daliin gefallen, dass die Monita Evangelicoruni präteriret und mit der 

Re- und Correlation verfahren werden solle: solches kiiunen Wir nicht 

anders auslegen ^ dann dass die Catholiei ihnen fest vorgenommen, 

mit ilirer Autorität und niajt>ribüs dnrebzudringen und die evangelische 

Staude m despectireu und znrtlckzustossen. 

Dass aber I Kais. Maj. dies vor eine Treanung des Churf, 




Colle^ii gebalten, kommt Uns befremdet vor; dann wann diversa votu 
fähren ?or eine Trennung aus^^edeutet will werden, so mag nmu nur 
im Cliurf. Collegio sich nach dcu vior kullndigchen Churflirhten rieli- 
ten und da» Ja allemal zustimmen; welclies ja endlich die andern 

evangelischen Herrn Churfür^tcn auch vers|»liren werden. Sollten 

nun hiernäcbst bei künftiger Znsammenkunllt die berührte Mouita 
Evangelicurum nichtö desto minder negligiret . . . werden und die 
eTangelischen Fürsten . . . iu diesem Fall davon gehen und sieh zu 
keiner fernern Deliheratiou, bis sie Satisfactiou bekomuieu, verstehen, 
so müget Ihr im Fürstenrath es auch also machen* Im Churf. Collegio 
aber moget Ihr Euch stellen j als ob llir auch aufstehen wolltet, end- 
lich aber verbleiben und aur mit einer dienlichen Protestation Uns 
"v^crwahren * , , und dann daneben nrgiren, dass diese Protestatiun dem 
OuDcluso eingerüeket werden mochte. 

Dauu biufl auäfiibHit'hc und driugeude Yorbtellijugen bei dem bairiscbeni 
südiiiischen und pfälzischen Gosrindten zti machen 

Will dann solches alles nichts helfen, so w^erden die evangeli- 
CK^ben Fürsten Uns das Zengniss geben, dass Wir Uns ihrer treulicli 
^mi^enommeu und das Instr. Pac* allem Uespect vorgezogen, welchem 
dana verhotTentVieh Uns rllhmlicher sein kann, als w^ann Wir nur 
»«^lilcchter Dinge Uns mit den andern conformiren und alle vcrnUurtige 
rationes aus Augen setzen thiiteu. 

£& gereichet Uns sonsten xu gnäd, angenehmen Gefallen, dass 

Rir bei der am 29. Nov. gehaltenen Session Euch so wol gehalten . . . 

üadureh Ihr auelf zu Wege gebracht, düss Sachsen und Pfalz Euch 

tacite Beifall gegeben und darauf DitatioD bis auf Weihnachten ver- 

stattet worden* Wir zweifeln gar nicht, Ihr werdet mit solcher Dex- 

teritäl und gehursamer Bezeiguug cuntiuuiren und Euch versichert 

' talten, dass solches um Euch und die Eurigen in Gnaden zu erkennen 

^ir unvergessen sein werden. 



Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Kegensbiirg 
1/11. Dec, lfio3. 

[Btabiieliti^e Heicliskriegsverruasang. Dus Atidf^nkea Lenn'g v« d. Knesebeck.] 

Itao in ganz kurzem wird deliberiret werden, w^ie mau eine all- iL 

gemeine Verfassung hier treffen und vergleichen möge, wodurch 

aller Stände und zuerst derjenigen Sicherheit, so itzo am meisten von 

Utliringschen und Condc sehen geplagct sein, könne beturdcrt werden. 

Was E. CIk D. wegen des iu der Erden liegenden rühm- und 



TiÖ^ 



352 



IL Der Reiclistftg xti Uegeosbnrg, 



lohwtirJii^en von Knesebecken's schreiben, djiss derselbe aller Vor- 
gtimiupiulcu Vota durch gute rationes vcnludert habe, solcheg habe ich 
oicht gemeinet zu beantworten, sondern davor gehalten, es würde 
gnu^ sein, wann K. Ch. D. ich nur nnterth. Versiclierung geben 
könnte, dass meine Treue der seinigen und mein gehorsamster Wille, 
wol und redlieh zu dienen, dc!u seinigen gleich wäre. Nachdem aber 
auch durch mein Stülseliweigen geurtheilt werden könnte, als wann 
ich mich demselben auch quaod conditionem, qualitates et experien- 
riani gleich zu schätzen gedächte, m bitte ich unterth., E. Ch. D. ge- 
ruhen gniul zu glauben, dass, wenn ich mit seiner gehabten Ge- 
schicklichkeit begabt wäre und Hotfuung haben könnte, in E. Ch. D. 
Dienst noch 5 Jahre gesund zu verbleiben und in solcher Confidenz 
bei E, Ch. D. zu sein, wie er noch itzo in seinem Tode billiger Weise 
gepriesen und geebrct wird^ icli willig in einer Stunde alles, was ich 
in der ganzen Welt habe, den Armen geben w^oUte* 

Gedanken in puncto insertionis der Evangelischen Erinne— 

nuigen die Parität nnd Collecten betrettend in das Keiehsi^ 

conclusuni, auf die von Kai??, Maj, und Chiu'f. txillegii Ant:-— 

M^ortschreiben, an Ch. 1). zu Brandenburg, den l.Dec<lG5^* 

(Von Waideck eigenh. Arols. Arch.) *) 

[Billigkeit des Verlangens der Evangeli&cheD. Recht der freien Zastimmong x«J' 
Zttidung von ReichBBt*^uern; koin Majonsireii durch die Stimmeo weui^ oder 
nicht« Zahlenden Die Paritat. Das rechte Verhältnifis dw Kurfareten sa deo 

Fürsten.] 

n. Dec. Man hat tich gegen die Ansicht des Kurfürsten auf den Kurfürsten verein 

berufen und dass das von diesem per maiora Geschlosseue in Profani^acheii 
bindend sein müsse. — 

Wann :]ü oder 40 Stünde, je eine viel grössere oder au eh gerin- 
gere Anzalil klagt j sie werden beschweret gegen das lustr. Pac,, ge- 
gen das llerk(nnnien und ein ChnrfUrst ist gleicher Meinung, so kann 
ilim durch die Clinrf. Verein, so lang bis ein Gewissen ist , . . seine 
J[einung nicht ohnkräftig, noch der übrigen vermeinter Sehluss bündig 
gemacht werden. Fried und Ruhe ist mit ein Grtind, darauf die Churf. 
Verein gcgrtlndet — wie kann solche erhalten werden, wenn man so 
viele so vornehme Stände des Reichs höhni«eh hält und ihre Erinne- 
rungen nicht annehmen, noch bei der Re* und Correlation zu verlesen 
gestatten will; da dach vor Zeiten der Stfidtischen diserepanlc Mei- 



') VergL y. Meiörn L p. 705 ff. 



Waldeck über Paritilt oijtl Steoerf^age. 



353 



ünf^D inseriret worden. Welches keine andere Gedanken geben 
kann, als Misstraueu und gegen die Gruudleste der Churf, Verein 
streiicü muss. 

Weiterer Kachweisi, dass durch Zulassung der Enuncrungeu der eran- 
5chea FüDSteu darchaas nicht gegen die Rechte des Kurlürstenvereins 
rrrfito&sei) wird. 

Der punctus crdlectanmi ist ja nicht nur heute auf die Bahn ge- 
bracht, «ondem vor vielen Zeiten angeregt, aber allezeit widersprochen 
worden; und seind sieder ilcr Zeit zu denen Ursachen, so dagegen 
fujlitiret, noch viel ein grosser Anzahl gekommen; auch in allen wol- 
h^lellten Bepubliquen, ja kleinen yttidtcn, wird keinem benommen, 
den Dank seihst zu haben dessen, so er von dem Seinigen hinweg- 
gibt Und ist L Ch, D. geringer Nutz oder Ehre, wenn Einer, so 
Hiebt eines Fnss Breite im Keich, oder vielleicht wenig Rth. beitrügt, 
oder doch nichts darzu gibt, dero Laude jederzeit mit seinem Voto 
m beschweren bemächtigt sein sollte und dero Unterthaneu ins Ver- 
derben bringen, deroselben Ilülf zu Ihren eigenen Angelegenheiten Sie 
berauben und zu einem ordinario tributario sich machen lassen. Son- 
dern viel rühmlicher achten Sie es, wann ein jedweder seinen freien 
Wilteö, darzu zu geben j frei behält; alsdann haben Sie wegen der 
Tielea Stimmen, so dero FUrstenthume deroselben geben, durch ein 
gtttes Exempel, durch welches Sie andere mit darzu bewegen, mehr- 
deren Kubm, auch seihst Dank davon zu gewaiten, wissen auch, warum 
und zu was Ende die Einwilligung geschehen. 

Ebenso vertritt Wal deck die Forderung der evaogeligchen Fürsten 
in Bezug anf die Puritiit bei den DcpiiLitioDstagen. Der Friede und 
die Einigkeit Im Ueieh forUeru, d.'is!< mau ^tcb über die^e Punkte mit den 
Fiir»t»?n accommodirt, die man duch nicht zu nicdiij^ taxireu darf — 

das^ also der Kespeet 1. Kais. Maj. in Einigkeit der Reidbsstunde 
besteht, welches L Ch, D. suchen; des Cburf. CoUegii Kespcct in deme, 
daas, wie sie mehr als alle andere Reiehsstände zu sagen haben, sie 
sieh so gouverniren^ dnns, gleich wie sie Säulen des Reichs seind, 
sie den Bau durch Erhaltung der Grundfeste des Reichs . . . fest bal* 
leii^ die Übrige Stücke des Gebäus auch so an sich halten und dero 
Schwachheiten mit solcher Moileration tragen helfen, dass nicht eine 
Kluft daninler entstehet und bei einigem Ohngewitter ein Platzregen 
den ganzen Bau von einander treibe und in voriges Unheil bringe. — 

Endlich L Ch* Ü. können »ich von dero Meinung nicht ändern, 
•ondem beharren dabei« mau solle den Evangelischen SatiHfaction ge« 

, die Insertion ihrer Erinnerungen zulasi»en und durch ein zulilng- 



litar. aUf f***€h d Ct, KuffUMi*'Q, V L 



t6 



354 



IL Der Reid 



[Regensburg. 



liclies Temperain cnt dctu Werk ablielfen und die EeicfasdeliberatioDes 
nicht länger adbalten. 



Der Kurfürst an die Reichstagsgesandten. Dat. Cöln a- d. Sp. 

4. Dec. 1653. 

[Neuer Verweis wegen ihres Terhaltens. Ansicht m der Paritata- und Reichs* 

stenerfrage.] 

14. Dgc. Gestriges Tages ist der Kais. Currierer mit dem Kais, trnd des 

Churf. Collrgii t<ch reiben ') ankommen, die Wir Uns auch albereit 
.verlesen lassen unrl befohlen solche gehöriger Maassen zu beantwor- 
ten. So viel hahrn Wir anj^remorket, dass zwischen L Kais. Maj., 
dem Churf. Coliegio und Uns ein kleiner Missverst^ind sei; denn sie 
vermeinen, dass Wir Uns vom Churf. Coliegio scpariren und in puncto 
paritatis et eollrctarnm llher zu «ienen Ftirsteii treten wollen. Welches 
jedi*ch Unser Intention so eben nielit ist^ wie Wir Euch nun eine Zeit 
bero bei allen Posten zugeschrieben, und Uns danuenliero nicht wenig 
Wunder ninimt^ woher ein sidch Misatraoen entstehen mUsae, also gar 
dass nicht allein Ihr, sondern auch dan Churf. Colleginm zu Unser 
nicht geringen A'erkleincning Uns vorrilcken dürfen, summt wUrdea 
die Acta nicht völlig von Uns verlesen oder auch nicht deutlieh und 
in dem rechten Verstand Uns vorgetragen , da Ihr jedoch aus den 
überkommenen Unseren Rcsoiutionibus ein andere« erlernen mögen- 
Und da es gleich zuweilen gei^chähe, dass Wir bei so vielen und 
Überhäuften hochwichtigen Reichs- und Landessachen und GesehäOen 
eines und des andern übersehen thuten: so wäre jedoch Eures offieii 
solches vielmehr an gehörige üertcr zu erinnern, dann zu propaliren. 
Wir erinneni Uns gar wid, dass Wir in beiden nmteriis, paritatis 
und pluralitatis votorum in collectis, mit dem Churf. Coliegio zvl An- 
fang ganz einig gewesen, und nachdem Uns das KaiserL (iutachten 
über dem, was desfalls von allen iStunden 1. Kais. Maj. überreichet, 
zukommen und Wir nicht vermeinet, dass die evangelischen Fürsten 
und Stiinde weiters etwas moviren würden, dass Wir dafür gehalten, 
es dürfte nunmehr wol bei solchem Kaiserl. Ausschlage verbleiben. •.. 
Als Wir aber vernommen, dass res noch iutegra und die meisten 
evangelischen Fürsten auf ein besser Temperament zur Paritication 
gedrungen, auch ratione collectarum gute Monita eingegeben .... so 



*) Gedruckt bei r, Meiero I. p. 678C, und die Atitworten des Knrfüreteii 
darauf, dat. Colin a, d. 8p. lU Dec* lü53, eboadas. p. 7(>5ff. 



Neuer Verweis. Waldeck und Vietor. 355 

haben Wir uns beständig rosolvirt, dass Wir zwar über des Cburf. 
Collegii Prfteminenz, Prärop^ativ und Dignitüt steif halten, in solchen 
Dingen aber, da das Churf. Collegiuin oder dessen Jtespeet im ge- 
ringsten nicht periclitiret, sondern vielmehr desselben Dignität ver- 
mehret und alles ungleiche Misstrauen ausm Wege gerUumct wird, 
wie die Parität unter andern dann eine solche Sache ist: da halten 
Wir dafbr, dass es ja besser sei, causam EvaDgelicorum justissimam 
in etwas mit secundiren helfen, dann ohn Noth . . . den Namen füh- 
ren, dass man das Instr. Pac. löcherich gemachet und dann darnachst 
in der Gefahr stehen, dass solches in Unseren eignen Sachen künftig 
zum Exempel und böser Conscquenz augezogen und practiciret würde. 



Waldeck an Dr. Joli. Vietor*) in Kegeiisburg. Dat. Berlin 

4. Dec. 1653. 

(Arols. Arch.) 

[Gerede über Waldeck in Hegeiisburj?. Di«» Partei Waldeck's am Hofe wächst; 

er hoSl Blumenthal bald zu he8eiti>rL>n. Zurückirre ifen auf Götze ucd PruckmanD. 

Das Verbültniss zu den evangelischen Fürsten.] 

Dass ich gewaltig durch die Hechel gezogen werde, zweifelt mir 14. Dec. 
nicht; aber, Gott sei Dank, ich lass mich so bald nicht schrecken; 
und wann Euch davon geredet wird, so lasst Euch nur in keinen 
Streit ein, sondern sagt nur, ich sei noch jung und neu am Hofe, es 
werde Rath ohne Zweifel über diesen Sachen gehalten und I. Ch. D. 
resolviren. 

Gott sei Dank, dass I. Ch. D. die Sach selbst mit höchstem Fleiss 
gelesen und im Kath zu unterschiedenen Malen debattiren lassen. Die 
Antwort y hoffe ich, soll in eftectu nacher Wunsch sein, wenn schon 
der Stilus nicht allerdings, wie ich ihn wol wünschte. 

D. Tornow gibt sich nun und sucht mit Eifer mich zu secon- 
diren, wie seine Vota im Rath bezeugen. Herr Schwerin lässt mich 
anch täglich um Freundschaft ansuchen. Bald wird jemand an Blu- 
menthaTs Stell kommen, der Hirn, Practicq, ein gut Maul und voll- 
kommen der guten Partei zugethan. Blumenthars Bitte aber wird 
erhöret werden; aber lasst Euch dessen nicht das geringste merken. — 

Wir haben nun zwei im Archivo sitzen, so nur die alte consilia 
Ton Kanzler Götzen undPruckmann aufsuchen, halten auch fleissig 
und förmlich Rath, machen Anstalt zu Volk und Geld. Wann an- 



*) Gräflich Waldeck*feher Qeaandtcr am Reichatag. 

23* 



356 



IL Der Reichatag zu Regen 8 bürg. 



nehralichere Gesandteü dort sein werden, wird besser Geld folgen; 
doch tlme ieh mein bestes vor diese, 

Macht« dass in dem Antwortschreiben an L Ch. D. von den evan- 
gelisclien Ständen, der Nutz, m dem Reieh durch Autorität des Churf, 
CoUegii entstehet, herausgestrichen werde, dass aber der evangelischen 
ChnrfQrsten Respect denselbigen als ihren VorgäDgem zu erhalten ihnen 
uGthig, damit nicht unter dem Sctiein eines Respects I. Ch. D. gute 
consilia ohtifruchtbar gemacht werden; und wenn sie an L Ch. D. 
sieh erklärctcn, dass auf dero Einrathen sie des puncti coiijunctionJs 
gänzlich sich hegeben wollten, würde diesen Herren sehr ohligiren 
und in andern Saclien eiferig niachen, Thut Euer Bestes, dass sie 
sieh bedanken und seiner Vorfahren Beistand, den Evangelischen ge- 
leist, mit anregen* hh h^ille, es soll alles wohl gehen, 

P. Ö. Dieses alles hätt^ billig in Ciffren sollen geschrieben wer- 
den; die Zeit aber hats nicht leiden können, maassen in höchster El 
gesclirieben worden. 



Relation vom Reichstag, Dat. Regensburg 5/15. Dec. 1653, 

[Die Deuen FürsleD. HeeepttoD des Fürsten Lobkowitz im Fürateorath; nach- 

tm^^litht PrütestatioD Braiidenburgß; die ßcdt^utUDg dieser Reception; lotrigB«, 

wodiircli sie zu Htaade gekourmwu; Büd und Uarpzow; ßeDacblheiliguug der 

alten Furateu uud der EraogoliscbeD,] 

^5. Dec. E, Ch. D, erinnern sich gnäd., was der neuen Fllrstcn halber 

vor conditiones bei dem Reichstage im Jahr 1641 beliebet und da* 
üjalen in dem lieiehsabschiede kommen sein; dass nämlich dieselbe 
sieb 1} mit immediat ReichsgUtern versehen und 2) davon ein g^ 
wisses Contingent zu den Reichsoneribns beitragen und wann sie 3)io 
Person bei den Ueicbsconventus erscheinen, nach der allen Fürsteo 
Gesandten ihre Session und Votum haben sollen, über welche eonditiuuefl 
7M melir Malen in dem fiirstL Collegio deliberiret worden und noch am 
13. Sept. und 14. üct, bei gehaltenen Unionibus dabei von den hairi- 
sehen und allen evangelischen Gesandten bestanden, dass die dritte 
Condition weniger nicht dann die andere adim}diret werden tnDsstei^ 
Als aber theils der Katholiscben dabei vorgeseh lagen, daae die 
neuen Fürsten» waun sie in collegio principum sich befinden, zwam 
püst princi|mm veieruni legatdS ihr Votinn ablegen, aber doch ihre 
Session vor denselben gleich andern alten l'UrstU Personen haben soll- 
ten, und darauf ein Conclusurn den 15* Oct, abgelesen, kraft welches 
Dietrichstein, Piceolomini und Auersherg pare adniittiret wer- 
den wollen: seiiid die Evangelische neben Baieru und andern katho- 



Die nenen FürBten. Fürst Lobkowitz. 



357 



fürstl GesaDdten auf der weltlichen Bank aufgestanden und 
»a dem Decreto contradicirt und selbiges nicht annehmen wollen 
Alt ÄUgdrücklicher Anzeige, dass sie befehliget wären, dem Reiehg- 
b^heide de a. 1641 zu inhaeriren und sich der dritten Condition 
\kt EU begeben* Dabei es auch biä dahin verblieben und keine fer- 
eomsulutiones Über sulehe Materien vorgenommen, 
^un hat sich aber am 2/12. dieses zugetragen, dass, wie vrir 
bau in procinctu gewesen, uns nach dem Chur- und Fürstenrath zu 
sben, der Sachseu-Altenburgischer Gesandter zu uns kommen und 
aogezeiget hat^ dass der Fürst von Lobkowitz sich bei der De- 
n im FUr?*teürath perguulich einfinden werde; nun hätten die 
^^iLsche sich fast dahin verglichen, dass, weil die Baierischc von 
vorigen Meinung abstünden und die sessionem et votum jetzge- 
i^btem Fürsten gleich andern alten Fürsten verstatten würde» sie auch 
pl einig sein wollten, welches er uns zur Nachricht andeuten wollen, 
räreu aber doch einige, welche »ich mit protestationibus verwah- 
tn würden; sie hätten dafür gehalten, dasd wir eben der Meinung 
Bin würden, weiln wir wegen des Fürsten von Eggenborg dergestalt 
[>r diesem votirt hätten. 

Uns kam diese xVnzeige sehr befremdet vor und beschwerten uns 
ruber, dass einige Evangelische dieser Sachen halber absonderlich 
Bi:$amnicn gewesen, und uns davon nichts angedeutet wHre, kannten 
einseitige Zu8ammenktint\e nicht approbiren, noch in das au- 
Bte Conclusum willigen .... weil ein Unterschied sein und 

leiben uiUsste zwischen den alten und neuen Fürsten Darauf 

Achter Sachsen-Alteuburgischer nicht repliciren können. 
Nachdem nun derselbe Abücheid genommen, haben wir unter uns 
tliberiret und bei solchem Zustand, da die Fürsten sich sqiariret 
nd ttosere alleinige oflFeutliche Contradiction und Protestation nichts 
leu, sondern nur hingegen lautem Unwillen und Contrasto in per- 
(nlicher Anwesenheit des Fürsten v, Lobkowitz verursachen werde, 
ntgefondcn, dass nach vollendetem Kath ad protocollum Imperii pro- 
rei ood dabei E. Cb. D. di»i8ensus vermeldet werde. 
^JUb nun der Vortrag im FUrötenrath geschehen und Salzburg uf 
cistiicheu Bank sein Votum erötfnet gehabt, ist der Fürst von 
^obkowllz zuerst autgerufen, der sein Votum nemine eontradicente 
^ddhel hat *), und ist er in omnihus et singulis votis non tantum Ca- 
»Hcorom^ sed etiam Evangelieorum (ausserhalb dass solches in 



^ B* dMB ProtokoH dlisser Sltsttug bei v. Meiera I. p.68<i(r 



358 



n. Der Roicbstag zu Begensburg. 



K Ch, D. hinterpomnieriselieii, halberstädtischen und mindisctaen, wie 
auch in den meckelnburgischen, nebens den Sachsen - Coburg'ischen 
und der fränkischen Grafen Votis nicht geschehen, und Magdeburg, 
Pfalz-ZwcibrUckj Pfalz-Lautereck und Braiinschweig-Kalenberg nbsentes 
gewesen) gleichsam dadurch beneventiret, dass sie ihre Rede auf ihn 
gerichtet und den Titulura „durchlauchtiger hochgcbomer Ftlrst, gnä- 
diger Hcrr'^ praniittirt haben. 

Nacb yollendetcm Itathgange bähe ich, l). Portmann, nicht alleiii 
bei dem Salzburgischen (weil der österreichische Director Volmar 
sich alsobald mit dem Fttrsten v. Lobkowitz hinwegbegeben), son- 
dern aucii folgenden Tages bei dem usterreichiscben Directorio von 
solcliem actü protestiret, E, Ch. D. disseiiBum ad prütocoUtim zu ver- 
zeichnen und uns auf den Nothfall ein Attestatum zu geben begehret, 
welches sie beide auf sich genommen und zu thuu versprochen. 

Mit dieser Admission ist all dasjenige, so bei dem Reichstage de 
a. 1Ü41 und bei gegenwärtigem bis dahin wegen Admission der neuen 
Fürsten uud sonderlich wegen der dritten Condilion beliebet gewesen, 
mit einem Mal über den Hänfen geworfen und wird dadurch allen 
andern neuen Fürsten der Eingang genmcht, dergleichen zu begehren, 
zum höchsten Präjudiz der alten fürslL Häuser, und sonderlich der 
evangelischen, denen so viel neue katholische Fürsten an die Seiten 
g^setzet werden, 

Bitte u(n Instruction für weitere solche Falle, Die Mehrzahl der Gt* 
sandten h^bcn für dieseu Fall kein« ^[itciclk' Iii&tructioü gehübt, suüdem 
nur die Anweisung, mit der Majorität zu geheu. 

Und ist dieses Artificium darunter gebraucht, dass, w^e wir be- 
richtet werden, der Keichshofrath Bon und der Sachsen - Altenburg:!' 
sehe Gesandter Carpzow zu dem raehrern Theil der Evangelischen 
gefahren und aller Orts angedeutet haben, dass gedachte Evanffr* 
lische mit einander einig wären, den Fürsten v, Lobkowitz»^ 
rccipiren und ihm die Stelle und Votum primo loco zu geben. Da- 
her es dann kommen, dass die ersten in favorera mehrgedachteti 
Fürstens votiret haben in gewissem Vertrauen, dass die folgende auch 
also zu thnn resolviret wären, die folgende aber solches gethan, weil 
die ersten also votirt hatten. Dadurch es dann ferner dahin geratheo, 
dasSj nachdetn vorbero die Evangelische neben Haiern und andern 
Katholischen auf der weltlichen Bank die dritte Condition yollkömtn- 
lieh adimpliret haben und nicht gestatten wollen, dass die anwesende i 
neue Fürsten vor der alten Fürsten Gesandten ihren Sitz haben soll- 
ten j an Seiten Uesterrcich nnd anderer Katholischen aber vor diesem ^ 



Färat Lobkowitz. Blamenthal gekränkt. 359 

pro medio vorgeschlagen, dass sie den Sitz primo loeo haben, aber 
in ultimo loeo et ordine das Votum ablegen sollten, darnach auch 
Dunmehr gegen solch Medium, >yelche8 vorhin nicht angenommen, 
noch zugelassen werden wollen, dass die Katholischen uf der geist- 
lichen Bank zu Nachtheil der Evangelischen uf der weltlichen Bank 
sollen votiren können, die ßeception geschehen und dem Fürsten von 
Lobkowitz die Session und Votum primo loeo ante omnes principum 
legatos in seeulari scamno verstattet worden; woran diejenige vor- 
nehmlich die meiste Schuld haben, die sich hierunter, wie oben ge- 
meldet, contra prima conclusa zu grossem Nachtheil der Evangelischen 
gebrauchen lassen '). 

Blumenthal an Tornow. Dat. Regensburg 5/15. Dec. 1053. 

[RemoDstratioD gegen die von Waldeck vcrfusste Rosolution. Die Puritätsfrage; 

Blumenthal gegen die nennte Kur. Die «neuen Fürsten"; erlistete Einführung 

von Lobkowitz. Klage über den Posten und Bitte um Abberufung.] 

Woledler und hochgelahrter Herr College Aus Seinem Schrei- 15. Dec. 

ben habe ich leichtlich abnehmen können, dass mein Herr am 2o. Nuv. 
8t. Y. nicht muss zur Stelle gewesen sein, viel weniger das Kescript, 
10 an selbigem Tage Namens Sr. Ch. D. an mich abgangen, conci- 
piret habe'). 

Ich weiss nicht, wie ich mich hinfUro verhalten und wie ich 
sicher zu gehen und keine Gefahr auf den Hals zu laden mich com- 
portiren soll, als dass ich hinfUro so wenig, als mUglich ist, schreibe, 
weil ich sehe, dass alles in reprobum seusum torquiret und anders, 
als von mir gemeinet ist, ausgelegt wird. Bitte also, mein Herr wolle 
berührteB Rescript noch einmal lesen und dabei bedenken, wann er 
in meiner Stelle wäre, was er für grosse Lust bei solcher Negociation 
haben würde. Man will, dass ich dasjenige alhier thun soll, was der 
Herr Knesebeck a. 1030 alhier gethan hat, und machet keinen Un- 
terscheid zwischen seinen grossen und meinen schlechten Qualitäten, 
item einem Reichs- und Collegialtag. Bei dem ersten haben die Chur- 
ftarsten vor diesem keine andere Sorge gehabt, als wie sie sich bei 
ihrer geschworenen Vereinigung erhalten und das Reich bei Frieden 
und Buhe conserviren möchten. Bei diesem Tag wird gehandelt uud 
ist die vornehmste Frage, ob man die vorige Autorität derselben er- 



>) Alle diese Vorgänge, wie überhaupt die Beziehungen von Lobkowitz zum 
ReichsUg, sind in der neusten Biographie dvdaelbuu vuu Adam Wolf (Wien 
1869) mit Stillschweigen übergangen. 

*) Waldeck war der CoDcipient gewesen; s. oben pag.345. 



360 



TL Der Reiclifltftg zu Eegeneburg, 



halten und wie man denjenigen begegnen soll, die sie gedenken tn 
kränken. Bei jenem seind keine Contradicenten gewesen oder haben 
leichtlicU zur Geduld, weiln die Herren Churftirsten alles dirigirten, 
können disponirct werden. Bei diesem fintlcn sich mehr Contradicen- 
ten als Mittel dieselbe zu besserer Ration zu bewegen. 

Was mein Herr wegen der Parität berichtet und dass meine 
Schreiben Uheler aldort aufgenommen w^erden, da will ich hoffen, 
wann derselbe unsere Vota, untrere sämmtlichc und meine particuHer 
letzie Relaliones lesen, er allezeit befinden wird, dass wir einen Un- 
terscheid inter paritatem *iuoad personas im Churf. Collegio et inter 
paritatcm quoad vota gemacht haben, wie nicht weniger, dass bei 
allen Deputations- und Reichstagen die Deputat! pares numero quoad 
personas sein und auch im Churf. Collegio quoad vota gleichergestalt; 
dass ich aber geglaubt habe, dass personalis qualitas in diesem Col- 
legio, wann man nämlich mehr Churfürsten machen wollte, Ineoüve- 
nientieu causiren wtlrde, das gestehe ich gerne und bleibe beständig 
unter andern darum dabei, dass mir bekannt ist, sobald man diese 
Corde rilhren, ein jeder Churfitrst sein w^ollte etc. Dieses alles aber 
ungeachtet, so unterlassen wir nicht das Werk so angenehm als e« 
immer sein will zu machen, gestatt wir dann beständig dahin trachten 
werden, dass Sr. Ch. D. Befehl nach den Fürsten von uns assistiret 
werde, von Herzen wünschend, dass sie es gegen uns hJnwiedenini er- 
kennen mögen. — 

Sonaten ist meinem Herrn bekannt, dass S. Ch, D. uns sehr eiferig 
anbefohlen haben, uns mit den Filrsten, insonderheit den evangelißcben, 
darin zu conjungiren, dass die neuen Fürsten nicht möchten ad 
sessionem et votum, als vermittels gewisser Conditionen admittiret 
werden. Diesem Befehl nun seind wir mascule nachgekommen und ist 
zu besorgen, dass wir dadurch den Kriegspräsidenten Fürsten von 
Lobkowitz, den Obristen Hofmeister Fürsten v. Die trieb stein, 
den Fürsten Piccolomini und den Fürsten v. Auersberg, als 
welche die 4 neue Fürsten sein, darüber der Streit ist, uns nicht 
wenig werden zuwider gemacht haben. Und wiewol wir in der ge- 
wissen Hoffnung bestanden, es würden die evangelischen Fürsten, 
nachdem sie unsers Eifers hierunter gnugsam versichert gewesen, 
darbei beständig gehlieben sein, so haben \vir doch das Contrariura. 
wie mein Herr aus unserer heutigen Relation an S. Ch. D* mit meh- 
rem wird zu ersehen haben, erfahren müssen; indem Brannschweig, 
Celle, Altenburg, Gotha, Weimar sine minimo nostro scitu sich zu- 
s^mmengethan und vereiniget, dass sie den Fürsten v* Lobkowitz, 



BlameDthftl gekrankt Das en^clische Subsidiam. 



361 



als welcher zuerst ausgeführet worden, keinen litem mehr machen 
wollten; gestalt dann derselbe vor wenig Tagen durch der Fürsten 
Getrieb wider den a, 1641 gemaehten Keichsschluss oben an über 
alle andere weltliche Fürsten gesetzet und haben denselben vatiren 
mnd ihm zu seiner Reception gratuliren lassen. Weiln nun dieses 
^dem Fürsten v. Lobkowitz geschehen, so ist fast zu vermuthen, es 
werden die anderen gleicherstalt damit durchzudringen suchen, gestalt 
dann der Fürst von Auersberg mich fast bei aller Gelegenheit erin- 
aerf und fraget, ob von Sr Ch. D. noch keine Antw^ort seinethalben 
hinkommen sei, Bitte dahero, der Herr wolle Sr. Ch. D. solches vor- 
Ibringen und Ihre Gedanken und Befehl ratione dieses Fürsten von 
Auersberg^ weil er alhiero alles in allem ist, procuriren. — 

Dafer